DBV “sponsert” Parteitag der Grünen ?

Meinereins befindet sich am Sonntagvormittag in der Kirche. Andere nutzen diese freie Zeit dafür, sich über den Deutschen Bauernverband aufzuregen und da ich stellvertretender Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes bin, vibriert dann unter dem Gottesdienst das Smartphone. Wenn man dann danach drauf schaut, sieht man folgende Whatsapp:

Zum Verständnis: Vom 23.–26. November fand in der DM-Arena der Messe Karlsruhe der Parteitag, bzw. die Bundesdelegiertenversammlung statt. Wie jedes Jahr gibt es wie bei fast allen anderen Parteien die Möglichkeit für Firmen, oder eben dem Deutschen Bauernverband, im Foyer einen Stand zu betreiben.

Alle Jahre wieder…

Auch im letzten Jahr war das schon ein Aufreger bei so manchem scharfen Kritiker des Bauernverbandes. Anfangs dachte ich, dass Foto wäre vom letzten Jahr und manche wären sehr spät dran, aber dem war nicht so. Dazu hat der DBV schon im letzten Jahr folgenden Text veröffentlicht (Danke Jochen Böhrer für den Post):

„Liebe Mitglieder,
derzeit findet der Bundesparteitag der GRÜNEN in Bonn statt.
Auch der Deutsche Bauernverband ist neben vielen anderen Verbänden mit einem Stand auf diesem Bundesparteitag vertreten und stellt seine Positionen dar.
Kritik entzündet sich nun bei einigen Landwirten und in den sozialen Medien ( überwiegend Telegram und Whatsapp) daran, dass der Bauernverband einen “bezahlten” Stand an diesem Parteitag unterhält und damit die GRÜNEN finanziell unterstütze. In den Whatsapp-Gruppen wird dabei heiß diskutiert. Auch auf uns auf Kreisebene sind Kollegen zu gekommen, die kein Verständnis dafür haben, dass den GRÜNEN Geld dafür bezahlt wird, damit der Verband einen Stand am Parteitag unterhält.
Hierzu ist folgendes zu sagen:
Unabhängig davon, ob uns die politischen Meinungen zur Landwirtschaft der Regierungsparteien gefallen, bilden die Parteitage die entscheidenden Ebenen, auf denen die Ausrichtung der jeweiligen Parteipolitik zu aktuellen Themen definiert wird. An den Bundesparteitagen treffen sich jeweils Hunderte gewählter engagierter Parteifunktionäre, die maßgeblich darüber entscheiden, welche Richtung bis ins letzte Detail z.B. beim Pflanzenschutzmitteleinsatz, bei der Düngung, bei der Tierhaltung und anderen kritischen Themen aus unserem Bereich von der ganzen Partei eingeschlagen wird.
Die Parteitagsbeschlüsse bilden den Rahmen für die Gesetzesvorlagen und Entscheidungen in Koalitionen und Regierungen.
Der Bauernverband muss, wie alle anderen Verbände, die Plattform der mehrtägigen Bundesparteitage aller Parteien nutzen, um Gespräche mit den Entscheidern aus den Ländern und Kreisen zu führen. Wenn wir nicht dabei sind, werden unsere Positionen nicht wahrgenommen. Die Vertretung der landwirtschaftlichen Interessen ist nur dann möglich, wenn man auf allen geeigneten Plattformen unterwegs ist. Es reicht nicht, einen Minister bei Gelegenheit massiv und lautstark anzugehen. Dieser entscheidet nicht alleine, sondern ist an seine Parteilinie gebunden. Meinungsbildung erfordert Austausch und Gespräche. Das ist ein sehr langwieriger und ständiger Prozess. Auf der anderen Seite stehen dabei oft Personen, die ganz andere Vorstellungen haben. Wenn wir uns nicht äußern, werden sich diese Vorstellungen von alleine durchsetzen.
Wir bitten Sie, liebe Mitglieder, trotz des sehr schwierigen Umfeldes realistisch zu bleiben: Das Wesen der Demokratie ist es, möglichst viele Menschen von der eigenen Meinung zu überzeugen – je nach politischer und gesellschaftlicher Großwetterlage hat man dabei mehr oder weniger Erfolg. Der Deutsche Bauernverband ist – ob dies nun allen gefällt oder nicht – der wichtigste Ansprechpartner des landwirtschaftlichen Berufsstands für die Politiker. Er entscheidet aber nicht die Politik, sondern kann nur den fachlichen Beitrag dazu leisten, dass die Politiker in ihren Entscheidungen Know How erhalten.
Wir dürfen uns der gesellschaftlichen Debatte mit anderen Meinungen nicht verwehren ! Im Gegenteil: Wir müssen genau dorthin, wo wir Gefahr laufen, dass diese anderen Meinungen Mehrheiten, bis hin zum Regierungshandeln gewinnen.
Aus diesem Grund muss der Deutsche Bauernverband heute und auch in Zukunft auf den wichtigen Parteitagen präsent sein – und auch Geld dafür ausgeben, wenn eine Standmiete verlangt wird.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende“

Diese oben genannte Summe kosten diese Standgebühren. Nun könnte man es eigentlich damit belassen, denn der DBV hat die Gründe dafür sehr gut dargebracht.

Aber hier noch zwei, drei Punkte meinerseits:

  • Ich zahle genau für sowas meinen Mitgliedsbeitrag: Ich will, dass meine Interessen bei den Parteien eingebracht werden, die in Deutschland was zu sagen haben. Und die Grünen, die den Minister im Landwirtschaftsministerium stellen, gehören hier dazu. Auch der Bayerische Bauernverband ist jedes Jahr auf den Parteitagen anwesend!
  • Man könnte sich vorab auch mal informieren, weshalb der DBV die Grünen “sponsert”. Ein klein wenig Google und schon weiß man es. Oder einfach jemand vom Bauernverband fragen. Aber das ist anscheinend zu viel verlangt. Hier der Auftritt des DBV dazu auf Twitter:
Mit dabei auch Bernhard Barkmann, der auf Twitter berichtet, wie wertvoll Gespräche und Kontakteknüpfen auf solchen Veranstaltungen sind.
  • Wenn andere Organisationen, die nicht wirklich pro Konventionelle Landwirtschaft eingestellt sind, dies kritisieren, denke ich, liegt der Bauernverband mit seiner Arbeit hier genau richtig:

Was lerne ich daraus?

Mal wieder waren es bauernverbandskritische Stimmen innerhalb unseres Berufsstandes, die hier Stimmung gegen den Bauernverband machen. Ich will hier keine Verbände, Vereinigungen oder Organisationen nennen. Aber wenn die Lust größer ist sich untereinander zu zerfleischen, statt gemeinsam alles dafür zu tun, dass die Landwirtschaft in Deutschland eine Zukunft für möglichst viele Höfe hat, habe ich wenig Hoffnung, das auch wirklich zu schaffen.

Wenn manche Berufskollegen mehr Sinn darin sehen, mit keinem Grünen mehr zu reden und lieber irgendwo Mist auskippen wollen, kann ich das nicht verstehen. Beim Heizungsgesetz hatten wir gute Gespräche mit den Abgeordneten und darum wurde es auch geändert. Nicht, weil gegen Grüne gepöbelt wurde.

Ich bin davon überzeugt, dass man bei einem Gespräch bei einer Almbegehung deutlich mehr für unseren Berufsstand erreicht, wie wenn man (wie hier am Tag davor geschehen) im Bierzelt einen Minister durch Dauerpfeifen am Reden hindert.

Und ein kleiner Tipp am Schluss. Wenn ihr auch der selben Meinung seid wie ich, könnt ihr in den nächsten Jahren, wenn wieder das Sponsorenfoto die Runde macht, mit diesen Artikel schnell und einfach antworten. Mehr Zeit sollte man dafür eigentlich nicht investieren! Wir haben Wichtigeres zu tun!

9 comments Add yours
  1. “Ich bin davon überzeugt, dass man bei einem Gespräch bei einer Almbegehung deutlich mehr für unseren Berufsstand erreicht, wie wenn man (wie hier am Tag davor geschehen) im Bierzelt einen Minister durch Dauerpfeifen am Reden hindert.”

    Meine Rede. Dank dieser effizienten und vorausschauenden Strategie, ich glaube der Fachbegriff ist “Kniefall-Bücklings-Taktik”, ist ja nur die klimafeindliche Agrardiesel-Subvention weggefallen. Völlig zurecht, denn Lebensmittel sind klimaschädlich und werden überbewertet, zur Not kann das Volk, ich meine natürlich die schon länger hier lebenden und die täglich Neu-Akommenden, ja auch Kuchen essen. Bitte beim nächsten Mal das 10fache zahlen. Dann lassen sie euch vielleicht sogar weiterhin Maschinen benutzen, sonst sind wieder Sense und Ochsenpflug angesagt.

  2. hat sich ja richtig doll gelohnt, den Grünen Parteitag zu sponsern.

    Apeasement ist, das Krokodil zu füttern, in der Hoffnung als letzter gefressen zu werden.

  3. Einerseits sponsort der Deutsche Bauernverband (DBV) alljährlich den Parteitag der Grünen, andererseits ruft er Anfang Januar 2024 zum Protest gegen die Ampelparteien auf. Wie passt das zusammen? Ich verstehe die Landwirte, die sich nicht vor den parteipolitischen Karren spannen lassen wollen, gleich welcher Partei. Sollte der DBV seine Haltung dazu nicht ändern, bleibt nur die Abwahl der Seilschaften oder der Austritt.

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