Problem Schwanzbeißen: 100 % gesund?

Warum Landwirte gegen Investigativrecherche & illegale Filmaufnahmen in Ställen einfach keine Chance haben

von Mirjam Lechner*, StallAktiv

Logo von StallAktivAls Spendenmotivations-Auslöser haben Furchterregungs-Kampagnen seit einiger Zeit Hochsaison. Fotos/Videos von teilweise wirklich schlimm verletzten/kranken Tieren – dramatisch im Halbdunkeln mit bedrohender Musik unterlegt führen zu Empörung, Unterschriftenaktionen und Fernsehdiskussionen: Und Denunziationen aller Tierhalter .

Das Traurige – auch wirklich gute Betriebe/Haltungen haben an sich keine Chance – weil es eine 100 %ige Gesundheit nicht gibt! Und bei nur 1 % kranker Tiere sich in einem 1000er Bestand dann 10 betroffene Tiere zeigen lassen – Jackpot!

Auch in meinen Fotos von alternativen Haltungen oder aus Tierschutzlabelställen in der Schweiz – kann ich euch sowas zeigen:

angefressener Schwanz aus Tierwohllabelstall
Aus einem Tierwohl-Labelstall in der Schweiz: Trotz Auslauf, eingestreuter Liegefläche mit Stroh und wirklich guter Betreuung vom Schweinegesundheitsdienst – gibt es Schweine die andere „anfressen“. Und ja das geht über Nacht!

Schweine im Tiefstreu
Schweine im Tiefstreu – werden gerne in großen Gruppen mit Unterschlupf/Hütten gehalten. Nur leider verkrümeln sich da auch gerne kranke Ferkel in die Hütten und aus einem latenten Kümmerer – wird dann schnell ein kachektisch-abgemagertes Schwein. Ich kenne kaum einen Landwirt der sich da nicht drüber ärgert, wenn im Stress ihm ein solches Schwein „ausgekommen“ ist und er es dann so vorfindet.
Eine Sau bekommt viele Ferkel. Warum eigentlich?
Warum hat die Sau so viele Ferkel und nicht nur eins wie eine Kuh? Weil die Natur beim Schwein mit einigen – also über die Hälfte der Saugferkel – mit Verlusten „rechnet“. Und schon immer ist eines von 10 bis 13 dabei – welches einfach zu klein/nicht lebensfähig ist und als chronischer Kümmerer keine Chance hat mit seinen Wurfgeschwistern mit zu halten. Und ja die sehen dann so aus.
Stroh alleine löst keine Probleme
Stroh-Haltung ist nicht die Universallösung für gesunde Schweine. Das hier hat ein struppiges Haarkleid (Zugluft/Erkältung im diesem Aussenklimastall?), verbissene Ohren (zu wenig Futter – Artgenossen beißen?) und Tränenspuren & Rotz am Rüssel die auf eine Infektion/Leiden hinweisen. Solche Tiere brauchen einen – Tierarzt. Und vielleicht einen wärmeren Stall?

Schwanzbeißen ist kein exclusives Problem der konventionellen Haltung

In Zahlen beim konventioneller Haltung 3 % verbissene Schwänze, in Ökohaltungen bis 12 % – auch hier fürchtet man illegale Einsteiger und Denunzianten . Die Natur übrigens – wäre noch viel brutaler – kaum jeder zweite Wildschweinfrischling wird groß, deswegen hat die Sau ja viele Ferkel: Weil sie mit diesen „natürlichen“ Verlusten „rechnet“ ODER Raubtiere wie Fuchs & Wolf diese kranken Tiere erwischen.

Deswegen – Fachleute fragen, dann bewerten!


Immer wieder überraschend… in welchen Haltungsformen Schwänze von Schweinen kupiert werden. Hier – fast vollständig…?

* – Mirjam Lechner bietet Beratung, Seminare & Vorträge zu Praxislösungen und Ideen rund um das Thema Tierwohl und Verbesserungen in der Nutztierhaltung.
Sie informiert über Facebook und betreibt auch einen YouTube-Kanal

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