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Befeuert die Dürre das Höfesterben?

Oder können staatliche Dürrehilfen wirklich helfen?

Das sind Fragen, die ich mir gestellt habe und die der Professor Alfons Balmann* vom IAMO** in einem kleinen schriftlichen Interview dankenswerterweise beantwortet hat:

Hat ihr Institut Erfahrungen, Modelle, wie sich das diesjährige, außergewöhnliche Wetterereignis auf den Strukturwandel auswirkt?
Prof. Dr. Alfons Balmann
Prof. Dr. Balmann

Nur teilweise. Mit Modellen wie AgriPoliS können wir grundsätzlich einige Aspekte solcher Schocks untersuchen. Allerdings haben wir bei Modellbetrieben kein Lernen abgebildet bzw. nur rudimentär über sogenannte adaptive Erwartungen. Praktisch nutzen wir diese Möglichkeit kaum. Interessanter sind Anwendungen von FarmAgriPoliS***, bei dem wir ausdrücklich das Verhalten eines Spielers, also realer Personen abbilden und mit optimierenden Modellbetrieben vergleichen können. Hier offenbarten sich mit Blick auf Milchpreisschwankungen interessante Ergebnisse, wie etwa dass Spieler im Durchschnitt besser darin waren Verluste zu vermeiden als mögliche Gewinne zu realisieren. Es gab aber auch eine Gruppe von Spielern, die unter schwierigen Rahmenbedingungen extrem erfolgreich wirtschaftete.

Erwarten Sie einen stärkeren Strukturwandel in Folge der Dürre in Teilen Deutschlands?

Nein. Es gibt sicherlich etwas veränderte Erwartungshaltungen und zusätzliche Frustrationen bei Landwirten, die vielleicht ohnehin vor vielen Schwierigkeiten stehen. Allerdings kann die Dürre einzelne Betriebe auf dem falschen Fuß erwischen, wenn sie in den vergangenen Jahren kräftig in Wachstum oder Modernisierung investiert haben. Ich wäre allerdings vorsichtig, diesen Betrieben pauschal Managementfehler vorzuwerfen. Auch unternehmerisch kluge Entscheidung können sich im Nachhinein durch nicht zu erwartende Ereignisse als unglücklich erweisen.

Und können andere Regionen vom Unglück anderer Regionen profitieren und Höfe länger im Betrieb halten?

Kurzfristig können Regionen, die in diesem Jahr einigermaßen gute Ernten hatten, von den gestiegenen Preisen profitieren. Das ist ein einmaliger Effekt. Ich bezweifle allerdings, dass Regionen pauschal dann profitieren, wenn vielleicht einige Höfe etwas länger in der Produktion bleiben. Zum einen sollte man eine Betriebsaufgabe ebenso wie eine Gründung als unternehmerische Entscheidung sehen. Aus Sicht des Betriebsleiters und seiner Familie stellt sich in schwierigen Zeiten vor allem die Frage der Vermögenssicherung. Aus regionaler Sicht ist zu beachten, dass andere Betriebe vielleicht froh sind, wenn sie bei einer Betriebsaufgabe endlich frei gewordenen Flächen nutzen können. Diese Frage kann vor allem in solchen Regionen bedeutsam sein, in denen sich die Betriebe ohnehin gegenseitig so sehr auf den Füßen stehen, dass nur ein kleiner Teil der Betriebe mit halbwegs modernen Technologien wirtschaften kann.

Sorgt die Trockenheit dafür, dass bei Pachtmarkt wieder etwas mehr nachgedacht wird? Befeuert die Dürre das Höfesterben? weiterlesen