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Offener Brief

Offener Brief an die landwirtschaftlichen Vertreter im Fachbeirat Rind und Schwein der QS Qualität und Sicherheit GmbH zur Thematik „Anforderungen ausländischer Ferkellieferanten in Bezug auf die Kastration

An:

  1. Hubertus Beringmeier (Mitglied, Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband)
  2. Heinrich Dierkes, (Stellv. Mitglied, Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands)
  3. Walter Heidl (Stellv. Mitglied, Bayerischer Bauernverband)
  4. Roger Fechler (Gast, Deutscher Bauernverband)
  5. Dr. Nora Hammer (Gast, Bundesverband Rind und Schwein)


Sehr geehrte Damen und Herren,


wir als Ferkelerzeuger sind ein Betriebszweig, der in den letzten Jahren und vor allem in den nächsten 15 Jahren viele Hürden zu meistern hat.
Eine davon ist die Kastration mit Betäubung, die ab den 01.01.2021 in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben ist. Der Weg dorthin war mehr als enttäuschend für uns. Über Jahre hinweg wurde Zeit vertrödelt, Vermarktungsmöglichkeiten nicht angepasst, notwendige Studien nicht durchgeführt, und der Weg der lokalen Betäubung blockiert.

Viele wählen nun die Isoflurannarkose

Nun sind viele von uns gerade dabei, sich über die Geräte zur Isoflurannarkose zu informieren, diese zu bestellen und sich für die notwendigen Kurse anzumelden. Das ist alles ein großer Aufwand, von den Kosten reden wir mal gar nicht. Aber wir gehen diesen Weg, weil er alternativlos ist. Umso enttäuschender ist es, dass die QS Qualität und Sicherheit GmbH (QS), hier uns in keinster Weise unterstützt. Ich erwarte mir etwas anderes von Qualität und Sicherheit. Wenn die deutsche Politik nach Jahren der Diskussion nur bestimmte Möglichkeiten bei der Kastration freigibt, ist es für uns nicht verständlich, dass QS diesen gesetzlichen Rahmen bei Importferkeln nicht für notwendig erachtet. Gehört nicht auch zur Qualität, für die wir stehen, dass in Deutschland geltende Regelungen eingehalten werden? Führen wir nicht den Verbraucher in die Irre, wenn unsere Ferkel unter den gesetzlichen Mindestanforderungen kastriert werden?

In Deutschland geltende Standards einhalten

Vor allem die Narkose mit CO2, wie sie in den Niederlanden durchgeführt wird, ist bei uns nie zur Debatte gestanden und sogar zur Betäubung in den Schlachthöfen mittlerweile umstritten. Und so sehr wir für die lokale Betäubung gekämpft haben – Wenn es in Deutschland nicht erlaubt ist, dürfen auch importierte Ferkel nur die QS-Zertifizierung erhalten, wenn die in Deutschland geltenden Standards erfüllt sind. Sollte sich in Deutschland hierzu wieder etwas
ändern, kann man auch hier ja jederzeit wieder nachjustieren.

Schweinestandort Deutschland zukunftsfähig machen

Auch im Hinblick auf die langen Transportzeiten, sollte man die Ferkelerzeugung in allen Regionen Deutschlands mit allen Mitteln stärken. Dies fordern wir von der Politik, aber dies sollte auch für QS das Maß aller Dinge sein. Ein zukunftsfähiger „Schweinestandort“ Deutschland braucht eine Ferkelerzeugung in Deutschland. Und diese wird es nur geben, wenn wir die Herausforderungen der nächsten Jahre finanziell leisten können. Wenn uns durch solche Marktverzerrungen Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, wird vielen die Aufgabe der Ferkelerzeugung sicherlich noch leichter gemacht.


Da wir nicht glauben, dass das Ihr Ziel ist, bitten wir Sie, Ihre Entscheidung hinsichtlich der Anforderungen für ausländische Lieferanten zu überdenken.


Mit freundlichen Grüßen,
Gerhard Langreiter

Gerhard Langreiter hält 170 Muttersauen im Vollerwerb im Landkreis Mühldorf, ist verheiratet und hat zwei Kinder.


Unterstützerliste:

Michael Hamburger
Lorenz Baisl
Johann Reichenspurner
Günther Kurz
Alexander Obermeier
Barbara Kamhuber
Konrad Loidl
Josef Aicher
Johann Hansbauer
Andreas Stoiber
Karl Seiler
Josef Hochholzer
Michael Holzner
Hans-Jörg Steinberger
Bernhard Schneider
Sebastian Weindl
Konrad Gröbner
Johannes Scharl
Bernhard Barkmann
Michael Haußer
Agnes Greggersen
Nadine und Heinrich Henke


Download:


Unsere Bayerischen Bauern

Bei diesem Blogbeitrag steht zwar schon in der Überschrift, dass es dieses Mal um Bayern geht, aber ich denke, auch der Rest Deutschlands kann das auf das eigene Bundesland projizieren.

Vor vielen, vielen Jahren gab es eine Organisation namens CMA (Centrale Marketing Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft). Sie hat von jedem Stück Schlachtvieh, Ferkel, jedem Liter Milch, jedem Kubikmeter Holz, jedem Doppelzentner Getreide Geld eingesammelt bei uns Bauern, um im In- und Ausland unsere Erzeugnisse zu bewerben und an den Mann und die Frau zu bringen. Ein Landwirt hat gegen diese Zwangsabgabe geklagt, Recht bekommen, und daraufhin wurde die CMA abgewickelt.

Dann gab es lange nichts und unsere Berufsvertreter trafen sich ein um das andere Mal, um eine Nachfolgeorganisation ins Leben zu rufen. Aber es tat sich nichts. Deutschlandweit war man nicht dazu in der Lage, einen Verein zu gründen, der Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Absatzförderung für uns Bauern macht.

Daraufhin hat man sich in Bayern dazu entschlossen, alleine voranzugehen und den Verein „Unsere Bayerischen Bauern“ zu gründen.

Das Kampagnenmotiv „Schweinebauer“

Alle wichtigen Selbsthilfeorganisationen und einige Firmen im vor- und nachgelagerten Bereich sind hier Mitglied und finanzieren den Verein mit. Sie ziehen von ihren Mitgliedern, wenn diese dem zugestimmt haben, einen bestimmten Betrag je l, dt, kg, Stück usw. ein und geben dieses Geld an „Unsere Bayerischen Bauern“ weiter. Bei mir als Sauenhalter sind es 3 Cent je verkauftem Ferkel . Schweinemäster zahlen 10 Cent je Mastschwein.

Mittlerweile gibt es in Westfalen-Lippe den Verein „Landwirt Schafft Leben, der ein ähnliches Ziel hat. In den anderen Regionen Deutschlands hab ich bis jetzt noch nichts entdeckt, ihr dürft aber gerne in den Kommentaren „Schwestervereine“ verlinken!

Warum schreib ich zu diesem Thema?

Ich habe in Zeiten von Corona als stellv. Kreisobmann des BBV den Entschluss gefasst, Bauern in meinen Landkreis, die keinen Mitgliedsbeitrag an den Bauernverband zahlen, anzurufen und nachzufragen, wo der Schuh drückt und ob man mal wieder mit einer Mitgliedschaft rechnen kann. Diese Anrufe sind sicherlich nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber es waren schon einige gute Telefonate dabei. Was mir aber dabei schon einige Male bitter aufgestoßen ist, waren die Aussagen, dass es zwar den Bauernverband braucht, aber einem selber bringt er nichts und darum zahlt man nicht. Ähnlich ist es mit „Unsere Bayerischen Bauern„. In der Gründungsphase habe ich sehr viel Werbung bei den Bauern draußen gemacht, dass bitte alle mitmachen sollen. Aber auch hier war immer wieder die Aussage: „Was bringt mir das?“ „Das kostet ja nur Geld!“ „Ich zahl eh schon so viel Verbandsbeitrag, davon kann der Bauernverband ja auch diesen Verein finanzieren.“

Jede Menge Aktionen bei „UBB“

Darum ist es immer noch so, dass „Unsere Bayerischen Bauern“ (UBB) zwar für das verfügbare Budget eine super Arbeit macht! Schaut auf die Website, schaut auch die Portraits der Bäuerinnen und Bauern an, die Erklärvideos, die Verbrauchtertouren, die Kochvideos, die Plakataktionen in U-Bahnen und auf Bussen, die Banner draußen für die Höfe und Vieles mehr. Aber es wäre viel mehr möglich, wenn jeder Bauernhof in Bayern einen angemessenen Beitrag leisten würde. Ich zahle lächerliche 120 Euro im Jahr und bin von den Hektar ein Durchschnittsbetrieb. Wenn also alle 100000 Betriebe in Bayern 100 Euro zahlen würden, hätten wir 10 Mio Euro und davon sind wir leider meilenweit entfernt. Wenn wir in diese Dimension vorstoßen würden, könnte mein Wunschzettel endlich Wirklichkeit werden. Ganzjährig Anzeigen in Zeitungen, Werbespots im Radio und Fernsehen, dauerhaft Plakate in den Großstädten Bayerns usw. usw.

Eines der neuen Plakate

Mich nervt es mittlerweile gewaltig, dass man zum Beispiel bei den von mir geführten Telefonaten gesagt bekommt, dass der Bauernverband nichts tut und alles Scheiße ist in der Landwirtschaft. Dass man aber für politische Lobbyarbeit, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit nicht nur guten Willen, sondern auch viel Geld braucht, kapiert von denen leider niemand. Mir hat mal ein Schweinemäster gesagt, er wäre jederzeit bereit dazu, 3000 Euro für gute Werbung für unsere Erzeugnisse zu zahlen, da das Geld mit einem minimal höheren Schweinepreis in nullkommanix wieder auf dem Konto wäre. Diese Einsicht haben aber in meinen Augen zu wenig Berufskollegen und darum ist unsere Situation derzeit so, wie sie ist.

Geld regiert die Welt!

Aber vielleicht hab ich ja mit diesem Artikel die eine oder den anderen für die wichtige Sache Öffentlichkeitsarbeit sensibilisieren können. Bitte tragt es in eure Bauernblase: Jeder Euro, den wir in Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit investieren, ist bald als 2-Euro-Stück wieder in unserem Geldbeutel!

PS: Ich versuche mich grad am Nachkochen der UBB-Kochvideos, Beweise findet ihr auf meinen Instagramkanal!

Der große Bauernprotest

Zehntausende Landwirte folgen dem Aufruf der Bewegung „Land schafft Verbindung“

Viele freundliche Reaktionen aus der Bevölkerung, tausende Schlepper in Städten

Ich glaube, den 22. Oktober 2019 werden sehr viele Bauern (und hoffentlich auch Bürger) nicht so schnell vergessen. Ich kann mich an keine größere Bauern-Demonstration in Deutschland erinnern. Das war heute eine der größten, wenn nicht die größte Bauerndemo überhaupt seit dem zweiten Weltkrieg!

Friedlich und positive Reaktionen aus der Bevölkerung

Und das allerbeste: Sie verlief sehr friedlich! Aber nicht nur das: Trotz des riesigen Verkehrschaos das in weiten Teilen der Republik entstand, ernteten die demonstrierenden Bauern weit überwiegend Verständnis und teils auch Dank.
Charme hatte auf jeden Fall auch die vielen Kartoffelsäckchen, Äpfel und anderes Gemüse, die die Landwirte in den Städten den betroffenen Verkehrsteilnehmern und Anwohnern schenkten.

Reaktionen aus der Politik

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Mein Bauernverband

Überlegungen zum Deutschen Bauernverband (DBV) zum Bauerntag 2019

Ich bin unterwegs zum deutschen Bauerntag nach Leipzig, oder genauer gesagt Schkeuditz, das ganz in der Nähe zu Leipzig liegt.

Ich bin dort nicht, weil ich Delegierter bin. Nein ich bin nur Gast und habe vor, Kontakte zu knüpfen & zu pflegen und den ein oder anderen Impuls für mich mit nach Hause zu nehmen. Und selbstverständlich sehe ich mich auch als Botschafter für die Öffentlichkeitsarbeit im Netz und dem kommenden Agrarbloggercamp (ABC), das im März 2020 in Bonn stattfinden wird.

Landvolkmitglied und damit auch Mitglied des DBV

Der Bauernverband- da bin ich selber auch Mitglied. Genauer gesagt bin ich Mitglied eines Kreisvereins des Landvolks in Niedersachsen, der wiederum sich unter dem Dach des deutschen Bauernverbandes steht.

Bauernverband steht in der Kritik

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Der böse, böse Bauernverband

…oder wie ein Bauernverbandspräsident für jegliche Kritik herhalten muss…

Der böse, böse Bauernverband

Letzte Woche ein Bericht über Agrarfunktionäre, diese Woche ein Zitat herausgerissen aus einem Zeit Interview – Joachim Rukwied, Präsident des deutschen Bauernverbandes, hat momentan keinen leichten Stand. Ein paar Gedanken zu den aktuellen Ereignissen:

Die Story – „Gekaufte Agrarpolitik – wie Industrie und Agrarlobby durchregieren“

So lautete der Titel der „Die Story“ am 29. April im Ersten. Es ging darum, dass Verbandsvertreter (Funktionäre) gleichzeitig in der Politik tätig sind und in verschiedensten Gremien sitzen. Hintergrund ist eine Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Universität Bremen im Auftrag des Nabu. Der Nabu schreibt dazu auf seiner Homepage:

Die deutsche Agrarlobby: verfilzt, intransparent und wenig am Gemeinwohl orientiert (…)

NABU-Studie legt Lobbynetz des Deutschen Bauernverbands offen (…)

Die Macht der Agrarlobby muss endlich stärker beschränkt werden.

Damit sollte eigentlich dem letzten klar sein, worum es wirklich geht – dem ist nur leider nicht so. Im Netz geht’s heiß her – neben vielen anderen Menschen, echauffieren sich auch sehr viele Landwirte. Was offensichtlich vielen nicht klar ist – Joachim Rukwied repräsentiert in den Gremien, in denen er vertreten ist, in der Regel die Interessen des Deutschen Bauernverbandes. Er ist dort Kraft seines Amtes als Präsident des deutschen Bauernverbandes, nicht als Person Joachim Rukwied.

Das mag einigen nicht gefallen – ändert jedoch nichts an der Tatsache. Wenn es den Mitgliedern des Bauernverbandes nicht gefällt, ist das allerdings schlecht. Nur dann sind letztlich auch die Mitglieder gefordert – nur von den Kritikern möchten die meisten doch einfach nur „vertreten“ werden – dann allerdings hinterher meckern, dass es nicht in ihrem Sinne war – das ist zu einfach. Mitgestalten heißt das Zauberwort.

Und dann muss auch die Frage erlaubt sein – wer will diese Aufgaben annehmen und von wem fühlen sich diese Landwirte besser vertreten? Wer fühlt sich in der Lage, diese Ämter auszuüben?

Das Zeit Interview und „Unser Land“

„Die letzten ihrer Art“ titelt diese Woche die ZEIT. Es geht um den Strukturwandel in der Landwirtschaft. Auf der einen Seite schließen rund 5000 bäuerliche Betriebe pro Jahr in Deutschland (1,5 bis 1,7 %). Auf der anderen Seite steigt die Tendenz zu größeren Höfen weiter an. Auch Joachim Rukwied hat der ZEIT ein Interview zu diesem Thema gegeben. Auf die Frage, wie er den Trend, dass immer mehr Höfe schließen, stoppen möchte, antwortet er der ZEIT:

Jeder Hof, der aufgibt, bedeutet einen Verlust an Agrikultur. Aber wir halten das Tempo des Strukturwandels von 1,2-1,5 Prozent Verlusten pro Jahr für akzeptabel. Auch weil dann diejenigen, die sich entscheiden, in einen Betrieb einzusteigen, eine bessere Perspektive haben.

Diese Antwort aus dem Zusammenhang gerissen, konnten wir dann bei „Unser Land“ bestaunen – und die Welle der Empörung schlägt natürlich hoch. Der Post von „Unser Land“ ist reine Provokation, mit diesem Foto und diesem herausgerissenen Zitat Stimmung zu schüren. Und diese Provokation geht ganz genau auf, wie man an den Reaktionen im Netz in den sozialen Medien sehen kann.

Zitat Rukwied: "Anzahl der Hofaufgaben ist durchaus verträglich"
Quelle: Facebookseite von „Unser Land“

Akzeptabel“ – „verträglich“, egal, welches Wort Joachim Rukwied verwendet hat, ist im Kontext mit einem so emotionalem Thema einfach äußerst unglücklich gewählt. Nur wie sehen die „nackten Fakten“ aus?

Strukturwandel – was ist normal?

Wie sieht es in anderen Bereichen aus? Die Zahl der Handwerksbäckereien sank von 19.813 im Jahr 2010 auf 11.347 Betriebe in 2017 – das ist eine Abnahme von 42% in sieben Jahren (Quelle: handelsdaten.de ). Im Fleischerhandwerk sieht es nicht anders aus. Bundesweit ging die Zahl der Lebensmittel-Handwerksbetriebe bis 2016 bereits auf 70 Prozent im Vergleich zu 2008 zurück.
Wenn man sich diese Zahlen mal auf der Zunge zergehen lässt, empfinde ich Rukwieds Aussage nicht für unredlich – dann ist der Strukturwandel in der Landwirtschaft eben noch „akzeptabel“.

Kann Strukturwandel überhaupt „normal“ sein?

In Deutschland gehen täglich 80 ha landwirtschaftliche Nutzfläche aus der Produktion – das sind täglich zwei Betriebe. Strukturwandel hat es immer gegeben, und wird es auch immer geben. Und in einem gewissen Rahmen ist dies auch durchaus zu vertreten – nichts anderes sagt Joachim Rukwied.
Und wenn Betriebe aufgeben, wachsen andere, das liegt in der Natur der Sache. Und weder der Deutsche Bauernverband noch Joachim Rukwied in Person können entgegen den wirtschaftlichen Tendenzen, den Strukturwandel aufhalten. Ziel kann es nur sein, diese Entwicklung möglichst sozialverträglich zu gestalten.

Gründe für den Strukturwandel

Auch die Gründe für den Strukturwandel werden immer gerne dem Bauernverband zugeschustert, propagiere dieser ja schon eh und je das „Wachsen oder Weichen“ Prinzip.  „Wachsen oder weichen“, das ist – man mag es beklagen – eine ökonomische Gesetzmäßigkeit. Die hat sich niemand ausgedacht – kein böser Kapitalist, kein Bauernpräsident. Es sind viele Faktoren, die dazu beitragen, diesen Prozess zu beschleunigen. Nur warum hören Betriebe auf?

Es geben sicher Betriebe auf, weil sie zu klein und/oder unrentabel sind. Wer einen unrentablen Betrieb zu lange weiter bewirtschaftet, zerstört letztlich Kapital und damit seine Lebensgrundlage. Von den Betrieben, die aussteigen, steigen jedoch die wenigsten aus, weil sie insolvent sind.

Die meisten Betriebe werden aufgegeben, weil keine Nachfolge vorhanden ist. Häufig ist keiner in der Familie zu finden, der eigenverantwortlich den Betrieb weiterführt. Die Gründe dafür sind vielfältig: keine Kinder (kein Nachfolger), fehlendes Interesse, fehlende Wirtschaftlichkeit, fehlende Perspektiven, um nur einige zu nennen.

Früher war alles besser?

Ich kann es niemanden verdenken, einen anderen Weg als den des Hofnachfolgers einzuschlagen. Die Auswahl seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist heute sehr vielfältig. Es sollte jedem selbst überlassen bleiben, diese Entscheidung für sich und sein Leben zu treffen. Im Netz habe ich dazu folgenden Satz gelesen:

Es ist eine der größten Errungenschaften, dass heute niemand mehr Bauer werden muss. Früher haben sich viele ihr Leben lang durch den Beruf gequält, weil man der älteste Sohn war und nichts anderes machen durfte. Heute kann jeder machen, was er will. Es kann auch weiterhin jeder Bäuerin oder Bauer werden. Möglichkeiten gibt es genug. Man muss aber auch nicht.

Auch wir haben drei Kinder und einen Betrieb. Wir haben in den letzten Jahren unseren Betrieb stetig verändert und auch erweitert. Wir tun das nicht für unsere Kinder, sondern für uns, weil uns unsere Arbeit Spaß macht, weil wir lieben, was wir tun. Wir werden es unseren Kindern freistellen – wenn sie (oder einer oder zwei oder alle drei) den Betrieb weiterführen möchten, freuen wir uns sicher darüber, nur wenn nicht, ist das auch okay – wir mögen niemanden zwingen. Wir arbeiten mit Tieren – das muss man wollen und lieben, sonst macht man das nicht gut. Diese Verantwortung haben wir auch gegenüber unseren Tieren.

Zurück zu Joachim Rukwied und dem DBV

Der Bauernverband und Joachim Rukwied bekommen zur Zeit viel Kritik, zum großen Teil auch von Verbandsmitgliedern. Ich für meinen Teil muss ganz ehrlich sagen – ich möchte nicht tauschen. Ich möchte weder diese Verantwortung tragen, noch habe ich ein dickes Fell genug, mir die ständige Kritik aus den eigenen Reihen anzutun.

Nur diese Kritik muss auch ernst genommen werden. Ich persönlich möchte an dieser Stelle auch Kritik üben – ich wünsche mir vom Verband eine bessere Kommunikation nach innen. Ich erwarte, dass es von Verbandsseite eine Stellungnahme zu solchen Reportagen/Artikeln gibt – für uns Mitglieder. Bitte nehmt uns mit, damit wir uns ein Bild machen können, damit wir verstehen, wie solche Dinge zu Stande kommen, damit wir uns nicht von unserem Verband allein gelassen fühlen.

Detlef Flintz antwortet auf offenen Brief

Die Antwort von Herrn Flintz

Sie zeigt, dass wir in einigen Dingen aneinander vorbeireden.
Sie zeigt, dass er sich als Erzieher begreift.
Sie zeigt die Arroganz gegenüber demokratisch gewählten landwirtschaftlichen Interessenvertretern.
Sie lässt mich ratlos zurück, auch wenn es erfreulich ist, dass er geantwortet hat.

Bild vom Brief, den Detlef Flintz an Heike Müller geschrieben hat

Sehr geehrter Frau Dr. Müller,

vielen Dank für Ihre kritische Auseinandersetzung mit meinem Kommentar in den ARD-Tagesthemen vom 26. Juli und insbesondere dafür, dass es Ihnen gelungen ist, jene sachlich zu halten.
Lassen Sie mich zunächst festhalten, dass das von mir angesprochene Mitleid und die Anerkennung einer Leistung sich nicht ausschließen. Insofern zolle ich den Landwirten, die sich in einer ausgesprochen schwierigen Situation befinden, auch meinen Respekt.
Dennoch muss die Frage nach der Verantwortung für Ernteausfälle von zuge-geben dramatischem Ausmaß erlaubt sein. Und da bestätigen Sie, sehr geehrte Frau Dr. Müller, leider mein Bild einer Interessenvertreterin, die das eingetretene Drama für nahezu unvermeidlich hält – und die Notwendigkeit eines einschneidenden Wandels nicht sieht: Wenn Sie auf den aus Ihrer Sicht mit sieben Prozent niedrigen Anteil der Treibhausgas-Emissionen verweisen, soll ich dann daraus schlussfolgern, dass nur die für die Rettung des Klimas verantwortlich sind, die mehr emittieren? Und soll ich Ihre Erwähnung der Quelle – Pressemeldung Umweltbundesamt – als eine Art „Freispruch“ werten? Letzteres tue ich natürlich nicht, denn schon in einem nur wenig ausführlicheren Text erläutert dieselbe Behörde: „Die Möglichkeiten zur Senkung der Emissionen sind vielfältig und werden in unterschiedlichen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion wirksam. Neben Maßnahmen der Stickstoffeffizienz (gleicher Ertrag mit weniger Einsatz…bieten sich erhebliche Potenziale im Düngemanagement und in der Pflanzen- und Tierproduktion.“ Sie sehen, Journalisten lesen nicht nur Pressemitteilungen…

Ich kann Ihnen versichern: In den zahlreichen kritischen Reaktionen auf meinen Kommentar habe ich den Hinweis auf die „nur sieben Prozent“ nicht nur einmal vernommen, und fast immer verbunden mit einer fehlenden Bereitschaft zur Veränderung. Darüber wiederum muss man sich nicht wundern, wenn auch die Bauernspitze die entsprechende Notwendigkeit nicht sieht und demzufolge auch nicht propagiert.
Einverstanden bin ich mit dem Slogan „Evolution statt Revolution“. Allerdings haben wir beide offenbar nicht dasselbe Verständnis vom Entwicklungstempo. Die von Ihnen angesprochene Düngeverordnung mag als gutes Beispiel gelten: Zunächst wurde die Absicht einer Novellierung von vielen Bauernvertretern skeptisch beäugt, nach deren Verabschiedung in 2017 kam dann die Kritik (und zwar nicht nur an dem angeblichen zusätzlichen Bürokratieaufwand, sondern auch an den Beschränkungen der Düngung, so etwa von Ihren thüringischen Kollegen) – und jetzt ist es ausgerechnet diese Düngeverordnung, die herhalten muss als Bollwerk gegen das jüngste EuGH-Urteil und damit verbundene Forderungen nach weiteren Maßnahmen zum Gewässerschutz. Man kann es auch so formulieren: soviel Evolution wie (aufgrund des gesellschaftlichen Drucks) gerade nötig und nicht soviel wie möglich.
Diese Haltung, das Mögliche möglich zu machen, benötigen wir aber meines Erachtens. Und dafür muss man die Landwirtschaft nicht auf den Kopf stellen –auch wenn Sie meinen Kommentar so ausgelegt wissen wollen: Nur Öko-Landwirtschaft? Habe ich nicht gefordert. Und sonst helfen nur noch Hofläden und Ferienwohnungen? Habe ich nicht behauptet. Ich habe sie nur als Beispiele genutzt für Diversifizierung – und für unternehmerische Phantasie. So wie sie beispielsweise auch ein Weseler Landwirt hat, über den ich zufällig am Wochenende las, dass er nunmehr Hausboote auf einem nahegelegenen See vermietet. Den Bauernhof behält er demnach trotzdem, nur von der Milchwirtschaft hat er sich getrennt.
Sie zeigen sich solcher Diversifizierung gegenüber skeptisch und schreiben von Spezialisierung als einem ökonomischen Gesetz. Abgesehen davon, dass ich kein Freund von solchen Allgemeinplätzen bin: In jedem Fall gehört zu den ökonomischen Gesetzen, dass Unternehmen vom Markt verschwinden, wenn die Spezialisierung nicht funktioniert hat. Sie aber predigen die Spezialisierung und wenn es dann mal nicht klappt, soll der Staat herhalten – wenn ich Sie richtig verstanden habe.
Um den Bogen zurück zur Düngeverordnung – und dem zugrundeliegenden Problem des Gülleüberschusses und damit verbundener unvertretbar hoher Nitratwerte im Grundwasser vieler Regionen – zu schlagen: Ein erster evolutio-närer Schritt wäre für mich die Erkenntnis, dass es volkswirtschaftlich und um-weltpolitisch keinen Sinn macht, in einem Bundesland wie NRW mit seiner hohen Bevölkerungsdichte Hochburgen der Viehzucht zu haben, wenn der Export von Gülle wer weiß wohin erfolgen muss – weil die heimischen Flächen schon überdüngt sind. Der zweite Schritt wäre für mich, sich nicht darauf auszuruhen, dass die Düngeverordnung erst in vielen Jahren Ergebnisse zeitigen kann – sondern zur Kenntnis zu nehmen, dass viele Experten der Düngeverordnung ein Scheitern voraussagen (und wir in vielen Jahren wieder bei Null anfangen). Evolution wäre also für mich, schon jetzt darauf hinzuarbeiten, weniger Fleisch mit höherer Qualität zu besseren Preisen zu produzieren – was nicht nur in Richtung einer umweltfreundlicheren Kreislaufwirtschaft ginge und die Nitratwerte gewiss senken würde, sondern auch positive Ernährungseffekte hätte.
Ich ahne es, Sie vermuten in mir wieder einen, der die Leute per Zwangswirt-schaft zum „Vegetarier-Glück“ zwingen will, während sie auf Selbstbe-stimmung der Menschen und Marktpreise setzen. Rein vorsorglich mein Widerspruch gegen dieses Bild: Wenn man auf einem Sektor ganz gewiss ohnehin nicht von Marktwirtschaft sprechen kann, dann ist es der hochsubventionierte Agrarmarkt. Und wenn Sie kritisieren, dass es für Bioprodukte eine höhere Flächenprämie gibt, dann antworte ich: Genau dies ist angemessen, weil diese Art des Wirtschaftens weniger Umweltschäden und mithin Kosten verursacht. Denn in einem Kilo Schweinesteaks für zum Bei-spiel 5,50 Euro sind die Umweltschäden nicht eingepreist.
Wir sollten also Versuche, das Preisniveau zu heben, nicht als Gängelung und/oder hoffnungslos diskreditieren, sondern als, wie andere Länder zeigen, realistische Option, Landwirtschaft und Umweltschutz zu betreiben. Das wird nicht einfach sein, ich weiß. Aber mit Funktionärinnen und Funktionären, die ihren Mitgliedern so wenig Notwendigkeit zur Veränderung signalisieren – und den Versuch, höhere Preise zu erzielen, nicht als evolutionär sondern als revolutionär ansehen – wird es noch schwerer. Unnötigerweise.
Ich würde mich freuen, würden Sie auch diese Zeilen in den Verteiler Ihres offenen Briefes geben. Für einen weiteren Austausch stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen

Detlef Flintz


Anmerkungen:

Detlef Flintz ist Leiter Programmgruppe Wirtschaft und Recht beim WDR (Link)

Die Antwort von Detlef Flintz bezieht sich auf dem offenen Brief, den Heike Müller am 28. Juli veröffentlicht hat und der hier zu lesen ist

Öffentlichkeitsarbeit ist nichts für mich!

Logo von Ageliter DeernIch ärgere mich immer, wenn ich von Berufskollegen höre, dass Öffentlichkeitsarbeit nichts für sie sei oder sie keine Zeit dazu hätten.
Ebenfalls höre ich oft: „Öffentlichkeitsarbeit muss der Bauernverband machen…“
Nein, das muss der Bauernverband nicht machen!
Dafür ist die Landwirtschaft viel zu unterschiedlich: ökologisch oder konventionell, Ackerbau oder Sauenhaltung, Melkroboter oder Melkkarussell, Fendt oder John Deere. Die Liste kann unendlich lang weitergeführt werden.
VW und Mercedes machen ihre Öffentlichkeitsarbeit ebenfalls selber und geben die nicht an den Automobilverband ab. Jedes Unternehmen muss sich bewusst sein, wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit ist. Mit der Öffentlichkeitsarbeit platziert sich das Unternehmen in der Öffentlichkeit. Teilweise vermischt sich dies mit dem Marketing.
Wir Landwirte sind doch auch Unternehmer oder etwa nicht?

Öffentlichkeitsarbeit kostet Geld

Agnes Greggersen kümmert sich liebevoll um ein kleines Kälbchen
Agnes Greggersen

„Aber Öffentlichkeitsarbeit kostet nur Geld!!! Also welchen Sinn hat es????“
Ich habe neulich meinen Kommilitonen den Sinn von Öffentlichkeitsarbeit erklären müssen: es ist für mich und mein Unternehmen!
Ja, es kostet Geld und Zeit!
Aber ich habe doch einen Mehrgewinn, wenn ich leichter Angestellte finde, wenn ich weniger Stress mit meinen Nachbarn habe, wenn sich keine Bürgerinitiative gegen meinen Stallbau gründet. Ich könnte noch viel mehr WENN‘s anführen, aber denn werde ich heute nicht fertig…
Bei mir vermischt sich die Öffentlichkeitsarbeit teilweise mit dem Marketing. Ich möchte auf meiner Ferienhofseite die Kunden an mein Unternehmen binden und erzähle gleichzeitig, was auf unserem Hof los ist.
Meine Gäste möchten wissen, was bei uns los ist. Also warum nicht auch die Kunden vom Hofladen oder der Milchtankstelle oder vom Obsthof, oder, oder, oder. Öffentlichkeitsarbeit ist nichts für mich! weiterlesen

Live- Ticker vom Zukunfsdialog

Heute (30. Mai) findet in Berlin der 4. Zukunftsdialog Agrar & Ernährung statt. Ich werde ab 10 Uhr über meinen Twitteraccount (@blogagrar) berichten.

Ich bin schon voller Vorfreude, denn das Programm ist in diesem Jahr wirklich gut und die Podien hochkarätig besetzt. Unter anderem sind

  • Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt
  • Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks
  • stellvertrender Bundesvorsitzender der FDP Wolfgang Kubicki
  • Bauernpräsident Joachim Rukwied
  • Dr. Felix Prinz zu Löwenstein (BÖLW)
  • Philosoph Richard David Precht

dabei. Weiter bin ich natürlich auch gespannt, wen ich von meinen Bekannten dort in der Kalkscheune (dem Veranstaltungsort) treffen werde.

Also bis gleich, ab 10 Uhr gibt es den Live-Ticker auf Twitter. Hashtag ist #zdae17

wir brauchen den Bauernverband

Es gibt wohl kaum eine zweite Berufsvertretung wie den deutschen Bauernverband, der einerseits so mitgliederstark ist und zugleich auch massiver Kritik von innen und außen ausgesetzt ist wie der Deutsche Bauernverband (DBV). Ich engagiere mich selber auch im Landvolk, so heißt der Bauernverband in Niedersachsen, und bin über einen Facebook-Post von einen bayrischen Landwirt gestolpert, der die große Notwendigkeit eines einigen Bauernverbandes beschreibt und am Ende wichtige Fragen stellt:

von Gerhard Langreiter

Gerhard Langreiter
Gerhard Langreiter

Ich muss hier mal was los werden. Ich durfte heute bei einer Gesprächsrunde zum Thema Ferkelkastration dabei sein, die der Bayerische Bauernverband durchgeführt hat. Ganz davon abgesehen, dass wir als Bauern und Ferkelerzeuger bzw. Schweinemäster große Probleme haben, ist mir wieder mal klar geworden, wie wichtig der Bauernverband in einer solchen Situation ist. Egal ob Ehrenamtliche oder Hauptamtliche, alle Anwesenden sind hier mit vollem Einsatz dabei und lassen nichts unversucht, um das Beste für uns Bauern zu erreichen. Die vielen anderen landwirtschaftlichen Verbände und Erzeugergemeinschaften, die auch heute mit dabei waren, sind zwar genauso mit dabei, haben aber nicht die personellen Ressourcen, um das zu leisten, was der Bauernverband hier leistet. Auch laufen hier einige nur mit und überlassen dem Bauernverband die Arbeit. Wenn danach nicht das Erwartete rauskommt, ist der Schuldige dann schnell gefunden! wir brauchen den Bauernverband weiterlesen

…und wieder einmal sind die Bauern Schuld

Die vergangenen Unwetterkatastrophen in Baden-Würtemberg und Niederbayern waren verheerend. Menschen sind gestorben und die Schäden sind immens.
Die Solidarität der Anwohner in den betroffenen Gebieten ist sehr groß und mit gemeinsamer Kraftanstrengung wird seit Tagen wieder aufgeräumt.

Natürlich stellen sind die Leute auch die Frage, wie das alles passieren konnte und kommen zum Schluss: „Klimawandel“. Aber „natürlich“ darf bei einigen Gruppen auch nicht die (industrialisierte/intensive/konventionelle) Landwirtschaft als Schuldigen nicht fehlen.

Der Geschäftsführer des Bauernverbandes Schwäbisch-Hall, Helmut Bleher, setzt sich in einer Pressemitteilung zur Wehr:

Umweltzentrum Schwäbisch Hall nutzt Wetterkatastrophe für billigen Populismus

Bauernverband: „Die Bauern für die Katastrophe in Braunsbach verantwortlich zu machen, lässt jeglichen Anstand vermissen“

in Braunsbach wird wieder aufgeräumt
in Braunsbach wird wieder aufgeräumt

Mit Entsetzen reagiert Geschäftsführer Helmut Bleher vom Bauernverband Schwäbisch Hall Hohenlohe Rems auf die Anschuldigungen des Umweltzentrums Schwäbisch Hall in der Südwestpresse, die moderne Landwirtschaft sei verantwortlich für die jüngsten Unwetterkatastrophen: „Es ist unerträglich, die Not der vor der Existenzfrage stehenden Menschen in den verschütteten Dörfern als billiges Medienspektakel für eigene Zwecke zu nutzen“.

Der Bauernverband verweist darauf, dass alle Fachleute zum Ergebnis kämen, dass die jüngsten Überflutungskatastrophen in Hohenlohe einzig und allein auf die besonders extreme Wettersituation zurückzuführen seien. „Wenn es in weniger als einer Stunde deutlich mehr als 100 Liter pro Quadratmeter regnet, muss das Wasser irgendwohin abfließen. Der Boden kann diese Massen nicht mehr aufnehmen“, verdeutlicht Helmut  Bleher und verweist darauf, dass die Topographie nicht  von Menschenhand gestaltet sei und naturgemäß das Wasser dann nach unten fließe. Wenn mehr Wasser kommt, als versickert, fließt es oberflächig ab. Durch solche bisher nicht gekannten metereologischen Phänomene werden Rinnsale zu Sturzbächen.

Der Leiter des Umweltzentrums sitzt seit Jahrzehnten in allen Flurbereinigungsanhörungen und weiß ganz genau, welche großen Aufwendungen von den Landwirten getragen werden, um die Belange des Natur- und Gewässerschutzes zu erfüllen, wir verstehen nicht, wie er dazu kommt, ausgerechnet jetzt den bisherigen Konsens aufs Spiel zu setzen.“ , so der Geschäftsführer. Er erwartet eine klare Richtigstellung und Entschuldigung an die Adresse der Bauern und fügt hinzu:  „Wir Landwirte haben es satt, zunehmend für jeden Missstand und jede Katastrophe verantwortlich gemacht zu werden.  Die Öffentlichkeit muss bedenken, dass es auch eine mediale Sturzflut von Anfeindungen gibt, die dazu führt, dass Bauern aus Frust das Handtuch werfen, weil sie das nicht mehr aushalten können. Die dadurch entstandenen Gräben und die  mediale Vernichtung  bäuerlicher Existenzen ist unwiderruflich und genau das Gegenteil von verantwortlichem Naturschutz.“