Archiv der Kategorie: Meinung

Vertrauen zu gewinnen dauert Jahre, es zu verlieren Sekunden.

Blick nach vorne richten

Nach der Verschärfung der Düngeverordnung

Appell an meinen Berufsstand

Die Enttäuschung nach der Entscheidung des Bundesrates, der die Verschärfung der Düngeverordnung quasi durchgewunken hat, ist unter vielen Bauern riesig. Die Aussichten, dass die Zustimmung hätte verweigert werden können, waren äußerst gering. Dennoch ist die Empörung besonders unter den Bauern, die in den letzten 6 Monaten mit den imposanten Treckerdemos eine andere Entscheidung erzwingen wollten, wirklich groß. Es gibt Listen mit Sammelaustritten aus Parteien, Überlegungen zu Blockadeaktionen, Lieferstops und Sabotagen werden in WhatsApp-Gruppen freudig geteilt.

Verschärfung der Düngeverordnung ist fachlich falsch

Alle, die sich tiefer in die komplizierte Materie des Düngerechts eingearbeitet haben, wissen, dass dass die weitere Verschäfung fachlich nicht zu begründen ist.
Und dennoch: Die Umsetzung muss noch in den Details gestaltet und umgesetzt werden. Hier würde ich mir wünschen, dass die Politik eine hoffnungsvolle Perspektive aufzeigt, wie wir zumindest mittelfristig wieder zu praktikablen Düngerichtlinien kommen können. Alleine auf die angekündigten und in Vorbereitung stehenden Klagen möchte ich mich ungern verlassen- zumal hier auch keine schnelle Entscheidung zu erwarten ist.

Blick nach vorn und neuen Mut fassen

Die Stimmung ist auf vielen Höfen wirklich schlecht! Die Bauern müssen wieder Mut finden.
Was dabei gar nicht hilft, ist ein Verhalten wie ein Rumpelstielzchen, Rachegefühle oder der Rückzug in die Schmollecke. Auch das Wiederholen und Teilen von rechten Parolen sorgt nicht dafür, dass der Berufsstand positiver von der Bevölkerung wahrgenommen wird.

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Klartext zu „Land schafft Verbindung“ (LsV)

Zu Beginn meines Statements möchte ich zunächst betonen, dass ich die großen Treckerdemos für einen riesigen Erfolg halte!
Große Teile der Öffentlichkeit in Deutschland haben mitbekommen, dass viele Bauern unzufrieden sind und große Zukunftssorgen haben.
Dabei war und ist der riesige Zusammenhalt im Berufsstand bemerkenswert gut!
Wenn ich nun Kritik äußere, möchte ich nicht die LsV-Bewegung spalten oder ähnliches.

Logo von LandschafftVerbindung (LsV) mit einem Herz, geformt aus Traktoren


Ich möchte, dass die Anliegen der Bauern besser medial transportiert werden!

Der Aufwand der Bauern, die in den letzten Monaten oft vielfach mit ihren Traktoren losgefahren sind und demonstriert haben, war zeitlich und auch finanziell verdammt groß! Und ja- auch die Aufmerksamkeit war nach Bonn und Berlin wirklich groß. Es gab Gesprächsrunden im Kanzleramt und die Regierung hat nicht unerhelblich Geld locker gemacht.
Die Frage ist, ob dieser riesige Aufwand so weiter aufrecht gehalten werden kann und ob sich die Treckerdemos nicht vielleicht auch abnutzen? Ich glaube ja.
Nun haben wir bisher mit großem Aufwand eine große Wirkung erzielt. Gut. Für die Zukunft sollte die große Wirkung am besten noch größer werden und der Aufwand geringer.
Das ist leichter getippt als getan- klar. Vielleicht lohnt hier ein Blick zu Greenpeace, die mit ihren Kampagnen mit sehr geringem Einsatz eine riesige Wirkung erzielen… Mein Motto ist ja „Von Greenpeace lernen heißt SIEGEN lernen!“


Nun gut. Komme ich zurück zu meinem Wunsch, dass die Anliegen der Bauern und auch die Protestbewegung LandschafftVerbindung besser in den Medien Niederklang finden.

Dazu stelle ich 5 Thesen auf:

Klartext zu „Land schafft Verbindung“ (LsV) weiterlesen
Carina Konrad: "Phrasendreschen hilft bei #nitrat nicht mehr weiter. Wer die Verursacher nicht kennt, kann auch keine vernünftigen Maßnahmen ergreifen."

Kein Vertrauen ins Nitratmessnetz

Verschärfung der Düngeverordnung gehört „auf Eis“ gelegt

Viele, die die aktuellen Diskussionen um die Bauernproteste verfolgen, haben bestimmt auch schon die folgenden Videos gesehen. Für alle, die diese Videos von Alexander Neumann von der QDR e.V. (Qualitätsgemeinschaft für nachhaltige Düngung und Ressourcenschutz) noch nicht vollständig gesehen haben, empfehle ich, eine Stunde lohnend zu investieren.

Wem das erste Video nicht überzeugen konnte, der sollte sich unbedingt den zweiten Teil anschauen, den man wiederum besser verstehen kann, wenn man die Fakten und Historie aus Teil eins kennt:

Videos für mich inhaltlich nachvollziehbar

Ich habe ja hier im Blog schon des öfteren über das Thema Nitrat im Grundwasser berichtet. Und ich habe auch immer schon große Fragezeichen gehabt bei den Schlussfolgerungen der Politik und vieler NGOs zur Situation unseres Grundwassers. Aussagen wie „immer weiter steigende Nitratwerte“ oder „Niedersachsen ersäuft in Gülle“ habe ich hoffentlich nachvollziehbar widerlegt. Auch die fehlende Repräsentativität der Belastungsmessnetzes, das lange von Deutschland nach Brüssel zur EU gemeldet wurde, habe ich bemängelt.
Doch zwischenzeitlich hat die Bundesregierung nachgebessert und die Zahl der gemeldeten Messstellen vervierfacht. Und ist dabei zum Schluss gekommen, dass die Vervierfachung an der grundsätzlichen Einschätzung der Grundwasserkörper in Deutschland nichts ändert.

Mit diesen Videos werden meine Zweifel bestätigt, die bisher nicht vollständig ausgeräumt wurden!

Doch so richtig weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll bzw. welche Folgerungen die Bundesregierung aus den Erkenntnissen der obigen Videos (auch wenn dort nur die Situation in Rheinland-Pfalz aufgearbeitet wird) ziehen sollte. Denn wenn ich mit Vertretern aus dem Landwirtschaftsministerium rede, wird mir versichert, dass das alles schon seine Richtigkeit habe und dass die Zeit unheimlich dränge und andernfalls hohe Strafzahlungen drohen würden. Da werden auch schon mal die Worte „Quatsch“ und „Schwachsinn“ verwendet, wenn ich auf diese beiden Videos und die Schriften von Georg Keckl verweise.
Immer wieder wird in diesen Gesprächen auf die Untätigkeit in der Vergangenheit verwiesen, die dafür sorgt, dass heute der Handlungsdruck umso größer ist. Aber mit dieser Feststellung, die ja richtig sein mag, kann man doch nicht ungerichtete und falsche Verordnungen begründen!

Länder überprüfen Messstellen

Der Ärger der Landwirte über die weitere Verschärfung der Düngeverordnung jedenfalls ist riesen groß und sicher eine wichtige Antriebsfeder für die Bauernproteste der letzten Wochen.
Um den wütenden Landwirten zumindest etwas entgegen zu kommen, haben viele Bundesländer eine Überprüfung der Messstellen angeordnet. In Nordrhein-Westfalen gibt es ein erstes Ergebnis und das ist fatal: Denn hier sind zwei-drittel der Messstellen mangelhaft! (siehe SUS-online)

https://twitter.com/BlogAgrar/status/1222209758226272256

Rote Gebiete willkürlich und intrasparent?

Die Ausweisung der „roten Gebiete„, das Zustandekommen der Verschärfung der Düngeverordnung in den Jahren 2017 und 2019 sind für mich schwer nachvollziehbar und intransparent.
Sollten drastische Verschärfungen, wie eine Unterdüngung von 20% tatsächlich nötig und auch wirksam sein, um das Grundwasser vor Nitrateinträgen (die ja kein Landwirt möchte) zu schützen, dann bin ich dafür und akzeptiere diesen erheblichen Eingriff, der für meinen Hof große finanzielle Auswirkungen bedeuten würde.
Allerdings habe ich erhebliche Zweifel daran und würde eine solche Maßnahme nur als Bestrafung durch die Politik betrachten.

Forderungen an die Bundesregierung: vernünftig erklären oder „auf Eis setzen“

  • Falls die Bundesregierung Recht hat, muss sie es den Bauern so erklären, dass es auch jeder versteht!
  • Andernfalls gehören alle Maßnahmen zur Verschärfung der Düngeverordnung „auf Eis gesetzt“!

Geschieht dieses nicht, so dürfte der Vertrauensverlust in das Regierungshandeln immens sein und lange Jahre nachwirken.

Grafik zur Diskussion "Bio-Bäuerin gegen Massentierhalter"

Bio-Bäuerin vs. Massentierhalter

Ist Bio nur Luxus für Reiche? | DISKUTHEK

Das Thema Landwirtschaft ist zur Zeit in aller Munde. Es wird gerade auch zur grünen Woche sehr viel um die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert. Welcher Weg ist der richtige? Ist „alles bio“ auch wirklich gut?

Ich jedenfalls schäme mich nicht, einen modernen, konventionellen Familienbetrieb zu führen und scheue mich auch nicht, in öffentlichen Diskussionen für meine Positionen zu werben.

Diskussion in der DISKUTHEK

Schriftzug von Diskuthek

Das junge YouTube-Format des Stern, die DISKUTHEK, ist eine Talkshow, die ausschließlich für das Internet produziert wird. Hier diskutierten zu unterschiedlichsten Themen bereits Kevin Kühnert, Philipp Amthor, Gegor Gysi und Luisa Neubauer.

Anschauen und bitte Feedback geben

Bei der aktuellsten Folge durfte ich mit der Bio-Bäuerin Gisela Sengl debattieren. Nehmt Euch bitte die 30 Minuten Zeit und schaut die Folge in Ruhe an. Ich bin sehr gespannt auf Euer Feedback, gern auch hier als Kommentar!

Rückblende

Vor drei Jahren habe ich bereits ein ähnliches Streitgespräch geführt. Damals auf der grünen Woche mit Jochen Fritz, der zu der Zeit noch Kampagnenleiter der „Wir haben es satt“-Demo war.
https://www.morgenpost.de/berlin/article209409039/Bio-oder-kein-Bio-Wer-hat-die-besseren-Rinder-im-Stall.html

Liebe Landwirtinnen und Landwirte, könnten Sie erklären, warum es offenbar inzwischen zwei Bauernorganisationen mit dem Namen "Land schafft Verbindung" gibt? Und vor allem: Was unterscheidet die beiden? Gibt es unterschiedliche Forderungen? Vielen Dank, schönen Sonntag!

Meine Einordnung von Land schafft Verbindung (LsV)

Die Journalistin Oda Lambrecht (NDR) fragte vor wenigen Tagen die Landwirte auf Twitter, warum zwei Bauernorganisationen namens „Land schafft Verbindung“ existieren würden.

Liebe Landwirtinnen und Landwirte, könnten Sie erklären, warum es offenbar inzwischen zwei Bauernorganisationen mit dem Namen "Land schafft Verbindung" gibt? Und vor allem: Was unterscheidet die beiden? Gibt es unterschiedliche Forderungen? Vielen Dank, schönen Sonntag!

Ich habe daraufhin mit meiner Einschätzung und Einordnung geantwortet. Das habe ich in einem kleinen Thread gemacht, weil das unmöglich in einem einzigen Tweet zu erklären ist. Diesen Thread veröffentliche ich hier im Blog aus aktuellem Anlass, denn die grüne Woche startet am Wochenende und parallel dazu fährt LsV wieder mit Traktoren in die Städte und setzt auch auf direktem Dialog mit der Bevölkerung.

soweit ich das mitbekommen habe, möchte eine LsV völlig unabhängig von Verbänden agieren und die andere steht Kooperationen und gegenseitige Hilfe offen gegenüber. Von außen betrachtet hat deshalb die "LsV Deutschland" in meinen Augen eine höhere Relevanz. (Thread)

Mein kleiner Twitter-Thread hier in Textform:

Soweit ich das mitbekommen habe, möchte eine LsV völlig unabhängig von Verbänden agieren und die andere steht Kooperationen und gegenseitige Hilfe offen gegenüber. Von außen betrachtet hat deshalb die „LsV Deutschland“ in meinen Augen eine höhere Relevanz.

Dagegen scheint „LsV original“ eher eine Fundamentalopposition zu sein. Das ist für mich einfach zu destruktiv und Null komma Null lösungsorientiert. Insgesamt schafft es LsV (und dann nenne ich beide, weil ich es selber nicht 100%ig auseinander halten kann) aber, die Protestbereitschaft hoch zu halten.

Das gelingt auch schon mal über polemisierende und radikalere Wortwahl in den Videobotschaften, die vorwiegend per WhatsApp geteilt werden. Da habe ich auch schon mal Bauchschmerzen, allerdings sind dann die großen Demos selber wirklich gesittet und geordnet verlaufen. Da sind sich offensichtlich alle Bauern bewusst, dass sie in der Öffentlichkeit stehen und ein anderes Verhalten kontraproduktiv wäre.

Was ich kritisch sehe: Viele NGOs wie AbL, Nabu, BUND, Greenpeace deuten die Bauernproteste für ihre Zwecke um. Ich finde das sehr perfide, weil die allermeisten Bauerndemonstranten NICHT deren Positionen teilen. Sie empfinden übrigens auch die @WirHabenEsSatt2 als Bauernbashing. Und noch kritischer sehe ich es, wenn Medienvertreter dieses Spiel willfährig mitspielen.

Was ich insgesamt an LsV noch wirklich gut finde: Diese Organisationen sorgen dafür, dass ganz viele Bäuerinnen und Bauern nun den Mut haben, sich in der Öffentlichkeitsarbeit einzusetzen. Am Ende muss die Politik einlenken und die Sorgen der Bauern ernst nehmen. Geschieht das nicht, dann sehe ich tatsächlich eine große Enttäuschung, die auch in eine Radikalisierung münden kann.

Die Bildung eines Arbeitskreises ist hier sicher nicht genug. Pauschalverurteilungen, Ideologie und Symbolpolitik müssen ein Ende haben!

(Thread Ende)


Meine Antwort kann hier im Blog ohne das Tracking von Twitter gelesen werden. Wem das nichts ausmacht, der kann gerne auch direkt bei dem Kurznachrichtendienst lesen, indem die Screenshots in diesem Beitrag angeklickt werden. Dort sind auch noch weitere Kommentare zu lesen.

#Bauernprotest

Fünf lange Treckerreihen aus Vogelperspektive

Wenn Politik existenzbedrohend wird: Was das Agrarpaket für Landwirte bedeutet

Der 34 Jahre alte Landwirt Jost M. Fakt aus dem Dorf tuz im Landkreis Faktenfinder* (Anmerkung 1 Textende) hat in diesen Wochen mit seinem Schlepper viele Kilometer abseits der Heimat absolviert: Gemeinsam mit Tausenden Kollegen zeigte er u.a. in Hamburg und Berlin Flagge gegen Agrarpaket, Bauern-Bashing und Mercosur, für die Zukunft seines eigenen Bauernhofes und die Betriebe seiner Kollegen. Kurz: Aus dem Landwirt ist ein Reisender geworden wider ein agrarpolitisches Absurdistan.

Ich habe ihn gefragt, was ihn antreibt. Herausgekommen ist ein Interview über einen Bauern, der in Generationen denkt: Er möchte seinen Hof für nachfolgende Generationen erhalten. Das Agrarpaket könnte ihm und seinem Betrieb allerdings einen dicken Strich durch die Rechnung machen.

Eckdaten:

Jost M. Fakt hat eine landwirtschaftliche Ausbildung sowie eine Fachschule für Agrarwirtschaft durchlaufen und ist Landwirtschaftsmeister. Er bewirtschaftet einen familiengeführten Landwirtschaftsbetrieb mit 500 Hektar Ackerland (Mais, Getreide, Weizen, Gerste, Roggen), 2.000 Sauen, Mastschweinen und einer Biogasanlage. Vier Familienangehörige und 14 Angestellte sind in dem Unternehmen tätig, das sich seit 1860 in Familienbesitz befindet.

Du warst in Berlin demonstrieren. Das ist nicht gerade um die Ecke. War es anstrengend?

Jost M. Fakt: Jein. Die Nacht war kurz, weil wir schon um 5 Uhr los sind aus Brandenburg nach Berlin. Allerdings sind mein Schlepper und ich bereits einen Tag vorher zur Demo angereist, der Trecker auf dem Tieflader und ich mit Kollegen im Auto.

Die Demo in Hamburg hat mehr geschlaucht, weil ich über zwölf Stunde unterwegs war. Außerdem ist Konvoi fahren sehr anstrengend. Aber jede einzelne Stunde hat sich gelohnt. Endlich passiert etwas!

Am 17. Januar steht die nächste Kundgebung an. Bist Du dabei?

Klar.

Warum bist Du so erleichtert, dass endlich etwas passiert?

Jost M. Fakt: Weil wir Landwirte am finanziellen Limit sind. Weil wir keine Anerkennung finden. Weil wir das Gefühl haben, dass die Medien uns kaputt machen. Es hat sich einiges angestaut.

Agrarpaket

Gab es einen Auslöser?

Jost M. Fakt: Das Fass zum Überlaufen gebracht haben Agrarpaket und Mercosur-Abkommen. Zig Vorschriften sollen wir umsetzen zu Tierschutz, Umweltschutz und Klimaschutz. Und es werden immer mehr. Gleichzeitig sollen 100.000 Tonnen Rindfleisch pro Jahr zusätzlich aus Südamerika eingeführt werden. Aus einem Land, das nicht annähernd zu unseren Standards produziert. Diesen Wettbewerb können wir nur verlieren.

Offensichtlich kommt einiges zusammen. Ich fange mit der finanziellen Situation an. Was konkret bedeutet das Agrarpaket für die Betriebe?

Jost M. Fakt: Bauern, deren Betriebe in einem rot gekennzeichneten Gebiet liegen, sollen künftig 20 Prozent weniger Dünger ausbringen* (Anmerkung 2 Textende).  Das Problem: Wer 20 Prozent weniger düngt, erntet 15 Prozent weniger, da die Ackerfrüchte unterversorgt bleiben. Über den Daumen gepeilt läuft das auf 100 bis 200 Euro Ertragseinbußen pro Hektar hinaus. Für die Betriebe ist das nur schwer bis gar nicht zu wuppen.

Landwirtschaft ist sehr kapitalintensiv. Fuhrpark, Gebäude, Stallausrüstungen, Versicherungen und was sonst anfällt, das alles will finanziert und unterhalten werden. Ich möchte meine Angestellten vernünftig bezahlen. Auf vielen Höfen leben zwei bis drei Generationen von dem, was wir auf unseren Äckern und in unseren Ställen erwirtschaften.

20 Prozent weniger Dünger auf dem Acker mag sich für Uneingeweihte unspektakulär anhören, für die meisten Bauern ist es eine heftige Hausnummer.

Düngeverordnung

Welche Rolle spielt die Düngeverordnung, die vor zwei Jahren verabschiedet wurde?

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#fridaysforfuture?

Warum ich vielen Klimaschützern misstraue und mich nicht an „Fridays for Future“ beteilige

Noch bin ich Landwirt. Und das möchte ich auch bleiben und möglichst den Hof, den ich vorzeitig von meinem Vater geerbt habe, auch an meinem Sohn vererben können. Der ist erst 11 Jahre alt und hat noch ein paar Jahre Zeit, bis er sich für oder gegen die Hofnachfolge entscheiden wird. Diese wichtige Entscheidung für sein Leben muss er ganz alleine fällen.
Aktuell könnte ich es voll und ganz verstehen, wenn er ablehnt. Die Schweinepreise sind zwar zur Zeit sehr auskömmlich, aber dennoch halte ich die Aussichten, in Deutschland einen modernen Hof zu bewirtschaften für sehr unsicher. Und das liegt daran, dass ich das Gefühl habe, politische Entscheidungen werden nicht auf Basis von Wissenschaft und Fakten getroffen, sondern auf Basis von Stimmungen, Populismus und Wahlaussichten.
Ergebnis ist unter anderem das berühmt berüchtigte Agrarpaket, das die Bundesregierung verabschiedet hat.

gesellschaftlicher Mainstream: „Alles bio, alles gut!“

Die Ideologie einer Agrarwende und die daraus resultierende Annahme, erst wenn alle bio ist, ist es auch gut, ist weit verbreitet. Diese wird vielen Bauern viele fromme Wünsche, aber keine verlässlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bieten.

Dass Agrarwende-Propheten wie Christian Meyer (ehemaliger Landwirtschaftsminister in Niedersachsen) gelegentlich auch mal Contra kriegen, lässt vielleicht doch noch hoffen.

Doch leider scheint es in der öffentlichen Wahrnehmung so zu sein, dass nur der bio-vegane Landbau das Klima retten kann. Das erlebe ich immer wieder in Gesprächen mit Grünen, die vollkommen überzeugt von dieser bio-veganen-Idee sind. Oder wenn ich auf einige Twitter-Debatten schaue, oder wenn ich auf die „Fridays for Future“-Bewegung schaue.

Bei FridaysForFuture engagieren sich bekanntlich viele junge Leute, die aus Gründen des Klimaschutzes kein Fleisch oder sogar keinerlei tierische Produkte konsumieren (wollen). Sie machen sich Sorgen und wollen die Welt retten und begründen ihren radikalen Schritt mit der Wissenschaft. Wissenschaft? Ja, es gibt einige Forscher, die nicht nur eine Reduzierung des Fleischkonsums empfehlen, sondern sogar global eine vegane Ernährung für möglich bzw. nötig halten.

Einer dieser Wissenschaftler ist Prof. Volker Quaschning, ein Klimaexperte, der auch bei den ScientistsForFuture aktiv ist. Er gibt regelmäßig Interviews und ist anscheinend davon überzeugt, dass nur vegan die Welt noch zu retten sei.

Prof. Volker Quaschning: Vegane Ernährung am besten fürs Klima

Bei Twitter sind folgende Tweets von ihm zum Veganismus zu finden:

Welternährung geht nur mit Nutztieren!

Ich bin fest davon überzeugt, dass ein bio-veganer Landbau auf kurz über lang zum Raubbau mutiert, weil gerade tierische Exkremente sehr förderlich für die Bodenfruchtbarkeit sein können. Wenn wir wirklich das Ziel haben, alle Meschen satt zu bekommen, dürfen wir dieses zu tiefst ideologische Experiment nicht machen.

Gott sei Dank gibt es andere Wissenschaftler, die sich auf folgende Studien berufen (eine Auswahl):

#fridaysforfuture? weiterlesen

Bauerndemos für eine Agrarwende?

Dass gestern zehntausende Bauern in den letzten Wochen demonstriert haben, hatte gute Gründe! Dass eine so große Zahl auf die Straßen geht und fährt, hat auch etwas mit dem Frust zu tun, der sich jahrelang angestaut hat!

  • Frust über die vielen Kampagnen diverser NGOs,einer grünen Partei und neuerdings auch dem Bundesumweltministerium gegen die Landwirtschaft.
  • Frust über eine gefühlt unausgewogene Berichterstattung in vielen Medien.
  • Frust darüber, eigentlich einen guten Job zu machen und trotzdem ständig als Sündenbock am Prager zu stehen- wegen jedem Übel der Welt!
  • Frust darüber, dass anscheinend die Partei, die mehrheitlich von Bauern gewählt wurde und in der sehr viele Bauern immer noch Mitglied sind, die Bauern mit der Verabschiedung des Agrarpakets Anfang September verraten und verkauft hat. Wofür? Für eine reine Smybolpolitik, die letztlich auf dem Rücken der Bauern ausgetragen wird!
  • Dieses Agrarpaket sorgte für den Wassertropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

40000 Bauern demonstrieren und ausgerechnet die AbL gibt Interviews

Georg Janßen von der AbL fordert verbindliche Vereinbarungen, damit Bauern wirtschaftlich mitgenommen werden bei einer Agrarwende (dpa/Christian Charisius)
Screenshot von deutschlandfunk.de

Als ich gestern morgen ein Interview mit Georg Janßen von der AbL im Deutschlandfunk auf dem prominentesten Sendeplatz in der Morgensendung hörte, habe ich mich wirklich geärgert! Da bekommt ein Vertreter einer Organisation eine Bühne, die jahrelang gemeinsam mit vielen NGOs die „Wir haben es satt„-Demo (WHES) veranstaltet. Eine Demonstration, die von den allermeisten Bauern als Diffamierung ihrer Arbeit und ihres Berufsstandes empfunden wurde und wird. Die deutliche Mehrzahl der Bauern, die in letzter Zeit demonstriert haben, fühlen sich von der WHES diffamiert. Sie fühlen sich von den vielen pauschalen Verurteilungen auf dieser Demo abgestoßen!

Bauerndemos für eine Agrarwende? weiterlesen

Svenja Schulze ist beleidigt

Was für gewaltige Bilder gab es gestern in Berlin! Viele tausend Traktoren waren in der Stadt und noch viel mehr demonstrierende Landwirte! Die Zahlen für sich, sind schon einmal sehr beeindruckend.

zehntausende Demonstranten versammelten sich zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor am 26.11.2019

Ich möchte jetzt gar nicht näher auf die Demo eingehen- da stelle ich am Ende dieses Beitrags ein paar Links zusammen, die auch interessant sein können.

Umweltministerin Schulze mit Kurzauftritt bei großer Bauerndemo

Mir gibt der insgesamt gut 5-minütige Kurzauftritt doch sehr zu denken. Welch ein schwacher Auftritt der Ministerin! Doch seht selbst:

Svenja Schulze: eiskalt!

Svenja Schulze ist beleidigt weiterlesen

Umkämpfte Felder und Wiesen:

Die Natur schützen oder Lebensmittel produzieren?

Ich bin am kommenden Montag, 25. November in Berlin und freue mich, bei folgender Veranstaltung dabei sein zu dürfen:

Presseeinladung

Umkämpfte Felder und Wiesen: weiterlesen