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Bauer sucht Frau vs. digital farming

oder: Sehnsucht trifft Realität

Scriptum eines Vortrages von Thomas Ostendorf (Landwirt und leidenschaftlicher Öffentlichkeitsarbeiter aus Ochtrup im Münsterland)

Thomas Ostendorf

Medien Lateinisch: medium in der Mitte befindlich als Werkzeug benannt als vermittelndes Element.

Landwirtschaft betreiben von Ackerbau und Viehhaltung zum Erzeugen von tierischen und pflanzlichen Erzeugnissen.

Wo befinden sich beide?

Medien: mitten drin statt nur dabei mitten in der Gesellschaft, jeden Morgen im Postrohr, im Radio, im TV usw.

Landwirtschaft: oft draußen vor der Stadt, da kommt keiner vorbei, Bauern sind ein Volk für sich, bisschen wie die Hobbits im Auenland.

Wo befinden sich beide heute?

Medien: mittendrin, hinter und vor den Kulissen, weiter in Papierform allerdings mit abnehmender Tendenz. Radio, klar hat sich etabliert. TV von 3 auf 500 Kanälen. Im Smartphone digital und vor allem immer und überall!!! Und Landwirtschaft? Erzeugen weiterhin Nahrungsmittel.

Weiterhin im Auenland?

Weit weg von der Gesellschaft????

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Die Medien sind schuld?!?

Regelmäßig fordert die auflagenstärkste landwirtschaftliche Fachzeitschrift „top agrar“ seine Leser in der Rubrik „Der Blick von außen“ zum Verfassen von Leserbriefen und Kommentaren auf. So auch in der aktuellen Ausgabe 11/2014 auf Seite 8 bzw. hier im Netz. Hier bezieht dieses Mal der bekannte RTL-Nachrichtensprecher Peter Klöppel Stellung zur Rolle der Medien in Beziehung zur Landwirtschaft.

Streitpunkt top agrar 11/14
Streitpunkt aus der top agrar 11/2014

Mein Kommentar dazu:
Klöppel hat grundsätzlich Recht, Schuld an der zum Teil negativen Wahrnehmung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit haben die Medien nicht alleine. Die Landwirtschaft insgesamt muss sich mehr öffnen und jeder Landwirt sollte es sich zur Aufgabe machen, seine Arbeit dem Nachbarn, dem Freundeskreis und allen Interessierten zu erklären. Das ist soweit klar und vor allem die jüngere Bauerngeneration versteht es immer mehr als Selbstverständlichkeit an, dass die Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiger Betriebszweig für den landwirtschaftlichen Betrieb ist. Es gibt keine CMA oder andere Verbände und Vereine mehr, die für die Landwirtschaft Werbung macht bzw. machen kann. Ich glaube, dass sich dieser Sinneswandel immer weiter durchsetzt. Und das ist auch gut so!
Allerdings sollten sich die Medien es sich auch nicht zu leicht machen: All zu oft wird oberflächlich recherchiert und werden stereotypische Klischees bedient, um eine schnelle Schlagzeile zu bekommen–> Wie sagt Herr Klöppel selber: Ein normal Tag im Leben eines rechtschaffenen Bauerns ist nicht erwähnenswert.
Sehr kritisch wird es, wenn Medien sich wegen investigativer Recherche feiern lassen wollen und im Zuge dessen auf teils gestelltem Filmmaterial von illegalen Stalleinbrüchen zurückgreifen. Solche Bilder bringen Aufmerksamkeit, das bringt Quote für den Sender. Und wohl auch steigende Spendeneinnahmen bei den Tierschutz- bzw. Tierrechtsorganisationen, die für die nächtlichen „Besuche“ auf den Höfen verantwortlich sind. Eine Win-Win-Situation mit einem großen Verlierer: der Landwirtschaft.
Die Quote bestimmt das Geschäft, nicht nur bei RTL. Aber RTL senkt die eigene Schamgrenze für eine gute Quote auf ein niedriges Niveau. Bestes Beispiel ist die Sendung „Bauer sucht Frau“. Dass in dieser Sendung kein realer Querschnitt von den Bauern gezeigt wird, wissen wir Landwirte genau, aber leider wissen das sehr viele Fernsehzuschauer nicht. Als Freundinnen meiner Tochter aus der benachbarten Stadt erstmals bei uns zu Besuch waren, wundertenn die sich schon mal darüber, wie modern und weltoffen es bei uns zu geht.
Bei mir steht RTL nicht als Synonym für Qualitätsjournalismus, sondern eher für Trash. Aus diesem Grund besorgt es mich, dass die öffentlich rechtlichen Sender, die eigentlich für Qualität stehen sollten, zunehmend diese in ihren Magazinsendungen senken.
Ein Zustand, den wir so leicht nicht ändern können. Wir können nur an die Medien appellieren und gleichzeitig unsere eigenen Hausaufgaben machen.
Um das Bild von uns, der deutschen Landwirtschaft, realistisch-positiv zu verändern, bedarf es wohl viel Zeit und Aufklärung. Wir brauchen dazu viel Einsatz und viel Ausdauer! Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen!