Misereors Feindbilder

Misereor-Chef Spiegel mit tief verfestigtem Feindbild

Gestern Mittag hat ZEITonline ein wirklich lesenswertes Interview veröffentlicht. Ein Streitgespräch zwischen Primin Spiegel, der seit vielen Jahren die Geschicke der katholischen Hilsorganisation lenkt und dem neuen Cheflobbyisten des Bayerkonzerns Matthias Berninger.

Bayer versus Misereor : "Die Multi-Konzerne haben die Adern von Mutter Erde aufgeschnitten" Für Misereor-Chef Pirmin Spiegel vergreift sich Bayer an der Schöpfung. Konzernlobbyist Matthias Berninger kontert: Misereor bringe Arme um ihre Chancen auf Wohlstand. Interview: Ileana Grabitz und Marlies Uken

Die Liste der Vorwürfe von Spiegel ist lang und schwerwiegend:

  • Bayer ist mitschuldig an der aktuellen Pandemie wegen der Beteiligung der Intensivierung der Agrarwirtschaft
  • Bayer ist schuld an Regenwaldabholzung und Vertreibung von Kleinbauern
  • Kleinbauern sind für Bayer nur Kunden, keine Menschen
  • zigtausend Tote durch Pestizidvergiftungen
  • Bayers Kerngeschäft besteht aus Gentechnik und Glyphosat und ist deshalb böse

Die Antworten von Berninger sind für mich wirklich überzeugend. Er konnte alle Vorwürfe entweder widerlegen oder in einem größeren Zusammenhang einordnen, auf bestehende Zielkonflikte hinweisen.

Für mehr Pragmatismus und weniger Ideologie

Dem aufgeklärten Leser dürfte nach dieser Lektüre klar sein, dass ein ideologischer Ansatz, die Welt zu retten, wie es zur Zeit die Misereor-Politik zu sein scheint, nicht erfolgversprechend ist.
Es sind vielmehr pragmatische Lösungen gefragt. Und da ist beispielsweise ein Konzern wie Bayer auch Teil der Lösung, der mit viel Wissen und Forschung an neuen Lösungen und Produkten arbeitet.

NGO-Masche: David gegen Goliath

Die Dämonoisierung von Konzernen ist aktuell gängige Praxis von Misereor und vielen weiteren Hilfsorganisationen (Brot die Welt) und anderen NGOs (Greenpeace, NABU, BUND, AbL). Hier mit können die aufgeführen Organisationen ihr Bild „David gegen Goliath“ pflegen und so viel öffentliche Aufmerksamkeit und manchen Spendeneuro ernten. Aber dem eigentlichen Ziel – der Bekämfung des Hungers auf der Welt- kommt man in meinen Augen überhaupt nicht näher, indem man beispielsweise Kleinbauern aufhetzt und Versuchsfelder zerstören lässt. Für letztere Aktion feiert Misereor übrigens sich selbst- ich finde das immer noch skandalös!

Weiter keine Spenden an Misereor!

Ich werde weiter kein Geld an Misereor spenden. Als Katholik und Landwirt habe ich in den vergangenen Jahren die Aktivitäten von Misereor kritisch begleitet (hier nachzulesen) und habe auch dazu aufgerufen, kein Geld mehr an Misereor zu spenden– auch weil Misereor sich aktiv an der Dämonoisierung der modernen Landwirtschaft beteiligt hat.
Nach diesem Interview muss ich feststellen, dass offensichtlich die Sprachregelung gegenüber der deutschen Landwirtschaft sich etwas geändert hat, aber das Mindset (die Denkweise) hingegen gleich geblieben ist.

Gibt es Hoffnung für Änderung der alten Denkweise?

Ich finde es schade und bin von Misereor weiter enttäuscht. Ich frage mich, gibt es Hoffnung für die Zukunft, dass sich an dieser destruktiven Einstellung etwas ändert? Kann eine Neubesetzung des Chefpostens die Segel anders setzen?
Gibt es überhaupt einen möglichen Kandidaten oder Kandidatin, die eine andere Denkweise hat und mehr auf Wissenschaft und Technik setzen möchte?
Gibt solche aufgeklärten Leute überhaupt in der katholischen Kirche?
Wenn ja, dann sind sie mir zu leise!

Cover: Ethik in der Landwirtschaft - Das philosophische Bauernjahr von Christian Dürnberger

Ethik für die Landwirtschaft

Interview mit Christian Dürnberger zu dessen Buch-Neuerscheinung

Cover: Ethik in der Landwirtschaft - Das philosophische Bauernjahr von Christian Dürnberger
Christian Dürnberger: Ethik für die Landwirtschaft

Herr Dürnberger, der Anlass dieses Interviews ist die Veröffentlichung Ihres neuesten Buches „Ethik für die Landwirtschaft„. Aber bevor wir näher auf Ihr Buch eingehen, möchte ich zuerst auf Ihre Person eingehen. Wer sind Sie und wieso beschäftigen Sie sich mit ethischen Fragen rund um die Landwirtschaft?

Mein Name ist Christian Dürnberger, ich habe in Wien Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert.
Seit über einem Jahrzehnt arbeite ich an diversen Universitäten zu Fragen der angewandten Ethik – und wer sich mit Ethik beschäftigt, der landet über kurz oder lang auch bei Fragen der Landwirtschaft.
Warum? Weil Landwirtschaft mit vielen Dingen zu tun hat, die den Menschen wichtig sind: Nahrung, Umwelt, Klima, Tiere, Landschaftsbild, Energie usw.

Sie richten sich mit ihrem Buch an Landwirte, richtig? Warum? Haben Landwirte bei ethischen Fragen ein großes Nachholpotential?

Ich glaube nicht, dass bestimmte Berufsgruppen mehr ethisches Nachholpotential haben als andere. Aber ich bin davon überzeugt, dass sich die Erwartungen rund um die Landwirtschaft radikal verändert haben: Landwirtinnen und Landwirte sollen heute nicht mehr „nur“ Qualitätsprodukte produzieren, sie sollen auch ihrer besonderen Verantwortung für Umwelt, Klima und Tiere nachkommen.
Und damit nicht genug: Sie sollen auch in den entsprechenden Debatten selbst mitmischen. Deswegen habe ich dieses Buch geschrieben.
Das Buch soll dazu anleiten, über das „große Ganze“ der Landwirtschaft nachzudenken.

Welches Vorwissen wird vorausgesetzt?

Das ist eine gute Frage. Und eine schwierige. Denn: Das Buch ist auch ein Experiment. Ich habe versucht, ethische Fachdebatten in die Alltagssprache runterzubrechen. Damit könnte ich sagen: Man braucht keinerlei Vorwissen.
Das Buch fängt bei null an und versucht, Schritt für Schritt die Gedanken darzulegen. Aber an manchen Stellen fallen natürlich Begriffe, die kompliziert wirken: Anthropozentrische Ethiken, Agenda-Setting-Hypothese, Moralisierung von Lebensbereichen… ich hoffe aber, dass man all diese Konzepte versteht, nachdem man das Buch gelesen hat.

Was ist eigentlich „Ethik“ und was hat das mit Landwirtschaft zu tun?

„Ethik ist kein Besserwissen“

Christian Dürnberger
Ethik für die Landwirtschaft weiterlesen
grüne Kreuze an einer Hauptstrasse. Beschriftet mit Mut, Zusammen und zusammenhalten!

Grüne Kreuze der Hoffnung

#zusammenhalten

Die aktuelle Corona-Krise sorgt für existentielle Sorgen in der Bevölkerung. Es geht um Leben und Tod, aber auch für viele um die wirtschaftliche Existenz.
Zur Zeit scheint nichts mehr sicher, immer wieder gibt es leere Supermarktregale. Hamsterkäufe sind ein Ausdruck für die Sorge in der Bevölkerung vor Hunger!
Doch das kann ich mir nicht vorstellen, da denke ich, hat Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner Recht: In Deutschland muss niemand Hunger leiden!

Grüne Kreuze leitete Protestwelle ein

Zehntausende Landwirte aus dem gesamten Bundesgebiet haben seit September grüne Kreuze aufgestellt, um ihre Sorgen vor dem Agrarpaket und der Verschärfung der Düngeverordnung auszudrücken.
Die grünen Kreuze haben eine ungeahnte Protestwelle im Berufstand ausgelöst, die für eine große mediale Präsenz gesorgt hat, letztenendes aber nicht die Verschärfung der Düngeverordnung verhindern konnte.

Das sorgte für eine große Enttäuschung bei vielen Bauern und teilweise auch für Wut. Das ist ist im Affekt verständlich, hilft aber auch nicht weiter.

grüne Kreuze an einer Hauptstrasse. Beschriftet mit Mut, Zusammen und zusammenhalten!
Grüne Kreuze der Hoffnung weiterlesen
Vertrauen zu gewinnen dauert Jahre, es zu verlieren Sekunden.

Blick nach vorne richten

Nach der Verschärfung der Düngeverordnung

Appell an meinen Berufsstand

Die Enttäuschung nach der Entscheidung des Bundesrates, der die Verschärfung der Düngeverordnung quasi durchgewunken hat, ist unter vielen Bauern riesig. Die Aussichten, dass die Zustimmung hätte verweigert werden können, waren äußerst gering. Dennoch ist die Empörung besonders unter den Bauern, die in den letzten 6 Monaten mit den imposanten Treckerdemos eine andere Entscheidung erzwingen wollten, wirklich groß. Es gibt Listen mit Sammelaustritten aus Parteien, Überlegungen zu Blockadeaktionen, Lieferstops und Sabotagen werden in WhatsApp-Gruppen freudig geteilt.

Verschärfung der Düngeverordnung ist fachlich falsch

Alle, die sich tiefer in die komplizierte Materie des Düngerechts eingearbeitet haben, wissen, dass dass die weitere Verschäfung fachlich nicht zu begründen ist.
Und dennoch: Die Umsetzung muss noch in den Details gestaltet und umgesetzt werden. Hier würde ich mir wünschen, dass die Politik eine hoffnungsvolle Perspektive aufzeigt, wie wir zumindest mittelfristig wieder zu praktikablen Düngerichtlinien kommen können. Alleine auf die angekündigten und in Vorbereitung stehenden Klagen möchte ich mich ungern verlassen- zumal hier auch keine schnelle Entscheidung zu erwarten ist.

Blick nach vorn und neuen Mut fassen

Die Stimmung ist auf vielen Höfen wirklich schlecht! Die Bauern müssen wieder Mut finden.
Was dabei gar nicht hilft, ist ein Verhalten wie ein Rumpelstielzchen, Rachegefühle oder der Rückzug in die Schmollecke. Auch das Wiederholen und Teilen von rechten Parolen sorgt nicht dafür, dass der Berufsstand positiver von der Bevölkerung wahrgenommen wird.

Blick nach vorne richten weiterlesen

Klartext zu „Land schafft Verbindung“ (LsV)

Zu Beginn meines Statements möchte ich zunächst betonen, dass ich die großen Treckerdemos für einen riesigen Erfolg halte!
Große Teile der Öffentlichkeit in Deutschland haben mitbekommen, dass viele Bauern unzufrieden sind und große Zukunftssorgen haben.
Dabei war und ist der riesige Zusammenhalt im Berufsstand bemerkenswert gut!
Wenn ich nun Kritik äußere, möchte ich nicht die LsV-Bewegung spalten oder ähnliches.

Logo von LandschafftVerbindung (LsV) mit einem Herz, geformt aus Traktoren


Ich möchte, dass die Anliegen der Bauern besser medial transportiert werden!

Der Aufwand der Bauern, die in den letzten Monaten oft vielfach mit ihren Traktoren losgefahren sind und demonstriert haben, war zeitlich und auch finanziell verdammt groß! Und ja- auch die Aufmerksamkeit war nach Bonn und Berlin wirklich groß. Es gab Gesprächsrunden im Kanzleramt und die Regierung hat nicht unerhelblich Geld locker gemacht.
Die Frage ist, ob dieser riesige Aufwand so weiter aufrecht gehalten werden kann und ob sich die Treckerdemos nicht vielleicht auch abnutzen? Ich glaube ja.
Nun haben wir bisher mit großem Aufwand eine große Wirkung erzielt. Gut. Für die Zukunft sollte die große Wirkung am besten noch größer werden und der Aufwand geringer.
Das ist leichter getippt als getan- klar. Vielleicht lohnt hier ein Blick zu Greenpeace, die mit ihren Kampagnen mit sehr geringem Einsatz eine riesige Wirkung erzielen… Mein Motto ist ja „Von Greenpeace lernen heißt SIEGEN lernen!“


Nun gut. Komme ich zurück zu meinem Wunsch, dass die Anliegen der Bauern und auch die Protestbewegung LandschafftVerbindung besser in den Medien Niederklang finden.

Dazu stelle ich 5 Thesen auf:

Klartext zu „Land schafft Verbindung“ (LsV) weiterlesen
Stop CoronaVirus

Corona-Virus #COVID2019

ganz sachlich- ohne Panik!

SARS-CoV-2 – die Welt in Aufruhr

Wie Ihr ja vermutlich mitbekommen habt, verbreitet sich das neuartige Coronavirus weiter. Unser Agrarbloggercamp 4.0 wird dennoch stattfinden. Ich möchte Euch dennoch die wichtigsten Informationen gerne zusammenstellen:

Wie wird das Corona-Virus übertragen?

Das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch zu Mensch über die Schleimhäute der Atemwege geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden. Aber auch im Stuhl konnte das Virus nachgewiesen werden.

  • Inkubationszeit: bis zu 14 Tage
  • Symptome: Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber führen, einige Betroffene leiden auch an Durchfall.

Wie könnt Ihr Euch schützen?

Stop CoronaVirus

Die Hände sind die häufigsten Überträger von ansteckenden Infektionskrankheiten. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen schützt!Beim Husten oder Niesen sollte möglichst kein Speichel oder Nasensekret in die Umgebung versprüht werden. Sich beim Husten oder Niesen die Hand vor den Mund zu halten, mag höflich sein, ist allerdings aus gesundheitlicher Sicht ziemlich bescheuert: denn dabei gelangen Krankheitserreger an die Hände und können anschließend schön weitergetragen werden.Deshalb:

  • Beim Husten oder Niesen Abstand zu anderen halten, am besten dreht man sich weg
  • in ein Einwegtaschentuch niesen und husten. Ein Einwegtaschentuch sollte auch nur 1 x (!) benutzt werden 😉
  • Und immer gilt: Nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten gründlich Hände waschen!
  • Wer kein Taschentuch hat, hustet und niest in seine Armbeuge und wendet sich dabei ebenfalls von anderen ab.

Und immer schön nach dem Toilettengang die Hände waschen!!!
Falls noch Fragen sind, schreibt sie in die Kommentare!
Ansonsten freuen wir uns, Euch alle nächste Woche zu sehen!!!

Drei Landwirte bauen einen Motivwagen mit grünem Kreuz, das ein Agrarpaket zerstört.

Rosenmontag mit grünen Kreuzen

Auch an Karneval zeigen Bauern ihre Ablehnung gegen das Agrarpaket

Viele Bauern beteiligen sich seit Jahren aktiv am Karneval. Vielfach sind sie aktiv dabei und haben beim Bau der Motivwagen mitgeholfen. Die meisten dieser Wagen werden von Treckern durch die Städte gezogen

In dieser Karnevalssaison dürften die Zeichen des Bauernprotests auch während der Umzüge zu sehen sein. Seien es die LsV-Plakate an den Traktoren oder die grünen Kreuze an den Gespannen- wer genau hinsieht, wird vielfach diese Zeichen erkennen.

Und manche widmen einen ganzen Motivwagen den aktuellen Bauernprotesten, wie oben im Bild zu sehen ist.
Wer weitere Motivwagen mit landwirtschaftlichem Thema sieht, der sende mir die Bilder gerne zu!

Trecker mit Schild: Landwirtschaft braucht Zukunft

Bauernproteste bringen Botschaften in die Städte

In einem Interview mit der Bauernzeitung vom 07.02.2020 macht sich DLG-Präsident Hubertus Paetow Gedanken über die Zukunft der bundesweiten Bewegung Land schafft Verbindung (LsV).

„Was fehlt, ist die klare Botschaft“,

weist er auf das Dilemma hin, in der sich die bäuerliche Wurzelbewegung seines Erachtens befindet.

Resultat: In der Öffentlichkeit entstehe das Bild, Bauern würden gegen die Düngeverordnung protestieren und dafür, weiter das Grundwasser verschmutzen zu dürfen. Das sei weder das Anliegen, die die Leute auf den Treckern haben, noch die der Landwirtschaft an sich.

Es müssen also klare Botschaften formuliert werden, wofür es Verbände gebe, die die entsprechenden Strukturen und Gremien haben.

Ich habe die Zusammenfassung des Interviews mit Interesse gelesen. Als jemand, der seit fünf Jahre in den Sozialen Medien die Diskussionen zur modernen Landwirtschaft verfolgt, habe ich mich dabei u.a. mit Blick auf das Nitratproblem etwas unwohl gefühlt und dies wie folgt bei Facebook zum Ausdruck gebracht:

Schattendasein in den Sozialen Medien

„Dass mit den Nitratmessnetzen etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist, ist mir als Laie seit Jahren bekannt. Es wurde oft genug in den Sozialen Medien, z.B. bei Facebook, thematisiert, und zwar mit Zahlen und Fakten unterfüttert. Allerdings fast ausschließlich von Privatpersonen wie beispielsweise einem Georg Keckl (*s. Linkverweise am Ende). Wo waren da die Verbände?

So stellt sich beispielsweise die Frage, warum sich die Standesvertretungen nicht schon vor Jahren dieses Themas konzertiert angenommen und die modernen Kommunikationskanäle damit bespielt haben. Damit zumindest ein Grundverständnis die Massenmedien erreicht. Warum musste es soweit kommen, dass Regelwerke wie das Agrarpaket aufgestellt werden, die in ihrer vorliegenden Form mehr Fragen als Lösungen bieten, unlogisch und teils sinnlos sind? Und die einem Kahlschlag gleichkommen, würden sie 1:1 umgesetzt werden?

Die NGO bzw. die Grünen machen alldieweil vor, wie gelungene Mobilisierung der Öffentlichkeit funktioniert (wenn auch begleitet von einem ganz schön miesen Bauern-Bashing). Mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit haben sie die Landwirtschaft lange abgehängt.

Bauern liefern Botschaften

Bei allem Respekt, aber: Mir will scheinen, es sind die Verbände, die bis bis dato keine konsistente Botschaft in der Öffentlichkeit platziert haben. Das wenige, was dort langsam ankommt, haben die Bauern mit ihren Schleppern abgeliefert. Bzw. in Form grüner Kreuze auf ihren Feldern öffentlich gemacht. Und, wenn man genauer hinhorcht, damit dem schrillen Treiben der Big Green in den Sozialen Medien einen gehörigen Dämpfer versetzt. Es ist ruhiger geworden.

Stellt sich jetzt in der Tat die Frage, wie man das Erreichte weiter ausbaut und festigt.“

Soweit mein Kommentar bei Facebook.

Bauernproteste kommen zu spät

Landwirte Sebastian Mustermann, seit Jahren sehr aktiv bei Facebook zum Thema konventionelle Landwirtschaft, hat die folgende lesenswerte Reaktion unter meinem Post online gestellt: 

„Tatsächlich war der BV-SH (i.e. Schleswig-Holstein / Anmerkung CA) der einzige, der schon in 2016 die Texte bzw. Grafiken von Keckl veröffentlichte. Rundum war ansonsten tote Hose und dann wurde es auch schon wieder still, statt es immer wieder aufzutischen. Ich befürchte, dass die Reichweite auch viel zu niedrig war. Die Proteste hätten quasi schon vor 5 Jahren zusammen mit der Brunnenproblematik generiert werden müssen, um sich in die mediale Präsenz zu drängen. Ich sehe es tatsächlich so, dass nur die Proteste bewirken konnten, dass man uns auch mal zuhört. Die hätte ein deutscher Bauernverband aber auch schon ins Leben rufen können, was er aber nicht tat. Selbst sowas wie WHES hat er nicht mal in Eigenregie auf die Beine stellen können.“

Dinge, die gesagt wurden – eine kleine Linksammlung (Ausschnitt)

*Georg Keckl:

Zur Person: Georg Keckl ist Agraringenieur arbeitet als Agrarstatistiker und hat zahlreiche Beiträge zur Messstellenproblematik publiziert.

Homepage Georg Keckl

Wer hat Angst vorm bösen Nitrat?

Phosphat Schätzergebnisse für Flüsse falsch oder gefälscht?

Zur Vorstellung des Niedersächsischen Nährstoffberichtes1 2015/16 und der Berichterstattung darüber

Nitratbericht 2016 erschienen – Ein Dokument der Irreführung

Volksverdummung

Falsche Unterrichtung des Bundestages durch das BMU: „Wie viele Messstellen aus dem alten Belastungsmessnetz (160 Messstellen aus dem Zeitraum von 2008 bis 2011) sind auch Bestandteil des neuen EU-Nitratmessnetz (692 Messstellen aus dem Zeitraum von 2012 bis 2014)?

Statistik-Tricks: Nitratbelastung im Grundwasser angeblich weiter gestiegen
(in: top agrar online vom 12.08.2019, Alfons Deter zitiert Georg Keckl und Dr. Wilhelm Kremer-Schilllings in „Statistik-Tricks: Nitratbelastung im Grundwasser angeblich weiter gestiegen“)

Alexander Neumann (QDR e.V. Qualitätsgemeinschaft für nachhaltige Düngung und Ressourcenschutz)

In seinem BlogPost ‚Kein Vertrauen ins Nitratmessnetz‘ empfiehlt BlogAgrar-Betreiber Bernhard Barkmann die dort verlinkten Videos zum deutschen Nitratnetz von Alexander Neumann anzuschauen.

Susanne Günther (schillipaeppa.net – Ein Blog in der Brandung)

Zweierlei Maß und ein paar Begriffe

Wahlkampf in Grün

Sollte ich wichtige Links vergessen habe, freue ich mich über entsprechende Hinweise.

Sprengstoff EU-Agrarpolitik

Frans Timmermans hat keinerlei Verständnis für Bauernproteste, sieht die Bauern als Umweltverschmutzer und fordert eine deutliche Reduzierung der Bauern in Europa.

Das ist nachzulesen bei Bauer Willi der einen übersetzten Artikel aus den Niederlanden veröffentlicht hat:

Carina Konrad: "Phrasendreschen hilft bei #nitrat nicht mehr weiter. Wer die Verursacher nicht kennt, kann auch keine vernünftigen Maßnahmen ergreifen."

Kein Vertrauen ins Nitratmessnetz

Verschärfung der Düngeverordnung gehört „auf Eis“ gelegt

Viele, die die aktuellen Diskussionen um die Bauernproteste verfolgen, haben bestimmt auch schon die folgenden Videos gesehen. Für alle, die diese Videos von Alexander Neumann von der QDR e.V. (Qualitätsgemeinschaft für nachhaltige Düngung und Ressourcenschutz) noch nicht vollständig gesehen haben, empfehle ich, eine Stunde lohnend zu investieren.

Wem das erste Video nicht überzeugen konnte, der sollte sich unbedingt den zweiten Teil anschauen, den man wiederum besser verstehen kann, wenn man die Fakten und Historie aus Teil eins kennt:

Videos für mich inhaltlich nachvollziehbar

Ich habe ja hier im Blog schon des öfteren über das Thema Nitrat im Grundwasser berichtet. Und ich habe auch immer schon große Fragezeichen gehabt bei den Schlussfolgerungen der Politik und vieler NGOs zur Situation unseres Grundwassers. Aussagen wie „immer weiter steigende Nitratwerte“ oder „Niedersachsen ersäuft in Gülle“ habe ich hoffentlich nachvollziehbar widerlegt. Auch die fehlende Repräsentativität der Belastungsmessnetzes, das lange von Deutschland nach Brüssel zur EU gemeldet wurde, habe ich bemängelt.
Doch zwischenzeitlich hat die Bundesregierung nachgebessert und die Zahl der gemeldeten Messstellen vervierfacht. Und ist dabei zum Schluss gekommen, dass die Vervierfachung an der grundsätzlichen Einschätzung der Grundwasserkörper in Deutschland nichts ändert.

Mit diesen Videos werden meine Zweifel bestätigt, die bisher nicht vollständig ausgeräumt wurden!

Doch so richtig weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll bzw. welche Folgerungen die Bundesregierung aus den Erkenntnissen der obigen Videos (auch wenn dort nur die Situation in Rheinland-Pfalz aufgearbeitet wird) ziehen sollte. Denn wenn ich mit Vertretern aus dem Landwirtschaftsministerium rede, wird mir versichert, dass das alles schon seine Richtigkeit habe und dass die Zeit unheimlich dränge und andernfalls hohe Strafzahlungen drohen würden. Da werden auch schon mal die Worte „Quatsch“ und „Schwachsinn“ verwendet, wenn ich auf diese beiden Videos und die Schriften von Georg Keckl verweise.
Immer wieder wird in diesen Gesprächen auf die Untätigkeit in der Vergangenheit verwiesen, die dafür sorgt, dass heute der Handlungsdruck umso größer ist. Aber mit dieser Feststellung, die ja richtig sein mag, kann man doch nicht ungerichtete und falsche Verordnungen begründen!

Länder überprüfen Messstellen

Der Ärger der Landwirte über die weitere Verschärfung der Düngeverordnung jedenfalls ist riesen groß und sicher eine wichtige Antriebsfeder für die Bauernproteste der letzten Wochen.
Um den wütenden Landwirten zumindest etwas entgegen zu kommen, haben viele Bundesländer eine Überprüfung der Messstellen angeordnet. In Nordrhein-Westfalen gibt es ein erstes Ergebnis und das ist fatal: Denn hier sind zwei-drittel der Messstellen mangelhaft! (siehe SUS-online)

https://twitter.com/BlogAgrar/status/1222209758226272256

Rote Gebiete willkürlich und intrasparent?

Die Ausweisung der „roten Gebiete„, das Zustandekommen der Verschärfung der Düngeverordnung in den Jahren 2017 und 2019 sind für mich schwer nachvollziehbar und intransparent.
Sollten drastische Verschärfungen, wie eine Unterdüngung von 20% tatsächlich nötig und auch wirksam sein, um das Grundwasser vor Nitrateinträgen (die ja kein Landwirt möchte) zu schützen, dann bin ich dafür und akzeptiere diesen erheblichen Eingriff, der für meinen Hof große finanzielle Auswirkungen bedeuten würde.
Allerdings habe ich erhebliche Zweifel daran und würde eine solche Maßnahme nur als Bestrafung durch die Politik betrachten.

Forderungen an die Bundesregierung: vernünftig erklären oder „auf Eis setzen“

  • Falls die Bundesregierung Recht hat, muss sie es den Bauern so erklären, dass es auch jeder versteht!
  • Andernfalls gehören alle Maßnahmen zur Verschärfung der Düngeverordnung „auf Eis gesetzt“!

Geschieht dieses nicht, so dürfte der Vertrauensverlust in das Regierungshandeln immens sein und lange Jahre nachwirken.