verendete Schweine

Dirk Fisser von der Neuen Osnabrücker Zeitung berichtet heute auf der Titelseite sachlich über eine Studie, die aussagt, dass viel zu viele Schweine offensichtlich unnötige Qualen erlitten haben vor ihrem Ableben.

Ich meine, wir müssen uns dieser Diskussion und Tatsache stellen und daran arbeiten, dass hier ganz schnell Fortschritte erzielt werden. Erste Reaktionen aus dem Berufsstand geben Hoffnung, dass dieses auch eintritt.

So schreibt die Interessenvereinigung der Schweinehalter Deutschlands:

Ohne Wenn und Aber – an dem Ergebnis der Studie gibt es nichts zu beschönigen. Kranke Tiere sind fachgerecht zu behandeln und unterzubringen, sowie – falls notwendig – rechtzeitig und sachgemäß notzutöten. Die Entscheidung zur Nottötung ist oft eine Gratwanderung und die Umsetzung nimmt niemand gerne vor. Trotzdem stehen hier Tierhalter gemeinsam mit ihren Hoftierärzten in der Pflicht fach- und sachgerecht vorzugehen. Dirk Fisser hat Recht, es ist im Interesse jedes ordentlich arbeitenden Tierhalters, dass dieses Problem gelöst wird. Defizite in der Umsetzung müssen nun kurzfristig, beispielsweise durch breit angelegte und vor allem praxistaugliche Schulungen sowohl für Landwirte als auch für Tierärzte, beseitigt werden. Zudem ist es dringend notwendig, die Nottötungsverfahren so weiter zu entwickeln, dass eine deutlich bessere Umsetzbarkeit des ohnehin schwierigen Vorganges gegeben ist. (Geschäftsführer Dr. Torsten Staack)

Die Branche reagiert Der praktische Teil der TiHo-Untersuchung erfolgte bereits Anfang 2016. In der Zwischenzeit sind die Themen Umgang mit kranken und verletzten Schweinen und Nottötung von Schweinen bereits sehr deutlich in den Fokus der Branche und der Kontrollbehörden getreten. Dazu gehört z.B.: In verschiedenen (Lehr-)Einrichtungen werden vermehrt Schulungen zu dem Themenfeld angeboten. Beratungsorganisationen lassen ihre Fachberater ausbilden, damit diese das Wissen an Ihre Schweinehalter weitertragen. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen erstellt aktuell einen Leitfaden - als Entscheidungshilfe mit prägnanten Bildern und klaren Verfahrensanweisungen. Auch die DLG arbeitet derzeit an einem entsprechenden Leitfaden.
Die Branche regiert bereits nach Angaben der ISN

große Verunsicherung bei Schweinehaltern

Ein Tier zu (not)töten fällt einem Landwirt nicht leicht. Es wird sicherlich oft zu lange gewartet mit diesem endgültigem Schritt und sich falsche Hoffnung gemacht. Im Nachhinein lässt sich es leicht sagen, dass man schon früher hätte töten müssen. Ganz klare Anweisungen, in welchem Fall wann genau der Schritt des Not-Tötens zu gehen ist, gibt es meines Wissens nicht. Und diese sind bestimmt auch nicht so leicht zu erarbeiten. Die Verunsicherung im Berufsstand ist dadurch recht groß.

Auch der Bauernverband reagiert

Der Vizepräsident des Bauernverbandes findet die richtigen Worte und ermahnt seine Berufskollegen:

Weiter fordert Schwarz aber auch die Unsicherheit durch Bildung und klaren Handlungsanweisungen zu beheben :

Der Bauernverband stimmt den Schlussfolgerungen zu, dass der rechtskonforme Umgang mit kranken und verletzen Tiere stärker Eingang in die Aus- und Weiterbildung finden muss. Wichtig ist es, den richtigen Zeitpunkt sicher zu erkennen, ab dem eine Tötung unausweichlich ist und ihre fachgerechte Vornahme.


Die Studie von der Veterinärin Elisabeth große Beilage ist bisher nicht online verfügbar,  kann aber hier bestellt werden: Link

Ein Gedanke zu „verendete Schweine

  1. Interessant, dass es keine Maßgaben gibt, wie im Zweifel zu entscheiden ist. Die Frage nach der Nottötung stellt sich ja nicht keinmal im Berufsleben eines Tierhalters.

    „Ein Tier zu (not)töten fällt einem Landwirt nicht leicht.“

    Das ist doch Kitsch. Abgesehen davon, dass ein wirtschaftlicher Wert, für den Aufwendungen getätigt wurden, endgültig vernichtet wird: Kann es sein, dass professionelle Tierhalter das Töten des Tieres (einschließlich der Geräusche und des Zappelns des Tieres) genau so von sich schieben wie der gewöhnliche Verbraucher?

    Aber hier einen auf Mitgefühl mit dem Tier zu machen, wenn es ordungsgemäß betäubt wird, nimmt man einem Tierhalter doch nicht ab. Zwar wird das Tier durch Nottötung früher aus dem Leben befördert als anfänglich geplant. Aber auch der anfänglich eingeplante Zeitpunkt richtet sich ja nicht danach, was das Tier wohl gerne hätte – oder zumindest wann es seine beste Zeit gemutmaßt hinter sich hat oder 50 % seiner wildlebenden Artgenossen überlebt hat, sondern ausschließlich nach ökonomischen Gesichtspunkten. Es wird von vornherein die Rasse oder Züchtung gewählt, die am kürzesten Leben muss und das beste Input-Output Verhältnis liefert. Und die Qualität des Lebens steht auch nicht ganz oben. Kein wenigstens „kurz aber heftig“, sondern kurz und heftig fett.

    Sie spielen für Ihren Berufsstand wieder die Überforderungskarte, die niemals ein Entschuldigungsgrund ist. Ich glaube Ihnen, dass Sie ihre Tiere pflichtgemäß versorgen, keines unterversorgt eingehen lassen und keines erst dann nottöten, wenn Sie sich absolut sicher sind, dass es jetzt wirklich nicht mehr durchkommt. Aber glauben Sie nicht, dass es auch Berufskollegen gibt, denen es scheißegal ist, wenn ein Tier leidet, solange es möglicherweise noch einen Erlös bringt?

    Was wären also wahre Konsequenzen? Wirklich solche, denen das Leitbild des Tierhalters als Samariter der Tiere zugrunde liegt?

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