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Gülle ist Lebenselixier für Pflanzen!

Plakat
Fakten, die (manchen) stinken

Biovegan statt Gift und Gülle? Grandioser Unfug. Gülle ist Lebenselixier für Pflanzen! Ganz einfach. Warum das im Einzelnen so ist, belegt anschaulich der folgende, anonymisierte Leserbrief, der auf einer wahren Begebenheit beruht und vor gar nicht langer Zeit veröffentlicht wurde.

Sämtliche Namen wurden verfremdet.

Vorgeschichte:

Die Landwirte von Dorf bringen im Frühjahr die Gülle aus. Bei der regionalen Zeitung trifft ein böser Brief von Herrn Riechorgan ein. Er beklagt sich bitter über Geruchsbelästigung. Unter anderem. Die Dorfer Landwirte Sören Smithpig und Stefan Strawberry antworten.

Der Brief:

Gülle ist Lebenselixier für Pflanzen!
Die Dorfer Landwirte Sören Smithpig und Stefan Strawberry schildern Fakten aus der Praxis*

Herr Riechorgan behauptet in seinem Leserbrief von Doomsday 2017, in Dorf würden Äcker „übergüllt“ und „die Allgemeinheit der öffentlichen Güter Wasser und Luft durch rücksichtslose Verunreinigung beraubt“. Kurz: Es rieche unerträglich und Gülle gelange ins Grundwasser.

Sinn und Zweck der Gülleausbringung werden in unserer durchurbanisierten Gesellschaft zunehmend kritisch hinterfragt, die Toleranz für das „Stinken“ sinkt. Wen wundert es? Den meisten Menschen ist das Wissen um die Erzeugung ihrer Nahrung verloren gegangen. Wer weiß noch, dass nachhaltiger Pflanzenbau ohne die gezielte Versorgung von Kulturpflanzen mit den in der Gülle enthaltenen Nährstoffen unmöglich ist?

Enteignung öffentlicher Güter

Den Vorwurf der „Enteignung öffentlicher Güter“ hören wir das erste Mal. Er ist hart. Daher interessiert uns Dorfer Landwirte: Wie sieht eigentlich der Umgang von Herrn Riechorgan mit dem „öffentlichen Gut Luft“ aus? Fährt er ein feinstaubarmes Auto oder gar einen Elektrowagen, legt er seine Wege weitestgehend mit Rad, Bus und Bahn zurück?

Herr Riechorgan hat richtig erkannt, dass im Frühjahr viel Gülle ausgebracht wird. Das hat aber nichts mit Rücksichtslosigkeit zu tun. Es ist nun mal der ideale Zeitpunkt für Pflanzen und Böden, Nährstoffe aufzunehmen. Dafür stellt uns die Natur nur einen kurzen Zeitraum im Jahr zur Verfügung. Die Nährstoffe gelangen nicht ins Grundwasser, sondern werden von den Pflanzen entsprechend verwertet. Laut Trinkwasseranalyse des Wasserwerkes Kreisstadt (Stand Februar 2016) enthält unser Trinkwasser 8,8 mg Nitrat je Liter Wasser. Der Grenzwert liegt bei 50 mg je Liter. Das Wasserwerk Kreisstadt bezieht übrigens auch unser angeblich übergülltes Grundwasser aus Dorf.

Nährstoffkreislauf

Wer weiß heute noch, dass das Kernelement landwirtschaftlicher Betriebe der Nährstoffkreislauf ist? Mit jeder Ernte entziehen wir Landwirte unseren Äckern Nährstoffe. Das Ausbringen von Gülle ist keine „Entsorgung“, sondern wir geben den Böden zurück, was wir ihnen genommen haben. Würden wir es unterlassen, hätte dies drastische Konsequenzen für die Bodenfruchtbarkeit.

Auch „übergüllen“ wir Landwirte unsere Äcker nicht. Eine Verordnung regelt, wie viel Dünger auf welche Frucht ausgebracht werden darf. Es wird regelmäßig, spontan und streng kontrolliert. Bei Nichteinhaltung fallen hohe Strafen an.

Große viehhaltende Betriebe besitzen teilweise nicht genug eigene Flächen, um die anfallende Gülle zu verwerten. Daher kooperieren sie mit Landwirten ohne Viehhaltung. Diese sind dankbare Abnehmer.

Natürlich könnte man die „unbeliebte“ Gülle durch Mineraldünger (Kunstdünger) ersetzen. Er stinkt nicht, wird allerdings unter großem Energieaufwand vorwiegend aus Erdöl und Erdgas gewonnen. Phosphor ist zudem eine endliche Ressource.

Übrigens wird stetig daran gearbeitet, das „Stinken“ zu reduzieren. Mittlerweile kommt eine bodennahe Ausbringungstechnik zum Einsatz. Sie ersetzt zunehmend die so genannten Prallteller, die die Gülle in die Luft „versprühen“.

Willkommen!

Ganz abstellen können wir die Geruchsentwicklung aber nicht. Wollen wir weiterhin vor Ort Nahrungsmittel erzeugen, müssen wir auch die regionale Kreislaufwirtschaft akzeptieren. Aber bevor Herr Riechorgan aus dem temporär stinkenden Fegefeuer Dorf in die dauerfeinstaubkontaminierte Großstadthölle flüchtet – warum steigen Sie nicht lieber auf Ihr Rad und kommen auf einen Kaffee rum? Sie sind uns herzlich willkommen zu einem Gespräch. Anruf genügt!

Sören Smithpig
Stefan Strawberry
Landwirte Dorf

*Die zweite Überschrift stammt vom Redakteur.