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Jäger, Landwirte, Angler und Imker in einem Boot

Emotionale Worte einer Jägerin, die anonym bleiben möchte:

Wow. Da sind sie wieder, die aktuellen Diskussionen, die jeder Jäger und vermutlich auch jeder Landwirt, jeder Angler oder Imker kennt. Da wird aufs übelste beschimpft, beleidigt, provoziert. Sicherlich im Endeffekt von beiden Seiten.

Aber woher kommt er, dieser abgrundtiefe Hass gegenüber uns?

Leuten, die meiner Ansicht nach noch mit und in der Natur leben, agieren und versuchen, ihre Zusammenhänge zu verstehen? Warum ist es „nur in seiner Natur“, wenn ein Prädator ein Wildtier erbeutet, wenn er es eben nicht sofort schnell und schmerzlos tötet, wenn es gar leidet oder viel mehr Tiere gerissen werden, als für eine Mahlzeit notwendig wäre?Warum ist es nicht „in der Natur“, dass wir Nutztiere halten oder eben Wildtiere erlegen, um sie zu essen?

Wären wir seit zigtausende von Jahren tatsächlich reine Pflanzenfresser, dann hätten wir einen um mehrere Meter längeren Darm, keinen verkümmerten Blinddarm und ein völlig anderes Gebiss. Warum haben unsere Vorfahren die Gefahren und Strapazen der Jagd auf sich genommen, wo Löwenzahn, Brennnesseln und Beeren doch vermutlich vor der Nase wuchsen? Warum wird als Argument immer gleich die „Lust“ am Töten vorgerufen? Fehlt mir da ein Körperteil, als Frau? Oder macht Fleisch essen einfach satt und ist somit befriedigend?

Ich jage auch. Aber eben nicht nur. So wie der Landwirt viele Stunden an Arbeit hat und auch nicht nur tötet. Empfinden Angler Lust? Ich muss doch mal einen fragen. Ich dachte eher, es ist noch eine Form des Jagdtriebs. Beute machen zu wollen. Nahrung zu haben. Vielleicht ist das doch noch ein Fitzelchen aus jahrtausendelanger Entwicklung. Übrig geblieben wie unser kurzer Darm oder unser Allesesser-Gebiss.

Und dann stolpere ich wieder über Kommentare von Leuten, bei denen mir die Haare zu Berge stehen und meine Augenbrauen vor Erstaunen sich nicht weiter nach oben ziehen können. Ich sehe mir deren Profile an, während ich Sachen wie „Karma regelt das bei euch, zur Not im Krankenhaus„, „Psychopathen„, „erschießt euch selber“ und so weiter lese. Auf den Profilen sehe ich aber Leute, die Tiere lieben. Die sich um verletzte und kranke Tiere kümmern. So wie wir das tun. Leute, die meistens doch auch einem normalen Job nachgehen.

Woher kommt dieser Hass? Bei vielen Kommentaren frage ich mich, wie dieselben Personen täglich im Job und Alltag argumentieren. Ob sie da am Schreibtisch oder der Supermarktkasse ausflippen, und dem Kollegen mit dem Leberwurstbrot einen qualvollen Tod, oder dem Käufer von Hackfleisch mit dem Aufstechen der Autoreifen drohen? Da sind alle völlig unscheinbar.

Also doch nur die Anonymität auf Facebook, die kleine heile Welt im Computer? Ich frage mich jedesmal, was deren Chef dazu sagen würde, wenn er sowas lesen könnte. Woher kommen diese Menschen verachtenden Aggressionen? Was passieren würde, wenn man sie mit Steinen und ähnlichem bewaffnet in die Realität entlassen würde. Was ist das? Frust? Langeweile? Verzweiflung?

Wie oft sitze ich auf meinen Händen, denke mir „schreib nichts! Schreib dazu bloß nichts!“ Mich lässt das, wie man sieht, auch nicht völlig unberührt.
Ich denke, dass viele viele Leute einfach nicht genügend informiert sind, aber durchaus interessiert an der Natur und ihrer Umwelt. Diese Leute gilt es abzuholen und mitzunehmen. Bei 500 und mehr Hasstiraden in einzelnen Beiträgen stellt man schnell fest, dass der Großteil der Wut- und Fehlinformationen von einzelnen wenigen Personen gepostet wird. Damit aber deren laute Meinung nachher nicht aussieht, als wäre sie die einzige, sollte man aber vielleicht doch immer wieder sachlich mitargumentieren. Auch wenn es schwer fällt. Verdammt schwer, in dem Moment, in dem man sich doch am liebsten auf das selbe Niveau hinablassen würde und mit „Herr, schmeiß Hirn vom Himmel“ antworten möchte.

Die festgefahrene Meinung und die Einstellung einzelner Personen lässt sicher niemals eine sachliche Diskussion zu. Wichtig sind doch die, die das lesen und sich nur denken „was ist denn bitte da los?“. Mit denjenigen möchte ich reden.

Da geht es nicht um das Rechthaben. Da geht es um zeigen, fühlen und empfinden unserer Umwelt, eine Meinung kann sich jeder selber bilden.

Für alle, die Fragen haben, zur Jagd (die ich sicher auch nicht alle beantworten kann, ich bin ja nicht allwissend) zum „warum“, für all jene habe ich ein offenes Ohr. Und Zeit. All jene lade ich ein, einfach mal mitzukommen. Vor der Mahd durch regennasse Wiesen zu laufen, pitschnass zu werden und am Ende ein kleines Rehkitz zu finden und es an einem sicheren Bereich abzusetzen. Am Sonntag statt auszuschlafen um 03.30 Uhr aufzustehen, über Stunden still auf einer Holzbank zu sitzen und die Natur beim Erwachen zu beobachten. Mit einer Hacke ‚bewaffnet‘ zwei-drei Stunden dabei zu helfen, Wildschweinschäden in einer fremden Wiese wieder einzuebnen. Eimerweise Steine zu entfernen, um einen brachliegenden Wegrandbereich in eine Wildwiese zu verwandeln… Gemeinsam Jagd -und auch das ist ein kleiner Teil davon, zu erleben. Da freue ich mich drauf. Und bei dem Gedanken daran sind sie auch schon weg, diese ganzen Frustrationen. Ganz ohne Beleidigungen. Geht doch. Mitkommen. Mitmachen.


Dieser Text steht bei einer Jägerin in ihrem Facebookprofil. Das Angebot hat sie ihren Facebookfreunden gemacht. Aus Sorge vor Anschlägen wie Hochsitz-Ansägen etc. möchte sie hier aber anonym bleiben.
Sollten einige Leser das Dialogangebot der Jägerin annehmen wollen, kann ich je nach Region sicherlich helfen, einen Jäger(in) zu vermitteln.

Auf einem Austausch würden sich auch die jungen Jäger aus Bonn freuen: https://twitter.com/JungeJaeger

#NoHateSpeech agrar

nohatespeech_bildGestern hat dich der Justizminister Heiko Maas mit Vertretern von Facebook getroffen. Er möchte, dass Facebook und andere soziale Netzwerke strafrechtlich relevante, rassistische Kommentare löschen.
Sehr viele unerträgliche Hasskommentare sind in jüngster Zeit in Zusammenhang mit dem großen Flüchtlingsandrang in Deutschland entstanden. Die Hemmschwelle für fremdenfeindliche Hassparolen ist wohl gesunken.
Kathrin Göring-Eckhardt von B90/Grünen hat einige dieser Kommentare und Botschaften in einem Video vorgelesen.

Auch in Diskussionen um Landwirtschaft und Tierhaltung tauchen Hassbotschaften, Gewaltaufrufe und widerlicher Hetze auf. Diese werden in den seltensten fällen von Facebook gelöscht.

Meldet man bei Facebook einen Kommentar oder ein Bild, dann bekommt man in der Regel die Antwort
Meldet man bei Facebook einen Kommentar oder ein Bild, dann bekommt man in der Regel die Antwort

Hier mein Videobeitrag zu #NoHateSpeech:

Mir ist wichtig, dass auch Landwirte weiter aktiv sich an Diskussionen um die Landwirtschaft bzw. Tierhaltung einmischen. Bitte lasst Euch nicht von diesen Beschimpfungen abhalten! Und wenn ihr doch damit konfrontiert werdet, dann meldet das zuerst bei Facebook und wendet Euch dann z.B. an mich! 😉

Kühe auf der Weide

„Was man so mit einem Handy und der integrierten Bildbearbeitung im richtigen Moment hin bekommen kann.“

So kommentierte Junglandwirt Hendrik Lübben sein neues Profilfoto bei Facebook, nachdem ich ihn dafür gelobt habe. Dieses Foto möchte ich auch in meinem Blog veröffentlichen:

Kühe auf dem Grünland in der Wesermarsch
Kühe auf dem Grünland in der Wesermarsch

Kein großer Aufwand, aber eine verhältnismäßig große Wirkung, die mit einem „Schnappschuss“ des Smartphones erzielt werden kann! Auch das ist Öffentlichkeitsarbeit!

Bauern im Netz

Haselünne (VEL). 7700 „Gefällt mir“-Klicks hat die von Junglandwirten betriebene facebook Seite „Massentierhaltung aufgedeckt“. Die Internetplattform soll Verbraucher sachlich über die moderne Schweinehaltung informieren und die Möglichkeit zur Diskussion bieten. Die Gründer der Seite sprachen nun in Haselünne mit Mitgliedern des Arbeitskreises Agrar über die Chancen und Risiken der sozialen Netzwerke.

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Nutzen moderne Medien zur Öffentlichkeitsarbeit: Sebastian Ermann, Johannes Ritz und Marcus Holtkötter gemeinsam mit Matthias Teepker und Sebastian Bartels vom Arbeitskreis Agrar (von links).

Da soziale Medien wie facebook und twitter immer häufiger Einzug in deutsche Ställe halten, hatte der Arbeitskreis Agrar zu einem Diskussionsabend zum Thema „Öffentlichkeitsarbeit – Junglandwirte in sozialen Netzwerken“ eingeladen. Johannes Ritz und Sebastian Ermann, Agrarstudenten aus Osnabrück, betreiben seit Juni 2013 die facebook Seite „Massentierhaltung aufgedeckt. So sieht es in deutschen Ställen aus“. Sie berichteten über ihre Erfahrungen mit dieser innovativen Öffentlichkeitsarbeit für die moderne Landwirtschaft. Auf facebook posten sie regelmäßig Fotos aus ihren Schweineställen und fügen jedem Bild eine sachliche Erklärung bei. Die Internetplattform bietet dann jedem die Möglichkeit zur offenen Diskussion. Auch kritische Fragen dürfen hier gestellt werden. Dass die Seite auf großes Interesse stößt, beweisen die über 7700 „Gefällt mir“-Klicks. Der 23-Jährige Landwirt Johannes Ritz ist von der positiven Wirkung seiner facebook-Seite überzeugt: „Mit facebook können wir sehr schnell sehr viele Menschen erreichen. Damit holen wir quasi den Stallbesuch ins Wohnzimmer.“

Mit einem ähnlichen Konzept ging auch die facebook Seite „Bauernwiki – frag doch mal den Landwirt“ ans Netz. Hier werden Bauernfamilien aus ganz Deutschland vorgestellt. Zudem werden Fragen zu vielen Themen der Landwirtschaft aufgeworfen. Mitbegründer Marcus Holtkötter, Landwirt aus Altenberge, ist überzeugt, dass Landwirte ihre Ställe öffnen müssen: „Die hohen Schutz-Zäune um unsere Ställe schrecken die Leute ab. Daher müssen wir zeigen, was in unseren Ställen wirklich passiert.“ Die einfachste Form dazu stellt für ihn das Internet dar. Er wünscht sich noch mehr Landwirte, die hier aktiv werden. „Die moderne Landwirtschaft wird oft kritisiert. Aber der einzelne Landwirt genießt ein hohes Ansehen in der Bevölkerung“, erklärte Holtkötter. Daher sei es wichtig, dass jeder Landwirt den Kontakt zum Verbraucher sucht und über seine Arbeit berichtet. „Es ist falsch, sich zu verstecken“, betonte der dynamische Landwirt.

Am Arbeitskreis Agrar der Katholischen Landjugendbewegung Osnabrück (www.ak-agrar.de) kann jeder Landwirt oder landwirtschaftlich Interessierte aus der Region teilnehmen. Nach Angaben von Vorstandsmitglied Matthias Teepker werden gemeinsam Agrarthemen diskutiert und Veranstaltungen organisiert. Der Landwirt aus Handrup freut sich auf weitere interessierte und engagierte Leute aus der Landwirtschaft.

Hier noch einmal die wichtigsten Links:

Revolution im Netz (oder Bauernbefreiung 2.0)

Angesichts einer stark steigenden Zahl von Facebookseiten, Blogs und anderer Auftritte im Internetkosmos, die von Landwirten in jüngster Zeit gestartet wurden, spricht Rainer Winter (DLG) in seinem Blog wintersnet von einer Revolution- die „Bauernbefreiung 2.0″ hat begonnen:

Es rumort auf dem Land. Die Bauern haben die Möglichkeiten der Neuen Medien erkannt: Was im TV, Rundfunk und in Printmedien an falschen Fakten über Landwirtschaft auf Sendung geht, bekommt Feedback über die Kommentarfunktion oder auf Facebook. War es für einen einzelnen schwierig bis gar unmöglich, Reichweite in den Medien zu bekommen, so kann er heute dank Facebook & Co. im Nu viele Menschen im “Do-it-Yourself”-Verfahren erreichen.

Die AnzahlBauernwiki von landwirtschaftlichen Betrieben mit einer eigenen Facebook-Seite steigt täglich. Hinzu kommen Themenseiten wie “Massentierhaltung aufgedeckt“, die von drei Agrarstudenten ins Leben gerufen wurde. Und auf der Facebook-Seite “Bauernwiki – Frag doch mal den Landwirt” stellen Landwirtsfamilien sich und ihre Betriebe vor und stehen für Anfragen von Verbrauchern und Medienleuten zur Verfügung. Eingerichtet wurde die Seite jedoch nicht von einer Agentur oder einem landwirtschaftlichen Verband, sondern von einer Tierärztin. Sie hat auch den Ferkelaufzuchtbetrieb “Brokser Sauen“, den sie zusammen mit ihrem Mann führt, auf Sendung gebracht. Doch es tut sich noch mehr…

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#Güllestorm

von agrarblogger.de
von agrarblogger.de

Ich kannte bisher einen Shitstorm (–> z.B. Wiesenhof) oder einen Candystorm (z.B. für die  ehemalige Frontfrau der B90/Grünen Claudia Roth), aber spätestes ab jetzt gibt es auch den #Güllestorm.
Diesen Begriff hat die Redaktion der Wissenschaftssendung Quarks&Co (WDR) geprägt, nachdem eine Fülle von Protestmeldungen vor allem aus der Landwirtschaft als Reaktion eines vorab veröffentlichen Videos auf die Mitarbeiter des WDR einprasselte.

Auf der Seite Agrarblogger.de wird dieser Güllestorm, aber auch die Richtigstellung eindrucksvoll beschrieben. Kurzum: Das vorab veröffentliche Video „Wirtschaftssimulator: Das Rind“ lässt jeden wissenschaftlichen Ansatz vermissen und ist das Produkt einer öko-veganen Ideologie.

Dieses unausgewogene Video rief viele Proteste hervor.

Die Bauern und die Freunde der bauern und die Funktionäre
Die Bauern und die Freunde der Bauern und die Funktionäre

Quarks & Co. ging anfangs von „ein paar Bauern, Freunde von Bauern, Freunde von Freunden von Bauern und Bauernfunktionären “ aus.  Vielleicht denken sie noch immer so, aber ein wenig Wirkung haben die Argumente dann doch gezeigt. Die Proteste und vor allem die Argumente und Fakten zeigten Wirkung, denn das Vorab-Video wurde leicht geändert. Ganz genau lässt sich das wiederum auf Agrarblogger.de nachvollziehen, deren Blogger von Anfang an bei diesem Thema am Ball waren!

Ich frage mich, was bleibt nach dieser Sendung, die gestern Abend ausgestrahlt wurde, hängen?

1. Quarks & Co würde ich nicht mehr als wissenschaftlich bezeichnen. Diese Sendung ist anscheinend irgendwo im Infotainment-Sektor beheimatet und wird sich wohl eher mit Sendungen des Zeitgeists wie „Galileo“ messen wollen. Was für mich eigentlich kein Problem sein sollte, wenn Quarks & Co nicht selber einen hohen wissenschaftlichen Standard proklamieren würde. Die Sendung von Quarks & Co „Pfusch in der Wissenschaft“ sollte jedem nach der gestrigen Sendung nachdenklich machen…

2. Um die im Kontext falschen Informationen wieder auszubügeln, bedarf es für jeden Fernsehzuschauer ein Vielfaches an Zeit, die erzeugten (Vor-)Urteile zu widerlegen. Das Image der (deutschen) Landwirtschaft dürfte weiter gelitten haben.

3. Diskussionen während eines Shitstorms bzw. Güllestorms arten gewöhnlich aus. Mit Fakten kann man nicht bzw. kaum gewinnen.

4. Gowin´s Law gilt! In diesem Fall wurden in der „Diskussion“ bzw. bei den „Kommentaren“ sogar nicht nur Nazi-Vergleiche gezogen, auch so abstruse Vorwürfe wie Sodomie und Ökoterror sind hier gefallen. Anonymität killt wohl auch die Netiquette, leider.

Weiterführende Informationen: