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Eine Frage der Haltung

Vorbemerkung:

Ich weiß, dass die Symbolik der schwarzen Landvolkfahne sehr kontrovers und emotional diskutiert wird. Ich möchte nicht, dass der Berufsstand sich wegen dieser Debatte entzweit. Diese Debatte ist in meinen Augen zur Zeit sehr wichtig, damit künftige Protestaktionen wieder zielführend und zukunftsweisend durchgeführt werden können. Ich bitte darum, auch die am Ende Verweise in die eigene Meinungsbildung einzubeziehen.

Gemeinsame Erklärung

Wir, die Unterzeichner, sind Menschen, die sich seit längerem für und in der Landwirtschaft engagieren und dazu auf verschiedenen Wegen Kontakt mit den Mitbürgern suchen. 

Mit großer Sorge haben wir die Berichterstattung über die Demonstrationen am Rande der EU-Agrarministerkonferenz in Koblenz verfolgt. Im Mittelpunkt des medialen Interesses stand ein großes Banner auf einem LKW, das eine Reihe von bekannten Personen als „Henker der Landwirtschaft“ bezeichnete. Große Aufmerksamkeit erzielte auch die von einigen Landwirten mitgeführte schwarze Fahne mit Pflug und Schwert, die von den Medien als Zeichen einer zunehmenden Radikalisierung aller Landwirte interpretiert wurde.  

Es entsteht der Eindruck, dass die berechtigten Forderungen seitens der Landwirte hinsichtlich der Ausrichtung und Gestaltung der Agrarpolitik nicht mehr ernst genommen werden. Die vor einem Jahr durch die grünen Kreuze ausgelöste Aufbruchstimmung, die positive Berichterstattung über die große Demo in Berlin und die dadurch ermöglichten Gespräche mit den Entscheidungsträgern werden durch unüberlegte Aktionen einiger Weniger gefährdet. 

Der Unmut im Berufsstand ist vielfach verständlich, Protest berechtigt, aber Protest alleine reicht nicht. Und wenn Protest, dann mit Herz, Sinn und Verstand. Eine Verleumdung von Personen ist kontraproduktiv und wird von uns abgelehnt.

Mit der Farm-to-Fork-Strategie der EU- Kommission ist die zukünftige Ausrichtung der europäischen Agrarpolitik vorformuliert. Sie wird die gesetzgebenden Prozesse der nächsten Jahre bestimmen z. B. auch die nationalen Maßnahmenpläne im Rahmen der EU-Agrarförderung ab 2023.  Deshalb sollten wir Landwirte uns jetzt rechtzeitig in die Diskussionen mit unseren konkreten Lösungsvorschlägen einbringen. Die Vorarbeiten dazu sind schon gemacht.

Agnes Greggersen, Angeliter Deern
Anita Lucassen
Arnold Krämer, Unternehmensberater
Bernhard Barkmann, Blogagrar
Bettina Hanfstingl
Anke Kauf, @grenzlandeis
Dirk Nienhaus, Bocholter Landschwein
Gabriele Mörixmann, Aktivstall für Schweine
Gerhard Langreiter
Thomas Andresen, Hof Barslund
Heike Müller
Ludwig Wreesmann
Marco Becker
Nadine Henke, Brokser Sauen
Willi Kremer-Schillings, Bauer Willi


Verweise:

Die Botschaft hinter den grünen Kreuzen

Die Aktion #grüneKreuze ist eine stumme Protestaktion von Bäuerinnen und Bauern

In ganz Deutschland schlagen derzeit Landwirtinnen und Landwirte grüne Kreuze in den Boden. Wir – die Landwirte – werden nun oft gefragt, warum es die Aktion #grüneKreuze gibt, welche Botschaft dahintersteht und was wir uns davon versprechen.

Diese Fragen sind nicht in einem Satz zu beantworten. Denn hinter jedem Kreuz steht ein Betrieb mit einer eigenen Geschichte. Allen gemeinsam aber ist der Ausgangspunkt für diese bundesweite „Graswurzler“- Initiative, der sich immer mehr Betriebe anschließen. Die Situation auf den Höfen ist wegen wachsender Anforderungen schon länger schwierig.

grüne Kreuze

Das sogenannte Agrarpaket aber hat nun das Fass zum Überlaufen gebracht. Dieses Paket haben die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und die Bundesumweltministerin Svenja Schulze gemeinsam geschnürt und am 4. September per Kabinettsbeschluss auf den Weg gebracht. Die darin beschlossenen Maßnahmen haben in der landwirtschaftlichen Praxis zu großer Beunruhigung bis hin zu Entsetzen und Angst geführt.

Tausche Tierwohl gegen Insektenschutz

Das Agrarpaket soll ein Kompromiss sein zwischen Naturschutz und Landbewirtschaftung. Es geht aber auch darum, Tierhaltung im Sinne des Tierwohls zu verteuern, ohne dass der Verbraucher dafür mehr zahlen muss. Insektenschutzprogramm und staatliches Tierwohlkennzeichen heißen die Programme, in denen das geregelt werden soll.

Das Agrarpaket ist so eng geschnürt, dass es vielen Betrieben die Luft zum Atmen nimmt. Im Ackerbau gehen erhebliche Flächen für die Bewirtschaftung verloren, der Einsatz ertragsrelevanter Betriebsmittel soll massiv eingeschränkt werden. Ein hoher Preis für ein Tierwohlkennzeichen, dass angesichts der vielen Label, die es schon am Markt gibt, kein Mensch mehr braucht.

Viele Landwirte sehen nun keine Zukunft mehr für sich und ihre Betriebe. Zunehmend denken Landwirte darüber nach, ihre Betriebe aufzugeben. Die Suche nach jungen Hofnachfolgern wird immer schwieriger. Ein funktionierendes System der Ernährungssicherung wird durch überbordende Vorschriften leichtfertig aufs Spiel gesetzt.

Am meisten trifft es die Landwirte aber, dass ihr Sachverstand nicht mehr gefragt ist. Dabei liegen von Praxisseite eine Vielzahl von Lösungsansätzen für vorhandene Probleme auf dem Tisch, auch auf denen der verantwortlichen Ministerinnen. Die Ideen wurden abgerufen und diskutiert. Im Agrarpaket tauchen sie an keiner Stelle auf.

Kompromisse sind das Salz in der Suppe einer Demokratie. Diese Suppe aber wurde kräftig versalzen. Denn ein Kompromiss ohne jede Zustimmung ist ein schlechter Kompromiss. Am Ende – und das ist das Fatale – leiden nicht nur die Landwirte unter den absurden Beschlüssen. Auch die Natur und die Verbraucher werden den Kürzeren ziehen. Das also sind die Gründe für ein grünes Kreuz – ein stiller Protest, denn Bauern sterben leise.

Wer einen Eindruck über die Graswurzler-Bewegung #grüneKreuze gewinnen will: https://www.facebook.com/Die-Graswurzler-100884111307744/

Pressekontakt:

Die Graswurzler:
Dr. Willi Kremer-Schillings, kremer-schillings@t-online.de, mobil
0173 2908088
Marcus Holtkötter, marcus@holtkoetter-agrar.de, mobil 0171 2154325
Bernhard Barkmann, bb@barkmann.org, mobil 0151 50749517
Rene Rempt, renerempt@yahoo.de, mobil 0151 56965897
Nadine Henke, broksersauen@hotmail.de, mobil 0162 4858827
Ralf Pauelsen, bauer.pauelsen@arcor.de, mobil 0177 2309896
Dirk Nienhaus, dirk@nienhauslegemann.de, mobil 0176 23482177

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