Tadus – Sind Elektro-Traktoren die Zukunft?

Vor Kurzem wurde ja der Tadus (https://www.tadus.com/), ein serienfähiger E-Traktor-Prototyp offiziell vorgestellt. Ich habe im Frühjahr diesen Jahres eine Fahrt dorthin organisiert. Erstens, weil ich E-Mobilität sehr spannend finde und zweitens, weil der Herstellungsort nur wenige Kilometer entfernt ist.

Ein Schwung interessierter Berufskollegen hat sich auch dafür interessiert und wir haben mit dem Chef und Entwickler Thaddäus Baier ausführlich über die Einsatzmöglichkeiten diskutiert. Vorgeführt konnte er damals noch nicht werden, aber es war auch schon sehr interessant, die verschiedenen Bauteile anzuschauen.

Die technischen Daten findet ihr hier: https://www.tadus.com/traktoren/tadus-t16-20/#technische-daten

Für die Schnellleser unter euch hier ein paar Stichpunkte:

  • 120 kW / 160 PS Maximalleistung
  • 80 kW Zapfwellenleistung
  • 200 kwh Akku
  • Wechselstrom Be- und Entladen 22 kw
  • Gleichstrom Be- und Entladen 120 kw
  • Einsatzzeit 5-8 h (ohne Wechselbatterie)
  • Leergewicht 8,1 t
  • Kaufpreis je nach Ausstattung rund 300000 € netto

Das Revolutionäre an diesem Traktor ist, dass er vier bis fünf separate Elektormotoren hat, die Antrieb, Zapfwelle, Hydralik unabhängig voneinander bespeisen können. Fendt zum Beispiel arbeitet hier ja immer noch mit einem zentralen Getriebe. Hier eine Skizze von der Tadus-Homepage:

Wir haben in unserer Besuchergruppe danach beim Mittagessen viel weiter diskutiert und sind auf folgendes Fazit gekommen, welches ich auch hier auf Twitter geschrieben habe: https://x.com/Vornerbauer/status/2106051729426903119

Es muss zum Betrieb passen!

  • Ein Grünlandbetrieb (auf dem man z. B. den Futtermischwagen damit fährt), ist vorteilhaft.
  • Die zu bearbeitenden Flächen sollten nicht zu weit von der Hofstelle weg sein.
  • Ein zu kleiner Betrieb (wie bei mir mit meinen knapp 30 ha) kann ihn nicht auslasten.
  • Ein Wechselakku macht nur Sinn, wenn man noch keinen Stromspeicher hat, aber überlegt, einen anzuschaffen.
  • Man braucht genügend PV-Anlage auf dem Dach, bei der entweder die Einspeisevergütung ausläuft, oder aktuell neu installiert wird.
  • Um mit 120 kW laden zu können, braucht man natürlich die entsprechende Anschlussmöglichkeit und Ladesäule, die auch erst bezahlt werden muss.
  • Um die Mehrkosten über 3-5 Jahren wieder rein zu holen, braucht man die Möglichkeit, die 400 kwh Akkukapazität als Graustromspeicher zu nutzen. Sprich, man kauf und verkauft Strom an der Strombörse.

Wenn das alles so im Großen und Ganzen zutrifft, dann spricht in meinen Augen nichts dagegen, sich diesen Traktor zuzulegen. Das stufenlose, geräuscharme Fahren sind noch zwei Zuckerl, die ein echter Luxus sind, wenn man aktuelle Dieselschlepper als Vergleich hat.

Was heißt das für mich?

Für 2027 wird mit der Auslieferung von ca. 10 Stück begonnen, wie es danach weitergeht, wurde noch nicht bekannt gegeben. Ich für meinen Teil bin (leider) zu klein für so einen Schlepper, muss darum auch meine beiden Schlepper so lange fahren, wie sie (aufgrund von Reparaturen) wirtschaftlich auf meinen Hof betrieben werden können. Außerdem habe ich mir erst einen Stromspeicher mit 160 kwh angeschafft, wodurch ich nicht zusätzlich 200 oder gar 400 kwh benötige. Photovoltaik hab ich auf dem Dach, aber noch mit Einspeisevergütung. Ich denke, dass meine nächste Investition im Traktorenbereich ein E-Traktor sein wird, allerdings, wenn meinen Bulldogs 25 Jahre laufen, steht erst in ca. 10 Jahren eine Investition an. Bis dahin gibt es genügend Modelle, aus denen man sich den Richtigen für den eigenen Hof aussuchen kann und die Einspeisevergütungen für meine PV-Anlagenn sind bis dahin auch abgelaufen. Und spätestens dann macht es auch keinen Sinn bei meinen langen Abschreibungszeiten, einen Dieselschlepper zu kaufen.

Denn wer tankt 2050 noch mit Diesel?

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