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Grünbuch-Prozess

Da ich weniger Zeit für die Bloggerei habe, lasse ich andere sprechen:
Peter Seeger, Schweinehalter aus dem Odenwald fordert in seinem Blogbeitrag von vergangener Woche auf dem Internetauftritt der Agrarzeitung, dass die Landwirte sich mehr in dem Grünbuch-Prozess des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) beschäftigen sollen und sich auch direkt an diesem beteiligen sollen.

Im Grünbuch-Prozess hat ein bunter Strauß an gesellschaftlichen Gruppen die Chance, ihre eigenen Vorstellungen über die zukünftige Landwirtschaft einzubringen- und das machen sie dem Anschein nach sehr aktiv- nur die Landwirte selber sind an dieser Stelle zu wenig aktiv. Das muss sich ändern, sagt Peter Seeger:

Lauter werden

Jeder einzelne Landwirt ist gefragt, sich in Prozesse der gesellschaftlichen Meinungsbildung einzubringen. Doch auch wenn viele Bauern klare Meinungen haben, fehlt es im hektischen Berufsalltag oft an Zeit und Informationen, um sich aktiv in Diskussionen einzubringen. Das zeigt zum Beispiel der Grünbuch-Prozess des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Damit die Interessen der Branche wahrgenommen werden, muss nicht nur jeder einzelne Landwirt seinen inneren Schweinehund überwinden – auch die Verbände sind gefordert, ihre Mitglieder zu mobilisieren.

Die Grüne Woche ist schon wieder viele Monate her, doch ist mir eine Aktion in Erinnerung geblieben: Der Grünbuchprozess des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Bundesagrarminister Schmidt will Leitlinien für die Landwirtschaft 2030 mit allen Gruppen der Gesellschaft diskutieren und festlegen. Darunter sind neben Tierschutzorganisationen, den Kirchen und diversen Jugendorganisationen auch die landwirtschaftlichen Organisationen eingebunden.

Auch Landwirte werden also nach ihrer Auffassung gefragt: Sie konnten im Januar in Berlin auf der Messe am Stand des BMEL ihre Meinung als Fotoportrait mit Statement in der Hand übermitteln, eine Postkarte abgeben oder einfach eine E-Mail schreiben. E-Mail und Postkarte kann man natürlich auch bequem von zuhause aus abschicken – keiner muss eigens dafür nach Berlin reisen. Dennoch hat die Landwirtschaft sich außerhalb der Messehallen bislang wenig an dem Prozess beteiligt. Andere Gruppen der Gesellschaft sind hingegen sehr agil dabei, ihre Mitglieder zu mobilisieren.

Natürlich hat jeder im Tagesgeschäft in seinem Betrieb genügend Arbeit. Jedoch reicht es heute nicht mehr aus, wenn der Bauernpräsident auf eine Tagung nach Berlin fährt und die Meinung der Landwirtschaft kundtut, wenn es überhaupt eine einheitliche Meinung im Berufsstand gibt. Je mehr Bürger sich für eine Sache engagieren und ihre Meinung direkt kundtun, umso gewichtiger ist diese im politischen Berlin. Betrachtet man vor dem Hintergrund die geringe Resonanz der Landwirte auf den Grünbuchprozess, so ist den deutschen Bauern ihre Zukunft wohl recht egal.

Die Meinungsbildung im Grünbuchprozess ist nur ein Beispiel für viele andere Umfragen oder gesellschaftliche Prozesse, zu denen zum Beispiel eine Diskussion um Pflanzenschutzmittel oder die Tierhaltung gehört.

Ich hatte mir auf der Messe ein Bündel der Grünbuch- Postkarten mitgenommen. Bei der nächsten Arbeitskreissitzung hessischer Schweinehalter habe ich diese vor dem Mittagessen unter Kollegen verteilt. Das Thema brachte genügend Stoff für die Gespräche beim Mittagessen. Fast jeder hat eine Karte mit seinem kurzen Statement nach Berlin geschickt. Das zeigt, dass die Landwirte durchaus bereit sind, für ihre Sache einzustehen.

Oftmals bekommen wir Landwirte im Tagesgeschäft gar nicht mit, dass wieder eine Umfrage oder ein Konsultationsprozess läuft und wissen daher auch nicht, wie wir uns daran beteiligen können. Da sehe ich die Verbände aber auch die Partner aus der Industrie gefordert, kurzfristig auf solche Umfragen über Ihre Newsletter oder Homepages hinzuweisen.

Nur wenn wir es schaffen, den ewigen Nörglern und Weltverbesserern auch öffentlich die Stirn zu bieten, können wir erwarten, dass unsere Belange ernst genommen werden. Dazu gehört auch ein gewisses Stück an gesellschaftlichem Engagement.

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Offener Brief …

… zur Berichterstattung über die Untersuchung von Bündnis90/Die Grünen zu Glyphosat in der Muttermilch

(c) stallbesuch.de
(c) stallbesuch.de

Mit großer Sorge haben wir die Pressereaktion auf eine von „Bündnis 90/Die Grünen“ in Auftrag gegebene Untersuchung zu Glyphosat in Muttermilch-Proben zur Kenntnis genommen.

In zahlreichen Medien wurden Inhalte und Schlussfolgerungen aus der Pressemitteilung einer politischen Interessengruppe ungeprüft übernommen und nicht angemessen gewichtet.

So werden in der Pressemitteilung die ermittelten Werte mit den Trinkwasser-Grenzwerten verglichen. Diese Grenzwerte sind allerdings pauschaler Natur, gelten für alle Arten von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden. Sie sind nicht geeignet, um daraus eine etwaige Gesundheitsgefährdung abzuleiten (Link).

Ausschlaggebend für die Bewertung der Gesundheitsgefährdung ist die in der EU zulässige Tagesaufnahme, kurz ADI (acceptable daily intake). Diese liegt für Glyphosat bei 0,3 mg pro Kilogramm Körpergewicht.

Ein vier Kilo schwerer Säugling müsste also von der in der Stichprobe am stärksten belasteten Muttermilch mehr als 2777,778 Liter am Tag (!) trinken, um diesen Grenzwert zu überschreiten. Offener Brief … weiterlesen

meine Mail an den Deutschlandfunk

In einer Stunde geht´s los. Dann Beginnt die Live-Sendung „Heißt Mastbetrieb immer Tierquälerei?“ auf dem Hof Seeger. (Link zum DLF-Livestream)

Snapshot von deutschlandfunk.de
Snapshot von deutschlandfunk.de

Ich habe der Redaktion folgende Mail geschrieben und hoffe, dass ich mich noch in die Sendung einbringen kann (aufmerksamer Zuhörer bin auf jeden Fall):

Sehr geehrtes Team vom DLF,

ich bin Landwirt und auch Schweinehalter aus dem Emsland. Zur Sendung möchte ich folgendes sagen:

Ich bin kein Tierquäler, muss aber mit Tierhaltung Geld verdienen. Wir sind drei Generationen, die auf unseren fast 500 Jahre altem Hof mit und von der Tierhaltung leben.

Ganz viele Besucher, die sich die Ställe von innen ansehen, haben durchaus Verständnis für die Haltungsform. Deshalb müssen immer mehr Landwirte sich und ihre Ställe öffnen!

Natürlich geht mehr Tierwohl, aber das kostet Geld. Am besten wäre es, der Verbraucher zahlt das gerne und freiwillig über den Markt. Aktuell finanziert sich die Initiative Tierwohl aus Geldern des Lebensmitteleinzelhandels- die zweitbeste Lösung in meinen Augen.

Wenn gesetzliche Vorgaben verschärft werden sollen, dann müssen vorher Lösungen da sein, ansonsten droht eine Abwanderung ins kostengünstigere Ausland, womit nicht dem Bauern, nicht dem Tier und auch nicht dem Verbraucher gedient wäre.

Ich vermisse die Anerkennung durch Politik und NGOs für die Anstrengungen und Fortschritte bei vielen Problemfeldern wie Antibiotikaverabreichung, Gülleausbringung und dem Tierwohl. Es wird stattdessen allzu gerne pauschal auf die Landwirtschaft eingedroschen. 

Das lässt viele Landwirte verzweifeln und macht auch wütend. Wir Landwirte dürfen uns nicht aus der Mitte der Gesellschaft verdrängen lassen!

———

Ich werde den Vormittag im Büro verbringen und wäre so auch telefonisch erreichbar sofern sie ein Interesse an einem telefonischen Beitrag von mir haben.

MfG Bernhard Barkmann

 

Heißt Mastbetrieb immer Tierquälerei?

deutschlandfunk_logoProgrammtipp:
Deutschlandfunk, Sendung Länderzeit
Thema: Massentierhaltung, am Mittwoch, 17. Juni´15  um 10:10 Uhr mit dem Titel:

Heißt Mastbetrieb immer Tierquälerei?

Schweinezüchter wehren sich gegen Vorwürfe von Tierschützern

Die Radiosendung wird live aus dem südhessischem Otzberg (Odenwald) übertragen. Die Schweinehalter Kathrin und Peter Seeger öffnen für diese Sendung ihren Hof. Weitere Gäste sind Felix zu Löwenstein, Dr. Jörg Altemeier, Martina Feldmayer und Dr. Kirsten Tönnies. Moderator wird Jürgen Wiebicke sein.

Vorstellung der Gäste:

Peter und Kathrin Seeger im Gespräch mit Verbrauchern
Peter und Kathrin Seeger im Gespräch mit Verbrauchern

Peter und Kathrin Seeger betreiben eine eigene Schweinezucht. Nach einem Stalleinbruch von Stallbaugegnern und daraus folgende negative Berichterstattung entschlossen sie sich zur Offensive. Seitdem bieten sie Interessierten die Möglichkeit, ihre Ställe von innen zu sehen. Seither haben viele hundert Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihre Ställe von innen live erleben können. Kathrin Seeger ist zudem Initiatorin des Schweinemobils und auch Mitbegründerin der Informationsplatform „Frag den Landwirt„.

Foto von bauerwilli.com
Foto von bauerwilli.com

Dr. Felix zu Löwenstein ist Landwirt und Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Vorstandsmitglied im Forschungsinstitut für biologischen Landbau und auch als Buchautor bekannt. Die Bücher „FOOD CRASH: Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr und „Es ist genug da. Für alle.: Wenn wir den Hunger bekämpfen, nicht die Natur“ stammen aus seiner Feder.

Dr. Jörg Altemeier ist Tierschutzbeauftragter der Firma Tönnies und wird der Sendung aus Bielefeld zugeschaltet.

Martina Feldmayer ist agrarpolitische Sprecherin der Grünen im hessischen Landtag, in dem bekanntlich eine Schwarz-Grüne-Koaltion regiert.

Dr. Kirsten Tönnies ist Tierärztin und Mitglied im Tierärztlichen Forum für verantwortbare Landwirtschaft.

Außerdem rundet Lara Stein von der TiHo Gießen die Runde ab. Sie ist angehende Fachtierärztin Schwein.

Wie immer an den Vormittagen im Deutschlandfunk sind auch zu dieser Sendung die Meinungen und Anregungen der Hörer gefragt. Jeder kann sich über die Hörertelefonnummer 00800 – 4464 4464, per Mail: laenderzeit@deutschlandfunk.de oder bei Facebook in diese Sendung einmischen.