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Greenwashing, mit dem Feinwaschmittel von Bioland

von Franz Kinker*

Bioland kooperiert mit Lidl. Ist das sinnvoll oder ein Schlag ins Gesicht aller Biobauern?

Die Bio-Szene fristete lange Zeit ein stiefmütterliches Dasein. Doch jetzt kommt Bewegung in die Branche. Bio ist mittlerweile in aller Munde. Wer es sich leisten kann, kauft Bio-Produkte, und tut sich und der Umwelt damit etwas Gutes.

Franz Kinker mit einer hornlosen Braunviehkuh

Die Landwirte profitieren von dieser positiven Entwicklung. In der Regel haben sie eine höhere Wertschöpfung, und damit verbunden ein höheres Einkommen.

Landwirte als Vorreiter in Sachen Bio

Um Bäuerinnen und Bauern zu informieren, laden die einzelnen Bio-Verbände ihre Mitglieder regelmäßig zu Versammlungen ein.

Man trifft sich in einem Gasthaus und hört sich zum Beispiel die Vorträge über Boden- und Tiergesundheit an. Außerdem erfährt man hier das Neueste vom Milchmarkt, und ist mehr oder weniger erfreut, wenn neue Vorschriften präsentiert werden. Zum Glück folgt danach der gemütliche Teil der Veranstaltung. Die Geselligkeit, für die wir Allgäuer bekannt sind, kommt also nicht zu kurz. Die Abende verlaufen in der Regel unspektakulär. Wenn sich die Bauern schon mal treffen, dann ausführlich. Es dauert meist bis spät in die Nacht, bis der letzte den Saal verlässt.

Und jetzt stört Lidl die Gemütlichkeit

Seit kurzer Zeit macht jedoch ein Thema die Runde, das den Saal erhitzt und so gar nicht zur Allgäuer Gemütlichkeit passen will. Es ist die Schlagzeile des Jahres 2019: Der Discounter „Lidl“ geht eine strategische Partnerschaft mit dem Öko- Verband „Bioland“ ein. Was für eine Sensation! Ein Global Player, der bislang ständig auf der Suche war nach den günstigen Einkaufsmöglichkeiten. Einer, der knallhart kalkuliert, sich Rabattschlachten liefert, und der den Erzeugern die Preise diktiert. Dieser füllt künftig einen Teil seiner Regale mit zertifizierten Premium-Bio Produkten.

Warum bandelt Bioland mit Lidl an?

Was mag einen so mächtigen Bioverband bewogen haben, sich mit einem No-Name-Händler zu verbünden? Sind die klassischen Absatzwege nicht mehr gut genug?

Bislang wurden Bio-Markenartikel überwiegend vom Naturkosthandel, Reformhäusern, Hofläden, regionalen Märkten, und ab und zu von größeren Handelsketten vertrieben. Die Ladenbesitzer haben mit viel Engagement und Herzblut ihren treuen Kundenstamm aufgebaut und so manche Durststrecke durchgehalten. Auf Wochenmärkten, Hoffesten und Infoständen pflegte man die Kundenbeziehung und klärte Fragen der Konsumenten im direkten Gespräch. Der Kunde schätzte diese Serviceleistung. Gerade in der heutigen Zeit, in der viel online gekauft wird, sind Freundlichkeit und persönliche Beratung etwas Besonderes. Gibt es das bei einem Discounter wie Lidl? Hier muss Ware übers Band, und zwar möglichst viel und schnell. Die Mitarbeiterinnen werden diesbezüglich getrimmt. Wer als Kassiererin die Leistung nicht bringt, hat die längste Zeit in diesem Unternehmen gearbeitet.

Verdrängt Lidl die Bioläden?

Jetzt kommt der Moment, wo bei mir und vielen meiner Kollegen die Alarmglocken klingeln: Ich denke, es geht Lidl nicht nur um Image-Steigerung und Greenwashing, sondern um knallharten Verdrängungswettbewerb. Die Lidl-Kundschaft wird das Bio-Angebot des Discounters mit Handkuss annehmen und die Kassen werden noch besser klingeln als bisher.

Und was geschieht mit all denjenigen, die mühsam ihren kleinen Bio-Laden aufgebaut haben? Die werden am Ende den Kürzeren ziehen. Sind wir mal gespannt, wie viele die Expansion von Lidl überleben.

Bei den Landwirten wird es ähnlich aussehen. Da bin ich mir ziemlich sicher, dass ich jetzt schon weiß, wer bei diesem Deal am Ende den größten Nutzen daraus zieht. Derjenige, der täglich frühmorgens um 5 Uhr aufsteht, und zweimal am Tag die Kühe melkt, gewiss nicht….

Unser Appell an die Verbände

Meine Kollegen und ich, die auf nachhaltige Landwirtschaft und echtes Bio setzen, appellieren an die Verbände: Macht keine Schnellschüsse und denkt zuerst nach:

Warum muss man mit aller Gewalt in Vertriebsschienen gehen, deren Prinzipien nichts, aber auch gar nichts mit Nachhaltigkeit, Service und dem Prinzip „Leben und leben lassen“ zu tun haben?
Der Bio-Markt ist ein sensibler Bereich. Um die höheren Produktpreise zu halten, auf die wir Landwirte dringend angewiesen sind, müssen Angebot und Nachfrage möglichst im Einklang stehen.

Wir Landwirte fordern daher: Lasst Bio- Markenware nicht zur Massenware verkommen und sucht euch Partner, deren Herz auch Bio schlägt!

Euer Bauer Franz

*Franz Kinker ist Biobauer im Allgäu. Seine sehenswerte Homepage ist unter Berghof-Kinker.de aufrufbar.

Franz und Irmgard Kinker mit Tochter und Sohn in traditionellen Kleidern
das Bauernhaus der Familie Kinker ist typisch Allgäu. Fügt sich wunderbar in die Landschaft hinein.
Franz Kinker liegt im Gras
Laptop steht neben Stiefeln im Gras, ein Huhn läuft darüber her.