Schlagwort-Archive: Heinrich-Böll-Stiftung

Der Spiegel: Bauern sind Ausbeuter ohne Empathie

Sönke Hauschild vom Bauernverband Schleswig-Holstein zeigt das undifferenzierte Bauernbashing im aktuellen Spiegel auf. Die Bauern und ihre Familien müssen sich jedes Jahr zur Grünen Woche viele dieser unverschämten Vorwürfe gefallen lassen. Aber man kann sich auch wehren.
Sachlicher Protest per Mail, per Telefon und auch mit der Teilnahme an der 3. Ausgabe von Wir-machen-euch-satt kann jeder ein kleines Zeichen setzen!

Es sind starke Worte eines postfaktischen Magazins:

„Es ist ein unbestreitbarer Fakt: Die Art, wie wir landwirtschaften, beeinflusst die Gesundheit, die Umwelt, das Klima. Und in letzter Konsequenz das Überleben der Menschheit.“

Landwirte „fühlen sich wie die Herren über das Land. Sie gehen mit dem Grund und Boden um, als wäre er ihr privates Ausbeutungsgebiet – und nicht die Nahrungsgrundlage für alle Menschen sowie die kommender Generationen.“

„Ohne zu zögern“ schieden sie Schweineschwänze ab, „wahllos“ setzen sie Antibiotika ein, „großzügig“ Pestizide.

„Vielen Tierhaltern scheint in der durchökonomisierten Fleischproduktion die Empathie für die Kreatur verloren gegangen sein.“

„Man braucht keine Ahnung zu haben um zu erkennen, dass das nicht richtig sein kann.“

Was kann nicht richtig sein? Der Spiegel: Bauern sind Ausbeuter ohne Empathie weiterlesen

Anti-Fleischatlas-regional

boell_stiftung_logo_de_0Die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen und der BUND stellen zur Grünen Woche in Berlin einen „Fleischatlas regional“ vor.

Besonders interessant dürfte die Antwort auf diese Frage sein: (aus der Pressemitteilung): „Wie viele Höfe „sterben“ jährlich in den einzelnen Bundesländern?“. Da könnte man nun weiter fragen: Wessen Politik hat die größten Industrialisierungswelle verursacht und zu einer Verdrängung von Kleinbauern in den letzten Jahren stark beigetragen? Die Biogaswelle, angestoßen von den Grünen! Die Grünen sollen bitte nicht so tun, als hätten sie keine Landwirtschaftspolitik gemacht bisher und würde ihre Politik die Kleinbauern eher erhalten. Kein Zweig der Landwirtschaft ist so großtechnisch geprägt wie Biogas, hat so viele Gesellschaften (oft mit beschränkter Haftung) statt Familienbetriebe.

Zu den bisherigen „Fleischatlassen“ habe ich einen Anti-Fleischatlas geschrieben und bin auch auf den letzten Seiten des Anti-Bodenatlasses nochmal auf den Fleischatlas eingegangen.

München trinkt Wasser, das vorher für Rindfleisch verbraucht wurde!

Anti-Fleischatlas-regional weiterlesen

Was soll das?? Was soll „WIR machen Euch SATT !“ ?

von 2014 (c) BUND
von 2014 (c) BUND

Bereits die letzten vier „Wir haben es satt“ – Demos (whes) haben mich enttäuscht und auch verletzt. In direkten Kontakten zu Berufskollegen habe ich festgestellt, dass auch diese sich von diesen Demos sich getroffen fühlen, aber mehr ist trotz aller Diskussion   nicht geschehen. Schulter-Zucken war die Reaktion der letzten Jahre, vielleicht auch mit der Hoffnung verknüpft, dass man diese Proteste aussitzen kann. Letzlich war
Hilflosigkeit angesagt. Doch in 2014 haben sich viele aktive Landwirte viel besser vernetzt. Es gab neben unzähligen Online-Treffen auch Treffen im sogenannten Real-life.

Jetzt in diesem Jahr 2015 haben sich wenige, aber gut vernetzte Landwirte aus dem ganzen Bundesgebiet gefunden und stellen einen Kontrapunkt zur großen Demo gegen die Landwirtschaft auf die Beine. Alles unheimlich kurzfristig und spontan.
Aber anscheinend gefällt dieses Vorhaben den Organisatoren der „Wir haben es satt“- Demo gar nicht, dass nun echte Bauern zu einer Demonstration mit dem Motto „WIR machen Euch SATT!“ (Hashtag #wirmacheneuchsatt) aufrufen. Die Diskussion in den diversen Foren wurde spürbar härter.
Heute wurde ich von SpiegelOnline überrascht, dass verdeckte Blogger (ich etwa auch??) im Lobby-Auftrag des DBV unterwegs wären? So viel Phantasie werde ich mit gesunden landwirtschaftlichen Produkten wohl nie erlangen… Deshalb für alle: Ich betreibe dieses Blog zu meinem reinen Privatvergnügen. Ich bestimme die Themen, die hier gebloggt werden und auch die Inhalte- und sonst niemand!
Aber nun komme ich zum Kern dieses Beitrages:
Alle, die heute bei der „Wir haben es satt“- Demo gegen die breite deutsche Landwirtschaft mitmarschieren wollen, die sollten sich mal bewusst machen, mit wem sie so durch Berlins Straßen laufen.
Dabei ist es mir eigentlich schnurz egal, ob eine Heinrich-Böll-Stiftung gegen die deutschen Bauern demonstriert. Die verdrehen gerne Fakten wie im „Fleisch-Atlas“ oder im aktuellen „Boden-Atlas„. Aber das stört mich weiter nicht: Sie waren für mich irrelevant und haben sich dazu noch wissenschaftlich disqualifiziert. Auch die Teilnahmen von BUND und NABU sind nicht wirklich überraschend. Nicht umsonst werden beide Organisationen sich mit der radikalen PeTa zusammen getan haben (Link).
Zugegeben, das trifft mich eigentlich doch, weil ich zumindest mit Leuten der NABU-Basis auf meinem Hof in Naturschutzfragen gut zusammengearbeitet habe. Ich habe große Freude an Turmfalken, Steinkäuzen, Schleiereulen, Fledermäusen, Schwalben, Spatzen und…. Aber es gibt anscheinend großen Spendenbedarf, dass man das harmonische Zusammenspiel mit den Landwirten vor Ort aufs Spiel setzt! Mich ärgert das schon seit Jahren!! „Whes“ wird auf Kosten der Naturschützer vor Ort durchgeführt.
Ein wirklich großes Ärgernis ist für mich als Katholik (und dazu werde ich wohl noch intensiver in diesem Blog Stellung beziehen müssen), dass auch Misereor „es satt hat“ und gegen die heimischen, in meiner Region eher klein-strukturierten, aber durchaus erfolgreichen Betriebe auf die Straße geht und gegen sie demonstriert. Misereor beschwichtigt. Doch um nur gegen die europäische Agrarpolitik- die plötzlich der Hauptgegner zu sein scheint- zu protestieren, muss man nicht mit Whes marschieren. Ich fühle mich in meiner Ehre zutiefst verletzt!
Es wird in der kommenden Woche einen weiteren Blogartikel geben, denn die Zeit ist für mich zu weit voran geschritten.

Aber jeder und erst recht jeder Landwirt, der heute mittag bei „Wir haben es satt“ mitlaufen wird, der solle sich vor Augen halten, mit wem er mitläuft:

1. Animal Peace:

Snapshot vom Facebookauftritt von animal-Peace in 2015
Snapshot vom Facebookauftritt von animal-Peace in 2015

Menschen-verachtender geht es kaum. Ob alle Aussagen als feie Meinungsäußerung in unserer Demokratie durchgehen können? Mir kommen als Bullenmäster jedenfalls bei diesen Worten die Tränen… 🙁 – aber lest selbst:

Snapshot bei Animal-Peace (facebook) in 2015
Snapshot bei Animal-Peace (facebook) in 2015

2. Bund für vegane Lebensweise:

gefunden auf der Facebookseite von Bund für vegane lebensweise
gefunden auf der Facebookseite von Bund für vegane lebensweise

Die dort organisierten Veganer wollen sich also radikalen Tierbefreiern in dem Demonstrationszug anschließen. Rechtsstaatlichkeit ist dort vermutlich nicht das höchste Ziel…

3. VEBU

(c) VEBU 2014
(c) VEBU 2014

Nicht so extremistisch, aber Tierhaltung wird abgelehnt- egal ob bio oder konventionell…

4. deutsches Tierschutzbüro

(c) dt. Tierschutzbüro
(c) dt. Tierschutzbüro

Zugegeben: jemand, der sich mit Vegetarier- bzw. Veganer-Bünden nicht beschäftigt hat, der wundert sich, wie viele unterschiedliche Organisationen es doch so gibt. So lange es genügend Dumme gibt, wird  auch die Anzahl dieser vermeintlichen Gutmenschen, die sich in Vereinigungen und Vereinen organisieren wollen, nicht zurückgehen.

5. PeTA

(c) facebook-Auftritt von PeTA
(c) facebook-Auftritt von PeTA

Ok, PeTA ist keine der offiziellen Organisatoren und ruft auch nicht selber zur Demo gegen die Bauern auf. ABER bitte vergesst nicht, dass BUND, NABU und PeTA eine Zusammenarbeit vereinbart haben. Vermutlich um die Spendeneingänge zu optimieren…. Ein typisches Win-Win-Win-Verhältnis auf Kosten der Bauern!

Ich habe den Eindruck, dass alle, die bei „Wir haben es satt“ mitgehen, sich in irgendeiner weise auf kosten der allermeisten Bauern profilieren wollen. Sie alle reden über und Bauern, aber nicht mit uns!wirmacheneuchsatt_2

Ich mache mich nun auf zur „WIR machen Euch SATT!“- Demo. Ich freue mich auf viele nette und vielleicht auch kontroverse Gespräche. Bis gleich!

Wie auf die Medien reagieren?

Diese Frage stellt sich auch Georg Keckl, Agrarstatistiker aus Hannover in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift top agrar. In seinem Leserbrief der Ausgabe 1/2015 schreibt er als Antwort (hier ist übrigens meine Antwort) auf den „Streitpunkt: Reden sie die Probleme nicht schön!“:

Leserbrief von Georg Keckl in top agrar 1/2015
Leserbrief von Georg Keckl in top agrar 1/2015

[…] Wie kommt die Landwirtschaft da raus? Probleme nicht schönreden, ist sicher richtig, wird den Bauern aber nicht gedankt. Über Blogs etc. gibt es eine Möglichkeit, die Fakten richtig zu schildern und mögliche Schwindeleien der NGOs aufzudecken. Die Glaubwürdigkeit der Kritiker schwindet mit jedem aufgedeckten Schwindel. […]

Als ich diesen Leserbrief gelesen habe, dachte ich mir sofort, dass ich den hier bloggen werde. Denn das ist es ja, was ich seit fast 4 Jahren immer wieder versuche: Neue Fakten und eine andere Sichtweise in die Diskussion um die einseitige Berichterstattung vieler landwirtschaftlicher Themen hineinzubringen.

Eine große Herausforderung, weil die Beschaffung von Fakten und deren richtige Einordnung sehr zeitaufwendig ist. Das führt bei mir dazu, dass ich schon mal viele Stunden und auch mal Tage über einen einzigen Blogartikel brüte. Ich habe mich in der Vergangenheit bereits des öfteren bei Georg Keckls Faktensammlung bedient. Doch jetzt hat der Agrarstatistiker ein etwas größeres Werk veröffentlicht:

Der Anti-Fleischatlas

Dazu gibt Keckl folgende Erklärung ab:

Das „Anti“ im Titel bezieht sich auf die Fleischatlanten von Heinrich-Böll-Stiftung, BUND und Le Monde Diplomatique, nicht auf das Fleisch. Aus dem Fleisch-Bashing in den Fleischatlanten soll hier kein Fleischatlas-Bashing werden. Es geht um eine Kritik an den manchmal autistischen Sichtweisen vieler Fleischgegner auf den Themenbereich. Insbesondere wenn diese Werke in den Schulen besprochen werden, besteht auch so was wie ein gemeinnütziger Bildungsauftrag, eine andere Sicht zu zeigen, damit es nicht einseitig wird. Ein eifriger Teil der Lehrerschaft folgt, wie so oft in der deutschen Geschichte, einer Modeideologie, verwechselt wieder Mission mit Bildung.

Dieses Werk verdient große Aufmerksamkeit und kann hier als .pdf-Datei kostenlos herunter geladen werden. Die im Anti-Fleischatlas zusammengetragenen Fakten werden nicht nur mir, sondern auch anderen Bloggern ein große Hilfe sein. Danke!