Archiv der Kategorie: Medienkritik

Causa Schulze Föcking: Kommentar zur Stellungnahme von Dr. Ophelia Nick

Blick in eine Großbucht der Mastschweinehaltung von Christina Schulze Föcking
Mastschweine im Stall von Schulze Föcking, Juni 2017

Am 12. Juli war es wieder mal soweit – eine um das Wohl von Nutztieren rege besorgte Nichtregierungsorganisation hatte „skandalöse“ Zustände in der Schweinehaltung aufgedeckt. Dieses Mal bei der frisch gebackenen Landwirtschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, Christina Schulze Föcking. Bei #sternTV zeigte man sich sehr betroffen. Wen wundert’s angesichts der Nachrichtenwertkombi #Ministerin und
#Tiere. RTL war daher sehr gerne auch kurzfristig bereit, das über drei (!) Monate entstandene Filmmaterial auszustrahlen.

Im Anschluss an die Sendung traf man sich zur Live-Diskussion. Mit von der Partie war Dr. Ophelia Nick, die Direktkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für Mettmann bei der Bundestagswahl im kommenden Herbst. Causa Schulze Föcking: Kommentar zur Stellungnahme von Dr. Ophelia Nick weiterlesen

Christina Schulze Föcking am Pranger

Gestern Abend sendete SternTV (RTL) einen Beitrag über die Schweinehaltung der frisch gebackenen Landwirtschaftsministerin in Nord-Rhein-Westfalen, Christina Schulze Föcking. Dabei wurde mit widerrechtlichem Filmmaterial, das offenbar bei vielen nächtlichen Einbrüchen über Wochen hinweg entstand, gearbeitet. Kritisiert wurden kranke und verletzte Tiere, die sich aber in tierärztlicher Behandlung befunden hatten. Die Familie Schulze Föcking hat nicht unrechtlich gehandelt und dennoch wurden die Bilder skandalisiert und die CDU-Ministerin genüsslich in der Fernsehsendung an den Pranger gestellt.

von Marcus Holtkötter

Was da gerade mit Christina Schulze Föcking und ihrer Familie gemacht wird, finde ich nur noch widerlich.
Ich musste erst einmal ein wenig warten bevor ich dieses hier verfassen konnte.
Das in Ställe Eingebrochen wird ist ja leider schon nichts Neues. Nur sonst wurde es mit angeblichen Tierschutzvergehen begründet.

gesetzeskonform und skandalös?

Aber wie sieht es denn dann jetzt aus. Selbst in der Ankündigung spricht stern TV davon das eigentlich alles Gesetzeskonform und OK ist. Aber Trotzdem muss der Skandal her?

Blick in eine Großbucht der Mastschweinehaltung von Christina Schulze Föcking
Mastschweine im Stall von Schulze Föcking, Aufnahme aus Juni 2017

Da wird seit März fleißig immer wieder in die Ställe eingebrochen in der Hoffnung etwas verwertbares zu finden? Hätte man da gerne schon was vor der Landtagswahl gebracht?
Und was hat man nun? Erkrankte Tiere die von den anderen Tieren abgesondert wurden und bei denen dann in Absprache mit dem Hoftierarzt Behandlungen durchgeführt wurden. 
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Ode an das böse Bäuerlein*

Liebe Anita,

in dem hier verlinkten offenen Brief bzw. dem dazugehörigen Video behauptest Du, Ihr Landwirte seid Menschen.

Fast drei Jahre bin ich jetzt zum Thema konventionelle Landwirtschaft auf Sendung, bei Facebook, SPON, der SZ, der ARD; bei Greenpeace und dem BUND. Und wie sie alle heißen.

Liebe Anita,
werte Landwirte,

stellt Euch endlich den Tatsachen: Ihr seid Brunnenvergifter, Tierquäler und Umweltsünder. 80 Millionen Stadtbewohner, Stadtrandbewohner, SUV-Fahrer und Umweltschutz-Aktivisten sowie zahlreiche Politiker und viele Journalisten können einfach nicht irren.

Nanana, höre ich Protest? Müsst Ihr immer so kleinkariert Verbraucher- und Journalisten- und NGO- und Politikeraussagen zerpflücken? Und dann auch noch was von Ausbildung, Berufserfahrung und so hüsteln? Meinung und Haltung schlagen Expertise, Meinung und Haltung schlagen Tatsache, aber mit Schmackes. Isso. Dann Eure Proteste gegen die Bauernregel-Plakataktion von Ministerin Barbara Hendricks aus dem Bundesumweltministerium. Wie konntet Ihr nur so frech sein und Euch bis ins Mark verletzt fühlen? Landwirte haben keine Gefühle.

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„In Deutschland ist es verboten, dem Futter Antibiotika beizumischen.“ Dr. Heike Müller stellt Aussagen eines Tagesschauvideos richtig.

Screenshot Tagesschauvideo #gutzuwissenFleisch
Kein Antibiotika im Tierfutter

*Der Film enthält inhaltlich deutliche fachliche Mängel*

Zum Videobeitrag der Tagesschau vom 13.06.2017 #gutzuwissen zum Thema Fleisch schrieb die Vizepräsidentin des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern Dr. Heike Müller folgenden Brief an den NDR/ARD-aktuell Chefredakteur Dr. Kai Gniffke:

>> Sehr geehrter Herr Dr. Gniffke,

als frisch in den Rundfunkrat berufenes Mitglied hatte ich am 2. Juni die Gelegenheit, mit Ihnen die Redaktionsräume der Tagesschau in Hamburg zu besichtigen.

Die Tagesschau stellt für mich persönlich das Flaggschiff der seriösen Berichterstattung dar und es ist eine hohe Ehre für mich, als Vizepräsidentin des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern dem NDR-Rundfunkrat angehören zu dürfen.

Umso befremdeter war ich gestern über einen Animationsfilm, der auf der Facebookseite der Tagesschau unter dem Hashtag #gutzuwissenFleisch darüber berichtet, was passierte, wenn wir 80 % weniger Fleisch essen würden. „In Deutschland ist es verboten, dem Futter Antibiotika beizumischen.“ Dr. Heike Müller stellt Aussagen eines Tagesschauvideos richtig. weiterlesen

„Warum solltest Du da je einem Argument von mir glauben. Hast doch die Schillipeppa.“

Screenshot Spiegelüberschrift
Zu viel Gülle in der Zeitung? Ein Blog in der Brandung leistet Abhilfe.

„(…). Hast doch die Schillipeppa.“ Diesen Spruch habe ich mir gestern von einem Erbosten Menschen* eingefangen als Antwort auf ein Post von mir auf seiner Facebook-Seite. Es ging um das Rauschen im bundesdeutschen Blätterwald, zu viel Dünger könne das Trinkwasser teurer machen, Preissteigerungen bis zu 45 Prozent werden erwartet. Der Erboste Mensch war böse, wie man seinem Post entnehmen konnte:

„Für das Billigfleisch mit dem Deutschland die ganze Welt versorgen will zahlen wir alle bald die (Wasser)Zeche. Auf eine Familie kommen bis zu 134 Euro im Jahr Mehrkosten beim Wasser zu.“

In meinem Post habe ich ihn darauf hingewiesen, dass kaum ein bis gar kein Journalist die Studie gelesen habe. Und auf den jüngsten Blogpost der Bloggerin Schillipaeppa aufmerksam gemacht, die sich das dröge Stück angetan und analysiert hat.  Wie das halt so ihre Art ist. Schillipaeppa setzt sich hin, dröselt knochentrockene Aufsätze auf und geht mit dem Resultat ansprechend aufbereitet in ihrem Blog in der Brandung online.

Das Ergebnis schmeckt nicht jedem. Im konkreten Fall auch dem Erbosten Menschen nicht, denn es machte seine Meldung obsolet – so wie fast alle anderen Pressemeldungen zum Thema. „Warum solltest Du da je einem Argument von mir glauben. Hast doch die Schillipeppa.“ weiterlesen

Ist die konventionelle Landwirtschaft das neue Waldsterben?

Hohe Nitrate im Wasser? Geht ganz ohne Intensivtierhaltung!

Gestern bin ich auf eine sehenswerte Dokumentation des Journalisten Michael Miersch zum Thema Waldsterben gestoßen. Sie wurde vor einigen Jahren für den Bayerischen Rundfunk produziert, aber nie ausgestrahlt. Der Sender hatte die Doku „Und ewig sterben die Wälder“ seinerzeit zurückgehalten.

*Nachtrag zum Film: Ein aufmerksamer Blog-Leser hat mich informiert, dass es Hinweise gibt, dass die Dokumentation am 13. Mai 2011 ausgestrahlt wurde, und zwar von Arte.

Ein Teil bezog sich auf die Berichterstattung und der ihr zugrundeliegenden Recherche deutscher Leitmedien zum Thema.

Verblüffend: Im Kontext der aktuellen Berichterstattung über die Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft auf die Umwelt generell bzw. mit Blick auf die jüngste Nitratsau, die soeben durch die Republik getrieben wird, habe ich Parallelen festgestellt zur Hysterie der 1980er Jahre.

Wiederholt sich die Geschichte?

Auf einen kurzen Nenner gebracht: Scheint die Natur in Gefahr zu geraten, wird Alarm geläutet. Schrill, anhaltend, panisch. Eine sachliche Betrachtung des Themas, Nüchternheit, Ausgewogenheit – Fehlanzeige. Die deutsche Volksseele reagiert mit Panik und sieht sofort den Tag des Jüngsten Gerichts vor der Haustüre rumlümmeln. Oft haben Fakten das Nachsehen. Die Geschichte wiederholt sich. Ist die konventionelle Landwirtschaft das neue Waldsterben? weiterlesen

Anmerkungen Stern TV

Auch wenn ich so langsam müde werde, ständig Berichte zu kommentieren, es einfach unkommentiert im Raum stehen lassen, möchte ich auch nicht.

Gestern lief bei stern TV der xte Beitrag über den grausamen Alltag in Ferkelerzeugerbetrieben. Dieses Mal hat es eine Anlage hier in Niedersachsen getroffen. Jan Peiffer und weitere dringen 5 Mal illegal in diese Anlage, um krampfhaft Missstände zu dokumentieren.

Nun ja, was ist nun dran an den dargestellten Missständen?

Es gibt eine Sache, die wir ebenfalls aufs Schärfste verurteilen – das ist eine Nottötung eines Ferkels mittels Schlag auf den Stallboden – das ist verboten und damit absolut indiskutabel!

Nur spannend sind die Kommentare von Frau Plange. Anmerkungen Stern TV weiterlesen

„Wir lügen nicht – wir sind schlampig, denkfaul und ein bisschen propagandistisch.“

Zitat Marion Gräfin Dönhoff
Marion Gräfin Dönhoff definiert ihren journalistischen Ehrgeiz*

Die Republik darf gespannt sein: Heute Abend ist es endlich wieder soweit. Ein deutsches „Leitmedium“ geht mit „erschreckenden“ Bildern aus der Massentierhaltung auf Sendung. Es erwartet uns Filmmaterial von Jan Pfeifer vom Deutschen Tierschutzbüro alias Ingo Schulz alias Thomas Wegteck alias Thomas Sailer. Der Mann hat wieder schlimme Dinge aufgedeckt.

Stellt sich bloß die Frage: Wie schlimm ist es wirklich? Vorausgesetzt, es ist überhaupt schlimm. Immerhin haben wir es mit einer extrem voreingenommenen Quelle zu tun.

Werte Stern-Redaktion, wo sind Ihre Beweise? Haben Sie im Stall nachgeprüft? Oder werden wir wieder einmal angehalten, ungeprüftes Material für bare Münze zu nehmen? Das fände ich sehr bedenklich. Schließlich handelt es sich um eine Organisation, die „gegen die Massentierhaltung“ kämpft. So das Deutsche Tierschutzbüro in seiner Google Adword-Werbung über sich selber:

Screenshot Google Adword-Kampagne
Deutsches Tierschutzbüro – Adword-Kampagne

Sorgfältiger Journalismus geht anders. Falls Sie nicht wissen sollten, was ich konkret meine – hier einige Vorschläge bzw. Überlegungen: Was die Medien besser machen könnten!

Drama, Baby, Drama!

„Wir sind da, wenn Tiere uns brauchen“? Nun denn, da bin ich mir nicht so sicher. Aktivisten des Deutschen Tierschutzbüros haben schon mal ein Huhn für Filmaufnahmen qualvoll sterben lassen. Ob es daran gelegen hat, dass Emotionen und Dramen die Spendenrubel schneller rollen lassen?

Da passt es doch prima ins Bild, dass die Aktivisten auch im konkreten Fall fünf (!) ganze Monate die Kamera auf vermeintliche Tierquälereien gehalten – und sich NICHT gerührt haben. Keine unverzügliche Meldung beim Veterinäramt, keine Anzeige bei der Polizei. Den „Tierschützern“ waren die Tierquälereien, scheint’s, egal. Entweder weil es keine gab, oder weil die leidenden Tiere ihnen egal waren.

Während Stern TV sich entsetzt zeigt:

„Uns erwarten ‚Schockbilder‘ aus Niedersachsen, die „schreckliche Ferkelqualen“ offenbaren.“

Zum Mitschreiben: Ein deutsches Leitmedium empört sich über angebliche Tierquälereien und hat gleichzeitig kein Problem damit, dass Tiere fünf Monate durchgehend gequält wurden. Willkommen in Dunkel-Deutschland.

Recherche, Baby, Recherche: Fragt doch endlich mal den Landwirt!

Werte Stern TV-Redaktion, ich weiß, dass es Menschen gibt, die ihre Tiere quälen. Es ist durchaus möglich, dass Sie einen solchen Fall an der Angel haben. Tierquäler gehören vor den Kadi – aber SCHNELLSTMÖGLICH. Nur sollte einwandfrei sichergestellt sein, dass die Aufnahmen aus dem angegebenem Stall stammen und ihre Echtheit verifiziert wurde.

Die Aufnahmen sollten ferner unverfälscht Tierquälerei dokumentieren und nicht das Ergebnis einer Rangelei zwischen zwei Ferkeln, die sich um den besten Platz an Mamas Tankstelle gestritten haben. Was eine plausible Erläuterung für die Wunde im Gesicht eines der dargestellten Ferkel wäre. Zumindest haben einige Landwirte dies unabhängig voneinander mutgemaßt. Es wäre nichts Neues unter der Sonne. Ferkel sind zwar niedlich, kämpfen allerdings mit dolchartigen Zähne um die Milch und fügen sich gegenseitig Wunden zu.

Hätten man wissen können, wenn man gewollt hätte.

Das Zitat zum Mittwoch

Facebook-Post vom Deutschen Tierschutzbüro beim Bauernverband Schleswig-Holstein

Da schließe ich mich doch gerne dem Bauernverband Schleswig-Holstein an und zitiere Hans-Ulrich Jörges aus der „stern“-Chefredaktion: „Wir lügen nicht – wir sind schlampig, denkfaul und ein bisschen propagandistisch.“

Der Bauernverband hat sich übrigens bei Facebook einen bösen Post vom Deutschen Tierschutzbüro eingefangen. Na ja, ob man mit den Zeigefinger auf andere zeigen sollten, wenn gleichzeitig drei auf einen selber gerichtet sind?

Meinen Blogpost möchte ich ausklingen lassen mit den Worten der Zeit-Journalistin Marion Gräfin Dönhoff. Über ihren Anspruch als Journalistin sagte sie 1984 im Interview zu Gero von Boehm:

„… Wenn ich mal versuchen sollte, zu sagen, worauf es uns (Journalisten) ankommt – mein Ehrgeiz wäre eigentlich, dass es gelingt, den Menschen, die nicht zuviel  Zeit haben,…., die wichtigsten Argumente zu den wichtigen Probleme zu liefern. Und zwar wenn es geht wirklich pro und contra, so dass beide Aspekte zur Geltung kommen. Ich finde es wichtig, dass man ein bisschen antithetisch arbeitet. Das heißt, man sollte versuchen, Pragmatik reinzubringen, wenn die Dinge zu emotional werden. Umgekehrt, wenn nur noch von Pragmatik die Rede ist, ein bisschen die moralischen und philosophischen Gesichtspunkte zu einem Problem zu liefern.“

Bildnachweis: LeMO-Lebendiges-Museum-online / Webseite „Dafür stehen wir“

Das Antibiotikaschnitzel von Aldi, das keines ist. Und anderer Unfug über Deutschlands „Fürsten der Finsternis“

Die Fürsten der Finsternis

Seit einigen Tagen sorgt der Facebook-Post des Wütenden Verbrauchers* für Aufsehen in der Öffentlichkeit. Der Mann beschwerte sich bitter bei Aldi Süd über preiswerte Schweinenackensteaks. 1,99 Euro für ein Steak. Das sei

„einfach nur billigster Dreck, für dessen Produktion alles und jeder bis zum Anschlag ausgebeutet wurde – am meisten die, die sich am wenigsten wehren können: die Tiere.“

Gegen Ende verabschiedet sich der Wütende Verbraucher mit dem frommen Wunsch, dass

„Ihr (gemeint ist Aldi) vom Verzehr dieser Antibiotika-Schnitzel“

einen…, äh, nein, eine böse Krankheit davontragt mit unangenehmen Begleiterscheinungen. Der Wütende Verbraucher ist mit seiner Ausdrucksweise Meilen unter die Gürtellinie gegangen. Ich verzichte hier auf weitere O-Töne. Zu ekelig.

Das Antibiotikaschnitzel – ein Griff in die Klischeekiste

Viele Menschen haben auf den Post reagiert, zahlreiche Medien dito. Natürlich wurde der Wutausbruch kaum hinterfragt. Wieso denn auch? Schließlich wird in dem Post bloß ein in der Öffentlichkeit geländegängiges Klischee nach dem anderen geklopft. bento, ein Online-Format von Spiegel Online von jungen Leuten für junge Leute, lag mit seinem Beitrag vom 30. Mai voll im Trend. Wie heißt es da so schön:

„Weil die Preise sinken, halten die Bauern wieder mehr Tiere oder sie halten sie unter schlechteren Bedingungen— nur so können sie Gewinne einfahren. Und der Handel wird überschwemmt vom Billigfleisch.“

Als „Expertenstimme“ darf Katrin Wenz, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Agrarpolitik der Nichtregierungsorganisation BUND für Umwelt und Naturschutz, ihren Senf dazugeben. Dieser stammt aus der geländegängigen Phrasendreschmaschine der NGO:

„So kann es nicht weitergehen“. (…). Überdüngte Böden, Klimawandel und die Verarmung der Bauern sind nur ein paar Folgen der Überproduktion.“

Prima Quellenwahl!

Ich halte fest: Das Wort wird einer Aktivistin aus dem Bereich Umweltschutz erteilt. Vertreter des Bauernverbandes, von Aldi Süd oder Landwirte bzw. sonstige Experten vom Fach müssen draußen bleiben. Die andere Seite wird völlig stumpf nicht gehört. Dass Medien hierzulande Aktivisten-Töne Expertenstimmen vorziehen, ist nicht ungewöhnlich. Es verwundert daher wenig, dass diese Routine an den Journalistennachwuchs weitergegeben wird. Leider bleibt ein ausgewogener Journalismus dabei auf der Strecke.

Das Thema massenmediale Berichterstattung über die konventionelle Nutztierhaltung ist ein weites Feld. Ich möchte es daher an dieser Stelle verlassen.

Allerdings nicht ohne einen flotten Hinweis an den Wütenden Verbraucher durchzureichen: Vor Schlachtung ihrer Tiere müssen Landwirte eine Karenzzeit einhalten. Dies wird streng überprüft. Ihr Antibiotikaschnitzel ist also keines. Sorry, wenn ich Ihnen ein Klischee klauen muss.

1,99 Euro? 199,00 Euro? Egal!

Das Antibiotikaschnitzel von Aldi, das keines ist. Und anderer Unfug über Deutschlands „Fürsten der Finsternis“ weiterlesen

„Sprecht den Bauern Mut zu!“

„Donnerschlag“, dürfte sich vorgestern mancher Landwirt ungläubig bei der Lektüre von „Ehrlicher Bauer, dummer Bauer?“ gewundert haben. Denn was sich den Abonnenten der NWZ mit Einzugsgebiet niedersächsisches Oldenburg und später digital vielen Kollegen im Rest der Republik darbot, war eine Analyse der konventionellen Nutztierhaltung bzw. des Bauernstandes frei von abwertenden Bemerkungen.

Schließlich ist Kritik an Haltungsform und Tierhaltern Alltag. Bei sachlichen Argumenten geht es los und endet vor allem in den Sozialen Medien schnell bei der pauschalen Unterstellung, Landwirte quälen ihre Tiere.

Photo: Webseite "Massentierhaltung aufgedeckt"
In Liegekesseln können die Sauen ausruhen. Entspannung pur.*

Der Artikel  überraschte in vielerlei Hinsicht. So stand dort unter anderem, dass

„immer mehr Tiere in immer gewaltigeren Ställen leben, buchstäblich aus den Dörfern gedrängt von immer strengeren Bau-, Umwelt- und Seuchenschutzvorschriften“.

Auf den ersten Blick ein banaler Satz. Was ihn ungewöhnlich macht ist die Tatsache, dass die Auswirkungen der Gesetzgebung in der Öffentlichkeit überhaupt Erwähnung findet. Und dann gar in einer Zeitung!

Fakt ist: Zahlreiche Vorschriften, die der Gesetzgeber nicht zuletzt aus Tierschutz- und Verbraucherschutzgründen erlassen hat, haben dazu geführt, dass ein Großteil der Nutztiere ganzjährig in Ställen außerhalb der Dörfer leben, oft hinter Schloss und Riegel.

Tatsache ist aber auch: Für die Öffentlichkeit ist dies ein dunkelrotes Tuch. Die großen, geschlossenen Ställe haben zur heute weit verbreiteten Meinung geführt, Landwirte würden aus purer Profitgier ihre Tiere quälen. Warum sonst lässt sie man sie nicht draußen herumlaufen, sondern schließt sie massenweise weg? Da geht doch was nicht mit rechten Dingen zu?!

Erläutern Landwirte die Hintergründe, weisen sie ferner darauf hin, dass das Gesetz verbiete, eine beliebige Anzahl von Tieren in ein Gebäude zu pferchen und dass die Tierschutzgesetzgebung unabhängig von der Stall- und Bestandsgröße Anwendung findet, verhallen die Argumente meist ungehört. Man hört es schließlich nirgends, liest es kaum in der Zeitung, und Tierquälern glaubt man nicht.

Frag zur Abwechslung mal den Landwirt!

A propos Tierquäler. Da wären diese Videos mit den Tierquälereien. Was es dort zu sehen gibt, wird oftmals als Alltag in der konventionellen Nutztierhaltung wahrgenommen. Klar, man kann in die Ställe nicht hineinschauen. Bloß:

„Was wir heute über moderne Landwirtschaft wissen oder zu wissen meinen, wissen wir zumeist aus den Medien. Es ist ein Landwirtschafts-Bild aus zweiter Hand: gezeichnet durch Riesenställe auf der grünen Wiese, durch Youtube-Videos von Tierrechtsorganisationen, durch (Hass-) Kommentare bei Facebook. Viele Menschen, die persönlich keinen Bauern kennen, halten Bauern heute für Tierquäler.“

Ja, so ist es. Die wenigsten Menschen kommen hierzulande noch auf Höfe oder schauen sich Ställe an, geschweige denn, dass sie mit einem Bauern reden. Sie wissen daher nicht, dass Tierrechtler die Nutztierhaltung kompromisslos abschaffen wollen und für den Veganismus eintreten. Wie ist es daher um die Glaubwürdigkeit dieser Filme bestellt? Kann man der Behauptung der Aktivisten Glauben schenken, so sehe der Alltag in deutschen Ställen aus?

Der Journalist Karsten Krogmann hat in seiner Analyse einiges angesprochen, was Landwirte heute umtreibt, unter Druck setzt und immer öfter regelrecht fertigmacht.

„Sprecht den Bauern Mut zu“

ist das Fazit seiner Analyse.

Es ist selten geworden, Landwirte und ihre Arbeit ausgewogen und fair darzustellen. Daran muss man sich erst gewöhnen!

Der Artikel: Analyse zur Agrar-Branche – Ehrlicher Bauer, dummer Bauer? Von Karsten Krogmann

Bild Dir Deine Meinung aus erster Hand – frag doch mal den Landwirt. Zum Bauernwiki bitte hier entlang!

* Bildnachweis: Webseite Massentierhaltung aufgedeckt, 17. Mai 2017

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