Generationendenken und Hofnachfolge

Viele Generationen auf dem Land schöpften die Eltern viel Motivation für den Beruf Landwirt in der Begeisterung der eigenen Kinder für die Hofnachfolge.

Bilder aus den 70ern. Bauernhof, ein schöner Ort groß, zu werden
(c) Amos Venema

Auch unser Familienbetrieb lebt schon früh von dieser Begeisterung und lässt meine Eltern die eine oder andere schwere Phase ihres erfolgreichen Berufslebens leichter ertragen. Ich habe hohen Respekt vor dem, was meine Eltern geleistet haben.

Sie haben nach dem Hofkauf 1968 den Betrieb konsequent weiter entwickelt:

  • 1974 der erste Boxenlauf
  • 1976 der nächste Bauabschnitt – und damit den Tierbestand fast verdreifacht.

In dieser Zeit herrschte eine Aufbruchstimmung mit viel Zuversicht. Viele meiner damaligen Klassenkameraden in der Grundschule wurden und sind bis heute Landwirte! Wenn ich mich heute mit Ihnen unterhalte, kommen sehr häufig die Aussagen:

„Zum Glück – unsere Kinder ergreifen nicht den Beruf des Landwirten!“

Ich frage mich immer häufiger, woher kommt dieser extreme Wandel in nur zwei Generationen. Unsere Eltern hatten bestimmt nicht mehr Geld zur Verfügung und lebten vielfach wesentlich genügsamer.

steigende Frustration und Resignation

Bei vielen Berufskollegen merke ich eine gewisse Müdigkeit bzw. Resignation, die durch den extremen Zuwachs an unverständlichen Vorschriften und Verordnung ausgelöst wurde und wird. Mir selber ergeht das genauso. Die mit und für die Natur lebende Landwirtschaft wird immer mehr in eine feste Form aus Auflagen und direktiven Mechanismen gepresst.

Landwirte brauchen Freiheiten

Landwirtschaft braucht die Freiheit auf das Wetter reagieren zu können, ohne „das Amt fragen“ zu müssen, ob die Maßnahme erlaubt ist (z.B. Güllefahren bei Frost auf Kleiboden).

Landwirte brauchen Vertrauen

Landwirte haben eine sehr gute Ausbildung in Deutschland, die es ihnen ermöglicht Situationen einzuschätzen und entsprechend der „guten fachlichen Praxis“ zu handeln. Die Politik und die Gesellschaft sollten den Landwirten mehr Vertrauen schenken, um die Begeisterung der jungen Leute für diesen Beruf wieder neu zu entfachen!
Land ohne Landwirte ist wie Deutschland ohne Fußball!

Über Amos Venema

* Amos Venema aus dem ostfriesischem Jemgum ist Milchviehhalter und engagiert sich sehr in der Öffentlichkeit. Für die Viedeoplatform MyKuhTube hat er bereits viele Videos produziert.

2 Gedanken zu „Generationendenken und Hofnachfolge

  1. Landwirte brauchen vor allem eine wirtschaftliche Perspektive in Form einer fairen, mindestens kostendeckenden Bezahlung ihrer Arbeit. Diese mangelnde wirtschaftliche Perspektive ist der Hauptgrund für die Frustration und Resignation gerade unter Milchbäuerinnen und -bauern. Die Milchkrise der letzten Jahre hat hier viel Geld, aber auch viel Motivation vernichtet. Hinzu kommen sicherlich Auflagen, Kontrollen und als überzogen empfundene gesellschaftliche Erwartungen, die dann manchmal der Tropfen sind, der das Faß zum Überlaufen bringt.

  2. Warum denn wohl wollen viele nicht den ererbten Hof weiterführen Herr Venema, doch weil sie sich ausrechnen können ,daß der eigene Hof in diesem mörderischen Wettbewerb keine theoretische Chance hat ,wenn der ungezügelte Wachstumswahn kein Ende findet.
    Glauben Sie denn, daß Ihr Hof im freien Wettbewerb eine Chance hätte gegen einen Subventions und Fördergeld optimiertem 1000 ender Kuhbetrieb ?

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