Wissenswertes zum Bienensterben

Über Bienen, Bienensterben, Honigernte & Bestäubungsleistung

Offene Mail zur Kolumne „Schumachers Woche“ in der Berliner Morgenpost vom 1. April 2018 mit dem Titel: „Rettet die Bienen!“ von Dr. Hajo Schumacher

Sehr geehrter Dr. Schumacher,

ich nehme an, ihre Kolumne war trotz des Datums ernst gemeint. Es ist ehrenvoll, wenn ein prominenter Journalist sich für die Rettung der nützlichen Bienen einsetzt.
Aber, weder ist der Honigbienenbestand irgendwo auf der Welt gefährdet, noch würden chinesische Kinder Bienen nur aus Videos kennen, noch spielt die Handbestäubung von Obstbäumen in China eine messbare Rolle, noch hat Maos Spatzenkampagne was mit einer imaginären Bienenausrottung in China zu tun, noch ist die Charakterisierung „klug“ im Zusammenhang mit einer Bienenpolitik passend.

Ihre Kolumne zeigt vielmehr, wie raffiniert eine Scheinwelt aufgebaut wurde und wird, in der auch kritische Zeitgenossen zu gewünschten Schlüssen kommen müssen.

1) Immer mehr Honigbienen in China und überall

Bienenvölker in China
Bild 1: Anzahl der Bienenvölker und Honigerzeugung in China:

Ohne Bienen kein Honig. (In den Grafiken verwende ich Skalen mit gleichen Steigungswinkeln!)

Anzahl der Bienenvölker und Honigerzeugung weltweit:
Bild 2: Anzahl der Bienenvölker und Honigerzeugung weltweit:
Anzahl der Bienenvölker und Honigerzeugung in Deutschland:
Bild 3: Anzahl der Bienenvölker und Honigerzeugung in Deutschland:

Der starke Rückgang nach 1989 hatte in Deutschland politische und fachliche Gründe. In der DDR bekamen die Imker am Lieferanteneingang der HO mehr Geld für den Honig als er im Laden kostete. Es lohnte sich. Zugleich waren aber in Deutschland die Imker im Schnitt alt und bekamen die Probleme mit der ab den 90er Jahren flächendeckenden Ausbreitung der über eine Bienenkönigin 1977 aus Asien eingeschleppten Varroa-Milbe nicht in den Griff.

Als um die 00er Jahre die Winterverluste bei den Honigbienen zunahmen, kam der Ruf auf, genau zu untersuchen, an was das liegt. Dazu wurde unter Führung der Bieneninstitute 2004 das Deutsche Bienenmonitoring gegründet. Als nun die drei Hauptgründe für die erhöhten Winterverluste ermittelten waren:

1. Varroamilbe, 2. Varroamilbe und 3. Varroamilbe (Link),

wurden die Bienenforscher von den NGO’s äußerst aggressiv und ehrabschneidend angegriffen (Link). Man wollte als Todesursache den Chemieeinsatz in der Landwirtschaft lesen. Daraus wird man gelernt haben und beim kommenden „Insektenmonitoring“ eine Vorauswahl der Monitoringstellen nach NGO-Wünschen vornehmen.

Eine neue Generation von Imkern ist inzwischen im Umgang mit der Varroamilbe geschult – und die Bestände wachsen wieder. Die große Schwankung der Erntemenge (siehe Grafik) hängt mit dem Nahrungsangebot zusammen. Im Unterschied zum warmblütigen Wild braucht die Biene kein kontinuierliches Nahrungsanbot in freier Wildbahn, sie bunkert eiweißreiches Bienenbrot (Pollen) und Energydrinks (Honig) für blüten- und honigblattlausarme Zeiten. Wenn die Bienen allerdings den ganzen Sommer über Pollen, Nektar und Läusesaft finden, gibt es reiche Ernten. Bei hohen Ernten gab es im Wald eine zyklische Bestandsexplosion der z.B. der Fichtenlaus (ergibt dunkeln Waldhonig). Die Imker wünschen sich, dass während des ganzen Sommers was blüht, dann haben sie jedes Jahr viel Honig.

2) Die Hälfte der Welt-Apfelernte hängt in China an den Bäumen, von Bienen bestäubt

Apfelernte in der Welt: stark steigend, auch in China
Bild 4: Welt-Apfelernte und Anteil Chinas und Deutschlands daran:

Ab 1991 ging es rasant aufwärts mit der Apfelernte in China, während im verwöhnten Deutschland immer mehr Äpfel in den Haus- und Schrebergärten vergammeln! Deng Xiaoping regierte de facto China von 1979 bis 1997. Auf sein Betreiben wurden 1978 die Volkskommunen abgeschafft. Es war ein längerer Prozess, bis wieder so was wie ein freies Bauern-Unternehmertum entstand. Zwar ist der Boden zur Besänftigung der Dogmatiker nach wie vor formal Kollektiveigentum, de facto aber wird mit der Vergabe von Nutzungsrechten über 15 und mehr Jahre doch eine Privatisierung durchgeführt. Mit Deng Xiaoping‘s Reformen lohnte es sich für die Erzeuger wieder, mehr zu ernten, selbst zu vermarkten, sich um Obstbäume intensiv zu kümmern. Mit Qualitäts-Obst lassen sich mehr Menschen beschäftigen und lässt sich pro Hektar mehr Geld verdienen, als mit Ackerbau. Zusätzlich hatten immer mehr Menschen auch Geld für mehr als nur sättigende Grundnahrungsmittel („Fresswelle“). Äpfel sind das wichtigste billige, lagerfähige Obst. Luxusprodukte, wie am Baum handverpackte und handbestäubte Einzelbirnen der selbststerilen, sehr wohlschmeckenden Sorte „Jinhuali“, fanden aber auch immer mehr Käufer. Diese runde Luxusbirnensorte braucht zum Bestäuben den Pollen einer anderen Birnensorte, die weniger schöne Birnen hat und zur Gewinnung des wertvollen Pollen in eingezäunten Hausgärten steht. Vor Deng Xiaoping spielte die Sorte Jinhuali keine Rolle.

Die Apfelernte betrug in China 2016 insgesamt 44,4 Mio. Tonnen! Äpfel werden in China inzwischen auf 2,4 Mio. Hektar angebaut, zumeist noch auf halbhohen Stämmen. Da hat ein Baum rund 25 m² Platz. Das ergibt rund eine Milliarden Apfelbäume für ganz China! Nach Ihren Zahlen schafft eine Fachkraft die Bestäubung von 30 Obstbäumen pro Tag. Die Apfelblüte dauert ca. 3 Wochen, ergibt 630 Bäume pro Arbeitskraft. Bei knapp einer Milliarde allein an Apfelbäumen wären dazu also 1,5 Mio. Arbeitskräfte nötig. Wenn man davon ausgeht, dass rund 25% der Obst- und Mandelbäume Äpfel sind, müßten also Anfang Mai 6 Mio. Chinesen in den Bäumen hängen. Dem ist nicht so, tatsächlich werden nur die „Jinhuali“ – Luxusbirnen in der Provinz Sichuan um die Stadt Hanyuan handbestäubt und nur noch sehr wenige Apfelbäume (kaum noch Wanderarbeiter dafür zu bekommen) im Apfelanbaugebiet Maoxian.

Wie, seit wann und warum das gemacht wird, wurde wissenschaftlich sehr gut beschrieben (Tang Ya, Xie Jia-sui, Chen Keming; Sichuan University, 2003; „Hand pollination of pears and its implications for biodiversity conservation and environmental protection — A case study from Hanyuan County, Sichuan Province, China“ und Uma Partap und Tang Ya, Sichuan University; 2012; „The Human Pollinators of Fruit Crops in Maoxian County, Sichuan, China“).

Die Arbeit von Prof. Tang Ya aus dem Jahr 2003 wurde von Umweltaktivisten für den Film „Silence of the Bees“ aus dem Jahr 2007 missbraucht. Sie erweckten den Eindruck, die Handbestäubung wäre ein gesamtchinesisches Problem und durch zu viel Chemie in der gesamtchinesischen Landwirtschaft verursacht, dabei hatte China in den 60er und 70er Jahren keine großen Chemiekapazitäten. Die Filmemacher stellten die Obstbauern als Opfer dar, dabei sind es diese Birnenanbauer selbst, die seit 1980 mit ihrem exzessiven Einsatz veralteter Breitband-Insektizide die Imker mit ihren Bienen aus dem kleinen Anbaugebiet vertrieben, und das ist den Obstbauern sehr wohl bewußt, was sie da tun. Sie sind keine Opfer eines anderweitigen Chemieeinsatzes, sie spritzen die Bienen selber tot.

Der Fehlschluss: Spatzenkampagne 1958 -> mehr Insekten -> mehr Insektizide -> Ausrottung der Bienen bis heute, wurde mit dem Film „More than Honey“ 2012 von Markus Imhoof gefördert. Dieser Film baut thematisch auf dem US-Film „Silence of the Bees“ auf. Der Regisseur und sein „Dokumentarfilm“ werden von den Grünbewegten wie ehedem Baghwan („Osho“) verehrt. Die Glaubensgemeinde besucht den Film wie einen Gottesdienst. Dieser Film wurde wegen seiner Tieraufnahmen vielfach ausgezeichnet, aber er ist auch ein Propagandalehrstück, ein großartiges Volksverblödungskunstwerk, das gerne Schulkindern vorgeführt wird.

Es ist über 150 Jahre nun die gleiche, einfältige, eingebildete Gesellschaftsschicht, die Heilslehren nachläuft. Fakes werden gern geglaubt, wenn sie Vorurteile bestätigen, was für alle Vorurteilsträger gilt.

die Stille der Bienen
Screenshot des Filmes

Das Märchen über die ausgerotteten Bienen in China nahm mit diesem Film 2007 seinen Ausgang: http://partisanpictures.com/?film=silence-of-the-bees

Tang Ya
Prof. Tang Ya

Die US-Filmemacher missbrauchten die Arbeiten zur Handbestäubung von Prof. Tang Ya für ihre Thesen, obwohl der sie aufklärte und in seinen Arbeiten genau zu lesen ist, dass es sich um ein lokales Phänomen handelt. Er erklärte, dass die Obstbauern selbst die Bienen mit ihrer radikalen Spritzerei, die nur makellose Früchte zum Ziel hat, die Bienen töten, darum kommen die Imker nicht mehr in dieses Gebiet. Die Filmemacher strickten das Märchen daraus, der Gifteinsatz in Chinas Landwirtschaft hat die Bienen ausgerottet und die Obstbauern leiden nun darunter.

Jede Birne wird am Baum in eine Wachspapiertüte gesteckt, die Insekten abhalten soll.
eingepackte Birne am Baum

Jede Birne wird am Baum in eine Wachspapiertüte gesteckt, die Insekten abhalten soll.

Jede Birne wird am Baum in eine Wachspapiertüte gesteckt, die Insekten abhalten soll.
eingepackte Birnen
Handbestäubung in China
Prof. Tang Ya demonstriert die Handbestäubung

Prof. Tang Ya läßt für das US-Filmteam das Prinzip der Handbestäubung mit einem Bambusstöckchen mit Entenflaumfedern von einem Bauern demonstrieren. Da gerade keine Birnen blühten, an einer Gurkenpflanze.

3) Wir importieren Honig und Apfelsaftkonzentrat (ASK) aus China

Die Chinesen sind so erfolgreich im Apfelanbau und in der Imkerei, dass sie zu den größten Exporteuren von Honig und Apfelsaftkonzentrat der Welt gehören. China ist heute der größte ASK-Produzent der Welt (Link). Wir importieren wenig frische Äpfel aus China, dafür etwas Apfelsaftkonzentrat. Deutsche Maschinenbauer haben Anlagen dazu geliefert und die Chinesen hatten sie mit Konzentratexporten abbezahlen dürfen. Konzentrat ist zu deutschen Preisen und Löhnen hier nicht herstellbar, wird vor allem aus Italien und Osteuropa importiert. Etwa ein Drittel der deutschen Apfelernte wird zu Direkt-Apfelsaft (keine Eindickung zu Konzentrat) gepresst.

Chinas Honigexporte nach Deutschland
Bild 5: Chinas Honigexporte nach Deutschland
Apfelsafteinfuhren aus China
Bild 6: Chinas Apfelsaftkonzentratexporte (Apfelsaft, ungegoren, mit Zucker, Brix >20) nach Deutschland
Exportware Honig
Bild 7: Chinas und Deutschland Importe und Exporte von Bienenhonig (ohne Bienen kein Honig-Export)

4) Die Handbestäubung von Obstbäumen in China hat nichts mit Mao’s Spatzenkampagne zu tun.

Die Handbestäubungen haben nach den Reformen des Deng Xiaoping angefangen, haben mit Maos Spatzenkampagne von 1958-1962 nichts zu tun. Spatzen ernähren sich zu etwa 70% von Körnern, nur während der 26-tägigen Aufzuchtzeit werden die Jungen mit Insekten, Würmern, etc.. , also mit kraftvollem, tierischem, Eiweiß gefüttert. Während des „Großen Sprungs nach Vorne“ löste Mao mit seiner Kollektivierung der Landwirtschaft (Bauern wurden in „Volkskommunen“ gezwungen) 1958 die größte Hungersnot der Weltgeschichte aus. Um aufkommenden Unmut von den kommunistischen Kadern abzulenken, wurde die Kampagne „Ausrottung der vier Plagen“ gestartet und damit Ratten, Fliegen, Stechmücken und Spatzen die Schuld an der Ernährungs- und Gesundheitsmisere zugeschoben. Bei Ratten, Fliegen und Stechmücken war das Ziel illusorisch, beim Kulturfolger Spatzen war 1960 die Population schon so stark eingebrochen, dass Spatzen aus der Liste der „vier Plagen“ flogen und durch die Bettwanzen ersetzt wurden. 1961 wurde die Kampagne nach ihrem offensichtlichen Scheitern abgebrochen. Spatzen sind Kulturfolger, leben für jeden sichtbar bei den Menschen, das wurde ihnen zum Verhängnis. Aber auch andere Singvogelpopulationen wurden in den Siedlungsgebieten der Menschen reduziert, allerdings zogen die aus dem Umland schnell wieder zu. Die ökologische Lücke der Spatzen wurde schnell wieder besetzt. Bis sich die Vogelpopulationen wieder erholten und sich wieder ein Gleichgewicht einstellte, gab es eine Insektenplage in den Siedlungen. Bei uns nehmen die Spatzen auch stark ab, sie finden in den immer selteneren und immer saubereren Bauernhöfen und Häusern immer weniger zu fressen. Ein Effekt, der sich auch nach Stadtteilsanierungen einstellt. Dass es wegen weniger Spatzen zu einer Insektenplage kommen würde, trifft weder bei uns zu, noch traf es in China zu.

5) Blödsinn hoch 10: Biene Maja

Die Vermenschlichung des Verhaltes der Bienen („Anthropomorphismus“) nahm durch das über 100 Jahre alte Kinderbuch von Waldemar Bonsels und der darauf basierende Zeichentrickserie „Biene Maja“ irrationale Formen am. Biene Maja ist ein Tier! Im Herbst drängen die weiblichen Bienen die männlichen Bienen aus dem Stock. Diese betteln am Flugloch um Wiedereinlass oder versuchen es vergeblich bei anderen Völkern. Sie erfrieren und werden von Mäusen etc. gefressen. Die Bienen riechen die männlichen „Babys“ in ihren Waben und fressen sie vor dem Winter bei lebendigem Leib auf. Die Wintervorräte reichen sonst nicht und es genügt eine Drohe zur Begattung der Königin. Deswegen ist „Biene Maja“ keine kanibalische Kindsmörderin, sie ist Tier. Waldemar Bonsels hätte der „Drohenschlacht“ im Herbst, wenn Biene Maja den faulen Willi tötet, noch ein Kapitel der Biene-Maja-Geschichten widmen sollen, damit sich dieser Anthropomorphismus nicht so in den Köpfen der Menschen festsetzt, auch wenn einige Kinder von einer solchen Folge Alpträume bekommen hätten. Das Leben ist weder ein Honigschlecken noch ein Ökotraum.

6) Pimp my Ministerium

Wie es zu absurden Fakes durch Kaskaden von gutgemeinten Übertreibungen kommt, kann an der Meldung des Bundes-Landwirtschaftsministeriums „50% der Wildbienen sind vom Aussterben bedroht“ sehr gut gezeigt werden. Diese Falschbehauptung wird auch noch als Fakten-Recherche („Bienenfakten“) verkauft! Man kann von einem Ministerium erwarten, dass es die Fakten kennt, eigentlich. Von den 561 Wildbienenarten in Deutschland sind 31 vom Aussterben bedroht = 6% und keine 50%!

Das ist schlimm genug, aber wenn Eiferer die Zahlen aufpimpen, dann glaubt ihnen niemand mehr irgendwas.

Bienenfüttern
Quelle: https://www.bienenfuettern.de/

Die Phrase „vom Aussterben bedroht“ ist keine abgegriffene, nichtssagende Aussage, die jeder amtliche PR-Schwätzer beliebig verwenden könnte. Das ist ein genau definiertes Kriterium der Roten Listen! Hier zeichnet das BMEL ein völlig falsches, alarmistisches Bild, weil es viele mindere „Gefährdungseinstufungen“ dem Kriterium RL1: „Vom Aussterben bedroht“ zuschlägt und damit das Gesamtbild noch weiter verfälscht. Auch wenn die Gefährdungsstufungen ähnlich klingen, das Gefährdungspotential ist sehr verschieden. In der deutschen Roten Liste (RL) trägt z.B. der Feldhase eine „RL 3“ für „gefährdet“, obwohl 212.452 Feldhasen im Jagdjahr 2016/17 zur Strecke gebracht wurden. So ist das zu gewichten. Nachfolgend ist aus einem Bundestagsdokument die Aufteilung der Wildbienenarten nach den Kriterien der „Roten Listen“ aufgeführt, wobei zu der Einstufung auch kritische Worte zu verlieren wären. Auch das wird von Eiferern gemacht, die umso besser dastehen, je schlechtere Botschaften sie verkünden. Als „vom Aussterben bedroht“ (=RL 1) werden 31 der 561 deutschen Wildbienenarten eingeschätzt und nicht „50%“.

Anzahl der gefährdeten Bienenarten
Quelle: Seite 2 in http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/077/1807705.pdf

Für Wildbienen ist das Bundeslandwirtschaftsministerium (BML) nicht zuständig, Wildtiere fallen in den Zuständigkeitsbereich des Umweltministeriums. Das BML ist für Honigbienen zuständig, weil die per gesetzlicher Definition Nutztiere, wie Rinder Schweine, Hühner, etc. sind. Die Bienen haben eine geteilte Zuständigkeit, weshalb jeder etwas sagen kann, der Dienstweg über Mitzeichnungspflichten geregelt ist. Man kapriziert sich in letzter Zeit mehr auf die Wildbienen, weil die Honigbienen, gegen alle Prognosen der letzten 15 Jahre, immer noch nicht ausgestorben sind, sondern zugenommen haben. Die Roten Listen werden im Bundesamt für Naturschutz (BfN) geführt, das zum Umweltministerium gehört. Die Mitarbeiter und verpflichtete Biologen neigen schon zum Alarmismus, das nutzt ihren Aufträgen und Karrieren. Dann geht das an den Vorgesetzten, die noch etwas mehr Schmackes in die Formulierungen bringen, wollen ja auch aufsteigen. Dann ist die Präsidentin des BfN dran und dann die Umweltministerin und dann die Landwirtschaftsministerin und am Ende dieser Kaskade von dramatisierenden Wichtigtuern sind aus 6% „vom Aussterben bedrohter Wildbienen“ 50% geworden! Und dann berichten das die Journalisten, weil es sich scheinbar um eine erstklassige Quelle handelt. Die Honigbienen sollten nach „vorsichtigen“ Schätzungen seit 2017 ausgestorben sein, die Insekten sollen dann, bei Fortsetzung der seit 1989 „gemessenen“ Trends, 2025 ausgestorben sein*.

Bundeskanzlerin Merkel verkündete in ihrer Regierungserklärung vom 16. Mai 2018 vor dem Deutschen Bundestag: „Die Bienen stehen inzwischen pars pro toto für das, was wir unter Artenvielfalt, unter Natur, darunter, wie sie funktionieren muss und soll und wie wir sie schützen müssen, verstehen**. Wenn Sie nur wüßte, wie richtig sie damit liegt.

Grüße: Georg Keckl


* Schlussbemerkung aus dem Impulsvortrag von Prof. Dr. Johannes Steidle (Institut für Zoologie, Uni Hohenheim) bei der Tagung „Insektensterben: Sommer ohne Summen? Analyse – Auswirkungen – Gegenmaßnahmen“. 20.02.2018, Stuttgart-Hohenheim: https://www.youtube.com/watch?v=_SL5GrLTNFA

** Vgl.: Protokoll des Deutschen Bundestages und Bundeskanzleramt, da heißt es übrigens „pars pro poto“ (Latein: poto = zechen, saufen) https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2018/05/2018-05-17-rede-merkel-bundestag.html und http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/19/19032.pdf

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