„Sprecht den Bauern Mut zu!“

„Donnerschlag“, dürfte sich vorgestern mancher Landwirt ungläubig bei der Lektüre von „Ehrlicher Bauer, dummer Bauer?“ gewundert haben. Denn was sich den Abonnenten der NWZ mit Einzugsgebiet niedersächsisches Oldenburg und später digital vielen Kollegen im Rest der Republik darbot, war eine Analyse der konventionellen Nutztierhaltung bzw. des Bauernstandes frei von abwertenden Bemerkungen.

Schließlich ist Kritik an Haltungsform und Tierhaltern Alltag. Bei sachlichen Argumenten geht es los und endet vor allem in den Sozialen Medien schnell bei der pauschalen Unterstellung, Landwirte quälen ihre Tiere.

Photo: Webseite "Massentierhaltung aufgedeckt"
In Liegekesseln können die Sauen ausruhen. Entspannung pur.*

Der Artikel  überraschte in vielerlei Hinsicht. So stand dort unter anderem, dass

„immer mehr Tiere in immer gewaltigeren Ställen leben, buchstäblich aus den Dörfern gedrängt von immer strengeren Bau-, Umwelt- und Seuchenschutzvorschriften“.

Auf den ersten Blick ein banaler Satz. Was ihn ungewöhnlich macht ist die Tatsache, dass die Auswirkungen der Gesetzgebung in der Öffentlichkeit überhaupt Erwähnung findet. Und dann gar in einer Zeitung!

Fakt ist: Zahlreiche Vorschriften, die der Gesetzgeber nicht zuletzt aus Tierschutz- und Verbraucherschutzgründen erlassen hat, haben dazu geführt, dass ein Großteil der Nutztiere ganzjährig in Ställen außerhalb der Dörfer leben, oft hinter Schloss und Riegel.

Tatsache ist aber auch: Für die Öffentlichkeit ist dies ein dunkelrotes Tuch. Die großen, geschlossenen Ställe haben zur heute weit verbreiteten Meinung geführt, Landwirte würden aus purer Profitgier ihre Tiere quälen. Warum sonst lässt sie man sie nicht draußen herumlaufen, sondern schließt sie massenweise weg? Da geht doch was nicht mit rechten Dingen zu?!

Erläutern Landwirte die Hintergründe, weisen sie ferner darauf hin, dass das Gesetz verbiete, eine beliebige Anzahl von Tieren in ein Gebäude zu pferchen und dass die Tierschutzgesetzgebung unabhängig von der Stall- und Bestandsgröße Anwendung findet, verhallen die Argumente meist ungehört. Man hört es schließlich nirgends, liest es kaum in der Zeitung, und Tierquälern glaubt man nicht.

Frag zur Abwechslung mal den Landwirt!

A propos Tierquäler. Da wären diese Videos mit den Tierquälereien. Was es dort zu sehen gibt, wird oftmals als Alltag in der konventionellen Nutztierhaltung wahrgenommen. Klar, man kann in die Ställe nicht hineinschauen. Bloß:

„Was wir heute über moderne Landwirtschaft wissen oder zu wissen meinen, wissen wir zumeist aus den Medien. Es ist ein Landwirtschafts-Bild aus zweiter Hand: gezeichnet durch Riesenställe auf der grünen Wiese, durch Youtube-Videos von Tierrechtsorganisationen, durch (Hass-) Kommentare bei Facebook. Viele Menschen, die persönlich keinen Bauern kennen, halten Bauern heute für Tierquäler.“

Ja, so ist es. Die wenigsten Menschen kommen hierzulande noch auf Höfe oder schauen sich Ställe an, geschweige denn, dass sie mit einem Bauern reden. Sie wissen daher nicht, dass Tierrechtler die Nutztierhaltung kompromisslos abschaffen wollen und für den Veganismus eintreten. Wie ist es daher um die Glaubwürdigkeit dieser Filme bestellt? Kann man der Behauptung der Aktivisten Glauben schenken, so sehe der Alltag in deutschen Ställen aus?

Der Journalist Karsten Krogmann hat in seiner Analyse einiges angesprochen, was Landwirte heute umtreibt, unter Druck setzt und immer öfter regelrecht fertigmacht.

„Sprecht den Bauern Mut zu“

ist das Fazit seiner Analyse.

Es ist selten geworden, Landwirte und ihre Arbeit ausgewogen und fair darzustellen. Daran muss man sich erst gewöhnen!

Der Artikel: Analyse zur Agrar-Branche – Ehrlicher Bauer, dummer Bauer? Von Karsten Krogmann

Bild Dir Deine Meinung aus erster Hand – frag doch mal den Landwirt. Zum Bauernwiki bitte hier entlang!

* Bildnachweis: Webseite Massentierhaltung aufgedeckt, 17. Mai 2017

6 Gedanken zu „„Sprecht den Bauern Mut zu!“

  1. Ich frage mich, wie man die Öffentlichkeit gewinnen will, wenn man sie für bekloppt erklärt und für einseitig von Interessengruppen beeinflusst? Ach so, sie wollen die Menschen, die mit Tierschutzorganisationen sympathisieren, gar nicht für Ihr Anliegen gewinnen, sondern düpieren? Und auf Zeitungen, „die Medien“ wollen Sie auch gleich Häme kübeln? Auch Redakteure können vielleicht Zuspruch gebrauchen angesichts sinkender Auflagen.

    Vielleicht können Sie mir behilflich sein. Ich würde mir gern eine konventionelle Schweinemastanlage ansehen. Haben Sie einen Kontakt? Mehrere Bauernverbände verwiesen mich nur an Ferienhöfe. Das hat die Skepsis nicht unbedingt verringert.

  2. Wir wär’s mit dem Bauernwiki? Die Seite ist oben zwei Mal verlinkt. Es gibt sie auch bei Facebook. Die Landwirte dort beantworten gerne Ihre Fragen. Wenn Sie höflich anfragen, dürfen Sie sicher gerne auch mit in den Stall. Ber Tageslicht selbstverständluch, angemeldet und in Begleitung des Landwirtes, der Ihnen gerne alles erklärt.

    1. Danke für die schnelle Antwort. Bei Tageslicht trifft sich gut, bin eher eine Lerche. Sieht man denn dann auch was, oder darf auch das Licht angemacht werden? Filmen möchte ich nicht, das mache ich in anderleuts Räumen und Einfriedungen schon aus eigenen Stücken nicht. Aus Höflichkeit. 😉

    2. Ist Bauernwiki und sind die Antworten dort überhaupt repräsentativ und spiegeln den Alltag auf Höfen wieder. In allen ausgewogenen relevanten Medien ist es üblich ,daß Redakteure ihren Namen nennen.Würden Sie das bitte auch machen.Das ist journalistisches Grundverständnis.

  3. Lieber Anwalt der Tiere, Sie sind herzlich eingeladen sich bei uns auf dem Hof Albersmeier zu informieren. Einfach anrufen und vorbeikommen. Wir sind nicht perfekt aber wir haben auch nichts zu verbergen. Auch unseren Namen nicht – Gruß Klaus und Marianne Albersmeier

    1. Vielen Dank. Ihr Schweinemastbetrieb scheint aber auch kein gewöhnlicher zu sein. Auf Ihrer Homepage sehe ich mehr Platz als vorgeschrieben und einen Außenbereich mit Stroh. Ich sammle daher zunächst weitere Adressen, bevor ich mich entscheide, an wen ich mich wende. Wenn ich mich bei Ihnen melde, dann selbstverständlich mit meinem Namen.

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