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Unsere Bayerischen Bauern

Bei diesem Blogbeitrag steht zwar schon in der Überschrift, dass es dieses Mal um Bayern geht, aber ich denke, auch der Rest Deutschlands kann das auf das eigene Bundesland projizieren.

Vor vielen, vielen Jahren gab es eine Organisation namens CMA (Centrale Marketing Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft). Sie hat von jedem Stück Schlachtvieh, Ferkel, jedem Liter Milch, jedem Kubikmeter Holz, jedem Doppelzentner Getreide Geld eingesammelt bei uns Bauern, um im In- und Ausland unsere Erzeugnisse zu bewerben und an den Mann und die Frau zu bringen. Ein Landwirt hat gegen diese Zwangsabgabe geklagt, Recht bekommen, und daraufhin wurde die CMA abgewickelt.

Dann gab es lange nichts und unsere Berufsvertreter trafen sich ein um das andere Mal, um eine Nachfolgeorganisation ins Leben zu rufen. Aber es tat sich nichts. Deutschlandweit war man nicht dazu in der Lage, einen Verein zu gründen, der Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Absatzförderung für uns Bauern macht.

Daraufhin hat man sich in Bayern dazu entschlossen, alleine voranzugehen und den Verein „Unsere Bayerischen Bauern“ zu gründen.

Das Kampagnenmotiv „Schweinebauer“

Alle wichtigen Selbsthilfeorganisationen und einige Firmen im vor- und nachgelagerten Bereich sind hier Mitglied und finanzieren den Verein mit. Sie ziehen von ihren Mitgliedern, wenn diese dem zugestimmt haben, einen bestimmten Betrag je l, dt, kg, Stück usw. ein und geben dieses Geld an „Unsere Bayerischen Bauern“ weiter. Bei mir als Sauenhalter sind es 3 Cent je verkauftem Ferkel . Schweinemäster zahlen 10 Cent je Mastschwein.

Mittlerweile gibt es in Westfalen-Lippe den Verein „Landwirt Schafft Leben, der ein ähnliches Ziel hat. In den anderen Regionen Deutschlands hab ich bis jetzt noch nichts entdeckt, ihr dürft aber gerne in den Kommentaren „Schwestervereine“ verlinken!

Warum schreib ich zu diesem Thema?

Ich habe in Zeiten von Corona als stellv. Kreisobmann des BBV den Entschluss gefasst, Bauern in meinen Landkreis, die keinen Mitgliedsbeitrag an den Bauernverband zahlen, anzurufen und nachzufragen, wo der Schuh drückt und ob man mal wieder mit einer Mitgliedschaft rechnen kann. Diese Anrufe sind sicherlich nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber es waren schon einige gute Telefonate dabei. Was mir aber dabei schon einige Male bitter aufgestoßen ist, waren die Aussagen, dass es zwar den Bauernverband braucht, aber einem selber bringt er nichts und darum zahlt man nicht. Ähnlich ist es mit „Unsere Bayerischen Bauern„. In der Gründungsphase habe ich sehr viel Werbung bei den Bauern draußen gemacht, dass bitte alle mitmachen sollen. Aber auch hier war immer wieder die Aussage: „Was bringt mir das?“ „Das kostet ja nur Geld!“ „Ich zahl eh schon so viel Verbandsbeitrag, davon kann der Bauernverband ja auch diesen Verein finanzieren.“

Jede Menge Aktionen bei „UBB“

Darum ist es immer noch so, dass „Unsere Bayerischen Bauern“ (UBB) zwar für das verfügbare Budget eine super Arbeit macht! Schaut auf die Website, schaut auch die Portraits der Bäuerinnen und Bauern an, die Erklärvideos, die Verbrauchtertouren, die Kochvideos, die Plakataktionen in U-Bahnen und auf Bussen, die Banner draußen für die Höfe und Vieles mehr. Aber es wäre viel mehr möglich, wenn jeder Bauernhof in Bayern einen angemessenen Beitrag leisten würde. Ich zahle lächerliche 120 Euro im Jahr und bin von den Hektar ein Durchschnittsbetrieb. Wenn also alle 100000 Betriebe in Bayern 100 Euro zahlen würden, hätten wir 10 Mio Euro und davon sind wir leider meilenweit entfernt. Wenn wir in diese Dimension vorstoßen würden, könnte mein Wunschzettel endlich Wirklichkeit werden. Ganzjährig Anzeigen in Zeitungen, Werbespots im Radio und Fernsehen, dauerhaft Plakate in den Großstädten Bayerns usw. usw.

Eines der neuen Plakate

Mich nervt es mittlerweile gewaltig, dass man zum Beispiel bei den von mir geführten Telefonaten gesagt bekommt, dass der Bauernverband nichts tut und alles Scheiße ist in der Landwirtschaft. Dass man aber für politische Lobbyarbeit, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit nicht nur guten Willen, sondern auch viel Geld braucht, kapiert von denen leider niemand. Mir hat mal ein Schweinemäster gesagt, er wäre jederzeit bereit dazu, 3000 Euro für gute Werbung für unsere Erzeugnisse zu zahlen, da das Geld mit einem minimal höheren Schweinepreis in nullkommanix wieder auf dem Konto wäre. Diese Einsicht haben aber in meinen Augen zu wenig Berufskollegen und darum ist unsere Situation derzeit so, wie sie ist.

Geld regiert die Welt!

Aber vielleicht hab ich ja mit diesem Artikel die eine oder den anderen für die wichtige Sache Öffentlichkeitsarbeit sensibilisieren können. Bitte tragt es in eure Bauernblase: Jeder Euro, den wir in Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit investieren, ist bald als 2-Euro-Stück wieder in unserem Geldbeutel!

PS: Ich versuche mich grad am Nachkochen der UBB-Kochvideos, Beweise findet ihr auf meinen Instagramkanal!

professionelle Öffentlichkeitsarbeit von KTG Agrar

Liebe Besucher von Blogagrar, vielleicht ist Euch bereits das folgende Werbe-Video der „Die Landwirte“ aufgefallen. Wenn nicht, bitte schaut es Euch an- es ist wirklich gut gemacht:



Ich frage mich jetzt, wie ihr das Video findet. Bei mir setzt es positive Emotionen für das Land, die Landwirtschaft und auch für „die Landwirte“ frei. Das Video ist sehr aufwendig produziert, wie man bei meinem Bloggerkollegen JTG lesen kann.img1
„Die Landwirte“ ist dabei zugleich der Name für ein Tochterunternehmen der KTG-Agrar-Gruppe und Markenname für deren selbsterzeugte Nahrungsmittel. Die KTG-Agrar ist ein börsennotoierter Agrarkonzern mit einer Anbaufläche von über 30000 ha und Geschäftsfeldern im Bereich Agrar, Energie und neuerdings auch Nahrung.

Mich erinnert dieses Video ein wenig auch an die alten CMA-Zeiten, in denen der (von allen Landwirten gespeisten) Absatzfond richtig professionelle Werbung für die verschiedensten landwirtschaftlichen Produkte machte.

CMA_logoDie CMA ist bekanntlich schon lange Vergangenheit und seitdem sinkt das Ansehen der heimischen Landwirtschaft stetig. Zeitungen und Medien schießen sich in aller Regelmäßigkeit auf die Landwirtschaft ein. Dieser Zusammenhang ist meiner Meinung nach kein Zufall. Sicher ist, dass wir Landwirte (und da meine ich jetzt alle!) viele Jahre zu wenig für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit getan haben.

Aber wie ist der richtige Weg für die Öffentlichkeitsarbeit? Sollte der gesamte Berufsstand wieder einen CMA-Ersatz gründen, damit wieder professionelle Werbung für heimische landwirtschaftliche Produkte in den Medien eine Rolle spielt?

Oder sollten wir die professionelle Arbeit für Werbung besser unseren Verarbeitern im nachgelagerten Bereich, die mit dem Endkunden in den Lebensmittelläden im direkten Kontakt treten, überlassen und deren Arbeit letztlich mitzahlen?

Wie sehen das die mitlesenden Landwirte und Verbraucher? Ich bin an allen Meinungen interessiert! Habt Mut und kommentiert bitte!

Apropos Mut: Auch wenn die KTG in meinen Augen ein riesiger Agrarkonzern ist, ist er im Verhältnis zu den international aufgestellten Konkurrenten im Lebensmittelsektor ein eher kleiner Player. Nestlé, Dr. Oetker, Kellog´s und Unilever sind da z.B. viel größer! Gegen diese Mitbewerber und Marktmacht setzt man sich nicht so einfach durch. Möge die aktuelle Werbekampagne für Erfolg sorgen!