Mercosur vorläufig in Kraft gesetzt!

Nun wurde durch die EU-Kommission das Mercosur-Abkommen vorläufig in Kraft gesetzt. Das EuGH prüft derweil weiter, ob es rechtens war, dass Abkommen in ein Partnerschaftsabkommen und den Handelsteil aufzuteilen. Wie ich in einem Kommentar im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt ja schon kund tun durfte, bin ich für den Abschluss des Abkommens und dass es endlich umgesetzt wird.

Ein kleines Beispiel dazu: Bei uns in der Region gibt es eine Firma, die Airbags und Sicherheitsgurte für das argentinische Ford-Werk herstellt. Diese sind aktuell mit 35 % Zoll belegt. Und sie haben starke Konkurrenz aus China. Der Wegfall der Zölle sichert dort diese Aufträge und dadurch Arbeitsplätze. Genauso wie bei der Chemieindustrie bei mir in der Region.

Abkommen tut uns nicht weh

Dieses Abkommen wird auch nicht auf den Schultern von uns Bäuerinnen und Bauern abgeschlossen, weil wir bei weitem nicht so stark davon betroffen sein werden, wie populistische PolitikerInnen das immer behaupten. Ein Rückgang des Rindfleischverzehrs in der EU aufgrund der schwächelnden Kaufkraft würde einen deutlich stärkeren Preisrückgang bedeuten. Sprich, ein Anschub der Wirtschaft durch dieses Abkommen stärkt die Kaufkraft in der EU und dadurch auch den Rindfleischpreis.

Natürlich können wir als landwirtschaftliche Verbände fordern, dass es in den Mercosur-Staaten die gleichen Auflagen und Regeln geben muss, wie bei uns. Aber ist das realistisch? Wie viele Jahrzehnte wollen wir noch verhandeln? Und was sollen sie umsetzen? Rumänische Verhältnisse? Spanische Verhältnisse? Oder die deutsche Bürokratie?

Wie viel Quadratmeter je Mastrind sollen uns dann die Argentinier vorgeben, wenn wir beiderseits des Atlantiks gleiche Vorschriften haben sollen? 20? 30? Weidepflicht bis zur Endmast? Was ist mit unserer Anbindehaltung?

62 Tonnen Hormonfleisch gelangen in den Handel

Nun noch kurz zu diesem Thema:

Erstens war dieser Vorfall bereits vor einem halben Jahr, zweitens wurde er entdeckt, sprich, es wurde anscheinend kontrolliert. Und drittens, dies geschah ganz ohne Freihandelsabkommen. Weil alle Waren, die von außerhalb der EU zu uns gelangen, kontrolliert werden müssen. Darum gibt es ja solche Probleme mit dem EU-Austritt der Briten, da hier die Zollabfertigungen und Kontrollen nun deutlich länger dauern und kostenintensiver sind. Auch mit einem Abkommen wird weiterhin kontrolliert und soweit mir bekannt ist, sind hier auch Regelungen im Vertragswerk getroffen worden, dass die Kontrollen verbessert werden.

Ein österreichischer Kabarettist und Bauer kann darüber gerne ein paar Sprüche los werden, das ist sein Job. Alle anderen sollten diesen populistischen Schmarrn finde ich eher sein lassen. Wenn bei uns ein Tierschutzskandal oder ein Lebensmittelskandal skandalisiert wird, sind wir als Landwirtschaft doch auch nicht erfreut, wenn wir alle über einen Kamm geschoren werden und die ganze deutsche Landwirtschaft in Frage gestellt wird? Und hier sind wir gleich am Verurteilen der gesamten brasilianischen Landwirtschaft? Fair ist das nicht, oder?

Bauernstolz

Wir sollten nicht über andere schimpfen, sondern lieber auf uns selber schauen! Haben wir nicht die bessere Qualität? Wir setzen keine Wachstumshormone ein, bei uns werden die Rinder wiederkäuergerecht gefüttert und wir pflegen unsere Kulturlandschaft. Dies alles und noch viel mehr müssen wir viel offensiver bewerben. Unter anderem durch Unsere Bayerischen Bauern!

Konzentrieren wir uns auf uns und verschwenden wir nicht unsere Energie, andere Bauern, irgendwo auf der Weltkugel, schlecht zu machen. Ich hoffe, das wars dann mit Mercosur, nicht, dass ich nochmal was schreiben muss…

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