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Nottötung: eine schwierige Entscheidung

Der Tod hat immer ein hässliches Gesicht

Dieses Ferkel ist letzte Nacht verstorben. Es war furchtbar krank – es hatte Streptokokken. Am Dienstag (das kann ich noch ganz genau sagen wegen des grünen Striches) haben wir es in einer Bucht entdeckt – es hatte Fieber, lag fest auf der Seite und hat gekrampft.

umgehende medizinische Versorgung

totes Ferkel nach schwerer Krankheit
Tierkadaver sehen selten gut aus (c) Nadine Henke

Wir haben es dann sofort aus der Bucht genommen und separiert. Es wurde mit einem Entzündungshemmer und einem Antibiotikum (Streptokokken sind Bakterien) behandelt.
Gestern war es nun noch nicht wirklich besser – wir haben jedoch die Hoffnung noch nicht aufgegeben und es nachbehandelt.
Leider hat er weder am Dienstag noch gestern gefressen, jedoch immer noch gekrampft, so dass er sehr viel „Substanz“ verloren hat.
Heute morgen war das Ferkel leider verendet.

Das Tier wird nun in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt verbracht. Wenn ich mir den Kadaver nun dort ansehe, ohne die Geschichte, die hinter diesem Tier steht, zu kennen, muss ich nüchtern feststellen – der Körper sieht furchtbar aus: es hat wunde Stellen, ist abgemagert – einfach schlimm.

Wann wäre der ideale Zeitpunkt der Nottötung gewesen?

Dann allerdings die Frage – wann hätten wir es nottöten sollen? Direkt am Dienstag als wir es gefunden haben? Hätten wir da einen vernünftigen Grund gehabt? In der Praxis schaffen es doch viele Tiere in so einem Zustand nach erfolgter Behandlung wieder auf die Beine. Hätten wir ihm diese Chance nicht geben sollen?
Oder gestern – knapp 24 Std. nach der ersten Behandlung? 

Hinterher ist man immer schlauer

Tja, ganz ehrlich, das sind genau die Fälle, die mich ratlos machen. Natürlich ist es einfach im Nachhinein zu sagen, „hättste man“…

verendete Schweine

Dirk Fisser von der Neuen Osnabrücker Zeitung berichtet heute auf der Titelseite sachlich über eine Studie, die aussagt, dass viel zu viele Schweine offensichtlich unnötige Qualen erlitten haben vor ihrem Ableben.

Ich meine, wir müssen uns dieser Diskussion und Tatsache stellen und daran arbeiten, dass hier ganz schnell Fortschritte erzielt werden. Erste Reaktionen aus dem Berufsstand geben Hoffnung, dass dieses auch eintritt. verendete Schweine weiterlesen

Video-Dokumentation zur Nottötung von Ferkeln

Thomas Wengenroth, Initiator der Internetseiten von stallbesuch.de, lässt Tierhalter und Tierärzte in einer Video-Dokumentation zum Thema Ferkelnottötung zu Wort kommen.

Stallbesuch.de
Bei Stallbesuch.de ist das ganze Jahr über „Tag des offenen Hofes“

In einer aktuellen Presseerklärung heißt es:

„Video-Dokumentation zur Nottötung von Ferkeln

Im Sommer 2014 haben mehrere Bundesländer Vorgaben der EU für die Nottötung von Ferkeln in Form neuer Verordnungen umgesetzt. Diese schreiben vor, Ferkel mittels Kopfschlag zu betäuben und anschließend durch Kehlschnitt oder Herzstich zu entbluten. Diese Methode lehnen Deutschlands Ferkelerzeuger praktisch einhellig ab.

In einer jetzt veröffentlichten Video-Dokumentation melden sich Tierhalterinnen und Tierärzte zu Wort: Stellvertretend für die vielen deutschen Ferkelerzeuger, erklären Nadine Henke und Lara Monhof, warum sie die vorgeschriebene Methode nicht anwenden wollen.

Prof. Dr. Thomas Richter, Fachtierarzt für öffentliches Veterinärwesen und Tierschutz, spricht über Aspekte des Tierschutzes und zukünftige Zuchtziele für Muttersauen.

Dr. Martin von Wenzlawowicz, Fachtierarzt für Tierschutz und Spezialist für Schlachtung und Betäubung, erläutert Vor- und Nachteile verschiedener Betäubungs- und Nottötungsverfahren. Ausführlich bewertet er Kopfschlag/Entblutung, Kohlendioxid, Elektrozangen und Bolzenschussgeräte als Betäubungs- und Tötungsmittel.

Weil aber die Problematik niemand wirklich versteht, ohne die „verordnungsgemäße Methode“ tatsächlich gesehen zu haben, wird auch sie im Video gezeigt.

Nicht jeder Laie mag sich die Aufnahmen ansehen und muss es vielleicht auch nicht.

Politiker und Journalisten allerdings werden ausdrücklich aufgefordert, sich diesen Teil des Videos nicht zu ersparen!

Der Kopfschlag als Betäubungsmetode ist unzuverlässig und die Tötung durch Kehlschnitt ist schlicht unzumutbar. Jetzt haben es die politisch Verantwortlichen in der Hand, ihre Verordnungen zu korrigieren und die in der Dokumentation benannten Alternativen zu gestatten. Im Interesse von Tier und Mensch besteht hier dringender Handlungsbedarf.

Die gesamte Dokumentation finden Sie im Internet auf www.stallbesuch.de

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne:

Thomas Wengenroth
VetDocVideo
Höhenstrasse 29
64720 Michelstadt
Telefon: 06061/70 53 91
E-Mail: info@stallbesuch.de

Auf YouTube ist dazu ein Vorschau-Video zu sehen:


Ich hoffe, dass dieses sensible Thema mit der nötigen Sachlichkeit diskutiert werden kann.