Das Wasser und das liebe Vieh

Immer wieder begegnet einem bei Diskussionen über die Umweltfolgen von tierischen Produkten der Verweis auf den immensen Wasser“verbrauch“.

So werden zum Beispiel für 1 kg Rindfleisch 15400 Liter genannt.

Dass eine solch gewaltige Menge vom Tier nicht gesoffen werden kann, erscheint logisch unter dem Gesichtspunkt, dass dieses Kilo Fleisch an 1 bis 3 Tagen heranwächst. Und auch das Putzwasser bei der Produktion kann nicht diese Höhe erreichen. 15400 Liter aus der Leitung würden hierzulande zwischen 50 und 100 Euro kosten. Das wäre mit Sicherheit ein zu großer Aufwand für ein Kilo Fleisch im Wert von 6 – 20 Euro. Und trotzdem stimmt die Zahl. Es handelt sich um sogenanntes „virtuelles Wasser“, den sogenannten waterfootprint.

Virtuelles Wasser wird im deutschen wikipedia einigermaßen anschaulich erklärt. Trotzdem werde ich später auf englischsprachige Seiten verlinken. Denn auf wikipedia hat sich wie in vielen anderen deutschen Publikationen und von Seiten der Wasserversorger der Begriff „WasserVERBRAUCH“ eingebürgert.

Das ist meines Erachtens falsch. Denn „Verbrauch“ im Zusammenhang mit Wasser ist in wikipedia folgendermaßen definiert: https://de.wikipedia.org/wiki/Verbrauch

„Beim Energieverbrauch (Stromverbrauch, Gasverbrauch, Wasserverbrauch, Kraftstoffverbrauch) wird die genutzte Energie zur Verrichtung von Arbeit umgewandelt in Licht, Wärme, Kälte, Bewegung usw. und steht in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr zur Verfügung. Die Umwandlung (der Energie) ist ein Definitionsbestandteil des Verbrauchsbegriffs, weshalb auch dieser Vorgang als Verbrauch zu bezeichnen ist.“

Für Strom, Gas und Kraftstoff trifft dies mit Sicherheit zu, aber keinesfalls für Wasser. Denn dieses wäre nur verbraucht, wenn es chemisch aufgespalten würde. Das ist aber hier nicht der Fall. Es bleibt als H2O erhalten. Deshalb halte ich mich lieber an die englischsprachigen offiziellen Publikationen zum waterfootprint.

Dort ist NIE von „used up“ (verbraucht) die Rede, sondern immer von „used“ (gebraucht) oder „needed“ (benötigt).
Das Wort WasserVERBRAUCH im Zusammenhang mit dem waterfootprint ist demzufolge ein Übersetzungsfehler. Wie wir sehen, wird aufgeteilt in sogenanntes Grünes, Blaues und Graues Wasser.

graues, blaues & grünes Wasser

Grünes Wasser ist das von den Futterpflanzen zum Wachstum benötigte Regenwasser.

Daten aus waterfootprint.org

Also alles Regenwasser, das nicht oberflächlich abfließt oder ins Grundwasser versickert. Das meiste davon verdunstet über die Pflanze. Aber das selbe würde passieren, wenn der natürliche Bewuchs nicht geerntet oder nicht durch Nutztiere abgeweidet würde.

Pflanzenwachstum durch Regen und die dadurch bedingte Verdunstung gehört zum natürlichen Wasserkreislauf. Ohne Verdunstung kein Regen, ohne Regen kein Pflanzenwachstum. Also kann das Grüne Wasser schon mal als ökologisch völlig irrelevant beiseite geschoben werden. Wie man HIER sieht, sind das fast 94% der 15400 als weltweiter Durchschnitt genannten Litern.

PDF zum Waterfootprint-Report. S.27, Tabelle 4

Bleiben noch das Blaue und das Graue Wasser (jeweils ca. 3%)

Beim Blauen Wasser handelt es sich um Bewässerungswasser für die Futterpflanzen. Also um künstlich entnommenes Grund- oder Oberflächenwasser. Das KANN ökologisch negativ sein, muss es aber nicht. In vielen Gebieten kann man bewässern, ohne den Kreislauf zu schädigen.

Letztendlich bleibt das Graue Wasser als DAS Wasser, das im Produktionsweg „verschmutzt“ wird. Es handelt sich um Tränkewasser und Putzwasser. Doch auch DIESES ist nicht VERbraucht, sondern gelangt nach natürlicher oder künstlicher Klärung wieder in den Kreislauf zurück.

Was aus der Grafik auch schön ersichtlich ist: Weidewirtschaft benötigt am meisten Wasser. Den geringsten waterfootprint haben intensive Stallhaltungssysteme. Das gilt auch für alle anderen in der Tabelle aufgeführten tierischen Produkte. Und so bleibt beim Thema Wasser nicht mehr viel übrig von der Propaganda gegen „Massentierhaltung“!


Weitere Grafiken zur Veranschaulichung:

Über Jochen Böhrer

Jochen Böhrer bewirtschaftet einen viehlosen Marktfruchtbetrieb in der Nähe von Stuttgart und verbringt einen Teil seiner Freizeit in den arbeitsarmen Phasen mit der Öffentlichkeitsarbeit in sozialen Netzwerken.

Ein Gedanke zu „Das Wasser und das liebe Vieh

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*