Archiv für den Monat: Dezember 2014

Der Minister mahnt zur Eile

Will den Tierschutz in der Nutztierhaltung voranbringen: Gert Lindemann [c] proagrar/VION/Oliver Krato
Gert Lindemann
[c] proagrar/Oliver Krato

Der Fleischkonzern VION gibt seit Jahren ein eigenes Magazin für die Landwirtschaft heraus. ProAgrar heißt es.
In der aktuellen Dezemberausgabe ist dort ein interessantes Interview mit Gert Lindemann, ehemaliger Landwirtschaftsminister in Niedersachsen und aktuell Vorsitzender des bundesweiten Kompetenzkreises Tierwohl bei Bundesminister Christian Schmidt, zu lesen.

Es geht um Tierwohl! Jawohl Tierwohl- viele Tierhalter verdrehen ihre Augen, wenn sie dieses Wort, dieses Thema nur hören. Schließlich gehen wir alle gut mit unseren Tieren um und kümmern uns jeden Tag um unser Nutzvieh. Doch auch dieses Interview macht deutlich, jeder Tierhalter muss sich künftig intensiver mit dieser Thematik beschäftigen!

Botschaft für die Landwirtschaft: Tierwohl ist Megatrend, die kommende Initiative Tierwohl muss als Chance gesehen werden. Diese sollten müssen wir nutzen!

Im kommenden Jahr werde ich dazu noch mehr berichten, aber ich empfehle allen Lesern zunächst die Lektüre des Interviews mit Gert Lindemann:

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Frohe Weihnachten 2014/1

 Allen Lesern möchte ich frohe Weihnachten wünschen!

 

Wie auf die Medien reagieren?

Diese Frage stellt sich auch Georg Keckl, Agrarstatistiker aus Hannover in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift top agrar. In seinem Leserbrief der Ausgabe 1/2015 schreibt er als Antwort (hier ist übrigens meine Antwort) auf den „Streitpunkt: Reden sie die Probleme nicht schön!“:

Leserbrief von Georg Keckl in top agrar 1/2015
Leserbrief von Georg Keckl in top agrar 1/2015

[…] Wie kommt die Landwirtschaft da raus? Probleme nicht schönreden, ist sicher richtig, wird den Bauern aber nicht gedankt. Über Blogs etc. gibt es eine Möglichkeit, die Fakten richtig zu schildern und mögliche Schwindeleien der NGOs aufzudecken. Die Glaubwürdigkeit der Kritiker schwindet mit jedem aufgedeckten Schwindel. […]

Als ich diesen Leserbrief gelesen habe, dachte ich mir sofort, dass ich den hier bloggen werde. Denn das ist es ja, was ich seit fast 4 Jahren immer wieder versuche: Neue Fakten und eine andere Sichtweise in die Diskussion um die einseitige Berichterstattung vieler landwirtschaftlicher Themen hineinzubringen.

Eine große Herausforderung, weil die Beschaffung von Fakten und deren richtige Einordnung sehr zeitaufwendig ist. Das führt bei mir dazu, dass ich schon mal viele Stunden und auch mal Tage über einen einzigen Blogartikel brüte. Ich habe mich in der Vergangenheit bereits des öfteren bei Georg Keckls Faktensammlung bedient. Doch jetzt hat der Agrarstatistiker ein etwas größeres Werk veröffentlicht:

Der Anti-Fleischatlas

Dazu gibt Keckl folgende Erklärung ab:

Das „Anti“ im Titel bezieht sich auf die Fleischatlanten von Heinrich-Böll-Stiftung, BUND und Le Monde Diplomatique, nicht auf das Fleisch. Aus dem Fleisch-Bashing in den Fleischatlanten soll hier kein Fleischatlas-Bashing werden. Es geht um eine Kritik an den manchmal autistischen Sichtweisen vieler Fleischgegner auf den Themenbereich. Insbesondere wenn diese Werke in den Schulen besprochen werden, besteht auch so was wie ein gemeinnütziger Bildungsauftrag, eine andere Sicht zu zeigen, damit es nicht einseitig wird. Ein eifriger Teil der Lehrerschaft folgt, wie so oft in der deutschen Geschichte, einer Modeideologie, verwechselt wieder Mission mit Bildung.

Dieses Werk verdient große Aufmerksamkeit und kann hier als .pdf-Datei kostenlos herunter geladen werden. Die im Anti-Fleischatlas zusammengetragenen Fakten werden nicht nur mir, sondern auch anderen Bloggern ein große Hilfe sein. Danke!

 

Jetzt ist die ZEIT

Landwirt, Tierarzt + Verbraucher im Diolog: Mit der Gegendarstellung in der ZEIT wird auch eine Homepage freigeschaltet. (Bild anklicken) (c) dafür-stehen-wir.de
Landwirt, Tierarzt + Verbraucher im Diolog: Mit der Gegendarstellung in der ZEIT wird auch eine Homepage freigeschaltet. (Bild anklicken) (c) dafür-stehen-wir.de

Es ist tatsächlich geschafft: Die Gegendarstellung ist nun in der Wochenzeitung die ZEIT erschienen. Gut 30000 € wurden von 1837 Landwirten, Tierärzten und den dazugehörigen Branchen gespendet. Eine ganz bewusst breit angelegte Solidaritätsaktion gegen die unsachliche Berichterstattung der ZEIT, die auch hier im Blog mehrfach thematisiert wurde.

Thomas Wengenroth (stallbesuch.de) hält die gedruckte ZEIT in den Händen
Thomas Wengenroth (stallbesuch.de) hält die gedruckte ZEIT in den Händen

Mit der heutigen wurde auch eine Homepage freigeschaltet: dafür-stehen-wir.de und die dazugehörige Facebookgruppe.

Man kann es erahnen: Diese Anzeige wird kein einmaliges Projekt bleiben. Bleibt zu hoffen, dass viele ZEIT-Leser sich längerfristig mit landwirtschaftlichen Themen unvoreingenommen beschäftigen. Ein Schritt ist gemacht und ich wette, dass hier noch weitere Schritte hinzukommen.

Zu guter Letzt hoffe ich, dass diese Anzeige nicht nur bei den Lesern der ZEIT „angekommen“ ist, sondern auch bei den Journalisten. Es wäre wirklich schön, wenn die Einsicht wächst, dass die Serie um „Die Rache aus dem Stall“ viele Schwächen hatte und es künftig gute Gründe gibt, die Meinung der Praktiker (Landwirte und Tierärzte) etwas ernster zu nehmen. Das wäre nämlich guter Journalismus, wie er traditionell bei der ZEIT vermutet wird. Marion Gräfin Dönhoff, ehemalige Chefredakteurin und Herausgeberin der ZEIT, hat ihren persönlichen Anspruch als Journalistin folgendermaßen formuliert:

etnommen von dafür-stehen-wir.de, (c) Lebendiges Museum online
entommen von dafür-stehen-wir.de, (c) Lebendiges Museum online

 

Es kommt die ZEIT …

… und zwar offiziell morgen (Donnerstag) und dann danach am 23. Dezember- einen Tag vor hl. Abend. Warum mich das freut? Weil dort nun tatsächlich eine von vielen tausend Landwirten und Tierärzten finanzierte Anzeige mit einer Gegendarstellung veröffentlicht wird.
Auch hier im Blog wurde um eine kleine Spende für diese einmalige Aktion gebeten.

Schokoladig wird es in der kommenden ZEIT Foto: Facebookauftritt der ZEIT
Schokoladig wird es in der kommenden ZEIT
Foto: Facebookauftritt der ZEIT

War der erste Teil der Serie #tödliche Keime noch der Aufmacher der Wochenzeitung, ist nun in den Vorankündigungen zum 4. Teil nichts mehr zu lesen. Ein Top-Thema ist die Schokolade.
Dennoch bin ich gespannt, welche Lösungen und Forderungen die Politik in Aussicht stellt: Die Grünen-Politiker werden die intensive Tierhaltung generell in Frage stellen und sich möglicherweise von den aktuellen Geschehnissen um das Tierhaltungsverbot für Adrianus Straathof, der Vogelgrippe H5N8 etc. bestärkt fühlen. Spannend wird sein, wie sich die CDU, SPD und FDP zu diesem komplexen Themenfeld äußern werden.

Jetzt heißt es warten- nächste Woche können wir alle die Anzeige bewundern. Bisher ist das Anzeigen-Layout noch geheim, sobald es öffentlich ist, wird es hier zu lesen sein!

Anmerkung: Ich bin anfangs fälschlicher Weise davon ausgegangen, dass bereits in dieser Woche die Gegendarstellung in Form einer ZEIT-Anzeige erscheint. Ich habe den Text entsprechend angepasst auf das korrekte Erscheinungsdatum.

 

„Landwirte sind keine Rampensäue“

Haren (VEL). „Landwirte sind keine Rampensäue. Wagen Sie sich dennoch ins Scheinwerferlicht!“ Mit diesen Worten rief Werner Schwarz auf der Hauptausschusssitzung der Vereinigung des Emsländischen Landvolkes jeden Landwirt dazu auf, selbst aktiv in Sachen Öffentlichkeitsarbeit zu werden.

Wünschen sich mehr Mut und Eigeninitiative von den Bauern: Werner Schwarz (3. von links) und der Vorstand des Emsländischen Landvolkes.
Wünschen sich mehr Mut und Eigeninitiative von den Bauern: Werner Schwarz (3. von links) und der Vorstand des Emsländischen Landvolkes. Foto: Daniela Knoll, VEL

Der Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes macht es vor: In seinem Sauenstall hat er eine Webcam installiert, die Live-Bilder ins Internet überträgt. Auf den ersten Blick wirken diese für einen Verbraucher vielleicht erschreckend, doch bieten sie die Chance zur Diskussion. „Kommunikation ist wie in einer guten Ehe die Zauberformel zum Erfolg. Wir müssen zeigen, was wir tun“, appellierte Schwarz. Gerade das Internet sei die ideale Plattform dafür. Im Gegensatz zu Print und TV, wo oft Sensationsjournalismus betrieben werde, finde man im Internet Gehör. Denn was geklickt und geliked wird, darüber wird berichtet.

Bernhard Barkmann, Landwirt und Agrarblogger aus Messingen, wünschte sich ebenfalls mehr Eigeninitiative von seinen Berufskollegen. Viele hätten jedoch Angst vor Skandalvideos oder Stalleinbrüchen. Schwarz beruhigte: Seine Webcam hatte zwar anfänglich für viel Kritik und so genannte „Shitstorms“ gesorgt, aber letztendlich nur Positives für die ganze Branche bewirkt. Eines gab er daher den Landwirten mit auf den Weg: „Machen Sie etwas, statt nur zu kritisieren.“

Für Werner Schwarz ist Öffentlichkeitsarbeit nicht nur Spielerei, sondern ein fester Betriebszweig.
Für Werner Schwarz ist Öffentlichkeitsarbeit nicht nur Spielerei, sondern ein fester Betriebszweig. Foto: Daniela Knoll, VEL

Weitere Hintergrundinformationen: (hinzugefügt vom Admin)

Den rund einen Monat andauernden Shitstorm, den Werner Schwarz nach der Freischaltung der Web-Cam in seinem Sauenstall erntete, kann hier auf der Facebookseite des Bauernverbandes aus Schleswig-Holstein nachgelesen werden.

Außerdem freue ich mich, dass Werner Schwarz nicht nur bei Facebook aktiv ist, sondern jetzt auch bei Twitter. Folgt ihm unter https://twitter.com/WernerSchwarz5 !

Die Facebookseite des nördlichsten Landesverbandes hat zur Zeit 2757 „Gefällt mir“-Angaben. Wenn noch nicht geschehen, dann kann ich ein „Like“ an dieser Stelle nur empfehlen“. 😉

 

 

Endspurt

Ich möchte hier einmal Werbung machen und alle Leser auffordern, für eine tolle Aktion einen Euro (oder auch etwas mehr) zu spenden!

aktuelles Spendenschwein
aktuelles Spendenschwein

Worum geht´s?
Über die unausgewogene Berichterstattung der Wochenzeitung die ZEIT habe ich ja bereits mehrfach berichtet (siehe auch die Links am Ende dieses Beitrages).
Dort wurden in den ersten beiden Teilen einer vierteiligen Serie Landwirte und Tierärzte gleichermaßen heftig kritisiert und fälschlicherweise für den Tod von tausenden MRSA-Patienten in deutschen Krankenhäusern verantwortlich gemacht.

Diese mit „tödliche Keime“ titulierte Serie löste unter Bauern und Tierärzten großen Unmut und Empörung aus. Es folgten unzählige Kommentare auf facebook und twitter, Blogbeiträge (nicht nur bei mir) und offene Briefe.
Rolf Nathaus, ein Tierarzt aus dem Münsterland, hatte die Idee, eine Anzeige bei der ZEIT zu schalten, in der wir (Tierärzte und Landwirte) gemeinsam eine Gegendarstellung formulieren. Um die Sache etwas anzufeuern, formulierte er daraus eine Wette:

Aus Anlass der heute begonnenen Serie in der Wochenzeitung “DIE ZEIT” (Titel des ersten Teils : Die Rache aus dem Stall!”) wette ich, dass es dieser Gruppe nicht gelingt, rund 33.000 Landwirte und Tierärzte zu mobilisieren, die jeweils einen Euro spenden, um in besagter Wochenzeitung auf einer ganzseitigen Anzeigen ihren Protest gegen diese Form des Journalismus zum Ausdruck zu bringen… Ich bin gespannt, Dr. Rolf Nathaus, VetTeam Reken
Der erste Wettaufruf lautete noch so: Aus Anlass der heute begonnenen Serie in der Wochenzeitung “DIE ZEIT” (Titel des ersten Teils : Die Rache aus dem Stall!”) wette ich, dass es dieser Gruppe nicht gelingt, rund 33.000 Landwirte und Tierärzte zu mobilisieren, die jeweils einen Euro spenden, um in besagter Wochenzeitung auf einer ganzseitigen Anzeigen ihren Protest gegen diese Form des Journalismus zum Ausdruck zu bringen…
Ich bin gespannt, Dr. Rolf Nathaus, VetTeam Reken

Nicht nur ich finde diese Aktion absolut klasse, auch viele andere haben bereits insgesamt knapp 28000 Euro überwiesen. Es fehlen für eine Anzeige aber noch einige tausend Euro.
Deshalb möchte ich diese Aktion noch einmal anstubsen: ich bin mir sicher, dass wir es gemeinsam schaffen können. Der landwirtschaftliche Ortsverein Messingen, dessen Vorsitzender ich bin, wird auch noch einmal spenden. Vielleicht wird ja auch die ein oder andere Vereinigung sich dem anschließen?

Dazu die Kontoverbindungen: 
Inhaber: Dr. Rolf Nathaus
IBAN: DE 73 428 612 391 037 988 601
BIC: GENODEM 1 RKN (Spadaka Reken)

Weiterführende Links:

Landblogger: Wetten…dass?
top agrar: ZEIT-Artikel: Tierarzt ruft zu 1 €-Spenden für Anzeigenkampagne auf
ISN: Eine Wette für eine faire Berichterstattung!

Facebookseite von Dr. Rolf Nathaus
geschlossene Gruppe zur Aktion bei Facebook

 

Bisher wurde in diesem Blog zu diesem Thema veröffentlicht:

die ZEIT: ….. einfach unglaublich (unterirdisch)!
die ZEIT: Reaktionen auf “die Rache aus dem Stall”
die ZEIT scheut den öffentlichen Diskurs