Alle Beiträge von Bernhard Barkmann

Über Bernhard Barkmann

Landwirt und Blogger aus dem Emsland

Billige Wurst

Höhere Standards durchsetzen, Ja.
Mehr dafür bezahlen? Nein!

Wursthersteller Reinert ist das Schweinefleisch im Einkauf zu teuer

Dieses Beispiel von Wursthersteller Reinert zeigt exemplarisch, wie scheinheilig die Lebensmittelbranche ist. Höhere Standards werden gefordert, weil es die Gesellschaft (der Kunde) so will. Die Bauern dafür aber besser bezahlen? Oh ne. Das geht ja gar nicht!
Und nun, wo die Preise für Schweinefleisch seit Monaten infolge des großen Hungers in China hoch sind, ja nun schaut sich dieses Unternehmen in Übersee um und wünscht sich, das billigere Fleisch aus dortigen Märkten zu importieren.
Ich könnte kotzen!
Und zugleich macht es wieder einmal deutlich, dass die Initiative Tierwohl das Beste Instrument ist, um mehr Tierwohl auch bezahlt zu bekommen.

Alles andere funktioniert nicht, ist Träumerei oder wäre Kommunismus!

Vielen Dank an Nadine Henke von den Brokser Sauen

Bitte bis zum Schluss durchlesen: der letzte Absatz ist WICHTIG!!!

Bärchen-Wurst demnächst aus Übersee?  So langsam fühle ich mich nur noch veräppelt – jetzt jammert der Wursthersteller Reinert, dass das deutsche Schweinefleisch zu teuer sei:  Der Fleischwarenhersteller leidet unter hohen Schweinepreisen  schreibt das Haller Kreisblatt.  Die Schweinepreise seien um 40% gestiegen und die Branche hat mit der Rohstoffknappheit zu kämpfen.
dringende Leseempfehlung!

Die Botschaft hinter den grünen Kreuzen

Die Aktion #grüneKreuze ist eine stumme Protestaktion von Bäuerinnen und Bauern

In ganz Deutschland schlagen derzeit Landwirtinnen und Landwirte grüne Kreuze in den Boden. Wir – die Landwirte – werden nun oft gefragt, warum es die Aktion #grüneKreuze gibt, welche Botschaft dahintersteht und was wir uns davon versprechen.

Diese Fragen sind nicht in einem Satz zu beantworten. Denn hinter jedem Kreuz steht ein Betrieb mit einer eigenen Geschichte. Allen gemeinsam aber ist der Ausgangspunkt für diese bundesweite „Graswurzler“- Initiative, der sich immer mehr Betriebe anschließen. Die Situation auf den Höfen ist wegen wachsender Anforderungen schon länger schwierig.

grüne Kreuze

Das sogenannte Agrarpaket aber hat nun das Fass zum Überlaufen gebracht. Dieses Paket haben die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und die Bundesumweltministerin Svenja Schulze gemeinsam geschnürt und am 4. September per Kabinettsbeschluss auf den Weg gebracht. Die darin beschlossenen Maßnahmen haben in der landwirtschaftlichen Praxis zu großer Beunruhigung bis hin zu Entsetzen und Angst geführt.

Tausche Tierwohl gegen Insektenschutz

Das Agrarpaket soll ein Kompromiss sein zwischen Naturschutz und Landbewirtschaftung. Es geht aber auch darum, Tierhaltung im Sinne des Tierwohls zu verteuern, ohne dass der Verbraucher dafür mehr zahlen muss. Insektenschutzprogramm und staatliches Tierwohlkennzeichen heißen die Programme, in denen das geregelt werden soll.

Das Agrarpaket ist so eng geschnürt, dass es vielen Betrieben die Luft zum Atmen nimmt. Im Ackerbau gehen erhebliche Flächen für die Bewirtschaftung verloren, der Einsatz ertragsrelevanter Betriebsmittel soll massiv eingeschränkt werden. Ein hoher Preis für ein Tierwohlkennzeichen, dass angesichts der vielen Label, die es schon am Markt gibt, kein Mensch mehr braucht.

Viele Landwirte sehen nun keine Zukunft mehr für sich und ihre Betriebe. Zunehmend denken Landwirte darüber nach, ihre Betriebe aufzugeben. Die Suche nach jungen Hofnachfolgern wird immer schwieriger. Ein funktionierendes System der Ernährungssicherung wird durch überbordende Vorschriften leichtfertig aufs Spiel gesetzt.

Am meisten trifft es die Landwirte aber, dass ihr Sachverstand nicht mehr gefragt ist. Dabei liegen von Praxisseite eine Vielzahl von Lösungsansätzen für vorhandene Probleme auf dem Tisch, auch auf denen der verantwortlichen Ministerinnen. Die Ideen wurden abgerufen und diskutiert. Im Agrarpaket tauchen sie an keiner Stelle auf.

Kompromisse sind das Salz in der Suppe einer Demokratie. Diese Suppe aber wurde kräftig versalzen. Denn ein Kompromiss ohne jede Zustimmung ist ein schlechter Kompromiss. Am Ende – und das ist das Fatale – leiden nicht nur die Landwirte unter den absurden Beschlüssen. Auch die Natur und die Verbraucher werden den Kürzeren ziehen. Das also sind die Gründe für ein grünes Kreuz – ein stiller Protest, denn Bauern sterben leise.

Wer einen Eindruck über die Graswurzler-Bewegung #grüneKreuze gewinnen will: https://www.facebook.com/Die-Graswurzler-100884111307744/

Pressekontakt:

Die Graswurzler:
Dr. Willi Kremer-Schillings, kremer-schillings@t-online.de, mobil
0173 2908088
Marcus Holtkötter, marcus@holtkoetter-agrar.de, mobil 0171 2154325
Bernhard Barkmann, bb@barkmann.org, mobil 0151 50749517
Rene Rempt, renerempt@yahoo.de, mobil 0151 56965897
Nadine Henke, broksersauen@hotmail.de, mobil 0162 4858827
Ralf Pauelsen, bauer.pauelsen@arcor.de, mobil 0177 2309896
Dirk Nienhaus, dirk@nienhauslegemann.de, mobil 0176 23482177

Hashtag-Suche in social-media-Netzwerken:

Twitter: https://twitter.com/hashtag/grüneKreuze
Facebook: https://www.facebook.com/search/top/?q=%23grüneKreuze
Instagram: https://www.instagram.com/explore/tags/gr%C3%BCnekreuze/
YouTube: https://www.youtube.com/results?search_query=%23gr%C3%BCneKreuze

Mein Bauernverband

Überlegungen zum Deutschen Bauernverband (DBV) zum Bauerntag 2019

Ich bin unterwegs zum deutschen Bauerntag nach Leipzig, oder genauer gesagt Schkeuditz, das ganz in der Nähe zu Leipzig liegt.

Ich bin dort nicht, weil ich Delegierter bin. Nein ich bin nur Gast und habe vor, Kontakte zu knüpfen & zu pflegen und den ein oder anderen Impuls für mich mit nach Hause zu nehmen. Und selbstverständlich sehe ich mich auch als Botschafter für die Öffentlichkeitsarbeit im Netz und dem kommenden Agrarbloggercamp (ABC), das im März 2020 in Bonn stattfinden wird.

Landvolkmitglied und damit auch Mitglied des DBV

Der Bauernverband- da bin ich selber auch Mitglied. Genauer gesagt bin ich Mitglied eines Kreisvereins des Landvolks in Niedersachsen, der wiederum sich unter dem Dach des deutschen Bauernverbandes steht.

Bauernverband steht in der Kritik

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Heil(ig)e Kampagnen-Welt der NGOs

Hunger ist das neue Satt!

von Sönke Hauschild

Liebe Vertreter*innen der Zivilgesellschaft,
liebe Campagneros!

Wir Bauern tun wirklich unser Bestes, um es euch recht zu machen, aber wir schaffen es nicht! Deshalb machen wir euch einen Vorschlag: Keine negativen Auswirkungen auf Natur und Umwelt, Gewässer, Luft, Artenvielfalt und den Menschen mehr! Ab morgen! Das wäre doch mal eine Kampagne mit Durchschlagskraft, oder?

Wie? Ganz einfach: Ihr übernehmt unseren Job! Wir fragen uns nämlich schon lange, warum ihr so gern Feldrand steht, statt selber mitzuspielen: Ihr wißt es doch viel besser als wir und ihr könnt es sicher auch besser. Also keine Scheu!

Erntest Du noch oder hungerst Du schon?
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Insektensterben? Nicht im Raps!

mit Daniel Bohl

Rapsglanzkäfer befallen den Raps

Bisher wurde unser Raps von den Rapsglanzkäfern verschon. Aber nach ein paar warmen Tagen kommen sie, trotz jährlicher Bekämpfung, wie aus dem Nichts und befallen die Rapsknospen.
Da könnte man als Landwirt nun zu sehen, wie die Käfer Stück für Stück die Knospen fressen und mehr als 30% des möglichen Ertrages wegfressen, was den Rapsanbau unwirtschaftlich machen würde oder die Rapsglanzkäfer mit einem Insektizid bekämpfen. Würde der Rapsanbau unwirtschaftlich, würde kein Landwirt mehr Raps anbauen.

Die Knospen einer Rapspflanze werden von vielen schwarzen Rapsglanzkäfern heimgesucht.
Rapsglanzkäfer können große Schaden im Raps anrichten (Bild: Daniel Bohl)

Nicht nur wichtig für die Bienen

Da mögen einige Beifall klatschen, die sollten aber auch bedenken, dass der Raps die wichtigste heimische Öl- und Eiweißfrucht ist und jede Tonne Öl und Eiweiß, die nicht bei uns produziert wird, importiert werden muss.
Darüberhinaus ist der Raps auch die bedeutendste Tracht für die Bienen. Fragt mal einen Imker in Norddeutschland, ob er auf die Tracht des Rapses für seine Bienen verzichten möchte. Ich habe noch keinen kennen gelernt.

Rapsanbau ohne Insektizide geht nicht

Rapsanbau ohne Insektizide geht nicht. Deswegen müssen Landwirte und Imker hier eng miteinander kooperieren. Davon haben beide mehr, als von stupiden Verboten.

Öko Raps gibt es kaum

nur 0,4% der Rapsanbaufläche in Deutschland werden ökologisch erzeugt
von 1000 ha Raps werden in Deutschland 4 ha ökologisch angebaut (Grafik: @flaemingslord)

Ohne wirksame Insektizide kann kein erfolgreicher Rapsanbau gelingen. Das zeigt auch die Statistik, denn nur 0,4% der Rapsanbaufläche wird ökologisch erzeugt.
Die Erntemenge dürfte wohl noch unter 0,2% liegen, da das Ertragspotenzial von Ökologischen Produkten deutlich geringer ist und die Insekten (nicht nur der Rapsglanzkäfer) zusätzlich den Ertrag schmälern werden.

Dieser Ertragsverlust lässt sich nicht einmal durch höhere Preise kompensieren. Denn wo nichts geerntet wird, dort kann man auch nichts mehr teuer verkaufen.

Impfen verbieten!

von Ludger Weß

Wenn ich es recht überlege, bin ich gegen die Einführung eines Impfzwangs. Ich gehe sogar noch weiter: Ich bin für ein Verbot des Impfens!
Wir schaffen gerade die unnatürliche Chemie in der Landwirtschaft ab und sehen wieder Fälle von Mutterkorn- und Stechapfelvergiftungen.

Ludger Weß (Facebook-Profilbild)

Zurück zu Natur!

Diese Entwicklung zurück zur Natur entspricht dem Willen der Zivilgesellschaft. Warum sollte sie nicht auch in der Medizin zurück zu natürlichen Bedingungen mit Kinderlähmung und Wundstarrkrampf?

Die Gesellschaft möchte die Risiken der Moderne nicht!

Sie will die Risiken der Moderne nicht, weil sie den Zulassungsbehörden und der Wissenschaft misstraut und möchte stattdessen lieber die natürlichen in Kauf nehmen.

Und wenn Behörden und Mediziner Impfen für sicher halten, ist denen ebenso zu misstrauen wie in Sachen Pflanzenschutzmittel und Gentechnik. Halten wir uns besser an die Gerichte: Die haben nicht nur festgestellt, dass Glyphosat Krebs erzeugt, sondern auch, dass Impfungen Multiple Sklerose auslösen – und das war sogar der EuGH.

Also: Vorsorgeprinzip anwenden, Impfen verbieten.


Ludger Weß studierte Biologie und Chemie und arbeitete vor seiner Tätigkeit als Wissenschaftsjournalist als Molekularbiologean der Universität Bremen. Er schreibt seit den 1980er Jahren regelmäßig über wissenschaftliche, ökonomische, historische, rechtliche und ethische Aspekte von Wissenschaft und Technik; Schwerpunkte sind Gen- und Biotechnologie.

Greenwashing, mit dem Feinwaschmittel von Bioland

von Franz Kinker*

Bioland kooperiert mit Lidl. Ist das sinnvoll oder ein Schlag ins Gesicht aller Biobauern?

Die Bio-Szene fristete lange Zeit ein stiefmütterliches Dasein. Doch jetzt kommt Bewegung in die Branche. Bio ist mittlerweile in aller Munde. Wer es sich leisten kann, kauft Bio-Produkte, und tut sich und der Umwelt damit etwas Gutes.

Franz Kinker mit einer hornlosen Braunviehkuh

Die Landwirte profitieren von dieser positiven Entwicklung. In der Regel haben sie eine höhere Wertschöpfung, und damit verbunden ein höheres Einkommen.

Landwirte als Vorreiter in Sachen Bio

Um Bäuerinnen und Bauern zu informieren, laden die einzelnen Bio-Verbände ihre Mitglieder regelmäßig zu Versammlungen ein.

Man trifft sich in einem Gasthaus und hört sich zum Beispiel die Vorträge über Boden- und Tiergesundheit an. Außerdem erfährt man hier das Neueste vom Milchmarkt, und ist mehr oder weniger erfreut, wenn neue Vorschriften präsentiert werden. Zum Glück folgt danach der gemütliche Teil der Veranstaltung. Die Geselligkeit, für die wir Allgäuer bekannt sind, kommt also nicht zu kurz. Die Abende verlaufen in der Regel unspektakulär. Wenn sich die Bauern schon mal treffen, dann ausführlich. Es dauert meist bis spät in die Nacht, bis der letzte den Saal verlässt.

Und jetzt stört Lidl die Gemütlichkeit

Seit kurzer Zeit macht jedoch ein Thema die Runde, das den Saal erhitzt und so gar nicht zur Allgäuer Gemütlichkeit passen will. Es ist die Schlagzeile des Jahres 2019: Der Discounter „Lidl“ geht eine strategische Partnerschaft mit dem Öko- Verband „Bioland“ ein. Was für eine Sensation! Ein Global Player, der bislang ständig auf der Suche war nach den günstigen Einkaufsmöglichkeiten. Einer, der knallhart kalkuliert, sich Rabattschlachten liefert, und der den Erzeugern die Preise diktiert. Dieser füllt künftig einen Teil seiner Regale mit zertifizierten Premium-Bio Produkten.

Warum bandelt Bioland mit Lidl an?

Was mag einen so mächtigen Bioverband bewogen haben, sich mit einem No-Name-Händler zu verbünden? Sind die klassischen Absatzwege nicht mehr gut genug?

Bislang wurden Bio-Markenartikel überwiegend vom Naturkosthandel, Reformhäusern, Hofläden, regionalen Märkten, und ab und zu von größeren Handelsketten vertrieben. Die Ladenbesitzer haben mit viel Engagement und Herzblut ihren treuen Kundenstamm aufgebaut und so manche Durststrecke durchgehalten. Auf Wochenmärkten, Hoffesten und Infoständen pflegte man die Kundenbeziehung und klärte Fragen der Konsumenten im direkten Gespräch. Der Kunde schätzte diese Serviceleistung. Gerade in der heutigen Zeit, in der viel online gekauft wird, sind Freundlichkeit und persönliche Beratung etwas Besonderes. Gibt es das bei einem Discounter wie Lidl? Hier muss Ware übers Band, und zwar möglichst viel und schnell. Die Mitarbeiterinnen werden diesbezüglich getrimmt. Wer als Kassiererin die Leistung nicht bringt, hat die längste Zeit in diesem Unternehmen gearbeitet.

Verdrängt Lidl die Bioläden?

Jetzt kommt der Moment, wo bei mir und vielen meiner Kollegen die Alarmglocken klingeln: Ich denke, es geht Lidl nicht nur um Image-Steigerung und Greenwashing, sondern um knallharten Verdrängungswettbewerb. Die Lidl-Kundschaft wird das Bio-Angebot des Discounters mit Handkuss annehmen und die Kassen werden noch besser klingeln als bisher.

Und was geschieht mit all denjenigen, die mühsam ihren kleinen Bio-Laden aufgebaut haben? Die werden am Ende den Kürzeren ziehen. Sind wir mal gespannt, wie viele die Expansion von Lidl überleben.

Bei den Landwirten wird es ähnlich aussehen. Da bin ich mir ziemlich sicher, dass ich jetzt schon weiß, wer bei diesem Deal am Ende den größten Nutzen daraus zieht. Derjenige, der täglich frühmorgens um 5 Uhr aufsteht, und zweimal am Tag die Kühe melkt, gewiss nicht….

Unser Appell an die Verbände

Meine Kollegen und ich, die auf nachhaltige Landwirtschaft und echtes Bio setzen, appellieren an die Verbände: Macht keine Schnellschüsse und denkt zuerst nach:

Warum muss man mit aller Gewalt in Vertriebsschienen gehen, deren Prinzipien nichts, aber auch gar nichts mit Nachhaltigkeit, Service und dem Prinzip „Leben und leben lassen“ zu tun haben?
Der Bio-Markt ist ein sensibler Bereich. Um die höheren Produktpreise zu halten, auf die wir Landwirte dringend angewiesen sind, müssen Angebot und Nachfrage möglichst im Einklang stehen.

Wir Landwirte fordern daher: Lasst Bio- Markenware nicht zur Massenware verkommen und sucht euch Partner, deren Herz auch Bio schlägt!

Euer Bauer Franz

*Franz Kinker ist Biobauer im Allgäu. Seine sehenswerte Homepage ist unter Berghof-Kinker.de aufrufbar.

Franz und Irmgard Kinker mit Tochter und Sohn in traditionellen Kleidern
das Bauernhaus der Familie Kinker ist typisch Allgäu. Fügt sich wunderbar in die Landschaft hinein.
Franz Kinker liegt im Gras
Laptop steht neben Stiefeln im Gras, ein Huhn läuft darüber her.

Grundschüler wollen ein Dorf aufblühen lassen

Grundschüler aus Messingen legen Blühstreifen an und verteilen kleine Saatgut-Tüten

Welch großartige Aktion der Messinger Grundschüler der Klassen 3 und 4: Bei wirklich ungemütlichen Temperaturen, Sturm (frontaler Gegenwind auf der Hinfahrt) und Regen fuhren die Kids mit dem Rad zu mir auf dem Hof um einen Blühstreifen anzulegen und anschließend noch kleine Tütchen mit der selben Saatgutmischung abzufüllen. Letzteres dann ist der warmen Stube nach gesundem Frühstück.

Schülerwettbewerb „Echt Kuh-L“

Dabei ist dieser tolle Film herausgekommen, der auch beim Schülerwettbewerb „Echt Kuh-l“ eingereicht werden soll.

Aber ganz egal, ob die Kinder einen Preis bei diesem Wettbewerb gewinnen: Der Einsatz hat sich bzw. wird sich sicherlich lohnen. Denn der Blühstreifen und die vielen Blühecken, die in den Gärten in und um Messingen entstehen werden, sind nicht nur eine Augenweide für den Menschen, sondern auch Anziehungspunkte für viele Bienen, Insekten und weitere Tiere.

Hunderte der kleinen Samentütchen werden zur Müllsammelaktion am kommenden Samstag in der Gemeinde Messingen (ca. 1000 Einwohner im Landkreis Emsland) verteilt. Wenn jeder Gartenbesitzer ein Tütchen aussät, werden wir schon bald feststellen, wie toll Messingen wirklich aufblüht!

Und sogar für den übernächsten Sommer haben die fleißigen Kinder vorgesorgt: Zum traditionellen Neujahrsempfang der Gemeinde Messingen soll jeder Besucher ein weiteres Tütchen erhalten. Ca. 400 Besucher kommen am Jahresanfang zusammen, um zurück und auch nach vorne zu schauen. Vielleicht kommen ja sogar noch mehr, wenn sich herum spricht, dass dieses tolle Geschenk auf jeden Besucher wartet?

Jetzt sind die Landwirte in der Pflicht

Diese klasse Aktion der Grundschule wird für die Landwirte in Messingen Motivation und Ansporn sein, weiter Blühstreifen und Blühfelder auf den Äckern anzulegen. Denn nur so kann erfolgreicher Naturschutz funktionieren: GEMEINSAM!
Die Kinder aus Messingen haben schon mal angefangen, jetzt müssen alle mitziehen: die Gartenbesitzer und natürlich auch die Bauern!

#FridaysForFuture

Gestern demonstrierten weltweit Schülerinnen und Schüler für mehr Klimaschutz. Besonders erfolgreich sind diese Proteste aber wohl in Deutschland und hier eher in den größeren Städten. Vorbild für die vielen tausend Schüler ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die mit ihrem Schulstreik an Freitagen bereits im letzen Jahr begonnen hat und damit die Bewegung #FridaysForFuture angestoßen hat.

Wie sind die Schülerproteste zu bewerten?

Ich habe zu der ganzen medialen Aufmerksamkeit, zu dem ganzen Drumherum, der Greta-Verehrung etc. einen kritischen Blick, habe aber noch keine endgültige Meinung gebildet. Ich möchte unbedingt anerkennen, dass diese Schülerproteste und auch die Organisation dahinter eine unglaubliche Wucht erzeugen.
Vermutlich bin ich mit der Suche nach einer umfänglichen Bewertung nicht alleine und will mich mal etwas herantasten:

Berechtigte Sorgen, offene Fragen

Die Sorgen und Forderungen der Schüler müssen wir Eltern und Großeltern ernst nehmen. Na klar! Aber ich finde auch, dass einige Fragen berechtigt sind:

  1. Hätte #FridaysForFuture auch nach Schulschluss oder an Wochenenden auch so viel Zuspruch?
  2. Wie gehen wir (Eltern schulpflichtiger Kinder, Lehrer, Schulleitung, Kultusministerium) mit dem Schulschwänzen um?
  3. Würde bei weniger populären Demos, auch die Schulpflicht als nicht so wichtig erachtet?

Schulstreik lockt Mitläufer und überschreitet Grenzen

Ich glaube, dass die Beteiligung an den Protesten nicht so groß wäre, würden die Schüler nach Schulschluss ihren Protest ausdrücken. Einmal weil auch Mitläufer dabei sind, die wenig Lust auf Schule haben und bei diesem Happening mitmachen wollen.
Aber sicherlich hilft es auch, wenn die Schule geschwänzt wird, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Die Schüler brechen heraus aus ihrem vorgeschriebenen Trott und begehen einen Regelverstoß, eine Grenzüberschreitung. Nicht einer, sondern tausendfach! Jede Woche.

Hilflosigkeit im Umgang mit „Schulschwänzen für den Klimaschutz“

Auszug aus WhatsApp. Schüler fragt nach Erlaubnis, zur Demo gehen zu dürfen. Nicht sehr überzeugend... ;)
aus einem Chatverlauf

Aber wie gehen wir mit diesen x-fachen Grenzüberschreitungen um? Sanktionen? Wer soll sie durchsetzen?
Die Schüler ernten mit ihrem freitäglichem Protest viel Zuneigung und Sympathie in der Bevölkerung- und damit auch zum Teil bei Eltern und Lehrern. Von den Politikern gibt es auch weit überwiegend mehr oder weniger deutliche Lobesworte, kaum jemand, der sich klar gegen diese Demos zu Unterrichtszeiten ausspricht.
Dennoch gibt es die Schulpflicht! Sollen Leher, Schulleitung oder Kultusministerien eine Absolution erteilen? Geht das rechtlich so einfach? Wer bekommt in diesem Fall den „schwarzen Peter“?
Oder lässt man es einfach weiterlaufen, ohne Konsequenzen?
Das hätte dann die Gefahr, dass Schüler sich auf #FridaysForFuture und die Klimaschutzproteste berufen, wenn sie für ein ganz anderes (möglicherweise weniger populäres) Anliegen auf die Straße gehen wollen- während der Schulzeit versteht sich…
Was wäre, wenn eine Gruppe von Schülern gegen Zuwanderung protestieren würde? Oder für eine freies Palästina? Oder gegen die von den Grünen propagierte Agrarwende?

Apropos „Agrarwende“. Das war doch noch was.

Ich erinnere mich noch sehr gut an das Jahr 2015. In Niedersachsen war der Bündnisgrüne Christian Meyer Landwirtschaftsminister und denkbar unbeliebt bei den meisten Bauern, dafür aber Liebling der Massen, die seine einfachen Parolen glaubten.

Gegen die Agrarpolitik von Rot/Grün und Christian Meyer versammelten sich im September über 4000 Landwirte in Hannover. Soweit ich mich erinnere auch an einem Freitagvormittag. Und auch dort wollten viele landwirtschaftliche Berufsschüler mitmachen, dabei sein.

Argusaugen von Meyer und AbL auf Demo

Das jedoch missfiel der AbL, die am Vortag noch demonstrativ mit einer kleinen Gruppe und vergleichsweise großer medialer Berichterstattung seitens des NDR hinter Meyer stellte. Hier glühten die Drähte zwischen Berufsschulen, Kultusministerium und Landwirtschaftsministerium. Auch hier ging es um die Frage, was mit der Schulpflicht sei und ob für Schüler, die nicht nach Hannover fuhren, auch ein regulärer Unterricht gewährleistet wäre. (Gegendarstellung von Niemann)

Parallelität der Ereignisse sollte zum Nachdenken anregen

Es gibt also durchaus Parallelen zwischen der einmaligen Aktion von vor 3,5 Jahren und den heutigen Demonstrationen. Nur werden vermutlich die Bewertungen unterschiedlich ausfallen. Ich finde, man darf da ruhig mal drüber nachdenken.

Wie bereits oben im Text beschrieben- ich selber habe meine abschließende Meinung noch nicht gefunden. Ich bin auf Eure Einschätzungen und Positionen gespannt. Schreibt diese gerne in die Kommentare!

P.S.:
In diesem Zusammenhang ist das DLF-Radiointerview mit Anton Hofreiter von gestern morgen sehr hörenswert und aufschlussreich.

Das Ende freiwilliger Umweltleistungen?

Nach dem Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ in Bayern werden freiwillige Umweltleistungen der Bauern in Frage gestellt

Die Themen Bienenschutz und Artenvielfalt liegen seit Jahren im Trend- in der öffentlchen Debatte und auf den Bauernhöfen. Die Zahl freiwilliger Initiativen zur Förderung der Artenvielfalt und des Insektenschutzes sind in den letzten Jahren stark gestiegen.
Das Bewusstsein vieler Landwirte wurde geschärft und so legten zigtausende Landwirte Blühstreifen auf ihren Flächen an. Vielfach unentgeltlich und auf freiwilliger Basis.

wunderschöner bunter Blühstreifen

Diese Praxis könnte nun einen Dämpfer erhalten haben, zumindest in Bayern. Denn hier sind sehr viele von der Art und Weise des Volksbegehrens (einseitig zu Lasten der Bauern) und vom Erfolg (ca. 1,7 Mio Unterstützer) enttäuscht.
Ein Bauernverband im Allgäu rät seinen Mitgliedern, auf freiwillige Blühstreifen zu verzichten.

„Wenn Unterzeichner sagen, dass die Landwirte problemlos auf zehn Prozent ihrer Produktionsfläche verzichten können, dann dürften für sie 50 Euro für 50 Quadratmeter ja kein Problem sein“

Joachim Nuscheler, BBV Unterallgäu bei all-in.de

Trotzreaktionen auf populistisches Volksbegehren kontroproduktiv

Ich kann meine Berufskollegen in Bayern sehr gut verstehen. Die bisher geleisteten Anstrengungen im Bereich Umweltschutz und Artenvielfalt wurden nicht gewürdigt, Rückgänge der Artenvielfalt einseitig den Bauern angelastet. Als Unterstützer des Volksbegehrens sind nur wenige Minuten nötig gewesen, die Bauern müssten dieses Gesetz, sollte es so nach einer Volksabstimmung in Kraft treten, alleine ausbaden.

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