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Glyphosat: Europa, quo vadis?

Warum die Entscheidungsfindung ums Glyphosat ein Trauerspiel für die Glaubwürdigkeit der europäischen Institutionen ist

Die EU, das europäische Parlament, die EU-Kommission ringt um eine weitere Zulassung des umstrittenen und symbolpolitischen Wirkstoffes Glyphosat. Susanne Günther hat auf ihrem Blog einen Kommentar veröffentlicht, der ziemlich genau auch meine Gedanken zusammenfasst.

ein Kommentar von Susanne Günther

Das Europäische Parlament hat diese Woche eine Resolution verabschiedet: Das Gremium fordert darin ein endgültiges Verbot des Herbizid-Wirkstoffs Glyphosat bis zum Jahr 2022. Auf Twitter wird diese Meldung illustriert mit einem Flugzeug, das anscheinend Pflanzenschutzmittel ausbringt, – ein Verfahren, das in der EU für landwirtschaftliche Zwecke bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Steilhänge im Weinbau) verboten ist:

Es ist nicht die erste Entscheidung des Parlamentes zum Thema: Glyphosat: Europa, quo vadis? weiterlesen

Der Künast-Ökozid

von Sönke Hauschild, Bauernverband Schleswig-Holstein

Im Oktober 2016 ging es in Den Haag um Großes: Da stand die künftige Bayer-Tochter Monsanto vor einem „Tribunal“. Nein, nicht vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Sondern auf dessen Vorplatz. Es war ein Schauprozess der maximale Medienabdeckung garantierte. Gestern noch berichtete „arte“ darüber (Link). Angst bildet offenbar…

"Wenn Fakten eine politische Agenda durchkreuzen, werden die Fakten in Frage gestellt, nicht die Agenda" Zitat von Bernhard Url, EFSA-Direktor zur Glyphosat-Diskussion

Ökozid- eine neue Wortschöpfung

Ziel war es, den „Ökozid“ – in geschickter Anlehnung an den „Genozid“, Völkermord – als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuprangern. Ökozid hört sich giftig an und meint die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Botschafterin des Tribunals war übrigens die Grüne und Juristin Renate Künast. Künast verhandelt für die Grünen derzeit das Agrarkapitel in der Berliner Jamaika-Sondierung.

Interessant wird es, wenn es um das Ziel des Schauspiels geht: Das Tribunal sollte

„bezüglich der Gefahren der industriellen und chemischen Landwirtschaft und der Notwendigkeit, das landwirtschaftliche Paradigma zu ändern“

sensibilisieren. Monsanto ist also nur der Platzhalter für ein System, das man angreift – und das uns zugleich ernährt.

Landwirtschaft ist leistungsfähig und effizient

Innerhalb von 20 Jahren hat die weltweite Landwirtschaft es geschafft, zwei Milliarden Menschen mehr satt zu machen. In deutschen Lebensmitteln nähern sich Rückstandswerte von Pflanzenschutzmitteln oder Antibiotika dem Promillebereich. Unsere Landwirtschaft hat ihre Emissionen innerhalb von 25 Jahren um 15 % verringert, im selben Zeitraum aber die Produktivität bei Getreide um 28 % und bei Milch um 16 % gesteigert.

Das alles reicht nicht.
Im Gegenteil: All dies dient vielmehr als Beweismittel des Ökozids. Denn ohne „Pestizide“ wäre das nicht möglich gewesen. Es erschreckt, wenn eine Juristin mit Bundestagsmandat sich für Schauprozesse engagiert. Denn es erinnert fatal an Staaten, denen demokratische Regeln zur Durchsetzung fehlen.

staatliche Institutionen werden diskreditiert

Schlimm ist es, wie man mit dem Präsidenten des von Künast gegründeten Bundesinstitutes für Risikobewertung umspringt. Prof. Dr. Andreas Hensel wird vorgeworfen, er habe ungeprüft Studien von Monsanto übernommen. Doch bleibt er klar auf wissenschaftlicher Linie:

„Die Bewertung sämtlicher Bewertungsbehörden europa- und weltweit ist glasklar: Glyphosat ist nach dem derzeitigen Stand des Wissens nicht als krebserregend einzustufen.“

Auch das JKI, UBA oder das BVL haben Zuarbeiten für den Bericht geliefert.

„Wenn inhaltlich nichts mehr geht und einem die Argumente ausgehen, zerstört man die Reputation der Behörden und Experten,“

bedauert Hensel den versuchten „BfR-zid“.

zweierlei Maß

Dabei ignoriert man den echten Ökozid, die weltweite Ernährungskrise. Offenbar ist es egal, ob nun ein paar hundert Millionen mehr oder weniger hungern. Schuld sind ja doch die anderen. Doch wie schwierig stabile Felderträge ohne Pflanzenschutz sind, zeigt auch der Ökolandbau. Verteidigt die Politik deshalb Kaliumphosphonat als Mittel gegen Pilzerkrankungen im Ökolandbau? Der Irrsinn: Auch Glyphosat ist ein (Glycin-)Phosphonat. Der Unterschied: Politisch.

ohne nachhaltige Intensivierung lässt sich Hunger nicht bekämpfen

Früher diente die klassische Landwirtschaft der Ernährungssicherung. Heute dient sie als Fanal des Weltunterganges. Doch wohin führt uns dieser Weg? In den 1970er Jahren machte die Grüne Revolution mittels Düngung, Pflanzenschutz und neuen Hochertragssorten aus Import- Exportländer für Lebensmittel. Doch die Dividende dieser Revolution ist längst „aufgegessen“. Ohne einen Nachschlag, eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft, droht ein echtes Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Der Genozid, durch Hunger, Frau Künast.

EFSA: Glyphosat ist sicher

Zur lang erwarteten abschließenden Bewertung über den Herbizidwirkstoff Glyphosat hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (*) folgende Pressemitteilung herausgegeben:

PRESSEMITTEILUNG

EFSA bestätigt frühere Sicherheitsbewertungen von Glyphosat

Frankfurt, 12. November – Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die früheren Sicherheitsbewertungen des Pflanzenschutzmittelwirkstoffes Glyphosat erneut bestätigt. Die Behörde kommt zu dem Schluss, dass Glyphosat keine krebserregenden oder mAG_Glyphosatutagenen Eigenschaften besitzt und sich auch nicht toxisch auf die Fortpflanzung, sowie die Embryonalentwicklung auswirkt. Darüber hinaus stellt EFSA fest, dass „es sehr unwahrscheinlich ist, dass von Glyphosat eine Krebsgefahr ausgeht und die Datenlage unterstützt auch keine Einstufung von Glyphosat hinsichtlich eines krebserregenden Potentials gemäß der Verordnung (EC) Nr. 1272/2008.“
EFSA kam zu dieser Schlussfolgerung nach Bewertung eines umfassenden Studien- und Datensatzes zum Wirkstoff Glyphosat. Die Schlussfolgerung der EFSA verdeutlicht die überwältigende Beweiskraft der vorliegenden Daten. Laut EFSA sei die Datenlage zum Wirkstoff Glyphosat „außerordentlich umfangreich“. Dabei stütze sich „die toxikologische Bewertung des berichterstattenden Mitgliedsstaates, die im Rahmen des sog. ‚peer review‘ Verfahrens (1) bestätigt wurde, auf die Gesamtaussagekraft der Fülle an validen Studien und nicht nur auf einzelne Studien zu einem bestimmten Bewertungsaspekt“, wie es im EFSA Bericht heißt.
Richard Garnett, Vorsitzender der europäischen Glyphosat Task Force sagt dazu: „Das Ergebnis der EFSA ist ein entscheidender Schritt im Rahmen des Wiederzulassungsprozesses von Glyphosat durch die europäischen Zulassungsbehörden. Es bestätigt erneut die früheren Sicherheitsbewertungen von Glyphosat, die bereits von Behörden weltweit durchgeführt wurden. Diese haben einheitlich ergeben, dass die Anwendung von Glyphosat kein Risiko für den Menschen, Tiere und die Umwelt darstellt.“
Die Europäische Kommission wird die Schlussfolgerungen der EFSA in ihrem Beurteilungsbericht und in einem Entscheidungsvorschlag berücksichtigen, über den die Vertreter der 28 Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SC PAFF) in den kommenden Monaten abstimmen.
Ursula Lüttmer-Ouazane, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (*) kommentierte die Entscheidung: „Wir freuen uns, dass die beteiligten Bewertungsbehörden sich die nötige Zeit nehmen konnten, um den Wirkstoff Glyphosat umfänglich neu zu bewerten und sehen uns durch das Ergebnis erneut bestätigt. Wir gehen davon aus, dass nunmehr eine faktenbasierte Debatte die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat bisherigen, teilweise ideologischen und unsachlichen Kampagnen ablöst. Glyphosat ist ein wertvoller Baustein einer modernen und nachhaltigen Landwirtschaft.

(1) Unter peer review-Verfahren wird die folgende Vorgehensweise bei der Pflanzenschutzmittelwirkstoff (Über-)prüfung verstanden:
Ein Expertenteam der EFSA sichtet und überprüft sämtliche relevanten Daten und Studien zum Wirkstoff. Offene Fragen werden bei Expertentreffen (oder Telekonferenz) oder im schriftlichen Verfahren zwischen EFSA, Berichterstattender Mitgliedsstaat (BMS) und Mitgliedsstaaten geklärt. Der BMS stellt den endgültigen Bericht fertig. Die EFSA verfasst einen Entwurf einer Schlussfolgerung mit abschließender Konsultation der Mitgliedsstaaten. (Quelle🙂
(*) Die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (AGG) setzt sich für einen nachhaltigen und sachgerechten Einsatz des Wirkstoffes ein. Weitere Informationen zur Anwendung und Sicherheitsbewertung von Glyphosat unter www.glyphosat.de. In der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat engagieren sich die Unternehmen ADAMA Deutschland GmbH, Cheminova Deutschland GmbH & Co. KG, Dow AgroSciences GmbH, Helm AG, Monsanto Agrar Deutschland GmbH, Nufarm Deutschland GmbH, Syngenta Agro GmbH. Die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat ist ein informeller Zusammenschluss der Unternehmen und keine rechtlich selbstständige Einheit.

Anmerkung des Blogbetreibers:
Weil immer mal wieder der Lobbyvorwurf geäußert wird: Ich möchte noch einmal betonen, dass ich diese PM ausschließlich wegen des wichtigen Informationsgehaltes poste. Ich beziehe weder Geld- noch Sachleistungen von der chemischen Industrie. 

 

Offener Brief …

… zur Berichterstattung über die Untersuchung von Bündnis90/Die Grünen zu Glyphosat in der Muttermilch

(c) stallbesuch.de
(c) stallbesuch.de

Mit großer Sorge haben wir die Pressereaktion auf eine von „Bündnis 90/Die Grünen“ in Auftrag gegebene Untersuchung zu Glyphosat in Muttermilch-Proben zur Kenntnis genommen.

In zahlreichen Medien wurden Inhalte und Schlussfolgerungen aus der Pressemitteilung einer politischen Interessengruppe ungeprüft übernommen und nicht angemessen gewichtet.

So werden in der Pressemitteilung die ermittelten Werte mit den Trinkwasser-Grenzwerten verglichen. Diese Grenzwerte sind allerdings pauschaler Natur, gelten für alle Arten von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden. Sie sind nicht geeignet, um daraus eine etwaige Gesundheitsgefährdung abzuleiten (Link).

Ausschlaggebend für die Bewertung der Gesundheitsgefährdung ist die in der EU zulässige Tagesaufnahme, kurz ADI (acceptable daily intake). Diese liegt für Glyphosat bei 0,3 mg pro Kilogramm Körpergewicht.

Ein vier Kilo schwerer Säugling müsste also von der in der Stichprobe am stärksten belasteten Muttermilch mehr als 2777,778 Liter am Tag (!) trinken, um diesen Grenzwert zu überschreiten. Offener Brief … weiterlesen