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ARIWA reagiert auf Bauernkindermobbing

Die Tierrechtsorganisation Animal Rights Wartch (ARIWA) wirft Agrarverbänden die Instrumentalisierung des Mobbings an Bauernkinder vor. Doch nicht nur Sönke Hauschild (bauern.sh) fragt sich daraufhin:

Wer mißbraucht hier wen?

Screenshot von der Facebookseite des Bauernverbandes Schleswig-Holstein
Screenshot von bauern.sh

Der Tierrechtsverein ARIWA meint, Landwirte würden ihre Kinder instrumentalisieren, indem sie das Thema Mobbing nach vorne spielen. Das lassen wir nicht auf uns sitzen! Was ARIWA hier macht, ist nur eine subtilere Form des Mobbing, mehr nicht.

Unsere Kinder sind keine Machtmittel oder irgend etwas in diese Richtung! Auch nicht für diesen Verein, der in unsere Ställe einsteigen lässt.

Wer der Meinung von ARIWA ist, sollte sich folgenden Film zu Gemüte führen: ARIWA reagiert auf Bauernkindermobbing weiterlesen

#Güllestorm

von agrarblogger.de
von agrarblogger.de

Ich kannte bisher einen Shitstorm (–> z.B. Wiesenhof) oder einen Candystorm (z.B. für die  ehemalige Frontfrau der B90/Grünen Claudia Roth), aber spätestes ab jetzt gibt es auch den #Güllestorm.
Diesen Begriff hat die Redaktion der Wissenschaftssendung Quarks&Co (WDR) geprägt, nachdem eine Fülle von Protestmeldungen vor allem aus der Landwirtschaft als Reaktion eines vorab veröffentlichen Videos auf die Mitarbeiter des WDR einprasselte.

Auf der Seite Agrarblogger.de wird dieser Güllestorm, aber auch die Richtigstellung eindrucksvoll beschrieben. Kurzum: Das vorab veröffentliche Video „Wirtschaftssimulator: Das Rind“ lässt jeden wissenschaftlichen Ansatz vermissen und ist das Produkt einer öko-veganen Ideologie.

Dieses unausgewogene Video rief viele Proteste hervor.

Die Bauern und die Freunde der bauern und die Funktionäre
Die Bauern und die Freunde der Bauern und die Funktionäre

Quarks & Co. ging anfangs von „ein paar Bauern, Freunde von Bauern, Freunde von Freunden von Bauern und Bauernfunktionären “ aus.  Vielleicht denken sie noch immer so, aber ein wenig Wirkung haben die Argumente dann doch gezeigt. Die Proteste und vor allem die Argumente und Fakten zeigten Wirkung, denn das Vorab-Video wurde leicht geändert. Ganz genau lässt sich das wiederum auf Agrarblogger.de nachvollziehen, deren Blogger von Anfang an bei diesem Thema am Ball waren!

Ich frage mich, was bleibt nach dieser Sendung, die gestern Abend ausgestrahlt wurde, hängen?

1. Quarks & Co würde ich nicht mehr als wissenschaftlich bezeichnen. Diese Sendung ist anscheinend irgendwo im Infotainment-Sektor beheimatet und wird sich wohl eher mit Sendungen des Zeitgeists wie „Galileo“ messen wollen. Was für mich eigentlich kein Problem sein sollte, wenn Quarks & Co nicht selber einen hohen wissenschaftlichen Standard proklamieren würde. Die Sendung von Quarks & Co „Pfusch in der Wissenschaft“ sollte jedem nach der gestrigen Sendung nachdenklich machen…

2. Um die im Kontext falschen Informationen wieder auszubügeln, bedarf es für jeden Fernsehzuschauer ein Vielfaches an Zeit, die erzeugten (Vor-)Urteile zu widerlegen. Das Image der (deutschen) Landwirtschaft dürfte weiter gelitten haben.

3. Diskussionen während eines Shitstorms bzw. Güllestorms arten gewöhnlich aus. Mit Fakten kann man nicht bzw. kaum gewinnen.

4. Gowin´s Law gilt! In diesem Fall wurden in der „Diskussion“ bzw. bei den „Kommentaren“ sogar nicht nur Nazi-Vergleiche gezogen, auch so abstruse Vorwürfe wie Sodomie und Ökoterror sind hier gefallen. Anonymität killt wohl auch die Netiquette, leider.

Weiterführende Informationen:

 

Shitstorm gegen Werder Bremen

Fotomontage von Bild.de mit Gebre Selassie, Werder Bremen
Fotomontage von Bild.de mit Gebre Selassie, Werder Bremen

Die gestrige BILD-Schlagzeile „Hühner-Brust – Geflügel-Hersteller Wiesenhof neuer Werder-Trikotsponsor“ löste eine große Empörungswelle (neudeutsch auch Shitstorm genannt) im Internet aus.

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia definiert einen Shitstorm wie folgt:

Shitstorm [ˈʃɪtstɔːm], (englischshitstorm „Empörungswelle“) bezeichnet in der deutschen Sprache ein Internet-Phänomen, bei dem massenhafte öffentliche Entrüstung sachliche Kritik mit zahlreichen unsachlichen Beiträgen vermischt. Der Duden definiert einen Shitstorm als „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“.[1] Ein typischer Shitstorm umfasst unter anderem „Blogbeiträge oder -kommentare, Twitternachrichten oder Facebook-Meldungen“.[2] Dabei richtet sich „eine subjektiv große Anzahl von kritischen Äußerungen […], von denen sich zumindest ein Teil vom ursprünglichen Thema ablöst und [die] stattdessen aggressiv, beleidigend, bedrohend oder anders attackierend geführt [werden]“[3], gegen Unternehmen, Institutionen, Einzelpersonen oder in der Öffentlichkeit aktive Personengruppen, etwa Parteien oder Verbände. Der Begriff wurde zum Anglizismus des Jahres 2011 gewählt.[4]

Wiesenhof ist bei vielen Fußballfans offensichtlich sehr umstritten. Negative Berichterstattungen wie die ARD-Reportage „Das System Wiesenhof“ (mein Bericht über die einseitige Reportage gibt es hier: Link) und zahlreiche Artikel in Printmedien führten offensichtlich zu einem schlechten Image der Firma Wiesenhof bei vielen Fans, die sich nun um das bisher so gute Image des Clubs Werder Bremen machen.

Werder_Umfrage
Umfrage im Werder-Forum (c) forum.werder.de

Kurz nach der Veröffentlichung der BILD-Meldung kam es in vielen Foren, z.B. im offiziellen Werder-Forum, im Fanforum Worum.org und auf der Platform von transfermarkt.de zu unzähligen Einträgen, die jegliche Sachlichkeit vermissen lassen. Zur Untermauerung der negativen Thesen wurden u.a. immer wieder Videos der Tierschutzorganisation PETA angeführt. Dort sind Kommentare wie

„ihr wixer ihr schweine. mit tieren schwachen das machen quälen. ihr wixer genau das was ihr mit den tieren macht sollte man mit euch machen eure arme beine brechen euch würgen einsperren. ihr bastarde ihr hurensöhne!!“

oder

„Alles was bei Wiesenhof Verantwortung trägt, gehört ohne Anhörug erschossen. Umgehend !!!“

zu lesen. Anscheinend beteiligen sich gerade die Fanatiker sehr aktiv an diesem Shitstorm. Auch auffällig, dass plötzlich die Mehrheit entweder kein Fleisch ist oder nur beim Biobauern direkt einkauft. Die Diskrepanz zwischen Reden und Handeln ist ja nicht erst seit gestern bei deutschen Verbrauchern sehr groß- das ist bei Fußballfans nicht anders. Der Marktanteil von Bioprodukten in Deutschland beträgt ca. 5 Prozent.

Jetzt- einen Tag später – tauchen vermehrt auch sachliche und abwiegende Beiträge auf. Zumindest gestern wurden andere Meinungen quasi übergebügelt, eine wirkliche Diskussion war unmöglich.

Gefällt mir - Button

Neben dem Aufschrei in den Foren wurde auch eine Facebook-Gruppe gegen Wiesenhof als Sponsor bei Werder Bremen gegründet. Über 7000 Facebook-Nutzer haben sich dieser Initiative mit dem Untertitel „100% Werder – 0% Tierquäler“ per „Gefällt mir“-Klick in kürzester Zeit angeschlossen.

Auch die kritischen Vereine und Initiativen nutzen den Schwung dieser Empörungswelle und bringen ihre Positionen noch einmal in Stellung und drängen den Bundesligisten, vom Trikotsponsor Wiesenhof Abstand zu nehmen:

PETA:Sollte Werder Bremen den Deal bestätigen, werden die Tierfreunde unter den Fans dem Verein die rote Karte zeigen“, so Dr. Edmund Haferbeck, Agrarwissenschaftler und juristischer Berater bei PETA.

Bürgerinitiativen gegen Massentierhaltung:Netzwerk-Sprecher Michael Hettwer verwies auf die Qualzucht und die schlimmen Verhältnisse in der agrarindustriellen Hähnchenmast, bei der 20 Tiere auf einem Quadratmeter zusammengedrängt würden und bei der Haltung auf dem eigenem Kot schmerzhafte Verletzungen davontrügen. Im Einzugsgebiet von Werder Bremen engagierten sich auch viele Werder-Fans gegen die Belastung durch bedrohliche Keime und Emissionen aus Agrarfabriken – diese würden einen solchen Schritt ihres Vereins absolut nicht gutheißen und sogar Proteste in der laufenden Saison nicht ausschließen.

Bauernhöfe statt Agrarfabriken:Die im niedersächsischen „Landesnetzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ zusammengeschlossenen Bürgerinitiativen haben die Verantwortlichen von Werder Bremen dringlich aufgefordert, von der geplanten Trikot-Werbung für den „Wiesenhof“-Geflügelkonzern Abstand zu nehmen.

Ich finde die Reaktionen völlig überzogen. Hier wird skandalisiert und beschimpft. Es wird deutlich, dass ein Dialog zwischen den extremen Positionen kaum möglich ist. Der König Fußball und die Fanliebe sorgen bei diesem Thema noch zusätzlich für Emotionen, die von den Tierschutzorganisationen und Bürgerinitiativen bewusst geschürt werden.

Jeder Verbraucher hat die Möglichkeit, auf Bio-Produkte auszuweichen bzw. kein oder weniger Fleisch zu verzehren. Gibt es für die Bruzzler und Hähnchen in Deutschland keinen Markt mehr, so wird auch automatisch die Produktion hierzulande deutlich sinken. Umgekehrt aber, wenn kein Hähnchen mehr in Deutschland erzeugt wird, werden die günstigen Fleischprodukte aus dem europäischem Ausland und Übersee importiert- beim  Tierschutz wäre man eher einen Schritt rückwärts gegangen.