Archiv der Kategorie: Medienkritik

„Warum solltest Du da je einem Argument von mir glauben. Hast doch die Schillipeppa.“

Screenshot Spiegelüberschrift
Zu viel Gülle in der Zeitung? Ein Blog in der Brandung leistet Abhilfe.

„(…). Hast doch die Schillipeppa.“ Diesen Spruch habe ich mir gestern von einem Erbosten Menschen* eingefangen als Antwort auf ein Post von mir auf seiner Facebook-Seite. Es ging um das Rauschen im bundesdeutschen Blätterwald, zu viel Dünger könne das Trinkwasser teurer machen, Preissteigerungen bis zu 45 Prozent werden erwartet. Der Erboste Mensch war böse, wie man seinem Post entnehmen konnte:

„Für das Billigfleisch mit dem Deutschland die ganze Welt versorgen will zahlen wir alle bald die (Wasser)Zeche. Auf eine Familie kommen bis zu 134 Euro im Jahr Mehrkosten beim Wasser zu.“

In meinem Post habe ich ihn darauf hingewiesen, dass kaum ein bis gar kein Journalist die Studie gelesen habe. Und auf den jüngsten Blogpost der Bloggerin Schillipaeppa aufmerksam gemacht, die sich das dröge Stück angetan und analysiert hat.  Wie das halt so ihre Art ist. Schillipaeppa setzt sich hin, dröselt knochentrockene Aufsätze auf und geht mit dem Resultat ansprechend aufbereitet in ihrem Blog in der Brandung online.

Das Ergebnis schmeckt nicht jedem. Im konkreten Fall auch dem Erbosten Menschen nicht, denn es machte seine Meldung obsolet – so wie fast alle anderen Pressemeldungen zum Thema. „Warum solltest Du da je einem Argument von mir glauben. Hast doch die Schillipeppa.“ weiterlesen

Ist die konventionelle Landwirtschaft das neue Waldsterben?

Hohe Nitrate im Wasser? Geht ganz ohne Intensivtierhaltung!

Gestern bin ich auf eine sehenswerte Dokumentation des Journalisten Michael Miersch zum Thema Waldsterben gestoßen. Sie wurde vor einigen Jahren für den Bayerischen Rundfunk produziert, aber nie ausgestrahlt. Der Sender hatte die Doku „Und ewig sterben die Wälder“ seinerzeit zurückgehalten.

*Nachtrag zum Film: Ein aufmerksamer Blog-Leser hat mich informiert, dass es Hinweise gibt, dass die Dokumentation am 13. Mai 2011 ausgestrahlt wurde, und zwar von Arte.

Ein Teil bezog sich auf die Berichterstattung und der ihr zugrundeliegenden Recherche deutscher Leitmedien zum Thema.

Verblüffend: Im Kontext der aktuellen Berichterstattung über die Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft auf die Umwelt generell bzw. mit Blick auf die jüngste Nitratsau, die soeben durch die Republik getrieben wird, habe ich Parallelen festgestellt zur Hysterie der 1980er Jahre.

Wiederholt sich die Geschichte?

Auf einen kurzen Nenner gebracht: Scheint die Natur in Gefahr zu geraten, wird Alarm geläutet. Schrill, anhaltend, panisch. Eine sachliche Betrachtung des Themas, Nüchternheit, Ausgewogenheit – Fehlanzeige. Die deutsche Volksseele reagiert mit Panik und sieht sofort den Tag des Jüngsten Gerichts vor der Haustüre rumlümmeln. Oft haben Fakten das Nachsehen. Die Geschichte wiederholt sich. Ist die konventionelle Landwirtschaft das neue Waldsterben? weiterlesen

Anmerkungen Stern TV

Auch wenn ich so langsam müde werde, ständig Berichte zu kommentieren, es einfach unkommentiert im Raum stehen lassen, möchte ich auch nicht.

Gestern lief bei stern TV der xte Beitrag über den grausamen Alltag in Ferkelerzeugerbetrieben. Dieses Mal hat es eine Anlage hier in Niedersachsen getroffen. Jan Peiffer und weitere dringen 5 Mal illegal in diese Anlage, um krampfhaft Missstände zu dokumentieren.

Nun ja, was ist nun dran an den dargestellten Missständen?

Es gibt eine Sache, die wir ebenfalls aufs Schärfste verurteilen – das ist eine Nottötung eines Ferkels mittels Schlag auf den Stallboden – das ist verboten und damit absolut indiskutabel!

Nur spannend sind die Kommentare von Frau Plange. Anmerkungen Stern TV weiterlesen

„Wir lügen nicht – wir sind schlampig, denkfaul und ein bisschen propagandistisch.“

Zitat Marion Gräfin Dönhoff
Marion Gräfin Dönhoff definiert ihren journalistischen Ehrgeiz*

Die Republik darf gespannt sein: Heute Abend ist es endlich wieder soweit. Ein deutsches „Leitmedium“ geht mit „erschreckenden“ Bildern aus der Massentierhaltung auf Sendung. Es erwartet uns Filmmaterial von Jan Pfeifer vom Deutschen Tierschutzbüro alias Ingo Schulz alias Thomas Wegteck alias Thomas Sailer. Der Mann hat wieder schlimme Dinge aufgedeckt.

Stellt sich bloß die Frage: Wie schlimm ist es wirklich? Vorausgesetzt, es ist überhaupt schlimm. Immerhin haben wir es mit einer extrem voreingenommenen Quelle zu tun.

Werte Stern-Redaktion, wo sind Ihre Beweise? Haben Sie im Stall nachgeprüft? Oder werden wir wieder einmal angehalten, ungeprüftes Material für bare Münze zu nehmen? Das fände ich sehr bedenklich. Schließlich handelt es sich um eine Organisation, die „gegen die Massentierhaltung“ kämpft. So das Deutsche Tierschutzbüro in seiner Google Adword-Werbung über sich selber:

Screenshot Google Adword-Kampagne
Deutsches Tierschutzbüro – Adword-Kampagne

Sorgfältiger Journalismus geht anders. Falls Sie nicht wissen sollten, was ich konkret meine – hier einige Vorschläge bzw. Überlegungen: Was die Medien besser machen könnten!

Drama, Baby, Drama!

„Wir sind da, wenn Tiere uns brauchen“? Nun denn, da bin ich mir nicht so sicher. Aktivisten des Deutschen Tierschutzbüros haben schon mal ein Huhn für Filmaufnahmen qualvoll sterben lassen. Ob es daran gelegen hat, dass Emotionen und Dramen die Spendenrubel schneller rollen lassen?

Da passt es doch prima ins Bild, dass die Aktivisten auch im konkreten Fall fünf (!) ganze Monate die Kamera auf vermeintliche Tierquälereien gehalten – und sich NICHT gerührt haben. Keine unverzügliche Meldung beim Veterinäramt, keine Anzeige bei der Polizei. Den „Tierschützern“ waren die Tierquälereien, scheint’s, egal. Entweder weil es keine gab, oder weil die leidenden Tiere ihnen egal waren.

Während Stern TV sich entsetzt zeigt:

„Uns erwarten ‚Schockbilder‘ aus Niedersachsen, die „schreckliche Ferkelqualen“ offenbaren.“

Zum Mitschreiben: Ein deutsches Leitmedium empört sich über angebliche Tierquälereien und hat gleichzeitig kein Problem damit, dass Tiere fünf Monate durchgehend gequält wurden. Willkommen in Dunkel-Deutschland.

Recherche, Baby, Recherche: Fragt doch endlich mal den Landwirt!

Werte Stern TV-Redaktion, ich weiß, dass es Menschen gibt, die ihre Tiere quälen. Es ist durchaus möglich, dass Sie einen solchen Fall an der Angel haben. Tierquäler gehören vor den Kadi – aber SCHNELLSTMÖGLICH. Nur sollte einwandfrei sichergestellt sein, dass die Aufnahmen aus dem angegebenem Stall stammen und ihre Echtheit verifiziert wurde.

Die Aufnahmen sollten ferner unverfälscht Tierquälerei dokumentieren und nicht das Ergebnis einer Rangelei zwischen zwei Ferkeln, die sich um den besten Platz an Mamas Tankstelle gestritten haben. Was eine plausible Erläuterung für die Wunde im Gesicht eines der dargestellten Ferkel wäre. Zumindest haben einige Landwirte dies unabhängig voneinander mutgemaßt. Es wäre nichts Neues unter der Sonne. Ferkel sind zwar niedlich, kämpfen allerdings mit dolchartigen Zähne um die Milch und fügen sich gegenseitig Wunden zu.

Hätten man wissen können, wenn man gewollt hätte.

Das Zitat zum Mittwoch

Facebook-Post vom Deutschen Tierschutzbüro beim Bauernverband Schleswig-Holstein

Da schließe ich mich doch gerne dem Bauernverband Schleswig-Holstein an und zitiere Hans-Ulrich Jörges aus der „stern“-Chefredaktion: „Wir lügen nicht – wir sind schlampig, denkfaul und ein bisschen propagandistisch.“

Der Bauernverband hat sich übrigens bei Facebook einen bösen Post vom Deutschen Tierschutzbüro eingefangen. Na ja, ob man mit den Zeigefinger auf andere zeigen sollten, wenn gleichzeitig drei auf einen selber gerichtet sind?

Meinen Blogpost möchte ich ausklingen lassen mit den Worten der Zeit-Journalistin Marion Gräfin Dönhoff. Über ihren Anspruch als Journalistin sagte sie 1984 im Interview zu Gero von Boehm:

„… Wenn ich mal versuchen sollte, zu sagen, worauf es uns (Journalisten) ankommt – mein Ehrgeiz wäre eigentlich, dass es gelingt, den Menschen, die nicht zuviel  Zeit haben,…., die wichtigsten Argumente zu den wichtigen Probleme zu liefern. Und zwar wenn es geht wirklich pro und contra, so dass beide Aspekte zur Geltung kommen. Ich finde es wichtig, dass man ein bisschen antithetisch arbeitet. Das heißt, man sollte versuchen, Pragmatik reinzubringen, wenn die Dinge zu emotional werden. Umgekehrt, wenn nur noch von Pragmatik die Rede ist, ein bisschen die moralischen und philosophischen Gesichtspunkte zu einem Problem zu liefern.“

Bildnachweis: LeMO-Lebendiges-Museum-online / Webseite „Dafür stehen wir“

Das Antibiotikaschnitzel von Aldi, das keines ist. Und anderer Unfug über Deutschlands „Fürsten der Finsternis“

Die Fürsten der Finsternis

Seit einigen Tagen sorgt der Facebook-Post des Wütenden Verbrauchers* für Aufsehen in der Öffentlichkeit. Der Mann beschwerte sich bitter bei Aldi Süd über preiswerte Schweinenackensteaks. 1,99 Euro für ein Steak. Das sei

„einfach nur billigster Dreck, für dessen Produktion alles und jeder bis zum Anschlag ausgebeutet wurde – am meisten die, die sich am wenigsten wehren können: die Tiere.“

Gegen Ende verabschiedet sich der Wütende Verbraucher mit dem frommen Wunsch, dass

„Ihr (gemeint ist Aldi) vom Verzehr dieser Antibiotika-Schnitzel“

einen…, äh, nein, eine böse Krankheit davontragt mit unangenehmen Begleiterscheinungen. Der Wütende Verbraucher ist mit seiner Ausdrucksweise Meilen unter die Gürtellinie gegangen. Ich verzichte hier auf weitere O-Töne. Zu ekelig.

Das Antibiotikaschnitzel – ein Griff in die Klischeekiste

Viele Menschen haben auf den Post reagiert, zahlreiche Medien dito. Natürlich wurde der Wutausbruch kaum hinterfragt. Wieso denn auch? Schließlich wird in dem Post bloß ein in der Öffentlichkeit geländegängiges Klischee nach dem anderen geklopft. bento, ein Online-Format von Spiegel Online von jungen Leuten für junge Leute, lag mit seinem Beitrag vom 30. Mai voll im Trend. Wie heißt es da so schön:

„Weil die Preise sinken, halten die Bauern wieder mehr Tiere oder sie halten sie unter schlechteren Bedingungen— nur so können sie Gewinne einfahren. Und der Handel wird überschwemmt vom Billigfleisch.“

Als „Expertenstimme“ darf Katrin Wenz, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Agrarpolitik der Nichtregierungsorganisation BUND für Umwelt und Naturschutz, ihren Senf dazugeben. Dieser stammt aus der geländegängigen Phrasendreschmaschine der NGO:

„So kann es nicht weitergehen“. (…). Überdüngte Böden, Klimawandel und die Verarmung der Bauern sind nur ein paar Folgen der Überproduktion.“

Prima Quellenwahl!

Ich halte fest: Das Wort wird einer Aktivistin aus dem Bereich Umweltschutz erteilt. Vertreter des Bauernverbandes, von Aldi Süd oder Landwirte bzw. sonstige Experten vom Fach müssen draußen bleiben. Die andere Seite wird völlig stumpf nicht gehört. Dass Medien hierzulande Aktivisten-Töne Expertenstimmen vorziehen, ist nicht ungewöhnlich. Es verwundert daher wenig, dass diese Routine an den Journalistennachwuchs weitergegeben wird. Leider bleibt ein ausgewogener Journalismus dabei auf der Strecke.

Das Thema massenmediale Berichterstattung über die konventionelle Nutztierhaltung ist ein weites Feld. Ich möchte es daher an dieser Stelle verlassen.

Allerdings nicht ohne einen flotten Hinweis an den Wütenden Verbraucher durchzureichen: Vor Schlachtung ihrer Tiere müssen Landwirte eine Karenzzeit einhalten. Dies wird streng überprüft. Ihr Antibiotikaschnitzel ist also keines. Sorry, wenn ich Ihnen ein Klischee klauen muss.

1,99 Euro? 199,00 Euro? Egal!

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„Sprecht den Bauern Mut zu!“

„Donnerschlag“, dürfte sich vorgestern mancher Landwirt ungläubig bei der Lektüre von „Ehrlicher Bauer, dummer Bauer?“ gewundert haben. Denn was sich den Abonnenten der NWZ mit Einzugsgebiet niedersächsisches Oldenburg und später digital vielen Kollegen im Rest der Republik darbot, war eine Analyse der konventionellen Nutztierhaltung bzw. des Bauernstandes frei von abwertenden Bemerkungen.

Schließlich ist Kritik an Haltungsform und Tierhaltern Alltag. Bei sachlichen Argumenten geht es los und endet vor allem in den Sozialen Medien schnell bei der pauschalen Unterstellung, Landwirte quälen ihre Tiere.

Photo: Webseite "Massentierhaltung aufgedeckt"
In Liegekesseln können die Sauen ausruhen. Entspannung pur.*

Der Artikel  überraschte in vielerlei Hinsicht. So stand dort unter anderem, dass

„immer mehr Tiere in immer gewaltigeren Ställen leben, buchstäblich aus den Dörfern gedrängt von immer strengeren Bau-, Umwelt- und Seuchenschutzvorschriften“.

Auf den ersten Blick ein banaler Satz. Was ihn ungewöhnlich macht ist die Tatsache, dass die Auswirkungen der Gesetzgebung in der Öffentlichkeit überhaupt Erwähnung findet. Und dann gar in einer Zeitung!

Fakt ist: Zahlreiche Vorschriften, die der Gesetzgeber nicht zuletzt aus Tierschutz- und Verbraucherschutzgründen erlassen hat, haben dazu geführt, dass ein Großteil der Nutztiere ganzjährig in Ställen außerhalb der Dörfer leben, oft hinter Schloss und Riegel.

Tatsache ist aber auch: Für die Öffentlichkeit ist dies ein dunkelrotes Tuch. Die großen, geschlossenen Ställe haben zur heute weit verbreiteten Meinung geführt, Landwirte würden aus purer Profitgier ihre Tiere quälen. Warum sonst lässt sie man sie nicht draußen herumlaufen, sondern schließt sie massenweise weg? Da geht doch was nicht mit rechten Dingen zu?!

Erläutern Landwirte die Hintergründe, weisen sie ferner darauf hin, dass das Gesetz verbiete, eine beliebige Anzahl von Tieren in ein Gebäude zu pferchen und dass die Tierschutzgesetzgebung unabhängig von der Stall- und Bestandsgröße Anwendung findet, verhallen die Argumente meist ungehört. Man hört es schließlich nirgends, liest es kaum in der Zeitung, und Tierquälern glaubt man nicht.

Frag zur Abwechslung mal den Landwirt!

A propos Tierquäler. Da wären diese Videos mit den Tierquälereien. Was es dort zu sehen gibt, wird oftmals als Alltag in der konventionellen Nutztierhaltung wahrgenommen. Klar, man kann in die Ställe nicht hineinschauen. Bloß:

„Was wir heute über moderne Landwirtschaft wissen oder zu wissen meinen, wissen wir zumeist aus den Medien. Es ist ein Landwirtschafts-Bild aus zweiter Hand: gezeichnet durch Riesenställe auf der grünen Wiese, durch Youtube-Videos von Tierrechtsorganisationen, durch (Hass-) Kommentare bei Facebook. Viele Menschen, die persönlich keinen Bauern kennen, halten Bauern heute für Tierquäler.“

Ja, so ist es. Die wenigsten Menschen kommen hierzulande noch auf Höfe oder schauen sich Ställe an, geschweige denn, dass sie mit einem Bauern reden. Sie wissen daher nicht, dass Tierrechtler die Nutztierhaltung kompromisslos abschaffen wollen und für den Veganismus eintreten. Wie ist es daher um die Glaubwürdigkeit dieser Filme bestellt? Kann man der Behauptung der Aktivisten Glauben schenken, so sehe der Alltag in deutschen Ställen aus?

Der Journalist Karsten Krogmann hat in seiner Analyse einiges angesprochen, was Landwirte heute umtreibt, unter Druck setzt und immer öfter regelrecht fertigmacht.

„Sprecht den Bauern Mut zu“

ist das Fazit seiner Analyse.

Es ist selten geworden, Landwirte und ihre Arbeit ausgewogen und fair darzustellen. Daran muss man sich erst gewöhnen!

Der Artikel: Analyse zur Agrar-Branche – Ehrlicher Bauer, dummer Bauer? Von Karsten Krogmann

Bild Dir Deine Meinung aus erster Hand – frag doch mal den Landwirt. Zum Bauernwiki bitte hier entlang!

* Bildnachweis: Webseite Massentierhaltung aufgedeckt, 17. Mai 2017

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Moinsen!

Bernhard Barkmann hat mich eingeladen, als Redakteurin in seinem BlogAgrar aktiv zu werden. Über dieses Vertrauen habe ich mich sehr gefreut –
vielen Dank, Bernhard!

Rotes Quadrat. Malerischer Realismus einer Bäuerin in zwei Dimensionen, 1915. Kasimir Malewitsch

Zu meiner Person: Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe dort kräftig mitgearbeitet. Viel Spaß hat mir das seinerzeit nicht gemacht, wenn ich ehrlich sein soll. Dementsprechend sieht meine Ausbildung aus: Ich bin Fremdsprachenkorrespondentin für Russisch und Französisch und habe an der FU Berlin was mit Medien und Osteuropa studiert. Eine Zeitlang habe ich im europäischen Ausland gelebt, mehrere Jahre in Franken und ziemlich viele Jahre in Berlin.

Zur Landwirtschaft zurückgefunden habe ich an der Uni über meine Arbeiten zur Privatisierung landwirtschaftlicher Nutzflächen in Rumänien und Russland. Darüber hinaus bin ich seit zehn Jahren als Online Redakteurin in einem der Landwirtschaft vorgelagerten Familienunternehmen tätig. Vom Landei zur Großstadtpflanze zum Landei. Ich wundere mich immer noch, wie das alles so kommen konnte.

Facebook ist schuld! 😉

Warum ich jetzt über landwirtschaftliche Themen blogge, ist leicht erklärt: Vor etwa drei Jahren habe ich bei Facebook angefangen, mich mit anderen, mir wildfremden  Menschen über die Nutztierhaltung bzw. konventionelle Landwirtschaft auszutauschen. Auslöser war, dass ich als Kind vom Hof und aufgrund von Erfahrungen, die ich in meinem Job gesammelt habe, feststellen musste, wie viel Unfug in der bundesdeutschen Berichterstattung über die Landwirtschaft kursiert. In Kombination mit meiner studienbedingten Sensibilisierung für das gedruckte Wort habe ich begonnen, Dinge klarzustellen.

Na ja, sagen wir mal so: Ich versuche es.  Man stellt nämlich schnell fest, dass 80 Mio. Deutsche an der Google-Universität studiert haben. Und die können einfach nicht irren. Natürlich ist das überspitzt formuliert, aber im Kern ein weit verbreitetes Phänomen, auch jenseits landwirtschaftlicher Themen. Mir hat mein Hintergrund geholfen, diese Falle zu weiträumig zu umgehen. Ich brauche nur mal eine halbe Stunde meinem Vater zuhören, wenn er etwas Fachspezifisches zum Besten gibt, und dann weiß ich, dass ich – leider – viel zu wenig über die Landwirtschaft weiß. Es ist eine ungemein komplexe Materie, so wie beispielsweise die Medizin, die Physiotherapie und der Maschinenbau. Allerdings hat sich das noch nicht rumgesprochen. Im Gegenteil. Das Motto der Gesellschaft scheint zu sein: Ich google und esse, also weiß ich.

Kurz nachdem ich begonnen hatte, mich bei Facebook intensiver mit wildfremden Menschen auszutauschen, habe ich aus privater Rücksichtnahme meinen Nachnamen durch meinen zweiten Vornamen ausgetauscht. Der Schritt ist mir seinerzeit schwer gefallen. Wer es allerdings hierzulande wagt, sich pro konventionelle Landwirtschaft bzw. Nutztierhaltung zu äußern, lernt in einem halben Jahr Fatzebook mehr unangenehme Gesellen kennen als in seinem ganzen Leben zuvor….

Doppelpass? Ein abgekartetes Spiel?

Rechtsgutachten zur Schweinehaltung: Macht Greenpeace mit Tierrechtlern gemeinsame Sache?

Greenpeace spielt anscheinend im Kampf gegen die Massentierhaltung mit PeTA & Co. Doppelpass

Das gestern von Greenpeace veröffentlichte juristische Gutachten ist ein weiterer Schlag gegen die konventionelle Schweinehaltung und somit auch mich und unserem Hof, schließlich mästen wir Schweine auf konventioneller Art und Weise.

Snapshot Facebookseite von Greenpeace. Im Bild zu sehen ist Anwältin Dr. Davina Bruhn

Im Gegensatz zur Bauernregelkampagne von Umweltministerin Hendricks hat mich aber diese Veröffentlichung des Gutachtens und die Berichterstattung drumherum nicht sonderlich mitgenommen. Es ist halt von Greenpeace- und die sagen ja nix Neues. Die wollen eh den bösen Massentierhaltern an den Kragen, jetzt wird also der juristische Weg versucht.

Aber natürlich hätte die Berichterstattung in vielen Medien etwas kritischer sein können. Kritischer gegenüber Greenpeace. Das war sie eigentlich nicht, denn nirgends wurde mal hinterfragt, wer dieses Gutachten schrieb? Gibt es da vielleicht aufschlussreiche Verbindungen im Hintergrund? 
Ja, die gibt es. Spielt aber wohl keine Rolle, denn Greenpeace genießt vermutlich eine riesen Glaubwürdigkeit bei Journalisten. Sind eben auch nur Menschen.

Wer ist denn eigentlich diese Rechtsanwältin, die dieses Gutachten verfasste und den Medienvertretern heute Rede und Antwort stand?
Dr. Davina Bruhn.

Bruhn steht PeTA sehr nahe und ist im Vorstand der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht. Nach Ansicht von Klaus Alfs, Tierrechtler-Experte, ein Doppelpass? Ein abgekartetes Spiel? weiterlesen

Bauer sucht Frau vs. digital farming

oder: Sehnsucht trifft Realität

Scriptum eines Vortrages von Thomas Ostendorf (Landwirt und leidenschaftlicher Öffentlichkeitsarbeiter aus Ochtrup im Münsterland)

Thomas Ostendorf

Medien Lateinisch: medium in der Mitte befindlich als Werkzeug benannt als vermittelndes Element.

Landwirtschaft betreiben von Ackerbau und Viehhaltung zum Erzeugen von tierischen und pflanzlichen Erzeugnissen.

Wo befinden sich beide?

Medien: mitten drin statt nur dabei mitten in der Gesellschaft, jeden Morgen im Postrohr, im Radio, im TV usw.

Landwirtschaft: oft draußen vor der Stadt, da kommt keiner vorbei, Bauern sind ein Volk für sich, bisschen wie die Hobbits im Auenland.

Wo befinden sich beide heute?

Medien: mittendrin, hinter und vor den Kulissen, weiter in Papierform allerdings mit abnehmender Tendenz. Radio, klar hat sich etabliert. TV von 3 auf 500 Kanälen. Im Smartphone digital und vor allem immer und überall!!! Und Landwirtschaft? Erzeugen weiterhin Nahrungsmittel.

Weiterhin im Auenland?

Weit weg von der Gesellschaft????

Nein!!! Bauer sucht Frau vs. digital farming weiterlesen

Respekt

Ein Appell an die Bauern, an meine Community:

für mehr gegenseitigen Respekt

Über die Diskussionskultur im Netz

Liebe Berufskollegen, liebe Community, ich sitze gerade im Zug nach Hause. Mit Marcus und Nadine habe ich gerade für die „Wir machen euch satt„-Initiative eine Pressekonferenz abgehalten. Wie es war, wie wir waren werden wir später erfahren, wenn über unsere Initiative berichtet wird und vor allem: wie berichtet wird.

Das soll aber gar nicht mein Thema jetzt sein. Mir geht es jetzt in diesem Beitrag darum, wie wir im Internet kommunizieren, wie wir miteinander umgehen, oder sollte ich besser schreiben: GEGENEINANDER?

sie geben sich die Hand: Trump und Obama (c) AP, Focus

Gerade wenn die Diskussion um die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaft oder speziell um Glyphosat, MRSA und Nitrat geht, dann reichen in der Diskussion die Argumente und Fakten anscheinend nicht mehr aus. Zu häufig wird zur Verdeutlichung, wie ernst man es mit der eigenen Meinung hat, diese mit mehr oder weniger deutlichen persönlichen Anschuldigungen untermalt.

Das meine ich jetzt im Bezug auf den Umgang unter uns Landwirten, aber auch im Umgang von uns mit Journalisten. Ja, es gibt Berichterstattung, die mich fürchterlich ärgert. Aber auch da müssen wir versuchen, zu argumentieren. Fakten bringen, eigene Meinung deutlich machen. Aber bitte auch genau unterscheiden: Ist der Journalist jetzt Überbringer einer Botschaft oder ist es seine Meinung, die er in einem Kommentar äußert?

Ich bin froh, über jeden Journalisten, aber auch jeden Landwirt, der sich in sozialen Netzwerken der Diskussion stellt bzw. sich einbringt. Aber viel zu oft ist die Diskussion unsachlich, von persönlicher Abneigung geprägt. Einfach keine angenehme Diskussionskultur. In Blogposts, in denen mit dem Ottonormal-Verbraucher Kontakt aufgenommen werden soll, ist ein solches Klima unter den Beiträgen, in den Kommentaren wirklich schädlich.

Keine Frage, es sind nicht nur die Landwirte, die die Schärfe rein bringen. Ganz sicher nicht, aber für neugierige Verbraucher kann es schon abschreckend sein, wenn sich wirklich hitzige, ins persönliche abschweifende Debatten in den Kommentarspalten abspielen.

Deshalb meine Empfehlung. Nehmt euch alle ein wenig zurück. Überlegt zweimal, ob ihr einen Post absenden wollt oder vielleicht doch besser nicht.
In Beiträgen, die den Verbraucher ansprechen sollen, bitte auch den Verbraucher in den Mittelpunkt stellen: jeder Kommentar ist dann für den Verbraucher da und nicht für eigene Nebenkriegsschauplätze.

Ich fordere Selbstkritik ein und frage mich auch, ob ich alles richtig gemacht habe bzw. mache. Das ganz gewiss nicht, aber ich möchte mich bessern und möchte gerne an diese meine Worte erinnert werden, wenn ich im sozialen Netz auf Abwegen geraten bin.

Uns fehlt vielleicht die Kritkfähigkeit und die Kraft, auch andere Einstellungen und Meinungen zu akzeptieren. Lasst uns streiten, aber bitte sachlich und fair. Das wäre dann gelebte Demokratie.