Anti-Fleischatlas-regional

boell_stiftung_logo_de_0Die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen und der BUND stellen zur Grünen Woche in Berlin einen „Fleischatlas regional“ vor.

Besonders interessant dürfte die Antwort auf diese Frage sein: (aus der Pressemitteilung): „Wie viele Höfe „sterben“ jährlich in den einzelnen Bundesländern?“. Da könnte man nun weiter fragen: Wessen Politik hat die größten Industrialisierungswelle verursacht und zu einer Verdrängung von Kleinbauern in den letzten Jahren stark beigetragen? Die Biogaswelle, angestoßen von den Grünen! Die Grünen sollen bitte nicht so tun, als hätten sie keine Landwirtschaftspolitik gemacht bisher und würde ihre Politik die Kleinbauern eher erhalten. Kein Zweig der Landwirtschaft ist so großtechnisch geprägt wie Biogas, hat so viele Gesellschaften (oft mit beschränkter Haftung) statt Familienbetriebe.

Zu den bisherigen „Fleischatlassen“ habe ich einen Anti-Fleischatlas geschrieben und bin auch auf den letzten Seiten des Anti-Bodenatlasses nochmal auf den Fleischatlas eingegangen.

München trinkt Wasser, das vorher für Rindfleisch verbraucht wurde!

Es ist vielleicht wichtig für Münchner zu wissen, dass sie als Trinkwasser ein Wasser trinken, das laut Vorstellung in dem Fleischatlas vorher schon mal für die Produktion von Rindfleisch und Milch „verbraucht“ wurde. München bezieht sein Trinkwasser aus einem Grünlandgebiet, mit dessen Gras Bio-Milchviehbetriebe und Bullenmäster ihre Tiere füttern. Der Regen, der auf diese Wiesen fällt, gilt laut den unsinnigen Definitionen, die der Fleischatlas übernommen hat, als „für Rindfleisch und Milch verbraucht“, auch wenn das Wasser unter den Wiesen als frisches Quellwasser nach München fließt. Wegen so einer Hirnrissigkeit schmeißen sich PeTA-JüngerInnen auf die Plätze und formen „15500“, so viel soll die Produktion von einem Kilo Fleisch verbrauchen oder machen als Nackedei Duschdemos mit der absurden Zahl.800-dusche Und so was kann man der Heinrich-Böll-Stiftung als Zahl verkaufen! Die Atlasse mischen immer seriöse Beiträge von renommierten Autoren mit den Predigern der NGO’s.

Vollgepisste Nitrat-Probestellen auf einer „Standweide“, eher einem Abstellplatz für Tiere

Es wird vermutlich wieder was zu Nitrat kommen, auch eines meiner Lieblingsthemen ( http://www.keckl.de/ und https://blogagrar.de/?s=nitrat+keckl). Hier haben die Landwirte angefangen zu gucken, wo denn die Messstellen stehen, z.B. hier mitten in einer völlig überpissten Weide, was auch die Probenehmer sehen und die Proben verwerfen müßten. Das Messnetz in Deutschland ist skandalös, Frau Höhn weiß schon, warum sie sich gegen eine Vermehrung ihrer (als Ministerin) im Europa-Maßstab absolut lächerlich wenigen, ausgesuchten Messstellen auf eine mit anderen EU-Ländern vergleichbare Zahl und Verteilung so wehrt. Man könnte so gleich die Messstellen an Autobahnparkplätzen einrichten, dann explodieren die Nitratwerte.

Grüne gegen kleine Milchviehbauern mit noch Anbindehaltung

Aktiv die Aufgabe von kleinen Milchbauern beschleunigen will ausgerechnet die grüne Landwirtschaftsministerin in Hessen: Sie will die ganzjährige Anbindehaltung der Milchkühe, was nur kleine Höfe haben, besonders die in den Dörfern (zu viel Straßenverkehr), verbieten! (siehe top agrar und tierschutz.hessen.de und wir-sind-tierarzt.de ). Das wird sich von allein erledigen, denn es dürfen keine neuen Anbindeställe mehr gebaut werden, also warum jetzt die Auslaufbetriebe bis zur Rente noch rauskegeln? Die sollen die Rente voll machen und dann ist Schluss mit der Anbindehaltung. Die „Massentierhaltung“ löst auch dieses Tierschutzproblem mit tierfreundlichen Laufställen, wohin deren Milch und Kühe, wenn sie guten Zuchten waren, immer wanderten. Aber Symbolpolitik wird gemacht. Mit der „ganzjährigen“ fängt das an, denn eigentlich wollen die Tierschutzverbände, wie die Ökoverbände und Lidl etc in Bayern, gar keine Milch aus Anbindehaltungen mehr. Die Bio’s schmissen diese Kleinen vor 2 Jahren raus und dann gehen diese kleinen Ex-Biomilchbauern still zu den konvi-Molkereien zurück. Wie soll denn ein Bauer im Dorf seine 10 oder 20 Kühe über eine Bundesstraße bringen? Die geben dann auf, siehe auch einen Bericht des BR. Das geht sogar unserem grünen Landwirtschaftsminister in Niedersachsen zu weit. Es gab schon in den letzten 25 Jahren eine Flucht der Milch aus Hessen hier nach Niedersachsen, einer jahrelang vernachlässigten Strukturpolitik (zu kleine Felder, Vernachlässigung der Flurbereinigungen) sei Dank. Grüne in Hessen und Flurbereinigung für größere Felder, das geht nicht gut, da bleiben die Felder klein, bis niemand sie mehr bewirtschaften will (Beispiel Bad Orb). Kleine Felder und Bauern erhalten, kann auch bedeuten, dass irgendwann keiner mehr da ist, weil alle Jungen der Nachfolgegeneration sich nicht mehr plagen wollen mit den kleinen Höfen und wachstumswillige Betriebe keine Chancen bekamen, sich zu wenig veränderte. Bio funktioniert übrigens nur, weil Bio Mindestpreise hat: alles was nicht als Bio zu einem bestimmten Preis verkauft werden kann, geht zum Konvipreis weg. Konvi muß bei Überangebot verkaufen.

20-Jahresplan: keine Benzin- und Dieselmotoren mehr in 2036!

Die Forderung der Grünen: Umweltschutz ins Grundgesetz und Ausstieg aus der Kohle, aus Benzin- und Dieselmotoren bis in 20 Jahren passt recht gut zu meinen Artikel vom Mittwoch. Das kann dem Fundi-Flügel der Grünen etwas Glücksgefühl geben, aber zugleich ist das eine riesige Werbung für die AfD, da sich viele Verunsicherte von der SPD und auch von Frau Merkel keine klaren Standpunkte dazu mehr erwarten.

Tofu = hauptsächlich schnittfest gemachtes Leitungswasser

Besonders selbstsicher argumentiert gern der Betreiber von Taifun-Tofu. Es gab einen absurden Bericht in der taz, wo der angeblich eine Sojasorte in Schrebergärten testen lassen will. So ein Sorten-Test ist ein absurder Witz, spricht allen seriösen Landesortenversuchen Hohn. Aber es ist eine PR, mit der man in die taz kommt und vermutlich in viele Berichte zu der Grünen Woche. Der Mann ist wirklich geschäftstüchtig, verkauft mit Wahnsinnserfolg schnittfestes Leitungswasser (Tofu = 70-85% Wasser = Leitungswasser mit etwas gekochtem und geronnenen Sojaeiweiß) und bezirzt mit dem völlig geschmacksneutralen Produkt die Journalistinnen! Nur mit Gewürzen etc. ist da etwas Geschmack bei zubekommen und das soll Käse- und Fleischersatz sein! Dann bringt er wieder seine falschen Zahlen in die taz, gegen die ich schon jahrelang protestiere: „Gegessen wird das Soja selten direkt. 90 Prozent gehen in die Futtermittelproduktion für Kühe, Schweine und Geflügel“. Das ist doppelt falsch: 18 bis 20% der Bohne bestehen aus Sojaöl, das fast ausschließlich der menschlichen Ernährung dient oder der menschlichen Fortbewegung (Bio-Diesel). Seriöser wäre eine Zahl im Bereich bis 80%, wenn man von der Menge ausgeht. Die Bauern bauen Soja nicht wegen der Menge an, sondern wegen des Geldes, dass sie damit verdienen. Sojaöl ist teurer als Sojaschrot, deshalb ist der Grund, weshalb Soja angebaut wird, noch mehr bei den menschlichen Bedürfnissen zu sehen, so bei 40%. So 60% des Geldes bringt der Verkauf von Sojaschrot für Tiere den Sojabauern. Direkt gegessen werden kann die Sojabohne (wie Erbsen und Bohnen) sowieso nicht, das ist eine Industriefrucht wie Raps oder Zuckerrüben. Wenn da nun eine Uni als Referenz beisteht, hat das immer so den Anschein, als ob die PR von Tofu-Firmen mit richtigen Zahlen operieren würden. Ich verfolge den Sojaanbau hier in Niedersachsen genau und wünsche allen bio- und konvi-Anbauern einen ökonomischen Erfolg damit. Wir haben hier Bauern im Land, die tatsächlich sehr schnell merken, was sich lohnt, da mache ich mit gar keine Sorgen, dass die was verschlafen.

3 Gedanken zu „Anti-Fleischatlas-regional

  1. Naja das Argument mit dem „schnittfesten Wasser“ sollte man als Verteidiger der Bauernbetriebe vorsichtig verwenden. Es gibt Menschen, die dasselbe über Gemüse und Salatgedöhnse sagen, fragen Sie mal Herrn Udo Pollmer :->. Gemüse und Salat hat meist über 90% Wasseranteil. Obst kann man ebenfalls dazuzählen, liegt auch meist über 80% Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche, Trauben u.ä. Da ist die Banane eine Ausnahme, die hat kaum 70%. Milch hat ebenfalls 85% Wasseranteil – Man glaubt es kaum, die Kondensmilch besteht noch aus ca. 65% Wasser! Selbst ein nahrhaftes Hühnerei liegt bei +- 75% und Fleisch um 70%, mal etwas mehr mal weniger.

    Fazit: Es mag seltsam sein dieses geschmacklose Tofu-Zeug. Den Wassergehalt als Problem zu bezeichnen sehe ich hier allerdings als wenig tragfähiges Argument. Insbesondere in Zeiten, in denen wässrige Lebensmittel relativ populär sind. Denn die haben in der Regel dadurch wenig Kalorien.

    Es sollte als ein neues Lebensmittel am Markt einfach angenommen werden. Die Zeiten das der Bauer nicht ißt was er nicht kennt, sollten vorbei sein. Es ist typisch für die Ökoseite rumzuhetzen gegen einzelne Produkte und Produktionsweisen. Daran sollten sich Verteidiger einer rationalen und bemüht sachlich richtigen Landwirtschaft nicht beteiligen. Das schwächt die eigene Position. Fällt auch weit aus dem Rahmen Ihres sonstigen Niveaus Herr G. Keckl.

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