Archiv der Kategorie: Tierhaltung

#fridaysforfuture?

Warum ich vielen Klimaschützern misstraue und mich nicht an „Fridays for Future“ beteilige

Noch bin ich Landwirt. Und das möchte ich auch bleiben und möglichst den Hof, den ich vorzeitig von meinem Vater geerbt habe, auch an meinem Sohn vererben können. Der ist erst 11 Jahre alt und hat noch ein paar Jahre Zeit, bis er sich für oder gegen die Hofnachfolge entscheiden wird. Diese wichtige Entscheidung für sein Leben muss er ganz alleine fällen.
Aktuell könnte ich es voll und ganz verstehen, wenn er ablehnt. Die Schweinepreise sind zwar zur Zeit sehr auskömmlich, aber dennoch halte ich die Aussichten, in Deutschland einen modernen Hof zu bewirtschaften für sehr unsicher. Und das liegt daran, dass ich das Gefühl habe, politische Entscheidungen werden nicht auf Basis von Wissenschaft und Fakten getroffen, sondern auf Basis von Stimmungen, Populismus und Wahlaussichten.
Ergebnis ist unter anderem das berühmt berüchtigte Agrarpaket, das die Bundesregierung verabschiedet hat.

gesellschaftlicher Mainstream: „Alles bio, alles gut!“

Die Ideologie einer Agrarwende und die daraus resultierende Annahme, erst wenn alle bio ist, ist es auch gut, ist weit verbreitet. Diese wird vielen Bauern viele fromme Wünsche, aber keine verlässlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bieten.

Dass Agrarwende-Propheten wie Christian Meyer (ehemaliger Landwirtschaftsminister in Niedersachsen) gelegentlich auch mal Contra kriegen, lässt vielleicht doch noch hoffen.

Doch leider scheint es in der öffentlichen Wahrnehmung so zu sein, dass nur der bio-vegane Landbau das Klima retten kann. Das erlebe ich immer wieder in Gesprächen mit Grünen, die vollkommen überzeugt von dieser bio-veganen-Idee sind. Oder wenn ich auf einige Twitter-Debatten schaue, oder wenn ich auf die „Fridays for Future“-Bewegung schaue.

Bei FridaysForFuture engagieren sich bekanntlich viele junge Leute, die aus Gründen des Klimaschutzes kein Fleisch oder sogar keinerlei tierische Produkte konsumieren (wollen). Sie machen sich Sorgen und wollen die Welt retten und begründen ihren radikalen Schritt mit der Wissenschaft. Wissenschaft? Ja, es gibt einige Forscher, die nicht nur eine Reduzierung des Fleischkonsums empfehlen, sondern sogar global eine vegane Ernährung für möglich bzw. nötig halten.

Einer dieser Wissenschaftler ist Prof. Volker Quaschning, ein Klimaexperte, der auch bei den ScientistsForFuture aktiv ist. Er gibt regelmäßig Interviews und ist anscheinend davon überzeugt, dass nur vegan die Welt noch zu retten sei.

Prof. Volker Quaschning: Vegane Ernährung am besten fürs Klima

Bei Twitter sind folgende Tweets von ihm zum Veganismus zu finden:

Welternährung geht nur mit Nutztieren!

Ich bin fest davon überzeugt, dass ein bio-veganer Landbau auf kurz über lang zum Raubbau mutiert, weil gerade tierische Exkremente sehr förderlich für die Bodenfruchtbarkeit sein können. Wenn wir wirklich das Ziel haben, alle Meschen satt zu bekommen, dürfen wir dieses zu tiefst ideologische Experiment nicht machen.

Gott sei Dank gibt es andere Wissenschaftler, die sich auf folgende Studien berufen (eine Auswahl):

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Zuhören!

Podcast beschäftigt sich mit Bauernprotesten

Ich bin mittlerweile langjähriger Hörer des Podcasts „Wochendämmerung„. Hier unterhalten sich Katrin Rönicke und Holger Klein über ausgewählte Themen der abgelaufenen Woche.
Für mich ist es sehr interessant, wie links-grün-versiffte Hauptstädter (das meine ich überhaupt nicht despektierlich oder beleidigend, sondern mit einem Augenzwinkern) über verschiedene Themen denken, wie sie aus ihrer Berliner Hauptstadt-Blase auf die Welt blicken. Sprich: Sie haben eine völlig andere Perspektive wie ich.
Und es ist ganz häufig so, dass ich ganz und gar nicht einer Meinung mit den beiden Podcastern bin. Aber die Sendungen regen zum Nachdenken an, helfen mir eine Meinung zu bilden.

Wenn Großstädter sich über landwirtschaft unterhalten…

Ganz spannend wird es für mich, wenn landwirtschaftliche Themen behandelt werden.
So wie aktuell in der Folge 218, in der ca. 20 Minuten lang die Bauernproteste thematisiert werden.

mit einem Klick gelangt ihr zum Podcast
Zuhören! weiterlesen

Billige Wurst

Höhere Standards durchsetzen, Ja.
Mehr dafür bezahlen? Nein!

Wursthersteller Reinert ist das Schweinefleisch im Einkauf zu teuer

Dieses Beispiel von Wursthersteller Reinert zeigt exemplarisch, wie scheinheilig die Lebensmittelbranche ist. Höhere Standards werden gefordert, weil es die Gesellschaft (der Kunde) so will. Die Bauern dafür aber besser bezahlen? Oh ne. Das geht ja gar nicht!
Und nun, wo die Preise für Schweinefleisch seit Monaten infolge des großen Hungers in China hoch sind, ja nun schaut sich dieses Unternehmen in Übersee um und wünscht sich, das billigere Fleisch aus dortigen Märkten zu importieren.
Ich könnte kotzen!
Und zugleich macht es wieder einmal deutlich, dass die Initiative Tierwohl das Beste Instrument ist, um mehr Tierwohl auch bezahlt zu bekommen.

Alles andere funktioniert nicht, ist Träumerei oder wäre Kommunismus!

Vielen Dank an Nadine Henke von den Brokser Sauen

Bitte bis zum Schluss durchlesen: der letzte Absatz ist WICHTIG!!!

Bärchen-Wurst demnächst aus Übersee?  So langsam fühle ich mich nur noch veräppelt – jetzt jammert der Wursthersteller Reinert, dass das deutsche Schweinefleisch zu teuer sei:  Der Fleischwarenhersteller leidet unter hohen Schweinepreisen  schreibt das Haller Kreisblatt.  Die Schweinepreise seien um 40% gestiegen und die Branche hat mit der Rohstoffknappheit zu kämpfen.
dringende Leseempfehlung!

Screenshot Buch

Wie Ihr seid! Teil 2: Partei, Fraktion und grüne Europagruppe

Robert Habeck hat im Oktober letzten Jahres ein Buch veröffentlicht. Der Titel: „Wer wir sein könnten“. Sein Anliegen: Eine offene und vielfältige Sprache, mit der Demokratie funktioniert. Eine Sprache, die nicht ausgrenzt, entmenschlicht.

Leider entgleisen viele seiner Parteikollegen regelmäßig, wenn sie sich im Internet zur konventionellen Landwirtschaft äußern. Seit Jahren schon ernten Landwirte die Stürme, die die Grünen säen.

Die Internet-Kommunikation von Bündnis 90/Die Grünen läuft nicht immer, aber oft, auf geistige Brandstiftung hinaus. Zumindest legt dies der Teil 2 meiner Bestandsaufnahme von Tweets bzw. Facebook-Posts aus Partei, Fraktion und grüner Europagruppe nahe.

Teil 1: Wie Ihr seid! Teil 1: Harald Ebner

Wie Ihr seid! Teil 2

Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Link Facebook-Post
Keine Beweise, aber bald 60 Prozent (Facebook, 17. Mai 2019)

Die Angst um das Trinkwasser

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat kürzlich bei Facebook Alarm geschlagen. 60 Prozent könnte das Trinkwasser teurer werden. Aber der Retter naht: Anton Hofreiter will dafür sorgen, dass wir bekommen, was wir bereits haben: sauberes und bezahlbares Wasser.

Aus welcher Quelle stammt die Zahl 60 Prozent? Wie ist die prozentuale Verteilung von Industrie und industrieller Landwirtschaft? Welche Stoffe verschmutzen konkret unser Trinkwasser? Und wieso: „könnte“? Was wäre der Grund für einen Kostenstieg bzw. dafür, dass es nicht so weit kommt?

Warum der Konjunktiv, warum gehen Fraktion bzw. Hofreiter mit ungelegten Eiern hausieren? Erklärungen erhalten wir keine.

Ich denke, des Rätsels Lösung ist einfach: Sprache wird eingesetzt, um den Menschen Angst einzujagen vor gravierenden finanziellen Belastungen. Obwohl kein Anlass zur Sorge vorhanden wäre. Aber die Agrarwende muss her, und es ist immer Wahlkampf.

„Brunnenvergiftung“ reloaded

Pikant ist der Post übrigens vor dem Hintergrund, dass die Grünen vor einem Jahr schon mal einer betroffenen Öffentlichkeit mitgeteilt hatten, dass die Kosten für ihr Trinkwasser signifikant steigen werden. Auch Anton Hofreiter hatte sich mit einem Facebook-Post zu Wort gemeldet: Die „Gülleflut“ aus der Massentierhaltung müsse gestoppt werden. Allerdings beruhte die Meldung auf einer Auswertung der grünen Bundestagsfraktion. Und die stimmte vorne und hinten nicht, wie das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung richtig stellte.

Pikant ist ferner, dass die Grünen auch vor zwei Jahren bereits laut getrommelt hatten, einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge würden die Kosten für unser Trinkwasser beträchtlich in die Höhe schnellen. Der Grund? „Güllefluten“ laut dem damaligen niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Bärbel Höhn sprach gar von einer „Brunnenvergiftung“. Wieder einmal war den Grünen die Sprache entglitten. Übrigens entsprach der prognostizierte Anstieg nicht den Fakten. Weit gefehlt.

Bedenkt man den Hintergrund des Narrativs der Brunnenvergiftung, so ist der Begriff eine schlimme Wahl: In der Antike galt es als schweres Verbrechen und entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem Stereotyp zur Verleumdung bestimmter Volksgruppen. Unter anderem wurde der Vorwurf der Brunnenvergiftung gerne als Legitimation genutzt, Juden zu verfolgen.

Gülleflut

Das negativ besetzt Wort Gülle mit Flut zu verbinden ist ein geschickter Schachzug. Ich habe mal beim Wortschatz-Portal der Universität Leipzig nachgeschlagen: Signifikante linke Nachbarn von Flut sind (u.a.): verheerend, schlimm, gewaltig. „Flut“ ist also negativ konnotiert, denn bis auf wenige Ausnahmen wird das Wort mit Adjektiven verknüpft, die eine Gefahr beschwören.

Und damit lässt sich natürlich hervorragend trommeln für eine Agrarwende. Viel besser als mit differenzierenden Aussagen wie beispielweise der Tatsache, dass Nitratwerte nicht flächendeckend überschritten werden, sondern punktuell. Oder dass belastete Brunnen längst nicht immer in viehintensiven Regionen liegen. 

Wer mag, kann einiges mehr zum Thema Nitrat sowie zu angeblich steigenden Trinkwasserkosten bei BlogAgrar nachlesen: „Nitrat – und kein Ende mit der Scheiße“.

Hate speech?

Haarsträubend ist ferner die Aussage zum Verhalten der Bundesregierung. Es wird ihr unverhohlen unterstellt, sie nehme aus niederen Gründen Kostensteigerungen beim Trinkwasser in Kauf – zum Nachteil der Verbraucher. Ein starkes Stück! Ist das noch Verleumdung oder schon Hate Speech?

Werte Bundesagsfraktion, Ihre Kommunikation hat rein gar nichts mit einer konstruktiven demokratischen Auseinandersetzung zu tun. Nicht unser Trinkwasser ist vergiftet. Ihre Sprache ist es!

Bündnis 90/Die Grünen

Link Tweet
Der Begriff Ackergift muss sein! (Bündnis 90/Die Grünen – Tweet vom 21. Mai mit ZDF-Videoausschnitt: Was mir Europa bringt)

Die ewige Leier vom Ackergift

Exemplarisch für die verrohte Sprache der Grünen ist meines Erachtens der Begriff „Ackergift“. Denn es handelt sich um PflanzenSCHUTZmittel. Also Stoffe, die Landwirte ausbringen, um ihre Ackerfrüchte vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Vor 100 Jahren gab es diese Mittel nicht, werte Politiker von Bündnis 90/Die Grünen. Dafür hatten wir regelmäßig wiederkehrende Ernteeinbußen – bis hin zu Totalausfällen. Es gab Mangelernährung, es gab Hunger, es gab Menschen, die Hungers starben. Übrigens macht noch immer die Dosis das Gift. Und genauso bringen die Landwirte die Pflanzenschutzmittel aus – streng nach Vorschrift!

„Ackergift“ an sich lässt schon tief blicken. Regelrecht perfide ist allerdings, dass die Grünen diesen Begriff der von ihnen dämonisierten industriellen Landwirtschaft vorbehalten.

Die Tatsache, dass auch Bio-Landwirte spritzen, wird regelmäßig unter den Tisch geschubst.

Kein Grüner erzählt den Verbrauchern (und potenziellen Wählern), dass viele „natürliche“, also nicht-synthetische Pflanzenschutzmittel, es ganz schön in sich haben. Sofern man sich auf das preiswerte Grünen-Niveau herabbegeben möchte: Es sind „Ackergifte“. Ich ziehe allerdings auch hier den Begriff Pflanzenschutzmittel vor.

Beispiele sind das Schwermetall Kupfersulfat oder das insektenschädliche Mittel Spinosad. Wobei Kupfersulfat weitaus toxischer ist als Glyphosat, wie hier nachgelesen werden kann: „Far more toxic than glyphosate: „Copper sulfate, used by organic and conventional farmers, cruises to European reauthorization.“

Ergiebig ist ferner der Beitrag von Salonkolumnist Johannes Kaufmann, den ich hier verlinke: „Mythenjagd 1: Bio bedeutet ungespritzt.“ In dem Artikel finden sich weitere Beispiele, unter anderem ist dort eine knapp 100 Din-A4-Seiten lange Liste verlinkt mit im Öko-Landbau zugelassenen Pflanzenschutzmitteln.

Das eine „Gift“ zu verteufeln und das andere „Gift“ auszublenden und damit den konventionell wirtschaftenden Landwirten die Vergiftung ihrer Landsleute zu unterstellen – das finde ich regelrecht diabolisch!

Kanzerogenität und keine Ende

Link Facebook-Post
Nein, nicht deshalb hat eine Laienjury ihr Urteil gefällt. Könnte man wissen. Es stand viel dazu in der Zeitung!

Eigentlich ist es sinnlos, diesen Punkt aufzugreifen. Das Thema Glyphosat ist im faktenbefreiten Raum förmlich einbetoniert, wobei die Faktenresistenz gerade bei vielen Grünen besonders stark ausgeprägt ist. Allerdings geht es mir in diesem BlogPost darum aufzuzeigen, wie rücksichtslos oft kommuniziert wird. Daher darf der Vorwurf der Kanzerogenität nicht fehlen.

Fakt ist doch seit Paracelsus: Es macht noch immer die Dosis das Gift. Fakt ist ferner: Glyphosat ist bei sachgemäßer Anwendung noch immer nicht krebserregend. Weltweit haben Wissenschaftler unzählige Studien ausgewertet. Ein weiteres Faktum: Eine Laienjury macht noch lange keine wissenschaftlichen Fakten.

Zahllose Grünenpolitiker sind in den vergangenen Jahren mit zahllosen Links zum Stand der Wissenschaft versorgt worden. Es hat sie nicht interessiert. Stattdessen kommunizieren sie unverändert Aussagen, die nicht stimmen. Das ist verantwortungslos. Denn sie treiben Schindluder mit der Angst von Menschen um ihre Gesundheit.

Was es mit der Kanzerogenität und den Gerichtsurteilen auf sich hat, kann hier nachgelesen werden.

„Gutes Gift und böses Gift“

„Warum Glyphosat kein Beweis für den Krebsverdacht ist“

„Im Zweifel gegen die Harmlosigkeit“

Die Europagruppe Grüne

Link Tweet
Bio-Gemüse oder Pestizide. Himmel oder Hölle.

Zur Höchstform ist die Europagruppe der Grünen aufgelaufen. Etwas verklausuliert werden in dem Tweet zwei Gegensätze aufgebaut:

1.) Unser Essen wird mit Pestiziden (industriell) angebaut oder ist Bio-Gemüse (lokal).

Haben sich die Grünen nicht getraut, die Unwahrheit auszusprechen? War ihnen ein: „Pestizide oder keine Pestizide“ dann doch zu heiß?

2.) Auf unseren Tellern landen entweder Bio-Gemüse – oder Pestizide.

Ist es das, was Sie kommunizieren möchten? Sie sind sich darüber im Klaren, wie rücksichtslos es ist zu unterstellen, dass Landwirte Pestizide auf die Teller ihrer Landsleute legen? Ich glaube, auch in Brüssel ist bekannt, was Rückstandskontrollen besagen: Unser Essen ist sauber!

Martin Häusling und die freibierausschenkende Julia Klöckner

Link Tweet
So sieht grüner Populismus aus.

In ein ähnlich demagogisches Horn stößt Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments. Er unterstellt der deutschen Landwirtschaftsministerin, sie würde Ausnahmen für Neonikotinoide unters Volk bringen – wie Freibier. Herr Häusling, Sie wollen uns also zu verstehen geben, die Ministerin sei so verantwortungslos, wahllos mit Genehmigungen um sich zu schmeißen?

Wie für Harald Ebner gilt auch für Sie: Das ist genau die Art populistischer Parolen, die unser gesellschaftliches Klima vergiften. Sollte die Ministerin wie ihr Vorgänger im Amt mit Gewalt- und Mordandrohungen konfrontiert werden, würde ich ihr empfehlen, neben Ebner auch Ihnen ein Dankesschreiben zukommen zu lassen. Denn das hätten Sie sich verdient!

Robert Habeck: „Was wir sein könnten“

Last, but not least: Welcher Sprache bedient sich eigentlich Robert Habeck? Ich verfolge schon seit einigen Jahren, wie die Grünen zur Landwirtschaft kommunizieren und muss sagen: Der Grünen-Chef hebt sich wohltuend ab von vielen Parteikollegen.

Lautes Schweigen

Link: Screenshot Blog
Lautstarkes Schweigen (BlogPost Robert Habeck, 23. Mai 2019)

Deftige Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel, wie Habeck in seinem heute online gegangenen BlogPost unter Beweis stellt. Denn auch Schweigen, wo Reden angesagt wäre, kann ausgrenzen. Schließlich weiß der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister a.D. ganz genau:

Das Verbot der Ferkelkastration wurde ausgesetzt, um kleine u mittlere Familienbetriebe vor dem Ruin zu bewahren. Denn es gab keine praktikablen bzw. bezahlbaren Alternativen, die Ferkel zu betäuben. Wäre das Verbot gekommen, hätte es einen harten Strukturbruch gegeben. Die Personengruppen, auf die er anklagend mit dem Finger zeigt, haben letztendlich das getan, was die Grünen stets als hehres Schild lautstark vor sich hertragen: Bäuerliche Familienbetriebe erhalten!

Populismus pur von einem Mann, der ein ganzes Buch darüber schreibt, Politiker sollen zu einer fairen Sprache zurückfinden!

Wie Robert Habeck die Demokratie sieht

Unwohlsein bereitet mir allerdings etwas ganz anderes. Ich meine Habeck‘s Demokratieverständnis. Nachdem er der CSU-Regierung im letzten Wahlkampf einen demokratischen Charakter abgesprochen hatte, wollte er nur ein paar Monate später alles machen,

damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land

wird. Das hallt nach!

Waren das bloß Ausrutscher? Schlechter Stil? Oder steckt etwas anderes dahinter, ein Verständnis der eigenen politischen Bedeutung bzw. der Bedeutung der eigenen Partei, das nicht ganz sauber ist? Könnte der Grünen-Chef vielleicht – etwas demokratischer sein?

Ulf Poschardt, Chefredakteur der Welt, hat den Distinktionskern der Grünen in einem Tweet von Oktober 2018  beschrieben als

„die bislang hinter paternalistischer Empathie gut getarnte Überheblichkeit der ‚Anständigen‘“ 

Ich finde, er hat es auf den Punkt gebracht!

Und niemand denkt an die Tiere…

Tierrechtsaktivisten stürmen Sauenstall in Holland

Eine Gruppe von rund 125 Tierrechtsaktivisten hat sich am Montag mit brachialer Gewalt Zutritt zu einem Sauenstall verschafft und diesen für rund 10 Stunden besetzt. Die Mitglieder der international agierenden Kampagne „Meat the Victims“ forderten die Freilassung der Tiere. Auf Videos und Bildern konnten wir verfolgen, wie sie sich auf den Gängen in den Abferkelställen, Warteställen und Ferkelaufzuchtställen verschanzten.

Mediale Aufmerksamkeit

Auch in Live-Videos kann man in den sozialen Medien ihre Aktion verfolgen. Ohne jegliches Unrechtsbewusstsein gehen diese Menschen in die Stallungen, dort von einem Abteil ins andere – als wäre das ihr gutes Recht und vollkommen selbstverständlich. Es werden Ferkel auf den Arm genommen, die Sauen flippen im Abferkelstall aus – ja, weil die „bösen bauern“ sie eingesperrt haben – NEIN, weil sie ihre Ferkel schützen wollen, die sich zwangsläufig für ein Foto für die mediale Aufmerksamkeit des Tierrechtlers schreiend auf dessen Arm befinden.

Tierschutz – Fehlanzeige

Niemanden aus diesen Gruppen geht es um Tierschutz – denn sich aktiv für Tierschutz einzusetzen erfordert vor allem Fachwissen – dieses fehlt hier jedoch vollkommen. Diese Menschen haben keine Ahnung, wie Schweine sich verhalten, sie wissen nichts über diese Tiere. Sie haben keine Idee, welche Gefahr sie Betrieb und Tiere aussetzen, wenn sie einfach so in die Ställe eindringen.

Die Tiere haben panische Angst, weil sie das einfach nicht kennen, dass dort so viele Menschen lauthals schreiend/sich unterhaltend in den Abteilen aufhalten, dass dort so viele Menschen sich schnell bewegend durch die Abteile irren. Diese Tiere haben massiv Stress, weil sie diese Aktion überhaupt nicht einordnen können. Ich möchte nicht wissen, wie viele Ferkel von den panischen Sauen im Abferkelstall erdrückt wurden, weil die Sauen so „durch den Wind“ waren.

über 100 Tierrechts-Aktivisten besetzten am vergangenen Montag in den Niederlanden einen Sauenstall

Solche Aktionen haben wirklich gar nichts mit Tierschutz zu tun – diese sind für unsere Tiere einfach nur purer Stress.

Tierrechtler tragen Verantwortung für die Tötung aller Tiere

Und niemand denkt an die Tiere… weiterlesen
Großes Haus mit Tanne davor

Märchenzeit, die Dritte: Si tacuisses, philosophus mansisses, Sarah!

Wenn Du geschwiegen hättest, wärst Du eine Visionärin geblieben, Sarah!* (Anmerkung am Ende). Es folgt das dritte der fünf Märchen der Sarah Wiener. Die Bloggerin Birgit Medlitsch stellt in ihrem Blog Das ist los. Aussagen der österreichischen Starköchin zu Gut Kerkow und ihre Rolle nach der Übernahme auf den Prüfstand. Um ein abgedroschenes, unverändert aktuelles Sprichwort zu bemühen: Es duftet nach

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Nummer 3: Das Märchen von der Visionärin

In einem Interview mit der dpa (Deutsche Presse-Agentur, April 2019) bezeichnet sich Sarah Wiener in Bezug auf Gut Kerkow als „Chefideologin“, die Visionen hat.

In diversen Interviews mit ihr kann man nachlesen und nachhören, was sie nicht alles erneuert und verbessert und auch „neu erfunden“ hat.

Auch – so kann man in ihrem neuen Buch nachlesen – soll Gut Kerkow für sie etwas desolat und führungslos gewirkt haben. In einem Interview (Berliner Zeitung 17.6.2018) spricht sie sogar von einem völlig marodem und verschuldetem Hof.

Das Märchen von der Visionärin.

Sarah Wiener hat – gemeinsam mit ihren Partnern – Gut Kerkow im Jahr 2014 gekauft.

Der vorherige Eigentümer, und sehr bekannte und angesehene Diplomagraringenieur, Johannes Niedeggen, war im Jahr 2013 am Gut tödlich verunglückt.

Nun heisst es, Gut Kerkow befände sich seit der Übernahme in Sanierung (Jochen Beutgen gegenüber Ö1; Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019).

Das alles klingt so, als wären Sarah Wiener und ihre Partner und Gesellschafter Wunderwuzzis, die einen angeblich herabgewirtschafteten Hof auf Vordermann bringen. Dazu kommt noch eine selbst ernannte Bio-Bäuerin und „Visionärin“, die uns erzählt, welche ihrer großartigen Visionen sie nicht alle aus Gut Kerkow umgesetzt hat. Schauen wir einmal ein wenig in die Vergangenheit. War das nicht schon alles vorher da?

Der Visionär, der Gut Kerkow aufgebaut hat.

Ich hätte ihn gerne kennengelernt: Johannes Niedeggen.

Am 3. Mai 1994 hat er Gut Kerkow von der Treuhand gekauft, und zwar ohne Mitarbeiter und ohne Rinder.

Er war ein Visionär, der Gut Kerkow mit Liebe und Hingabe zu einem Vorzeigebetrieb im Bereich der Biolandwirtschaft gemacht hat. Davon zeugen viele Medienberichte, unter anderem eine 5-seitige Reportage in „Neue Landwirtschaft“ im Juli 2011. (PDF-Link im Originalpost).

Ihm war das nachhaltige Wirtschaften ein grosses Anliegen, und das hat er auf Gut Kerkow in Form der Kreislaufwirtschaft umgesetzt. Auch zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen trug er bei, und machte Gut Kerkow zu einem von 70 Archehöfen Deutschlands.

Fünf Mio. Euro investiert

Neben der Milchkuhhaltung hat er bereits 1994 mit der Aberdeen-Angus-Zucht begonnen und eine Herde mit 100 Angusmutterkühen aufgebaut. Er hat sich für erneuerbare Energie eingesetzt und eine Biogasanlage sowie eine öffentliche Tankstelle für Diesel und Pflanzenöl gebaut. Zwei seiner Traktoren hat er für Rapsöl umgerüstet und konnte das kaltgepresste Rapsöl als Treibstoff nutzen. Auch war er bei der größten europäischen Biofachmesse, der Biofach, im Jahr 2012 Vortragender zum Thema Biogas.

Er baute das Gutshaus zur Pension um, richtete eine Gaststätte, einen Veranstaltungsraum und einen Bauernmarkt ein. Überdies baute er eine „Registrierte Schlachtstätte“ für die Hofschlachtung. Er setzte sich sehr für das Tierwohl ein und ließ seine Schafe und Rinder das ganze Jahr über halbwild auf den Wiesen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin leben. Johannes Niedeggen hat 5 Millionen Euro investiert und 22 Arbeitsplätze geschaffen. (Quelle: Homepage von Gut Kerkow vom 24.12.2006)

Alles schon da

Also alles schon da, als Sarah Wiener und ihre Partner und Gesellschafter Gut Kerkow kaufen, oder? Und von desolat oder marode kann auch nicht die Rede sein. Denn: der Ortsvorsteher von Kerkow, Reinhard Koslowski beschrieb 2013, als Johannes Niedeggen verunglückte, Gut Kerkow als moderenen Bio-und Erlebnishof, der sich durch zahlreiche Initiativen, von Regionalvermarktung bis Landpartie, einen Namen gemacht hat, der weit über Kerkow und die Uckermark ausstrahlt. (MOZ, 28.2.2013)

In ihrem neuen Buch schreibt Sarah Wiener „Vor allem aber wurden vor einigen Jahren die ersten Weichen in Richtung ökologische Landwirtschaft gestellt.“ Eigentlich war der Betrieb bereits seit 2011 komplett auf bio, also ökologisch, umgestellt. Da waren keine Weichen mehr. Es war alles schon erledigt. Auch Bilder des Guts aus der Zeit von Johannes Niedeggen und Berichte darüber zeigen einen wunderbaren Bio-Gutsbetrieb. Ich sehe jetzt nicht grossartig eine Änderung durch Sarah Wiener als „Chefideologin“. Aber schauen wir uns doch eine ihrer „visionären“ Ideen an.

Die Vision von der Fruchtfolge.

Wenn sie sagt „Meine Idee war zum Beispiel einfach die siebenjährige Fruchtfolge einzuführen.“ (Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) kann es sein, dass viele Landwirte komische Gesichter machen.

Johannes Niedeggen hat es sicher nicht viel anders gemacht, denn angesichts der Kulturen, die er angebaut hat (Reportage in „Neue Landwirtschaft“ im Juli 2011), war auch nicht viel anderes möglich.

Landwirte achten grundsätzlich auf die Fruchtfolge. Vielleicht nicht sieben Jahre, aber sie planen mindestens 5 Jahre voraus, denn sie möchten ja eine gute Ernte. Und das funktioniert ohne kluge, geplante Fruchtfolge nicht. Noch dazu gibt es etliche Kulturen, die einen Fruchtfolgeabstand von mindestens 4-5 Jahren benötigen. Das gilt nicht nur für Bio-Betriebe, sondern auch für die konventionelle Bewirtschaftung.

Laut dem letzten Biozertifikat gibt es auf Gut Kerkow Silomais, Grün- und Raufutter und Getreide. Eine Rückfrage am Gut Kerkow hat ergeben, dass kein Mais angebaut wird, sondern Gerste, Roggen, Winterweizen, Dinkel, Sommerroggen und Sommerhafer. Für die Fruchtfolge wird zwischen diesen Kulturen 2 Jahre, manchmal auch länger, Kleegras angebaut (das für die Rinder benötigt wird).

Was ist neu, was innovativ?

Ich frage mich, was daran gross neu und innovativ sein soll? Das machen andere Landwirte auch. Das hat Sarah Wiener nicht erfunden. Vor allem: wenn man mit dem, was man anbaut, hauptsächlich Tierfutter „produzieren“ muss, dann hat man nicht viele Möglichkeiten. Das ist sozusagen „aufgelegt“, wie wir Österreich so schön zu sagen pflegen.

Bei der Auswahl von Getreide und Kleegras ist der Plan für die nächsten sieben Jahre nicht sehr kompliziert. Es gibt Bio-Landwirte, die bauen andere Kulturen an, da wird das schon weit komplexer.

Und warum wird auf Gut Kerkow kein Gemüse angebaut? Dann könnte man das eigene Gemüse über den Bioladen vermarkten und müßte das nicht zukaufen. Kürbisse, zum Beispiel, würden sich bei den sandigen Böden dort sehr gut eignen. (Auch ich kann gute Tips geben.)

*Anmerkung: Ich habe mir die künstlerische Freiheit herausgenommen, die Philosophin durch die Visionärin zu ersetzen.

Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 1: Das Märchen von den Agrarsubventionen.

Märchen Nummer 2: Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner.

Leckermacher

Die Firma Topigs Norsvin hat Anfang des Jahres zu einem Pressegespräch mit anschließendem Grillseminar und der Verkostung ihres neuen TN Duroc IMF Schweins (besser zu merken unter der Bezeichnung „der Leckermacher„) in die Grillschule Santos in Köln eingeladen.

Nachhaltigkeit im Vordergrund

Sie starteten zunächst mit einer Präsentation, in der sie von ihren neuen Zuchtzielen berichteten.
Es überraschte mich positiv, wie sehr das Thema Nachhaltigkeit bei der Zucht im Vordergrund steht.
Dieser ist vor allem auf die Veränderung der Gesellschaft und neue Ansprüche in der Zucht zurückzuführen. Hier wird besonders auf das Tierwohl geachtet, wie zum Beispiel gute Gruppentauglichkeit und ein gutes Sozialverhalten der Tiere, sowie eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten.

Die Teilnehmer des Grillseminars stehen bereit, fleißig mit zu kochen bzw. zu grillen.
Blick in die Grillschule (Foto: S. Barkmann)

An den Konsumenten denken

Außerdem ist es ein großes Anliegen der Firma, den Bogen weiter zu spannen als nur bis zur Schlachterei. Beim persönlichen Gespräch mit dem Chef von Topigs, Eduard Eissing, betonte er, dass sie nun bei ihrer gesamten Tätigkeit versuchen auch an den Endverbraucher zu denken, für den sie schließlich produzieren. Auch der jeweilige Landwirt soll dank einer geringen Problemzahl bei der Aufzucht eine höhere Lebensqualität erlangen und mehr Zeit für die Familie haben. Die optimale Work- Life Balance wird erzielt durch geringe Arbeitsbelastung mit gleichzeitiger Qualitätssteigerung des Endprodukts.

Macher by Topigs Norsvin

Projekte wie die „Macher“-Seite tragen zur Wertschätzung und des Bewusstseins dieser Branche bei. Das Magazin gilt als Ventil aller Menschen, die Teil der Fleischproduktion sind, von Landwirten, Köchen, Fleischermeistern bis hin zu den Genießern.

Topigs Norsvin sieht es als seine Pflicht an, aufzuklären und Tipps und Tricks zur Zubereitung von  Schweinefleisch zu teilen.

Unheimlich lecker!

Dieses Schweinefleisch ist nämlich ein ganz besonderes. Ich persönlich, weiblich, 20 Jahre alt, esse sonst kaum Schweinefleisch. Wenn Fleisch, dann Chicken-Wings oder Rindersteak. Aber ich muss ehrlich zugegeben, dass ich noch nie so gutes Schweinefleisch gegessen habe. Dieses Fleisch, ist mit intramuskulärem Fett durchzogen. Ich war auch zunächst skeptisch, da ich sonst immer großzügig um das Fett bei einem Kotelett herumschneide, jedoch war es ein völlig neues  Geschmackserlebnis und nicht vergleichbar mit irgendeinem Fleisch, das ich vorher aß.

Konstruktiv geht irgendwie anders

Die Ferkelkastration – ein leidiges Thema, was uns wohl noch einige Zeit beschäftigen wird

Nach der Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration um 2 Jahre, müssen nun für die Landwirte umsetzbare Alternativen bis zum 31.12.2020 her, denn ab 01.01.2021 soll ja nun endlich Schluss sein mit der betäubungslosen Kastration.

Nadine Henke hält ein Saugferkel in den Händen

Jetzt hat das BMEL den ersten Entwurf für eine Verordnung veröffentlicht, die es den Landwirten erlauben soll, die Narkose mittels Isofluran selbstständig durchzuführen. Daraufhin sind nun die Verbände gebeten worden, zu diesem Entwurf Stellung zu nehmen.

Ich habe in den letzten Tagen etliche dieser Stellungnahmen gelesen und bin ehrlich gesagt schockiert und enttäuscht. Die meisten Verbände halten an ihrer Sicht der Dinge fest, beschäftigen sich letztlich überhaupt nicht mit der Isoflurannarkose und der Verordnung. Beispielsweise ist in der gemeinsamen Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz und ProVieh zu lesen, dass…

die Politik in zukunftsweisende und tiergerechte Lösungen wie die Ebermast mit und ohne Impfung gegen Ebergeruch investieren muss, statt Verstümmelungen von männlichen Ferkeln mit geplanten 38 Millionen Euro Steuergeldern zu fördern.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, ein solcher Satz von Tierärzten, macht mich fassungslos. Vor allem fordert derweil eine andere Arbeitsgruppe, genau diese „Verstümmelungen“ flächendeckend für Katzen:

Aus den genannten Gründen besteht ein gesellschaftlicher Konsens, die Kastration möglichst flächendeckend und bei allen Haltungsformen durchzuführen.

Derweil halten viele landwirtschaftlichen Verbände an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Isoflurannarkose fest und diskutieren in einem Positionspapier die Frage, warum ein Landwirt nicht einfach Lidocain einsetzen kann.

In der Schule hieße es – setzen sechs, Thema verfehlt

Ich bin maßlos enttäuscht von der destruktiven Art und Weise mit diesem Verordnungsentwurf umzugehen. Ich weiß nicht, ob den dort agierenden Verbänden nicht klar ist, dass Isofluran in den nächsten Jahren der einzige Weg sein wird, den die Landwirte noch gehen können, wenn sie keine Eber mästen wollen (bzw. vermarktet bekommen).

Politiker wie Albert Stegemann oder auch Ursula Heinen-Esser haben uns ganz klar zu verstehen gegeben, dass es den vierten Weg in den nächsten zwei Jahren (es fehlt immer noch der Nachweis der Schmerzausschaltung) nicht geben wird, zudem wird es weder eine weitere Fristverlängerung noch eine Änderung des Tierschutzgesetzes geben. Natürlich können wir auch noch 1,5 Jahre damit verschwenden, darüber empört zu sein, nur das wird an der Sache nichts ändern.

Liebe Tierschutzverbände,

sicher ist die „Nichtkastration“ (sprich Ebermast mit oder ohne Immunokastration) der eleganteste Weg – nur dieser findet keine 100% Akzeptanz bzw. Absatz. Es gibt nun die Möglichkeit, an einer mittelfristigen Lösung mittels Isofluran zu arbeiten, oder dieses weiterhin konsequent abzulehnen, und einfach den Tierschutz zu exportieren. Dann darf allerdings auch die Frage erlaubt sein – geht’s Euch überhaupt um die Tiere oder nur um Eure Daseinsberechtigung?

Liebe Tierärzte,

natürlich ist es Euer Recht, weiterhin an dem Tierärztevorbehalt im Rahmen einer Vollnarkose festzuhalten. Dann erwarte ich aber von Euch, dass Ihr alle ab dem 01.01.2021 Gewehr bei Fuß steht, um in den Ferkelerzeugerbetrieben genau diese Narkosen durchzuführen. Denn es ist nicht okay, eine solche Forderung zu stellen bzw. daran festzuhalten, und dann von anderen Kollegen zu verlangen, diese Arbeit zu erledigen. Deswegen wünsche ich mir, dass jeder, der eben nicht ab 01.01.2021 täglich in einem Ferkelerzeugerbetrieb Ferkel narkotisieren möchte, sich für diese Verordnung stark macht und konstruktiv an einer Lösung im Sinne des Tierschutzes mitarbeitet.

Liebe Landwirte,

gleiches gilt für Euch – ich wünsche mir von Euch eine konstruktive Zusammenarbeit, sowohl hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen beim Umgang mit dem Inhalationsnarkosegas Isofluran, als auch hinsichtlich der Schulungsmaßnahmen zum Sachkundenachweis. Wer weiterhin diese Methode ablehnt, solle sich bitte einfach mit der Ebermast auseinandersetzen, diese Alternative jedoch für andere Ferkelerzeuger nicht zerreden, denn sie wird zum heutigen Zeitpunkt die einzige Alternative der Kastration nach dem 31.12.2020 bleiben.

Last but not least – es geht auch anders…

Positiv hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang noch die Stellungnahme des Deutschen Raiffeisenverbandes – sie zeigt, wie eine konstruktive Mitarbeit an  einer Lösung aussehen kann. Vielen Dank dafür!!!

Immer das selbe Lied

„Wir haben es satt“ mit immer der selben Vielstimmigkeit gegen die moderne Landwirtschaft

Die Demo „Wir haben es satt“ gibt es schon seit 2011. Gefordert wird stets die „Agrarwende„. Von einer Anerkennung der Leistungen der deutschen Bauern ist nichts zu spüren.

Landwirtschaft verändert sich- schon immer!

Was hat sich denn zwischenzeitlich so alles getan in der deutschen Landwirtschaft? Ist alles noch so wie vor 8 Jahren?

  • Die Antibiotikagaben in der Nutztierhaltung wurden deutlich gesenkt
  • Die Düngeverordnung wurde verschärft
  • Die Gülle und Gärreste werden zunehmend bodennah mit weniger Emissionen ausgebracht
  • Die landwirtschaftliche Bautätigkeit ist in vielen Landkreisen zum Erliegen gekommen
  • Die Initiative Tierwohl ging an den Start
  • Lebensmittelhändler führen einheitliche Haltungskennzeichnung ein
  • Bauern säen vermehrt Blühstreifen an
  • Bauern müssen ihre Sachkunde bei der Pflanzenschutzmittel-Anwendung regelmäßig erneuern
Dieser Blühstreifen blühte im Jahr 2018 sehr bunt. Die meisten Blühstreifen hatten allerdings mit der Dürre zu kämpfen
wunderschöner bunter Blühstreifen
  • der Wolf breitet sich immer mehr aus und bedroht zunehmend die Weidehaltung in Deutschland, verbunden mit einer überbürokratischen Schadensregulierung
  • Glyphosat wurde entgegen aller wissenschaftlicher Expertise um nur 5 Jahre verlängert.
  • Die Liste der zugelassenen Wirkstoffe für den Pflanzenschutz wird immer kürzer.
  • Das Kastenstandurteil, die Greenpeace/Berlinklage gegen die Schweinehaltung bedrohen die verbliebenen Sauen- und Mastschweinehalter
  • Bioland ist im Massenmarkt angekommen und bei Lidl gelistet

Trotz aller Bewegung stehen wir massiv in der Kritik. Bauern fühlen sich ausgegrenzt, an den Rand der Gesellschaft gedrängt, bringen sich aber vor Ort dennoch weiterhin ehrenamtlich ein.
Und nebenbei sorgen die deutschen Bauern dafür, dass alle satt werden können. Und das mit so hochwertigen und sicheren Lebensmitteln, wie noch nie.

Und wie haben sich die satten Demonstranten bewegt?

Werden die Leistungen der Landwirte, die neuesten Entwicklungen überhaupt wahrgenommen und mittlerweile etwas mehr respektiert? Ich habe das Gefühl, dass die Veränderungen der letzten Jahre, die auch mit großen Anstrengungen der Bauern verbunden waren, kaum oder gar nicht anerkannt werden.

Kampfbegriffe

Stattdessen wird weiter krakehlt. Die Zuspitzungen gegen die

  • Massentierhalter
  • Agrarindustriellen
  • Großbauern
  • dem (Frei-)Handel
  • die Marktwirtschaft, Konzerne,

die alle als schwammige Kampfbegriffe von den Veranstaltern nur zu gerne verwendet werden, nehmen nicht ab. Dabei hat jeder der WHES-Demo-Teilnehmer eine andere Definition von den verwendeten Schlagwörtern.

Diese ungeordnete und vielfältige Pauschalkritik prägt sich bei vielen Bürgern ein und sorgt im Alltag für ablehnende Reaktionen auf Bauern und ihre Tätigkeit.

Bauern leiden unter Pauschalkritik

Das geht nicht spurlos an die Bauernfamilien vorbei. Die geballten Vorwürfe der satten Demonstranten treffen sehr viele Landwirte und deren Angehörigen tief ins Herz- seit Jahren, immer wieder!

Wie viele kleine und mittlere Betriebe geben auf und führen als Grund dafür AUCH das schlechte gesellschaftliche Klima an? Ich habe den Eindruck: immer mehr!

Dabei betonen die Veranstalter von WHES immer wieder, dass sie FÜR die Bauern auf die Strasse gehen und nicht gegen. Wie kommt dieses Zerrbild zu Stande?
Sie müssen in ihrer eigenen Realität gefangen sein.

guter Bauer – böser Bauer ?

Die allermeisten Landwirte empfinden die „Wir-haben-es-satt„-Demo nicht als Bauern-freundlich. Und ich finde, sie haben Recht. Jede der teilnehmenden Organisationen hat ihr ganz eigenes Interesse bzw. Nutzen, an dieser Demo teilzunehmen und dazu zu mobilisieren.

Für viele Ökobauern und Direktvermarkter ist die bunte Demo auch eine günstige Werbemaßnahme für ihren Betrieb. Anders kann ich mir ihre Teilnahme nicht erklären. Andere haben eine tiefliegende Ablehnung gegen den Bauernverband und sind deshalb dabei und noch andere wollen vielleicht einfach zu den „Guten“ gehören. Wobei ja fast alle zu wissen glauben, dass BIO natürlich gut ist- und die anderen eben nicht. Die sind die Bösen, die sich vom DBV, von der Industrie leiten lassen und dabei Tiere quälen und die Umwelt zerstören.

sind die Bauern einfach zu dumm?

Die vielen Teilnehmer und Initiatoren der WHES sind überzeugt, ihre Forderungen würden im Interesse für die Landwirte sein, nur die meisten Bauern seien zu dumm, dieses zu erkennen. Welch ein überhebliches Urteil über die Bauern, die man ja eigentlich im Blick haben will und für die man vorgeblich auf die Strasse gehen möchte. (aktuelles Beispiel: http://www.taz.de/!5565896/)

„gut gemeint“

Ich erkenne an, dass viele Initiatoren und auch Teilnehmer den Landwirten tatsächlich nichts Schlechtes wünschen. Doch leider sind die vielfältig vorgetragenen Wünsche nach einer „Agrarwende“ so widersprüchlich, dass ich glaube, sie haben es nur gut gemeint!

„Dialog statt Protest“ regional & am Brandenburger Tor

Um diese komplexen Zusammenhänge den Verbrauchern zu vermitteln, bieten an vielen Orten Landwirte den Dialog an (regionale Aktionen im Rahmen von Dialog statt Protest). In Berlin soll verdeutlicht werden, dass die meisten Bauern die „Wir haben es satt“-Demo nicht gut heißen wollen.

Es ist auch eine gesellschaftliche Leistung, die Bevölkerung mit sicheren Lebensmitteln zu versorgen. Das ist unser Job und das machen wir gerne!

„Zwischen Bullerbü und Tierfabrik“ gehört unter den Weihnachtsbaum!

Buchcover falsch herum
Mal genau hinschauen.

Geschafft! Zwischen Bullerbü und Tierfabrik. Warum wir einen anderen Blick auf die Landwirtschaft brauchen: Seit Veröffentlichung ist das Buch auf meinem Radar, endlich habe ich die Zeit gefunden, es zu lesen. Fazit: Ich habe das Grundproblem der urbanisierten Wohlstandsgesellschaft mit ihrer Lebensmittelerzeugung noch nirgends so krass, aber zutreffend gelesen wie in dem Buch von Andreas Möller. Was das Buch so wertvoll macht? In den flott zu lesenden 227 Seiten steht vieles, was sich im verengten öffentlichen Diskurs nicht wiederfindet. „Zwischen Bullerbü und Tierfabrik“ gehört unter den Weihnachtsbaum! weiterlesen