Archiv der Kategorie: Tierhaltung

Die Täter-Ethik der Tierrechtler

von Sönke Hauschild

Tierrechtler haben die Menschen schnell auf ihrer Seite. Denn sie kümmern sich um genutzte – meist sagen sie „vernutzte“ – Nutztiere. Tiere haben doch Rechte, vor allem das Recht auf Leben! Doch welche Rechte haben die armen Schweine in der Massentierhaltung? Diese wollen die Tierrechtler in die Freiheit führen, denn nur diese sei artgemäß, auch für Stallschweine. Doch wer wartet da, in der Freiheit? Neuerdings der Wolf.

Eine spannende Frage ist daher: Darf der die Schweine eigentlich fressen? Antwort der Tierrechtler: Er darf. Weil er nicht anders kann, weil er Fleischfresser ist. Weil weder er noch das Schwein weiß, was Recht ist, könne er kein Unrecht tun, und dem Schwein widerfahre damit auch kein Unrecht. Der Wolf ist sozusagen Tierrechtlers Liebling: Er hat ein Recht auf Leben und er hat das Recht, Leben zu nehmen. Nur der Mensch darf es nicht, weil er sich anders ernähren könne. Manch einer gesteht den Eskimos zu, dass sie Fleisch essen, weil in ihrer Heimat außer Eisblumen nun mal keine Pflanzen wachsen. Manch andrer ist da strikt: Auch die Nordmenschen dürfen das nicht. Aber der Eisbär darf natürlich Fische und Robben fressen. Er kann ja nicht anders.

Soweit scheint das schlüssig, aber nur solange man die Perspektive des „Täters“ einnimmt, sei es Mensch oder Wolf. Aber was ist mit der Sicht des Opfers? Dem Schwein oder der Robbe ist es doch herzlich egal, ob der Mensch es isst oder der Wolf/Eisbär es frisst. Noch mehr: Das Schwein würde eine saubere Schlachtung sicher den Fangzähnen des Raubtieres vorziehen. Die Schlachtung ist weniger schmerzhaft, dafür schneller. Was der Wolf dagegen macht, ist sehr natürlich, aber eine große Qual für das Opfer.

Das Töten von Tieren sehen Tierrechtler also nicht generell als falsch an. Interessant. Das sehen die meisten Menschen genauso. Aber wie begründen Tierrechtler gegenüber dem Opfer, warum sein Recht auf Leben gegenüber Fleischfressern erlischt. Warum ist dieser Tod legitim, während der Mensch als Allesfresser das nicht darf? Sie haben keine Begründung, außer der, dass der Täter nicht anders könne. Hier zeigt sich die gefährliche Ethik: Es kommt nicht darauf an, wer getötet wird, sondern wer tötet. Dies ist eine Ethik der Täter. Denn es geht allein darum, wer es macht: Mensch oder Nichtmensch. Das Opfer bleibt auf der Strecke.

Greift man diese Logik an, dann halten Tierrechtler sofort dagegen: Biologisch gesehen sind wir doch alle Tiere. Also gelten für Mensch und Tier dieselben Regeln: Wenn Du meinst, du darfst das Schwein töten, dürftest du ja auch deinen Nachbarn töten. Logisch? Ja, aber nur, wenn man die Werte der Tierrechtler vertritt und Tier und Mensch gleiche Rechte zubilligt. Das ist in der Menschheitsgeschichte eher ungewöhnlich. Unser christlich-humanistisch geprägtes Weltbild gerät hier an Grenzen. Nur für Tierrechtler haben Tiere eine Würde und unveräußerliche Rechte wie das Recht auf Leben. Doch zeigt die Täterlogik das Problem auf: Dieses Recht gilt nicht jedem gegenüber.

Klassische Beutetiere haben nur Rechte gegenüber dem Menschen, nicht gegenüber Raubtieren. Dort gilt das Gesetz des Stärkeren, das mit Ethik nichts mehr zu tun hat. Also Vorsicht! Wer sich das Gedankengut zu eigen macht, der landet in einer Gesellschaft der Raubtiere. Gut, solange man Täter ist, schlecht, wenn man das Opfer ist.

Kritisiert man dies, wird gesagt, der Wolf reiße ja wenigstens nur, was er brauche, wir Menschen würden zahlenmäßig viel mehr Tiere töten. Spätestens hier sollte jedem klar werden, dass dieses mit dem Wert des Individuums nichts mehr zu tun hat. Tierrechtler landen am Ende bei einer ethisch höchst problematischen Mengenbilanzierung: Wer wenige tötet, dem kann verziehen werden, aber ab der Zahl von ? wird es unmoralisch.

Tierrechtler-Ethik folgt dem Gesetz des Stärkeren – unter Ausschluss des Menschen. Darin drückt sich eine gewaltige Verachtung des Menschen aus. Wer Mensch und Tier auf die gleiche Stufe stellt, muss zu solchen Schlüssen kommen. Wer aber dem Menschen als Individuum eine unverwechselbare Identität zugesteht, weil er eben ein Mensch ist, der wird zweierlei tun:

  • Er wird Tiere nutzen, weil dieses ganz natürlich ist. Tiere essen Tiere, Menschen nutzen und essen Tiere. Weil es Tiere sind und keine Menschen.
  • Er wird dem Tier Respekt zollen, gerade wenn er es für seine Zwecke in Anspruch nimmt.

Fazit:

Tiere haben keine individuelle Würde. Aber sie haben einen Wert, den wir achten sollten, solange sie leben. Milch, Eier und Fleisch dagegen sind Nahrung. Auch die sollten wir mehr wertschätzen. Gerade wenn sie von Tieren stammt.

In einer Gesellschaft, in der der Stärkere, solange er kein Mensch ist, das Recht hat, zu nehmen, was er bekommt, wollen wahrscheinlich nicht mal die Tierrechtler selber leben. Denn in dieser Welt hätte der Wolf sogar das Recht, Menschen zu töten, wenn er denn nicht anders satt wird. Und wir dürften nichts dagegen tun. Diese Täter-Ethik ist unmenschlich.

Tue Gutes und blogge darüber

Landwirtschaft meets Social Media

Die Eurotier ist ein Treffpunkt für Landwirte und Tierhalter aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt. In Hannover gibt es während der Woche ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm. Ich freue mich, morgen bei einer Podiumsdiskussion von MASTERRIND dabei sein zu dürfen.

Hier das offizielle Programm der dreiviertelstündigen Veranstaltung:

MASTERRIND auf der EUROTIER auf Stand G41 in Halle 11

Donnerstag, 15. November 2018:

14.00 – 14.45 Uhr

Tue Gutes und blogge darüber – Landwirtschaft meets Social Media

Emily Zimmermann, Moderatorin YouTube-Channel „Sach An“, Nordwest-Zeitung (NWZ), Oldenburg

Thomas Fabry, Fabrykant-Bewegtbildkommunikation, Balve

Bernhard Barkmann, Landwirt und Agrarblogger (BlogAgrar), Messingen

Carolin Bunsen, LAND.SCHAFFT.WERTE e.V., Cloppenburg

Moderation: Rainer Winter, Pressereferent Landwirtschaft und Online-Kommunikation, DLG e.V.

Halle 11, Stand G49, Messegelände Hannover


Kommt gerne vorbei und seid dabei!

Danach gibt es dann sicher noch die Möglichkeit für das eine oder andere Gespräch.

Milch und Mais bei Thole

Diese kleine Betriebsreportage wurde von Dr. Andreas Eiynck im September verfasst

Amerikanischer Farmer mit emsländischen Wurzeln

650 Milchkühe leben auf der Thole-Farm in Aviston im US-Staat Illinois, dazu kommen noch gut hundert Kälber – und natürlich die Familie Thole. Sie betreibt mit diesem Bestand den zweitgrößten Milchviehbetrieb im Ort.

Die Vorfahren der Familie Thole stammen aus Lingen – Holthausen

Hier, im südlichsten Zipfel des mittleren Westens auf der Höhe von St. Louis, gibt es zahlreiche Milchviehhalter, denn weiter im Süden wird es für die Milchproduktion im Sommer zu heiß.

Daher geht die Milch aus diesem Teil von Illinois hauptsächlich in die angrenzenden Südstaaten, vor allem nach Mississippi und Louisiana. Auch in Illinois wird es den Kühen im Hochsommer manchmal sehr warm und sie geben dann weniger Milch. Der Schwerpunkt der Milchproduktion liegt daher in den nördlicheren Bundesstaaten, vor allem in Wisconsin.

Vorfahren aus Lingen, Melker aus Mexico

Gemolken wird bei Thole, deren Vorfahren aus Holthausen bei Ling

en stammen, in einem Melkstand mit 2 mal 24 Plätzen. Die Melkanlage, Marke „Westfalia“, ist Qualitätsarbeit „made in Germany“ und bei den Farmern sehr geschätzt.

Die Melker kommen aus Mexico und sind schon langjährig im Betrieb. Einheimische Arbeitskräfte sind für diese Tätigkeit 365 Tage im Jahr und 7 Tage in der Woche kaum zu finden. Das Verhältnis zwischen den Farmer- und den Melkerfamilien ist gut – sonntags gehen sie alle in die katholische Kirche in Aviston. Die meisten Einwohner des Ortes sind Nachfahren von Einwanderern aus dem Emsland und das kirchliche Leben bildet dort auch eine wichtige gesellschaftliche Klammer.

Beschwerliche Anfänge, hohe Investitionen

Alle zwei Tage sind die beiden großen Milchtanks auf der Thole-Farm voll und füllen dann einen ganzen Milchtransporter. Auch in den USA schwankt der Milchpreis ständig. Es gab gute und schlechte Jahre. Dabei sind die Investitionen für einen modernen und konkurrenzfähigen Milchviehbetrieb enorm hoch. Auf der Thole-Farm waren solche Investitionen nur möglich, weil vier Thole-Brüder den Betrieb gemeinsam aufgebaut haben.

Die Anfänge waren schwer, denn in den 80er Jahren war auch in den USA der Milchmarkt überschwemmt. Es gab Milchquoten und viele kleine Farmen wurden mit Prämien aus dem Markt „herausgekauft“.
1986 zählte der Betrieb Thole aber bereits 250 Milchkühe. Gemolken wurde damals mit einem 2 mal 6 Fischgrätstand.

Familienbetrieb

Derzeit sind fünf Familienmitglieder und fünf weitere Arbeitskräfte im Betrieb tätig. Frau Thole leitet die Kälberaufzucht und übernimmt die Buchhaltung. Ob in der nächsten Generation eines der Thole-Kinder den Hof übernehmen wird, steht noch derzeit in den Sternen.

Erntezeit

Doch jetzt ist erst einmal Maisernte auf der Thole-Farm und dabei ist die ganze Familie mit einem Harvester und drei Transportfahrzeugen im Großeinsatz. Drei bis vier Wochen lang werden die zehn Turmsilos auf dem Hof mit rund 800 großen Ladewagen Silomais befüllt. Das reicht in etwa, um die eigene Herde damit ein Jahr lang zu versorgen. 1965 wurde bei Thole der erste Hochsilo errichtet, derzeit sind es zehn. Gutes Futter und eine ausgewogene Versorgung sind auch in den USA die Grundlage für gute Milcherträge.

Kühe leben im Stall

Die Kühe leben in einer großen, offenen Halle – regelmäßiger Weidegang ist bei dieser Bestandsgröße nicht möglich. Die Laufwege bestehen aus Spaltenböden, in den Boxen liegen die Tiere auf Sand, der sich bei diesem Klima als idealer Untergrund herausgestellt hat. Die anfallende Gülle wird konzentriert und teilweise getrocknet, um als Dünger Verwendung zu finden.

Die Verhältnisse auf einem Milchviehbetrieb in den USA und in Deutschland sind also im Grunde sehr ähnlich.

Für wen gilt denn eigentlich die Pressefreiheit?

Und zweite Frage: Was treibt Tierrechtsorganisationen an?

Meine Kollegin Nadine Henke hat heute morgen die Beschneidung der Pressefreiheit durch das deutsche Tierschutzbüro kritisiert:

Tierschutzbüro und Pressefreiheit?
mit einem Klick geht´s zu Nadines Artikel

Hintergrund:

Die Tierrechtsorganisation hat in Oldenburg wirklich krasse Verstöße auf einem Schlachthof aufgedeckt und zu einer Pressekonferenz eingeladen.

Kurz vor dieser PK wurde allerdings der Chefredakteur der LAND&FORST Ralf Stephan wieder ausgeladen.

Beschneidung der Pressefreiheit

Diese Beschneidung der Pressefreiheit kennt man eigentlich nur von der AfD. Jetzt verweigert das Tierschutzbüro den Zutritt für einen sogenannten Agrarjournalisten, der vermutlich sehr kritisch in der Vergangenheit über Tierrechtsorganisationen berichtet hat.

Journalisten zweiter Klasse?

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Wenn Widerstand zur Pflicht wird…

… was wird dann aus dem Recht?

Jedes größere Projekt, was in Deutschland in die Planungsphase geht, findet binnen kürzester Zeit Gegner. Es werden Probleme konstruiert und somit Ängste geschürt, um auf diesem Wege Mitstreiter und Geld zu akquirieren. Prominente Beispiele sind Stuttgart 21 oder auch ganz aktuell Hambi.

NO! - Nein

Wie im Großen so im Kleinen

Auch bei vielen geplanten landwirtschaftlichen Projekten finden wir diesen Mechanismus wieder – egal ob Stallneubau oder Biogasanlage, sogar bei traditioneller Weidehaltung wird protestiert:

Sein Ziel: ein komplettes Verbot der Weidehaltung auf dem Grundstück…

Der Lärm durch die Kuhglocken sei unzumutbar, schildert die Richterin die Argumente des Nachbarn. Seine Frau leide deswegen unter Schlaflosigkeit und „depressiven Verstimmungen“. Dazu komme der Gestank des Kuhmists, der Insekten anlocke, die wiederum Krankheiten übertragen, so der Kläger. Überdies habe sein Haus durch die Weide 100000 Euro an Wert verloren. Und nicht zuletzt seien die Glocken ohnehin Tierquälerei, argumentiert der Anwalt.

Aus diesem Grund überlegt sich ein Landwirt eher dreimal, ob er überhaupt in eine Projektplanung einsteigt. Es besteht halt immer die Gefahr, dass eine solche Investition im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt wird. Denn selbst wenn eine Planung genehmigungsfähig ist, werden durch öffentlichen Druck Planungen zurückgezogen.

Innovationen im Bereich Tier- und Umweltschutz werden verhindert

Die Konsequenzen aus diesem öffentlichen Druck sind, dass alte Stallanlagen länger betrieben und nicht erneuert werden und innovative Stallbausysteme, die eine Verbesserung im Bereich Umwelt- und Tierschutz bieten würden, nicht gebaut werden.

Die Folgen in den Dörfern

In den Dörfern kommt es zu einer Spaltung der Gesellschaft. Auf einmal bilden sich zwei Lager – die einen, die hinter der Familie stehen und ein anderes Lager, die sich gegen das Projekt aussprechen. Die Diskussion über solche Bauprojekte verlässt sehr schnell die Sachebene. Es gibt Fälle, da wird das Ganze auf dem Rücken der Familien und häufig auch der Kinder ausgetragen: die Kinder werden nicht mehr zu Geburtstagen eingeladen, die Familie wird beim Dorffest gemieden.

Ist jedes Mittel recht?

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Wenn mit dem Bauerntum das Wissen um die Landwirtschaft verschwindet

Mein Oktober-Lieblingsbild: Der moderne Blick auf die Landwirtschaft (Quelle: www.ichliebelandwirtschaft.de)

Am 18.10. 2018 veröffentlichte das SZ-Magazin (Süddeutsche Zeitung) in dem Beitrag »Mit Milch verbinden wir keine Schmerzen, keine Schlachtung« ein Interview mit der Fotografin Manuela Braunmüller. Diese hatte in einer Fotoreportage den Weg der Milch von der Besamung der Kuh bis zu ihrer Tötung begleitet. Auf die abschließende Frage, ob sich etwas an Ihrem eigenen Milchkonsum geändert habe, antwortet die Fotografin:

Ja, ich trinke keine Milch mehr. Ernährung ist ja ein emotionales Thema. Aber es ging mir nicht darum, irgendjemand abzuschrecken. Sondern allein darum, die Kuhmilchherstellung in industrialisierten Ländern zu zeigen. Das Bild vom Bauern, der bei Sonnenaufgang eine Kuh mit der Hand melkt, ist einfach veraltet. Durch unseren massenhaften Konsum hat sich das so verändert. Bei Kuhmilch geht es primär um wirtschaftlichen Profit.

Mir ist der Kragen geplatzt. Im Folgenden das Resultat, so wie ich es bei Facebook dem SZ-Magazin in den Thread gehauen habe:

Schimpfkanonade

Dann möge die Fotografin bitte selber hingehen und ihre Milch mit der Hand melken, statt zu jammern. Nicht immer nur kritisieren und fordern, macht es selber! Wenn mit dem Bauerntum das Wissen um die Landwirtschaft verschwindet weiterlesen

Warum ich ein Problem mit Tierrechtlern habe

Veganer und Tierrechtler sind friedliebend und pazifistisch?

Dieser Irrglaube ist weit verbreitet. Ich selber empfinde die Tierrechtsideologie als äußert menschenfeindlich.
Bestätigt fühle ich mich in meiner Meinung, wenn ich solche Bilder sehe, die auf Facebook wohlwollend und viel zu oft geteilt werden:

Wir sind anderer Ansicht. Niemals werden sich alle Menschen vegan ernähren. Und deshalb müssen wir auch mal krasser werden. Die Politik muss für Schäden aufkommen, erst dann werden sie reagieren und über Tierschutzsprechen
Tierrechtler mit offener Gewaltandrohung

Hier werden Gewaltandrohungen toleriert und protegiert.

Stalleinbruchwelle zur EuroTier

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Vom Tierfreund zum Menschenhasser

Landwirt gibt Hetze und Drohungen nach und zieht Bauantrag zurück

Ein nordhessischer Landwirt kapituliert. Grund: Die Kreistagsfraktion der Grünen haben einen Antrag gestellt, dem Landwirt die Pachtflächen eines Landgutes vorzeitig zu kündigen.

Das käme dem Entzug der Existenzgrundlage gleich! Dass dieser Antrag zudem von AfD und SPD positiv kommentiert wurde, lässt tief blicken.

Der Kreisbauernverband steht klar an der Seite der Landwirtsfamilie, kritisiert die politische Erpressung und spricht vom Untergang der politischen Kultur.

Ich gebe im Folgenden den Kommentar und die Stellungnahme des Waldecker Bauernverbandes wieder:

In den letzten Monaten haben wir viel erlebt:
Wir haben erlebt, wie „Tierfreunde“ zu „Menschenhassern“ wurden. Wir haben erlebt, wie sich Freunde und Bekannte von einer Familie zurückziehen und es nicht einmal mehr schaffen, zu grüßen.
Wir haben erlebAntrag zur geplanten Geflügelmastanlage in Waldeck der Grünent, wie sich Massen von Menschen manipulieren lassen, wie fragwürdige „Experten“ zu fachlichen Sachverhalten medienwirksam platziert wurden.

Wir wissen, dass wir als Landwirte gesellschaftliche Akzeptanz brauchen, wir brauchen aber auch eine Gesellschaft, die sich einem Dialog mit uns stellt und den Standort Deutschland für landwirtschaftliche Tierhaltung behalten möchte.

Wir wurden in den letzten Monaten beschimpft, ignoriert und bedroht. Immer im Glauben daran, dass wir ein rechtsstaatliches Verfahren durchlaufen, haben wir stets den Landwirt unterstützt (und hätten es auch akzeptiert, wenn das Ergebnis dieses rechtsstaatlichen Verfahrens negativ gewesen wäre).

Heute ist ein Punkt erreicht, an dem es der Familie nicht mehr möglich ist, die bisherigen Pläne weiter zu verfolgen. So geben wir heute und zu diesem Zeitpunkt folgende Stellungnahme ab:

Stellungnahme

Drei Wochen altes Hähnchen in einem HähnchenmaststallUnser Mitglied, Karl Schwalenstöcker ist sowohl Pächter und Bewirtschafter einer landwirtschaftlichen Domäne des Landkreises Waldeck-Frankenberg als auch Bewirtschafter von Eigentumsflächen. Auf Grundlage dieser Flächenausstattung hat Herr Schwalenstöcker einen Bauantrag zum Bau eines Hähnchenmaststalls gestellt, um mit einem weiteren Betriebszweig den landwirtschaftlichen Betrieb in die nächste Generation zu führen.

Wir teilen Ihnen heute mit, dass Herr Schwalenstöcker seinen Bauantrag zum Bau eines Hähnchenmaststalls zurückgezogen hat.  Vom Tierfreund zum Menschenhasser weiterlesen

Ferkelkastration und die Probleme der kleinen Ferkelerzeuger

Wettbewerbsnachteile für deutsche Ferkelerzeuger

Vor einigen Tagen war ich auf Twitter in eine Diskussion eingebunden. Es ging darum, warum es für uns Ferkelerzeuger ein Problem ist, wenn dänische Kollegen einen Standortvorteil haben, wie in diesem Fall die Möglichkeit der lokalen Betäubung bei der Ferkelkastration.
Ich musste hier die Feststellung machen, dass es anscheinend in der Poltik, in der Landwirtschaft und in der Tierärzteschaft nicht überall bekannt ist, wie in Bayern unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft bisher funktioniert hat.

Die Sicht eines bayrischen Sauenhalters

Selbstablichtung von Gerhard Langreiter im Schweinestall
Selfie im Schweinestall von Gerhard Langreiter

Schon mal vorab:
Das ist meine oberbayerische Sicht der Dinge, aus Sicht eines Sauenhalters, der nicht den allumfassenden Einblick in die Vermarktung hat. Ergänzungen sind erwünscht!

Historische Einordnung

In den 70er und 80er Jahren hat sich so langsam jeder Betrieb auf eine Tierart spezialisiert, oft auch erst in den 90ern oder wie bei mir erst in den 0er Jahren.

Früher oft im Nebenerwerb

Viele Betriebe waren zu klein, um im Vollerwerb zu wirtschaften, darum war es noch bis vor ca. 20 Jahren üblich, dass man in Zuchtsauenbestände mit ca. die 50 Sauen investiert hat. Oftmals hat die Routinearbeiten die Bäuerin erledigt, arbeitswirtschaftlich war und ist es sicherlich praktischer als Milchviehhaltung im Nebenwerb. Ferkelkastration und die Probleme der kleinen Ferkelerzeuger weiterlesen

Von der Not der Sauenhalter

Ferkel schaut in die Kamera
Neugieriges Ferkel (Bildnachweis: Brokser Sauen)

Es war ein harter Schlag für die Ferkelerzeuger: Der Bundesrat entschied sich am 21. September 2018 gegen eine Fristverlängerung des Verbotes der betäubungslosen Ferkelkastration. Ohne eine verbindliche Alternative bedeutet dies für viele der noch knapp 11.000 Sauenhalter das Aus, besonders betroffen sind kleine und mittlere Betriebe.

Hintergrund: Traditionell werden männliche Ferkel chirurgisch kastriert, um die Bildung des von vielen Menschen als unangenehm empfundenen Ebergeruchs zu verhindern. Der kurze Eingriff geschieht ohne Betäubung. Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, dem sei der Wikipedia-Eintrag zur Ebermast ans Herz gelegt.

Landwirt Tobias Göckeritz hat sich am 23.09.18 mit einem gelungenen Facebook-Post Luft gemacht. Ich habe die Erlaubnis, den Post bei BlogAgrar zu veröffentlichen.

(Anmerkung: In der Zwischenzeit hat die große Koalition beschlossen, die Kastration von Ferkeln erst in zwei Jahre zu verbieten).

Willkommen in Absurdistan!

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