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Problem Schwanzbeißen: 100 % gesund?

Warum Landwirte gegen Investigativrecherche & illegale Filmaufnahmen in Ställen einfach keine Chance haben

von Mirjam Lechner*, StallAktiv

Logo von StallAktivAls Spendenmotivations-Auslöser haben Furchterregungs-Kampagnen seit einiger Zeit Hochsaison. Fotos/Videos von teilweise wirklich schlimm verletzten/kranken Tieren – dramatisch im Halbdunkeln mit bedrohender Musik unterlegt führen zu Empörung, Unterschriftenaktionen und Fernsehdiskussionen: Und Denunziationen aller Tierhalter .

Das Traurige – auch wirklich gute Betriebe/Haltungen haben an sich keine Chance – weil es eine 100 %ige Gesundheit nicht gibt! Und bei nur 1 % kranker Tiere sich in einem 1000er Bestand dann 10 betroffene Tiere zeigen lassen – Jackpot!

Auch in meinen Fotos von alternativen Haltungen oder aus Tierschutzlabelställen in der Schweiz – kann ich euch sowas zeigen:

angefressener Schwanz aus Tierwohllabelstall
Aus einem Tierwohl-Labelstall in der Schweiz: Trotz Auslauf, eingestreuter Liegefläche mit Stroh und wirklich guter Betreuung vom Schweinegesundheitsdienst – gibt es Schweine die andere „anfressen“. Und ja das geht über Nacht!

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Ausgewintert

Der Winter ist endgültig vorbei, viele Arbeiten auf dem Acker stehen nun an.

Leider hat der harte Winter mit seinen Kahlfrösten dafür gesorgt, dass viele Wintergetreideflächen nicht mehr zu retten sind und umgebrochen werden müssen.

Der Fachausschuss Getreide des Deutschen Bauernverbandes beschreibt die Situation in Deutschland wie folgt:

„Die Auswinterungsschäden auf den Feldern sind in einigen Regionen Deutschlands so umfangreich, dass sich ein Umbruch der Wintersaaten nicht mehr vermeiden lässt. Auf diesen Flächen muss nun Sommergetreide nachgesät werden. Regional ist deswegen die Versorgung mit Saatgut für Sommersaaten schon sehr angespannt“, so Dr. Klaus Kliem, Vorsitzender des Fachausschusses Getreide des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Präsident des Thüringer Bauernverbandes nach der Frühjahrssitzung des DBV-Ausschusses. Besonders betroffen seien Gebiete in den östlichen Bundesländern, im Norden Baden-Württembergs, in Hessen sowie im südlichen Niedersachsen.

ausgewinterter Winterweizen || (c) landwirtschaftskammer.de
„Der Beginn des Winters war relativ mild und die Bestände konnten sich schon sehr weit entwickeln. Entscheidend war, ob während der starken Frostperiode im Februar die Saaten durch eine Schneedecke geschützt waren“, so Kliem. Dort, wo die Bestände von Schnee bedeckt und damit vor Kälte und Austrocknung geschützt waren, seien kaum Auswinterungsschäden zu verzeichnen. Auf Äckern, bei denen die Schneedecke fehlte, seien teils erhebliche Auswinterungsschäden aufgetreten.
Mit Blick auf die einzelnen Kulturen sei festzustellen, dass Winterroggen, der in der Regel niedrige Temperaturen gut verkraftet, am wenigsten unter den Witterungsbedingungen gelitten hat. Winterraps zeichne sich durch ein gutes Regenerationsvermögen aus und habe daher die Forstperiode meist recht gut überstanden. Dennoch werde die im Sommer 2012 zu beerntende Rapsfläche geringer ausgefallen, denn im Herbst vergangenen Jahres sei deutlich weniger Winterraps ausgesät worden als in anderen Jahren. Problematischer ist dagegen die Situation bei Wintergerste und bei früh ausgesätem Winterweizen. Gebietsweise müssten diese Kulturen wegen massiver Auswinterungsverluste großflächig umgebrochen werden. Auf diesen Flächen könne noch Sommergetreide angebaut werden. Allerdings werde entsprechendes Saatgut vielerorts schon knapp. Auch aus diesem Grund stelle Mais eine weitere Anbaualternative dar, so die einhellige Meinung im DBV-Fachausschuss. (Link)

Diese Nachricht beschäftigt natürlich auch die Märkte von morgen. Zusammen mit einer befürchteten Frühjahrstrockenheit gehen viele Marktteilnehmer davon aus, dass das Getreide auch über den Sommer hinaus weiter knapp bleiben dürfte. Sogar in Amerika macht sich der Wirtschaftsnachrichtensender Bloomberg über den aktuellen Zustand des Getreides in Europa Gedanken und blickt sorgenvoll auf eine möglicherweise beginnende Frühjahrstrockenheit. Eine weitere niedrige Getreideernte ist leider möglich.

Die Sorge einer Dürre ist nicht ganz unbegründet, denn in den letzten Jahren zeichneten sich die Frühlingsmonate, in denen das Getreide viel Wasser benötigt, durch eine anhaltende Trockenheit aus. Aktuell sind die Flächen auch schon wieder abgetrocknet und können fast alle befahren werden. Für die aktuellen Feldarbeiten ist das durchaus vorteilhaft. Die Wettervorhersagen stellen jedoch keinen Regen in Aussicht.

für die kommende Woche ist kein Regen in Sicht || (c) by wetterspiegel.de

Fehlende regionale Erntemengen können aber möglichweise mit Importen aus Regionen mit guten Ernten ausgeglichen werden. Und noch ist es nicht soweit, ich möchte ja nicht den Teufel an die Wand malen!
Schwieriger wird es aber wohl bei der Versorgung mit dem Stroh werden, weil dieses Nebenerzeugnis nur mit hohen Kosten transportiert werden kann. Hier darf man mit weiter steigenden Rekordpreisen rechnen. (siehe auch: begehrtes Stroh)

Natürlich stellt sich nun für den betroffenen Getreideanbauer die Frage, wie die nun frei gewordenen Fläche bewirtschaftet werden soll. Oft wird auf Sommergetreide ausgewichen, aber leider ist der Markt nach Auskunft meiner Agrargenossenschaft aufgrund der exorbitant großen Nachfrage in Deutschland quasi leer gefegt. Selbst Ackerbohnen und Erbsen sind mittlerweile knapp geworden. So bleibt vielen nur der Maisanbau, wodurch diese Frucht als Gewinner aus dieser Misere hervorkommen wird. Die Kritiker des weiter zunehmenden Maisanbaus wird das sicher nicht freuen- Stichwort Vermaisung.