Archiv der Kategorie: Politik

Märchenzeit, die Vierte: Alles Rüben? Oder was, Sarah?

Heute folgt das vierte der fünf Märchen der Sarah Wiener. Es hat sich einiges getan: Die österreichische Starköchin war in der Wahl zum Europaparlament 2019 erfolgreich und ist jetzt Abgeordnete. Vermutlich sehr zum Schrecken der Bloggerin Birigt Medlitsch, die in ihrem vierten Märchen zu Recht überlegt, ob eine von Finanzinvestoren alimentierte Sarah Wiener über die Kürzung und/oder Veränderung von EU-Agrarsubventionen mit entscheiden sollte.

Märchen Nummer 4 der Sarah Wiener

Da gibt es Menschen, die ihr ganzes Leben nach der Natur ausrichten. Sie dreschen bei 40 Grad das Korn oder bringen bei nicht weniger Hitze das Heu ein. Sie richten ihr Leben nach den Bedürfnissen der Tiere, die bei Ihnen am Hof leben, aus. Sie kennen keinen Feierabend, kein Wochenende und keine Feiertage. Die Natur bestimmt ihr Leben.

Diese Menschen nennt man Bauern.

Das Märchen von der Bio-Bäuerin.

Und dann gibt es Investoren. Investoren, die Land kaufen. Land, das bisher Bauern ihr eigen nannten. Und es gibt eine Visionärin, die von diesen Investoren unterstützt wird. Eine Visionärin, die Mitarbeitern beim Arbeiten gerne über die Schulter schaut und mit den Tieren am Hof kuschelt. Eine Bio-Bäuerin, die fröhlich in feine Gewänder gekleidet vor der alten Backsteinmauer für ein Photoshooting eines Magazins posiert, und ganz nebenbei Landwirten viele gute Tips gibt.

In einem Interview mit der Berliner Zeitung (17.6.2018) sagt sie

„Ich hatte diese Sehnsucht in mir, in der Natur zu wohnen und mich von meiner eigenen Hände Arbeit zu ernähren. Mich mit dem Land und dem, was da wächst zu verbinden.“

Warum tut sie es dann nicht? Im Interview sagt sie nämlich, dass sie nicht im Kuhstall stünde und ausmisten würde, und schon gar nicht morgens um sieben. Eine Zeit lang hätte sie am Gut gewohnt, dann hat sie in der Nähe ein Haus errichtet. Dazu meint sie

„Ich habe das gemacht, weil es auf dem Hof keine private Ecke gibt.“

Sie selbst bezeichnet sich als theoretische Bio-Bäuerin, und das ist sie auch. Sie nennt Schweinerassen manchmal „Sorten“, und spricht Landwirten das ab, das dafür sorgt, dass sie ihre Höfe noch bewirtschaften können: die Agrarsubventionen.

Das Märchen von den Roten Rüben.

Im Interview mit dem Kurier (5.2.2016) meint sie unter anderem:

„Ich kenne einen Rote-Rüben-Bauern, der auf zwei Hektar in Bio-Qualität produziert und davon lebt.“

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Screenshot Buch

Wie Ihr seid! Teil 2: Partei, Fraktion und grüne Europagruppe

Robert Habeck hat im Oktober letzten Jahres ein Buch veröffentlicht. Der Titel: „Wer wir sein könnten“. Sein Anliegen: Eine offene und vielfältige Sprache, mit der Demokratie funktioniert. Eine Sprache, die nicht ausgrenzt, entmenschlicht.

Leider entgleisen viele seiner Parteikollegen regelmäßig, wenn sie sich im Internet zur konventionellen Landwirtschaft äußern. Seit Jahren schon ernten Landwirte die Stürme, die die Grünen säen.

Die Internet-Kommunikation von Bündnis 90/Die Grünen läuft nicht immer, aber oft, auf geistige Brandstiftung hinaus. Zumindest legt dies der Teil 2 meiner Bestandsaufnahme von Tweets bzw. Facebook-Posts aus Partei, Fraktion und grüner Europagruppe nahe.

Teil 1: Wie Ihr seid! Teil 1: Harald Ebner

Wie Ihr seid! Teil 2

Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Link Facebook-Post
Keine Beweise, aber bald 60 Prozent (Facebook, 17. Mai 2019)

Die Angst um das Trinkwasser

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat kürzlich bei Facebook Alarm geschlagen. 60 Prozent könnte das Trinkwasser teurer werden. Aber der Retter naht: Anton Hofreiter will dafür sorgen, dass wir bekommen, was wir bereits haben: sauberes und bezahlbares Wasser.

Aus welcher Quelle stammt die Zahl 60 Prozent? Wie ist die prozentuale Verteilung von Industrie und industrieller Landwirtschaft? Welche Stoffe verschmutzen konkret unser Trinkwasser? Und wieso: „könnte“? Was wäre der Grund für einen Kostenstieg bzw. dafür, dass es nicht so weit kommt?

Warum der Konjunktiv, warum gehen Fraktion bzw. Hofreiter mit ungelegten Eiern hausieren? Erklärungen erhalten wir keine.

Ich denke, des Rätsels Lösung ist einfach: Sprache wird eingesetzt, um den Menschen Angst einzujagen vor gravierenden finanziellen Belastungen. Obwohl kein Anlass zur Sorge vorhanden wäre. Aber die Agrarwende muss her, und es ist immer Wahlkampf.

„Brunnenvergiftung“ reloaded

Pikant ist der Post übrigens vor dem Hintergrund, dass die Grünen vor einem Jahr schon mal einer betroffenen Öffentlichkeit mitgeteilt hatten, dass die Kosten für ihr Trinkwasser signifikant steigen werden. Auch Anton Hofreiter hatte sich mit einem Facebook-Post zu Wort gemeldet: Die „Gülleflut“ aus der Massentierhaltung müsse gestoppt werden. Allerdings beruhte die Meldung auf einer Auswertung der grünen Bundestagsfraktion. Und die stimmte vorne und hinten nicht, wie das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung richtig stellte.

Pikant ist ferner, dass die Grünen auch vor zwei Jahren bereits laut getrommelt hatten, einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge würden die Kosten für unser Trinkwasser beträchtlich in die Höhe schnellen. Der Grund? „Güllefluten“ laut dem damaligen niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Bärbel Höhn sprach gar von einer „Brunnenvergiftung“. Wieder einmal war den Grünen die Sprache entglitten. Übrigens entsprach der prognostizierte Anstieg nicht den Fakten. Weit gefehlt.

Bedenkt man den Hintergrund des Narrativs der Brunnenvergiftung, so ist der Begriff eine schlimme Wahl: In der Antike galt es als schweres Verbrechen und entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem Stereotyp zur Verleumdung bestimmter Volksgruppen. Unter anderem wurde der Vorwurf der Brunnenvergiftung gerne als Legitimation genutzt, Juden zu verfolgen.

Gülleflut

Das negativ besetzt Wort Gülle mit Flut zu verbinden ist ein geschickter Schachzug. Ich habe mal beim Wortschatz-Portal der Universität Leipzig nachgeschlagen: Signifikante linke Nachbarn von Flut sind (u.a.): verheerend, schlimm, gewaltig. „Flut“ ist also negativ konnotiert, denn bis auf wenige Ausnahmen wird das Wort mit Adjektiven verknüpft, die eine Gefahr beschwören.

Und damit lässt sich natürlich hervorragend trommeln für eine Agrarwende. Viel besser als mit differenzierenden Aussagen wie beispielweise der Tatsache, dass Nitratwerte nicht flächendeckend überschritten werden, sondern punktuell. Oder dass belastete Brunnen längst nicht immer in viehintensiven Regionen liegen. 

Wer mag, kann einiges mehr zum Thema Nitrat sowie zu angeblich steigenden Trinkwasserkosten bei BlogAgrar nachlesen: „Nitrat – und kein Ende mit der Scheiße“.

Hate speech?

Haarsträubend ist ferner die Aussage zum Verhalten der Bundesregierung. Es wird ihr unverhohlen unterstellt, sie nehme aus niederen Gründen Kostensteigerungen beim Trinkwasser in Kauf – zum Nachteil der Verbraucher. Ein starkes Stück! Ist das noch Verleumdung oder schon Hate Speech?

Werte Bundesagsfraktion, Ihre Kommunikation hat rein gar nichts mit einer konstruktiven demokratischen Auseinandersetzung zu tun. Nicht unser Trinkwasser ist vergiftet. Ihre Sprache ist es!

Bündnis 90/Die Grünen

Link Tweet
Der Begriff Ackergift muss sein! (Bündnis 90/Die Grünen – Tweet vom 21. Mai mit ZDF-Videoausschnitt: Was mir Europa bringt)

Die ewige Leier vom Ackergift

Exemplarisch für die verrohte Sprache der Grünen ist meines Erachtens der Begriff „Ackergift“. Denn es handelt sich um PflanzenSCHUTZmittel. Also Stoffe, die Landwirte ausbringen, um ihre Ackerfrüchte vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Vor 100 Jahren gab es diese Mittel nicht, werte Politiker von Bündnis 90/Die Grünen. Dafür hatten wir regelmäßig wiederkehrende Ernteeinbußen – bis hin zu Totalausfällen. Es gab Mangelernährung, es gab Hunger, es gab Menschen, die Hungers starben. Übrigens macht noch immer die Dosis das Gift. Und genauso bringen die Landwirte die Pflanzenschutzmittel aus – streng nach Vorschrift!

„Ackergift“ an sich lässt schon tief blicken. Regelrecht perfide ist allerdings, dass die Grünen diesen Begriff der von ihnen dämonisierten industriellen Landwirtschaft vorbehalten.

Die Tatsache, dass auch Bio-Landwirte spritzen, wird regelmäßig unter den Tisch geschubst.

Kein Grüner erzählt den Verbrauchern (und potenziellen Wählern), dass viele „natürliche“, also nicht-synthetische Pflanzenschutzmittel, es ganz schön in sich haben. Sofern man sich auf das preiswerte Grünen-Niveau herabbegeben möchte: Es sind „Ackergifte“. Ich ziehe allerdings auch hier den Begriff Pflanzenschutzmittel vor.

Beispiele sind das Schwermetall Kupfersulfat oder das insektenschädliche Mittel Spinosad. Wobei Kupfersulfat weitaus toxischer ist als Glyphosat, wie hier nachgelesen werden kann: „Far more toxic than glyphosate: „Copper sulfate, used by organic and conventional farmers, cruises to European reauthorization.“

Ergiebig ist ferner der Beitrag von Salonkolumnist Johannes Kaufmann, den ich hier verlinke: „Mythenjagd 1: Bio bedeutet ungespritzt.“ In dem Artikel finden sich weitere Beispiele, unter anderem ist dort eine knapp 100 Din-A4-Seiten lange Liste verlinkt mit im Öko-Landbau zugelassenen Pflanzenschutzmitteln.

Das eine „Gift“ zu verteufeln und das andere „Gift“ auszublenden und damit den konventionell wirtschaftenden Landwirten die Vergiftung ihrer Landsleute zu unterstellen – das finde ich regelrecht diabolisch!

Kanzerogenität und keine Ende

Link Facebook-Post
Nein, nicht deshalb hat eine Laienjury ihr Urteil gefällt. Könnte man wissen. Es stand viel dazu in der Zeitung!

Eigentlich ist es sinnlos, diesen Punkt aufzugreifen. Das Thema Glyphosat ist im faktenbefreiten Raum förmlich einbetoniert, wobei die Faktenresistenz gerade bei vielen Grünen besonders stark ausgeprägt ist. Allerdings geht es mir in diesem BlogPost darum aufzuzeigen, wie rücksichtslos oft kommuniziert wird. Daher darf der Vorwurf der Kanzerogenität nicht fehlen.

Fakt ist doch seit Paracelsus: Es macht noch immer die Dosis das Gift. Fakt ist ferner: Glyphosat ist bei sachgemäßer Anwendung noch immer nicht krebserregend. Weltweit haben Wissenschaftler unzählige Studien ausgewertet. Ein weiteres Faktum: Eine Laienjury macht noch lange keine wissenschaftlichen Fakten.

Zahllose Grünenpolitiker sind in den vergangenen Jahren mit zahllosen Links zum Stand der Wissenschaft versorgt worden. Es hat sie nicht interessiert. Stattdessen kommunizieren sie unverändert Aussagen, die nicht stimmen. Das ist verantwortungslos. Denn sie treiben Schindluder mit der Angst von Menschen um ihre Gesundheit.

Was es mit der Kanzerogenität und den Gerichtsurteilen auf sich hat, kann hier nachgelesen werden.

„Gutes Gift und böses Gift“

„Warum Glyphosat kein Beweis für den Krebsverdacht ist“

„Im Zweifel gegen die Harmlosigkeit“

Die Europagruppe Grüne

Link Tweet
Bio-Gemüse oder Pestizide. Himmel oder Hölle.

Zur Höchstform ist die Europagruppe der Grünen aufgelaufen. Etwas verklausuliert werden in dem Tweet zwei Gegensätze aufgebaut:

1.) Unser Essen wird mit Pestiziden (industriell) angebaut oder ist Bio-Gemüse (lokal).

Haben sich die Grünen nicht getraut, die Unwahrheit auszusprechen? War ihnen ein: „Pestizide oder keine Pestizide“ dann doch zu heiß?

2.) Auf unseren Tellern landen entweder Bio-Gemüse – oder Pestizide.

Ist es das, was Sie kommunizieren möchten? Sie sind sich darüber im Klaren, wie rücksichtslos es ist zu unterstellen, dass Landwirte Pestizide auf die Teller ihrer Landsleute legen? Ich glaube, auch in Brüssel ist bekannt, was Rückstandskontrollen besagen: Unser Essen ist sauber!

Martin Häusling und die freibierausschenkende Julia Klöckner

Link Tweet
So sieht grüner Populismus aus.

In ein ähnlich demagogisches Horn stößt Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments. Er unterstellt der deutschen Landwirtschaftsministerin, sie würde Ausnahmen für Neonikotinoide unters Volk bringen – wie Freibier. Herr Häusling, Sie wollen uns also zu verstehen geben, die Ministerin sei so verantwortungslos, wahllos mit Genehmigungen um sich zu schmeißen?

Wie für Harald Ebner gilt auch für Sie: Das ist genau die Art populistischer Parolen, die unser gesellschaftliches Klima vergiften. Sollte die Ministerin wie ihr Vorgänger im Amt mit Gewalt- und Mordandrohungen konfrontiert werden, würde ich ihr empfehlen, neben Ebner auch Ihnen ein Dankesschreiben zukommen zu lassen. Denn das hätten Sie sich verdient!

Robert Habeck: „Was wir sein könnten“

Last, but not least: Welcher Sprache bedient sich eigentlich Robert Habeck? Ich verfolge schon seit einigen Jahren, wie die Grünen zur Landwirtschaft kommunizieren und muss sagen: Der Grünen-Chef hebt sich wohltuend ab von vielen Parteikollegen.

Lautes Schweigen

Link: Screenshot Blog
Lautstarkes Schweigen (BlogPost Robert Habeck, 23. Mai 2019)

Deftige Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel, wie Habeck in seinem heute online gegangenen BlogPost unter Beweis stellt. Denn auch Schweigen, wo Reden angesagt wäre, kann ausgrenzen. Schließlich weiß der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister a.D. ganz genau:

Das Verbot der Ferkelkastration wurde ausgesetzt, um kleine u mittlere Familienbetriebe vor dem Ruin zu bewahren. Denn es gab keine praktikablen bzw. bezahlbaren Alternativen, die Ferkel zu betäuben. Wäre das Verbot gekommen, hätte es einen harten Strukturbruch gegeben. Die Personengruppen, auf die er anklagend mit dem Finger zeigt, haben letztendlich das getan, was die Grünen stets als hehres Schild lautstark vor sich hertragen: Bäuerliche Familienbetriebe erhalten!

Populismus pur von einem Mann, der ein ganzes Buch darüber schreibt, Politiker sollen zu einer fairen Sprache zurückfinden!

Wie Robert Habeck die Demokratie sieht

Unwohlsein bereitet mir allerdings etwas ganz anderes. Ich meine Habeck‘s Demokratieverständnis. Nachdem er der CSU-Regierung im letzten Wahlkampf einen demokratischen Charakter abgesprochen hatte, wollte er nur ein paar Monate später alles machen,

damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land

wird. Das hallt nach!

Waren das bloß Ausrutscher? Schlechter Stil? Oder steckt etwas anderes dahinter, ein Verständnis der eigenen politischen Bedeutung bzw. der Bedeutung der eigenen Partei, das nicht ganz sauber ist? Könnte der Grünen-Chef vielleicht – etwas demokratischer sein?

Ulf Poschardt, Chefredakteur der Welt, hat den Distinktionskern der Grünen in einem Tweet von Oktober 2018  beschrieben als

„die bislang hinter paternalistischer Empathie gut getarnte Überheblichkeit der ‚Anständigen‘“ 

Ich finde, er hat es auf den Punkt gebracht!

Photo von Buch Habeck

Wie Ihr seid! Teil 1: Harald Ebner

Robert Habeck hat im Oktober letzten Jahres ein Buch veröffentlicht. Der Titel: „Wer wir sein könnten“. Sein Anliegen: Eine offene und vielfältige Sprache, mit der Demokratie funktioniert. Eine Sprache, die nicht ausgrenzt, entmenschlicht.

Ja, der Grünen-Chef hat völlig Recht. Begriffe wie „Asyltourismus“ und „Überfremdung“ sind nicht dazu angetan, Menschen in all ihrer Verschiedenheit zusammenzubringen. Auch mir will oft scheinen, dass eine Zeit des politischen Brüllens und Niedermachens angebrochen ist. Dabei ist Sprache ungemein wichtig. Sie macht den Unterschied, im Privaten genauso wie in der Politik.

Grüne Sprachverrohung

Womit wir bei den Grünen angelangt sind. Denn es ist längst nicht nur die AfD, die niedermacht. Ob Habeck wohl der diffamierende Umgang seiner Parteikollegen mit Deutschlands (konventionell wirtschaftenden) Landwirten bewusst ist? Besser wäre es. Denn er ist pures Gift.

Einer kleinen Minderheit pauschal (und faktisch mehr als fragwürdig!) Jahr um Jahr, direkt oder indirekt, in Wort und Tat, zu unterstellen, sie gefährden das Leben ihrer Landsleute mittels „Ackergiften“, vergifte ihr Trinkwasser, zerstöre Flora und Fauna, quäle Tiere, grenzt aus, entmenschlicht. Die Grünen haben es darin zur Meisterschaft gebracht. 

Sie dämonisieren Agrarindustrie, Pflanzenschutzmittel, die Intensivtierhaltung. Indem sie beispielsweise von „Ackergift“ reden statt von Pflanzenschutzmitteln, verwandeln sie die Menschen, die diese Mittel auf ihren Äckern ausbringen, in Brunnenvergifter. Klar, dass Landwirte die Stürme ernten, die die Grünen säen – seit Jahren. Denn die sprachliche Verrohung bewirkt etwas. Sie verroht das gesellschaftliche Klima. Unter anderem das Mobbing von Bauernkindern zeigt dies eindrücklich.

Der Journalist und Salonkolumnist Jan-Philipp Hein hat es mal auf den Punkt gebracht: Was die Afd und NGOs und Grünen gelernt hat.

Wenn es um ihre Herzensthemen geht, vergiften NGOs und Grüne mit brachialer Zuspitzung und Populismus das gesellschaftliche Klima. Die AfD erweist sich so nicht nur als größter Widersacher der Ökopartei, sondern auch als gelehriger Schüler.

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Und niemand denkt an die Tiere…

Tierrechtsaktivisten stürmen Sauenstall in Holland

Eine Gruppe von rund 125 Tierrechtsaktivisten hat sich am Montag mit brachialer Gewalt Zutritt zu einem Sauenstall verschafft und diesen für rund 10 Stunden besetzt. Die Mitglieder der international agierenden Kampagne „Meat the Victims“ forderten die Freilassung der Tiere. Auf Videos und Bildern konnten wir verfolgen, wie sie sich auf den Gängen in den Abferkelställen, Warteställen und Ferkelaufzuchtställen verschanzten.

Mediale Aufmerksamkeit

Auch in Live-Videos kann man in den sozialen Medien ihre Aktion verfolgen. Ohne jegliches Unrechtsbewusstsein gehen diese Menschen in die Stallungen, dort von einem Abteil ins andere – als wäre das ihr gutes Recht und vollkommen selbstverständlich. Es werden Ferkel auf den Arm genommen, die Sauen flippen im Abferkelstall aus – ja, weil die „bösen bauern“ sie eingesperrt haben – NEIN, weil sie ihre Ferkel schützen wollen, die sich zwangsläufig für ein Foto für die mediale Aufmerksamkeit des Tierrechtlers schreiend auf dessen Arm befinden.

Tierschutz – Fehlanzeige

Niemanden aus diesen Gruppen geht es um Tierschutz – denn sich aktiv für Tierschutz einzusetzen erfordert vor allem Fachwissen – dieses fehlt hier jedoch vollkommen. Diese Menschen haben keine Ahnung, wie Schweine sich verhalten, sie wissen nichts über diese Tiere. Sie haben keine Idee, welche Gefahr sie Betrieb und Tiere aussetzen, wenn sie einfach so in die Ställe eindringen.

Die Tiere haben panische Angst, weil sie das einfach nicht kennen, dass dort so viele Menschen lauthals schreiend/sich unterhaltend in den Abteilen aufhalten, dass dort so viele Menschen sich schnell bewegend durch die Abteile irren. Diese Tiere haben massiv Stress, weil sie diese Aktion überhaupt nicht einordnen können. Ich möchte nicht wissen, wie viele Ferkel von den panischen Sauen im Abferkelstall erdrückt wurden, weil die Sauen so „durch den Wind“ waren.

über 100 Tierrechts-Aktivisten besetzten am vergangenen Montag in den Niederlanden einen Sauenstall

Solche Aktionen haben wirklich gar nichts mit Tierschutz zu tun – diese sind für unsere Tiere einfach nur purer Stress.

Tierrechtler tragen Verantwortung für die Tötung aller Tiere

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Der böse, böse Bauernverband

…oder wie ein Bauernverbandspräsident für jegliche Kritik herhalten muss…

Der böse, böse Bauernverband

Letzte Woche ein Bericht über Agrarfunktionäre, diese Woche ein Zitat herausgerissen aus einem Zeit Interview – Joachim Rukwied, Präsident des deutschen Bauernverbandes, hat momentan keinen leichten Stand. Ein paar Gedanken zu den aktuellen Ereignissen:

Die Story – „Gekaufte Agrarpolitik – wie Industrie und Agrarlobby durchregieren“

So lautete der Titel der „Die Story“ am 29. April im Ersten. Es ging darum, dass Verbandsvertreter (Funktionäre) gleichzeitig in der Politik tätig sind und in verschiedensten Gremien sitzen. Hintergrund ist eine Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Universität Bremen im Auftrag des Nabu. Der Nabu schreibt dazu auf seiner Homepage:

Die deutsche Agrarlobby: verfilzt, intransparent und wenig am Gemeinwohl orientiert (…)

NABU-Studie legt Lobbynetz des Deutschen Bauernverbands offen (…)

Die Macht der Agrarlobby muss endlich stärker beschränkt werden.

Damit sollte eigentlich dem letzten klar sein, worum es wirklich geht – dem ist nur leider nicht so. Im Netz geht’s heiß her – neben vielen anderen Menschen, echauffieren sich auch sehr viele Landwirte. Was offensichtlich vielen nicht klar ist – Joachim Rukwied repräsentiert in den Gremien, in denen er vertreten ist, in der Regel die Interessen des Deutschen Bauernverbandes. Er ist dort Kraft seines Amtes als Präsident des deutschen Bauernverbandes, nicht als Person Joachim Rukwied.

Das mag einigen nicht gefallen – ändert jedoch nichts an der Tatsache. Wenn es den Mitgliedern des Bauernverbandes nicht gefällt, ist das allerdings schlecht. Nur dann sind letztlich auch die Mitglieder gefordert – nur von den Kritikern möchten die meisten doch einfach nur „vertreten“ werden – dann allerdings hinterher meckern, dass es nicht in ihrem Sinne war – das ist zu einfach. Mitgestalten heißt das Zauberwort.

Und dann muss auch die Frage erlaubt sein – wer will diese Aufgaben annehmen und von wem fühlen sich diese Landwirte besser vertreten? Wer fühlt sich in der Lage, diese Ämter auszuüben?

Das Zeit Interview und „Unser Land“

„Die letzten ihrer Art“ titelt diese Woche die ZEIT. Es geht um den Strukturwandel in der Landwirtschaft. Auf der einen Seite schließen rund 5000 bäuerliche Betriebe pro Jahr in Deutschland (1,5 bis 1,7 %). Auf der anderen Seite steigt die Tendenz zu größeren Höfen weiter an. Auch Joachim Rukwied hat der ZEIT ein Interview zu diesem Thema gegeben. Auf die Frage, wie er den Trend, dass immer mehr Höfe schließen, stoppen möchte, antwortet er der ZEIT:

Jeder Hof, der aufgibt, bedeutet einen Verlust an Agrikultur. Aber wir halten das Tempo des Strukturwandels von 1,2-1,5 Prozent Verlusten pro Jahr für akzeptabel. Auch weil dann diejenigen, die sich entscheiden, in einen Betrieb einzusteigen, eine bessere Perspektive haben.

Diese Antwort aus dem Zusammenhang gerissen, konnten wir dann bei „Unser Land“ bestaunen – und die Welle der Empörung schlägt natürlich hoch. Der Post von „Unser Land“ ist reine Provokation, mit diesem Foto und diesem herausgerissenen Zitat Stimmung zu schüren. Und diese Provokation geht ganz genau auf, wie man an den Reaktionen im Netz in den sozialen Medien sehen kann.

Zitat Rukwied: "Anzahl der Hofaufgaben ist durchaus verträglich"
Quelle: Facebookseite von „Unser Land“

Akzeptabel“ – „verträglich“, egal, welches Wort Joachim Rukwied verwendet hat, ist im Kontext mit einem so emotionalem Thema einfach äußerst unglücklich gewählt. Nur wie sehen die „nackten Fakten“ aus?

Strukturwandel – was ist normal?

Wie sieht es in anderen Bereichen aus? Die Zahl der Handwerksbäckereien sank von 19.813 im Jahr 2010 auf 11.347 Betriebe in 2017 – das ist eine Abnahme von 42% in sieben Jahren (Quelle: handelsdaten.de ). Im Fleischerhandwerk sieht es nicht anders aus. Bundesweit ging die Zahl der Lebensmittel-Handwerksbetriebe bis 2016 bereits auf 70 Prozent im Vergleich zu 2008 zurück.
Wenn man sich diese Zahlen mal auf der Zunge zergehen lässt, empfinde ich Rukwieds Aussage nicht für unredlich – dann ist der Strukturwandel in der Landwirtschaft eben noch „akzeptabel“.

Kann Strukturwandel überhaupt „normal“ sein?

In Deutschland gehen täglich 80 ha landwirtschaftliche Nutzfläche aus der Produktion – das sind täglich zwei Betriebe. Strukturwandel hat es immer gegeben, und wird es auch immer geben. Und in einem gewissen Rahmen ist dies auch durchaus zu vertreten – nichts anderes sagt Joachim Rukwied.
Und wenn Betriebe aufgeben, wachsen andere, das liegt in der Natur der Sache. Und weder der Deutsche Bauernverband noch Joachim Rukwied in Person können entgegen den wirtschaftlichen Tendenzen, den Strukturwandel aufhalten. Ziel kann es nur sein, diese Entwicklung möglichst sozialverträglich zu gestalten.

Gründe für den Strukturwandel

Auch die Gründe für den Strukturwandel werden immer gerne dem Bauernverband zugeschustert, propagiere dieser ja schon eh und je das „Wachsen oder Weichen“ Prinzip.  „Wachsen oder weichen“, das ist – man mag es beklagen – eine ökonomische Gesetzmäßigkeit. Die hat sich niemand ausgedacht – kein böser Kapitalist, kein Bauernpräsident. Es sind viele Faktoren, die dazu beitragen, diesen Prozess zu beschleunigen. Nur warum hören Betriebe auf?

Es geben sicher Betriebe auf, weil sie zu klein und/oder unrentabel sind. Wer einen unrentablen Betrieb zu lange weiter bewirtschaftet, zerstört letztlich Kapital und damit seine Lebensgrundlage. Von den Betrieben, die aussteigen, steigen jedoch die wenigsten aus, weil sie insolvent sind.

Die meisten Betriebe werden aufgegeben, weil keine Nachfolge vorhanden ist. Häufig ist keiner in der Familie zu finden, der eigenverantwortlich den Betrieb weiterführt. Die Gründe dafür sind vielfältig: keine Kinder (kein Nachfolger), fehlendes Interesse, fehlende Wirtschaftlichkeit, fehlende Perspektiven, um nur einige zu nennen.

Früher war alles besser?

Ich kann es niemanden verdenken, einen anderen Weg als den des Hofnachfolgers einzuschlagen. Die Auswahl seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist heute sehr vielfältig. Es sollte jedem selbst überlassen bleiben, diese Entscheidung für sich und sein Leben zu treffen. Im Netz habe ich dazu folgenden Satz gelesen:

Es ist eine der größten Errungenschaften, dass heute niemand mehr Bauer werden muss. Früher haben sich viele ihr Leben lang durch den Beruf gequält, weil man der älteste Sohn war und nichts anderes machen durfte. Heute kann jeder machen, was er will. Es kann auch weiterhin jeder Bäuerin oder Bauer werden. Möglichkeiten gibt es genug. Man muss aber auch nicht.

Auch wir haben drei Kinder und einen Betrieb. Wir haben in den letzten Jahren unseren Betrieb stetig verändert und auch erweitert. Wir tun das nicht für unsere Kinder, sondern für uns, weil uns unsere Arbeit Spaß macht, weil wir lieben, was wir tun. Wir werden es unseren Kindern freistellen – wenn sie (oder einer oder zwei oder alle drei) den Betrieb weiterführen möchten, freuen wir uns sicher darüber, nur wenn nicht, ist das auch okay – wir mögen niemanden zwingen. Wir arbeiten mit Tieren – das muss man wollen und lieben, sonst macht man das nicht gut. Diese Verantwortung haben wir auch gegenüber unseren Tieren.

Zurück zu Joachim Rukwied und dem DBV

Der Bauernverband und Joachim Rukwied bekommen zur Zeit viel Kritik, zum großen Teil auch von Verbandsmitgliedern. Ich für meinen Teil muss ganz ehrlich sagen – ich möchte nicht tauschen. Ich möchte weder diese Verantwortung tragen, noch habe ich ein dickes Fell genug, mir die ständige Kritik aus den eigenen Reihen anzutun.

Nur diese Kritik muss auch ernst genommen werden. Ich persönlich möchte an dieser Stelle auch Kritik üben – ich wünsche mir vom Verband eine bessere Kommunikation nach innen. Ich erwarte, dass es von Verbandsseite eine Stellungnahme zu solchen Reportagen/Artikeln gibt – für uns Mitglieder. Bitte nehmt uns mit, damit wir uns ein Bild machen können, damit wir verstehen, wie solche Dinge zu Stande kommen, damit wir uns nicht von unserem Verband allein gelassen fühlen.

Insektensterben? Nicht im Raps!

mit Daniel Bohl

Rapsglanzkäfer befallen den Raps

Bisher wurde unser Raps von den Rapsglanzkäfern verschon. Aber nach ein paar warmen Tagen kommen sie, trotz jährlicher Bekämpfung, wie aus dem Nichts und befallen die Rapsknospen.
Da könnte man als Landwirt nun zu sehen, wie die Käfer Stück für Stück die Knospen fressen und mehr als 30% des möglichen Ertrages wegfressen, was den Rapsanbau unwirtschaftlich machen würde oder die Rapsglanzkäfer mit einem Insektizid bekämpfen. Würde der Rapsanbau unwirtschaftlich, würde kein Landwirt mehr Raps anbauen.

Die Knospen einer Rapspflanze werden von vielen schwarzen Rapsglanzkäfern heimgesucht.
Rapsglanzkäfer können große Schaden im Raps anrichten (Bild: Daniel Bohl)

Nicht nur wichtig für die Bienen

Da mögen einige Beifall klatschen, die sollten aber auch bedenken, dass der Raps die wichtigste heimische Öl- und Eiweißfrucht ist und jede Tonne Öl und Eiweiß, die nicht bei uns produziert wird, importiert werden muss.
Darüberhinaus ist der Raps auch die bedeutendste Tracht für die Bienen. Fragt mal einen Imker in Norddeutschland, ob er auf die Tracht des Rapses für seine Bienen verzichten möchte. Ich habe noch keinen kennen gelernt.

Rapsanbau ohne Insektizide geht nicht

Rapsanbau ohne Insektizide geht nicht. Deswegen müssen Landwirte und Imker hier eng miteinander kooperieren. Davon haben beide mehr, als von stupiden Verboten.

Öko Raps gibt es kaum

nur 0,4% der Rapsanbaufläche in Deutschland werden ökologisch erzeugt
von 1000 ha Raps werden in Deutschland 4 ha ökologisch angebaut (Grafik: @flaemingslord)

Ohne wirksame Insektizide kann kein erfolgreicher Rapsanbau gelingen. Das zeigt auch die Statistik, denn nur 0,4% der Rapsanbaufläche wird ökologisch erzeugt.
Die Erntemenge dürfte wohl noch unter 0,2% liegen, da das Ertragspotenzial von Ökologischen Produkten deutlich geringer ist und die Insekten (nicht nur der Rapsglanzkäfer) zusätzlich den Ertrag schmälern werden.

Dieser Ertragsverlust lässt sich nicht einmal durch höhere Preise kompensieren. Denn wo nichts geerntet wird, dort kann man auch nichts mehr teuer verkaufen.

Impfen verbieten!

von Ludger Weß

Wenn ich es recht überlege, bin ich gegen die Einführung eines Impfzwangs. Ich gehe sogar noch weiter: Ich bin für ein Verbot des Impfens!
Wir schaffen gerade die unnatürliche Chemie in der Landwirtschaft ab und sehen wieder Fälle von Mutterkorn- und Stechapfelvergiftungen.

Ludger Weß (Facebook-Profilbild)

Zurück zu Natur!

Diese Entwicklung zurück zur Natur entspricht dem Willen der Zivilgesellschaft. Warum sollte sie nicht auch in der Medizin zurück zu natürlichen Bedingungen mit Kinderlähmung und Wundstarrkrampf?

Die Gesellschaft möchte die Risiken der Moderne nicht!

Sie will die Risiken der Moderne nicht, weil sie den Zulassungsbehörden und der Wissenschaft misstraut und möchte stattdessen lieber die natürlichen in Kauf nehmen.

Und wenn Behörden und Mediziner Impfen für sicher halten, ist denen ebenso zu misstrauen wie in Sachen Pflanzenschutzmittel und Gentechnik. Halten wir uns besser an die Gerichte: Die haben nicht nur festgestellt, dass Glyphosat Krebs erzeugt, sondern auch, dass Impfungen Multiple Sklerose auslösen – und das war sogar der EuGH.

Also: Vorsorgeprinzip anwenden, Impfen verbieten.


Ludger Weß studierte Biologie und Chemie und arbeitete vor seiner Tätigkeit als Wissenschaftsjournalist als Molekularbiologean der Universität Bremen. Er schreibt seit den 1980er Jahren regelmäßig über wissenschaftliche, ökonomische, historische, rechtliche und ethische Aspekte von Wissenschaft und Technik; Schwerpunkte sind Gen- und Biotechnologie.

Greenwashing, mit dem Feinwaschmittel von Bioland

von Franz Kinker*

Bioland kooperiert mit Lidl. Ist das sinnvoll oder ein Schlag ins Gesicht aller Biobauern?

Die Bio-Szene fristete lange Zeit ein stiefmütterliches Dasein. Doch jetzt kommt Bewegung in die Branche. Bio ist mittlerweile in aller Munde. Wer es sich leisten kann, kauft Bio-Produkte, und tut sich und der Umwelt damit etwas Gutes.

Franz Kinker mit einer hornlosen Braunviehkuh

Die Landwirte profitieren von dieser positiven Entwicklung. In der Regel haben sie eine höhere Wertschöpfung, und damit verbunden ein höheres Einkommen.

Landwirte als Vorreiter in Sachen Bio

Um Bäuerinnen und Bauern zu informieren, laden die einzelnen Bio-Verbände ihre Mitglieder regelmäßig zu Versammlungen ein.

Man trifft sich in einem Gasthaus und hört sich zum Beispiel die Vorträge über Boden- und Tiergesundheit an. Außerdem erfährt man hier das Neueste vom Milchmarkt, und ist mehr oder weniger erfreut, wenn neue Vorschriften präsentiert werden. Zum Glück folgt danach der gemütliche Teil der Veranstaltung. Die Geselligkeit, für die wir Allgäuer bekannt sind, kommt also nicht zu kurz. Die Abende verlaufen in der Regel unspektakulär. Wenn sich die Bauern schon mal treffen, dann ausführlich. Es dauert meist bis spät in die Nacht, bis der letzte den Saal verlässt.

Und jetzt stört Lidl die Gemütlichkeit

Seit kurzer Zeit macht jedoch ein Thema die Runde, das den Saal erhitzt und so gar nicht zur Allgäuer Gemütlichkeit passen will. Es ist die Schlagzeile des Jahres 2019: Der Discounter „Lidl“ geht eine strategische Partnerschaft mit dem Öko- Verband „Bioland“ ein. Was für eine Sensation! Ein Global Player, der bislang ständig auf der Suche war nach den günstigen Einkaufsmöglichkeiten. Einer, der knallhart kalkuliert, sich Rabattschlachten liefert, und der den Erzeugern die Preise diktiert. Dieser füllt künftig einen Teil seiner Regale mit zertifizierten Premium-Bio Produkten.

Warum bandelt Bioland mit Lidl an?

Was mag einen so mächtigen Bioverband bewogen haben, sich mit einem No-Name-Händler zu verbünden? Sind die klassischen Absatzwege nicht mehr gut genug?

Bislang wurden Bio-Markenartikel überwiegend vom Naturkosthandel, Reformhäusern, Hofläden, regionalen Märkten, und ab und zu von größeren Handelsketten vertrieben. Die Ladenbesitzer haben mit viel Engagement und Herzblut ihren treuen Kundenstamm aufgebaut und so manche Durststrecke durchgehalten. Auf Wochenmärkten, Hoffesten und Infoständen pflegte man die Kundenbeziehung und klärte Fragen der Konsumenten im direkten Gespräch. Der Kunde schätzte diese Serviceleistung. Gerade in der heutigen Zeit, in der viel online gekauft wird, sind Freundlichkeit und persönliche Beratung etwas Besonderes. Gibt es das bei einem Discounter wie Lidl? Hier muss Ware übers Band, und zwar möglichst viel und schnell. Die Mitarbeiterinnen werden diesbezüglich getrimmt. Wer als Kassiererin die Leistung nicht bringt, hat die längste Zeit in diesem Unternehmen gearbeitet.

Verdrängt Lidl die Bioläden?

Jetzt kommt der Moment, wo bei mir und vielen meiner Kollegen die Alarmglocken klingeln: Ich denke, es geht Lidl nicht nur um Image-Steigerung und Greenwashing, sondern um knallharten Verdrängungswettbewerb. Die Lidl-Kundschaft wird das Bio-Angebot des Discounters mit Handkuss annehmen und die Kassen werden noch besser klingeln als bisher.

Und was geschieht mit all denjenigen, die mühsam ihren kleinen Bio-Laden aufgebaut haben? Die werden am Ende den Kürzeren ziehen. Sind wir mal gespannt, wie viele die Expansion von Lidl überleben.

Bei den Landwirten wird es ähnlich aussehen. Da bin ich mir ziemlich sicher, dass ich jetzt schon weiß, wer bei diesem Deal am Ende den größten Nutzen daraus zieht. Derjenige, der täglich frühmorgens um 5 Uhr aufsteht, und zweimal am Tag die Kühe melkt, gewiss nicht….

Unser Appell an die Verbände

Meine Kollegen und ich, die auf nachhaltige Landwirtschaft und echtes Bio setzen, appellieren an die Verbände: Macht keine Schnellschüsse und denkt zuerst nach:

Warum muss man mit aller Gewalt in Vertriebsschienen gehen, deren Prinzipien nichts, aber auch gar nichts mit Nachhaltigkeit, Service und dem Prinzip „Leben und leben lassen“ zu tun haben?
Der Bio-Markt ist ein sensibler Bereich. Um die höheren Produktpreise zu halten, auf die wir Landwirte dringend angewiesen sind, müssen Angebot und Nachfrage möglichst im Einklang stehen.

Wir Landwirte fordern daher: Lasst Bio- Markenware nicht zur Massenware verkommen und sucht euch Partner, deren Herz auch Bio schlägt!

Euer Bauer Franz

*Franz Kinker ist Biobauer im Allgäu. Seine sehenswerte Homepage ist unter Berghof-Kinker.de aufrufbar.

Franz und Irmgard Kinker mit Tochter und Sohn in traditionellen Kleidern
das Bauernhaus der Familie Kinker ist typisch Allgäu. Fügt sich wunderbar in die Landschaft hinein.
Franz Kinker liegt im Gras
Laptop steht neben Stiefeln im Gras, ein Huhn läuft darüber her.

#FridaysForFuture

Gestern demonstrierten weltweit Schülerinnen und Schüler für mehr Klimaschutz. Besonders erfolgreich sind diese Proteste aber wohl in Deutschland und hier eher in den größeren Städten. Vorbild für die vielen tausend Schüler ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die mit ihrem Schulstreik an Freitagen bereits im letzen Jahr begonnen hat und damit die Bewegung #FridaysForFuture angestoßen hat.

Wie sind die Schülerproteste zu bewerten?

Ich habe zu der ganzen medialen Aufmerksamkeit, zu dem ganzen Drumherum, der Greta-Verehrung etc. einen kritischen Blick, habe aber noch keine endgültige Meinung gebildet. Ich möchte unbedingt anerkennen, dass diese Schülerproteste und auch die Organisation dahinter eine unglaubliche Wucht erzeugen.
Vermutlich bin ich mit der Suche nach einer umfänglichen Bewertung nicht alleine und will mich mal etwas herantasten:

Berechtigte Sorgen, offene Fragen

Die Sorgen und Forderungen der Schüler müssen wir Eltern und Großeltern ernst nehmen. Na klar! Aber ich finde auch, dass einige Fragen berechtigt sind:

  1. Hätte #FridaysForFuture auch nach Schulschluss oder an Wochenenden auch so viel Zuspruch?
  2. Wie gehen wir (Eltern schulpflichtiger Kinder, Lehrer, Schulleitung, Kultusministerium) mit dem Schulschwänzen um?
  3. Würde bei weniger populären Demos, auch die Schulpflicht als nicht so wichtig erachtet?

Schulstreik lockt Mitläufer und überschreitet Grenzen

Ich glaube, dass die Beteiligung an den Protesten nicht so groß wäre, würden die Schüler nach Schulschluss ihren Protest ausdrücken. Einmal weil auch Mitläufer dabei sind, die wenig Lust auf Schule haben und bei diesem Happening mitmachen wollen.
Aber sicherlich hilft es auch, wenn die Schule geschwänzt wird, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Die Schüler brechen heraus aus ihrem vorgeschriebenen Trott und begehen einen Regelverstoß, eine Grenzüberschreitung. Nicht einer, sondern tausendfach! Jede Woche.

Hilflosigkeit im Umgang mit „Schulschwänzen für den Klimaschutz“

Auszug aus WhatsApp. Schüler fragt nach Erlaubnis, zur Demo gehen zu dürfen. Nicht sehr überzeugend... ;)
aus einem Chatverlauf

Aber wie gehen wir mit diesen x-fachen Grenzüberschreitungen um? Sanktionen? Wer soll sie durchsetzen?
Die Schüler ernten mit ihrem freitäglichem Protest viel Zuneigung und Sympathie in der Bevölkerung- und damit auch zum Teil bei Eltern und Lehrern. Von den Politikern gibt es auch weit überwiegend mehr oder weniger deutliche Lobesworte, kaum jemand, der sich klar gegen diese Demos zu Unterrichtszeiten ausspricht.
Dennoch gibt es die Schulpflicht! Sollen Leher, Schulleitung oder Kultusministerien eine Absolution erteilen? Geht das rechtlich so einfach? Wer bekommt in diesem Fall den „schwarzen Peter“?
Oder lässt man es einfach weiterlaufen, ohne Konsequenzen?
Das hätte dann die Gefahr, dass Schüler sich auf #FridaysForFuture und die Klimaschutzproteste berufen, wenn sie für ein ganz anderes (möglicherweise weniger populäres) Anliegen auf die Straße gehen wollen- während der Schulzeit versteht sich…
Was wäre, wenn eine Gruppe von Schülern gegen Zuwanderung protestieren würde? Oder für eine freies Palästina? Oder gegen die von den Grünen propagierte Agrarwende?

Apropos „Agrarwende“. Das war doch noch was.

Ich erinnere mich noch sehr gut an das Jahr 2015. In Niedersachsen war der Bündnisgrüne Christian Meyer Landwirtschaftsminister und denkbar unbeliebt bei den meisten Bauern, dafür aber Liebling der Massen, die seine einfachen Parolen glaubten.

Gegen die Agrarpolitik von Rot/Grün und Christian Meyer versammelten sich im September über 4000 Landwirte in Hannover. Soweit ich mich erinnere auch an einem Freitagvormittag. Und auch dort wollten viele landwirtschaftliche Berufsschüler mitmachen, dabei sein.

Argusaugen von Meyer und AbL auf Demo

Das jedoch missfiel der AbL, die am Vortag noch demonstrativ mit einer kleinen Gruppe und vergleichsweise großer medialer Berichterstattung seitens des NDR hinter Meyer stellte. Hier glühten die Drähte zwischen Berufsschulen, Kultusministerium und Landwirtschaftsministerium. Auch hier ging es um die Frage, was mit der Schulpflicht sei und ob für Schüler, die nicht nach Hannover fuhren, auch ein regulärer Unterricht gewährleistet wäre. (Gegendarstellung von Niemann)

Parallelität der Ereignisse sollte zum Nachdenken anregen

Es gibt also durchaus Parallelen zwischen der einmaligen Aktion von vor 3,5 Jahren und den heutigen Demonstrationen. Nur werden vermutlich die Bewertungen unterschiedlich ausfallen. Ich finde, man darf da ruhig mal drüber nachdenken.

Wie bereits oben im Text beschrieben- ich selber habe meine abschließende Meinung noch nicht gefunden. Ich bin auf Eure Einschätzungen und Positionen gespannt. Schreibt diese gerne in die Kommentare!

P.S.:
In diesem Zusammenhang ist das DLF-Radiointerview mit Anton Hofreiter von gestern morgen sehr hörenswert und aufschlussreich.

Das Ende freiwilliger Umweltleistungen?

Nach dem Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ in Bayern werden freiwillige Umweltleistungen der Bauern in Frage gestellt

Die Themen Bienenschutz und Artenvielfalt liegen seit Jahren im Trend- in der öffentlchen Debatte und auf den Bauernhöfen. Die Zahl freiwilliger Initiativen zur Förderung der Artenvielfalt und des Insektenschutzes sind in den letzten Jahren stark gestiegen.
Das Bewusstsein vieler Landwirte wurde geschärft und so legten zigtausende Landwirte Blühstreifen auf ihren Flächen an. Vielfach unentgeltlich und auf freiwilliger Basis.

wunderschöner bunter Blühstreifen

Diese Praxis könnte nun einen Dämpfer erhalten haben, zumindest in Bayern. Denn hier sind sehr viele von der Art und Weise des Volksbegehrens (einseitig zu Lasten der Bauern) und vom Erfolg (ca. 1,7 Mio Unterstützer) enttäuscht.
Ein Bauernverband im Allgäu rät seinen Mitgliedern, auf freiwillige Blühstreifen zu verzichten.

„Wenn Unterzeichner sagen, dass die Landwirte problemlos auf zehn Prozent ihrer Produktionsfläche verzichten können, dann dürften für sie 50 Euro für 50 Quadratmeter ja kein Problem sein“

Joachim Nuscheler, BBV Unterallgäu bei all-in.de

Trotzreaktionen auf populistisches Volksbegehren kontroproduktiv

Ich kann meine Berufskollegen in Bayern sehr gut verstehen. Die bisher geleisteten Anstrengungen im Bereich Umweltschutz und Artenvielfalt wurden nicht gewürdigt, Rückgänge der Artenvielfalt einseitig den Bauern angelastet. Als Unterstützer des Volksbegehrens sind nur wenige Minuten nötig gewesen, die Bauern müssten dieses Gesetz, sollte es so nach einer Volksabstimmung in Kraft treten, alleine ausbaden.

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