Was soll das?? Was soll „WIR machen Euch SATT !“ ?

von 2014 (c) BUND
von 2014 (c) BUND

Bereits die letzten vier „Wir haben es satt“ – Demos (whes) haben mich enttäuscht und auch verletzt. In direkten Kontakten zu Berufskollegen habe ich festgestellt, dass auch diese sich von diesen Demos sich getroffen fühlen, aber mehr ist trotz aller Diskussion   nicht geschehen. Schulter-Zucken war die Reaktion der letzten Jahre, vielleicht auch mit der Hoffnung verknüpft, dass man diese Proteste aussitzen kann. Letzlich war
Hilflosigkeit angesagt. Doch in 2014 haben sich viele aktive Landwirte viel besser vernetzt. Es gab neben unzähligen Online-Treffen auch Treffen im sogenannten Real-life.

Jetzt in diesem Jahr 2015 haben sich wenige, aber gut vernetzte Landwirte aus dem ganzen Bundesgebiet gefunden und stellen einen Kontrapunkt zur großen Demo gegen die Landwirtschaft auf die Beine. Alles unheimlich kurzfristig und spontan.
Aber anscheinend gefällt dieses Vorhaben den Organisatoren der „Wir haben es satt“- Demo gar nicht, dass nun echte Bauern zu einer Demonstration mit dem Motto „WIR machen Euch SATT!“ (Hashtag #wirmacheneuchsatt) aufrufen. Die Diskussion in den diversen Foren wurde spürbar härter.
Heute wurde ich von SpiegelOnline überrascht, dass verdeckte Blogger (ich etwa auch??) im Lobby-Auftrag des DBV unterwegs wären? So viel Phantasie werde ich mit gesunden landwirtschaftlichen Produkten wohl nie erlangen… Deshalb für alle: Ich betreibe dieses Blog zu meinem reinen Privatvergnügen. Ich bestimme die Themen, die hier gebloggt werden und auch die Inhalte- und sonst niemand!
Aber nun komme ich zum Kern dieses Beitrages:
Alle, die heute bei der „Wir haben es satt“- Demo gegen die breite deutsche Landwirtschaft mitmarschieren wollen, die sollten sich mal bewusst machen, mit wem sie so durch Berlins Straßen laufen.
Dabei ist es mir eigentlich schnurz egal, ob eine Heinrich-Böll-Stiftung gegen die deutschen Bauern demonstriert. Die verdrehen gerne Fakten wie im „Fleisch-Atlas“ oder im aktuellen „Boden-Atlas„. Aber das stört mich weiter nicht: Sie waren für mich irrelevant und haben sich dazu noch wissenschaftlich disqualifiziert. Auch die Teilnahmen von BUND und NABU sind nicht wirklich überraschend. Nicht umsonst werden beide Organisationen sich mit der radikalen PeTa zusammen getan haben (Link).
Zugegeben, das trifft mich eigentlich doch, weil ich zumindest mit Leuten der NABU-Basis auf meinem Hof in Naturschutzfragen gut zusammengearbeitet habe. Ich habe große Freude an Turmfalken, Steinkäuzen, Schleiereulen, Fledermäusen, Schwalben, Spatzen und…. Aber es gibt anscheinend großen Spendenbedarf, dass man das harmonische Zusammenspiel mit den Landwirten vor Ort aufs Spiel setzt! Mich ärgert das schon seit Jahren!! „Whes“ wird auf Kosten der Naturschützer vor Ort durchgeführt.
Ein wirklich großes Ärgernis ist für mich als Katholik (und dazu werde ich wohl noch intensiver in diesem Blog Stellung beziehen müssen), dass auch Misereor „es satt hat“ und gegen die heimischen, in meiner Region eher klein-strukturierten, aber durchaus erfolgreichen Betriebe auf die Straße geht und gegen sie demonstriert. Misereor beschwichtigt. Doch um nur gegen die europäische Agrarpolitik- die plötzlich der Hauptgegner zu sein scheint- zu protestieren, muss man nicht mit Whes marschieren. Ich fühle mich in meiner Ehre zutiefst verletzt!
Es wird in der kommenden Woche einen weiteren Blogartikel geben, denn die Zeit ist für mich zu weit voran geschritten.

Aber jeder und erst recht jeder Landwirt, der heute mittag bei „Wir haben es satt“ mitlaufen wird, der solle sich vor Augen halten, mit wem er mitläuft:

1. Animal Peace:

Snapshot vom Facebookauftritt von animal-Peace in 2015
Snapshot vom Facebookauftritt von animal-Peace in 2015

Menschen-verachtender geht es kaum. Ob alle Aussagen als feie Meinungsäußerung in unserer Demokratie durchgehen können? Mir kommen als Bullenmäster jedenfalls bei diesen Worten die Tränen… 🙁 – aber lest selbst:

Snapshot bei Animal-Peace (facebook) in 2015
Snapshot bei Animal-Peace (facebook) in 2015

2. Bund für vegane Lebensweise:

gefunden auf der Facebookseite von Bund für vegane lebensweise
gefunden auf der Facebookseite von Bund für vegane lebensweise

Die dort organisierten Veganer wollen sich also radikalen Tierbefreiern in dem Demonstrationszug anschließen. Rechtsstaatlichkeit ist dort vermutlich nicht das höchste Ziel…

3. VEBU

(c) VEBU 2014
(c) VEBU 2014

Nicht so extremistisch, aber Tierhaltung wird abgelehnt- egal ob bio oder konventionell…

4. deutsches Tierschutzbüro

(c) dt. Tierschutzbüro
(c) dt. Tierschutzbüro

Zugegeben: jemand, der sich mit Vegetarier- bzw. Veganer-Bünden nicht beschäftigt hat, der wundert sich, wie viele unterschiedliche Organisationen es doch so gibt. So lange es genügend Dumme gibt, wird  auch die Anzahl dieser vermeintlichen Gutmenschen, die sich in Vereinigungen und Vereinen organisieren wollen, nicht zurückgehen.

5. PeTA

(c) facebook-Auftritt von PeTA
(c) facebook-Auftritt von PeTA

Ok, PeTA ist keine der offiziellen Organisatoren und ruft auch nicht selber zur Demo gegen die Bauern auf. ABER bitte vergesst nicht, dass BUND, NABU und PeTA eine Zusammenarbeit vereinbart haben. Vermutlich um die Spendeneingänge zu optimieren…. Ein typisches Win-Win-Win-Verhältnis auf Kosten der Bauern!

Ich habe den Eindruck, dass alle, die bei „Wir haben es satt“ mitgehen, sich in irgendeiner weise auf kosten der allermeisten Bauern profilieren wollen. Sie alle reden über und Bauern, aber nicht mit uns!wirmacheneuchsatt_2

Ich mache mich nun auf zur „WIR machen Euch SATT!“- Demo. Ich freue mich auf viele nette und vielleicht auch kontroverse Gespräche. Bis gleich!

12 Gedanken zu „Was soll das?? Was soll „WIR machen Euch SATT !“ ?

  1. Und nicht zu vergessen: das einfachste ist immer die Wahrheit: der ganz überwiegende Anteil der Vereine und Verbände macht tatsächlich niemanden satt!! Da gibt es keine BUND-Beispielbetriebe, mit besonders guten Lebensmitteln protzt auch Foodwatch nicht, und diejenigen, die sich angeblich für die vegane heile Welt einsetzen, leben auch nur „von ganz normalen Bauern“! Es wird wirklich Zeit, daß diese Bauern sich zu Wort melden!

    Bis gleich!!

  2. Danke Bernhard,

    sehr treffend wieder gegeben.
    Der Spiegelvorwurf ist echt das Letzte.
    Scheinbar halten diese Leute es echt für undenkbar, dass Landwirte selbst als Blogger sich selbst äußern können. Das ist das wahre Steinzeitdenken in den Redaktionen.

    Alois

  3. Ich glaube, keiner dieser besserwissenden Hinterherläufer hat je ein Tischgebet oder einen Dank für das tägliche Essen über die Lippen gebracht. Wie auch, sie haben noch nie gesehen, wie Nahrungsmittel heranwachsen, Tier und Pflanze! Es treibt die Menschen eine notorische Unzufriedenheit. Wer selbst noch nie etwas erschaffen hat, der kann die Gefühle eines Landwirts nicht nachvollziehen. Es scheint der Neid der Ahnungslosen zu sein.

  4. Danke, aber ich würd nicht sagen, dass Miserior beschwichtigt. Der Artikel der Referentin begründet die Teilnahme vielmehr mit der GAP, was mir legitim erscheint.

    „„Wir haben es satt!“ – wir sind Bäuerinnen und Bauern, konventionell und bio, gemüseanbauend und tierhaltend; wir sind NaturschützerInnen und TierschützerInnen, Akive aus der Entwicklungszusammenarbeit, Erwerbsloseninitiativen und kritische VerbraucherInnen; wir sind FleischesserInnen, VegetarierInnen und VeganerInnen. Wir sind ein breites gesellschaftliches Bündnis!“

    Und als Beispiele werden hier im Artikel Extremisten rausgezogen, bzw. fundamentalistische Veganer, welche nur ein Teil der Veganer sind (Die kann man auch nicht über einen Kamm scheeren). Finde es aber gut, dass sich jetzt die Landwirte mit einklinken, und damit mehr fachliche Basis Einzug erhält

  5. Hallo zusammen,

    ich laufe regelmäßig bei whes mit, weil ich artgerechte Tierhaltung und ökologische und gesunde Landwirtschaft (für Produzent und Konsument) unterstützen möchte. Ich versuche mich zu informieren, bin also das was man vielleicht eine kritische Konsumentin nennen würde. Nicht mehr und nicht weniger.
    Also ich von wmes erfahren habe, war ich sehr überrascht, dass eine whes-Demo bei euch als Expert*innen auf solchen Widerstand stoßen kann. Ich finde das sehr interessant und würde mit mehr mit euch reden, statt über euch. Allerdings ist mir leider noch nicht so ganz klar, was genau das Problem ist. Sorry, wenn ich das noch nicht gecheckt habt. In meinem Verständnis geht es bei whes doch um eine Verbesserung der Situation in der Landwirtschaft und nicht prinzipiell dagegen!? Dass es unter den Teilnehmer*innen auch Menschen mit radikalen Ansichten gibt kann ich ja leider nicht verhindern. Das würde mich sonst an der Teilnahme von so ziehmlich jeder Demo abhalten. Ich denke, die meisten Teilnehmer*innen haben eine ähnliche Sicht und sind weit weg von radikalen Sichtweisen.
    Vielleicht hat jemand noch ein paar weiterführende Links für mich zum Thema? Oder hat den Nerv für eine weitere Erklärung?
    Besten Dank und viele Grüße, Katha

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