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Wie auf die Medien reagieren?

Diese Frage stellt sich auch Georg Keckl, Agrarstatistiker aus Hannover in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift top agrar. In seinem Leserbrief der Ausgabe 1/2015 schreibt er als Antwort (hier ist übrigens meine Antwort) auf den „Streitpunkt: Reden sie die Probleme nicht schön!“:

Leserbrief von Georg Keckl in top agrar 1/2015
Leserbrief von Georg Keckl in top agrar 1/2015

[…] Wie kommt die Landwirtschaft da raus? Probleme nicht schönreden, ist sicher richtig, wird den Bauern aber nicht gedankt. Über Blogs etc. gibt es eine Möglichkeit, die Fakten richtig zu schildern und mögliche Schwindeleien der NGOs aufzudecken. Die Glaubwürdigkeit der Kritiker schwindet mit jedem aufgedeckten Schwindel. […]

Als ich diesen Leserbrief gelesen habe, dachte ich mir sofort, dass ich den hier bloggen werde. Denn das ist es ja, was ich seit fast 4 Jahren immer wieder versuche: Neue Fakten und eine andere Sichtweise in die Diskussion um die einseitige Berichterstattung vieler landwirtschaftlicher Themen hineinzubringen.

Eine große Herausforderung, weil die Beschaffung von Fakten und deren richtige Einordnung sehr zeitaufwendig ist. Das führt bei mir dazu, dass ich schon mal viele Stunden und auch mal Tage über einen einzigen Blogartikel brüte. Ich habe mich in der Vergangenheit bereits des öfteren bei Georg Keckls Faktensammlung bedient. Doch jetzt hat der Agrarstatistiker ein etwas größeres Werk veröffentlicht:

Der Anti-Fleischatlas

Dazu gibt Keckl folgende Erklärung ab:

Das „Anti“ im Titel bezieht sich auf die Fleischatlanten von Heinrich-Böll-Stiftung, BUND und Le Monde Diplomatique, nicht auf das Fleisch. Aus dem Fleisch-Bashing in den Fleischatlanten soll hier kein Fleischatlas-Bashing werden. Es geht um eine Kritik an den manchmal autistischen Sichtweisen vieler Fleischgegner auf den Themenbereich. Insbesondere wenn diese Werke in den Schulen besprochen werden, besteht auch so was wie ein gemeinnütziger Bildungsauftrag, eine andere Sicht zu zeigen, damit es nicht einseitig wird. Ein eifriger Teil der Lehrerschaft folgt, wie so oft in der deutschen Geschichte, einer Modeideologie, verwechselt wieder Mission mit Bildung.

Dieses Werk verdient große Aufmerksamkeit und kann hier als .pdf-Datei kostenlos herunter geladen werden. Die im Anti-Fleischatlas zusammengetragenen Fakten werden nicht nur mir, sondern auch anderen Bloggern ein große Hilfe sein. Danke!

 

Genmais verhindern?

Kampagne gegen 1507: Auch bei der "Wir haben es satt"-Demonstration während der Grünen Woche ging es gegen den 1507-Mais. Anfang Februar sammelte das Aktionsbündnis Campact 180.000 Unterschriften gegen die Zulassungen. (Foto: Jakob Huber/Campact CC BY-NC 4.0)
Kampagne gegen 1507: Auch bei der „Wir haben es satt“-Demonstration während der Grünen Woche ging es gegen den 1507-Mais. Anfang Februar sammelte das Aktionsbündnis Campact 180.000 Unterschriften gegen die Zulassungen. (Foto: Jakob Huber/Campact CC BY-NC 4.0) via transgen.de

Die EU-Zulassung von Genmais „1507“ verhindern möchte Umweltschutzorganisation BUND. Die Begründung ist nicht unbedingt sachlich formuliert:

„Er produziert in jedem Teil der Pflanze permanent große Mengen eines Insektengifts, er widersteht dem Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat, das hochgradig toxisch ist – und er soll demnächst auf Europas Feldern wachsen.“

Die „permanet großen Mengen“ kann man sicherlich bei der Risikobewertung relativieren. Und auch das giftige Glufosinat (das nebenbei laut Gefahrstoffkennzeichnung giftig (T) und nicht hoch-giftig (T+) ist, nicht mit dem Wirkstoff Glyphosat verwechselt werden sollte und das viele Landwirte unter dem Handelsnamen Basta kennen) wird bestimmt schon 20 Jahre im Ackerbau eingesetzt. Die Zulassung läuft noch ein paar Jahre, von daher gehe ich davon aus, dass bei ordnungsgemäßer Anwendung auch keine Risiken bezüglich Gesundheit und Umweltschäden bestehen dürften. Aber das soll nicht mein Thema sein.  Auch, dass in allen Lebensmittel unendlich viele Gene enthalten sind und die Bezeichnung Genmais irgendwie irreführend ist, nicht. Nein!

Heute ist es soweit. Da wird in Brüssel endgültig entschieden, ob die oben angesprochene Sorte eine Anbaugenehmigung erhalten soll. Die Mitgliedsstaaten der EU entscheiden, eine qualifizierte Mehrheit reicht aus. Dann wird es in den Medien jede Menge Artikel und Berichte geben, als ob das bisher glücklich Gentechnik-freie Deutschland nun von der bösen Gentechnik überrollt würde. Dabei ist sie ja hier längst angekommen, aber offenbar hat davon bisher kaum jemand etwas gemerkt. Hier eine Auflistung der als Lebensmittel zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzen. Es sind bereits über 50.
Die Liste der Lebensmittel, die mit Hilfe der Gentechnik hergestellt werden ist ungleich länger. Kaum ein Bier kommt ohne gentechnisch-veränderter Bierhefe aus. Auch in der Medizin und bei Arzneimitteln spielt die Gentechnik eine immer dominierender werdende Rolle. An diesen Stellen stört die Gentechnik anscheinend nicht, hier scheint der Nutzen wohl sehr deutlich zu sein und Risiken drängen in den Hintergrund.

Tja, und kann die grüne Gentechnik -die Gentechnik in der Pflanzenzüchtung- uns (dem Bauern, den Verarbeitern und den Verbrauchern) nutzen?

Ich finde, da könnte es wirklich Wohl bringende Züchtungen geben. Sicher weiß ich es nicht, aber ich meine, dass zumindest die Forschung daran nicht verteufelt werden sollte. Man sollte nüchtern nach Faktenlage und wissenschaftlichen Erkenntnissen entscheiden. Das ist aber anscheinend in Deutschland nicht möglich. Da gibt es den ersten Aufschrei bereits dann, wenn man nur das Wort „Gentechnik“ in den Mund nimmt.

Übrigens ist der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in vielen Teilen der Welt bereits viele Jahre weit verbreitet. Nicht umsonst lässt die EU über 50 verschiedene Sorten (s. Liste oben) von außen importieren. Gründe des Verbraucherschutzes stehen dem Verzehr anscheinend nicht entgegen- mir sind jedenfalls keine Krankheitsfälle oder gar Todesfälle in den USA bekannt, die mit Gentech-Food in Verbindung stehen, und auch eine Reisewarnung in die USA oder Südamerika ist bisher nicht ausgesprochen worden.

Aber eines steht auch fest. Das Thema grüne Gentechnik ist extrem emotional aufgeladen. Es wird hier seitens vieler Umweltorganisationen verbittert gekämpft, leider zu wenig auf Argumentationsbasis und zu viel über Emotionen und Angstmacherei.

Eine Fülle von sachlichen Informationen zum Thema Gentechnik befindet sich auf den Seiten von transgen.de.