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Stallbesuch im High-Tech-Land

Eritreische Flüchtlinge besuchen emsländischen Bauernhof

von Dr. Andreas Eiynck*

An diesem leicht verregneten Herbsttag fühlen sich die Legehennen im Betrieb Busmann in Rottum bei Lingen sichtlich wohl. Sie machen reichlich Gebrauch von den ausgedehnten Auslaufflächen, die zudem attraktiv bepflanzt sind und von weitem wie eine Parklandschaft wirken.

Das finden jedenfalls Natsnet Okbeab und Zekarias Weldegebriel aus Eritrea. Vor zwei Jahren fand das Flüchtlingsehepaar Aufnahme in Lingen und besucht heute zum ersten Mal einen emsländischen Bauernhof. Bäuerin Steffi Busmann haben sie bei der Volkshochschule kennengelernt und so wurde spontan ein Stallbesuch verabredet. Mit dabei ist auch ihr Nachbar, Dr. Andreas Eiynck vom Emslandmuseum, mit seiner Tochter Julia. Stallbesuch im High-Tech-Land weiterlesen

Ernährungssicherheit: zurück in die Zukunft?

Vor ziemlich genau 100 Jahren dominierten Schlagzeilen die Lokalpresse im Raum Lingen (Emsland), die heute kaum vorstellbar sind und hoffentlich nie wieder aktuell werden. Aber vielleicht müssen wir gelegentlich zurückblicken, um etwas klarer nach vorne zu schauen und die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Die aktuellen Berichte über die Empfehlung von Hamsterkäufen und Bauernhof-Beschlagnahmungen für künftige Krisenszenarien bekommen so einen historischen Hintergrund:

Ich zitiere hier einige Meldungen des Monats August 1916 der Lingener Lokalzeitungen:

(c) Stadtarchiv Lingen
(c) Stadtarchiv Lingen

5. August: „Die Brennessel ist der bedeutendste inländische Ersatz für die uns fehlende Baumwolle. (…) Ich bitte deswegen, die Grundbesitzer des Kreises, sämtliche auf ihren Grundstücken vorkommenden und zu Spinnzwecken geeigneten Brennesseln zu sammeln (…). Für (…) getrocknete Brennesselstengel zahle ich (…) 6 ½ Pfennig pro Pfund. (…) Godfried Kercckhoff.“ (LV)

9. Aug: „Der Stadtgemeinde Lingen wird die Regelung des Verbrauchs für den Stadtbezirk übertragen. (…) Die Entnahme von Brot und Mehl in der Stadt Lingen ist nur den Einwohnern der Landgemeinden Altenlingen, Brögbern, Brockhausen, Darme, Elbergen, Estringen, Holthausen und Laxten (…) gestattet. Für den Kreis ist eine Mehlverteilungsstelle (…) (A. Klukkert in Lingen) errichtet. (…) Auf Wunsch erhält jeder Brotkartenempfänger zu Reisen außerhalb des Kreises bis zu 3 Wochen Dauer Reisebrothefte.“ (LV)

12. August: „Der Kaninchenzuchtverein für Lingen und Umgebung veranstaltet am Sonntag, den 20. August d.J. seine 3. lokale Ausstellung im Gartenlokal des Herrn Bergen. (…) Trägt doch die Kaninchenhaltung dazu bei, den jetzt herrschenden Mangel an wohlschmeckendem Fleisch und Fett abzuhelfen. Wenn auch die Kaninchenhaltung in letzter Zeit einen großen Aufschwung genommen hat, so soll doch die Ausstellung dazu beitragen, immer mehr Liebhaber für die Zucht zu gewinnen.“ (LV) Ernährungssicherheit: zurück in die Zukunft? weiterlesen

MEYER MUSS WEG

Hannover (VEL). “Meyer muss weg” – so lautete wohl das inoffizielle Motto der großen Kundgebung in Hannover, zu der rund 500 Landwirte aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim angereist waren. Fast 100 Landwirte fuhren sogar mit dem Schlepper vors Landwirtschaftsministerium, um den niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer zu mehrn Dialogbereitschaft innerhalb der aktuellen Agrarpolitik aufzurufen. Denn dieser hinterlässt zurzeit vor allem eines: einen großen Scherbenhaufen. Dieser wurde dann auch symbolisch mit zerschlagenem Porzellan vorm Ministerium abgelegt.
Mit dem Schlachtruf “Meyer muss weg” zogen 4000 Landwirte aus ganz Niedersachsen in Begleitung der Traktoren zuerst zum hannoverschen Landwirtschaftsministerium und dann zum Steintorplatz. Diese Beteiligung übertraf alle Erwartungen und zeigt nach Angaben von Werner Hilse, Präsident des niedersächsischen Landvolkes, wie groß die derzeitige Unzufriedenheit der Landwirte mit ihrem Landwirtschaftsminister ist. Sie wünschen sich, getreu dem offiziellen Motto, eine “Perspektive statt Agrarwende”. Oft werde vergessen, dass die Landwirtschaft der zweitwichtigste Wirtschaftszweig in Niedersachsen ist. “Wir kämpfen gemeinsam für eine Perspektive auf unseren Höfen”, versprach Hilse. Das Besondere in der Landwirtschaft sei zudem, dass Familien auf den Höfen gemeinsam leben und arbeiten.

Erntedank 2014

Der offizielle Erntedanktag Anfang Oktober liegt noch vor uns, aber ich möchte bereits jetzt kurz bilanzieren:

das Resultat ist prächtig!

Für mich ist die Getreide- und Rapsernte bereits seit knapp sechs Wochen erledigt. Die Erträge waren beim Getreide wirklich sehr gut und beim Raps kann von einer guten Ernte gesprochen werden. Insgesamt wurde in diesem Jahr allgemein eine sehr gute Ernte eingefahren, so dass in der Folge aufgrund des erhöhten Angebots die Erlöse pro dt Getreide deutlich unter dem Vorjahresniveau lagen. Für reine Ackerbaubetriebe eine schlechte Nachricht- für unseren Familienbetrieb mit Viehhaltung bedeutet das allerdings eine sehr gute und günstige Futtergrundlage für das Vieh. Wir werden weniger Futtergetreide zukaufen müssen und haben bereits Futter für ein Jahr vorgekauft, weil das Preisniveau uns so günstig erscheint.

Ein Geschäft, das übrigens ohne Warenterminbörsen kaum möglich wäre. Aber dieses Thema möchte ich jetzt nicht weiter ausbreiten…

Hier im Emsland und in der Grafschaft Bentheim gibt es also viele Gründe, für die insgesamt gute Ernte zu danken. Ausgedrückt wird dieser Dank in der Regel mit einer Erntedankmesse und einem anschließenden zünftigen Erntedankfest bei dem eine Erntekrone zur Schau gestellt wird.

Eine solche Erntekrone haben die Landfrauen aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim Ende August bei uns in der Scheune gebunden.

namen
von links: Ulrike Brokamp, Marlies Schoo, Annegret Nögel, Johanne Kampert, Anni Barkmann, Agnes Rösing, Maria Hermeling, Frieda Wolbert, Elisabeth Schiedergers

Diese Erntekrone wird übrigens am 22. September in Hannover dem niedersächsischem Landwirtschaftsminister Christian Meyer überreicht. Den Landfrauen erwartet an diesem Tag ein interessantes Programm in der Landeshauptstadt.

Nur wenige Kilometer südlich hatten die Landwirte um Münster herum aber wegen des umfangreichen und regelmäßigen Regens äußerst schlechte Erntebedingungen. Viel zu oft kam der Regen der Erntearbeit in die Quere und wenn das Getreide eigentlich trocken genug war, dann waren viele Böden einfach nicht befahrbar. Von der Strasse aus lassen sich die Spuren vieler „Schlammschlachten“ besichtigen.

Auch der WDR hat Marcus Holtkötter alias“Bauer Holti“ bei der erschwerten Ernte begleitet und einen 14-minütigen Film gedreht:


Angesichts dieser nervenaufreibenden Ernte im Münsterland kann man wirklich froh und dankbar sein, dass man es selber viel besser erwischt hat.
Bleibt nun noch ein Ausblick auf die für unsere Region wichtige Maisernte:
Auch der Mais wird hohe Erträge bringen. Gerade auf den leichten Standorten steht dieser sehr, sehr gut. Wenn die Flächen zur Ernte befahrbar sein werden, kann auch bei dieser Frucht eine gute Ernte eingefahren werden. Aber dazu dann zu gegebener Zeit mehr…