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Über Gerhard Langreiter

Jahrgang 1981, verheiratet, 2 Kinder, seit 2001 Ferkelerzeugung mit 170 Zuchtsauen und Ferkel bis 30 kg. Ca. 30 ha inkl. Pachtfläche und Wiesen in Bewirtschaftung, 7,5 ha Wald.

Der Letzte macht das Licht aus?

Gesendet im Bayerischen Rundfunk im Jahr 2016.

Hast Du/ Haben Sie das Video angesehen?

Ich hab es mittlerweile schon sehr oft gesehen. Vor gut drei Jahren bei Capriccio, einem Kulturmagazin beim Bayerischen Rundfunk gesendet, läuft es seitdem regelmäßig auf den Social Media Kanälen des BR. Zuletzt im Sommerloch auf den Facebookseiten von Unser Land und Capriccio.

Thema „Bauernsterben“ weiter aktuell

Dabei passt es inhaltlich zum Teil nicht mehr, da das Thema Milchpreis derzeit nicht so im Mittelpunkt steht wie zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung. Das Thema „Bauernsterben“ dagegen ist immer noch aktuell. Auch darum wird wahrscheinlich dieser Beitrag immer wieder aus dem Archiv geholt.

Resthöfe sind gefragt

Nur werden hier zwei völlig verschiedene Zustände ineinander verwoben, die so nicht zusammengehören. Höfe, wie der im Film zeigt, stehen leer, weil der Besitzer keine Nachkommen hatte und anscheinend die Erben den Hof noch nicht verkauft haben, obwohl solche Gehöfte sehr gefragt sind bei reichen Städtern.
Wegen dem damals ruinösen Milchpreis enstehen keine solchen Höfe. Zu 99 % schaffen es die Landwirte bis zur Rente, danach wird, wenn kein Hofnachfolger vorhanden ist, die Fläche verpachtet, das Vieh verkauft und das war´s dann.

Bauernhöfe sterben leise

Die Aufgabe landwirtschaftlicher Betriebe, die Mühldorfs Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer beschreibt, sind eben diese andere Seite. Bauern und ihre Höfe sterben leise, heißt es im Film und das stimmt. Meist, so ist es meine Erfahrung, sind Höfe ohne Landwirtschaft nur an den leeren Fahrsilos und dem fehlenden Stalllicht morgens und abends zu erkennen. Die bei uns klassischen Vierseithöfe bleiben weiter bestehen. Oft findet sich nach der Betriebsaufgabe sogar die Zeit, dass man alles wieder sauber herausputzt und so passt mein Bild von Höfesterben nicht zu dem des oben verlinkten Films.

Wehmütiges Erinnern an die alte Zeit

Trotzdem stimmt mich dieser Film traurig. Der Verlust unserer bäuerlichen Gesellschaft. Diese Gemeinschaftsgefühl, dass verloren geht. Meine Kindheits- und auch noch Jugenderinnerungen, wo eine lange Schlange von Traktoren vor dem Lagerhaus stand zum Mineraldünger holen mit kleinen Traktoren und Streuern mit max. 500 kg. Wo lange geratscht (geplaudert) wurde, bis man endlich dran war zum Verladen.
Die Zeiten, in denen meine Nachbarn, die im Nebenerwerb ein paar Kühe hatten, sind nun schon einige Jahrzehnte vorbei, aber auch in den letzten Jahren haben bei mir in der Gemeinde immer wieder ein paar Höfe zu gemacht. Auf den Feldern fahren jetzt nicht mehr die über Jahrzehnte gewohnten Bulldogs, sondern die Maschinen der Pächter. Was der Lauf der Zeit ist, macht mich wehmütig.

Im Gegensatz zu unserer Gesellschaft, die das Bauernhofsterben mit dem Verlust von Biodiversität und dem Phänomen Massentierhaltung und Umweltbelastung durch Landwirtschaft gleichsetzt, sehe ich hier eher Punkte der Ländlichen Entwicklung wie Schlafdörfer und den Verlust bäuerlicher Kultur. Denn dass früher alles besser war, ist halt leider ein Bauernmärchen, dass man sich in Großstädten gerne erzählt.

Mein Hof um das Jahr 1960.

Bauer mit Tradition

Nehmen wir mal mich als Beispiel. Ich habe meinen Stammbaum bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt. Bei allen Linien waren es immer Bauern. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass in meinen Genen nur Bauernblut fließt. Dass dies vielleicht nach mir zu Ende gehen könnte, kann ich mir nicht vorstellen und will ich mir auch gar nicht vorstellen. Aber bei sehr, sehr vielen Höfen in Deutschland war das schon der Fall und es werden noch einige dazu kommen.
Höfe, über Jahrhunderte im Familienbesitz, über Jahrhunderte durchgängig mit Vieh auf dem Hof, wo es auf einmal still wird. Wo zum Arbeiten weggefahren wird und der Hof nur noch zur Freizeitgestaltung dient. Diese „besondere“ Vergangenheit können Menschen außerhalb der Landwirtschaft nicht nachvollziehen. Sie ist aber etwas, was uns Bauern vom Rest der Bevölkerung deutlich unterscheidet!

Gerhard Langreiter, Jahrgang 1981,
Landkreis Mühldorf an Inn

Bin ich zu nostalgisch?

Ist es nicht so, dass es die Freiheit unserer Gesellschaft zulässt, dass wir freie Berufswahl haben und keiner mehr Bauer werden muss, weil es wie früher, entweder keine andere Möglichkeit gab oder die Eltern die „Wahl“ vornahmen?
Dass eben früher auch nicht alles besser war und heutige Betriebsleiter durch ihre moderne Berufsausbildung und der Technisierung viel professioneller, präziser und auch günstiger arbeiten können, als vergangene Generationen und dafür zum Beispiel auf die Pachtflächen der aufgegebenen Betriebe angewiesen sind?

Schizophrenie in der Gesellschaft

Ich weiß nicht – ich halte es immer noch für den falschen Weg. Durch Düngeverordnung, NEC-Richtlinie und vielem mehr werden die Tierbestände weiter sinken. Nur durch die intensive Tierhaltung war es aber bis jetzt in unserer Region möglich, so viele kleine Betriebe zu erhalten. Reduzierung der Tierhaltung hat einen massiven Verlust bäuerlicher Betriebe zur Folge.
Aber die selben Leute, die diesen Film gut finden und die dabei Krokodilstränen vergießen, fordern uns Bauern auf, die Tierzahlen zu reduzieren oder zum Beispiel auf bio umzustellen, wo um einiges mehr Fläche nötig ist, um davon leben zu können.

Meine große Liebe ist die Landwirtschaft

Ich bin nun seit 20 Jahren in diesem Beruf tätig und habe mich in die Landwirtschaft verliebt. Ich liebe meine Arbeit und ich liebe es auch, mich damit zu beschäftigen, neue Projekte zu planen, die Wirtschaftlichkeit von Änderungen im Betrieb zu berechnen und ich liebe es vor allem, über Landwirtschaft zu reden. Wenn aber einer nach dem anderen aufhört, wenn man beim Stammtisch der einzige Bauer ist, mit wem soll man dann seine Liebe teilen?

Hoffnung auf Zukunft

Meine Hoffnung ist noch immer, dass sich noch viel mehr Nischen auftun, in die wir noch aktiven Landwirte stoßen können, sodass es auf den Höfen zwar nicht wie früher ist, aber trotzdem noch Leben darauf zu finden ist. Dazu will ich im Herbst eine Veranstaltung aufziehen und ich hoffe dabei auf viele interessierte Teilnehmer, denn ich will nicht der letzte sein, der das Licht ausmacht.

Investigative Recherche beim BR – Eine Analyse

Vorneweg – Ich bin überzeugter Nutzer des Öffentlichrechtlichen Rundfunks (ÖR) und zahle dafür gerne den Rundfunkbeitrag. Ich nutze hauptsächlich das Radio und seit es Podcasts gibt, laufen alle ARD-Rundfunkanstalten auf meinem Smartphone. Ich schau, wenn ich den Fernseher einschalte nur ÖR.
Mediatheken und Youtube-Kanäle der ÖR sowieso. FUNK zum Beispiel – ich denke, ich bin mit meinen 37 Jahren gerade noch so in der Zielgruppe 😉

Gerhard Langreiter, Bauer aus Bayern

Neben sehr vielen qualitativ hochwertigen Beiträgen findet sich in den Mediatheken leider immer gehäufter viel Fragwürdiges. Wo Recherche für überbewertet gehalten wird. Wo die Message schon vorher feststeht. Wo zweite Meinungen unerwünscht sind.

So geht es mir zum Beispiel mit der Recherche des BR zum Thema Milchviehhaltung in Deutschland. Los ging es im April, als im Schlachthof Stade in Niedersachsen ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz aufgedeckt wurde.

BR recherchiert in Niedersachsen

Was ich mich damals gefragt habe:
Warum fährt ein „Investigatives BR-Recherche-Team“ nach Niedersachsen?
Wäre dort nicht der NDR zuständig? Oder trägt diese Truppe den Namen zu unrecht und sie haben einfach nur bei dem Tierrechtlerverein Soko Tierschutz nachgefragt?
Ganz klar: Gesetzeswidrigkeiten, Tierquälerei muss aufgedeckt und geahndet werden. Aber hier hatte man von Anfang an das Gefühl, dass man sich einfach nur dranhängen will, weil das Thema viele Klicks bringt. Dazu folgen noch einige Beispiele:

Gleich im Nachgang wurde nämlich vom selben Team die nächste Story vom Zaun gebrochen: Qualzucht bei der Milchviehhaltung in Deutschland. Hauptaufhänger: “ Anstatt 15 bis 20 Jahre werden Milchkühe im Durchschnitt heute nur fünf bis sechs Jahre alt.“ Dass, wenn jedes zweite Jahr ein Kuhkalb zur Welt kommt, ältere Kühe verkauft werden müssen, ist anscheinend nicht in Betracht gezogen worden. Warum fragt man nicht einfach mal bei Zuchtverbänden nach? Beim Bauernverband? Immer nur die eine Seite.

Recherche greift zu kurz

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Ferkelkastration und die Probleme der kleinen Ferkelerzeuger

Wettbewerbsnachteile für deutsche Ferkelerzeuger

Vor einigen Tagen war ich auf Twitter in eine Diskussion eingebunden. Es ging darum, warum es für uns Ferkelerzeuger ein Problem ist, wenn dänische Kollegen einen Standortvorteil haben, wie in diesem Fall die Möglichkeit der lokalen Betäubung bei der Ferkelkastration.
Ich musste hier die Feststellung machen, dass es anscheinend in der Poltik, in der Landwirtschaft und in der Tierärzteschaft nicht überall bekannt ist, wie in Bayern unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft bisher funktioniert hat.

Die Sicht eines bayrischen Sauenhalters

Selbstablichtung von Gerhard Langreiter im Schweinestall
Selfie im Schweinestall von Gerhard Langreiter

Schon mal vorab:
Das ist meine oberbayerische Sicht der Dinge, aus Sicht eines Sauenhalters, der nicht den allumfassenden Einblick in die Vermarktung hat. Ergänzungen sind erwünscht!

Historische Einordnung

In den 70er und 80er Jahren hat sich so langsam jeder Betrieb auf eine Tierart spezialisiert, oft auch erst in den 90ern oder wie bei mir erst in den 0er Jahren.

Früher oft im Nebenerwerb

Viele Betriebe waren zu klein, um im Vollerwerb zu wirtschaften, darum war es noch bis vor ca. 20 Jahren üblich, dass man in Zuchtsauenbestände mit ca. die 50 Sauen investiert hat. Oftmals hat die Routinearbeiten die Bäuerin erledigt, arbeitswirtschaftlich war und ist es sicherlich praktischer als Milchviehhaltung im Nebenwerb. Ferkelkastration und die Probleme der kleinen Ferkelerzeuger weiterlesen