Archiv der Kategorie: Tierhaltung

Carina Konrad: "Phrasendreschen hilft bei #nitrat nicht mehr weiter. Wer die Verursacher nicht kennt, kann auch keine vernünftigen Maßnahmen ergreifen."

Kein Vertrauen ins Nitratmessnetz

Verschärfung der Düngeverordnung gehört „auf Eis“ gelegt

Viele, die die aktuellen Diskussionen um die Bauernproteste verfolgen, haben bestimmt auch schon die folgenden Videos gesehen. Für alle, die diese Videos von Alexander Neumann von der QDR e.V. (Qualitätsgemeinschaft für nachhaltige Düngung und Ressourcenschutz) noch nicht vollständig gesehen haben, empfehle ich, eine Stunde lohnend zu investieren.

Wem das erste Video nicht überzeugen konnte, der sollte sich unbedingt den zweiten Teil anschauen, den man wiederum besser verstehen kann, wenn man die Fakten und Historie aus Teil eins kennt:

Videos für mich inhaltlich nachvollziehbar

Ich habe ja hier im Blog schon des öfteren über das Thema Nitrat im Grundwasser berichtet. Und ich habe auch immer schon große Fragezeichen gehabt bei den Schlussfolgerungen der Politik und vieler NGOs zur Situation unseres Grundwassers. Aussagen wie „immer weiter steigende Nitratwerte“ oder „Niedersachsen ersäuft in Gülle“ habe ich hoffentlich nachvollziehbar widerlegt. Auch die fehlende Repräsentativität der Belastungsmessnetzes, das lange von Deutschland nach Brüssel zur EU gemeldet wurde, habe ich bemängelt.
Doch zwischenzeitlich hat die Bundesregierung nachgebessert und die Zahl der gemeldeten Messstellen vervierfacht. Und ist dabei zum Schluss gekommen, dass die Vervierfachung an der grundsätzlichen Einschätzung der Grundwasserkörper in Deutschland nichts ändert.

Mit diesen Videos werden meine Zweifel bestätigt, die bisher nicht vollständig ausgeräumt wurden!

Doch so richtig weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll bzw. welche Folgerungen die Bundesregierung aus den Erkenntnissen der obigen Videos (auch wenn dort nur die Situation in Rheinland-Pfalz aufgearbeitet wird) ziehen sollte. Denn wenn ich mit Vertretern aus dem Landwirtschaftsministerium rede, wird mir versichert, dass das alles schon seine Richtigkeit habe und dass die Zeit unheimlich dränge und andernfalls hohe Strafzahlungen drohen würden. Da werden auch schon mal die Worte „Quatsch“ und „Schwachsinn“ verwendet, wenn ich auf diese beiden Videos und die Schriften von Georg Keckl verweise.
Immer wieder wird in diesen Gesprächen auf die Untätigkeit in der Vergangenheit verwiesen, die dafür sorgt, dass heute der Handlungsdruck umso größer ist. Aber mit dieser Feststellung, die ja richtig sein mag, kann man doch nicht ungerichtete und falsche Verordnungen begründen!

Länder überprüfen Messstellen

Der Ärger der Landwirte über die weitere Verschärfung der Düngeverordnung jedenfalls ist riesen groß und sicher eine wichtige Antriebsfeder für die Bauernproteste der letzten Wochen.
Um den wütenden Landwirten zumindest etwas entgegen zu kommen, haben viele Bundesländer eine Überprüfung der Messstellen angeordnet. In Nordrhein-Westfalen gibt es ein erstes Ergebnis und das ist fatal: Denn hier sind zwei-drittel der Messstellen mangelhaft! (siehe SUS-online)

https://twitter.com/BlogAgrar/status/1222209758226272256

Rote Gebiete willkürlich und intrasparent?

Die Ausweisung der „roten Gebiete„, das Zustandekommen der Verschärfung der Düngeverordnung in den Jahren 2017 und 2019 sind für mich schwer nachvollziehbar und intransparent.
Sollten drastische Verschärfungen, wie eine Unterdüngung von 20% tatsächlich nötig und auch wirksam sein, um das Grundwasser vor Nitrateinträgen (die ja kein Landwirt möchte) zu schützen, dann bin ich dafür und akzeptiere diesen erheblichen Eingriff, der für meinen Hof große finanzielle Auswirkungen bedeuten würde.
Allerdings habe ich erhebliche Zweifel daran und würde eine solche Maßnahme nur als Bestrafung durch die Politik betrachten.

Forderungen an die Bundesregierung: vernünftig erklären oder „auf Eis setzen“

  • Falls die Bundesregierung Recht hat, muss sie es den Bauern so erklären, dass es auch jeder versteht!
  • Andernfalls gehören alle Maßnahmen zur Verschärfung der Düngeverordnung „auf Eis gesetzt“!

Geschieht dieses nicht, so dürfte der Vertrauensverlust in das Regierungshandeln immens sein und lange Jahre nachwirken.

Grafik zur Diskussion "Bio-Bäuerin gegen Massentierhalter"

Bio-Bäuerin vs. Massentierhalter

Ist Bio nur Luxus für Reiche? | DISKUTHEK

Das Thema Landwirtschaft ist zur Zeit in aller Munde. Es wird gerade auch zur grünen Woche sehr viel um die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert. Welcher Weg ist der richtige? Ist „alles bio“ auch wirklich gut?

Ich jedenfalls schäme mich nicht, einen modernen, konventionellen Familienbetrieb zu führen und scheue mich auch nicht, in öffentlichen Diskussionen für meine Positionen zu werben.

Diskussion in der DISKUTHEK

Schriftzug von Diskuthek

Das junge YouTube-Format des Stern, die DISKUTHEK, ist eine Talkshow, die ausschließlich für das Internet produziert wird. Hier diskutierten zu unterschiedlichsten Themen bereits Kevin Kühnert, Philipp Amthor, Gegor Gysi und Luisa Neubauer.

Anschauen und bitte Feedback geben

Bei der aktuellsten Folge durfte ich mit der Bio-Bäuerin Gisela Sengl debattieren. Nehmt Euch bitte die 30 Minuten Zeit und schaut die Folge in Ruhe an. Ich bin sehr gespannt auf Euer Feedback, gern auch hier als Kommentar!

Rückblende

Vor drei Jahren habe ich bereits ein ähnliches Streitgespräch geführt. Damals auf der grünen Woche mit Jochen Fritz, der zu der Zeit noch Kampagnenleiter der „Wir haben es satt“-Demo war.
https://www.morgenpost.de/berlin/article209409039/Bio-oder-kein-Bio-Wer-hat-die-besseren-Rinder-im-Stall.html

Fünf lange Treckerreihen aus Vogelperspektive

Wenn Politik existenzbedrohend wird: Was das Agrarpaket für Landwirte bedeutet

Der 34 Jahre alte Landwirt Jost M. Fakt aus dem Dorf tuz im Landkreis Faktenfinder* (Anmerkung 1 Textende) hat in diesen Wochen mit seinem Schlepper viele Kilometer abseits der Heimat absolviert: Gemeinsam mit Tausenden Kollegen zeigte er u.a. in Hamburg und Berlin Flagge gegen Agrarpaket, Bauern-Bashing und Mercosur, für die Zukunft seines eigenen Bauernhofes und die Betriebe seiner Kollegen. Kurz: Aus dem Landwirt ist ein Reisender geworden wider ein agrarpolitisches Absurdistan.

Ich habe ihn gefragt, was ihn antreibt. Herausgekommen ist ein Interview über einen Bauern, der in Generationen denkt: Er möchte seinen Hof für nachfolgende Generationen erhalten. Das Agrarpaket könnte ihm und seinem Betrieb allerdings einen dicken Strich durch die Rechnung machen.

Eckdaten:

Jost M. Fakt hat eine landwirtschaftliche Ausbildung sowie eine Fachschule für Agrarwirtschaft durchlaufen und ist Landwirtschaftsmeister. Er bewirtschaftet einen familiengeführten Landwirtschaftsbetrieb mit 500 Hektar Ackerland (Mais, Getreide, Weizen, Gerste, Roggen), 2.000 Sauen, Mastschweinen und einer Biogasanlage. Vier Familienangehörige und 14 Angestellte sind in dem Unternehmen tätig, das sich seit 1860 in Familienbesitz befindet.

Du warst in Berlin demonstrieren. Das ist nicht gerade um die Ecke. War es anstrengend?

Jost M. Fakt: Jein. Die Nacht war kurz, weil wir schon um 5 Uhr los sind aus Brandenburg nach Berlin. Allerdings sind mein Schlepper und ich bereits einen Tag vorher zur Demo angereist, der Trecker auf dem Tieflader und ich mit Kollegen im Auto.

Die Demo in Hamburg hat mehr geschlaucht, weil ich über zwölf Stunde unterwegs war. Außerdem ist Konvoi fahren sehr anstrengend. Aber jede einzelne Stunde hat sich gelohnt. Endlich passiert etwas!

Am 17. Januar steht die nächste Kundgebung an. Bist Du dabei?

Klar.

Warum bist Du so erleichtert, dass endlich etwas passiert?

Jost M. Fakt: Weil wir Landwirte am finanziellen Limit sind. Weil wir keine Anerkennung finden. Weil wir das Gefühl haben, dass die Medien uns kaputt machen. Es hat sich einiges angestaut.

Agrarpaket

Gab es einen Auslöser?

Jost M. Fakt: Das Fass zum Überlaufen gebracht haben Agrarpaket und Mercosur-Abkommen. Zig Vorschriften sollen wir umsetzen zu Tierschutz, Umweltschutz und Klimaschutz. Und es werden immer mehr. Gleichzeitig sollen 100.000 Tonnen Rindfleisch pro Jahr zusätzlich aus Südamerika eingeführt werden. Aus einem Land, das nicht annähernd zu unseren Standards produziert. Diesen Wettbewerb können wir nur verlieren.

Offensichtlich kommt einiges zusammen. Ich fange mit der finanziellen Situation an. Was konkret bedeutet das Agrarpaket für die Betriebe?

Jost M. Fakt: Bauern, deren Betriebe in einem rot gekennzeichneten Gebiet liegen, sollen künftig 20 Prozent weniger Dünger ausbringen* (Anmerkung 2 Textende).  Das Problem: Wer 20 Prozent weniger düngt, erntet 15 Prozent weniger, da die Ackerfrüchte unterversorgt bleiben. Über den Daumen gepeilt läuft das auf 100 bis 200 Euro Ertragseinbußen pro Hektar hinaus. Für die Betriebe ist das nur schwer bis gar nicht zu wuppen.

Landwirtschaft ist sehr kapitalintensiv. Fuhrpark, Gebäude, Stallausrüstungen, Versicherungen und was sonst anfällt, das alles will finanziert und unterhalten werden. Ich möchte meine Angestellten vernünftig bezahlen. Auf vielen Höfen leben zwei bis drei Generationen von dem, was wir auf unseren Äckern und in unseren Ställen erwirtschaften.

20 Prozent weniger Dünger auf dem Acker mag sich für Uneingeweihte unspektakulär anhören, für die meisten Bauern ist es eine heftige Hausnummer.

Düngeverordnung

Welche Rolle spielt die Düngeverordnung, die vor zwei Jahren verabschiedet wurde?

Wenn Politik existenzbedrohend wird: Was das Agrarpaket für Landwirte bedeutet weiterlesen

#fridaysforfuture?

Warum ich vielen Klimaschützern misstraue und mich nicht an „Fridays for Future“ beteilige

Noch bin ich Landwirt. Und das möchte ich auch bleiben und möglichst den Hof, den ich vorzeitig von meinem Vater geerbt habe, auch an meinem Sohn vererben können. Der ist erst 11 Jahre alt und hat noch ein paar Jahre Zeit, bis er sich für oder gegen die Hofnachfolge entscheiden wird. Diese wichtige Entscheidung für sein Leben muss er ganz alleine fällen.
Aktuell könnte ich es voll und ganz verstehen, wenn er ablehnt. Die Schweinepreise sind zwar zur Zeit sehr auskömmlich, aber dennoch halte ich die Aussichten, in Deutschland einen modernen Hof zu bewirtschaften für sehr unsicher. Und das liegt daran, dass ich das Gefühl habe, politische Entscheidungen werden nicht auf Basis von Wissenschaft und Fakten getroffen, sondern auf Basis von Stimmungen, Populismus und Wahlaussichten.
Ergebnis ist unter anderem das berühmt berüchtigte Agrarpaket, das die Bundesregierung verabschiedet hat.

gesellschaftlicher Mainstream: „Alles bio, alles gut!“

Die Ideologie einer Agrarwende und die daraus resultierende Annahme, erst wenn alle bio ist, ist es auch gut, ist weit verbreitet. Diese wird vielen Bauern viele fromme Wünsche, aber keine verlässlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bieten.

Dass Agrarwende-Propheten wie Christian Meyer (ehemaliger Landwirtschaftsminister in Niedersachsen) gelegentlich auch mal Contra kriegen, lässt vielleicht doch noch hoffen.

Doch leider scheint es in der öffentlichen Wahrnehmung so zu sein, dass nur der bio-vegane Landbau das Klima retten kann. Das erlebe ich immer wieder in Gesprächen mit Grünen, die vollkommen überzeugt von dieser bio-veganen-Idee sind. Oder wenn ich auf einige Twitter-Debatten schaue, oder wenn ich auf die „Fridays for Future“-Bewegung schaue.

Bei FridaysForFuture engagieren sich bekanntlich viele junge Leute, die aus Gründen des Klimaschutzes kein Fleisch oder sogar keinerlei tierische Produkte konsumieren (wollen). Sie machen sich Sorgen und wollen die Welt retten und begründen ihren radikalen Schritt mit der Wissenschaft. Wissenschaft? Ja, es gibt einige Forscher, die nicht nur eine Reduzierung des Fleischkonsums empfehlen, sondern sogar global eine vegane Ernährung für möglich bzw. nötig halten.

Einer dieser Wissenschaftler ist Prof. Volker Quaschning, ein Klimaexperte, der auch bei den ScientistsForFuture aktiv ist. Er gibt regelmäßig Interviews und ist anscheinend davon überzeugt, dass nur vegan die Welt noch zu retten sei.

Prof. Volker Quaschning: Vegane Ernährung am besten fürs Klima

Bei Twitter sind folgende Tweets von ihm zum Veganismus zu finden:

Welternährung geht nur mit Nutztieren!

Ich bin fest davon überzeugt, dass ein bio-veganer Landbau auf kurz über lang zum Raubbau mutiert, weil gerade tierische Exkremente sehr förderlich für die Bodenfruchtbarkeit sein können. Wenn wir wirklich das Ziel haben, alle Meschen satt zu bekommen, dürfen wir dieses zu tiefst ideologische Experiment nicht machen.

Gott sei Dank gibt es andere Wissenschaftler, die sich auf folgende Studien berufen (eine Auswahl):

#fridaysforfuture? weiterlesen

Zuhören!

Podcast beschäftigt sich mit Bauernprotesten

Ich bin mittlerweile langjähriger Hörer des Podcasts „Wochendämmerung„. Hier unterhalten sich Katrin Rönicke und Holger Klein über ausgewählte Themen der abgelaufenen Woche.
Für mich ist es sehr interessant, wie links-grün-versiffte Hauptstädter (das meine ich überhaupt nicht despektierlich oder beleidigend, sondern mit einem Augenzwinkern) über verschiedene Themen denken, wie sie aus ihrer Berliner Hauptstadt-Blase auf die Welt blicken. Sprich: Sie haben eine völlig andere Perspektive wie ich.
Und es ist ganz häufig so, dass ich ganz und gar nicht einer Meinung mit den beiden Podcastern bin. Aber die Sendungen regen zum Nachdenken an, helfen mir eine Meinung zu bilden.

Wenn Großstädter sich über landwirtschaft unterhalten…

Ganz spannend wird es für mich, wenn landwirtschaftliche Themen behandelt werden.
So wie aktuell in der Folge 218, in der ca. 20 Minuten lang die Bauernproteste thematisiert werden.

mit einem Klick gelangt ihr zum Podcast
Zuhören! weiterlesen

Billige Wurst

Höhere Standards durchsetzen, Ja.
Mehr dafür bezahlen? Nein!

Wursthersteller Reinert ist das Schweinefleisch im Einkauf zu teuer

Dieses Beispiel von Wursthersteller Reinert zeigt exemplarisch, wie scheinheilig die Lebensmittelbranche ist. Höhere Standards werden gefordert, weil es die Gesellschaft (der Kunde) so will. Die Bauern dafür aber besser bezahlen? Oh ne. Das geht ja gar nicht!
Und nun, wo die Preise für Schweinefleisch seit Monaten infolge des großen Hungers in China hoch sind, ja nun schaut sich dieses Unternehmen in Übersee um und wünscht sich, das billigere Fleisch aus dortigen Märkten zu importieren.
Ich könnte kotzen!
Und zugleich macht es wieder einmal deutlich, dass die Initiative Tierwohl das Beste Instrument ist, um mehr Tierwohl auch bezahlt zu bekommen.

Alles andere funktioniert nicht, ist Träumerei oder wäre Kommunismus!

Vielen Dank an Nadine Henke von den Brokser Sauen

Bitte bis zum Schluss durchlesen: der letzte Absatz ist WICHTIG!!!

Bärchen-Wurst demnächst aus Übersee?  So langsam fühle ich mich nur noch veräppelt – jetzt jammert der Wursthersteller Reinert, dass das deutsche Schweinefleisch zu teuer sei:  Der Fleischwarenhersteller leidet unter hohen Schweinepreisen  schreibt das Haller Kreisblatt.  Die Schweinepreise seien um 40% gestiegen und die Branche hat mit der Rohstoffknappheit zu kämpfen.
dringende Leseempfehlung!

Screenshot Buch

Wie Ihr seid! Teil 2: Partei, Fraktion und grüne Europagruppe

Robert Habeck hat im Oktober letzten Jahres ein Buch veröffentlicht. Der Titel: „Wer wir sein könnten“. Sein Anliegen: Eine offene und vielfältige Sprache, mit der Demokratie funktioniert. Eine Sprache, die nicht ausgrenzt, entmenschlicht.

Leider entgleisen viele seiner Parteikollegen regelmäßig, wenn sie sich im Internet zur konventionellen Landwirtschaft äußern. Seit Jahren schon ernten Landwirte die Stürme, die die Grünen säen.

Die Internet-Kommunikation von Bündnis 90/Die Grünen läuft nicht immer, aber oft, auf geistige Brandstiftung hinaus. Zumindest legt dies der Teil 2 meiner Bestandsaufnahme von Tweets bzw. Facebook-Posts aus Partei, Fraktion und grüner Europagruppe nahe.

Teil 1: Wie Ihr seid! Teil 1: Harald Ebner

Wie Ihr seid! Teil 2

Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Link Facebook-Post
Keine Beweise, aber bald 60 Prozent (Facebook, 17. Mai 2019)

Die Angst um das Trinkwasser

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat kürzlich bei Facebook Alarm geschlagen. 60 Prozent könnte das Trinkwasser teurer werden. Aber der Retter naht: Anton Hofreiter will dafür sorgen, dass wir bekommen, was wir bereits haben: sauberes und bezahlbares Wasser.

Aus welcher Quelle stammt die Zahl 60 Prozent? Wie ist die prozentuale Verteilung von Industrie und industrieller Landwirtschaft? Welche Stoffe verschmutzen konkret unser Trinkwasser? Und wieso: „könnte“? Was wäre der Grund für einen Kostenstieg bzw. dafür, dass es nicht so weit kommt?

Warum der Konjunktiv, warum gehen Fraktion bzw. Hofreiter mit ungelegten Eiern hausieren? Erklärungen erhalten wir keine.

Ich denke, des Rätsels Lösung ist einfach: Sprache wird eingesetzt, um den Menschen Angst einzujagen vor gravierenden finanziellen Belastungen. Obwohl kein Anlass zur Sorge vorhanden wäre. Aber die Agrarwende muss her, und es ist immer Wahlkampf.

„Brunnenvergiftung“ reloaded

Pikant ist der Post übrigens vor dem Hintergrund, dass die Grünen vor einem Jahr schon mal einer betroffenen Öffentlichkeit mitgeteilt hatten, dass die Kosten für ihr Trinkwasser signifikant steigen werden. Auch Anton Hofreiter hatte sich mit einem Facebook-Post zu Wort gemeldet: Die „Gülleflut“ aus der Massentierhaltung müsse gestoppt werden. Allerdings beruhte die Meldung auf einer Auswertung der grünen Bundestagsfraktion. Und die stimmte vorne und hinten nicht, wie das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung richtig stellte.

Pikant ist ferner, dass die Grünen auch vor zwei Jahren bereits laut getrommelt hatten, einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge würden die Kosten für unser Trinkwasser beträchtlich in die Höhe schnellen. Der Grund? „Güllefluten“ laut dem damaligen niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Bärbel Höhn sprach gar von einer „Brunnenvergiftung“. Wieder einmal war den Grünen die Sprache entglitten. Übrigens entsprach der prognostizierte Anstieg nicht den Fakten. Weit gefehlt.

Bedenkt man den Hintergrund des Narrativs der Brunnenvergiftung, so ist der Begriff eine schlimme Wahl: In der Antike galt es als schweres Verbrechen und entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem Stereotyp zur Verleumdung bestimmter Volksgruppen. Unter anderem wurde der Vorwurf der Brunnenvergiftung gerne als Legitimation genutzt, Juden zu verfolgen.

Gülleflut

Das negativ besetzt Wort Gülle mit Flut zu verbinden ist ein geschickter Schachzug. Ich habe mal beim Wortschatz-Portal der Universität Leipzig nachgeschlagen: Signifikante linke Nachbarn von Flut sind (u.a.): verheerend, schlimm, gewaltig. „Flut“ ist also negativ konnotiert, denn bis auf wenige Ausnahmen wird das Wort mit Adjektiven verknüpft, die eine Gefahr beschwören.

Und damit lässt sich natürlich hervorragend trommeln für eine Agrarwende. Viel besser als mit differenzierenden Aussagen wie beispielweise der Tatsache, dass Nitratwerte nicht flächendeckend überschritten werden, sondern punktuell. Oder dass belastete Brunnen längst nicht immer in viehintensiven Regionen liegen. 

Wer mag, kann einiges mehr zum Thema Nitrat sowie zu angeblich steigenden Trinkwasserkosten bei BlogAgrar nachlesen: „Nitrat – und kein Ende mit der Scheiße“.

Hate speech?

Haarsträubend ist ferner die Aussage zum Verhalten der Bundesregierung. Es wird ihr unverhohlen unterstellt, sie nehme aus niederen Gründen Kostensteigerungen beim Trinkwasser in Kauf – zum Nachteil der Verbraucher. Ein starkes Stück! Ist das noch Verleumdung oder schon Hate Speech?

Werte Bundesagsfraktion, Ihre Kommunikation hat rein gar nichts mit einer konstruktiven demokratischen Auseinandersetzung zu tun. Nicht unser Trinkwasser ist vergiftet. Ihre Sprache ist es!

Bündnis 90/Die Grünen

Link Tweet
Der Begriff Ackergift muss sein! (Bündnis 90/Die Grünen – Tweet vom 21. Mai mit ZDF-Videoausschnitt: Was mir Europa bringt)

Die ewige Leier vom Ackergift

Exemplarisch für die verrohte Sprache der Grünen ist meines Erachtens der Begriff „Ackergift“. Denn es handelt sich um PflanzenSCHUTZmittel. Also Stoffe, die Landwirte ausbringen, um ihre Ackerfrüchte vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Vor 100 Jahren gab es diese Mittel nicht, werte Politiker von Bündnis 90/Die Grünen. Dafür hatten wir regelmäßig wiederkehrende Ernteeinbußen – bis hin zu Totalausfällen. Es gab Mangelernährung, es gab Hunger, es gab Menschen, die Hungers starben. Übrigens macht noch immer die Dosis das Gift. Und genauso bringen die Landwirte die Pflanzenschutzmittel aus – streng nach Vorschrift!

„Ackergift“ an sich lässt schon tief blicken. Regelrecht perfide ist allerdings, dass die Grünen diesen Begriff der von ihnen dämonisierten industriellen Landwirtschaft vorbehalten.

Die Tatsache, dass auch Bio-Landwirte spritzen, wird regelmäßig unter den Tisch geschubst.

Kein Grüner erzählt den Verbrauchern (und potenziellen Wählern), dass viele „natürliche“, also nicht-synthetische Pflanzenschutzmittel, es ganz schön in sich haben. Sofern man sich auf das preiswerte Grünen-Niveau herabbegeben möchte: Es sind „Ackergifte“. Ich ziehe allerdings auch hier den Begriff Pflanzenschutzmittel vor.

Beispiele sind das Schwermetall Kupfersulfat oder das insektenschädliche Mittel Spinosad. Wobei Kupfersulfat weitaus toxischer ist als Glyphosat, wie hier nachgelesen werden kann: „Far more toxic than glyphosate: „Copper sulfate, used by organic and conventional farmers, cruises to European reauthorization.“

Ergiebig ist ferner der Beitrag von Salonkolumnist Johannes Kaufmann, den ich hier verlinke: „Mythenjagd 1: Bio bedeutet ungespritzt.“ In dem Artikel finden sich weitere Beispiele, unter anderem ist dort eine knapp 100 Din-A4-Seiten lange Liste verlinkt mit im Öko-Landbau zugelassenen Pflanzenschutzmitteln.

Das eine „Gift“ zu verteufeln und das andere „Gift“ auszublenden und damit den konventionell wirtschaftenden Landwirten die Vergiftung ihrer Landsleute zu unterstellen – das finde ich regelrecht diabolisch!

Kanzerogenität und keine Ende

Link Facebook-Post
Nein, nicht deshalb hat eine Laienjury ihr Urteil gefällt. Könnte man wissen. Es stand viel dazu in der Zeitung!

Eigentlich ist es sinnlos, diesen Punkt aufzugreifen. Das Thema Glyphosat ist im faktenbefreiten Raum förmlich einbetoniert, wobei die Faktenresistenz gerade bei vielen Grünen besonders stark ausgeprägt ist. Allerdings geht es mir in diesem BlogPost darum aufzuzeigen, wie rücksichtslos oft kommuniziert wird. Daher darf der Vorwurf der Kanzerogenität nicht fehlen.

Fakt ist doch seit Paracelsus: Es macht noch immer die Dosis das Gift. Fakt ist ferner: Glyphosat ist bei sachgemäßer Anwendung noch immer nicht krebserregend. Weltweit haben Wissenschaftler unzählige Studien ausgewertet. Ein weiteres Faktum: Eine Laienjury macht noch lange keine wissenschaftlichen Fakten.

Zahllose Grünenpolitiker sind in den vergangenen Jahren mit zahllosen Links zum Stand der Wissenschaft versorgt worden. Es hat sie nicht interessiert. Stattdessen kommunizieren sie unverändert Aussagen, die nicht stimmen. Das ist verantwortungslos. Denn sie treiben Schindluder mit der Angst von Menschen um ihre Gesundheit.

Was es mit der Kanzerogenität und den Gerichtsurteilen auf sich hat, kann hier nachgelesen werden.

„Gutes Gift und böses Gift“

„Warum Glyphosat kein Beweis für den Krebsverdacht ist“

„Im Zweifel gegen die Harmlosigkeit“

Die Europagruppe Grüne

Link Tweet
Bio-Gemüse oder Pestizide. Himmel oder Hölle.

Zur Höchstform ist die Europagruppe der Grünen aufgelaufen. Etwas verklausuliert werden in dem Tweet zwei Gegensätze aufgebaut:

1.) Unser Essen wird mit Pestiziden (industriell) angebaut oder ist Bio-Gemüse (lokal).

Haben sich die Grünen nicht getraut, die Unwahrheit auszusprechen? War ihnen ein: „Pestizide oder keine Pestizide“ dann doch zu heiß?

2.) Auf unseren Tellern landen entweder Bio-Gemüse – oder Pestizide.

Ist es das, was Sie kommunizieren möchten? Sie sind sich darüber im Klaren, wie rücksichtslos es ist zu unterstellen, dass Landwirte Pestizide auf die Teller ihrer Landsleute legen? Ich glaube, auch in Brüssel ist bekannt, was Rückstandskontrollen besagen: Unser Essen ist sauber!

Martin Häusling und die freibierausschenkende Julia Klöckner

Link Tweet
So sieht grüner Populismus aus.

In ein ähnlich demagogisches Horn stößt Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments. Er unterstellt der deutschen Landwirtschaftsministerin, sie würde Ausnahmen für Neonikotinoide unters Volk bringen – wie Freibier. Herr Häusling, Sie wollen uns also zu verstehen geben, die Ministerin sei so verantwortungslos, wahllos mit Genehmigungen um sich zu schmeißen?

Wie für Harald Ebner gilt auch für Sie: Das ist genau die Art populistischer Parolen, die unser gesellschaftliches Klima vergiften. Sollte die Ministerin wie ihr Vorgänger im Amt mit Gewalt- und Mordandrohungen konfrontiert werden, würde ich ihr empfehlen, neben Ebner auch Ihnen ein Dankesschreiben zukommen zu lassen. Denn das hätten Sie sich verdient!

Robert Habeck: „Was wir sein könnten“

Last, but not least: Welcher Sprache bedient sich eigentlich Robert Habeck? Ich verfolge schon seit einigen Jahren, wie die Grünen zur Landwirtschaft kommunizieren und muss sagen: Der Grünen-Chef hebt sich wohltuend ab von vielen Parteikollegen.

Lautes Schweigen

Link: Screenshot Blog
Lautstarkes Schweigen (BlogPost Robert Habeck, 23. Mai 2019)

Deftige Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel, wie Habeck in seinem heute online gegangenen BlogPost unter Beweis stellt. Denn auch Schweigen, wo Reden angesagt wäre, kann ausgrenzen. Schließlich weiß der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister a.D. ganz genau:

Das Verbot der Ferkelkastration wurde ausgesetzt, um kleine u mittlere Familienbetriebe vor dem Ruin zu bewahren. Denn es gab keine praktikablen bzw. bezahlbaren Alternativen, die Ferkel zu betäuben. Wäre das Verbot gekommen, hätte es einen harten Strukturbruch gegeben. Die Personengruppen, auf die er anklagend mit dem Finger zeigt, haben letztendlich das getan, was die Grünen stets als hehres Schild lautstark vor sich hertragen: Bäuerliche Familienbetriebe erhalten!

Populismus pur von einem Mann, der ein ganzes Buch darüber schreibt, Politiker sollen zu einer fairen Sprache zurückfinden!

Wie Robert Habeck die Demokratie sieht

Unwohlsein bereitet mir allerdings etwas ganz anderes. Ich meine Habeck‘s Demokratieverständnis. Nachdem er der CSU-Regierung im letzten Wahlkampf einen demokratischen Charakter abgesprochen hatte, wollte er nur ein paar Monate später alles machen,

damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land

wird. Das hallt nach!

Waren das bloß Ausrutscher? Schlechter Stil? Oder steckt etwas anderes dahinter, ein Verständnis der eigenen politischen Bedeutung bzw. der Bedeutung der eigenen Partei, das nicht ganz sauber ist? Könnte der Grünen-Chef vielleicht – etwas demokratischer sein?

Ulf Poschardt, Chefredakteur der Welt, hat den Distinktionskern der Grünen in einem Tweet von Oktober 2018  beschrieben als

„die bislang hinter paternalistischer Empathie gut getarnte Überheblichkeit der ‚Anständigen‘“ 

Ich finde, er hat es auf den Punkt gebracht!

Und niemand denkt an die Tiere…

Tierrechtsaktivisten stürmen Sauenstall in Holland

Eine Gruppe von rund 125 Tierrechtsaktivisten hat sich am Montag mit brachialer Gewalt Zutritt zu einem Sauenstall verschafft und diesen für rund 10 Stunden besetzt. Die Mitglieder der international agierenden Kampagne „Meat the Victims“ forderten die Freilassung der Tiere. Auf Videos und Bildern konnten wir verfolgen, wie sie sich auf den Gängen in den Abferkelställen, Warteställen und Ferkelaufzuchtställen verschanzten.

Mediale Aufmerksamkeit

Auch in Live-Videos kann man in den sozialen Medien ihre Aktion verfolgen. Ohne jegliches Unrechtsbewusstsein gehen diese Menschen in die Stallungen, dort von einem Abteil ins andere – als wäre das ihr gutes Recht und vollkommen selbstverständlich. Es werden Ferkel auf den Arm genommen, die Sauen flippen im Abferkelstall aus – ja, weil die „bösen bauern“ sie eingesperrt haben – NEIN, weil sie ihre Ferkel schützen wollen, die sich zwangsläufig für ein Foto für die mediale Aufmerksamkeit des Tierrechtlers schreiend auf dessen Arm befinden.

Tierschutz – Fehlanzeige

Niemanden aus diesen Gruppen geht es um Tierschutz – denn sich aktiv für Tierschutz einzusetzen erfordert vor allem Fachwissen – dieses fehlt hier jedoch vollkommen. Diese Menschen haben keine Ahnung, wie Schweine sich verhalten, sie wissen nichts über diese Tiere. Sie haben keine Idee, welche Gefahr sie Betrieb und Tiere aussetzen, wenn sie einfach so in die Ställe eindringen.

Die Tiere haben panische Angst, weil sie das einfach nicht kennen, dass dort so viele Menschen lauthals schreiend/sich unterhaltend in den Abteilen aufhalten, dass dort so viele Menschen sich schnell bewegend durch die Abteile irren. Diese Tiere haben massiv Stress, weil sie diese Aktion überhaupt nicht einordnen können. Ich möchte nicht wissen, wie viele Ferkel von den panischen Sauen im Abferkelstall erdrückt wurden, weil die Sauen so „durch den Wind“ waren.

über 100 Tierrechts-Aktivisten besetzten am vergangenen Montag in den Niederlanden einen Sauenstall

Solche Aktionen haben wirklich gar nichts mit Tierschutz zu tun – diese sind für unsere Tiere einfach nur purer Stress.

Tierrechtler tragen Verantwortung für die Tötung aller Tiere

Und niemand denkt an die Tiere… weiterlesen
Großes Haus mit Tanne davor

Märchenzeit, die Dritte: Si tacuisses, philosophus mansisses, Sarah!

Wenn Du geschwiegen hättest, wärst Du eine Visionärin geblieben, Sarah!* (Anmerkung am Ende). Es folgt das dritte der fünf Märchen der Sarah Wiener. Die Bloggerin Birgit Medlitsch stellt in ihrem Blog Das ist los. Aussagen der österreichischen Starköchin zu Gut Kerkow und ihre Rolle nach der Übernahme auf den Prüfstand. Um ein abgedroschenes, unverändert aktuelles Sprichwort zu bemühen: Es duftet nach

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Nummer 3: Das Märchen von der Visionärin

In einem Interview mit der dpa (Deutsche Presse-Agentur, April 2019) bezeichnet sich Sarah Wiener in Bezug auf Gut Kerkow als „Chefideologin“, die Visionen hat.

In diversen Interviews mit ihr kann man nachlesen und nachhören, was sie nicht alles erneuert und verbessert und auch „neu erfunden“ hat.

Auch – so kann man in ihrem neuen Buch nachlesen – soll Gut Kerkow für sie etwas desolat und führungslos gewirkt haben. In einem Interview (Berliner Zeitung 17.6.2018) spricht sie sogar von einem völlig marodem und verschuldetem Hof.

Das Märchen von der Visionärin.

Sarah Wiener hat – gemeinsam mit ihren Partnern – Gut Kerkow im Jahr 2014 gekauft.

Der vorherige Eigentümer, und sehr bekannte und angesehene Diplomagraringenieur, Johannes Niedeggen, war im Jahr 2013 am Gut tödlich verunglückt.

Nun heisst es, Gut Kerkow befände sich seit der Übernahme in Sanierung (Jochen Beutgen gegenüber Ö1; Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019).

Das alles klingt so, als wären Sarah Wiener und ihre Partner und Gesellschafter Wunderwuzzis, die einen angeblich herabgewirtschafteten Hof auf Vordermann bringen. Dazu kommt noch eine selbst ernannte Bio-Bäuerin und „Visionärin“, die uns erzählt, welche ihrer großartigen Visionen sie nicht alle aus Gut Kerkow umgesetzt hat. Schauen wir einmal ein wenig in die Vergangenheit. War das nicht schon alles vorher da?

Der Visionär, der Gut Kerkow aufgebaut hat.

Ich hätte ihn gerne kennengelernt: Johannes Niedeggen.

Am 3. Mai 1994 hat er Gut Kerkow von der Treuhand gekauft, und zwar ohne Mitarbeiter und ohne Rinder.

Er war ein Visionär, der Gut Kerkow mit Liebe und Hingabe zu einem Vorzeigebetrieb im Bereich der Biolandwirtschaft gemacht hat. Davon zeugen viele Medienberichte, unter anderem eine 5-seitige Reportage in „Neue Landwirtschaft“ im Juli 2011. (PDF-Link im Originalpost).

Ihm war das nachhaltige Wirtschaften ein grosses Anliegen, und das hat er auf Gut Kerkow in Form der Kreislaufwirtschaft umgesetzt. Auch zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen trug er bei, und machte Gut Kerkow zu einem von 70 Archehöfen Deutschlands.

Fünf Mio. Euro investiert

Neben der Milchkuhhaltung hat er bereits 1994 mit der Aberdeen-Angus-Zucht begonnen und eine Herde mit 100 Angusmutterkühen aufgebaut. Er hat sich für erneuerbare Energie eingesetzt und eine Biogasanlage sowie eine öffentliche Tankstelle für Diesel und Pflanzenöl gebaut. Zwei seiner Traktoren hat er für Rapsöl umgerüstet und konnte das kaltgepresste Rapsöl als Treibstoff nutzen. Auch war er bei der größten europäischen Biofachmesse, der Biofach, im Jahr 2012 Vortragender zum Thema Biogas.

Er baute das Gutshaus zur Pension um, richtete eine Gaststätte, einen Veranstaltungsraum und einen Bauernmarkt ein. Überdies baute er eine „Registrierte Schlachtstätte“ für die Hofschlachtung. Er setzte sich sehr für das Tierwohl ein und ließ seine Schafe und Rinder das ganze Jahr über halbwild auf den Wiesen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin leben. Johannes Niedeggen hat 5 Millionen Euro investiert und 22 Arbeitsplätze geschaffen. (Quelle: Homepage von Gut Kerkow vom 24.12.2006)

Alles schon da

Also alles schon da, als Sarah Wiener und ihre Partner und Gesellschafter Gut Kerkow kaufen, oder? Und von desolat oder marode kann auch nicht die Rede sein. Denn: der Ortsvorsteher von Kerkow, Reinhard Koslowski beschrieb 2013, als Johannes Niedeggen verunglückte, Gut Kerkow als moderenen Bio-und Erlebnishof, der sich durch zahlreiche Initiativen, von Regionalvermarktung bis Landpartie, einen Namen gemacht hat, der weit über Kerkow und die Uckermark ausstrahlt. (MOZ, 28.2.2013)

In ihrem neuen Buch schreibt Sarah Wiener „Vor allem aber wurden vor einigen Jahren die ersten Weichen in Richtung ökologische Landwirtschaft gestellt.“ Eigentlich war der Betrieb bereits seit 2011 komplett auf bio, also ökologisch, umgestellt. Da waren keine Weichen mehr. Es war alles schon erledigt. Auch Bilder des Guts aus der Zeit von Johannes Niedeggen und Berichte darüber zeigen einen wunderbaren Bio-Gutsbetrieb. Ich sehe jetzt nicht grossartig eine Änderung durch Sarah Wiener als „Chefideologin“. Aber schauen wir uns doch eine ihrer „visionären“ Ideen an.

Die Vision von der Fruchtfolge.

Wenn sie sagt „Meine Idee war zum Beispiel einfach die siebenjährige Fruchtfolge einzuführen.“ (Ö1 Morgenjournal, 20.3.2019) kann es sein, dass viele Landwirte komische Gesichter machen.

Johannes Niedeggen hat es sicher nicht viel anders gemacht, denn angesichts der Kulturen, die er angebaut hat (Reportage in „Neue Landwirtschaft“ im Juli 2011), war auch nicht viel anderes möglich.

Landwirte achten grundsätzlich auf die Fruchtfolge. Vielleicht nicht sieben Jahre, aber sie planen mindestens 5 Jahre voraus, denn sie möchten ja eine gute Ernte. Und das funktioniert ohne kluge, geplante Fruchtfolge nicht. Noch dazu gibt es etliche Kulturen, die einen Fruchtfolgeabstand von mindestens 4-5 Jahren benötigen. Das gilt nicht nur für Bio-Betriebe, sondern auch für die konventionelle Bewirtschaftung.

Laut dem letzten Biozertifikat gibt es auf Gut Kerkow Silomais, Grün- und Raufutter und Getreide. Eine Rückfrage am Gut Kerkow hat ergeben, dass kein Mais angebaut wird, sondern Gerste, Roggen, Winterweizen, Dinkel, Sommerroggen und Sommerhafer. Für die Fruchtfolge wird zwischen diesen Kulturen 2 Jahre, manchmal auch länger, Kleegras angebaut (das für die Rinder benötigt wird).

Was ist neu, was innovativ?

Ich frage mich, was daran gross neu und innovativ sein soll? Das machen andere Landwirte auch. Das hat Sarah Wiener nicht erfunden. Vor allem: wenn man mit dem, was man anbaut, hauptsächlich Tierfutter „produzieren“ muss, dann hat man nicht viele Möglichkeiten. Das ist sozusagen „aufgelegt“, wie wir Österreich so schön zu sagen pflegen.

Bei der Auswahl von Getreide und Kleegras ist der Plan für die nächsten sieben Jahre nicht sehr kompliziert. Es gibt Bio-Landwirte, die bauen andere Kulturen an, da wird das schon weit komplexer.

Und warum wird auf Gut Kerkow kein Gemüse angebaut? Dann könnte man das eigene Gemüse über den Bioladen vermarkten und müßte das nicht zukaufen. Kürbisse, zum Beispiel, würden sich bei den sandigen Böden dort sehr gut eignen. (Auch ich kann gute Tips geben.)

*Anmerkung: Ich habe mir die künstlerische Freiheit herausgenommen, die Philosophin durch die Visionärin zu ersetzen.

Hier geht’s zu den anderen Märchen:

Märchen Nummer 1: Das Märchen von den Agrarsubventionen.

Märchen Nummer 2: Das Märchen von der Landwirtschaft. Oder: Sarah Wiener und ihre Partner.

Leckermacher

Die Firma Topigs Norsvin hat Anfang des Jahres zu einem Pressegespräch mit anschließendem Grillseminar und der Verkostung ihres neuen TN Duroc IMF Schweins (besser zu merken unter der Bezeichnung „der Leckermacher„) in die Grillschule Santos in Köln eingeladen.

Nachhaltigkeit im Vordergrund

Sie starteten zunächst mit einer Präsentation, in der sie von ihren neuen Zuchtzielen berichteten.
Es überraschte mich positiv, wie sehr das Thema Nachhaltigkeit bei der Zucht im Vordergrund steht.
Dieser ist vor allem auf die Veränderung der Gesellschaft und neue Ansprüche in der Zucht zurückzuführen. Hier wird besonders auf das Tierwohl geachtet, wie zum Beispiel gute Gruppentauglichkeit und ein gutes Sozialverhalten der Tiere, sowie eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten.

Die Teilnehmer des Grillseminars stehen bereit, fleißig mit zu kochen bzw. zu grillen.
Blick in die Grillschule (Foto: S. Barkmann)

An den Konsumenten denken

Außerdem ist es ein großes Anliegen der Firma, den Bogen weiter zu spannen als nur bis zur Schlachterei. Beim persönlichen Gespräch mit dem Chef von Topigs, Eduard Eissing, betonte er, dass sie nun bei ihrer gesamten Tätigkeit versuchen auch an den Endverbraucher zu denken, für den sie schließlich produzieren. Auch der jeweilige Landwirt soll dank einer geringen Problemzahl bei der Aufzucht eine höhere Lebensqualität erlangen und mehr Zeit für die Familie haben. Die optimale Work- Life Balance wird erzielt durch geringe Arbeitsbelastung mit gleichzeitiger Qualitätssteigerung des Endprodukts.

Macher by Topigs Norsvin

Projekte wie die „Macher“-Seite tragen zur Wertschätzung und des Bewusstseins dieser Branche bei. Das Magazin gilt als Ventil aller Menschen, die Teil der Fleischproduktion sind, von Landwirten, Köchen, Fleischermeistern bis hin zu den Genießern.

Topigs Norsvin sieht es als seine Pflicht an, aufzuklären und Tipps und Tricks zur Zubereitung von  Schweinefleisch zu teilen.

Unheimlich lecker!

Dieses Schweinefleisch ist nämlich ein ganz besonderes. Ich persönlich, weiblich, 20 Jahre alt, esse sonst kaum Schweinefleisch. Wenn Fleisch, dann Chicken-Wings oder Rindersteak. Aber ich muss ehrlich zugegeben, dass ich noch nie so gutes Schweinefleisch gegessen habe. Dieses Fleisch, ist mit intramuskulärem Fett durchzogen. Ich war auch zunächst skeptisch, da ich sonst immer großzügig um das Fett bei einem Kotelett herumschneide, jedoch war es ein völlig neues  Geschmackserlebnis und nicht vergleichbar mit irgendeinem Fleisch, das ich vorher aß.