Archiv der Kategorie: Tierhaltung

Offener Brief

Offener Brief an die landwirtschaftlichen Vertreter im Fachbeirat Rind und Schwein der QS Qualität und Sicherheit GmbH zur Thematik „Anforderungen ausländischer Ferkellieferanten in Bezug auf die Kastration

An:

  1. Hubertus Beringmeier (Mitglied, Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband)
  2. Heinrich Dierkes, (Stellv. Mitglied, Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands)
  3. Walter Heidl (Stellv. Mitglied, Bayerischer Bauernverband)
  4. Roger Fechler (Gast, Deutscher Bauernverband)
  5. Dr. Nora Hammer (Gast, Bundesverband Rind und Schwein)


Sehr geehrte Damen und Herren,


wir als Ferkelerzeuger sind ein Betriebszweig, der in den letzten Jahren und vor allem in den nächsten 15 Jahren viele Hürden zu meistern hat.
Eine davon ist die Kastration mit Betäubung, die ab den 01.01.2021 in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben ist. Der Weg dorthin war mehr als enttäuschend für uns. Über Jahre hinweg wurde Zeit vertrödelt, Vermarktungsmöglichkeiten nicht angepasst, notwendige Studien nicht durchgeführt, und der Weg der lokalen Betäubung blockiert.

Viele wählen nun die Isoflurannarkose

Nun sind viele von uns gerade dabei, sich über die Geräte zur Isoflurannarkose zu informieren, diese zu bestellen und sich für die notwendigen Kurse anzumelden. Das ist alles ein großer Aufwand, von den Kosten reden wir mal gar nicht. Aber wir gehen diesen Weg, weil er alternativlos ist. Umso enttäuschender ist es, dass die QS Qualität und Sicherheit GmbH (QS), hier uns in keinster Weise unterstützt. Ich erwarte mir etwas anderes von Qualität und Sicherheit. Wenn die deutsche Politik nach Jahren der Diskussion nur bestimmte Möglichkeiten bei der Kastration freigibt, ist es für uns nicht verständlich, dass QS diesen gesetzlichen Rahmen bei Importferkeln nicht für notwendig erachtet. Gehört nicht auch zur Qualität, für die wir stehen, dass in Deutschland geltende Regelungen eingehalten werden? Führen wir nicht den Verbraucher in die Irre, wenn unsere Ferkel unter den gesetzlichen Mindestanforderungen kastriert werden?

In Deutschland geltende Standards einhalten

Vor allem die Narkose mit CO2, wie sie in den Niederlanden durchgeführt wird, ist bei uns nie zur Debatte gestanden und sogar zur Betäubung in den Schlachthöfen mittlerweile umstritten. Und so sehr wir für die lokale Betäubung gekämpft haben – Wenn es in Deutschland nicht erlaubt ist, dürfen auch importierte Ferkel nur die QS-Zertifizierung erhalten, wenn die in Deutschland geltenden Standards erfüllt sind. Sollte sich in Deutschland hierzu wieder etwas
ändern, kann man auch hier ja jederzeit wieder nachjustieren.

Schweinestandort Deutschland zukunftsfähig machen

Auch im Hinblick auf die langen Transportzeiten, sollte man die Ferkelerzeugung in allen Regionen Deutschlands mit allen Mitteln stärken. Dies fordern wir von der Politik, aber dies sollte auch für QS das Maß aller Dinge sein. Ein zukunftsfähiger „Schweinestandort“ Deutschland braucht eine Ferkelerzeugung in Deutschland. Und diese wird es nur geben, wenn wir die Herausforderungen der nächsten Jahre finanziell leisten können. Wenn uns durch solche Marktverzerrungen Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, wird vielen die Aufgabe der Ferkelerzeugung sicherlich noch leichter gemacht.


Da wir nicht glauben, dass das Ihr Ziel ist, bitten wir Sie, Ihre Entscheidung hinsichtlich der Anforderungen für ausländische Lieferanten zu überdenken.


Mit freundlichen Grüßen,
Gerhard Langreiter

Gerhard Langreiter hält 170 Muttersauen im Vollerwerb im Landkreis Mühldorf, ist verheiratet und hat zwei Kinder.


Unterstützerliste:

Michael Hamburger
Lorenz Baisl
Johann Reichenspurner
Günther Kurz
Alexander Obermeier
Barbara Kamhuber
Konrad Loidl
Josef Aicher
Johann Hansbauer
Andreas Stoiber
Karl Seiler
Josef Hochholzer
Michael Holzner
Hans-Jörg Steinberger
Bernhard Schneider
Sebastian Weindl
Konrad Gröbner
Johannes Scharl
Bernhard Barkmann
Michael Haußer
Agnes Greggersen
Nadine und Heinrich Henke


Download:


Einblicke in „Ethik für die Landwirtschaft“

Seit Tagen wird wieder, aufgrund der Bundesratsentscheidung zum Kastenstand, intensiv über die Haltungsbedingungen von Zuchtsauen diskutiert. Vor gut zwei Wochen hat sich der Deutsche Ethikrat zur Nutztierhaltung in Deutschland geäußert. Wie es der Zufall will, gab es ein paar Wochen vorher hier auf BlogAgrar ein Interview mit Christian Dürnberger zu seinem neuen Buch „Ethik für die Landwirtschaft“. Nachdem nun in den Medien die Aussagen des Ethikrats zur Tierhaltung in Deutschland heiß diskutiert wurden und aufgrund von #Tönnies auf einmal die ganze Tierhaltung in Deutschland infrage gestellt wird, halte ich es nun nochmal für notwendig, nochmal einen Blick in dieses Buch zu werfen. Der Autor ist Doktor der Philosophie, Magister der Kommunikationswissenschaften und arbeitet seit über einem Jahrzehnt an verschiedenen Forschungsinstitutionen zu ethischen Fragen in der Landwirtschaft. Und ich folge ihm seit längerer Zeit auf Twitter, was ich nur weiter empfehlen kann, weil dabei immer mal wieder was zum Nachdenken, aber auch Schmunzeln mit dabei ist!

Das Buch nach Durchlesen mit „Einmerkerl“

„Moral zu predigen ist so leicht, wie es schwer ist, Moral zu begründen.“

Nach Friedrich Nietzsche
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Schweinehalter benötigen Zukunftsperspektive

Offener Brief an die Fraktionen der großen Koalition mit Forderung, die rechtlichen Hürden beim Stallumbau für mehr Tierwohl zu beseitigen

Collage mit Bildern aus dem Schweinestall von Bernhard Barkmann
Bilder aus einem Schweinestall

Sehr geehrte Damen und Herren,

alle wollen mehr Tierwohl und Umweltschutz, nur wer „a“ sagt, muss auch „b“ sagen! Um diese gesellschaftlichen Ansprüche umsetzen zu können, müssen Sie uns auch die Chance dazu geben.

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Künasts pandemische Verschwörungstheorie

Nun ist die Landwirtschaft auch noch Schuld an Corona-Epidemie?

Jedenfalls wenn es nach der Vorstellung von Renate Künast geht:

Renate Künast im Bundestag: "Ein Grund für diese Pandemie war die falsche Art & Weise, wie wir unsere Nahrungsmittel produzieren, Landwirtschaft betreiben und dabei mit unserer Umwelt umgehen. Jetzt müssen wir die Krise umgekehrt nutzen, um endlich die Ernährungswende auf den Weg zu bringen! "

Ich finde diese Schuldzuweisung von Ex-Landwirtschaftsministerin Künast wirklich unerträglich! Da nutzt sie die große Krise der Corona-Epidemie aus, um letztlich ein Argument für ihre ideologisch motivierte Agrarwende zu finden.

Künast macht es wie Trump!

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Cover: Ethik in der Landwirtschaft - Das philosophische Bauernjahr von Christian Dürnberger

Ethik für die Landwirtschaft

Interview mit Christian Dürnberger zu dessen Buch-Neuerscheinung

Cover: Ethik in der Landwirtschaft - Das philosophische Bauernjahr von Christian Dürnberger
Christian Dürnberger: Ethik für die Landwirtschaft

Herr Dürnberger, der Anlass dieses Interviews ist die Veröffentlichung Ihres neuesten Buches „Ethik für die Landwirtschaft„. Aber bevor wir näher auf Ihr Buch eingehen, möchte ich zuerst auf Ihre Person eingehen. Wer sind Sie und wieso beschäftigen Sie sich mit ethischen Fragen rund um die Landwirtschaft?

Mein Name ist Christian Dürnberger, ich habe in Wien Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert.
Seit über einem Jahrzehnt arbeite ich an diversen Universitäten zu Fragen der angewandten Ethik – und wer sich mit Ethik beschäftigt, der landet über kurz oder lang auch bei Fragen der Landwirtschaft.
Warum? Weil Landwirtschaft mit vielen Dingen zu tun hat, die den Menschen wichtig sind: Nahrung, Umwelt, Klima, Tiere, Landschaftsbild, Energie usw.

Sie richten sich mit ihrem Buch an Landwirte, richtig? Warum? Haben Landwirte bei ethischen Fragen ein großes Nachholpotential?

Ich glaube nicht, dass bestimmte Berufsgruppen mehr ethisches Nachholpotential haben als andere. Aber ich bin davon überzeugt, dass sich die Erwartungen rund um die Landwirtschaft radikal verändert haben: Landwirtinnen und Landwirte sollen heute nicht mehr „nur“ Qualitätsprodukte produzieren, sie sollen auch ihrer besonderen Verantwortung für Umwelt, Klima und Tiere nachkommen.
Und damit nicht genug: Sie sollen auch in den entsprechenden Debatten selbst mitmischen. Deswegen habe ich dieses Buch geschrieben.
Das Buch soll dazu anleiten, über das „große Ganze“ der Landwirtschaft nachzudenken.

Welches Vorwissen wird vorausgesetzt?

Das ist eine gute Frage. Und eine schwierige. Denn: Das Buch ist auch ein Experiment. Ich habe versucht, ethische Fachdebatten in die Alltagssprache runterzubrechen. Damit könnte ich sagen: Man braucht keinerlei Vorwissen.
Das Buch fängt bei null an und versucht, Schritt für Schritt die Gedanken darzulegen. Aber an manchen Stellen fallen natürlich Begriffe, die kompliziert wirken: Anthropozentrische Ethiken, Agenda-Setting-Hypothese, Moralisierung von Lebensbereichen… ich hoffe aber, dass man all diese Konzepte versteht, nachdem man das Buch gelesen hat.

Was ist eigentlich „Ethik“ und was hat das mit Landwirtschaft zu tun?

„Ethik ist kein Besserwissen“

Christian Dürnberger
Ethik für die Landwirtschaft weiterlesen
Carina Konrad: "Phrasendreschen hilft bei #nitrat nicht mehr weiter. Wer die Verursacher nicht kennt, kann auch keine vernünftigen Maßnahmen ergreifen."

Kein Vertrauen ins Nitratmessnetz

Verschärfung der Düngeverordnung gehört „auf Eis“ gelegt

Viele, die die aktuellen Diskussionen um die Bauernproteste verfolgen, haben bestimmt auch schon die folgenden Videos gesehen. Für alle, die diese Videos von Alexander Neumann von der QDR e.V. (Qualitätsgemeinschaft für nachhaltige Düngung und Ressourcenschutz) noch nicht vollständig gesehen haben, empfehle ich, eine Stunde lohnend zu investieren.

Wem das erste Video nicht überzeugen konnte, der sollte sich unbedingt den zweiten Teil anschauen, den man wiederum besser verstehen kann, wenn man die Fakten und Historie aus Teil eins kennt:

Videos für mich inhaltlich nachvollziehbar

Ich habe ja hier im Blog schon des öfteren über das Thema Nitrat im Grundwasser berichtet. Und ich habe auch immer schon große Fragezeichen gehabt bei den Schlussfolgerungen der Politik und vieler NGOs zur Situation unseres Grundwassers. Aussagen wie „immer weiter steigende Nitratwerte“ oder „Niedersachsen ersäuft in Gülle“ habe ich hoffentlich nachvollziehbar widerlegt. Auch die fehlende Repräsentativität der Belastungsmessnetzes, das lange von Deutschland nach Brüssel zur EU gemeldet wurde, habe ich bemängelt.
Doch zwischenzeitlich hat die Bundesregierung nachgebessert und die Zahl der gemeldeten Messstellen vervierfacht. Und ist dabei zum Schluss gekommen, dass die Vervierfachung an der grundsätzlichen Einschätzung der Grundwasserkörper in Deutschland nichts ändert.

Mit diesen Videos werden meine Zweifel bestätigt, die bisher nicht vollständig ausgeräumt wurden!

Doch so richtig weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll bzw. welche Folgerungen die Bundesregierung aus den Erkenntnissen der obigen Videos (auch wenn dort nur die Situation in Rheinland-Pfalz aufgearbeitet wird) ziehen sollte. Denn wenn ich mit Vertretern aus dem Landwirtschaftsministerium rede, wird mir versichert, dass das alles schon seine Richtigkeit habe und dass die Zeit unheimlich dränge und andernfalls hohe Strafzahlungen drohen würden. Da werden auch schon mal die Worte „Quatsch“ und „Schwachsinn“ verwendet, wenn ich auf diese beiden Videos und die Schriften von Georg Keckl verweise.
Immer wieder wird in diesen Gesprächen auf die Untätigkeit in der Vergangenheit verwiesen, die dafür sorgt, dass heute der Handlungsdruck umso größer ist. Aber mit dieser Feststellung, die ja richtig sein mag, kann man doch nicht ungerichtete und falsche Verordnungen begründen!

Länder überprüfen Messstellen

Der Ärger der Landwirte über die weitere Verschärfung der Düngeverordnung jedenfalls ist riesen groß und sicher eine wichtige Antriebsfeder für die Bauernproteste der letzten Wochen.
Um den wütenden Landwirten zumindest etwas entgegen zu kommen, haben viele Bundesländer eine Überprüfung der Messstellen angeordnet. In Nordrhein-Westfalen gibt es ein erstes Ergebnis und das ist fatal: Denn hier sind zwei-drittel der Messstellen mangelhaft! (siehe SUS-online)

https://twitter.com/BlogAgrar/status/1222209758226272256

Rote Gebiete willkürlich und intrasparent?

Die Ausweisung der „roten Gebiete„, das Zustandekommen der Verschärfung der Düngeverordnung in den Jahren 2017 und 2019 sind für mich schwer nachvollziehbar und intransparent.
Sollten drastische Verschärfungen, wie eine Unterdüngung von 20% tatsächlich nötig und auch wirksam sein, um das Grundwasser vor Nitrateinträgen (die ja kein Landwirt möchte) zu schützen, dann bin ich dafür und akzeptiere diesen erheblichen Eingriff, der für meinen Hof große finanzielle Auswirkungen bedeuten würde.
Allerdings habe ich erhebliche Zweifel daran und würde eine solche Maßnahme nur als Bestrafung durch die Politik betrachten.

Forderungen an die Bundesregierung: vernünftig erklären oder „auf Eis setzen“

  • Falls die Bundesregierung Recht hat, muss sie es den Bauern so erklären, dass es auch jeder versteht!
  • Andernfalls gehören alle Maßnahmen zur Verschärfung der Düngeverordnung „auf Eis gesetzt“!

Geschieht dieses nicht, so dürfte der Vertrauensverlust in das Regierungshandeln immens sein und lange Jahre nachwirken.

Grafik zur Diskussion "Bio-Bäuerin gegen Massentierhalter"

Bio-Bäuerin vs. Massentierhalter

Ist Bio nur Luxus für Reiche? | DISKUTHEK

Das Thema Landwirtschaft ist zur Zeit in aller Munde. Es wird gerade auch zur grünen Woche sehr viel um die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert. Welcher Weg ist der richtige? Ist „alles bio“ auch wirklich gut?

Ich jedenfalls schäme mich nicht, einen modernen, konventionellen Familienbetrieb zu führen und scheue mich auch nicht, in öffentlichen Diskussionen für meine Positionen zu werben.

Diskussion in der DISKUTHEK

Schriftzug von Diskuthek

Das junge YouTube-Format des Stern, die DISKUTHEK, ist eine Talkshow, die ausschließlich für das Internet produziert wird. Hier diskutierten zu unterschiedlichsten Themen bereits Kevin Kühnert, Philipp Amthor, Gegor Gysi und Luisa Neubauer.

Anschauen und bitte Feedback geben

Bei der aktuellsten Folge durfte ich mit der Bio-Bäuerin Gisela Sengl debattieren. Nehmt Euch bitte die 30 Minuten Zeit und schaut die Folge in Ruhe an. Ich bin sehr gespannt auf Euer Feedback, gern auch hier als Kommentar!

Rückblende

Vor drei Jahren habe ich bereits ein ähnliches Streitgespräch geführt. Damals auf der grünen Woche mit Jochen Fritz, der zu der Zeit noch Kampagnenleiter der „Wir haben es satt“-Demo war.
https://www.morgenpost.de/berlin/article209409039/Bio-oder-kein-Bio-Wer-hat-die-besseren-Rinder-im-Stall.html

Fünf lange Treckerreihen aus Vogelperspektive

Wenn Politik existenzbedrohend wird: Was das Agrarpaket für Landwirte bedeutet

Der 34 Jahre alte Landwirt Jost M. Fakt aus dem Dorf tuz im Landkreis Faktenfinder* (Anmerkung 1 Textende) hat in diesen Wochen mit seinem Schlepper viele Kilometer abseits der Heimat absolviert: Gemeinsam mit Tausenden Kollegen zeigte er u.a. in Hamburg und Berlin Flagge gegen Agrarpaket, Bauern-Bashing und Mercosur, für die Zukunft seines eigenen Bauernhofes und die Betriebe seiner Kollegen. Kurz: Aus dem Landwirt ist ein Reisender geworden wider ein agrarpolitisches Absurdistan.

Ich habe ihn gefragt, was ihn antreibt. Herausgekommen ist ein Interview über einen Bauern, der in Generationen denkt: Er möchte seinen Hof für nachfolgende Generationen erhalten. Das Agrarpaket könnte ihm und seinem Betrieb allerdings einen dicken Strich durch die Rechnung machen.

Eckdaten:

Jost M. Fakt hat eine landwirtschaftliche Ausbildung sowie eine Fachschule für Agrarwirtschaft durchlaufen und ist Landwirtschaftsmeister. Er bewirtschaftet einen familiengeführten Landwirtschaftsbetrieb mit 500 Hektar Ackerland (Mais, Getreide, Weizen, Gerste, Roggen), 2.000 Sauen, Mastschweinen und einer Biogasanlage. Vier Familienangehörige und 14 Angestellte sind in dem Unternehmen tätig, das sich seit 1860 in Familienbesitz befindet.

Du warst in Berlin demonstrieren. Das ist nicht gerade um die Ecke. War es anstrengend?

Jost M. Fakt: Jein. Die Nacht war kurz, weil wir schon um 5 Uhr los sind aus Brandenburg nach Berlin. Allerdings sind mein Schlepper und ich bereits einen Tag vorher zur Demo angereist, der Trecker auf dem Tieflader und ich mit Kollegen im Auto.

Die Demo in Hamburg hat mehr geschlaucht, weil ich über zwölf Stunde unterwegs war. Außerdem ist Konvoi fahren sehr anstrengend. Aber jede einzelne Stunde hat sich gelohnt. Endlich passiert etwas!

Am 17. Januar steht die nächste Kundgebung an. Bist Du dabei?

Klar.

Warum bist Du so erleichtert, dass endlich etwas passiert?

Jost M. Fakt: Weil wir Landwirte am finanziellen Limit sind. Weil wir keine Anerkennung finden. Weil wir das Gefühl haben, dass die Medien uns kaputt machen. Es hat sich einiges angestaut.

Agrarpaket

Gab es einen Auslöser?

Jost M. Fakt: Das Fass zum Überlaufen gebracht haben Agrarpaket und Mercosur-Abkommen. Zig Vorschriften sollen wir umsetzen zu Tierschutz, Umweltschutz und Klimaschutz. Und es werden immer mehr. Gleichzeitig sollen 100.000 Tonnen Rindfleisch pro Jahr zusätzlich aus Südamerika eingeführt werden. Aus einem Land, das nicht annähernd zu unseren Standards produziert. Diesen Wettbewerb können wir nur verlieren.

Offensichtlich kommt einiges zusammen. Ich fange mit der finanziellen Situation an. Was konkret bedeutet das Agrarpaket für die Betriebe?

Jost M. Fakt: Bauern, deren Betriebe in einem rot gekennzeichneten Gebiet liegen, sollen künftig 20 Prozent weniger Dünger ausbringen* (Anmerkung 2 Textende).  Das Problem: Wer 20 Prozent weniger düngt, erntet 15 Prozent weniger, da die Ackerfrüchte unterversorgt bleiben. Über den Daumen gepeilt läuft das auf 100 bis 200 Euro Ertragseinbußen pro Hektar hinaus. Für die Betriebe ist das nur schwer bis gar nicht zu wuppen.

Landwirtschaft ist sehr kapitalintensiv. Fuhrpark, Gebäude, Stallausrüstungen, Versicherungen und was sonst anfällt, das alles will finanziert und unterhalten werden. Ich möchte meine Angestellten vernünftig bezahlen. Auf vielen Höfen leben zwei bis drei Generationen von dem, was wir auf unseren Äckern und in unseren Ställen erwirtschaften.

20 Prozent weniger Dünger auf dem Acker mag sich für Uneingeweihte unspektakulär anhören, für die meisten Bauern ist es eine heftige Hausnummer.

Düngeverordnung

Welche Rolle spielt die Düngeverordnung, die vor zwei Jahren verabschiedet wurde?

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#fridaysforfuture?

Warum ich vielen Klimaschützern misstraue und mich nicht an „Fridays for Future“ beteilige

Noch bin ich Landwirt. Und das möchte ich auch bleiben und möglichst den Hof, den ich vorzeitig von meinem Vater geerbt habe, auch an meinem Sohn vererben können. Der ist erst 11 Jahre alt und hat noch ein paar Jahre Zeit, bis er sich für oder gegen die Hofnachfolge entscheiden wird. Diese wichtige Entscheidung für sein Leben muss er ganz alleine fällen.
Aktuell könnte ich es voll und ganz verstehen, wenn er ablehnt. Die Schweinepreise sind zwar zur Zeit sehr auskömmlich, aber dennoch halte ich die Aussichten, in Deutschland einen modernen Hof zu bewirtschaften für sehr unsicher. Und das liegt daran, dass ich das Gefühl habe, politische Entscheidungen werden nicht auf Basis von Wissenschaft und Fakten getroffen, sondern auf Basis von Stimmungen, Populismus und Wahlaussichten.
Ergebnis ist unter anderem das berühmt berüchtigte Agrarpaket, das die Bundesregierung verabschiedet hat.

gesellschaftlicher Mainstream: „Alles bio, alles gut!“

Die Ideologie einer Agrarwende und die daraus resultierende Annahme, erst wenn alle bio ist, ist es auch gut, ist weit verbreitet. Diese wird vielen Bauern viele fromme Wünsche, aber keine verlässlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bieten.

Dass Agrarwende-Propheten wie Christian Meyer (ehemaliger Landwirtschaftsminister in Niedersachsen) gelegentlich auch mal Contra kriegen, lässt vielleicht doch noch hoffen.

Doch leider scheint es in der öffentlichen Wahrnehmung so zu sein, dass nur der bio-vegane Landbau das Klima retten kann. Das erlebe ich immer wieder in Gesprächen mit Grünen, die vollkommen überzeugt von dieser bio-veganen-Idee sind. Oder wenn ich auf einige Twitter-Debatten schaue, oder wenn ich auf die „Fridays for Future“-Bewegung schaue.

Bei FridaysForFuture engagieren sich bekanntlich viele junge Leute, die aus Gründen des Klimaschutzes kein Fleisch oder sogar keinerlei tierische Produkte konsumieren (wollen). Sie machen sich Sorgen und wollen die Welt retten und begründen ihren radikalen Schritt mit der Wissenschaft. Wissenschaft? Ja, es gibt einige Forscher, die nicht nur eine Reduzierung des Fleischkonsums empfehlen, sondern sogar global eine vegane Ernährung für möglich bzw. nötig halten.

Einer dieser Wissenschaftler ist Prof. Volker Quaschning, ein Klimaexperte, der auch bei den ScientistsForFuture aktiv ist. Er gibt regelmäßig Interviews und ist anscheinend davon überzeugt, dass nur vegan die Welt noch zu retten sei.

Prof. Volker Quaschning: Vegane Ernährung am besten fürs Klima

Bei Twitter sind folgende Tweets von ihm zum Veganismus zu finden:

Welternährung geht nur mit Nutztieren!

Ich bin fest davon überzeugt, dass ein bio-veganer Landbau auf kurz über lang zum Raubbau mutiert, weil gerade tierische Exkremente sehr förderlich für die Bodenfruchtbarkeit sein können. Wenn wir wirklich das Ziel haben, alle Meschen satt zu bekommen, dürfen wir dieses zu tiefst ideologische Experiment nicht machen.

Gott sei Dank gibt es andere Wissenschaftler, die sich auf folgende Studien berufen (eine Auswahl):

#fridaysforfuture? weiterlesen

Zuhören!

Podcast beschäftigt sich mit Bauernprotesten

Ich bin mittlerweile langjähriger Hörer des Podcasts „Wochendämmerung„. Hier unterhalten sich Katrin Rönicke und Holger Klein über ausgewählte Themen der abgelaufenen Woche.
Für mich ist es sehr interessant, wie links-grün-versiffte Hauptstädter (das meine ich überhaupt nicht despektierlich oder beleidigend, sondern mit einem Augenzwinkern) über verschiedene Themen denken, wie sie aus ihrer Berliner Hauptstadt-Blase auf die Welt blicken. Sprich: Sie haben eine völlig andere Perspektive wie ich.
Und es ist ganz häufig so, dass ich ganz und gar nicht einer Meinung mit den beiden Podcastern bin. Aber die Sendungen regen zum Nachdenken an, helfen mir eine Meinung zu bilden.

Wenn Großstädter sich über landwirtschaft unterhalten…

Ganz spannend wird es für mich, wenn landwirtschaftliche Themen behandelt werden.
So wie aktuell in der Folge 218, in der ca. 20 Minuten lang die Bauernproteste thematisiert werden.

mit einem Klick gelangt ihr zum Podcast
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