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Über Gerhard Langreiter

Jahrgang 1981, verheiratet, 2 Kinder, seit 2001 Ferkelerzeugung mit 170 Zuchtsauen und Ferkel bis 30 kg. Ca. 30 ha inkl. Pachtfläche und Wiesen in Bewirtschaftung, 7,5 ha Wald.

Quo Vadis Landwirtschaft

Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident, arbeitet anscheinend schon an seinem deutschlandweitem Profil als Kanzlerkandidat und hat dafür die Landwirtschaft ausgewählt. In einer Videobotschaft zur Fleischerzeugung stellt er dar, was sich in Deutschland verändern muss und dass Bayern hier ein gutes Beispiel für den Rest Deutschlands ist. Doch ist das wirklich so? Dirk Andresen, Sprecher von LandSchafftVerbindung, sieht es auf alle Fälle in diesem Video anders! Auch Professor Alfons Balmann von der Universität Halle widerspricht Söder auf Twitter.

Nun will auch ich noch meinen Senf dazu geben. Ausschlaggebend für diesen Beitrag ist eigentlich nicht das Video von Markus Söder, sondern die Pressekonferenz vom 7. Juli nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts. Die Informationen zu Corona könnt ihr dabei überspringen. Ab Minute 13 redet Landwirtschaftsministerin Kaniber und danach Umweltminister Glauber. Es folgen später noch weitere Statements der beiden und da wurde mir klar: Wieder einmal sind es nur leere Worthülsen, die der bayerische Ministerpräsident hier von sich gegeben hat. Was soll das auch heißen: „Agrarökologie statt Agrarkapitalismus“?

Groß oder klein?

Grundsätzlich bin ich ein Fan von kleinen Höfen und den Strukturen, die man in meiner Region noch vorfindet, dass könnt ihr hier nachlesen. Aber eins ist auch klar. Die Größe sagt nichts darüber aus, wie „umweltfreundlich“ ein Betrieb arbeitet. Ich zum Beispiel habe nur sehr wenig Fläche und kann es mir deshalb viel weniger leisten, hier Agrarumweltmaßnahmen durchzuführen. Natürlich, das bayerische Kulturlandschaftsprogramm, dass über die 2. Säule der GAP mitfinanziert wird, ist ein Erfolgsmodell, auf das viele grüne Agrarminister aus anderen Bundesländern neidisch schauen und ja, wir haben in Bayern noch viele Höfe, über die Hälfte im Nebenerwerb. Jeder 3. deutsche Bauernhof steht in Bayern. Und da bin ich auch ein Stück Stolz auf unser Bundesland.

Schon interessant, wie sich Bayern auch von Baden-Würtemberg in Sachen Fremdarbeitskräfte und Fremdkapitalanteil unterscheidet! (Quelle DLG-Mitteilungen 11/09 Danke @ Mirjam Lechner für diesen Input)

Aber mein Eindruck ist, dass sich diese Struktur schnell ändern wird. Erstens ist es nicht unbedingt ein politischer Verdienst, sondern den Bauern und vor allem den Bäuerinnen geschuldet, die „nebenbei“ Kühe gemelkt haben oder Schweine gefüttert. Diese Generation, die das gerne gemacht hat, und Wochenenden und Urlaub für den Hof daheim geopfert hat, da die Männer oft unter der Woche Vollzeit zur Arbeit gingen, kommt langsam ins Rentenalter und die nachfolgende Generation ist oft nicht mehr bereit, diese hohe Arbeitsbelastung zu tragen. Ich erlebe es, dass oftmals der Ackerbau dann noch weiter gemacht wird, die Tiere verlassen aber immer mehr die Höfe. Hier kann man zum Beispiel feststellen, dass es Bayern nicht geschafft hat, durch Beratung und eine gezielte Investitionsförderung, Anbindeställe in Laufställe umzubauen. Knapp 50 % der Milchviehhalter haben noch einen Anbindestall und die letzten Fördermaßnahmen haben eher dazu geführt, dass von 60 auf 120 oder 180 Kühen aufgestockt wurde, statt dass Anbindeställe umgebaut wurden. Bei den Schweinen nicht anders. Erst gab es gar keine Förderung (so wie bei meinem Stallbau 2001/2002). Dann wurde alles mit 25 % gefördert, was aber dazu geführt hat, dass nur Schweinemastställe gebaut wurden, weil die Fördervorgaben leichter umzusetzen waren. Erst in der letzten Förderperiode hat man dann ein Punktesystem eingeführt, was Zuchtsauenhalter und den Umbau von Anbindeställen bevorzugt hat. Aber die Resonanz war auch nicht so gewaltig, weil man zum Beispiel für einen Laufstall unter 60 Kühen oft keine Wirtschaftlichkeit nachweisen konnte, wodurch keine Förderung möglich war. Und in Zuchtsauen eh niemand mehr investiert hat.

DLG-Mitteilung 11/09 – Die fehlende Wirtschaftlichkeit wird hier gut aufgezeigt.

Was will ich damit ausdrücken? Die heeren Ziele, die die Politik in Sonntagsreden formuliert, werden schon bei der nächsten Kabinettssitzung wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Die beiden Minister konnten nicht wirklich darlegen, was sich ändern soll. War alles alter Kaffee. Das führt zu Politikverdrossenheit und das finde ich schade!

Vor allem, weil ich im Gegensatz zu Alfons Balmann und Dirk Andresen überzeugt bin, dass es es wert wäre, unsere bayerische Struktur zu erhalten. Ob die Politik hier aber die Gestaltungsmöglichkeiten hat, oder ob es nicht an jeden/r HofnachfolgerIn liegt, wie es weiter geht, dass denke ich ist auch klar.

Staatliche Beratung

Eine große Hilfe für vor allem kleinere Bauern, die vielleicht oft nicht die Zeit oder das Wissen hatten, war immer die fachliche Beratung in unseren Landwirtschaftsämtern. Diese Stellen wurden in den letzten Jahren enorm zusammen gekürzt. Eine Einzelberatung war offiziell nicht mehr möglich. Diese Aufgaben sollten komplett von Erzeugerringen übernommen werden. Diese haben dann für jede Beratungsstunde einen staatlichen Zuschuss erhalten. Meine Erfahrung damit ist, dass man fast den kompletten staatlichen Zuschuss für die Bürokratie aufwenden musste, um zu dokumentieren, dass man tatsächlich eine Beratung durchgeführt hat. Dies führt zu völlig überteuerten Beraterstunden und ist meiner Meinung nach Geldverschwendung.

Nun verkündet Ministerin Kaniber, dass ihre Beamten wieder mehr beraten sollen. So wie ich das errechnet habe, hauptsächlich die 15 Amtschefs, die dann keine mehr sind, weil Ämter zusammengelegt werden. Ob das ganze Konzept der Beratung jetzt über den Haufen geworfen wird, glaube ich aber nicht. Aber öffentlich verkaufen tut es die Ministerin so.

Landwirtschaftsschulen werden dezimiert

Was mich ärgert, ist, dass Söder und Kaniber von regionalen Strukturen und vom Erhalt der kleinbäuerlichen Landwirtschaft reden, und im selben Zug 9 Landwirtschaftsschulen schließen. Wie schizophren ist das denn? Natürlich, die Zahl der Studierenden geht zurück, aber der Hauptgrund, warum im letzten Jahr manche Schulen kein neues Semester eröffnen konnten, dürfte das Volksbegehren gewesen sein. Wenn die Rahmenbedingungen passen würden, würden auch die Ausbildungszahlen wieder steigen. Stattdessen gibt man das völlig falsche Signal in einer schwierigen Zeit und schließt ohne Konzept Schulen. Standorte, die vor wenigen Jahren noch aufwendig neu gebaut wurden, haben nun leere Klassenzimmer. Junge Landwirte müssen nun oft mehr als 100 km fahren, um eine Landwirtschaftsschule zu erreichen. Viele werden nun die Technikerschulen in Landsberg und Triesdorf besuchen, weil hier ein Internat vorhanden ist. Dort werden aber keine Betriebsleiter, sondern Angestellte ausgebildet.

Quelle: StMELF Bayern

Wenn man diesen Schritt schon unbedingt machen muss, dann bräuchte es eine Internatslösung. Für uns Schweinehalter bringt es doch nichts, wenn der Nachwuchs erstens weiter fahren muss, und dann an Schulen unterrichtet wird, die den Schwerpunkt Grünland haben. Warum ist man hier nicht mutig und eröffnet Landwirtschaftsschulen verteilt auf Bayern, die jedem Betriebszweig ermöglichen, sich individuell dort weiterzubilden? Stattdessen freut sich die Ministerin, dass immer mehr junge LandwirtInnen das Studium favorisieren. Ich habe da auch nichts dagegen, aber wenn man sich die Lerninhalte dort ansieht, werden dort keine Praktiker und Betriebsleiter ausgebildet. Man speckt also bei den Landwirtschaftsschulen ab, ohne dass man sie so reformiert, dass sie wieder eine Zukunft haben und verkauft es dann als „Effizientere Struktur“. An der Gesichtsröte von der Ministerin hat man denke ich gesehen, dass es ihr selber peinlich war, diese Schließungen als Erfolg zu verkaufen. Als Ausrede musste dann auch noch das „Bildungsprogramm Landwirt“ herhalten. Ich will es nicht weiter ausführen, aber das ist ein Ersatz für die Berufsschule, gedacht für Nebenerwerbslandwirte. Es ist aber sicher kein Ersatz für Landwirtschaftsschulen! Für eine zukunftsfähige bayerische Landwirtschaft muss man Betriebsleiter ausbilden, und das geschieht in den Landwirtschaftsschulen!

Dann auch noch der Umweltminister…

In der oben verlinkten Pressekonferenz kommt auch Umweltminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern zu Wort. Er ist eigentlich nicht Thema dieses Beitrags, aber seine Aussagen will ich auch nicht unkommentiert stehen lassen. „Wachsen oder Weichen“ – ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN! Niemand aus der Branche nutzt diese Begrifflichkeit noch, aber Glauber meint, er muss ab heute dafür sorgen, dass dieser schon immer sinnlose Satz, abgeschafft wird. Dann fabuliert er davon, dass es wieder mehr regionale Schlachthöfe braucht, damit Tiere nicht 40-50 Stunden quer durch Europa transportiert werden. Also entweder hab ich da was falsch verstanden oder der Herr Umweltminister soll doch mal erklären, wie er auf diese Zahl kommt. Oder einfach in seinem Ministerium nachfragen, wenn er es nicht erklären kann. Und Fakt ist auch, dass es viele kleine Metzger nicht mehr gibt, weil seine Veterinärbehörde gar nicht scharf drauf ist, zu hunderten Metzgern raus zufahren, wenn man kostensparend auch einfach bei einem Großschlachthof ein paar Veterinäre kontrollieren lassen kann. Jetzt so zu tun, wie wenn man daran keine Schuld hat und die böse EU die kleinen Metzger ruiniert hat, ist scheinheilig!

Mein Wunsch und meine Hoffnung

Ich wünschte mir einfach wieder mehr Sachlichkeit und Nachhaltigkeit in der Politik. Mehr Mut, mehr fachliche Kompetenz und nicht nur Sonntagsreden, wo wir Bauern hochgelobt werden, wohingegen diese Unterstützung in der täglichen Arbeit der Ministerien leider fehlt. Wenn am Beispiel der Landwirtschaftsschulen hier eine mutige Reform vollzogen werden würde, wo am Ende eine Weiterbildung der LandwirtschaftsgesellInnen zu kompetenten, gut aufgestellten BetriebsleiterInnen gesichert wäre, dann würden auch wieder mehr junge Menschen diesen Weg gehen. Wenn dagegen ohne Glauben an diese Schule ein Standort nach dem anderen abgewickelt wird, muss man sich halt auch nicht wundern.

Ich habe immer noch die Hoffnung auf eine Wende. Denn ich komme durch mein Ehrenamt als stellvertretender Kreisobmann des BBV viel mit diesen jungen LandwirtInnen in Kontakt und sehe, wie engagiert, wie gut ausgebildet und kompetent in ihrem Betriebszweig sie sind. Hier noch einmal nachzujustieren und die Aus- und Weiterbildung an die zukünftigen Herausforderungen anzupassen, macht durchaus Sinn. Kürzungen sind eine Kapitulation und machen in meinen Augen das letzte Fünkchen Hoffnung kaputt. Landwirtschaft hat Zukunft. Vieles wird sich ändern. Wer so wirtschaften will, wie seine Eltern oder Großeltern, wird sich schwer tun. Aber alle jungen Leute, die diesen Beruf lieben und sich nichts anderes vorstellen können, sollen sich nicht scheuen, diesen Weg zu gehen. Man wird vielleicht nicht reich damit, aber wenn ich gerade aus dem Büro über meine Felder dem Sonnenuntergang zusehe, kann ich nur sagen: „Geld ist nicht alles“.

Kurzer Nachtrag: Ja, die Karten aus den DLG-Mitteilungen sind schon über 10 Jahre alt, aber ich finde, sie sind immer noch aktuell und stellen vor allem den Unterschied zwischen Bayern und dem Rest Deutschlands sehr gut heraus.

Einblicke in „Ethik für die Landwirtschaft“

Seit Tagen wird wieder, aufgrund der Bundesratsentscheidung zum Kastenstand, intensiv über die Haltungsbedingungen von Zuchtsauen diskutiert. Vor gut zwei Wochen hat sich der Deutsche Ethikrat zur Nutztierhaltung in Deutschland geäußert. Wie es der Zufall will, gab es ein paar Wochen vorher hier auf BlogAgrar ein Interview mit Christian Dürnberger zu seinem neuen Buch „Ethik für die Landwirtschaft“. Nachdem nun in den Medien die Aussagen des Ethikrats zur Tierhaltung in Deutschland heiß diskutiert wurden und aufgrund von #Tönnies auf einmal die ganze Tierhaltung in Deutschland infrage gestellt wird, halte ich es nun nochmal für notwendig, nochmal einen Blick in dieses Buch zu werfen. Der Autor ist Doktor der Philosophie, Magister der Kommunikationswissenschaften und arbeitet seit über einem Jahrzehnt an verschiedenen Forschungsinstitutionen zu ethischen Fragen in der Landwirtschaft. Und ich folge ihm seit längerer Zeit auf Twitter, was ich nur weiter empfehlen kann, weil dabei immer mal wieder was zum Nachdenken, aber auch Schmunzeln mit dabei ist!

Das Buch nach Durchlesen mit „Einmerkerl“

„Moral zu predigen ist so leicht, wie es schwer ist, Moral zu begründen.“

Nach Friedrich Nietzsche
Einblicke in „Ethik für die Landwirtschaft“ weiterlesen

Medienkritik, die Dritte!

Zu: 1 Thema, 3 Köpfe – „Du bist, was du isst – was Billigfleisch mit der Pandemie zu tun hat“

Es wird immer mehr zu einer kleinen Nebenbeschäftigung von mir, mich mit Sendungen in Funk und Fernsehen auseinanderzusetzen. Hier war ich zum Beispiel mal beim Bayerischen Rundfunk oder hier habe ich die Recherche des BR zu einem Tierschutzskandal analysiert.

Seitdem hätte ich alle paar Wochen wieder ein Thema gehabt, in dem mir schlechte Recherche, Subjektivität oder Parteinahme aufgefallen ist. Aber, wie ich auch dieses Mal wieder gesehen habe, macht es doch ziemlich viel Arbeit, sich mit einer Sendung oder auch einen Zeitungsartikel auseinanderzusetzen. Außerdem ist es oftmals zum Grünundblauärgern, so dass ich aus gesundheitlichen Gründen bestimmte Fernsehbeiträge oft gar nicht komplett anschaue.

Ein „Meinungspodcast“

Hier ist das anders. „1 Thema, 3 Köpfe“ ist ein Podcast von B5 aktuell, von dem ich glaube ich noch keine einzige Sendung versäumt habe. Ich brauche für meine eigene Meinungsbildung andere, fundierte Meinungen, und die finde ich hier. Im Gegensatz zu zum Beispiel „Augstein und Blome“ sind hier immer JournalistInnen am Mikro, die sich in der Thematik auskennen und quasi „vom Fach“ sind. Normalerweise moderieren Christine Auerbach oder Christian Orth den Podcast. Dieses Mal ist es Nina Landhofer, die mit ihren KollegInnen Birgit Frank und Thies Marsen über Bedingungen in Schlachthöfen, angebliches Billigfleisch und was das alles mit der Pandemie zu tun hat, diskutiert.

Ich gebe zu, manchmal sind mir die drei Diskutanten zu sehr einer Meinung und ich frage mich dann, ob man im BR keine Journalistin aufgetrieben hat, die vielleicht dem anderen Journalisten eine gegensätzliche Meinung entgegengebracht hätte. Bei dieser Sendung war Thies Marsen der „Fleischesser“ und Birgit Frank die Vegetarierin (seit 20 Jahren). Und da fängt es schon an: Fleischesser impliziert für mich das Bild eines Menschen, der den ganzen Tag nur Fleisch- und Wurstwaren in sich hineinstopft, was ja so nicht ist. Allesesser würde meiner Meinung nach hier besser passen.

Corona in Schlachthöfen

Zu anfangs geht es um die Coronafälle in den Schlachthöfen. Schuld daran sollen die – Zitat – „miserablen Arbeitsbedingungen“ sein. Hier muss ich gleich mal einhaken, denn es ist die Unterbringung, die an der Verbreitung des Virus großen Anteil hat. Meist eng zusammen in sehr einfachen Behausungen. Meist wird zusammen gekocht und gegessen. Ganz klar, dass es hier nicht einzuhalten war, dass jeder für sich bleibt, wie es wir „normalen“ Leute in unseren Wohnungen und Häusern gemacht haben. Ich bin ja immer noch auf der Suche, nach einer guten Reportage zu den vielen osteuropäischen Arbeitskräften, die mit Werksverträgen quasi überall in allen Bereichen unserer Wirtschaft arbeiten und dadurch eigentlich alle Verbraucher „schuld“ sind – auch Birgit Frank als Vegetarierin (wie sie ja auch zugibt mit „Ich kann nicht alle retten“). Ich will hier keine Beschönigungen („die wollen ganz billig wohnen, damit sie mit möglichst viel Geld wieder heim kommen“), aber auch keine Skandalisierung („die müssen hier arbeiten wie Sklaven“). Einfach ein ausgewogener Bericht. Links gerne in den Kommentaren!

Greenpeace-„Studie“

Nun kommt starker Tobak: Erst wird wieder dieser Schwachsinnspressemitteilung von Greenpeace zitiert, dass 90 % der Fleischwaren in Deutschland Billigfleisch aus Massentierhaltung sind. War es irgendwie verpflichtend, dass diese PM in allen Redaktionen Deutschlands aufgehängt werden musste, oder warum höre und lese ich diesen Satz gefühlt jeden Tag woanders? Greenpeace hat einfach die die Haltungsform-Kennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) mit den 4 Stufen genommen und Stufe 1 und 2 als Fleisch aus Massentierhaltung bezeichnet. Was vollkommener Blödsinn ist. Weil jeder Tierhalter in Stufe 1 ist, wenn er nicht gelabelt ist. Auch ein Biomilchviehhalter, der keine Biomolkerei für seine Biomilch findet wäre Stufe 1, wenn Milch ähnlich gelabelt wäre. Und ich bin auch Stufe 1, weil ich bei keinem Label mitmache. So einfach – eigentlich – nicht aber für deutsche Journalisten?

Dann wird von Thies Marsen behauptet, dass die Schweinepest zum ersten Mal vor 40 Jahren in den USA in der industriellen Schweinehaltung aufgetreten ist. Warum versuchen wir eigentlich seit Jahren die Deutschen zum Thema Afrikanische Schweinepest zu sensibilisieren. Da müsste doch jeder mitbekommen haben, das die Afrikanische Schweinepest in Wildschweinenbeständen in Osteuropa in unsere Richtung zieht und in Osteuropa vor allem Hinterhofschweinehaltungen betroffen sind, große Ställe aufgrund der dort herrschenden Hygiene dagegen eher selten. Auch die Europäische Schweinepest, die es in früheren Jahren oftmals gab, hat sich erst durch die Verfütterung von Speiseresten, meist auf kleinen Höfen, verbreitet.

Bei Ebola und Corona ist dann irgendwie auch die Massentierhaltung schuld, weil Kleinbauern durch Großbetriebe in die Urwälder getrieben werden, wo sie dann Wildtiere essen und dadurch diese Viren entstehen. Ja, so wirds gewesen sein…

„Einfach weniger Fleisch essen…“

Das Fazit ist immer das Gleiche: Weniger Fleisch essen schadet nie und geht ganz einfach und ist auch kein Verzicht, sagt Birgit Frank. Thies Marsen isst ja auch nur noch wenig Fleisch und wenn dann nur „gutes“ Fleisch. Bringt aber auch das Argument, dass Mitmenschen mit wenig Geld sich trotzdem immer noch Fleisch leisten sollten und er darum einer Verteuerung von Fleischprodukten skeptisch gegenüber steht. Dieses Argument gilt aber laut Birgit Frank nicht, weil es ja kein Verzicht ist, wenn man weniger Fleisch ist. Mir ging noch das Argument ab, dass man ja nur noch die Hälfte Fleisch essen kann und dafür doppelt so viel ausgeben kann und dadurch am Ende genauso viel Geld im Säckchen hat, was ja auch so nicht stimmt, weil man ja dann für die anderen Mahlzeiten vegetarische Zutaten kaufen muss, die bestimmt auch nicht günstiger sind, wie Fleisch.

Wodurch wir wieder am Anfang sind beim „Fleischesser“. Ich selber esse auch nicht übermäßig viel Fleisch, merke aber, dass, wenn ich mich zum Beispiel körperlich anstrenge, die Luft nach einem vegetarischen Mittagessen schneller raus ist, wie wenn ich einen Schweinsbraten gegessen habe. Fakt ist, dass immer weniger Menschen sich körperlich anstrengen müssen und darum eine energiereiche Nahrung so nicht mehr notwendig ist. Das wäre für mich der einzige Grund, weniger Fleisch zu essen. Tierschutz- oder Klimaschutzgründe sind für mich dagegen völliger Humbug, weil in Deutschland erzeugtes Fleisch zu 99 % zu höchsten Standards erzeugt wird und da ist es auch egal, ob es sogenanntes Billigfleisch ist, oder Fleisch vom Metzger aus regionaler Erzeugung.

Ferkel im Aufzuchtstall von Gerhard Langreiter

Meine Ferkel landen auch zum größten Teil später mal als „Billigfleisch“ in der Theke. Aber denen gehts genauso gut, wie denen, die mein Mäster direkt bei ihm auf dem Hof schlachtet. Und diese Milchmädchenrechnungen zum Klimakiller Fleisch wurden auch schon so oft widerlegt, dass ich es hier nicht noch ein mal ausbreiten will. Nur so viel: Man braucht für 1 kg Zuwachs beim Schwein ca. 3 kg Getreide und ich ernte 9000 kg von 10000 m2 – also 3000 kg Schweinefleisch vom Hektar. Ganz davon abgesehen, dass ich als kleiner Betrieb alles, was ich anbaue, verfüttere, müsste ein großer Betrieb erstmal schauen, ob er bei seiner Fruchtfolge zum Beispiel mit Kartoffeln oder Gemüse so viel Energie vom Hektar runterbringt, wie ich! Von irgendwelchen exotischen Früchten wie Avocado und deren Klimabilanz reden wir erst mal gar nicht.

Meinungen sind verfestigt

Ich will festhalten, was sich durch alle meine Artikel zu der Thematik zieht. Bestimmte Vorurteile und Meinungen zu Landwirtschaft und Tierhaltung haben sich in der deutschen Gesellschaft so verfestigt, dass es keinen mehr auffällt, wenn man in einem Nebensatz eine dieser Halbwahrheiten verbreitet.

Natürlich sollen wir Landwirte uns immer wieder hinterfragen, ob wir unsere Tiere richtig halten, ob wir unser Produktionsweise verändern sollten. Und ob wir zum Beispiel mit der angedachten Nutztierhaltungsstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums in die Richtung gehen, dass wir bei mehr Tierwohl, dass wir unseren Tieren bieten, Geld aus einer separaten Quelle bekommen, die mit dem „Markt“ nichts zu tun hat. Der Bayerische Bauernverband zum Beispiel hat sich intensiv mit Palmöl und deren Verfütterung in der Tierhaltung beschäftigt (was auch von Thies Marsen erwähnt wird) und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass man lieber auf einheimische, teurere Produkte setzen sollte. Ich möchte hier noch, da es ja in dem Podcast durch das Zitat von Robert Habeck („Tiere werden nur noch als Rohstoff betrachtet“) Thema war, das Buch von Christian Dürnberger „Ethik für die Landwirtschaft“ empfehlen. Wie zitiert Thies Marsen Theodor W. Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen. “ Egal ob Landwirte, Tierrechtler, Grünenpolitiker oder Journalisten, alle können aus diesem Buch etwas mitnehmen. Eine Rezension bzw. Zusammenfassung folgt demnächst!

Fazit:

Es wurde auch im Podcast von Nina Landhofer gesagt: Es ist komplex. Vegetarismus ist nicht unbedingt links, und Biohersteller wie Rapunzel neigen zur Weltverschwörung bei Corona. Leider kommt das bei der Dreierdiskussion zu selten rüber. Denn dann müsste man viel öfters raushören, dass Billigfleisch nichts mit einer Pandemie zu tun hat, sondern dass es zwei völlig verschiedene Themen sind. Wie Lars Fischer auf spektrum.de berichtet, sind Katzen hier um Einiges gefährlicher und es gibt sogar den Verdacht, dass Katzen in einem Altersheim Corona verbreitet haben. Wir in Deutschland haben leider oder zum Glück – das kommt auf das Einkommen und die Sichtweise an – günstige Nahrungsmittel. Dies aber führt nicht dazu, dass Bauern schlecht mit ihren Tieren umgehen. Dieses Fazit fehlt bei „1 Thema – 3 Köpfe“. Es fehlt der Focus auf den gewählten Titel. Stattdessen philosophiert man über Essen, Lebensentwürfe und Konsum. Eigentlich schade, denn ansonsten kann ich den Podcast uneingeschränkt empfehlen und ich werde ihn auch weiter regelmäßig verfolgen, immer mit dem Impuls, mitreden zu wollen. Aber per Blog geht’s ja auch!

Unsere Bayerischen Bauern

Bei diesem Blogbeitrag steht zwar schon in der Überschrift, dass es dieses Mal um Bayern geht, aber ich denke, auch der Rest Deutschlands kann das auf das eigene Bundesland projizieren.

Vor vielen, vielen Jahren gab es eine Organisation namens CMA (Centrale Marketing Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft). Sie hat von jedem Stück Schlachtvieh, Ferkel, jedem Liter Milch, jedem Kubikmeter Holz, jedem Doppelzentner Getreide Geld eingesammelt bei uns Bauern, um im In- und Ausland unsere Erzeugnisse zu bewerben und an den Mann und die Frau zu bringen. Ein Landwirt hat gegen diese Zwangsabgabe geklagt, Recht bekommen, und daraufhin wurde die CMA abgewickelt.

Dann gab es lange nichts und unsere Berufsvertreter trafen sich ein um das andere Mal, um eine Nachfolgeorganisation ins Leben zu rufen. Aber es tat sich nichts. Deutschlandweit war man nicht dazu in der Lage, einen Verein zu gründen, der Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Absatzförderung für uns Bauern macht.

Daraufhin hat man sich in Bayern dazu entschlossen, alleine voranzugehen und den Verein „Unsere Bayerischen Bauern“ zu gründen.

Das Kampagnenmotiv „Schweinebauer“

Alle wichtigen Selbsthilfeorganisationen und einige Firmen im vor- und nachgelagerten Bereich sind hier Mitglied und finanzieren den Verein mit. Sie ziehen von ihren Mitgliedern, wenn diese dem zugestimmt haben, einen bestimmten Betrag je l, dt, kg, Stück usw. ein und geben dieses Geld an „Unsere Bayerischen Bauern“ weiter. Bei mir als Sauenhalter sind es 3 Cent je verkauftem Ferkel . Schweinemäster zahlen 10 Cent je Mastschwein.

Mittlerweile gibt es in Westfalen-Lippe den Verein „Landwirt Schafft Leben, der ein ähnliches Ziel hat. In den anderen Regionen Deutschlands hab ich bis jetzt noch nichts entdeckt, ihr dürft aber gerne in den Kommentaren „Schwestervereine“ verlinken!

Warum schreib ich zu diesem Thema?

Ich habe in Zeiten von Corona als stellv. Kreisobmann des BBV den Entschluss gefasst, Bauern in meinen Landkreis, die keinen Mitgliedsbeitrag an den Bauernverband zahlen, anzurufen und nachzufragen, wo der Schuh drückt und ob man mal wieder mit einer Mitgliedschaft rechnen kann. Diese Anrufe sind sicherlich nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber es waren schon einige gute Telefonate dabei. Was mir aber dabei schon einige Male bitter aufgestoßen ist, waren die Aussagen, dass es zwar den Bauernverband braucht, aber einem selber bringt er nichts und darum zahlt man nicht. Ähnlich ist es mit „Unsere Bayerischen Bauern„. In der Gründungsphase habe ich sehr viel Werbung bei den Bauern draußen gemacht, dass bitte alle mitmachen sollen. Aber auch hier war immer wieder die Aussage: „Was bringt mir das?“ „Das kostet ja nur Geld!“ „Ich zahl eh schon so viel Verbandsbeitrag, davon kann der Bauernverband ja auch diesen Verein finanzieren.“

Jede Menge Aktionen bei „UBB“

Darum ist es immer noch so, dass „Unsere Bayerischen Bauern“ (UBB) zwar für das verfügbare Budget eine super Arbeit macht! Schaut auf die Website, schaut auch die Portraits der Bäuerinnen und Bauern an, die Erklärvideos, die Verbrauchtertouren, die Kochvideos, die Plakataktionen in U-Bahnen und auf Bussen, die Banner draußen für die Höfe und Vieles mehr. Aber es wäre viel mehr möglich, wenn jeder Bauernhof in Bayern einen angemessenen Beitrag leisten würde. Ich zahle lächerliche 120 Euro im Jahr und bin von den Hektar ein Durchschnittsbetrieb. Wenn also alle 100000 Betriebe in Bayern 100 Euro zahlen würden, hätten wir 10 Mio Euro und davon sind wir leider meilenweit entfernt. Wenn wir in diese Dimension vorstoßen würden, könnte mein Wunschzettel endlich Wirklichkeit werden. Ganzjährig Anzeigen in Zeitungen, Werbespots im Radio und Fernsehen, dauerhaft Plakate in den Großstädten Bayerns usw. usw.

Eines der neuen Plakate

Mich nervt es mittlerweile gewaltig, dass man zum Beispiel bei den von mir geführten Telefonaten gesagt bekommt, dass der Bauernverband nichts tut und alles Scheiße ist in der Landwirtschaft. Dass man aber für politische Lobbyarbeit, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit nicht nur guten Willen, sondern auch viel Geld braucht, kapiert von denen leider niemand. Mir hat mal ein Schweinemäster gesagt, er wäre jederzeit bereit dazu, 3000 Euro für gute Werbung für unsere Erzeugnisse zu zahlen, da das Geld mit einem minimal höheren Schweinepreis in nullkommanix wieder auf dem Konto wäre. Diese Einsicht haben aber in meinen Augen zu wenig Berufskollegen und darum ist unsere Situation derzeit so, wie sie ist.

Geld regiert die Welt!

Aber vielleicht hab ich ja mit diesem Artikel die eine oder den anderen für die wichtige Sache Öffentlichkeitsarbeit sensibilisieren können. Bitte tragt es in eure Bauernblase: Jeder Euro, den wir in Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit investieren, ist bald als 2-Euro-Stück wieder in unserem Geldbeutel!

PS: Ich versuche mich grad am Nachkochen der UBB-Kochvideos, Beweise findet ihr auf meinen Instagramkanal!

Der Letzte macht das Licht aus?

Gesendet im Bayerischen Rundfunk im Jahr 2016.

Hast Du/ Haben Sie das Video angesehen?

Ich hab es mittlerweile schon sehr oft gesehen. Vor gut drei Jahren bei Capriccio, einem Kulturmagazin beim Bayerischen Rundfunk gesendet, läuft es seitdem regelmäßig auf den Social Media Kanälen des BR. Zuletzt im Sommerloch auf den Facebookseiten von Unser Land und Capriccio.

Thema „Bauernsterben“ weiter aktuell

Dabei passt es inhaltlich zum Teil nicht mehr, da das Thema Milchpreis derzeit nicht so im Mittelpunkt steht wie zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung. Das Thema „Bauernsterben“ dagegen ist immer noch aktuell. Auch darum wird wahrscheinlich dieser Beitrag immer wieder aus dem Archiv geholt.

Resthöfe sind gefragt

Nur werden hier zwei völlig verschiedene Zustände ineinander verwoben, die so nicht zusammengehören. Höfe, wie der im Film zeigt, stehen leer, weil der Besitzer keine Nachkommen hatte und anscheinend die Erben den Hof noch nicht verkauft haben, obwohl solche Gehöfte sehr gefragt sind bei reichen Städtern.
Wegen dem damals ruinösen Milchpreis enstehen keine solchen Höfe. Zu 99 % schaffen es die Landwirte bis zur Rente, danach wird, wenn kein Hofnachfolger vorhanden ist, die Fläche verpachtet, das Vieh verkauft und das war´s dann.

Bauernhöfe sterben leise

Die Aufgabe landwirtschaftlicher Betriebe, die Mühldorfs Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer beschreibt, sind eben diese andere Seite. Bauern und ihre Höfe sterben leise, heißt es im Film und das stimmt. Meist, so ist es meine Erfahrung, sind Höfe ohne Landwirtschaft nur an den leeren Fahrsilos und dem fehlenden Stalllicht morgens und abends zu erkennen. Die bei uns klassischen Vierseithöfe bleiben weiter bestehen. Oft findet sich nach der Betriebsaufgabe sogar die Zeit, dass man alles wieder sauber herausputzt und so passt mein Bild von Höfesterben nicht zu dem des oben verlinkten Films.

Wehmütiges Erinnern an die alte Zeit

Trotzdem stimmt mich dieser Film traurig. Der Verlust unserer bäuerlichen Gesellschaft. Diese Gemeinschaftsgefühl, dass verloren geht. Meine Kindheits- und auch noch Jugenderinnerungen, wo eine lange Schlange von Traktoren vor dem Lagerhaus stand zum Mineraldünger holen mit kleinen Traktoren und Streuern mit max. 500 kg. Wo lange geratscht (geplaudert) wurde, bis man endlich dran war zum Verladen.
Die Zeiten, in denen meine Nachbarn, die im Nebenerwerb ein paar Kühe hatten, sind nun schon einige Jahrzehnte vorbei, aber auch in den letzten Jahren haben bei mir in der Gemeinde immer wieder ein paar Höfe zu gemacht. Auf den Feldern fahren jetzt nicht mehr die über Jahrzehnte gewohnten Bulldogs, sondern die Maschinen der Pächter. Was der Lauf der Zeit ist, macht mich wehmütig.

Im Gegensatz zu unserer Gesellschaft, die das Bauernhofsterben mit dem Verlust von Biodiversität und dem Phänomen Massentierhaltung und Umweltbelastung durch Landwirtschaft gleichsetzt, sehe ich hier eher Punkte der Ländlichen Entwicklung wie Schlafdörfer und den Verlust bäuerlicher Kultur. Denn dass früher alles besser war, ist halt leider ein Bauernmärchen, dass man sich in Großstädten gerne erzählt.

Mein Hof um das Jahr 1960.

Bauer mit Tradition

Nehmen wir mal mich als Beispiel. Ich habe meinen Stammbaum bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt. Bei allen Linien waren es immer Bauern. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass in meinen Genen nur Bauernblut fließt. Dass dies vielleicht nach mir zu Ende gehen könnte, kann ich mir nicht vorstellen und will ich mir auch gar nicht vorstellen. Aber bei sehr, sehr vielen Höfen in Deutschland war das schon der Fall und es werden noch einige dazu kommen.
Höfe, über Jahrhunderte im Familienbesitz, über Jahrhunderte durchgängig mit Vieh auf dem Hof, wo es auf einmal still wird. Wo zum Arbeiten weggefahren wird und der Hof nur noch zur Freizeitgestaltung dient. Diese „besondere“ Vergangenheit können Menschen außerhalb der Landwirtschaft nicht nachvollziehen. Sie ist aber etwas, was uns Bauern vom Rest der Bevölkerung deutlich unterscheidet!

Gerhard Langreiter, Jahrgang 1981,
Landkreis Mühldorf an Inn

Bin ich zu nostalgisch?

Ist es nicht so, dass es die Freiheit unserer Gesellschaft zulässt, dass wir freie Berufswahl haben und keiner mehr Bauer werden muss, weil es wie früher, entweder keine andere Möglichkeit gab oder die Eltern die „Wahl“ vornahmen?
Dass eben früher auch nicht alles besser war und heutige Betriebsleiter durch ihre moderne Berufsausbildung und der Technisierung viel professioneller, präziser und auch günstiger arbeiten können, als vergangene Generationen und dafür zum Beispiel auf die Pachtflächen der aufgegebenen Betriebe angewiesen sind?

Schizophrenie in der Gesellschaft

Ich weiß nicht – ich halte es immer noch für den falschen Weg. Durch Düngeverordnung, NEC-Richtlinie und vielem mehr werden die Tierbestände weiter sinken. Nur durch die intensive Tierhaltung war es aber bis jetzt in unserer Region möglich, so viele kleine Betriebe zu erhalten. Reduzierung der Tierhaltung hat einen massiven Verlust bäuerlicher Betriebe zur Folge.
Aber die selben Leute, die diesen Film gut finden und die dabei Krokodilstränen vergießen, fordern uns Bauern auf, die Tierzahlen zu reduzieren oder zum Beispiel auf bio umzustellen, wo um einiges mehr Fläche nötig ist, um davon leben zu können.

Meine große Liebe ist die Landwirtschaft

Ich bin nun seit 20 Jahren in diesem Beruf tätig und habe mich in die Landwirtschaft verliebt. Ich liebe meine Arbeit und ich liebe es auch, mich damit zu beschäftigen, neue Projekte zu planen, die Wirtschaftlichkeit von Änderungen im Betrieb zu berechnen und ich liebe es vor allem, über Landwirtschaft zu reden. Wenn aber einer nach dem anderen aufhört, wenn man beim Stammtisch der einzige Bauer ist, mit wem soll man dann seine Liebe teilen?

Hoffnung auf Zukunft

Meine Hoffnung ist noch immer, dass sich noch viel mehr Nischen auftun, in die wir noch aktiven Landwirte stoßen können, sodass es auf den Höfen zwar nicht wie früher ist, aber trotzdem noch Leben darauf zu finden ist. Dazu will ich im Herbst eine Veranstaltung aufziehen und ich hoffe dabei auf viele interessierte Teilnehmer, denn ich will nicht der letzte sein, der das Licht ausmacht.

Investigative Recherche beim BR – Eine Analyse

Vorneweg – Ich bin überzeugter Nutzer des Öffentlichrechtlichen Rundfunks (ÖR) und zahle dafür gerne den Rundfunkbeitrag. Ich nutze hauptsächlich das Radio und seit es Podcasts gibt, laufen alle ARD-Rundfunkanstalten auf meinem Smartphone. Ich schau, wenn ich den Fernseher einschalte nur ÖR.
Mediatheken und Youtube-Kanäle der ÖR sowieso. FUNK zum Beispiel – ich denke, ich bin mit meinen 37 Jahren gerade noch so in der Zielgruppe 😉

Gerhard Langreiter, Bauer aus Bayern

Neben sehr vielen qualitativ hochwertigen Beiträgen findet sich in den Mediatheken leider immer gehäufter viel Fragwürdiges. Wo Recherche für überbewertet gehalten wird. Wo die Message schon vorher feststeht. Wo zweite Meinungen unerwünscht sind.

So geht es mir zum Beispiel mit der Recherche des BR zum Thema Milchviehhaltung in Deutschland. Los ging es im April, als im Schlachthof Stade in Niedersachsen ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz aufgedeckt wurde.

BR recherchiert in Niedersachsen

Was ich mich damals gefragt habe:
Warum fährt ein „Investigatives BR-Recherche-Team“ nach Niedersachsen?
Wäre dort nicht der NDR zuständig? Oder trägt diese Truppe den Namen zu unrecht und sie haben einfach nur bei dem Tierrechtlerverein Soko Tierschutz nachgefragt?
Ganz klar: Gesetzeswidrigkeiten, Tierquälerei muss aufgedeckt und geahndet werden. Aber hier hatte man von Anfang an das Gefühl, dass man sich einfach nur dranhängen will, weil das Thema viele Klicks bringt. Dazu folgen noch einige Beispiele:

Gleich im Nachgang wurde nämlich vom selben Team die nächste Story vom Zaun gebrochen: Qualzucht bei der Milchviehhaltung in Deutschland. Hauptaufhänger: “ Anstatt 15 bis 20 Jahre werden Milchkühe im Durchschnitt heute nur fünf bis sechs Jahre alt.“ Dass, wenn jedes zweite Jahr ein Kuhkalb zur Welt kommt, ältere Kühe verkauft werden müssen, ist anscheinend nicht in Betracht gezogen worden. Warum fragt man nicht einfach mal bei Zuchtverbänden nach? Beim Bauernverband? Immer nur die eine Seite.

Recherche greift zu kurz

Investigative Recherche beim BR – Eine Analyse weiterlesen

Ferkelkastration und die Probleme der kleinen Ferkelerzeuger

Wettbewerbsnachteile für deutsche Ferkelerzeuger

Vor einigen Tagen war ich auf Twitter in eine Diskussion eingebunden. Es ging darum, warum es für uns Ferkelerzeuger ein Problem ist, wenn dänische Kollegen einen Standortvorteil haben, wie in diesem Fall die Möglichkeit der lokalen Betäubung bei der Ferkelkastration.
Ich musste hier die Feststellung machen, dass es anscheinend in der Poltik, in der Landwirtschaft und in der Tierärzteschaft nicht überall bekannt ist, wie in Bayern unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft bisher funktioniert hat.

Die Sicht eines bayrischen Sauenhalters

Selbstablichtung von Gerhard Langreiter im Schweinestall
Selfie im Schweinestall von Gerhard Langreiter

Schon mal vorab:
Das ist meine oberbayerische Sicht der Dinge, aus Sicht eines Sauenhalters, der nicht den allumfassenden Einblick in die Vermarktung hat. Ergänzungen sind erwünscht!

Historische Einordnung

In den 70er und 80er Jahren hat sich so langsam jeder Betrieb auf eine Tierart spezialisiert, oft auch erst in den 90ern oder wie bei mir erst in den 0er Jahren.

Früher oft im Nebenerwerb

Viele Betriebe waren zu klein, um im Vollerwerb zu wirtschaften, darum war es noch bis vor ca. 20 Jahren üblich, dass man in Zuchtsauenbestände mit ca. die 50 Sauen investiert hat. Oftmals hat die Routinearbeiten die Bäuerin erledigt, arbeitswirtschaftlich war und ist es sicherlich praktischer als Milchviehhaltung im Nebenwerb. Ferkelkastration und die Probleme der kleinen Ferkelerzeuger weiterlesen