Archiv für den Monat: Februar 2014

Fakten, Fakten, Fakten zum Thema „Genmais“

Der Streit um die EU-Zulassung der gentechnisch veränderten Maissorte „1507“ geht weiter (siehe auch Genmais verhindern?). Die EU-Kommission versucht mit einem Kompromiss die Gemüter in einzelnen Mitgliedsländern zu beruhigen und stellt die Möglichkeit nationaler Alleingänge bei der Zulassung in Aussicht.

Nach 10 Tagen wird die Diskussion immer sachlicher. Hervorheben möchte ich einen Beitrag des Deutschlandfunks vom 19.2.2014 in der Sendung „Umwelt und Verbraucher“ von Angelika Gördes-Giesen, der erfreulicherweise das für und wider der Gentechnik ausgewogen sachlich beschreibt.

Giftig oder nützlich? Umstrittener Genmais in Deutschland sorgt für Diskussionen“ aus UMWELT UND VERBRAUCHER von Deutschlandfunk

Das Thema grüne Gentechnik ist also noch immer in der aktuellen Diskussion und dabei werden immer stärker auch die Fakten berücksichtigt, die nach der anfänglichen öffentlichen Erregung auch auf fruchtbaren Boden fallen können. Dieses Zeitfenster möchte ich nun nutzen, um wissenschaftlich nachgewiesene und untermauerte Fakten zu liefern:

  • Zur Zeit sind 28 verschiedene Insektizid-Präparate bzw. 12 verschiedene Wirkstoffe in Deutschland für den Einsatz im Mais zugelassen.
Übersicht der im Mais zugelassenen Insektizide
Übersicht der im Mais zugelassenen Insektizide

Interessanterweise ist auch das Bacillus thuringiensis (Bt) zugelassen.

Durch Bacillus thuringiensis tenebrionis getötete Kartoffelkäferlarve (1 Tag nach der Anwendung), Foto: JKI entnommen von http://www.oekolandbau.de/
Durch Bacillus thuringiensis tenebrionis getötete Kartoffelkäferlarve (1 Tag nach der Anwendung), Foto: JKI
entnommen von http://www.oekolandbau.de/

Dieser Wirkstoff wird in der Maissorte „1507“ produziert und bekämpft so die Schädlinge Maiswurzelbohrer und Zünsler. Aus diesem Grund wird dieser gentechnisch veränderte Mais auch Bt-Mais genannt. Dieses Bacillus wird vorwiegend im Ökolandbau angewendet– und das seit über 40 Jahren.

Auf den Seiten des Internetportals Oekolandbau.de wird auch auf die Broschüre „Grundlagen und Einsatz im biologischen und integrierten Pflanzenschutz“ von Dr. agr. Renate Kaiser-Alexnat verwiesen. Hier wird deutlich, dass Bt in der Umwelt allgegenwärtig ist und seit Jahrzehnten erfolgreich angewendet wird. Langzeitfolgenabschätzungen sind dort kein Thema!

  • Bt-Mais wird nicht nur in den Vereinigten Staat angebaut. Innnerhalb der EU wird in Spanien seit 1998 vermehrt Bt-Mais angebaut. Die Wissenschaftler Demont und Tolles der belgischen Universität Leuven begleiteten die Bt-Mais-Einführung in Spanien über 6 Jahre. In der Schlussfolgerung dieser Studie wird der Nutzen für Anbauer auf über 10 Mio. Euro beziffert. Allerdings war der Anbau von Bt-Mais in Spanien zunächst auf 25000 Hektar begrenzt. Heute wird auf ca. 150000 Hektar Bt-Mais angebaut und der ökonomische Vorteil wird heute sicherlich deutlich höher liegen.
  • Bt-Mais hat nicht nur einen finanziellen Vorteil für die Landwirte, auch ökologisch lässt sich ein Nutzen ableiten.
    Meissle und Lang (2005) beschreiben Untersuchungen zu den ökologischen Auswirkungen von Bt-Mais im Vergleich zur Insektizidanwendung zur Bekämpfung des Maiszünslers. Die Feldversuche liefen im Jahr 2001 in Bayern und wurden nicht von Anti-Gentechnik-Aktivisten zerstört. Untersucht wurde das Auftreten von 29 verschiedenen Spinnenarten im Maisfeld und welchen Einfluss die verschiedenen Varianten auf die Spinnenpopulationen haben. Ergebnis: Der konventionelle Insektizid-Einsatz hat einen deutlich höheren (negativen) Einfluss auf das Auftreten von Spinnen als der Bt Mais. Bt Mais schont also nachweislich die Spinnenpopulation in einem Maisbestand und fördert somit die Biodiversität verglichen zum Insektizid-Einsatz. Eine Großzahl an weiteren Versuchen von Studien aus Deutschland und der Welt in denen andere „Nichtzielorganismen“ untersucht wurden, zeigen sehr ähnliche Ergebnisse.
  • Ein weiterer Vorteil von Bt-Mais ist die Minderung von Mykotoxinbelastungen. Mykotoxine sind zum Teil hochgiftige und krebserregende Stoffe, die von Pilzen gebildet werden. Mit Mykotoxinen belastetes Getreide bzw. Mais ist also ein (Gesundheits-)Problem, das übrigens immer mal wieder in Deutschland auftritt und skandalisiert wird. Im Jahr 2010 veröffentlichten Ostry et al. eine Arbeit, in der 23 Studien zur Mykotoxinwirkung von Bt-Mais untersucht wurdenDie generelle Schlussfolgerung ist, dass Bt Mais ein wichtiges Werkzeug ist, um das Problem der Mykotoxinbelastung sowohl in Europa als auch in anderen Ländern zu kontrollieren. Vor allem in den Ländern, in denen Mais ein Grundnahrungsmittel ist, wie zum Beispiel Mittelamerika und Zentralafrika, wird der gesundheitliche Nutzen von Bt-Mais erheblich sein.
  • Eine gute Zusammenfassung vieler Untersuchungen und Studien liefert Shelton et al. aus dem Jahr 2002. In diesem Artikel geht es um ökonomische, ökologische und soziale Auswirkungen und um die Nahrungsmittelsicherheit vor dem Hintergrund der weltweiten Anwendung von Bt Pflanzen. Die Autoren kommen zum Schluss zu folgender Aussage: „Die bisher entwickelten gentechnisch veränderten Pflanzen, die in der Lage sind Bt Proteine zu bilden, sind sicherer und stiften einen höheren Nutzen als die konventionell eingesetzten Insektizide insbesondere auch vor dem Hintergrund des Einflusses auf Nichtzielorganismen„.

Um all die Quellen zu lesen und zu begreifen benötigt man sicherlich mehr als nur eine Stunde. Am Ende dieses Artikel zeigt es sich wieder, dass man mit einer Schlagzeile viele Ängste hervorrufen kann, es aber ein Vielfaches an Zeit und Text braucht, diese Ängste wieder zu nehmen. Ich hoffe, dass ich hier einen kleinen Beitrag dazu leisten konnte.

#Güllestorm

von agrarblogger.de
von agrarblogger.de

Ich kannte bisher einen Shitstorm (–> z.B. Wiesenhof) oder einen Candystorm (z.B. für die  ehemalige Frontfrau der B90/Grünen Claudia Roth), aber spätestes ab jetzt gibt es auch den #Güllestorm.
Diesen Begriff hat die Redaktion der Wissenschaftssendung Quarks&Co (WDR) geprägt, nachdem eine Fülle von Protestmeldungen vor allem aus der Landwirtschaft als Reaktion eines vorab veröffentlichen Videos auf die Mitarbeiter des WDR einprasselte.

Auf der Seite Agrarblogger.de wird dieser Güllestorm, aber auch die Richtigstellung eindrucksvoll beschrieben. Kurzum: Das vorab veröffentliche Video „Wirtschaftssimulator: Das Rind“ lässt jeden wissenschaftlichen Ansatz vermissen und ist das Produkt einer öko-veganen Ideologie.

Dieses unausgewogene Video rief viele Proteste hervor.

Die Bauern und die Freunde der bauern und die Funktionäre
Die Bauern und die Freunde der Bauern und die Funktionäre

Quarks & Co. ging anfangs von „ein paar Bauern, Freunde von Bauern, Freunde von Freunden von Bauern und Bauernfunktionären “ aus.  Vielleicht denken sie noch immer so, aber ein wenig Wirkung haben die Argumente dann doch gezeigt. Die Proteste und vor allem die Argumente und Fakten zeigten Wirkung, denn das Vorab-Video wurde leicht geändert. Ganz genau lässt sich das wiederum auf Agrarblogger.de nachvollziehen, deren Blogger von Anfang an bei diesem Thema am Ball waren!

Ich frage mich, was bleibt nach dieser Sendung, die gestern Abend ausgestrahlt wurde, hängen?

1. Quarks & Co würde ich nicht mehr als wissenschaftlich bezeichnen. Diese Sendung ist anscheinend irgendwo im Infotainment-Sektor beheimatet und wird sich wohl eher mit Sendungen des Zeitgeists wie „Galileo“ messen wollen. Was für mich eigentlich kein Problem sein sollte, wenn Quarks & Co nicht selber einen hohen wissenschaftlichen Standard proklamieren würde. Die Sendung von Quarks & Co „Pfusch in der Wissenschaft“ sollte jedem nach der gestrigen Sendung nachdenklich machen…

2. Um die im Kontext falschen Informationen wieder auszubügeln, bedarf es für jeden Fernsehzuschauer ein Vielfaches an Zeit, die erzeugten (Vor-)Urteile zu widerlegen. Das Image der (deutschen) Landwirtschaft dürfte weiter gelitten haben.

3. Diskussionen während eines Shitstorms bzw. Güllestorms arten gewöhnlich aus. Mit Fakten kann man nicht bzw. kaum gewinnen.

4. Gowin´s Law gilt! In diesem Fall wurden in der „Diskussion“ bzw. bei den „Kommentaren“ sogar nicht nur Nazi-Vergleiche gezogen, auch so abstruse Vorwürfe wie Sodomie und Ökoterror sind hier gefallen. Anonymität killt wohl auch die Netiquette, leider.

Weiterführende Informationen:

 

Lesenswert: „Glaubenskrieg um Gentechnik endete mit vorläufigem Sieg der Reaktion“

Nachdem ich gestern einen Artikel zur möglichen Zulassung einer gentechnisch veränderten Maisssorte veröffentlichte, reagierten doch viele meiner Bekannten irritiert und fragten sich, warum ich kein strikter Gegner der Gentechnik bin.
Für diese und für alle, die an sachlichen Informationen zur grünen Gentechnik interessiert sind, möchte ich folgendes Interview empfehlen:

Interview von Heinz Wernitznig mit Prof. Erwin Heberle-Bors für eu-infothek.com

Prof. Erwin Heberle-Bors, Experte für Pflanzengenetik an der Universität Wien Bild: Uni Wien
Prof. Erwin Heberle-Bors, Experte für Pflanzengenetik an der Universität Wien
Bild: Uni Wien

Während die Gentechnik in der Medizin weitgehend anerkannt ist, wollen hierzulande sowohl Bauern als auch Konsumenten von gentechnisch veränderten Lebensmitteln nichts wissen. Im Gespräch mit der EU-Infothek geht Prof. Erwin Heberle-Bors, Experte für Pflanzengenetik an der Universität Wien, auf die Gründe für die massive Ablehnung ein.

In Europa und speziell in Österreich stehen Konsumenten und Bauern gentechnisch veränderten Pflanzen (GVO) im Gegensatz zu den USA ablehnend gegenüber, obwohl es keine wissenschaftlichen Untersuchungen gibt, die Nachteile für Umwelt und Gesundheit belegen. Wo sehen Sie die Ursachen für das schlechte Image von GVO?

Der Rektor einer österreichischen Universität unterbrach mich einmal, als ich mit einer langatmigen Antwort auf diese Frage beginnen wollte, mit der Behauptung, das Thema GVO-Pflanzen sei in Österreich eine Art Freiwild, das zum Abschuss frei gegeben worden sei. Da ist was dran. Gegen GVOs zu sein, gehört inzwischen sozusagen zur DNA der Österreicher. Davon abgesehen habe ich erfahren, dass um das Thema ein Glaubenskrieg geführt wurde, der in österreichischer Tradition mit dem – vorläufigen – Sieg der Reaktion endete. Die einfachste Erklärung ist, dass die Österreicher glauben, sie bräuchten die Gentechnik nicht. Die zweiteinfachste Erklärung ist, dass die Österreicher glauben, was die Kronenzeitung schreibt und andere Zeitungen nachbeten. Eine ökonomische Erklärung ist, dass österreichische Nahrungsmittelkonzerne das Bio-Label entdeckt haben und unter diesem Deckmantel ihre nicht ganz so naturbelassenen Nahrungsmittel an Mann, Frau und Kinder bringen. Mir dreht sich umgekehrt jedes Mal der Magen um, wenn ich auf einem Milchpackerl lesen muss, dass die Milch gentechnikfrei sei. Eine soziologische Erklärung ist, dass GVO-Pflanzen als fremd gelten und dies bei der weit verbreiteten Fremdenfeindlichkeit auf fruchtbaren Boden fällt. Hinzu kommen Vorstellungen und Ängste dahingehend, dass wir Gentechniker Gott spielen, dass Österreich autark sein muss, und dass das Land durch die Globalisierung, sprich Saatgutkonzerne, überrollt wird. Rational ist das alles nicht.

Weiter lesen? –> http://www.eu-infothek.com/article/heberle-bors-glaubenskrieg-um-gentechnik-endete-mit-vorlaeufigem-sieg-der-reaktion

Genmais verhindern?

Kampagne gegen 1507: Auch bei der "Wir haben es satt"-Demonstration während der Grünen Woche ging es gegen den 1507-Mais. Anfang Februar sammelte das Aktionsbündnis Campact 180.000 Unterschriften gegen die Zulassungen. (Foto: Jakob Huber/Campact CC BY-NC 4.0)
Kampagne gegen 1507: Auch bei der „Wir haben es satt“-Demonstration während der Grünen Woche ging es gegen den 1507-Mais. Anfang Februar sammelte das Aktionsbündnis Campact 180.000 Unterschriften gegen die Zulassungen. (Foto: Jakob Huber/Campact CC BY-NC 4.0) via transgen.de

Die EU-Zulassung von Genmais „1507“ verhindern möchte Umweltschutzorganisation BUND. Die Begründung ist nicht unbedingt sachlich formuliert:

„Er produziert in jedem Teil der Pflanze permanent große Mengen eines Insektengifts, er widersteht dem Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat, das hochgradig toxisch ist – und er soll demnächst auf Europas Feldern wachsen.“

Die „permanet großen Mengen“ kann man sicherlich bei der Risikobewertung relativieren. Und auch das giftige Glufosinat (das nebenbei laut Gefahrstoffkennzeichnung giftig (T) und nicht hoch-giftig (T+) ist, nicht mit dem Wirkstoff Glyphosat verwechselt werden sollte und das viele Landwirte unter dem Handelsnamen Basta kennen) wird bestimmt schon 20 Jahre im Ackerbau eingesetzt. Die Zulassung läuft noch ein paar Jahre, von daher gehe ich davon aus, dass bei ordnungsgemäßer Anwendung auch keine Risiken bezüglich Gesundheit und Umweltschäden bestehen dürften. Aber das soll nicht mein Thema sein.  Auch, dass in allen Lebensmittel unendlich viele Gene enthalten sind und die Bezeichnung Genmais irgendwie irreführend ist, nicht. Nein!

Heute ist es soweit. Da wird in Brüssel endgültig entschieden, ob die oben angesprochene Sorte eine Anbaugenehmigung erhalten soll. Die Mitgliedsstaaten der EU entscheiden, eine qualifizierte Mehrheit reicht aus. Dann wird es in den Medien jede Menge Artikel und Berichte geben, als ob das bisher glücklich Gentechnik-freie Deutschland nun von der bösen Gentechnik überrollt würde. Dabei ist sie ja hier längst angekommen, aber offenbar hat davon bisher kaum jemand etwas gemerkt. Hier eine Auflistung der als Lebensmittel zugelassenen gentechnisch veränderten Pflanzen. Es sind bereits über 50.
Die Liste der Lebensmittel, die mit Hilfe der Gentechnik hergestellt werden ist ungleich länger. Kaum ein Bier kommt ohne gentechnisch-veränderter Bierhefe aus. Auch in der Medizin und bei Arzneimitteln spielt die Gentechnik eine immer dominierender werdende Rolle. An diesen Stellen stört die Gentechnik anscheinend nicht, hier scheint der Nutzen wohl sehr deutlich zu sein und Risiken drängen in den Hintergrund.

Tja, und kann die grüne Gentechnik -die Gentechnik in der Pflanzenzüchtung- uns (dem Bauern, den Verarbeitern und den Verbrauchern) nutzen?

Ich finde, da könnte es wirklich Wohl bringende Züchtungen geben. Sicher weiß ich es nicht, aber ich meine, dass zumindest die Forschung daran nicht verteufelt werden sollte. Man sollte nüchtern nach Faktenlage und wissenschaftlichen Erkenntnissen entscheiden. Das ist aber anscheinend in Deutschland nicht möglich. Da gibt es den ersten Aufschrei bereits dann, wenn man nur das Wort „Gentechnik“ in den Mund nimmt.

Übrigens ist der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in vielen Teilen der Welt bereits viele Jahre weit verbreitet. Nicht umsonst lässt die EU über 50 verschiedene Sorten (s. Liste oben) von außen importieren. Gründe des Verbraucherschutzes stehen dem Verzehr anscheinend nicht entgegen- mir sind jedenfalls keine Krankheitsfälle oder gar Todesfälle in den USA bekannt, die mit Gentech-Food in Verbindung stehen, und auch eine Reisewarnung in die USA oder Südamerika ist bisher nicht ausgesprochen worden.

Aber eines steht auch fest. Das Thema grüne Gentechnik ist extrem emotional aufgeladen. Es wird hier seitens vieler Umweltorganisationen verbittert gekämpft, leider zu wenig auf Argumentationsbasis und zu viel über Emotionen und Angstmacherei.

Eine Fülle von sachlichen Informationen zum Thema Gentechnik befindet sich auf den Seiten von transgen.de.