Schlagwort-Archive: Lebensmittelskandal

Finde den Fehler

Bauernverband_SH_logoWieder einmal lesenswertes aus dem Bauernverband Schleswig-Holstein:

(c) Bauernverband Schleswig-Holstein
(c) Bauernverband Schleswig-Holstein

Finde den Fehler!

Skandale um Lebensmittel! Sie kommen uns ebenso täglich auf den Tisch, wie die Lebensmittel selbst. Was ist dran?

Setze Deinen gesunden Menschenverstand ein und Du wirst den Fehler finden…

P.S. Allein der EHEC-Skandal hatte zig Tote zur Folge, er war kein Skandal der „Massentierhaltung“ oder „Agrarindustrie“.

Lebensmittelskandal in Russland

Ausschnitt aus YouTube-Video (per Snapshot)
Ausschnitt aus YouTube-Video (per Snapshot)

Auf einen wirklich ekligen Hygieneskandal machte mich die landwirtschaftliche Fachzeitschrift top agrar aufmerksam. Redakteur Alfons Deter schreibt in der Online-Ausgabe:

Ein Hygiene-Skandal erregt derzeit weltweit Ekel: Auf Fotos ist zu sehen, wie offenbar betrunkene Angestellte einer russischen Käsefabrik in Milch baden. Da sie ihren Badeausflug anschließend in soziale Netzwerke einstellten und sich damit brüsteten, dass die Milch noch in die Käseproduktion geht, schickte die Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadzor Inspekteure.

Laut der Agentur itar-tass stellten diese „katastrophale hygienische Zustände“ fest, wie auch ein weiteres Video zeigt. So seien die Böden und Wände sehr verdreckt gewesen. Es gebe keine Hygiene-Vorschriften für Mitarbeiter und die Fabrik hätte gegen etliche Vorgaben verstoßen, heißt es seitens der Behörden. Produktproben wurden an das zuständige Gericht in Omsk geschickt, dort wird nun entschieden, ob die Fabrik schließen muss.

Eines dieser unappetitlichen Videos habe ich mit Hilfe der Los Angeles Times im Internet gefunden. Wessen Neugierde ich nun geweckt habe, der klicke oben auf das Foto, das ich von diesem Video gemacht habe.

Einige Leser werden mit Blick auf das Datum diese Geschichte nicht glauben, habe selber auch zunächst gezweifelt, aber das hier ist leider kein Aprilscherz!

Pferdefleisch

Karikatur
Quelle: Facebookseite vom Süddeutsche Zeitung Magazin, Michael Dufek

Der aktuelle Pferdefleisch-Skandal sorgt zur Zeit in Deutschland für viele Diskussionen. Hier handelt es sich mehr um einen Fall von betrügerischer Verbrauchertäuschung als um die gesundheitliche Gefährdung der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher.

 

 

 

 

 

Logo von foodwatch
FoodWatch-Logo

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat zu diesem Thema einen sehr guten Beitrag mit der Überschrift „Pferdefleisch-Skandal: Billig ist nicht das Problem!“ zur Debatte veröffentlicht. Einleitend heißt es dort:

Pferdefleisch wird als Rindfleisch deklariert – und die Schuld am Täuschungsskandal tragen die Verbraucher, weil die immer nur alles billig einkaufen wollen? Diese perfide Argumentation greift nach Meinung von foodwatch zu kurz. Lebensmittelbranche und Politik versuchen den Verbrauchern die Schuld in die Schuhe zu schieben, um von eigenen Versäumnissen abzulenken. Das wahre Problem liegt woanders.

Im weiteren Text werden folgende Thesen aufgestellt:

  • Täuschung ist keine Frage des Preises
  • Qualität ist nicht am Preis messbar
  • Qualität wird nicht transparent – billig kaufen ist oft vernünftig
  • Es herrscht ein Preis- und kein Qualitätswettbewerb
  • Täuschung und Qualität sind keine Frage der Herkunft
  • Die deutschen Verbraucher sind nicht geizig
  • Teuer – und trotzdem getäuscht
  • Die Verbraucher sind bereit, mehr Geld für Qualität auszugeben
  • Nur durch Information wird der Kunde König

(Detaillierter ist der Text hier zu lesen.)

Ich kann foodwatch im Großen und Ganzen zustimmen. In diesem Skandal wird deutlich, dass hier eine ganze Menge krimineller Energie im Spiel ist. Jetzt muss sich zeigen, in wie weit die aktuelle Rechtslage dazu geeignet ist, diese Kriminellen auch zur Verantwortung zu ziehen. Sollte das Gesetz dazu nicht ausreichen, muss die Politik für eine Verbesserung sorgen.

In wieweit die Kontrollen verbessert bzw. ausgeweitet werden müssen, kann ich nicht gut genug einschätzen. Generell halte ich ein ausgewogenes Maß an Kontrolle für nötig und auch gut, aber an dieser Stelle kann man sicher auch übertreiben und für unverhältnismäßig hohe Bürokratie und Kosten sorgen. Die Ehrlichen sind dann wieder die Dummen und die mit krimineller Energie scheren sich eh nicht um die Gesetze und Verordnungen.

Was lernen wir nun aus dem aktuellen Skandal?

  1. Die Strafen für kriminelles Handeln müssen auch eine abschreckende Wirkung haben!
  2. Der Verbraucher sollte seine Eßkultur (Fastfood, Convenience-Produkte oder selber kochen und Slowfood) überdenken und bewusster einkaufen. Dazu
  3. müssen die Lebensmittelprodukte und speziell die Fertigprodukte ausreichend gekennzeichnet werden.
  4. Der Pferdefleisch-Skandal wird sicher nicht der letzte Lebensmittelskandal sein.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern einen guten Appetit!

mal wieder Dioxin

Pünktlich vor Ostern wird uns Deutschen mal wieder ein Dioxin-„Skandal“ präsentiert. Betroffen sind dieses mal Bio-Eier aus Nordrhein-Westfalen.

Dioxin-Ei
(c) dpa

Was mich an dieser Sache nervt, ist die Vergesslichkeit der Berichterstatter. Die ersten Nachrichten, die ich über diesen Fall im Radio hörte, hatten wieder einmal einen Unterton alá „vergiftete Eier“, „verseuchte Eier“ und was kann man eigentlich noch essen?“. Sachlicher wäre es gewesen, wenn man von Anfang an berichtet hätte, dass die Grenzwerte für Dioxin überschritten wurden und der Verzehr einiger weniger Eier nicht gesundheitsgefährdend ist. Denn die Grenzwerte für Dioxin in Lebensmitteln richten sich nicht nach der Gesundheitsgefährdung, sondern nach technischen Richtlinien. Diese Grenzwerte sind bei ordnungsgemäßer Wirtschaftsweise normalerweise locker einzuhalten. Dieses ist ja nicht der erste erhöhte Dioxinfund, regelmäßig wurde dieser Thema in der Vergangenheit behandelt. Die Satiresendung ExtraDrei blickt auf die Skandale der letzten 15 Jahre in folgendem Beitrag zurück:

Speziell beim Dioxin haben allerdings die ökologischen Betriebe hin und wieder Schwierigkeiten, diese Grenzwerte einzuhalten. Das liegt schlicht und einfach daran, dass Dioxin quasi überall in unserer Umwelt vorkommt. Diese Hintergrundbelastung geht allerdings seit vielen Jahren kontinuierlich zurück! Da aber die Freilandhaltung zum Konzept der ökologischen Landwirtschaft gehört, kommen die Tiere auch mehr mit der Umwelt in Kontakt- je näher der Auslauf z.B. an eine viel befahrene Strasse herankommt, um so größer das Risiko einer Grenzwertüberschreitung.

Aus diesem Grunde würde es mich nicht überraschen, wenn das Futter der Hühner keine Grenzwertüberschreitungen aufweisen würde, sondern der Boden des Auslaufes die Ursache des Problems ist. Jedenfalls gibt es keinen Grund für Angst und Panik. Spiegelfechter Jens Berger hat Anfang 2011 zum letzten großen Dioxinskandal folgenden Artikel verfasst: Kein Grund zur Dioxin-Panik und bläst ins gleiche Horn…

„Interessant“ ist auch die Kommunikation der Behörden und der Politik zum aktuellen Fall:

Das zuständige Verbraucherschutz und Landwirtschaftsministerium in Düsseldorf, dass vom Grünen Johannes Remmel geleitet wird, gibt sich nun angemessen zurückhaltend und sachlich. Als vor über einem Jahr der Dioxin-Skandal in der herkömmlichen Schweine- und Geflügelhaltung Schlagzeilen machte, forderte der selbe Minister noch Öffentlichkeit wirksam einen Aktionsplan, prangerte die konventionelle Tierhaltung generell an und verkündete, dass die Landwirtschaft grüner und die Lebensmittel dadurch sicherer werden sollten. Und nun mal wieder ein Dioxin-Problem bei Öko-Eiern- vielleicht erklärt das die Ruhe in Düsseldorf?

MdB Franz-Josef Holzenkamp, CDU und Landvolk-Vizepräsident fordert Aufklärung und anschließend Konsequenzen:

„Die Behörden in NRW müssen jetzt schnellstmöglich für Aufklärung 
sorgen. Sie müssen herausfinden, auf welchem Wege die gefährliche 
Substanz in dieser Konzentration in die Eier gelangt ist, um danach 
entsprechende Konsequenzen ziehen zu können. Die Sperrung des 
Bio-Hofes ist ein richtiger Schritt. Nichtsdestoweniger muss man sich
vor Panikmache hüten. Für Verbraucher besteht keine akute Gefahr.”

Sucht man nach öffentlichen Stellungnahmen von NABU, BUND, AbL und Co. so findet man zu den aktuellen Dioxinfunden nichts. Anfang 2011 war das -ähnlich wie beim grünen Minister Remmel- noch ganz anders:

So verkündete der BUND am 5. Januar 2011, dass „der erneute Dioxin-Skandal in der Massentierhaltung zeigt, dass die Agrarindustrie ihre selbstproduzierten Risiken nicht in den Griff bekommt.

AbL, Bioland und NABU nahmen die damalige Krise zum Anlass, die herkömmliche Landwirtschaft generell in Frage zu stellen und schrieben in einer gemeinsamen Pressemitteilung: „der Dioxinskandal wirft eine zentrale Fragestellung auf: „Welche Ausrichtung der Landwirtschaft wollen wir und wie sieht die zukünftige Agrarpolitik in der EU und in Deutschland aus?“

Es wird deutlich, dass die Kategorisierung zwischen guter Landwirtschaft (Öko) und böser Landwirtschaft (Konventionell) so nicht funktioniert. Die Lebensmittelqualität ist mit nichten bei ökologischen Produkten generell besser (In diesem Blog habe ich dieses bereits im Artikel Bio muss nicht immer besser sein vor rund einem Jahr thematisiert).

Ein letzter Absatz noch:

Natürlich möchte ich nicht Dioxine verharmlosen. Die Belastungen sollten weiter so gering wie möglich gehalten werden! Kommt es zu Grenzwertüberschreitungen – egal ob bei Öko-Produkten oder herkömmlichen Lebensmitteln – sollte die Angelegenheit sachlich aufgeklärt werden und daraus Schlüsse gezogen werden, wie man das Risiko senken kann. Skandalisierungen bringen in der Sache nichts, außer dass Märkte kurzfristig einbrechen können, zum finanziellen Nachteil für die Erzeuger.

Weitere Informationen rund um Dioxin:

Interview mit Lebensmittelchemiker Udo Pollmer
Hintergrundpapier Dioxin-Skandal von Dr. med. Peter Liese
Umweltbundesamt zu Dioxinen
zwei anschauliche YouTube-Videos: Dioxin I Dioxin II von Udo Pollmer