Alle Beiträge von Jochen Böhrer

Über Jochen Böhrer

Jochen Böhrer bewirtschaftet einen viehlosen Marktfruchtbetrieb in der Nähe von Stuttgart und verbringt einen Teil seiner Freizeit in den arbeitsarmen Phasen mit der Öffentlichkeitsarbeit in sozialen Netzwerken.

Tierhaltung und Klimagase

In Diskussionen und auf manchen tierhaltungskritischen und -feindlichen Seiten wird man immer wieder mit den gar schrecklichen Zahlen der FAO konfrontiert, nach denen die globale Tierhaltung für 18% der Klimagase verantwortlich wäre. Diese Zahl wurde von der FAO tatsächlich kommuniziert, stammt aber von 2006. Mittlerweile wurde sie revidiert und die FAO nennt nur noch 14,5%.  Das ging an all den Verbreitern der ursprünglichen Zahl mit Sicherheit nicht vorbei und so beweist das Beharren auf die „18“ die Unseriösität dieser Publikationen.

http://www.fao.org/news/story/en/item/197623/icode/

 

„Total emissions from global livestock: 7.1 Gigatonnes of Co2-equiv per year, representing 14.5 percent of all anthropogenic GHG emissions. This figure is in line FAO’s previous assessment, Livestock’s Long Shadow, published in 2006, although it is based on a much more detailed analysis and improved data sets. The two figures cannot be accurately compared, as reference periods and sources differ.“

 

Nun kann man einwenden, dass zwischen 18 und 14,5 kein SOO gravierender Unterschied besteht. Was die Zahlen aber wirklich relativiert, ist die offensichtliche Tatsache, dass hier die Tierhaltung wirklich ganz separat berechnet und die zuvor erfolgte Kohlenstoffsenke durch die Futterpflanzen nicht berücksichtigt wurde. Diesen Schluss lässt eine andere Publikation der FAO zu, welche für die gesamte Landwirtschaft inclusive Tierhaltung 5,3 Gigatonnen/Jahr und somit einen Anteil von 10,8% nennt. Man darf sich dabei nicht durch „Giga“ in Zusammenhang mit „Billion“ verunsichern lassen. Im amerikanischen steht „Billion“ für „Milliarde“.

 

http://www.fao.org/resources/infographics/infographics-details/en/c/218650/

 

Die Zahlen sind von 2011 und somit nicht mehr ganz aktuell. Sie werden sich jedoch nicht in großem Ausmaß geändert haben.  Aber man sieht, dass es auch bei den Berichterstattern der FAO Leute gibt, die ihre Zahlen gerne so interpretieren, dass die Landwirtschaft schlecht dasteht. Und so wird die ungefähre absolute Verdoppelung (2,7 auf 5,3) von 1961 bis 2011 angeprangert. Wenn auch etwas relativiert wird („Agriculture’s greenhouse gas emissions continue to rise – although not as fast as emissions from other human activities“)

 

Dabei bescheinigen diese Zahlen große Verbesserungen. Denn während die Weltbevölkerung in diesen Jahren um das 2,26- fache anstieg und die Zahl der sattwerdenden Menschen um ungefähr das 2,7-fache stieg der Ausstoß von CO2 Äquivalenten für deren Ernährung nur um das 1,96-fache. Einen besseren Beweis für die Effizienz und Nachhaltigkeit moderner Landbewirtschaftungsformen MIT Tierhaltung kann es nicht geben.

 

 

Nitrat- werden wir alle vergiftet?

Nitrat ist mittlerweile ein Dauerthema, über das auch hier schon mehrfach geschrieben wurde. Aktuell hat es der WWF für sich entdeckt und malt ein Gespenst an die Wand, das einen vor Furcht erschaudern lässt:Grundwasser der Region ist „Nitratbrühe“ Der Naturschutzverband World Wide Fund For Nature (WWF) warnt vor einem deutlichen Anstieg der Trinkwasserpreise. Ursache dafür seien steigende Nitratwerte im Grundwasser in der Region Hannover, sagte Verbandssprecher Roland Gramling am Donnerstag.

Bauer Willi hat das Ganze in seinem Blog relativiert und auch das (GRÜNE!!) niedersächsische Umweltministerium (hört hört) stellt einige der Falschaussagen richtig.

Und wieder mal Nitrat: Der WWF untersucht in der Region Hannover 6 Proben und findet drei mit über 50 mg/l. Enercity,…

Posted by Bauer Willi on Freitag, 18. August 2017

Trinkwasser in Hannover birgt keine Gefahren Die Nitratbelastung im Trinkwasser der Region Hannover liegt weit unter den zulässigen Grenzwerten und stellt damit keine Gesundheitsgefahr dar. Das hat das niedersächsische Umweltministerium auf Anfrage klargestellt und damit Angaben der Stadtwerke bestätigt.

Wie man sieht, wieder mal viel heiße Luft ohne jegliche Grundlage. Dass die tatsächlichen Nitratwerte und die Entwicklung der letzten Jahre im Widerspruch zu den Behauptungen von manchen Politikern, NGOs und Versorgern stehen, ist eigentlich geklärt. Deshalb will ich mich dem Stoff an sich widmen: Wenn man manche Berichte liest, gewinnt man den Eindruck, dass man nach einem Glas Wasser mit über 50mg/Liter sofort tot umfällt oder zumindest an Krebs dahinsiecht. So schreibt auch der WWF: Nitrat- werden wir alle vergiftet? weiterlesen

Am Pranger & Selbstjustiz

Wo sind wir nur hingekommen? Mitglieder einer Tierrechtsorganisation brechen in einen Schweinestall ein und filmen heimlich. Filmsequenzen zeigen scheinbare Missstände. Anstatt im Interesse des Tierwohls die Behörden einzuschalten, sammeln sie 100 Tage lang Filmmaterial.

öffentliche Inszenierung

Es geht ja um eine gute Story und um Geld. Sie verkaufen den Film an RTL, das ihn gerne nimmt und in Stern-TV bringt . Danach wird vor dem Schweinestall eine „Pressekonferenz“ und ein Laientheater der Tierrechtler abgehalten, bei denen die kundtun, dass das keine Einzelfälle wären, sondern die Regel. Der Name des Betreibers wird genannt und er wird aufgrund von illegalem Filmmaterial als Verbrecher hingestellt, bevor irgendein Gericht oder irgendeine Justizbehörde irgendeine Schuld festgestellt hat.

„Jeder Mensch, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, ist solange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren, in dem alle für seine Verteidigung nötigen Voraussetzungen gewährleistet waren, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.“ (Art. 11 Abs. 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948)

Petitionsrecht wird missbraucht

Die eingeladenen Presseleute schreiben fleißig mit und auf Facebook wettern tausende von Leuten gegen den Betreiber und die Tierhaltung an sich. Auch die ersten Mordaufrufe sind zu verzeichnen. Und die Medien waschen ihre Hände in Unschuld. Hier geht´s ja nur um Landwirte und Tierhalter. Und somit kann man den Schutz des Grundgesetzes vor Verleumdung, Verunglimpfung und Vorverurteilung außer Kraft setzen. Ein wichtiges Attribut unseres Rechtsstaates ist das Petitionsrecht. Wenn mit einer Petition andere rechtsstaatliche Attribute außer Kraft gesetzt werden sollen, wird dieses Recht zur Farce.

Eine Justizbehörde muss anhand der Sachlage entscheiden, ob sie eine Anzeige verfolgt und ein straf- oder ordnungsrechtliches Verfahren in Gang setzt. Dabei muss sie sich an Fakten halten und die Anzahl der Anzeigen in gleicher Sache darf bei den Entscheidungen keine Rolle spielen. Die Intention dieser Petition ist somit schlichtweg ein Skandal. Der Mob will die Justiz beeinflussen und zu einem harten Urteil drängen.

GEHTS NOCH???

Grünes Wasser, grünes Licht, grüne Wärme

Wie im anderen Blogbeitrag erläutert, handelt es sich beim größten Teil des waterfootprints landwirtschaftlicher Produkte um sogenanntes „Grünes Wasser“. Also um Regenwasser, das sowieso fällt. Egal ob die dadurch wachsenden Pflanzen jetzt geerntet werden oder an Ort und Stelle verbleiben. Trotzdem wird dieses Wasser immer wieder als „verbraucht“ bezeichnet. So zum Beispiel HIER in diesem aktuellen Bericht zum heutigen Weltwassertag:

Snapshot

Grünes Wasser, grünes Licht, grüne Wärme weiterlesen

Das Wasser und das liebe Vieh

Immer wieder begegnet einem bei Diskussionen über die Umweltfolgen von tierischen Produkten der Verweis auf den immensen Wasser“verbrauch“.

So werden zum Beispiel für 1 kg Rindfleisch 15400 Liter genannt.

Dass eine solch gewaltige Menge vom Tier nicht gesoffen werden kann, erscheint logisch unter dem Gesichtspunkt, dass dieses Kilo Fleisch an 1 bis 3 Tagen heranwächst. Und auch das Putzwasser bei der Produktion kann nicht diese Höhe erreichen. 15400 Liter aus der Leitung würden hierzulande zwischen 50 und 100 Euro kosten. Das wäre mit Sicherheit ein zu großer Aufwand für ein Kilo Fleisch im Wert von 6 – 20 Euro. Und trotzdem stimmt die Zahl. Es handelt sich um sogenanntes „virtuelles Wasser“, den sogenannten waterfootprint.

Virtuelles Wasser wird im deutschen wikipedia einigermaßen anschaulich erklärt. Trotzdem werde ich später auf englischsprachige Seiten verlinken. Denn auf wikipedia hat sich wie in vielen anderen deutschen Publikationen und von Seiten der Wasserversorger der Begriff „WasserVERBRAUCH“ eingebürgert.

Das ist meines Erachtens falsch. Denn „Verbrauch“ im Zusammenhang mit Wasser ist in wikipedia folgendermaßen definiert: https://de.wikipedia.org/wiki/Verbrauch Das Wasser und das liebe Vieh weiterlesen

Paukenschlag durch Umweltbundesamt

Das UBA hat zugeschlagen und beginnt das Jahr mit einem Paukenschlag

Das UBA prangert scheinbar klimaschädliche Subventionen an und fordert u.a. eine Mehrwertsteuererhöhung für Milch und Fleischprodukte (Link)

Dazu folgende Anmerkungen:
Anders als im Bericht suggeriert, gibt es keine prinzipielle Entlastung bei der Stromsteuer für Land- und forstwirtschaftliche Betriebe, das geht erst ab 50 MWh.- also bei den allerwenigsten. Was gemeint war, ist vermutlich die Entlastung bei Agrardiesel. Diese ist aber vom Gesetzgeber ausdrücklich als Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der EU vorgesehen und stellt somit keine Subvention dar, die zu hinterfragen wäre. Die Mineralölsteuer war ursprünglich als zweckgebundene Steuer für den Bau und Unterhalt der Straßen gedacht. Landwirtschaftliche Traktoren und Arbeitsmaschinen fahren aber zu 90% auf dem Feld. Trotzdem werden weniger als 50% der Steuer erlassen.
Wieso man in diesem Zusammenhang die vollständige Steuerbefreiung für Flugbenzin nicht erwähnt, bleibt ein Rätsel.

Am Schluss der UBA-Presseinformation wird eine Mehrwertsteuererhöhung für Fleisch und Milch gefordert und die 5,2 Mrd. Euro Unterschied zwischen 7% und 19% werden als „umweltschädliche Subvention“ bezeichnet. Das ist eine hanebüchene Sichtweise.

Dem UBA müsste gesagt werden:

  1. Die Produktion tierischer Produkte ist nicht automatisch umweltschädlich. Im Gegenteil. Sie kann sogar umweltfreundlich sein (Nutzung von Grünland, Erhaltung der Kulturlandschaft, Verwertung von für den Menschen nicht nutzbaren Nebenprodukten, Verwertung von witterungsbedingt nicht mehr als Lebensmittel tauglichen Getreide- und Gemüsepartien, Verfütterung von Lebensmittelresten, Gewinnung von wertvollem Dünger).
  2. Der ermäßigte Steuersatz für Lebensmittel ist KEINE Subvention. Dazu zitiere ich aus dem Lexikon:

„Eine Subvention (von lat. subvenire = „zu Hilfe kommen“) ist eine Leistung aus öffentlichen Mitteln an Betriebe oder Unternehmen. Subventionen sind wirtschaftspolitische Eingriffe in das Marktgeschehen, mit denen ein bestimmtes Verhalten der Marktteilnehmer gefördert werden soll.“

Diese Definition trifft auf einen ermäßigten Steuersatz für Lebensmittel zugunsten der Verbraucher mit Sicherheit nicht zu. Selbst der Begriff „Steuersubvention“ passt nicht. Denn diese ist SO definiert:

„Steuersubventionen oder Steuervergünstigungen sind Ausnahmen im Umfang einer Steuer oder in der Steuerpflicht, deren Grund nicht in der Steuersystematik liegt.“

Der ermäßigte Steuersatz für Lebensmittel IST Teil unserer Steuersystematik!

Weiter:

„Eine Steuersubvention ist eine staatliche Vergünstigung
Empfänger sind ein oder mehrere Steuerpflichtige
Der gewährte Vorteil besteht in einer Verschonung von einer eigentlich zu tragenden Abgabenlast. Die Verschonung stellt also eine Ausnahme von einer Regel dar. Die Regel ergibt sich aus der gleichen Behandlung der im Sinne eines Vergleichsmaßstabes gleichen Sachverhalte oder Objekte.“

Tierische und pflanzliche Lebensmittel SIND im Vergleichsmaßstab gleiche Sachverhalte und Objekte. Der Charakter einer Subvention würde also erst erreicht, wenn nur noch pflanzliche Lebensmittel den ermäßigten Steuersatz hätten. Und zwar wären dann DIESE subventioniert.

Kommen wir zum eigentlichen Bemerkenswerten an dieser Verlautbarung des UBA: Diese Beamten prangern insgesamt 57 Milliarden Euro umweltschädlicher Subventionen an. Davon macht der fälschlicherweise als Subvention bezeichnete ermäßigte Steuersatz für Fleisch/Milch/Eier lediglich lächerliche 9,1% aus. Trotzdem ist NUR er den Medien in der Berichterstattung über die Presseinformation eine Erwähnung wert. Alle überschlagen sich im Anprangern tierischer Produkte.Und auf den von ihnen angebotenen Diskussionsplattformen haben sich Menschen eingefunden, die in gehässigster Art und Weise die Landwirte und Fleischwirtschaft verunglimpfen.

Was die Medien zu ihrer selektiven Berichterstattung veranlasst, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.