Archiv der Kategorie: Landwirtschaft

Luftbilder vom Vornerhof von 1990 und 1960. Dazu die Rage "Früher war alles besser?"

Früher war alles besser?

In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich in den sozialen Medien und im „realen“ Leben mit LandwirtInnen unterhalten und es kam immer wieder die Feststellung, dass es unser Berufsstand in der heutigen Zeit nicht leicht hat und darum zu überlegen ist, ob man sich das noch länger antun soll. Die ganze Protestbewegung um LsV fußt darauf. Es wird dargelegt, wie schlecht man wirtschaftlich dasteht, dass die Preise, die man für seine Erzeugnisse erhält, hinten und vorne nicht reichen, um die Kosten zu decken. Und es geht auch um die politischen Rahmenbedingungen, aber natürlich auch um die Stellung der Landwirtschaft in unserer Gesellschaft.

Diese Debatten, diese oft traurigen Einzelschicksale, lassen mich nicht mehr los. Ich bin ein positiver Mensch und sehe alles nicht so schlecht, wie manch andere. Doch diese vielen Aussagen und auch meine eigene betriebliche Situation lassen mich immer wieder hinterfragen, ob ich da noch richtig liege. In den Diskussionen auf Facebook und Twitter habe ich immer wieder versucht zu erläutern, dass es früher auch nicht einfacher war.

Die Zeiten sind nicht einfach…

Ja, die Zeiten sind nicht einfach. Ja, die Preise könnten besser sein. Ja, mehr Sachverstand in der Politik täte Not, was zu besseren Rahmenbedingungen für uns führen würde. Ja, der Rückhalt in der Bevölkerung könnte größer sein.

Aber: War das nicht schon immer so? Waren die Zeiten früher besser?

Ich weiß nicht, wie es bei euch war. Wenn ich eins gelernt habe in den letzten Jahren, wo ich dank Verbandsarbeit und Social-Media-Bekanntschaften über den Oberneukirchner Tellerrand blicken durfte, dann das, dass kein Hof wie der andere ist. Darum will ich euch hier aufzeigen, wie die letzten 50 Jahre auf meinen Betrieb so waren. Welche Schwierigkeiten es gab und warum es trotzdem diesen Hof noch als Vollerwerbsbetrieb gibt.

Zeitreise 50 Jahre zurück

1970 war mein Vater 23 Jahre alt, vor ein paar Jahren wurde ein neuer Kuhstall mit Ausmister gebaut für 18 Milchkühe. Der größte Bulldog hatte 60 PS, ein IHC 624. Es gab am Hof noch ca. 10 Zuchtsauen und einen DL-Deckeber. Zu dem wurden aus dem ganzen Umkreis die Sauen zum Decken gebracht, wofür mein Großvater Deckgeld erhielt. Außerdem gab es noch ein paar Hühner und Zuchttauben. Die Pferde waren zu dem Zeitpunkt meines Wissens schon abgeschafft. Es war 23 Hektar eigene Fläche vorhanden, gepachtet war nichts. Und 7,5 ha Wald. Kühe und Kalbinnen kamen auf die Weide.

Der Vornerhof um 1960

Mein Vater musste von klein auf schwer arbeiten, hat mit 12 Jahren schon den Mähdrescher gefahren und alle anderen Maschinen und Bulldogs bedient, mein Opa hatte keinen Autoführerschein und hat auch das Bulldogfahren frühzeitig seinen Sohn überlassen. Sprich, eine gute, alte Zeit hatte mein Vater in seinen Kindheits- und Jugendjahren nicht.

In den 70ern haben dann meine Eltern geheiratet, ein neues Wohnhaus gebaut und Ende der 70er Jahre den Kuhstall schon wieder umgebaut. Es waren danach 9 Kuhplätze mehr und statt dem Entmister wurde auf der Kuh- und der Jungviehseite ein Güllekanal eingebaut. Dafür wurde auch einen neue Güllegrube mit gut 500 m3 gebaut. Es wurde ein 100-PS Hinterrad IHC 1046 angeschafft und diverse andere Maschinen. Das alles zu einer Zeit, wo man bis zu 14 % Zinsen zahlen musste, mit meinen zwei Brüdern zwei kleine Kinder da waren und mit diesem Hof so inkl. meiner Großeltern und der Großtante doch einige Menschen zu versorgen waren. Mein Vater ging in dieser Zeit noch auf Baustellen zum „Handlangen“, damit noch etwas Geld rein kam.

„A hofnachfolger was born“

In den 80er Jahren kam dann ich erstmal auf die Welt :-), womit die Familie komplett war. Die 80er waren das Jahrzehnt der Milchkontingentierung. Meine Eltern hatten aufgrund von Fruchtbarkeitsproblemen im Bemessungszeitraum keinen vollen Stall und dadurch erhielten sie relativ wenig Kontingent, weil sie aufgrund der Mastbullen, die vom eigenen Nachwuchs fertig gemästet wurden, auch kein Härtefall waren. Es wurde das erste Fahrsilo gebaut, obwohl noch viele Jahre die Hochsilos in Betrieb waren, wo mit der Hand das Grassilo herausgegabelt werden musste. Erst 1988 wurde auch für das Gras ein Fahrsilo gebaut. 1982 und 1985 wurde in die Sauenhaltung investiert, wodurch dann 25, später 30 Zuchtsauen gehalten werden konnten, ganz modern auf Spalten. Geschrotet wurde alles mit einer selber umgebauten fahrbaren Mühle, die man mit der Zapfwelle des Bulldogs antreiben konnte. Das Getreide war im 1. Stock auf Haufen gelagert und zum Ansaugen musste man ständig die Saugleitung umbauen und Getreide schaufeln. Das hatte sich erst 2001 erledigt. Wann genau der Mähbalken durch ein Trommelmähwerk ersetzt wurde, weiß ich nicht sicher, denke aber auch in den 80er Jahren. Bis Ende der 80er Jahre wurde mit einem Lanz Alldog Geräteträger das Getreide gesät. Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, wie ich dabei immer mitgefahren bin! Dann wurde 1989 noch eine neue Maschinenhalle gebaut, wobei auch die bestehenden Fahrsilos überdacht wurden. Was damals Luxus war, hat sich später rentiert, weil dort nun Getreidelager und Hackschnitzellager untergebracht sind. Waldarbeit war immer schwere Handarbeit, in die auch meine Mutter voll eingebunden war. Nicht überall kam man mit dem Schlepper ran, gerne blieben die Schlepper auch mal stecken oder Bäume fielen einfach nicht um. Das Bauholz für die verschiedenen Baumaßnahmen war alles aus dem eigenen Wald. Das Holz wurde selber zum Sägewerk gefahren, daheim zum Trocknen aufgerichtet, und dann wieder zum Zimmerer zum Abbinden gefahren.

Auch früher gabs Bürokratie

In den 90ern gab es dann die Flächenausgleichszahlungen. Da wir ja unsere Stierkälber selber gemästet haben, haben wir immer die Bullenprämie beantragt, für die dann Ackerflächen als Futterflächen ausgezeichnet werden mussten, für die man dann keine Flächenprämie erhielt. Es war damals schon kompliziert! Auf dem Hof hat sich in dieser Zeit nicht so viel getan. Eine weitere Güllegrube wurde gebaut als Ersatzbau alter Jauchegruben, diverse Maschinen angeschafft, auf mein hartnäckiges Betteln wurde ein Case 5130 Maxxum gebraucht gekauft. Ende der 90er Jahre haben meine Brüder in der Siedlung Haus gebaut und ich habe nach der Realschule mit meiner Ausbildung zum Landwirt begonnen, was durchaus auf Unverständnis traf, weil viele erst mal „was Gscheids“ gelernt haben und danach evtl. noch Landwirtschaft. In meinem Landkreis waren wir damals nur fünf in meinem Ausbildungsjahrgang. So wenige waren es seitdem nie mehr. Die Getreidepreise waren über Jahre hinweg schlecht, die Preise für Milchkontingent hoch. Bei den Sauen hatten wir einen PRRS-Ausbruch. In diesen Jahren haben bei uns viele ihre Landwirtschaft aufgegeben und verpachtet. Meist kleinere Betriebe, als wir, aber nicht nur. Dabei haben wir von unserem Nachbarn 5 Hektar dazugepachtet.

Der Vornerhof um 1990

Dann kam das Jahr 2000. Nach meiner Fremdlehre haben wir uns auf meine Initiative dafür entschieden, die Milchkühe herzugeben und voll auf Ferkelerzeugung umzustellen. Es wurde in den Jahren 2001 und 2002 der alte Milchviehstall und ein weiteres Gebäude umgebaut und ein Stall für Abferkeln und Decken neu gebaut. Seitdem habe ich, auch nachdem 2007 mein Vater verstorben ist, viel investiert in Arbeitserleichterungen. Zum Beispiel in die Getreidetechnik oder dass tägliche Arbeiten alleine ohne Probleme zu erledigen sind. Fast alle Schlepper und Maschinen wurden seitdem ersetzt, teilweise in Maschinengemeinschaften. Auch eine Seilwinde und ein Rückewagen wurden gemeinsam angeschafft. Ich habe die Dächer mit Photovoltaikanlagen bestückt und vor 3 Jahren das Wohnhaus renoviert und angebaut.

Jetzt wieder zurück in die Gegenwart!

Ich habe es versucht, aber es ist mir gar nicht möglich, aufzuschreiben, wie viel meine Eltern geleistet haben. Und wie viele Probleme es gab. Wie viele politische Entscheidungen getroffen wurden, die für meine Eltern nicht von Vorteil waren. Warum schreibe ich das hier alles? Weil ich darlegen will, wie schön ich es heute habe. Diesen Winter habe ich von Mineralfutter in Säcken auf lose umgestellt, weil es eine Arbeitserleichterung ist. Das war nicht billig, aber ich hab es mir geleistet. Mein erster Urlaub war als Jugendlicher mit meinen Eltern drei Tage in Österreich. Meine Brüder haben daheim die Arbeit gemacht. Meine Kinder fahren mit uns seit quasi 0 Jahren zweimal im Jahr weg. Ich habe kürzere Arbeitstage als mein Vater und dadurch mehr Zeit für meine Kinder. Wir versuchen, an den Wochenenden außer Stallarbeit nichts am Hof zu arbeiten und noch dazu bin ich abends und auch oft untertags mit meinen Ehrenämtern unterwegs.

Packen wir’s an!

Ja, es gibt viele Herausforderungen. Seit letztem Jahr gebe ich Gülle ab. Ich habe mir teure Schleppschuhtechnik angeschafft. Das Isoflurangerät ist bestellt und teure Umbauten im Schweinestall stehen in den nächsten Jahren an. Aber wenn ich mir überlege, was meine Eltern schon alles geschafft haben, ist mir für meine Zukunft auch nicht bange. Ich nehme die Ungerechtigkeiten, die uns Bauern durch Politik und Gesellschaft derzeit widerfahren, nicht einfach hin. Aber ich nehme mir dies alles auch nicht zu sehr zu Herzen. Ich kämpfe mit allen fairen Mitteln, um für mich und meine BerufskollegInnen das Beste zu erreichen. Aber wenn ein Kampf verloren ist, jammere ich dem nicht hinterher, sondern schaue, wie ich die neuen Herausforderungen auf meinen Betrieb meistern kann. Und das macht mir sogar irgendwie Spaß. Sonst wäre doch das Leben auch langweilig, oder?

Eine Frage der Haltung

Vorbemerkung:

Ich weiß, dass die Symbolik der schwarzen Landvolkfahne sehr kontrovers und emotional diskutiert wird. Ich möchte nicht, dass der Berufsstand sich wegen dieser Debatte entzweit. Diese Debatte ist in meinen Augen zur Zeit sehr wichtig, damit künftige Protestaktionen wieder zielführend und zukunftsweisend durchgeführt werden können. Ich bitte darum, auch die am Ende Verweise in die eigene Meinungsbildung einzubeziehen.

Gemeinsame Erklärung

Wir, die Unterzeichner, sind Menschen, die sich seit längerem für und in der Landwirtschaft engagieren und dazu auf verschiedenen Wegen Kontakt mit den Mitbürgern suchen. 

Mit großer Sorge haben wir die Berichterstattung über die Demonstrationen am Rande der EU-Agrarministerkonferenz in Koblenz verfolgt. Im Mittelpunkt des medialen Interesses stand ein großes Banner auf einem LKW, das eine Reihe von bekannten Personen als „Henker der Landwirtschaft“ bezeichnete. Große Aufmerksamkeit erzielte auch die von einigen Landwirten mitgeführte schwarze Fahne mit Pflug und Schwert, die von den Medien als Zeichen einer zunehmenden Radikalisierung aller Landwirte interpretiert wurde.  

Es entsteht der Eindruck, dass die berechtigten Forderungen seitens der Landwirte hinsichtlich der Ausrichtung und Gestaltung der Agrarpolitik nicht mehr ernst genommen werden. Die vor einem Jahr durch die grünen Kreuze ausgelöste Aufbruchstimmung, die positive Berichterstattung über die große Demo in Berlin und die dadurch ermöglichten Gespräche mit den Entscheidungsträgern werden durch unüberlegte Aktionen einiger Weniger gefährdet. 

Der Unmut im Berufsstand ist vielfach verständlich, Protest berechtigt, aber Protest alleine reicht nicht. Und wenn Protest, dann mit Herz, Sinn und Verstand. Eine Verleumdung von Personen ist kontraproduktiv und wird von uns abgelehnt.

Mit der Farm-to-Fork-Strategie der EU- Kommission ist die zukünftige Ausrichtung der europäischen Agrarpolitik vorformuliert. Sie wird die gesetzgebenden Prozesse der nächsten Jahre bestimmen z. B. auch die nationalen Maßnahmenpläne im Rahmen der EU-Agrarförderung ab 2023.  Deshalb sollten wir Landwirte uns jetzt rechtzeitig in die Diskussionen mit unseren konkreten Lösungsvorschlägen einbringen. Die Vorarbeiten dazu sind schon gemacht.

Agnes Greggersen, Angeliter Deern
Anita Lucassen
Arnold Krämer, Unternehmensberater
Bernhard Barkmann, Blogagrar
Bettina Hanfstingl
Anke Kauf, @grenzlandeis
Dirk Nienhaus, Bocholter Landschwein
Gabriele Mörixmann, Aktivstall für Schweine
Gerhard Langreiter
Thomas Andresen, Hof Barslund
Heike Müller
Ludwig Wreesmann
Marco Becker
Nadine Henke, Brokser Sauen
Willi Kremer-Schillings, Bauer Willi


Verweise:

Für mehr Artenvielfalt in Niedersachsen

Warum das „Volksbegehren Artenvielfalt“ der falsche Weg ist

Die Initiierung eines „Volksbegehrens Artenvielfalt“ in Niedersachsen sorgt für Unmut bei den Landwirten im Land. Die niedersächsischen Grünen und der NABU Niedersachsen sind die wesentlichen Treiber dieses Volksbegehrens. Dabei haben sich die Landwirte in meinem Bundesland bereits aufgemacht, einen gemeinsamen Weg – zusammen mit Landwirtschaftskammer, Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, BUND und dem NABU (!)- für die Bewahrung der Biodiversität zu finden. Dieses ist der vielzitierte „niedersächsische Weg“.

Hallo liebe Naturschützer. Bauernhöfe sind Hotspots der Artenvielfalt. Bitte niemals vergessen!
Dieses Schild darf gerne kopiert und ausgedruckt werden. PDF zum Download ist unten verlinkt.

NABU und Grüne sammeln Unterschriften

Und obwohl der NABU auch bei der gemeinsamen Kompromissfindung dabei war und dieses Papier unterzeichnet hat, forciert die NGO das Volksbegehren und sammelt gemeinsam mit den Grünen Unterschriften, damit es zu einer Volksabstimmung kommen kann.

Dort heißt es dann in den Fußgängerzonen:

„Wollen Sie unterschreiben für mehr Artenvielfalt in Niedersachsen?“

Für mehr Artenvielfalt in Niedersachsen weiterlesen

Offener Brief

Offener Brief an die landwirtschaftlichen Vertreter im Fachbeirat Rind und Schwein der QS Qualität und Sicherheit GmbH zur Thematik „Anforderungen ausländischer Ferkellieferanten in Bezug auf die Kastration

An:

  1. Hubertus Beringmeier (Mitglied, Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband)
  2. Heinrich Dierkes, (Stellv. Mitglied, Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands)
  3. Walter Heidl (Stellv. Mitglied, Bayerischer Bauernverband)
  4. Roger Fechler (Gast, Deutscher Bauernverband)
  5. Dr. Nora Hammer (Gast, Bundesverband Rind und Schwein)


Sehr geehrte Damen und Herren,


wir als Ferkelerzeuger sind ein Betriebszweig, der in den letzten Jahren und vor allem in den nächsten 15 Jahren viele Hürden zu meistern hat.
Eine davon ist die Kastration mit Betäubung, die ab den 01.01.2021 in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben ist. Der Weg dorthin war mehr als enttäuschend für uns. Über Jahre hinweg wurde Zeit vertrödelt, Vermarktungsmöglichkeiten nicht angepasst, notwendige Studien nicht durchgeführt, und der Weg der lokalen Betäubung blockiert.

Viele wählen nun die Isoflurannarkose

Nun sind viele von uns gerade dabei, sich über die Geräte zur Isoflurannarkose zu informieren, diese zu bestellen und sich für die notwendigen Kurse anzumelden. Das ist alles ein großer Aufwand, von den Kosten reden wir mal gar nicht. Aber wir gehen diesen Weg, weil er alternativlos ist. Umso enttäuschender ist es, dass die QS Qualität und Sicherheit GmbH (QS), hier uns in keinster Weise unterstützt. Ich erwarte mir etwas anderes von Qualität und Sicherheit. Wenn die deutsche Politik nach Jahren der Diskussion nur bestimmte Möglichkeiten bei der Kastration freigibt, ist es für uns nicht verständlich, dass QS diesen gesetzlichen Rahmen bei Importferkeln nicht für notwendig erachtet. Gehört nicht auch zur Qualität, für die wir stehen, dass in Deutschland geltende Regelungen eingehalten werden? Führen wir nicht den Verbraucher in die Irre, wenn unsere Ferkel unter den gesetzlichen Mindestanforderungen kastriert werden?

In Deutschland geltende Standards einhalten

Vor allem die Narkose mit CO2, wie sie in den Niederlanden durchgeführt wird, ist bei uns nie zur Debatte gestanden und sogar zur Betäubung in den Schlachthöfen mittlerweile umstritten. Und so sehr wir für die lokale Betäubung gekämpft haben – Wenn es in Deutschland nicht erlaubt ist, dürfen auch importierte Ferkel nur die QS-Zertifizierung erhalten, wenn die in Deutschland geltenden Standards erfüllt sind. Sollte sich in Deutschland hierzu wieder etwas
ändern, kann man auch hier ja jederzeit wieder nachjustieren.

Schweinestandort Deutschland zukunftsfähig machen

Auch im Hinblick auf die langen Transportzeiten, sollte man die Ferkelerzeugung in allen Regionen Deutschlands mit allen Mitteln stärken. Dies fordern wir von der Politik, aber dies sollte auch für QS das Maß aller Dinge sein. Ein zukunftsfähiger „Schweinestandort“ Deutschland braucht eine Ferkelerzeugung in Deutschland. Und diese wird es nur geben, wenn wir die Herausforderungen der nächsten Jahre finanziell leisten können. Wenn uns durch solche Marktverzerrungen Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, wird vielen die Aufgabe der Ferkelerzeugung sicherlich noch leichter gemacht.


Da wir nicht glauben, dass das Ihr Ziel ist, bitten wir Sie, Ihre Entscheidung hinsichtlich der Anforderungen für ausländische Lieferanten zu überdenken.


Mit freundlichen Grüßen,
Gerhard Langreiter

Gerhard Langreiter hält 170 Muttersauen im Vollerwerb im Landkreis Mühldorf, ist verheiratet und hat zwei Kinder.


Unterstützerliste:

Michael Hamburger
Lorenz Baisl
Johann Reichenspurner
Günther Kurz
Alexander Obermeier
Barbara Kamhuber
Konrad Loidl
Josef Aicher
Johann Hansbauer
Andreas Stoiber
Karl Seiler
Josef Hochholzer
Michael Holzner
Hans-Jörg Steinberger
Bernhard Schneider
Sebastian Weindl
Konrad Gröbner
Johannes Scharl
Bernhard Barkmann
Michael Haußer
Agnes Greggersen
Nadine und Heinrich Henke


Download:


Quo Vadis Landwirtschaft

Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident, arbeitet anscheinend schon an seinem deutschlandweitem Profil als Kanzlerkandidat und hat dafür die Landwirtschaft ausgewählt. In einer Videobotschaft zur Fleischerzeugung stellt er dar, was sich in Deutschland verändern muss und dass Bayern hier ein gutes Beispiel für den Rest Deutschlands ist. Doch ist das wirklich so? Dirk Andresen, Sprecher von LandSchafftVerbindung, sieht es auf alle Fälle in diesem Video anders! Auch Professor Alfons Balmann von der Universität Halle widerspricht Söder auf Twitter.

Nun will auch ich noch meinen Senf dazu geben. Ausschlaggebend für diesen Beitrag ist eigentlich nicht das Video von Markus Söder, sondern die Pressekonferenz vom 7. Juli nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts. Die Informationen zu Corona könnt ihr dabei überspringen. Ab Minute 13 redet Landwirtschaftsministerin Kaniber und danach Umweltminister Glauber. Es folgen später noch weitere Statements der beiden und da wurde mir klar: Wieder einmal sind es nur leere Worthülsen, die der bayerische Ministerpräsident hier von sich gegeben hat. Was soll das auch heißen: „Agrarökologie statt Agrarkapitalismus“?

Groß oder klein?

Grundsätzlich bin ich ein Fan von kleinen Höfen und den Strukturen, die man in meiner Region noch vorfindet, dass könnt ihr hier nachlesen. Aber eins ist auch klar. Die Größe sagt nichts darüber aus, wie „umweltfreundlich“ ein Betrieb arbeitet. Ich zum Beispiel habe nur sehr wenig Fläche und kann es mir deshalb viel weniger leisten, hier Agrarumweltmaßnahmen durchzuführen. Natürlich, das bayerische Kulturlandschaftsprogramm, dass über die 2. Säule der GAP mitfinanziert wird, ist ein Erfolgsmodell, auf das viele grüne Agrarminister aus anderen Bundesländern neidisch schauen und ja, wir haben in Bayern noch viele Höfe, über die Hälfte im Nebenerwerb. Jeder 3. deutsche Bauernhof steht in Bayern. Und da bin ich auch ein Stück Stolz auf unser Bundesland.

Schon interessant, wie sich Bayern auch von Baden-Würtemberg in Sachen Fremdarbeitskräfte und Fremdkapitalanteil unterscheidet! (Quelle DLG-Mitteilungen 11/09 Danke @ Mirjam Lechner für diesen Input)

Aber mein Eindruck ist, dass sich diese Struktur schnell ändern wird. Erstens ist es nicht unbedingt ein politischer Verdienst, sondern den Bauern und vor allem den Bäuerinnen geschuldet, die „nebenbei“ Kühe gemelkt haben oder Schweine gefüttert. Diese Generation, die das gerne gemacht hat, und Wochenenden und Urlaub für den Hof daheim geopfert hat, da die Männer oft unter der Woche Vollzeit zur Arbeit gingen, kommt langsam ins Rentenalter und die nachfolgende Generation ist oft nicht mehr bereit, diese hohe Arbeitsbelastung zu tragen. Ich erlebe es, dass oftmals der Ackerbau dann noch weiter gemacht wird, die Tiere verlassen aber immer mehr die Höfe. Hier kann man zum Beispiel feststellen, dass es Bayern nicht geschafft hat, durch Beratung und eine gezielte Investitionsförderung, Anbindeställe in Laufställe umzubauen. Knapp 50 % der Milchviehhalter haben noch einen Anbindestall und die letzten Fördermaßnahmen haben eher dazu geführt, dass von 60 auf 120 oder 180 Kühen aufgestockt wurde, statt dass Anbindeställe umgebaut wurden. Bei den Schweinen nicht anders. Erst gab es gar keine Förderung (so wie bei meinem Stallbau 2001/2002). Dann wurde alles mit 25 % gefördert, was aber dazu geführt hat, dass nur Schweinemastställe gebaut wurden, weil die Fördervorgaben leichter umzusetzen waren. Erst in der letzten Förderperiode hat man dann ein Punktesystem eingeführt, was Zuchtsauenhalter und den Umbau von Anbindeställen bevorzugt hat. Aber die Resonanz war auch nicht so gewaltig, weil man zum Beispiel für einen Laufstall unter 60 Kühen oft keine Wirtschaftlichkeit nachweisen konnte, wodurch keine Förderung möglich war. Und in Zuchtsauen eh niemand mehr investiert hat.

DLG-Mitteilung 11/09 – Die fehlende Wirtschaftlichkeit wird hier gut aufgezeigt.

Was will ich damit ausdrücken? Die heeren Ziele, die die Politik in Sonntagsreden formuliert, werden schon bei der nächsten Kabinettssitzung wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Die beiden Minister konnten nicht wirklich darlegen, was sich ändern soll. War alles alter Kaffee. Das führt zu Politikverdrossenheit und das finde ich schade!

Vor allem, weil ich im Gegensatz zu Alfons Balmann und Dirk Andresen überzeugt bin, dass es es wert wäre, unsere bayerische Struktur zu erhalten. Ob die Politik hier aber die Gestaltungsmöglichkeiten hat, oder ob es nicht an jeden/r HofnachfolgerIn liegt, wie es weiter geht, dass denke ich ist auch klar.

Staatliche Beratung

Eine große Hilfe für vor allem kleinere Bauern, die vielleicht oft nicht die Zeit oder das Wissen hatten, war immer die fachliche Beratung in unseren Landwirtschaftsämtern. Diese Stellen wurden in den letzten Jahren enorm zusammen gekürzt. Eine Einzelberatung war offiziell nicht mehr möglich. Diese Aufgaben sollten komplett von Erzeugerringen übernommen werden. Diese haben dann für jede Beratungsstunde einen staatlichen Zuschuss erhalten. Meine Erfahrung damit ist, dass man fast den kompletten staatlichen Zuschuss für die Bürokratie aufwenden musste, um zu dokumentieren, dass man tatsächlich eine Beratung durchgeführt hat. Dies führt zu völlig überteuerten Beraterstunden und ist meiner Meinung nach Geldverschwendung.

Nun verkündet Ministerin Kaniber, dass ihre Beamten wieder mehr beraten sollen. So wie ich das errechnet habe, hauptsächlich die 15 Amtschefs, die dann keine mehr sind, weil Ämter zusammengelegt werden. Ob das ganze Konzept der Beratung jetzt über den Haufen geworfen wird, glaube ich aber nicht. Aber öffentlich verkaufen tut es die Ministerin so.

Landwirtschaftsschulen werden dezimiert

Was mich ärgert, ist, dass Söder und Kaniber von regionalen Strukturen und vom Erhalt der kleinbäuerlichen Landwirtschaft reden, und im selben Zug 9 Landwirtschaftsschulen schließen. Wie schizophren ist das denn? Natürlich, die Zahl der Studierenden geht zurück, aber der Hauptgrund, warum im letzten Jahr manche Schulen kein neues Semester eröffnen konnten, dürfte das Volksbegehren gewesen sein. Wenn die Rahmenbedingungen passen würden, würden auch die Ausbildungszahlen wieder steigen. Stattdessen gibt man das völlig falsche Signal in einer schwierigen Zeit und schließt ohne Konzept Schulen. Standorte, die vor wenigen Jahren noch aufwendig neu gebaut wurden, haben nun leere Klassenzimmer. Junge Landwirte müssen nun oft mehr als 100 km fahren, um eine Landwirtschaftsschule zu erreichen. Viele werden nun die Technikerschulen in Landsberg und Triesdorf besuchen, weil hier ein Internat vorhanden ist. Dort werden aber keine Betriebsleiter, sondern Angestellte ausgebildet.

Quelle: StMELF Bayern

Wenn man diesen Schritt schon unbedingt machen muss, dann bräuchte es eine Internatslösung. Für uns Schweinehalter bringt es doch nichts, wenn der Nachwuchs erstens weiter fahren muss, und dann an Schulen unterrichtet wird, die den Schwerpunkt Grünland haben. Warum ist man hier nicht mutig und eröffnet Landwirtschaftsschulen verteilt auf Bayern, die jedem Betriebszweig ermöglichen, sich individuell dort weiterzubilden? Stattdessen freut sich die Ministerin, dass immer mehr junge LandwirtInnen das Studium favorisieren. Ich habe da auch nichts dagegen, aber wenn man sich die Lerninhalte dort ansieht, werden dort keine Praktiker und Betriebsleiter ausgebildet. Man speckt also bei den Landwirtschaftsschulen ab, ohne dass man sie so reformiert, dass sie wieder eine Zukunft haben und verkauft es dann als „Effizientere Struktur“. An der Gesichtsröte von der Ministerin hat man denke ich gesehen, dass es ihr selber peinlich war, diese Schließungen als Erfolg zu verkaufen. Als Ausrede musste dann auch noch das „Bildungsprogramm Landwirt“ herhalten. Ich will es nicht weiter ausführen, aber das ist ein Ersatz für die Berufsschule, gedacht für Nebenerwerbslandwirte. Es ist aber sicher kein Ersatz für Landwirtschaftsschulen! Für eine zukunftsfähige bayerische Landwirtschaft muss man Betriebsleiter ausbilden, und das geschieht in den Landwirtschaftsschulen!

Dann auch noch der Umweltminister…

In der oben verlinkten Pressekonferenz kommt auch Umweltminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern zu Wort. Er ist eigentlich nicht Thema dieses Beitrags, aber seine Aussagen will ich auch nicht unkommentiert stehen lassen. „Wachsen oder Weichen“ – ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN! Niemand aus der Branche nutzt diese Begrifflichkeit noch, aber Glauber meint, er muss ab heute dafür sorgen, dass dieser schon immer sinnlose Satz, abgeschafft wird. Dann fabuliert er davon, dass es wieder mehr regionale Schlachthöfe braucht, damit Tiere nicht 40-50 Stunden quer durch Europa transportiert werden. Also entweder hab ich da was falsch verstanden oder der Herr Umweltminister soll doch mal erklären, wie er auf diese Zahl kommt. Oder einfach in seinem Ministerium nachfragen, wenn er es nicht erklären kann. Und Fakt ist auch, dass es viele kleine Metzger nicht mehr gibt, weil seine Veterinärbehörde gar nicht scharf drauf ist, zu hunderten Metzgern raus zufahren, wenn man kostensparend auch einfach bei einem Großschlachthof ein paar Veterinäre kontrollieren lassen kann. Jetzt so zu tun, wie wenn man daran keine Schuld hat und die böse EU die kleinen Metzger ruiniert hat, ist scheinheilig!

Mein Wunsch und meine Hoffnung

Ich wünschte mir einfach wieder mehr Sachlichkeit und Nachhaltigkeit in der Politik. Mehr Mut, mehr fachliche Kompetenz und nicht nur Sonntagsreden, wo wir Bauern hochgelobt werden, wohingegen diese Unterstützung in der täglichen Arbeit der Ministerien leider fehlt. Wenn am Beispiel der Landwirtschaftsschulen hier eine mutige Reform vollzogen werden würde, wo am Ende eine Weiterbildung der LandwirtschaftsgesellInnen zu kompetenten, gut aufgestellten BetriebsleiterInnen gesichert wäre, dann würden auch wieder mehr junge Menschen diesen Weg gehen. Wenn dagegen ohne Glauben an diese Schule ein Standort nach dem anderen abgewickelt wird, muss man sich halt auch nicht wundern.

Ich habe immer noch die Hoffnung auf eine Wende. Denn ich komme durch mein Ehrenamt als stellvertretender Kreisobmann des BBV viel mit diesen jungen LandwirtInnen in Kontakt und sehe, wie engagiert, wie gut ausgebildet und kompetent in ihrem Betriebszweig sie sind. Hier noch einmal nachzujustieren und die Aus- und Weiterbildung an die zukünftigen Herausforderungen anzupassen, macht durchaus Sinn. Kürzungen sind eine Kapitulation und machen in meinen Augen das letzte Fünkchen Hoffnung kaputt. Landwirtschaft hat Zukunft. Vieles wird sich ändern. Wer so wirtschaften will, wie seine Eltern oder Großeltern, wird sich schwer tun. Aber alle jungen Leute, die diesen Beruf lieben und sich nichts anderes vorstellen können, sollen sich nicht scheuen, diesen Weg zu gehen. Man wird vielleicht nicht reich damit, aber wenn ich gerade aus dem Büro über meine Felder dem Sonnenuntergang zusehe, kann ich nur sagen: „Geld ist nicht alles“.

Kurzer Nachtrag: Ja, die Karten aus den DLG-Mitteilungen sind schon über 10 Jahre alt, aber ich finde, sie sind immer noch aktuell und stellen vor allem den Unterschied zwischen Bayern und dem Rest Deutschlands sehr gut heraus.

Einblicke in „Ethik für die Landwirtschaft“

Seit Tagen wird wieder, aufgrund der Bundesratsentscheidung zum Kastenstand, intensiv über die Haltungsbedingungen von Zuchtsauen diskutiert. Vor gut zwei Wochen hat sich der Deutsche Ethikrat zur Nutztierhaltung in Deutschland geäußert. Wie es der Zufall will, gab es ein paar Wochen vorher hier auf BlogAgrar ein Interview mit Christian Dürnberger zu seinem neuen Buch „Ethik für die Landwirtschaft“. Nachdem nun in den Medien die Aussagen des Ethikrats zur Tierhaltung in Deutschland heiß diskutiert wurden und aufgrund von #Tönnies auf einmal die ganze Tierhaltung in Deutschland infrage gestellt wird, halte ich es nun nochmal für notwendig, nochmal einen Blick in dieses Buch zu werfen. Der Autor ist Doktor der Philosophie, Magister der Kommunikationswissenschaften und arbeitet seit über einem Jahrzehnt an verschiedenen Forschungsinstitutionen zu ethischen Fragen in der Landwirtschaft. Und ich folge ihm seit längerer Zeit auf Twitter, was ich nur weiter empfehlen kann, weil dabei immer mal wieder was zum Nachdenken, aber auch Schmunzeln mit dabei ist!

Das Buch nach Durchlesen mit „Einmerkerl“

„Moral zu predigen ist so leicht, wie es schwer ist, Moral zu begründen.“

Nach Friedrich Nietzsche
Einblicke in „Ethik für die Landwirtschaft“ weiterlesen

Schweinehalter benötigen Zukunftsperspektive

Offener Brief an die Fraktionen der großen Koalition mit Forderung, die rechtlichen Hürden beim Stallumbau für mehr Tierwohl zu beseitigen

Collage mit Bildern aus dem Schweinestall von Bernhard Barkmann
Bilder aus einem Schweinestall

Sehr geehrte Damen und Herren,

alle wollen mehr Tierwohl und Umweltschutz, nur wer „a“ sagt, muss auch „b“ sagen! Um diese gesellschaftlichen Ansprüche umsetzen zu können, müssen Sie uns auch die Chance dazu geben.

Schweinehalter benötigen Zukunftsperspektive weiterlesen

NEIN zum „Volksbegehren Artenvielfalt“

Mein Appell an die Naturfreunde in Niedersachsen

In Niedersachsen werden zur Zeit Unterschriften gesammelt für das sogenannte „Volksbegehren Artenvielfalt„.
Ich bitte alle Naturfreunde in meinem Bundesland, dieses Volksbegehren NICHT zu unterstützen!

Volksbegehren GEGEN die Landwirtschaft

Dieses Volksbegehren verfolgt einen Weg, der GEGEN die Interessen der über 30000 Betriebe und damit gegen zigtausend Bäuerinnen und Bauern in Niedersachsen gerichtet ist. Dabei gibt es in meinem Bundesland bereits eine Vereinbarung über ein Maßnahmenpaket zwischen dem Land Niedersachsen, den Landwirten und dem Naturschutz. Das ist ein für die Landwirtschaft schwieriger Weg, der aber GEMEINSAM gegangen wird.

Ausschnit aus der Broschüre: Der niedersächsische Weg mit den Partnern Land Niedersachsen, Landvolk, Landwirtschaftskammer, BUND und NABU
Der Niedersächsische Weg: es geht auch gemeinsam

NABU Niedersachsen verlässt den gemeinsamen Weg

Um so bedauerlicher, dass allen voran der NABU Niedersachsen diesen gemeinsamen Weg verlässt und offensichtlich eigene Ziele verfolgt. Ich wünsche mir, dass dieses Volksbegehren nicht erfolgreich ist. Es vertieft die Gräben zwischen der Landwirtschaft und des Naturschutzes. Dieser Alleingang des NABU führt in die Sackgasse. Davon profitiert NICHT:

  • die Natur
  • der Artenschutz
  • die Umwelt
  • die Landwirtschaft mit über 30000 Bäuerinnen und Bauern und ihren Familien

Vermutlich profitiert von diesem Volksbegehren nur der NABU und/oder die treibenden Kräfte in diesem Naturschutzverband.

Medienkritik, die Dritte!

Zu: 1 Thema, 3 Köpfe – „Du bist, was du isst – was Billigfleisch mit der Pandemie zu tun hat“

Es wird immer mehr zu einer kleinen Nebenbeschäftigung von mir, mich mit Sendungen in Funk und Fernsehen auseinanderzusetzen. Hier war ich zum Beispiel mal beim Bayerischen Rundfunk oder hier habe ich die Recherche des BR zu einem Tierschutzskandal analysiert.

Seitdem hätte ich alle paar Wochen wieder ein Thema gehabt, in dem mir schlechte Recherche, Subjektivität oder Parteinahme aufgefallen ist. Aber, wie ich auch dieses Mal wieder gesehen habe, macht es doch ziemlich viel Arbeit, sich mit einer Sendung oder auch einen Zeitungsartikel auseinanderzusetzen. Außerdem ist es oftmals zum Grünundblauärgern, so dass ich aus gesundheitlichen Gründen bestimmte Fernsehbeiträge oft gar nicht komplett anschaue.

Ein „Meinungspodcast“

Hier ist das anders. „1 Thema, 3 Köpfe“ ist ein Podcast von B5 aktuell, von dem ich glaube ich noch keine einzige Sendung versäumt habe. Ich brauche für meine eigene Meinungsbildung andere, fundierte Meinungen, und die finde ich hier. Im Gegensatz zu zum Beispiel „Augstein und Blome“ sind hier immer JournalistInnen am Mikro, die sich in der Thematik auskennen und quasi „vom Fach“ sind. Normalerweise moderieren Christine Auerbach oder Christian Orth den Podcast. Dieses Mal ist es Nina Landhofer, die mit ihren KollegInnen Birgit Frank und Thies Marsen über Bedingungen in Schlachthöfen, angebliches Billigfleisch und was das alles mit der Pandemie zu tun hat, diskutiert.

Ich gebe zu, manchmal sind mir die drei Diskutanten zu sehr einer Meinung und ich frage mich dann, ob man im BR keine Journalistin aufgetrieben hat, die vielleicht dem anderen Journalisten eine gegensätzliche Meinung entgegengebracht hätte. Bei dieser Sendung war Thies Marsen der „Fleischesser“ und Birgit Frank die Vegetarierin (seit 20 Jahren). Und da fängt es schon an: Fleischesser impliziert für mich das Bild eines Menschen, der den ganzen Tag nur Fleisch- und Wurstwaren in sich hineinstopft, was ja so nicht ist. Allesesser würde meiner Meinung nach hier besser passen.

Corona in Schlachthöfen

Zu anfangs geht es um die Coronafälle in den Schlachthöfen. Schuld daran sollen die – Zitat – „miserablen Arbeitsbedingungen“ sein. Hier muss ich gleich mal einhaken, denn es ist die Unterbringung, die an der Verbreitung des Virus großen Anteil hat. Meist eng zusammen in sehr einfachen Behausungen. Meist wird zusammen gekocht und gegessen. Ganz klar, dass es hier nicht einzuhalten war, dass jeder für sich bleibt, wie es wir „normalen“ Leute in unseren Wohnungen und Häusern gemacht haben. Ich bin ja immer noch auf der Suche, nach einer guten Reportage zu den vielen osteuropäischen Arbeitskräften, die mit Werksverträgen quasi überall in allen Bereichen unserer Wirtschaft arbeiten und dadurch eigentlich alle Verbraucher „schuld“ sind – auch Birgit Frank als Vegetarierin (wie sie ja auch zugibt mit „Ich kann nicht alle retten“). Ich will hier keine Beschönigungen („die wollen ganz billig wohnen, damit sie mit möglichst viel Geld wieder heim kommen“), aber auch keine Skandalisierung („die müssen hier arbeiten wie Sklaven“). Einfach ein ausgewogener Bericht. Links gerne in den Kommentaren!

Greenpeace-„Studie“

Nun kommt starker Tobak: Erst wird wieder dieser Schwachsinnspressemitteilung von Greenpeace zitiert, dass 90 % der Fleischwaren in Deutschland Billigfleisch aus Massentierhaltung sind. War es irgendwie verpflichtend, dass diese PM in allen Redaktionen Deutschlands aufgehängt werden musste, oder warum höre und lese ich diesen Satz gefühlt jeden Tag woanders? Greenpeace hat einfach die die Haltungsform-Kennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) mit den 4 Stufen genommen und Stufe 1 und 2 als Fleisch aus Massentierhaltung bezeichnet. Was vollkommener Blödsinn ist. Weil jeder Tierhalter in Stufe 1 ist, wenn er nicht gelabelt ist. Auch ein Biomilchviehhalter, der keine Biomolkerei für seine Biomilch findet wäre Stufe 1, wenn Milch ähnlich gelabelt wäre. Und ich bin auch Stufe 1, weil ich bei keinem Label mitmache. So einfach – eigentlich – nicht aber für deutsche Journalisten?

Dann wird von Thies Marsen behauptet, dass die Schweinepest zum ersten Mal vor 40 Jahren in den USA in der industriellen Schweinehaltung aufgetreten ist. Warum versuchen wir eigentlich seit Jahren die Deutschen zum Thema Afrikanische Schweinepest zu sensibilisieren. Da müsste doch jeder mitbekommen haben, das die Afrikanische Schweinepest in Wildschweinenbeständen in Osteuropa in unsere Richtung zieht und in Osteuropa vor allem Hinterhofschweinehaltungen betroffen sind, große Ställe aufgrund der dort herrschenden Hygiene dagegen eher selten. Auch die Europäische Schweinepest, die es in früheren Jahren oftmals gab, hat sich erst durch die Verfütterung von Speiseresten, meist auf kleinen Höfen, verbreitet.

Bei Ebola und Corona ist dann irgendwie auch die Massentierhaltung schuld, weil Kleinbauern durch Großbetriebe in die Urwälder getrieben werden, wo sie dann Wildtiere essen und dadurch diese Viren entstehen. Ja, so wirds gewesen sein…

„Einfach weniger Fleisch essen…“

Das Fazit ist immer das Gleiche: Weniger Fleisch essen schadet nie und geht ganz einfach und ist auch kein Verzicht, sagt Birgit Frank. Thies Marsen isst ja auch nur noch wenig Fleisch und wenn dann nur „gutes“ Fleisch. Bringt aber auch das Argument, dass Mitmenschen mit wenig Geld sich trotzdem immer noch Fleisch leisten sollten und er darum einer Verteuerung von Fleischprodukten skeptisch gegenüber steht. Dieses Argument gilt aber laut Birgit Frank nicht, weil es ja kein Verzicht ist, wenn man weniger Fleisch ist. Mir ging noch das Argument ab, dass man ja nur noch die Hälfte Fleisch essen kann und dafür doppelt so viel ausgeben kann und dadurch am Ende genauso viel Geld im Säckchen hat, was ja auch so nicht stimmt, weil man ja dann für die anderen Mahlzeiten vegetarische Zutaten kaufen muss, die bestimmt auch nicht günstiger sind, wie Fleisch.

Wodurch wir wieder am Anfang sind beim „Fleischesser“. Ich selber esse auch nicht übermäßig viel Fleisch, merke aber, dass, wenn ich mich zum Beispiel körperlich anstrenge, die Luft nach einem vegetarischen Mittagessen schneller raus ist, wie wenn ich einen Schweinsbraten gegessen habe. Fakt ist, dass immer weniger Menschen sich körperlich anstrengen müssen und darum eine energiereiche Nahrung so nicht mehr notwendig ist. Das wäre für mich der einzige Grund, weniger Fleisch zu essen. Tierschutz- oder Klimaschutzgründe sind für mich dagegen völliger Humbug, weil in Deutschland erzeugtes Fleisch zu 99 % zu höchsten Standards erzeugt wird und da ist es auch egal, ob es sogenanntes Billigfleisch ist, oder Fleisch vom Metzger aus regionaler Erzeugung.

Ferkel im Aufzuchtstall von Gerhard Langreiter

Meine Ferkel landen auch zum größten Teil später mal als „Billigfleisch“ in der Theke. Aber denen gehts genauso gut, wie denen, die mein Mäster direkt bei ihm auf dem Hof schlachtet. Und diese Milchmädchenrechnungen zum Klimakiller Fleisch wurden auch schon so oft widerlegt, dass ich es hier nicht noch ein mal ausbreiten will. Nur so viel: Man braucht für 1 kg Zuwachs beim Schwein ca. 3 kg Getreide und ich ernte 9000 kg von 10000 m2 – also 3000 kg Schweinefleisch vom Hektar. Ganz davon abgesehen, dass ich als kleiner Betrieb alles, was ich anbaue, verfüttere, müsste ein großer Betrieb erstmal schauen, ob er bei seiner Fruchtfolge zum Beispiel mit Kartoffeln oder Gemüse so viel Energie vom Hektar runterbringt, wie ich! Von irgendwelchen exotischen Früchten wie Avocado und deren Klimabilanz reden wir erst mal gar nicht.

Meinungen sind verfestigt

Ich will festhalten, was sich durch alle meine Artikel zu der Thematik zieht. Bestimmte Vorurteile und Meinungen zu Landwirtschaft und Tierhaltung haben sich in der deutschen Gesellschaft so verfestigt, dass es keinen mehr auffällt, wenn man in einem Nebensatz eine dieser Halbwahrheiten verbreitet.

Natürlich sollen wir Landwirte uns immer wieder hinterfragen, ob wir unsere Tiere richtig halten, ob wir unser Produktionsweise verändern sollten. Und ob wir zum Beispiel mit der angedachten Nutztierhaltungsstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums in die Richtung gehen, dass wir bei mehr Tierwohl, dass wir unseren Tieren bieten, Geld aus einer separaten Quelle bekommen, die mit dem „Markt“ nichts zu tun hat. Der Bayerische Bauernverband zum Beispiel hat sich intensiv mit Palmöl und deren Verfütterung in der Tierhaltung beschäftigt (was auch von Thies Marsen erwähnt wird) und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass man lieber auf einheimische, teurere Produkte setzen sollte. Ich möchte hier noch, da es ja in dem Podcast durch das Zitat von Robert Habeck („Tiere werden nur noch als Rohstoff betrachtet“) Thema war, das Buch von Christian Dürnberger „Ethik für die Landwirtschaft“ empfehlen. Wie zitiert Thies Marsen Theodor W. Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen. “ Egal ob Landwirte, Tierrechtler, Grünenpolitiker oder Journalisten, alle können aus diesem Buch etwas mitnehmen. Eine Rezension bzw. Zusammenfassung folgt demnächst!

Fazit:

Es wurde auch im Podcast von Nina Landhofer gesagt: Es ist komplex. Vegetarismus ist nicht unbedingt links, und Biohersteller wie Rapunzel neigen zur Weltverschwörung bei Corona. Leider kommt das bei der Dreierdiskussion zu selten rüber. Denn dann müsste man viel öfters raushören, dass Billigfleisch nichts mit einer Pandemie zu tun hat, sondern dass es zwei völlig verschiedene Themen sind. Wie Lars Fischer auf spektrum.de berichtet, sind Katzen hier um Einiges gefährlicher und es gibt sogar den Verdacht, dass Katzen in einem Altersheim Corona verbreitet haben. Wir in Deutschland haben leider oder zum Glück – das kommt auf das Einkommen und die Sichtweise an – günstige Nahrungsmittel. Dies aber führt nicht dazu, dass Bauern schlecht mit ihren Tieren umgehen. Dieses Fazit fehlt bei „1 Thema – 3 Köpfe“. Es fehlt der Focus auf den gewählten Titel. Stattdessen philosophiert man über Essen, Lebensentwürfe und Konsum. Eigentlich schade, denn ansonsten kann ich den Podcast uneingeschränkt empfehlen und ich werde ihn auch weiter regelmäßig verfolgen, immer mit dem Impuls, mitreden zu wollen. Aber per Blog geht’s ja auch!

Unsere Bayerischen Bauern

Bei diesem Blogbeitrag steht zwar schon in der Überschrift, dass es dieses Mal um Bayern geht, aber ich denke, auch der Rest Deutschlands kann das auf das eigene Bundesland projizieren.

Vor vielen, vielen Jahren gab es eine Organisation namens CMA (Centrale Marketing Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft). Sie hat von jedem Stück Schlachtvieh, Ferkel, jedem Liter Milch, jedem Kubikmeter Holz, jedem Doppelzentner Getreide Geld eingesammelt bei uns Bauern, um im In- und Ausland unsere Erzeugnisse zu bewerben und an den Mann und die Frau zu bringen. Ein Landwirt hat gegen diese Zwangsabgabe geklagt, Recht bekommen, und daraufhin wurde die CMA abgewickelt.

Dann gab es lange nichts und unsere Berufsvertreter trafen sich ein um das andere Mal, um eine Nachfolgeorganisation ins Leben zu rufen. Aber es tat sich nichts. Deutschlandweit war man nicht dazu in der Lage, einen Verein zu gründen, der Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Absatzförderung für uns Bauern macht.

Daraufhin hat man sich in Bayern dazu entschlossen, alleine voranzugehen und den Verein „Unsere Bayerischen Bauern“ zu gründen.

Das Kampagnenmotiv „Schweinebauer“

Alle wichtigen Selbsthilfeorganisationen und einige Firmen im vor- und nachgelagerten Bereich sind hier Mitglied und finanzieren den Verein mit. Sie ziehen von ihren Mitgliedern, wenn diese dem zugestimmt haben, einen bestimmten Betrag je l, dt, kg, Stück usw. ein und geben dieses Geld an „Unsere Bayerischen Bauern“ weiter. Bei mir als Sauenhalter sind es 3 Cent je verkauftem Ferkel . Schweinemäster zahlen 10 Cent je Mastschwein.

Mittlerweile gibt es in Westfalen-Lippe den Verein „Landwirt Schafft Leben, der ein ähnliches Ziel hat. In den anderen Regionen Deutschlands hab ich bis jetzt noch nichts entdeckt, ihr dürft aber gerne in den Kommentaren „Schwestervereine“ verlinken!

Warum schreib ich zu diesem Thema?

Ich habe in Zeiten von Corona als stellv. Kreisobmann des BBV den Entschluss gefasst, Bauern in meinen Landkreis, die keinen Mitgliedsbeitrag an den Bauernverband zahlen, anzurufen und nachzufragen, wo der Schuh drückt und ob man mal wieder mit einer Mitgliedschaft rechnen kann. Diese Anrufe sind sicherlich nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber es waren schon einige gute Telefonate dabei. Was mir aber dabei schon einige Male bitter aufgestoßen ist, waren die Aussagen, dass es zwar den Bauernverband braucht, aber einem selber bringt er nichts und darum zahlt man nicht. Ähnlich ist es mit „Unsere Bayerischen Bauern„. In der Gründungsphase habe ich sehr viel Werbung bei den Bauern draußen gemacht, dass bitte alle mitmachen sollen. Aber auch hier war immer wieder die Aussage: „Was bringt mir das?“ „Das kostet ja nur Geld!“ „Ich zahl eh schon so viel Verbandsbeitrag, davon kann der Bauernverband ja auch diesen Verein finanzieren.“

Jede Menge Aktionen bei „UBB“

Darum ist es immer noch so, dass „Unsere Bayerischen Bauern“ (UBB) zwar für das verfügbare Budget eine super Arbeit macht! Schaut auf die Website, schaut auch die Portraits der Bäuerinnen und Bauern an, die Erklärvideos, die Verbrauchtertouren, die Kochvideos, die Plakataktionen in U-Bahnen und auf Bussen, die Banner draußen für die Höfe und Vieles mehr. Aber es wäre viel mehr möglich, wenn jeder Bauernhof in Bayern einen angemessenen Beitrag leisten würde. Ich zahle lächerliche 120 Euro im Jahr und bin von den Hektar ein Durchschnittsbetrieb. Wenn also alle 100000 Betriebe in Bayern 100 Euro zahlen würden, hätten wir 10 Mio Euro und davon sind wir leider meilenweit entfernt. Wenn wir in diese Dimension vorstoßen würden, könnte mein Wunschzettel endlich Wirklichkeit werden. Ganzjährig Anzeigen in Zeitungen, Werbespots im Radio und Fernsehen, dauerhaft Plakate in den Großstädten Bayerns usw. usw.

Eines der neuen Plakate

Mich nervt es mittlerweile gewaltig, dass man zum Beispiel bei den von mir geführten Telefonaten gesagt bekommt, dass der Bauernverband nichts tut und alles Scheiße ist in der Landwirtschaft. Dass man aber für politische Lobbyarbeit, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit nicht nur guten Willen, sondern auch viel Geld braucht, kapiert von denen leider niemand. Mir hat mal ein Schweinemäster gesagt, er wäre jederzeit bereit dazu, 3000 Euro für gute Werbung für unsere Erzeugnisse zu zahlen, da das Geld mit einem minimal höheren Schweinepreis in nullkommanix wieder auf dem Konto wäre. Diese Einsicht haben aber in meinen Augen zu wenig Berufskollegen und darum ist unsere Situation derzeit so, wie sie ist.

Geld regiert die Welt!

Aber vielleicht hab ich ja mit diesem Artikel die eine oder den anderen für die wichtige Sache Öffentlichkeitsarbeit sensibilisieren können. Bitte tragt es in eure Bauernblase: Jeder Euro, den wir in Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit investieren, ist bald als 2-Euro-Stück wieder in unserem Geldbeutel!

PS: Ich versuche mich grad am Nachkochen der UBB-Kochvideos, Beweise findet ihr auf meinen Instagramkanal!