Meine Motive

Warum ich mich für die „Wir machen Euch satt“- Demo (WMES) einsetze.

Die Premieren-Demo im vergangenen Januar war angesichts der extrem kurzen Vorbereitungszeit von vielleicht gerade zwei Wochen ein Achtungserfolg- in meinen Augen. Die ca. 1000 Demonstranten auf dem Washington-Platz am Berliner Hauptbahnhof machten erstmal auch öffentlich deutlich, dass sie es Leid sind, von den vielen tausend, bunt gemixten Teilnehmern und Veranstaltern des Demozuges der „Wir haben es satt“-Demonstration diffamiert und in den Dreck gezogen zu werden.

wmes_logo_01Die kleine Gegendemonstration mit überwiegend aktiven Bauern und Landfrauen wurde von einigen Medien wahr genommen. Bei einigen (nicht nur) neutralen Beobachtern setzte wohl ein Denkprozess ein. Ist es vielleicht doch nicht so einfach, die Landwirte in bestimmte Schubladen zu stecken? Hier die „guten“ Bauern auf der WHES und dort die bösen konventionellen Bauern und Massentierhalter mit ihren großen Höfen, die gerne für jedes Übel in der Welt verantwortlich gemacht werden können?

Natürlich ist es nicht so einfach! Das wissen aber leider die landwirtschaftsfernen Verbraucher nicht und viele Journalisten leider auch nicht. Auch die Macher der WHES fingen an zu grübeln. Plötzlich ist eine kleine Gruppe aufgetreten, die ihr gewohntes Meinungs-Monopol an diesem Tag aufgebrochen hat. Plötzlich drohten die pauschalen, verzerrten und teils auch schlicht falschen Anschuldigungen gegen die moderne Landwirtschaft differenziert von außen betrachtet zu werden!
Plötzlich könnte deutlich werden, dass die „Wir haben es satt“-Fraktion nicht für die Mehrheit der deutschen Landwirtschaft spricht, sondern – im Gegenteil – nur für eine aktive, aber letztlich kleine Gruppe steht, die nur eine Gemeinsamkeit haben:

„Wir haben es satt“ will sich auf Kosten der großen Mehrheit der Landwirte in Deutschland profilieren.“

 

Deshalb ist es wichtig, dass das Zeichen durch die „Wir machen Euch satt„- Demonstrationen in ganz Deutschland deutlich ausfällt! Als an dieser Demonstration teilnehmender Landwirt rufe ich: „Wir sind die Bauern! Wir verschließen uns keiner Veränderung, fordern aber einen ergebnisorientierten und praxisbezogenen Dialog ein! Die pauschale Diffamierung muss endlich ein Ende haben!“

Die „Wir haben es satt“-Organisatoren geben vor, für die Belange der Bäuerinnen und Bauern auf die Strasse zu gehen. In diesem Jahr ist sogar die offizielle Sprache nach außen hin deutlich freundlicher ausgefallen (auch das ist schon ein kleiner Erfolg der WMES). Wahrscheinlich gibt es auch einige, die wirklich glauben, dass sie mit ihren Forderungen nach Verboten, Verschärfungen und Einschränkungen ein Segen für die Landwirtschaft insgesamt sind.

Doch leider ist das überhaupt nicht so: Wir Landwirte machen im Schweine- und Milchsektor eine schlimme Preiskrise durch, sind ständig mit neuen Verordnungen und Erlässen konfrontiert, die uns das Leben nicht leichter machen und dann tritt ein breites Bündnis mit einem ganzen Blumenstrauß weiterer, teils sich widersprechender Forderungen auf die Strasse und sagt, dass sie es einfach satt haben! Das ist überhaupt nicht konstruktiv und fördert eher noch den Strukturwandel, das Höfesterben!

Warum ist das so? Weil der Strukturwandel durch Fortschritt bzw. Innovationen und durch steigende Auflagen angefeuert wird! (Nachzulesen bei den Agrarbloggern)

Das Motto der WHES ist in diesem Jahr „Wir haben Agrarindustrie satt“. Dabei wird jeder seine ganz eigene Definition davon haben, was denn eigentlich Agrarindustrie ist und wo sie anfängt. Eine Definition von „Agrarindustrie“ findet man leider nicht auf der Homepage von WHES.

Aber ich kann von einer Podiumsdiskussion* mit Vertretern von Misereor berichten. Auf dieser Veranstaltung wurde mein Hof, den ich kurz vorstellen durfte und als ganz normalen Hof im kleinbäuerlich strukturiertem Emsland bezeichnet habe (55ha Acker, damals 1700 Mastplätze und ca. 150 Mastbullen) als Agrarindustrie und Massentierhaltung betitelt und betont, dass man „das“ nicht haben wolle…
Später nach Protesten aus dem Plenum und Nachfragen wurden die Aussagen relativiert. Man hätte ja nix gegen die Bauern, sondern etwas gegen das System, in dem diese gefangen seien.

Ich bin mir sicher, wenn die viehintensive Landwirtschaft im Emsland wegbrechen soll, dann wird es einen immensen Strukturwandel geben und die meisten Betriebe von heute auf morgen davon gefegt werden. Und diese Betriebe sind dann weg und kommen nicht wieder. Die wenigen (größeren) Höfe bleiben übrig, werden riesig und dürfen weiter mit irgendwelchen grünen Romantikern über Agrarindustrie diskutieren. Wir hätten vermutlich fallende Grundstückspreise und Pachtzinsen. Für mich kann das nicht die Lösung sein!

Und dann kann ich auch nicht verstehen, wie einige Berufskollegen von mir Seite an Seite mit bekennenden Gegnern der Landwirtschaft und der Nutztierhaltung, mit Stalleinbrechern und (militanten) Tierrechtlern demonstrieren können. Das ist für mich ein No-Go! Zugegeben: Die Demonstrationsleitung spricht sich gegen die Diffamierung von Bäuerinnen und Bauern aus, aber das wurde auch schon in der Vergangenheit so erzählt, in der Realität sah das ganz anders aus.
Und da frage ich mich, warum zum Beispiel die Albert-Schweizer-Stiftung immer noch offizieller Veranstalter ist? Deren Ziel ist die bio-vegane Landwirtschaft – sie lehnen jegliche Tierhaltung ab und steigen nachts in Ställe ein! Warum ist campact! unter den Trägern? Die Spendengenerierung steht doch nicht im Vordergrund, wie immer offiziell gesagt wird?

Warum muss „Wir machen Euch satt
ein deutliches Zeichen setzen?

  • Die Meinungshoheit der WHES muss gebrochen werden!
  • Die große Mehrheit der Landwirtschaft ist es Leid sich diffamieren zu lassen!
  • Wir sind offen für den Dialog, wollen diesen aber ohne ideologische Scheuklappen und Vorverurteilungen führen!

wmes_2016_plakat


in diesem Zusammenhang interessant:
http://blogagrar.de/2015/01/17/was-soll-das-was-soll-wir-machen-euch-satt/
http://blogagrar.de/2015/02/12/landwirte-enttaeuscht-von-misereor/


*In diesem Jahr hat es nach den beiden parallel stattfindenden Demos mehrere Dialoge und viele Diskussionen zwischen Vertretern der WMES und WHES- Fraktion (im wesentlichen waren das wiederum kirchliche Vertreter) gegeben. Hier ein paar weiterführende Links dazu:
Erklärung von Misereor und Brot für die Welt zur Demoteilnahme in 2016
Pressemitteilung der KLJB Osnabrück und Misereor

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28 Antworten auf Meine Motive

  1. Achim Hübner sagt:

    Super – Tolle Aktion, bei der eigentlich alle Bauern mit dabei sein sollten. Wer als Landwirt mit Organisationen auf die Straße geht, die flächendeckend bioveganen Landbau fordern, sollte mal ktäftig über seine Partner nachdenken!

    • Hans-H. Janssen sagt:

      Ich find euer Engagement toll, das geht auch nach Göttingen… Unser Landvolk Ammerland gibt sich dagegen fast wie ein Mauerblümchen, da fehlt noch etwas Motivation, wie bekommt man das hin?

      • Hallo Hans-H.,

        ich würde mir Mitstreiter suchen und dann vielleicht auch euren Kreisverband mal ansprechen, ob die bei der Organisation behilflich sein können.
        Es ist ja nun keine Landvolk- oder Bauernverband-Demo, sondern aus einer Graswurtzelbewegung (Fragden Landwirt) entstandenen Bewegung. In einigen Kreisen warten die Verbände nur drauf, dass von unten die Initiative ergriffen wird. Fragt nach und lasst Euch nicht entmutigen. Auch kleine Aktionen sind wichtig. Ihr seid nicht alleine und seid Teil einer breiten und bundesweiten Bewegung.
        Ich sende Dir mal meine Telefonnummer per Mail, dann können wir morgen in Ruhe telefonieren?

  2. Andreas Oberländer sagt:

    Sehr geehrter Herr Barkmann,
    die Gründe für die Demoteilnahme definiert ein jeder für sich selbst und viele Gruppen mit zum Teil konträren Ansichten nehmen die Möglichkeit wahr an diesem Tag das auf der Straße zu kommunizieren was sie „satt“ haben.
    Als Diskussionsgrundlage für Agrarindustrie könnte die Definition der Uni Greifswald dienen, die wie folgt lautet:

    Agrarindustrie =

    Filialisierte Unternehmensstrukturen mit mindestens einer
    regional marktbeherrschenden Position,

    Unternehmen oder Unternehmensteile, die nicht von einem
    Orts – /regionsanwesenden Landwirt dauerhaft geführt werden,

    Gruppen von Betrieben, die über Dauerverträge (länger als
    zwei Jahre) an Großabnehmer- und Lieferstrukturen der Ernährungswirtschaft gebunden sind – vor allem dann, wenn diese Betriebe direkt nebeneinander liegen („Regionalkartelle“),

    Viehanlagen mit mehr als 500 Rindern (GV), und/oder mehr als 2000 Schweinen
    oder mehr als 380 Sauen mit 3000 Ferkeln und/oder mehr als 9000 Geflügeltieren, wobei die Besetzung einer Stallanlage 600 Tiere nicht überschreitet,

    Betriebe mit mehr als 500 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche.

    In wie weit ihr Betrieb darunter fällt entzieht sich meiner Kenntnis und diese Definition ist sicher auch diskussionsfähig, dennoch dürfte nur ein Bruchteil der betriebe unter die Definition Agrarindustrie fallen und leidet dennoch unter dem Preisdruck der Selbigen, denn nicht der Markt sondern die Agrar.- und Lebensmittelindustrie diktieren den Preis.

    Höfesterben ist keine Fata Morgana, die Zahlen der letzten Jahre kennen Sie sicher besser als ich und mit jedem Betrieb der zumacht verlieren wir ein Stück der Vielfalt die wichtig ist. Nicht die Stalleinbecher oder sonstige Ernährungsphilosophen, die mir die Art der Ernährung diktieren wollen sind Antrieb für mich an der Demo teilzunehmen, sondern der Erhalt der vielen kleinen und mittleren Betriebe, die hervorragendes Leisten und mit ihre täglichen Arbeit Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes gestalten. Man darf mir gewiss dafür die Krätze an den Hals wünschen, es ist es wert!

    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Oberländer

  3. W.-R. Marunde sagt:

    Bernhard Barkmann wendet sich in seinem Text gegen Schubladendenken und pauschale Diffamierungen, benutzt sie aber selbst ausgiebig: So diffamiert er die WHES pauschal als „ideologisch“ motiviert. Was würden die Bauernverbände nur ohne den rhetorischen Kampfbegriff „ideologisch“ machen? Der ist zu einer Allzweckwaffe gegen alle Kritiker geworden. „Bio-vegane Landwirtschaft“ ist als Hammer bei verbalen Rundumschlägen auch im Kommen – aber eine der HauptorganisatorInnen, die Arbeitgemeinschaft bäuerliche Öendwirtschaft (AbL), kann man nun wirklich nicht dafür hernehmen. Und wer den Aufruf zur Demo liest, findet viel konkrete Kritikpunkte und Forderungen, aber weder ein Fitzelchen „Bio-veganes“ noch Aussagen, die die bäuerliche Landwirtschaft „in den Dreck ziehen“. Im Gegenteil.
    Barkmann macht sich zum Sprecher einer Wagengruppenmentalität bei den bäuerlichen Berufsverbänden, die auf alles schießt, was irgendwie nach Ökoterrorist aussieht. So verständlich und nachvollziehbar die Zukunftsängste vieler konventionellen Betriebe, speziell bei den Mästern und Milchproduzenten, auch sind: Mit dieser billigen Kampfrhetorik isolieren sie sich weiter. Die kommt nur in der Wagenburg selbst noch an.

    • Sehr geehrter Herr Marunde,
      ich persönlich kann sehr viel Ideologie bei „Wir haben es satt“ entdecken… mal ganz vorsichtig formuliert. Die „bio-vegane“ Ideologie wird doch auch in dem bunten Demozug von „Wir haben es satt“ (WHES) postuliert- und das schon seit Jahren. Ich habe diesen Bezug jetzt nicht selber hergestellt, aber vielen Demonstrationsteilnehmern scheint diese Ideologie ein Ideal zu sein. Um so weniger kann ich es nachvollziehen, wenn Landwirte aus den Reihen des AbL mit diesen Forderungen sich in einem Demonstrationszug stellen. Dass der AbL sogar mit Organisationen, die diese Ideologie verfolgen, gemeinsam die WHES durchführt, ist für mich ein Affront!
      Ich bin Vorsitzender des Ortsvereins meines 1000 Einwohner zählenden Dorfes und somit ein „böser“ Bauernverbandfunktionär, der nicht in der Lage ist, eigenständig zu denken? Ich bzw. die Initiatoren der Konkurrenzveranstaltung (WMES) stehen für die Öffnung unserer Höfe, für den Dialog auch mit kritischen Organisationen. Wie kann man mir bzw. uns da eine Wagenburgmentalität unterstellen? Das geht doch wohl völlig an der Realität vorbei!
      Wenn ich etwas kämpferisch mit meinen Worten wirke, dann möchte ich niemanden mit meinem Worten einschüchtern, aber wohl eine klare Kante gegenüber denjenigen zeigen, die sich gegen die große Mehrheit der Landwirte stellen indem sie sich PRO WHES stellen!

      • W.-R. Marunde sagt:

        Lieber Herr Bargmann, Sie fordern von den großen Organisationen der WHAS, wie der AbL, einen Unvereinbarkeitsbeschluß gegenüber Minigruppen wie den“Bioveganern“. Okay, das kann man tun, hilft aber inhaltlich kein bißchen weiter. Und die Inhalte sind es, um die in der Gesellschaft gestritten wird: Tierwohl, Totalherbizide, Landgrabbing, Agrarindustrie. Es geht um Gesundheit, Umweltschutz und Ethik. Wer in diesen Auseinandersetzungen zu Streitäxten wie „alles Ideologen“ greift und rabiate AgitProp-Feldzüge führt, isoliert und schwächt die Interessen der bäuerlichen Landwirtschaft. Die Leute sind ja nicht doof: Sie lesen in den Zeitungen, dass die Hälfte des in Deutschland erzeugten Schweinefleisches in den Export geht, und dass die Mäster vor allem deshalb in Existenzschwierigkeiten kommen, weil die Exporterlöse zusammenbrechen. Die Begründung „Wir machen euch satt!“ reicht dann nicht mehr, um Kritik an der Massentierhaltung abzubügeln. Dafür haben auch Menschen ein Gespür, die sich mit Landwirtschaft nicht gut auskennen. Wenn das Landvolk den Diskurs um systemische Fragen weiterhin verweigert und stattdessen die „Ideologen“-Keule schwingt, wird es immer weiter in die Ecke gedrängt werden. Die Verlierer dieser autistischen Kommunikation sind die Bäuerlichen Familienbetriebe. Nicht die Agrarinvestoren und Agrarindustriellen.

  4. Andreas Oberländer sagt:

    Hallo,
    bedauerlicherweise wird weiter gespalten und Anfeindungen unterschiedlicher Verbände bringen hier herzlich wenig.
    Die Landwirtschaft außerhalb der o.g. Definition für Agrarindustrie hat nur gemeinsam eine Chance gegen die preisdiktierende Agrar und Lebensmittelindustrie und umso wichtiger wäre die Einigkeit der kleinen und Mittelständischen Betriebe, deren Zukunftsängste real und nachvollziehbar sind.
    Ich halte eine klare Definition von Agrarindustrie für zwingend um einen Dialog erst entstehen zu lassen, denn aufgrund der o.g. Punkte kann erst verdeutlicht werden was man satt hat. zum jetzigen Zeitpunkt wird ein Dialog vielfach aus Reflex abgeblockt und unmöglich gemacht.
    Auch ich ärgere mich vielfach über die mediale Berichterstattung, wenn bspw. der Mälzer ständig von Agrarindustrie redet, die per se einen normalen mittelständischen Betrieb zeigt und für die abschreckenden Bilder eines Straathof Betriebes in keinster Weise verantwortlich ist.
    Nein, es ist nicht alles Industrie und statt zu spalten, sollte aktiver aufgeklärt werden. Hier liegt erheblich mehr Potential als woanders.
    Ich wiederhol es gern noch einmal, ich gehe zu einer Demo weil ich mein Anliegen in den Fokus der Öffentlichkeit bringen möchte, das drücke ich mit Plakaten, Spruchbändern und ähnlichem aus und wenn statt 100 Treckern 300 fahren ist die Signalwirkung ganz andere… Zum einem weil endlich mal Einigkeit „demonstriert“ wird, zum anderen weil zahlenmäßig den Verantwortlichen einiges klarer wird.
    Eine Demo ist eine offene Veranstaltung, der Vranstalter hat nur wenig Einfluss darauf wer da mitläuft. Das kann positiv als auch negativ sein. Allerdings möchte ich in diesem Fall mal auf den Aufruf der Initiatoren von WHES hinweisen und da finden sich keine veganen Tendenzen oder sonstiges und es stellt sich die Frage was einen Landwirt an dem Aufruf stört? Hand aufs Herz, ich kann außer der Haarspalterei das da auch Peta, ARW oder wie sie auch alle heißen mögen, mitlaufen nicht viel negatives finden. Bleibt zu hoffen das die Vorgenannten nicht irgendwann mal WMES entern.
    MfG
    Andreas Oberländer

    • Sehr geehrter Herr Oberländer,
      wenn Sie hier im Kommentarteil meines Blogs Anfeindungen zwischen Verbänden beklagen, dann sind sie möglicherweise hier nicht ganz richtig. Ich bin zwar Mitglied im Landvolkverband und sogar Ortsvereinsvorsitzender, aber habe ansonsten keinerlei leitende Funktion innerhalb des niedersächsischen Landvolkverbandes.
      Nun weiß ich selber nicht, in welchem Verband sie möglicherweise organsiert sind. Aber ich habe zu den verschiedenen Gruppen und Verbänden schon meine eigene Meinung. Auf Wunsch könnte ich meine persönliche Meibnung hier darlegen.
      Aber das führt uns nicht auf direktem Wege zum Ziel…

      Wenn sie aus ihrem ersten Kommentar die Kriterien für „Agrarindustrie“ an die emsländische Landwirtschaft (da kenne ich mich ganz gut aus, bin ja selber Emsländer) anlegen, dann bleiben nicht mehr viele Betriebe übrig, die nach ihrer Definition die „guten“ Bäuerlichen sind! Dann wären plötzlich über 3000 Familienbetriebe „böse“ Agrarindustrie! Dabei würde ich die emsländische Agrarstruktur als kleinbäuerlich bezeichnen.
      Mir wurde persönlich attestiert, das ich (bzw. mein Familienbetrieb) Teil der Agrarindustrie und Massentierhaltung bin und dass das von seiten der Organisatoren von WHES so nicht gewollt sei.
      Wenn ich einen Dialog führen will, dann gehe ich doch nicht hin und demonstriere gemeinsam mit meinen grössten Kritikern gegen die Landwirtschaft, um vor, während oder nach der Demo sich mit diesen Gruppen auszutauschen!
      Wie soll ich ihre letzten Sätze verstehen? Als Drohung? Sollen sich Teilnehmer der WMES Sorgen machen?
      Ich stehe für absolute Gewaltlosigkeit- damit das mal klar ist!

      • Johann Meyer sagt:

        Hallo Herr Barkmann, das Emsland in seiner Gesamtheit ist also als kleinbäuerlich zu verstehen . Sehen sie da noch Steigerungspotential oder Bedarf um am Markt zu bestehen? Wenn heute jemand das Wort Agrobusiness oder ähnliches benutzt, muss das nicht verächtlich sein, dem Landwirt gegenüber. Holzenkamp , Gr. Macke und andere haben dieses Vokabular schließlich gesellschaftsfähig gemacht

        • Da stehe ich auch weiter zu. Die Landwirtsdichte im Emsland ist sehr beachtlich.
          Agrobusiness ist ein recht neues Wort- muss nicht jeder mögen…

          • Johann Meyer sagt:

            Wenn ein 2000 Plätze Maststall die Normgroße für einen bäuerlichen Hof sein soll,bedeutet das Investitionen von ca 1000000 (eine Million) Euro in der Regel bei ca (800000 ) Euro Fremdkapital. Wie soll denn dieses Hochrisiko- Investment dem Verbraucher vermittelt werden ? Dieses System kollabiert bei geringsten Marktschwankungen. Da bleibt kein Geld mehr für einen rücksichtsvollen Umgang mit Tier und Natur. Das ist Business und hat mit bäuerlichem Selbstverständnis wohl wenig zu tun.Und die „Kleinbauern “ werden in diesem Umfeld völlig aufgerieben.

          • Johann Meyer sagt:

            Ein 2000 er Maststall erzeugt bei einem Umtrieb von 2,8 / 5600 Tiere, die bei einer Futterverwertung von 1 zu 3 und einem Lebendzuwachs von 90 kg ca. 1500 Tonnen Futter fressen. Je nach Bonität und Ertrag entspricht das ungefähr einer Fläche von bis zu 250 Hektar. Die durchschnittliche Eigentumsfläche in D ist ca. 25 Hektar. Eine Preisschwankung von 10 cent pro Kg Schlachtgewicht entspricht einem Mehr- oder Mindererlös von ca 50000 Euro. Mehrere Jahre mit Verlusten bedeutet für die Meisten die Pleite. Im anderen Fall werden riesige Gewinne erzielt ,die weitere Betriebserweiterungen zur Folge haben und so den Investitionswettlauf und Verdrängung beschleunigen. Dreiviertel aller Betriebe sind schon auf Dauer verschwunden und das Ende ist nicht abzusehen.

  5. Andreas Oberländer sagt:

    Sehr geehrter Herr Barkmann,
    wenn sie für Gewaltlosigkeit stehen, dann erschließt es sich mir nicht wo sie in den letzten Sätzen eine Drohung erkennen?!
    Die letzten Sätze stehen lediglich als Hinweis dafür das auch die Veranstalter von WMES keinen Einfluss darauf haben wer sich zeitgleich auf dem Vorplatz des Berliner Hauptbahnhofes versammelt.
    Allerdings sehr interessant was Sie alles in Sätze hineininterpretieren und das lässt jedenfalls für mich einiges an Rückschlüsse zu.

    Wenn ich die Zahlen der Uni Greifswald nehme, die oben zur Diskussion standen und mit dem Zahlen des Bauernverbandes vergleiche http://www.bauernverband.de/33-betriebe-betriebsgroessen die wohl auf die Daten des statistischen Bundesamtes zurückgehen ergibt sich für mich ein etwas anderes Bild als Sie darstellen.

    Last but not least, wer einen Dialog wünscht oder vorgibt ihn zu wünschen, der sollte diesen auch offen führen. Hinweise, das u.U. nicht genehme Meinungen hier flasch seien stehen einem Dialog wohl eher im Weg.

    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Oberländer

  6. Andreas Oberländer sagt:

    Sehr geehrter Herr Barkmann,
    nun kenne ich nicht die Zahlen aus dem Emsland, habe mich dennoch durch die 73 Seiten der Statistik gewühlt und zitiere mal die Zahlen daraus:

    Die größten Betriebe in den
    neuen Bundesländern weisen durchschnittlich 216 Rinder
    (Brandenburg) und 263 Rinder (Mecklenburg-Vorpommern)
    auf. Den größten durchschnittlichen Milchkuhbestand je
    Betrieb von 248 Milchkühen weist Brandenburg auf; gefolgt
    von Mecklenburg-Vorpommern mit 208 Milchkühen
    je Betrieb.
    Im westlichen Teil Deutschlands liegt bei der durchschnittlichen
    Bestandsgröße je Betrieb eine Zweiteilung in Nord
    und Süd vor. Schleswig-Holstein weist einen Durchschnittsbestand
    von 143 Rindern bzw. 72 Milchkühen und
    Niedersachsen von 118 Rindern bzw. 58 Milchkühen auf.
    Währenddessen ist die Viehhaltung in Baden-Württemberg
    mit einem durchschnittlichen Bestand von 56 Rindern bzw.
    33 Milchkühen je Betrieb sowie in Bayern mit 61 Rindern
    und 30 Milchkühen je Betrieb sehr viel kleiner strukturiert.

    Für die Schweinehaltung weist die Statistik nicht so schön aufgeschlüsselte Daten auf nur soviel
    Hier ist eine Konzentration der größten Betriebe mit durchschnittlich
    zwischen 590 Schweinen (Sachsen) und 1 666 Schweinen
    (Sachsen-Anhalt) in den neuen Bundesländern festzustellen.

    Alles in allem liegen die Zahlen im allgemeinen Durchschnitt unter der oben angegebenen Grenze.
    Die Erklärung dafür warum ihr Betrieb zur Agraindustrie zählen sollte kann ich nicht liefern, selbst davon ausgehend das es sich bei den 2000 Masttieren um die fürs Emsland typischen Schweine handelt würde ihr Betrieb anhand der Definition unter dieser Grenze liegen. Bei 2000 Rindern würden sie exorbitant über dem Durchschnitt der gehaltenen Tiere liegen.
    Die Gründe können dann lediglich bei den Dauerverträgen vermutet werden?
    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Oberländer

    • Jochen Böhrer sagt:

      Unter die „Dauerverträge“ fallen (fast) sämtliche Milcherzeuger, Geflügelhalter, Gemüsebauern und Zuckerrübenbauern. KO-Kriterium erfüllt. Die KO-Kriterien werden auch bei 99% der Vollerwerbs-Geflügelhalter allein durch die Anzahl erfüllt. Wie die Uni Greifswald 600 Rinder mit einer niemals existenssichernden Haltung von 9000 Hähnchen gleichsetzen kann, erschließt sich mir nicht. Und 2000 Mastschweineplätze sind das Allermindeste, was man zum Vollerwerb braucht.

      • Johann Meyer sagt:

        Hallo Herr Böhrer ,was verdient ein Landwirt denn momentan Brutto bei 2000 Plätzen ( Mastschwein ) bei ca 2,5 Durchgängen also insgesamt 5000 tiere pro Jahr ? Wenn es gut geht vieleicht 25000 Euro oder wie hoch sollte das Familieneinkommen denn sein ?

        • zur Zeit sind die Margen sehr eng. Da wird es schwierig mit der Wirtschaftlichkeit.

        • Johann Meyer sagt:

          Ich möchte hier mal den Versuch unternehmen,darzustellen, wie hoch die Mehrkosten für den Verbraucher wären wenn einzelne Maßnahmen umgesetzt würden.Gerne auch mit Hilfe des Forums.Ich habe nicht die Absicht hier jemanden vorzuführen .Also bitte mitmachen.Zu meiner Person : Ich habe in den frühen 80 er Jahren eine landwirtschaftliche Lehre abgeschlossen und kurz vor der Jahrtausendwende meinen Meister gemacht.
          Ein Betrieb mit 2000 Mastplätzen verkauft ca 5000 Schweine pro Jahr mit ca. 110 kg Lebendgewicht.Wie hoch sollte nun das Bruttoeinkommen des Landwirtes sein?

    • Jetzt stehen wir vor der Frage, was ist bei der Ermittlung des Durchschnitts wirklich wichtig?
      Das arithmetische Mittel oder doch eher der Median? In meinen Augen ist es der Median und dazu sollte man dann auch bitte nur die Betriebe einbeziehen, die als Vollerwerbsbetrieb zu bezeichnen sind.

      Aber insgesamt wird es nichts daran ändern, dass die vielen Wunschvorstellungen seitens WHES zu einem nochmal stärkerem Strukturwandel führen würde.

      Wenn ich an meinem 8jährigen Sohn denke, dann ist er heute bereits so technik-fasziniert, dass ein Job unter Ausschluss von Technik und Fortschritt nicht denkbar erscheint.

      Es gibt böse Zungen, die auch mir bereits eine gewisse Rundholzallergie nachsagen… 😉

      • Johann Meyer sagt:

        Hallo Herr Barkmann, befürchten sie ein Ausschluss/ Verbot von Technik und Fortschritt in der Landwirtschaft?

        • so ganz abwegig ist das ja nicht.

          Ich sage nur Gentechnik.

          Aber schon moderne Ställe oder auch nagelneue, autark-lenkende Traktoren lösen oft in der Bevölkerung eine gewisse Skepsis aus.
          Vielen ist wohler, wenn sie kleine Oldtimer oder einen alten Schafstall betrachten…
          Ich habe den eindruck, dass viele einen Fortschritt in der Landwirtschaft ablehnen, indirekt findet man diesen Wunsch in so manchem Parteiprogramm.

          • Johann Meyer sagt:

            Gentechnik ist ein Sonderthema.
            Leider wird die Oldtimer /Schafstallillusion oft eifrig beworben und in der Realität ganz anders gewirtschaftet. Das muß aufhören ,da stimme ich Ihnen zu.Und neue ,moderne Ställe können einen erheblichen Fortschritt für Tier und Umwelt bringen.

  7. JuliaM sagt:

    Immer mehr, immer billiger, immer grausamer.
    Die Tierindustrie ist knallhart.
    Die Lösung ist doch ganz einfach:
    Tierleid so minimal wie möglich halten und das geht nur mit kleiner Tierzahl!
    Tiere raus auf die Weide und nicht eingepfercht! Sogar beim Schlachten
    erleben die Kreaturen die reinste Hölle. Akkordschlachten. Massenhaft fehlbetäubte Tiere. Billigschlachtkolonnen. Gequälte Tiere. Beweise über Beweise. Wer solche Erzeuger und Verarbeiter will, bitteschön. Aber ich bin froh, dass die Front der Gegenwehr immer grösser wird und der werden sich auch die Politiker stellen müssen. Tierfabriken gehören verboten.

    • „Beweise über Beweise“
      Vielleicht erweitern Sie ihren Horizont und schauen sich einen Betrieb mal selber an? Ich könnte bei der Vermittlung helfen. E-Mail reicht und ich suche einen Betrieb, der in ihrer Nähe liegt.

    • Johann Meyer sagt:

      Hallo Frau JuliaM , wenn Herr Barkmann Ihnen dann die „guten“ Betriebe zeigt , zeige ich dann die „anderen “ Erzeuger, Vermarkter und Verarbeiter in unserer Region bei denen Ihre Beobachtungen sicherlich eher zutreffen. Nichtstdestotrotz kämpft Herr Barkmann – so wie ich seine Stellungnahmen interpretiere -für ähnlich stukturierte Betriebe wie den eigenen um diese zukunftsfähig und unternehmerisch gestaltungfähig zu halten. Angst und Gier ist dabei unseren Kulturraum Dorf zu zerstören und viele Betriebe benötigen dringend Hilfe und zielführende Kaufentscheidungen der Verbraucher.

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