Archiv der Kategorie: Kommentar

Wie Verbände die Landwirtschaft zerstören

In seinem Text „Mobbingopfer – Wie Negative-Campaigning die Landwirtschaft zerstört“ hat Roland Schulze Lefert im BlogAgrar die Arbeitsweise von NGOs kritisiert und mit Mobbingfällen in Verbindung gebracht. Martin Rücker, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch, antwortet darauf.
Bild von Martin Rücker, foodwatch
Martin Rücker
Bild: foodwatch/Darek Gontarski

Der sehr persönliche Text zum Thema „Bauernmobbing“, den Roland Schulze Lefert am 12. Februar im BlogAgrar veröffentlichtet, hat mich doppelt betroffen gemacht.

Erstens aufgrund der greifbaren Last des Erlebten, die Herrn Schulze Lefert aus der Kindheit bis heute verfolgt, und aufgrund des Mutes, dies öffentlich in dieser Form zu beschreiben. Davor habe ich allergrößten Respekt. Stellen wir es an den Anfang: Die Ausgrenzung, die Herr Schulze Lefert erlebt hat, ist inakzeptabel. Mobbing hat in unserer Gesellschaft nichts verloren, und zwar in allen Fällen – ob gemobbt wird, weil ein Mensch (oder gar dessen Mutter oder Vater) den „falschen“ Beruf hat, die „falschen“ Klamotten oder eine Brille trägt, „zu viel“ auf die Waage bringt oder welche „Angriffsfläche“ auch immer bietet.

Zweitens hat mich als Verantwortlichen einer NGO, die sich mit Ernährung und Landwirtschaft befasst, natürlich die sehr deutliche Schuldzuweisung betroffen gemacht. Verstehe ich ihn richtig, zieht Herr Schulze Lefert eine direkte Linie von NGO-Kampagnen über das Image der Landwirtschaft hin zum Mobbing von Bauernkindern. Ich finde: Wenn dies ein vorherrschendes Gefühl unter Landwirten ist, sollte diese Diskussion geführt werden. Bernhard Barkmann danke ich für die Gelegenheit, in seinem Blog meine Gedanken dazu zu teilen.

„Lügenpresse“ und Journalistenmobbing? Wie Verbände die Landwirtschaft zerstören weiterlesen

Glyphosat-Berichterstattung im NDR sorgt für Unmut

„Glyphosat: Wundermittel oder Gift?“ Am 26. Februar 2018 berichtete der NDR um 19:30 Uhr in  Nordmagazin über das Pflanzenschutzmittel Glyphosat. Bei Facebook macht Landwirt und Pflanzenbauexperte Daniel Bohl auf gravierende Mängel in dem Beitrag aufmerksam. Der Vize-Vorstandsvorsitzende der Wariner Pflanzenbau eG mit Sitz in Trams hat BlogAgrar die Erlaubnis erteilt, seinen Beitrag an dieser Stelle online zu stellen. 

Lohnt sich für den NDR das sauber Recherchieren nicht mehr?

Gestern Abend berichtete der NDR Mecklenburg-Vorpommern im regionalen Nordmagazin mal wieder über den Wirkstoff Glyphosat.

Als Landwirt fand ich es erschreckend, wie nachlässig für den Beitrag recherchiert wurde, dabei ist das Thema seit Monaten Bestandteil der Berichterstattung in den Medien. Glyphosat-Berichterstattung im NDR sorgt für Unmut weiterlesen

eigenständige SPD-Agrarpolitik?

ein offener Brief an SPD-Vorsitzenden Martin Schulz

von Sönke Hauschild

Lieber Martin Schulz.
Vor 150 Jahren gründete sich eine Partei, die politisch so erfolgreich war, wie wenige andere: Die SPD. Ferdinand Lasalle war damals war Arbeiterführer und SPD-Gründer in einem. Das prägte die Partei. Die SPD stand hinter der Bismarckschen Sozialgesetzgebung mit einer Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung – damals weltweit einmalig. Bis heute folgten weitere soziale Errungenschaften; wir springen jetzt einmal über die 40-Stunden-Woche zur Mitbestimmung.

Bild von Schulz, von dessen Homepage entnommen
ehemaliger Kanzlerkandidat und Vorsitzender der SPD Martin Schulz

Damit sind wir im Hier und Jetzt angelangt, bei den Berliner Koalitionsverhandlungen und den Agrarpolitikern der SPD: Die wollen die Biolandwirtschaft nach vorn bringen. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn es denn „sozialverträglich“ umgesetzt würde. Doch heute verbilligt man Bio mit Steuergeldern der Geringverdiener, damit sich Besserverdiener die Produkte noch etwas lieber leisten – etwas grob zusammengefasst. Das bedient sicherlich eine grüne Klientel, doch aus SPD-Sicht erscheint es eher falsch. Oder nicht?

Lieber Martin Schulz Was könnte eine echte SPD-Agrarpolitik prägen?

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fremdbestimmte Landwirtschaft

Kommentar zu der Meldung „Niedersachsen will Gewässerrandstreifen und Vorkaufsrecht“ bei top agrar:

Niedersachsen will Gewässerrandstreifen und Vorkaufsrecht Topagrar.com - Lesen Sie mehr auf: https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Niedersachsen-will-Gewaesserrandstreifen-und-Vorkaufsrecht-fuer-diese-Flaechen-6010626.html

Bei diesen Gesetzesvorlagen muss ich immer wieder an eine Begebenheit denken, die ich kurz nach der Wiedervereinigung erlebt habe.

Wir haben bei der Besichtigung eines Betriebes in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Geschäftsführer lange geredet und dabei machte er folgende Aussagen:

„Ihr im Westen perfektioniert unser System im Osten! Bei uns sind wir alle drei bzw. fünf Jahre dem Staat Rechenschaft schuldig – ansonsten werden wir bei der Erfüllung unserer Zahlen und Arbeiten in Ruhe gelassen! Die Fehler bzw. Schwächen unseres Sozialismus werden bei Euch bereinigt. Der Staat erhält absoluten Zugriff auf Euer Eigentum und Ihr Landwirte müsst nach strengen Regeln produzieren, die dann von der „Öko – Polizei“ überwacht werden.“

Jobtausch mit Politikern!

Diese Aussagen halten uns Landwirte einen Spiegel vor! Wollen wir wirklich so fremdbestimmt weiterarbeiten? Sollten wir nicht den Ministern und Politikern die Stiefel und Kombi reichen und Ihnen die Chance geben unter Ihren eigenen Gesetzen zu arbeiten – eine Art Jobtausch!

Als ich mich entschied Landwirt zu werden, habe ich den Beruf gewählt, weil ich entscheiden konnte was, wie und wann ich machen konnte!

Ich habe diesen Beruf nicht gewählt, weil ich permanent Angst vor Kontrollen haben muss, weil immer mehr Menschen, die eigentlich nichts von meinem Beruf verstehen, mir vorschreiben, wie ich meinen Tagesablauf bzw. Jahresablauf zu gestalten habe, weil immer mehr Menschen offenbar „scharf“ auf meinen Besitz sind und diesen zum Allgemeingut machen wollen, weil ich es immer häufiger erlebe, wie meine Arbeit mit den „Füssen getreten“ wird.

Auf unserem Hof wird seit 1865 Landwirtschaft betrieben. Der Hof hat viele Nöte überlebt, weil gerade unsere Vorfahren verantwortungsvoll und nachhaltig mit der Natur, den Tieren und den Menschen umgegangen sind. Erfahrung, Anpassungsfähig und Know – how haben den Hof zu dem gemacht, was er heute ist.

mehr Vertrauen nötig

Liebe Verbraucher und Politiker habt mehr Vertrauen in unsere Arbeit!

Redet mit uns – statt über uns!

Populismus und falsch verstandener Aktionismus hilft uns allen nicht weiter, sondern stört nur einen nachhaltigen Entwicklungsprozess und isoliert uns von der Entwicklung auf den Weltmärkten. Für die Folgen einer solchen Entwicklung gibt es genügend Beispiele, wie die Textilindustrie…

Verordnungen & Gesetze bremsen notwendige Entwicklung

Wenn wir unsere Landwirtschaft in Niedersachsen bzw. Deutschland erhalten wollen, dann müssen wir aufhören diesen Wirtschaftszweig mit Verordnungen und Gesetzen zu überfordern und in seiner Entwicklung zu bremsen.
Die Landwirtschaft muss Geld verdienen und braucht Entwicklung!

 

Eine harte, aber faire Glyphosat-Debatte? Und die Erde ist eine Scheibe.

Ankündigung Sendung hart, aber fair.
Hart. Aber Fair? Um Gottes willen!

Glyphosat – und kein Ende.  Auch bei „hart aber fair“ wird man sich am Montag, 4. Dezember 2017 um 21.00 Uhr des Themas annehmen: „Der stille Tod der Bienen – wer vergiftet unsere Natur?“ Seinen Beitrag teasert das Format bei Facebook folgendermaßen an:

„Der Streit um Glyphosat zeigt: In der modernen Landwirtschaft geht ohne Chemie nichts mehr. Wie gefährlich ist das? Sterben bei uns wirklich die Insekten durch Agrar-Gifte und Monokulturen? Und welchen Preis zahlen wir und die Bienen für unser billiges Essen?“

Die hart aber fair-Macher baten zudem die Leser, ihnen ihre Meinung zum Thema zu schreiben. Die Gelegenheit habe ich genutzt. Hier mein Post (modifiziert):

Hart aber fair ist es in der Glyphosat-Diskussion nur selten zugegangen. Stattdessen erleben wir eine Hexenjagd sondergleichen. Mit der Verlängerung der Glyphosat-Zulassung bekommen wir fast täglich neue Eskalationstufen serviert, sowohl massenmedial als auch in den Sozialen Medien (lesenswerte Ausnahmen bestätigen glücklicherweise die Regel). Spitze des Eisberges sind die Morddrohungen, die bei Minister Schmidt und seiner Familie eintrafen.

Wissenschaftsjournalist Ludger Weß hat es bei den Salonkolumnisten in seinem Beitrag „Glyphoshima – Das Ende der Umweltschutzbewegung  auf den Punkt gebracht:
„Der Fall #Glyphosat hat den Begriff „Umweltschützer“ so nachhaltig diskreditiert dass man an PEGIDA oder „Heimatschutz“ denken muss. Wir erleben Populismus, Hetze und Menschenjagd. Die Volksfront reicht von links- bis rechtsaußen.“
 
Meine ganz persönliche Meinung: Wir haben es mit geistiger Brandstiftung zu tun. Die Bloggerin Schillipaeppa hat  es schon vor einem Jahr auf den Punkt gebracht: „Es brennt!“

Hexenjagd als Fortsetzung von Agrarpolitik mit anderen Mitteln 

Virtuosen der Brandstiftung sind die Grünen. Einen ihrer Großmeister haben Sie in Ihrer Sendung zu Gast. Fragen Sie Herrn Ebner bitte mal, was er von wissenschaftlichen Erkenntnissen hält. Warum er seit zwei Jahren non-stop versucht, das BfR und seine Mitarbeiter zu diskreditieren statt anzuerkennen, dass eine Fachorganisation nach der anderen weltweit Glyphosat für unbedenklich erklärt hat. Warum er die wissenschaftlich völlig unterernährte Muttermilchstudie seiner Partei mit Zähnen und Klauen verteidgt.

Ihr Kolleginnen vom Stern haben sich besagte „Studie“ kurz nach Veröffentlichung angesehen und kurzen Prozess gemacht: Die Mär von der verseuchten Muttermilch.

Um was es bei dieser Hexenjagd im Grunde genommen geht? Um die Fortsetzung von Agrarpolitik mit anderen Mitteln! Mittel zum Zweck. Ideologie. Oder, wie BfR-Chef Prof. Hensel es treffend ausgedrückt hat: Wissenschaft wird als Kampfmittel missbraucht.

PflanzenSCHUTZmittel

Übrigens fällt regelmäßig unter den Tisch, dass auch Biobetriebe mit Pflanzenschutzmittel arbeiten. Mit PSM, die zum Teil toxischer sind als Glyphosat. Ein Beispiel ist Kupfersulfat. Bitte zeigen Sie Herrn Ebner diese Tabelle und bitten ihn um eine Stellungnahme.Giftigkeitsstufen von StoffenAspirin ist giftiger als Glyphosat. Das im Biolandbau benutzte Fungizid Kupfersulfat gleichfalls. Sic transit gloria Bio? Niemals! Eher friert die Hölle zu! 😉

Paracelsus 1538: „Allein die Dosis macht, dass ein Stoff kein Gift ist.“

Übrigens, eine zentrale Frage, die sich in unserer durchurbanisierten Gesellschaft kaum einer stellt:  Warum arbeiten Landwirte, ob im konventionellen oder Biolandbau, eigentlich mit PSM? Es gibt nämlich gute Gründe! Und, nebenbei gesagt, sehr gute Gründe, das verunglimpfende Wort Agrar-Gift aus dem Wortschatz zu streichen!

Am Beispiel der Pyrrolizidinalkaloide lässt sich das gut erklären. Dieser Stoff kommt unter anderem im Jakobskreuzkraut vor, einer Pflanze, die sich hierzulande auf extensiv bewirtschafteten Flächen immer weiter ausbreitet. Funde in Lebensmitteln wie Kräutertees, Rucola oder Honig sind besorgniserregend, weil die Stoffe irreversible Leberschäden verursachen können. Eine ganz heikle Geschichte. Ein anderes Alkaloid, das den Menschen gefährlich werden kann, ist das Mutterkorn. Es befällt Nahrungs- und Futtergetreide. In früheren Zeiten hat es vielen Menschen das Leben gekostet.

Was also ist Glyphosat oder Kupfersulfat, Gift oder Schutz? Was ist das wahre Gift?

Klar, man könnte Glyphosat in die Ecke stellen und den Pflug benutzen – allerdings mit negativen Auswirkungen auf die Biodiversität.  Weitere Vorteile eines Pflugverzichts: Die Bodenstruktur bliebe erhalten und die Wasseraufnahmefähigkeit würde erhöht. Beides schützt sowohl vor Wind- als auch vor Wasser- Erosionen. Landwirt und Blogbetreiber Bernhard Barkmann hat sich zu dem Thema in seinem Blogpost „Übernehmen Sie Verantwortung geäußert.

Will sagen: PSM werden nicht ohne Grund verwendet. Unser Essen wächst nicht im Supermarkt. Dass wir dort aus der Fülle schöpen können, hat unter anderem auch mit dem Einsatz von PSM zu tun.

Was es bedeuten würde, das Rad zurückzudrehen? Vermutlich würden wir Kartoffelkäfer per Hand absammeln und das Jakobskreuzkraut händisch herausrupfen. Oder wir müssten,  wie im Falle des Heerwurmes, der aktuell im südlichen Afrika Ernteeinbußen in Milliardenhöhe verursacht, Erntemindererträge bis hin zu Totalausfällen in Kauf nehmen. Das wäre die Kehrseite der Medaille. Wollen wir das?

Will Herr Ebner das?

Chemie ist nicht per se schlecht und Natur pur nicht per se gut. Selbiges gilt für die Methoden der konventionellen und biologischen Landwirtschaft. Mit schwarz-weiß kommt man nicht weit. Es gilt, sich situativ der unzählichen shades of grey zu bedienen, die das Leben in petto hat.

Mach ich’s, mach ich’s nicht, mach ich’s….

Ich mach’s nicht. Ich werde mir die Sendung nicht anschauen. Die Ereignisse der letzten Tage stimmen mich negativ. Wenn ich eine Hexenjagd statt Differenzierung haben möchte, lese ich lieber einen historischen Roman.

Glyphosat: Europa, quo vadis?

Warum die Entscheidungsfindung ums Glyphosat ein Trauerspiel für die Glaubwürdigkeit der europäischen Institutionen ist

Die EU, das europäische Parlament, die EU-Kommission ringt um eine weitere Zulassung des umstrittenen und symbolpolitischen Wirkstoffes Glyphosat. Susanne Günther hat auf ihrem Blog einen Kommentar veröffentlicht, der ziemlich genau auch meine Gedanken zusammenfasst.

ein Kommentar von Susanne Günther

Das Europäische Parlament hat diese Woche eine Resolution verabschiedet: Das Gremium fordert darin ein endgültiges Verbot des Herbizid-Wirkstoffs Glyphosat bis zum Jahr 2022. Auf Twitter wird diese Meldung illustriert mit einem Flugzeug, das anscheinend Pflanzenschutzmittel ausbringt, – ein Verfahren, das in der EU für landwirtschaftliche Zwecke bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Steilhänge im Weinbau) verboten ist:

Es ist nicht die erste Entscheidung des Parlamentes zum Thema: Glyphosat: Europa, quo vadis? weiterlesen

Der Künast-Ökozid

von Sönke Hauschild, Bauernverband Schleswig-Holstein

Im Oktober 2016 ging es in Den Haag um Großes: Da stand die künftige Bayer-Tochter Monsanto vor einem „Tribunal“. Nein, nicht vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Sondern auf dessen Vorplatz. Es war ein Schauprozess der maximale Medienabdeckung garantierte. Gestern noch berichtete „arte“ darüber (Link). Angst bildet offenbar…

"Wenn Fakten eine politische Agenda durchkreuzen, werden die Fakten in Frage gestellt, nicht die Agenda" Zitat von Bernhard Url, EFSA-Direktor zur Glyphosat-Diskussion

Ökozid- eine neue Wortschöpfung

Ziel war es, den „Ökozid“ – in geschickter Anlehnung an den „Genozid“, Völkermord – als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuprangern. Ökozid hört sich giftig an und meint die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Botschafterin des Tribunals war übrigens die Grüne und Juristin Renate Künast. Künast verhandelt für die Grünen derzeit das Agrarkapitel in der Berliner Jamaika-Sondierung.

Interessant wird es, wenn es um das Ziel des Schauspiels geht: Das Tribunal sollte

„bezüglich der Gefahren der industriellen und chemischen Landwirtschaft und der Notwendigkeit, das landwirtschaftliche Paradigma zu ändern“

sensibilisieren. Monsanto ist also nur der Platzhalter für ein System, das man angreift – und das uns zugleich ernährt.

Landwirtschaft ist leistungsfähig und effizient

Innerhalb von 20 Jahren hat die weltweite Landwirtschaft es geschafft, zwei Milliarden Menschen mehr satt zu machen. In deutschen Lebensmitteln nähern sich Rückstandswerte von Pflanzenschutzmitteln oder Antibiotika dem Promillebereich. Unsere Landwirtschaft hat ihre Emissionen innerhalb von 25 Jahren um 15 % verringert, im selben Zeitraum aber die Produktivität bei Getreide um 28 % und bei Milch um 16 % gesteigert.

Das alles reicht nicht.
Im Gegenteil: All dies dient vielmehr als Beweismittel des Ökozids. Denn ohne „Pestizide“ wäre das nicht möglich gewesen. Es erschreckt, wenn eine Juristin mit Bundestagsmandat sich für Schauprozesse engagiert. Denn es erinnert fatal an Staaten, denen demokratische Regeln zur Durchsetzung fehlen.

staatliche Institutionen werden diskreditiert

Schlimm ist es, wie man mit dem Präsidenten des von Künast gegründeten Bundesinstitutes für Risikobewertung umspringt. Prof. Dr. Andreas Hensel wird vorgeworfen, er habe ungeprüft Studien von Monsanto übernommen. Doch bleibt er klar auf wissenschaftlicher Linie:

„Die Bewertung sämtlicher Bewertungsbehörden europa- und weltweit ist glasklar: Glyphosat ist nach dem derzeitigen Stand des Wissens nicht als krebserregend einzustufen.“

Auch das JKI, UBA oder das BVL haben Zuarbeiten für den Bericht geliefert.

„Wenn inhaltlich nichts mehr geht und einem die Argumente ausgehen, zerstört man die Reputation der Behörden und Experten,“

bedauert Hensel den versuchten „BfR-zid“.

zweierlei Maß

Dabei ignoriert man den echten Ökozid, die weltweite Ernährungskrise. Offenbar ist es egal, ob nun ein paar hundert Millionen mehr oder weniger hungern. Schuld sind ja doch die anderen. Doch wie schwierig stabile Felderträge ohne Pflanzenschutz sind, zeigt auch der Ökolandbau. Verteidigt die Politik deshalb Kaliumphosphonat als Mittel gegen Pilzerkrankungen im Ökolandbau? Der Irrsinn: Auch Glyphosat ist ein (Glycin-)Phosphonat. Der Unterschied: Politisch.

ohne nachhaltige Intensivierung lässt sich Hunger nicht bekämpfen

Früher diente die klassische Landwirtschaft der Ernährungssicherung. Heute dient sie als Fanal des Weltunterganges. Doch wohin führt uns dieser Weg? In den 1970er Jahren machte die Grüne Revolution mittels Düngung, Pflanzenschutz und neuen Hochertragssorten aus Import- Exportländer für Lebensmittel. Doch die Dividende dieser Revolution ist längst „aufgegessen“. Ohne einen Nachschlag, eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft, droht ein echtes Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Der Genozid, durch Hunger, Frau Künast.

Das Huhn legt sein Ei auf dem Balkon, die Kartoffel wächst im Stadtpark: Lebensräume wieder lebenswert gestalten!

Alexandrowka Potsdam
Deutschland’s Lebensräume zurückerobern – packen wir es an! ALLE!

Beim Fernsehmagazin Frontal21 und damit dem Mutterschiff  #ZDF des Formats macht man sich augenscheinlich Sorgen. Große Sorgen. Es geht um nichts Geringeres als die sich dramatisch verschlimmernde Lage für Vögel, Insekten, Pflanzen und – ja, ganze Lebensräume! Um ein breites Publikum aufzurütteln, sendet #Frontal21 daher am 10. Oktober um 21 Uhr einen Beitrag zum Thema.

Bei der Ursachenforschung landete die Redaktion beim BUND für Umwelt und Naturschutz. Nun basiert die Daseinsberechtigung dieser Nichtregierungsorganisation (NGO) auf einer kaputten Natur. Je schlimmer die Lage von Flora und Fauna, desto flotter rollt der Spendenrubel. Da verwundert es wenig, wenn die üblichen Sündenböcke wieder hervorgekramt werden: Die Agrochemie und die Industrielle Tierhaltung seien ein wesentlicher Grund, so die erdverbundenen Umweltexperten aus Berlin-Mitte.

Leider sind Redaktion und NGO die Tatsache entgangen, dass das Leben kein Schwarz-Weiß trägt. Es ist komplex. Ich habe mir daher bei Facebook erlaubt, die Redaktion in einem Post darauf darauf hinzuweisen. Dabei habe ich mich um einen konstruktiven Ansatz bemüht:

Lebensräume können zurückholt werden, werte Redaktion. Ganz einfach: Die Landwirte stellen alle auf Bio um, im Ackerbau und in der Nutztierhaltung. Das wäre zwar mit beträchtlichen Mindererträgen verbunden (im Ackerbau rechnet man mit einem Minus von 30 bis 50 %), aber, hej, ist ja nur Essen, das wächst allemal im Supermarkt. Oder im Ausland. Null Problemo.

Beton zu Naturlandschaft!

Dann renaturieren wir richtig viel. Ihr wisst schon. Ein Teil des Ackerlandes (merke: Essen wächst im Supermarkt) wird in hübsch anzuschauende Natur umgewandelt, auch Massentierhaltungsställe werden vom Erdboden getilgt. Von Natur wird man zwar nicht satt, aber das spielt keine Rolle, denn: Essen wächst im Supermarkt!

Dann hören wir ab sofort auf, täglich 60 Hektar und mehr für EUCH alle da draußen umzuwandeln. Ich glaube, ich erwähne es besser kurz, da viele Menschen dermaßen weit von der Landwirtschaft entfernt sind, dass sie gar nicht wissen, WO sie leben, Auto fahren und ihre Ikea-Möbel auf der grünen Wiese shoppen. Oder WO viele ihre Penunsen verdienen: auf ehemaligem Ackerland. Ja, so ist es. Jeden Tag werden etwa 84 fußballfeldgroße Flächen der Lebensmittelerzeugung entzogen – zum Wohle der Allgemeinheit. Weil: Essen wächst ja im Supermarkt. Oder im Ausland. Oder?

Lebensraumzerstörer an die Arbeit – ALLE!

So, jetzt haben wir die bösen, lebensraumzerstörenden, konventionellen Landwirte abgearbeitet und wenden uns Euch zu, die Ihr in urbanen Milieus wohnt. Ihr seid nämlich gewaltige Lebensraumzerstörer. Daher leistet auch Ihr aus Gründen der Fairness Euren Teil:

Zuerst wird ein beträchtlicher Teil des von Euch genutzten ehemaligen Ackerlandes seiner ursprünglichen Bestimmung zurück übergeben. Ihr zieht in die Städte. Könnte etwas eng werden, aber wir ALLE sind gefordert.

Ihr glaubt zwar, Euer Essen wächst im Supermarkt. Aber ich verrate Euch ein Geheimnis: Dem ist nicht so! Und wenn Ihr Bio wollt, keine Pestizide und keine Massentierhaltung, und das KONSEQUENT nicht wollt, dann kommt Euer Essen auch NICHT aus dem Ausland.

Urban Gardening will NOT be just for fun!

WIE Euer Essen wächst, das werdet Ihr neu erlernen (müssen), denn Ihr baut zukünftig einen Teil selber an. Das geht nicht anders. Wo? In den Parks und auf sonstigen Grünflächen in Euren Städten. Auch Nutztiere lassen sich in der Stadt halten. Ein Blick zurück in die gute alte Zeit belegt dies. Für Schweine und Kühe findet sich immer ein Plätzchen im Hinterhof, Hühner fühlen sich auch auf dem Balkon wohl (aber nicht im Käfig, das versteht sich ja von selbst).

Parks und Grünflächen sind überflüssig. Ihr werdet keine Zeit mehr für’s Flanieren erübrigen können, die Lebensmittelerzeugung neben dem Bürojob ist zeitintensiv. Eure Wauwis braucht Ihr demnächst auch nicht mehr Gassi führen. Warum? Die werden verboten. Genauso wie Eure Katzen.

Warum? Habt Ihr einen blassen Schimmer, was Eure Lieblinge fressen und WO das Futter herkommt? Und vor allem welche Mengen zusammen kommen? Keine Massentierhaltung, kein Fressi. Keine mit Gas getöteten Küken (NEIN, die Puschels werden in Deutschland NICHT geschreddert!), kein Fressi. Ganz einfach.

Lebensraumzerstörung für einen guten Zweck!

EIN Lebensraum bedarf allerdings dringend der Zerstörung, will man dem verlinkten Kress-Artikel Glauben schenken: das journalistische Biotop.

Werte Frontal21-Redaktion, Ihr kündigt im Teaser das übliche Hau-die-Landwirtschaft an. Das hatten wir in den letzten Jahren wirklich bis zum Erbrechen. Geht es auch differenziert?

Jamaika: Droht uns ein Bauernopfer?

Nachbetrachtung zur Bundestagswahl: Was würde eine mögliche Jamaika-Koalition für die Landwirtschaft bedeuten?

Deutschland hat gestern gewählt. Die Wahlbeteiligung ist erfreulicherweise angestiegen und die Liberalen (FDP) sind wieder Teil des künftigen Bundestages. Doch das waren dann auch in meinen Augen die positiven Aspekte der gestrigen Wahl. Die Volksparteien sind deutlich geschrumpft und die rechte AfD hüpft locker über die 5%-Hürde und wird sogar drittstärkste Fraktion.

Wahlergebnis der Bundestagswahl 2017. Neben der großen Koalition ist auch eine Jamaika-Koalition möglich
Wahlergebnis der Bundestagswahl 2017 (entnommen von ard.de)

Die SPD hat sehr schnell nach der ersten Prognose eine Regierungsbeteiligung abgelehnt. Damit bliebe dann eigentlich nur noch das sogenannte Jamaika-Bündnis aus Union, FDP & Grünen. Eine Konstellation die vielen Bauern in Deutschland Bauchschmerzen bereitet.

Warum „Jamaika“ gefährlich sein kann für das Land

Viele Bäuerinnen und Bauern haben schlicht Angst vor einem grünen Jamaika: Droht uns ein Bauernopfer? weiterlesen

Eieiei. Schafft die Massentierhaltung ab, und alles wird gut!

Hühnerhaltung vor über 80 Jahren
Klein, aber fein. Keine Massentierhaltung – dafür vermutlich viele versiffte Eier. Zumindest nach heutigen Maßstäben.

Fipronil und kein Ende. Auch Jost Maurin von der taz hat sich geäußert. Sein Essay „Ei. Ei. Eieieieiei“ vom 11. August lässt sich auf einen kurzen Nenner bringen: Die industrielle Massentierhaltung ist besonders anfällig für illegale Praktiken. Seine Schlussfolgerung

Für den Hühnerhof gilt – von Ausnahmen abgesehen: Klein ist fein.

ist: schlicht und ergreifend. Oder eher: Ergreifend – schlicht?

Jost Maurin scheint davon auszugehen, dass kleine Bestände immun sind gegen verunreinigte Hygieneprodukte. Ach. Weiß er denn nicht, dass jeder Eiervermarkter strenge Hygienevorschriften umzusetzen hat? Das Produkt Ei ist anfällig gegen zahlreiche Unreinheiten, die, wüssten wir im Detail Bescheid, uns das Gruseln lehren würden.

Dass wir uns über die kleinen Proteinbomben zum Frühstück kaum Gedanken machen brauchen, liegt daran, dass die Eiererzeuger der Republik, von der Deutschen Frühstücksei bis hin zum Landwirt mit seinem lütten Mobilstall auf dem Gelände, penibel dafür Sorge tragen, dass ihre Ställe in hygienisch einwandfreiem Zustand sind. Ausnahmen bestätigen selbstverständlich wie überall die Regel und sind, wie man aktuell sieht, nicht nur in den Reihen der Landwirte zu suchen. Eieiei. Schafft die Massentierhaltung ab, und alles wird gut! weiterlesen