Mengensteuerung ist nicht Alles

“Die Rente ist sicher!“

(c) dpa
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so lautete vor 30 Jahren der legendäre Spruch vom damaligen Minister Nobert Blüm. Wir, alle, wissen, dass dies nicht zutrifft. Seitdem versucht jede Regierung dieses heikle und unliebsame Thema so gut es geht zu umschiffen. Mal gibt es Rentenerhöhungen aus Steuergeldern, dann die Riesterente usw. – alles in Wirklichkeit nur halbe Lösungen, die der Wahrheit nicht gerecht werden. Wie soll in Zukunft ein Arbeitnehmer für zwei Rentner aufkommen nach dem Prinzip der Solidarität??? Jeder, der sich nicht selber privat zusätzlich um seine spätere Rente kümmert, wird im Alter nicht genügend Geld haben, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und muss staatliche Gelder in Anspruch nehmen.

Beim Milchmarkt haben wir zurzeit vergleichbare Phänomene. Die Situation der Betriebe ist sehr dramatisch und auf Dauer nicht zu ertragen. Vor diesem Hintergrund fühlen sich viele berufen, uns Landwirten, Lösungen anzubieten, die sehr oft nicht zu finanzieren sind, keine gesellschaftliche Akzeptanz finden oder deren Erfolg wissenschaftlich nicht belegbar ist.

Amos venema (c) http://www.ceresaward.de/amos-venema
Amos Venema
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Was nützt eine Mengensteuerung oder eine Androhung einer “Strafreduzierung“ der Milchliefermengen, wenn diejenigen, die dieses Instrument fordern, nicht wissen, wie diese scheinbar gute Lösung zu bezahlen ist. Außerdem auf welcher Grundlage soll der Eine reduzieren und der Andere nicht? Wer ist der Böse und wer ist der Gute? Welche Molkerei soll diesen Systemwechsel umsetzen?
Am Ende des Tages muss immer eine schwarze Null stehen. Wenn man also einem Milchbauern etwas wegnimmt, kann man dem anderen etwas dazu geben? Diese Diskussionen um Mengenregulativen sind getrieben von Unsicherheit und Angst vor dem, was kommen wird. Sie bringen viel Unruhe in die Politik und den Berufsstand. Jede weitere Forderung nach staatlichen Paketen lässt die Akzeptanz in der Bevölkerung schwinden. Jedes neue Instrument bringt neue Ungerechtigkeiten bzw. viele Streitigkeiten wie bei der Umsetzung der alten Milchquote. Emotion ist ein schlechter Ratgeber bei so wichtigen und weitreichenden Entscheidungen!

Ich bin davon überzeugt, dass wir uns im Moment viel zu sehr auf den Milchpreis in unserer Aufmerksamkeit beschränken.

Das Fordern von Instrumenten, die zum Zeitpunkt der Umsetzung nicht mehr von Nöten sind oder uns sogar behindern, da sich die Marktverhältnisse komplett gewandelt haben, wecken unerfüllbare Hoffnungen. Diese beschränkte Sicht der Dinge birgt die große Gefahr, dass wir andere weitreichende politische Regelungen in ihrer Bedeutung aus dem Fokus verlieren.

Buch mit Paragraphenzeichen
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Dazu gehören unbedingt z.B. die neue Düngeverordnung, neue Naturschutz – und Landschaftsschutzgesetze, die neue Tierhaltungsverordnung. Sie alle werden auch in 10 oder 15 Jahren einen noch viel entscheidenderen Einfluss auf die Entwicklung und Einkommenssituation unserer Betriebe haben. Was nützt uns ein Milchpreis von 35 Cent, wenn durch die geänderten Vorgaben der DVO, wie z.B. Randstreifen, ab 2017 die Produktionskosten um 5 Cent/Liter steigen und wir deshalb nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Wenn der Schutz der Wildtiere durch die Änderung des Artenschutzes so wichtig wird, dass wegen ein paar Wiesenbrütern es uns z.B. verboten wird, von unseren Flächen Wildgänse zu vertreiben, die auf etwa 30 ha den ersten Schnitt vernichtet haben – dann wirkt sich dieser Schaden nachhaltiger aus als der momentane niedrige Milchpreis.
Bei aller Bedeutung des Milchpreises sollten wir die anderen Faktoren, die für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens wichtig sind, nicht aus den Augen verlieren. Was nützt uns ein hoher Milchpreis, wenn der Verbraucher unsere Arbeit nicht schätzt und deshalb unsere Produkte nicht kauft.

WIR MÜSSEN AUFPASSEN, DASS UNSERE NATIONALEN VORAUSSETZUNGEN UNSERE INTERNATIONALE WETTBEWERBSFÄHIGKEIT NICHT GEFÄHRDET! WIR BRAUCHEN KEINE HELDENHAFTEN ALLEINGÄNGE!

Über Amos Venema

* Amos Venema aus dem ostfriesischem Jemgum ist Milchviehhalter und engagiert sich sehr in der Öffentlichkeit. Für die Viedeoplatform MyKuhTube hat er bereits viele Videos produziert.

6 thoughts on “Mengensteuerung ist nicht Alles

  1. Das europaweite Mengenreduzierungsprogramm ist ja dann zum Glück doch noch gekommen! Es war leicht umzusetzen, wurde von den Kollegen in der gesamten EU gut angenommen und hat maßgeblich zum starken Anstieg und einer gewissen Stabilisierung des Milchpreises beigetragen. Spät, aber nicht zu spät sind Agrarpolitiker wie Kommissar Hogan und Minister Schmidt aus den Liberalisierungsträumen erwacht und haben das Nötige getan, um den Ruin des gesamten Milchsektors zu verhindern. Es wäre jetzt an der Zeit, sich bei den Verbänden und Milchbauern zu bedanken, die durch ihren beharrlichen Einsatz für Marktkriseninstrumente gegen große Widerstände zu diesem Sinneswandel der Politik beigetragen und letztlich allen Milcherzeugern den Arsch gerettet haben! Hoffentlich hat sich diese Erkenntnis inzwischen auch in Jemgum durchgesetzt.

  2. Die Angst, sich öffentlich mit namentlicher Meinung zu zeigen, wird im Moment stark thematisiert. Ist es nun Angst oder Undankbarkeit, daß niemand außer O. Ilchmann es wagt ,die Treiber der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zu kritisieren, oder nur der lange Arm einiger Molkereien und der bauernständischen Funktionäre?
    Die Milchkrise hat gezeigt, daß es funktionierende Regeln gibt ,die allen helfen.Da muß man weitermachen ,aber nicht mit den Leuten, die das Recht des Stärkeren fordern.

  3. Marktkriseninstrumente?? Einige Bauern haben teilgenommen, als Mitnahmeeffekt. Gab es tatsächlich diejenigen, die mutwillig Milch in die Gülle eingeleitet haben? Dann müsste der Milchpreis jetzt – wo die Milch wieder in der Molkerei ankommt – sinken. Macht er aber nicht. – Hat die Subvention denjenigen den „Arsch gerettet“, die sonst aufgegeben hätten und so bis zum nächsten Preistal am Leben erhalten werden? (=verlängertes Sterben) Dann hat das „Marktkriseninstrument“ dafür gesorgt, dass mehr Milch am Markt angeboten wird, als ohne diese Subvention. Dann haben wir Dank dieser Subvention einen schlechteren Milchpreis als ohne Marktkriseninstrument.
    Die Wahrheit liegt aber wahrscheinlich dazwischen: Dieses Instrument hat etwa 0% Auswirkung auf den langfristigen Trend, da der Preis immer noch vom Weltmarkt abhängt.
    Es gibt nur einen Sinn dieser Maßnahme: Einige Politiker und Funktionäre klopfen sich öffentlichkeitswirksam auf die Schultern. Na, super.

  4. Vor allem grüne und linke Politiker und BDM/AbL-Funktionäre. Da die Journalisten dann ebenfalls so berichten, müssen die anderen dem „Mainstream“ folgen. Egal, ob es Sinn macht oder nicht. Hogan hat doch nie etwas von diesem Programm gehalten.

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