Unsauberer Journalismus bei Plusminus

Bericht über Hormon PMSG in der Sauenhaltung

Im gestrigen Fernsehbeitrag der Magazinsendung Plusminus in der ARD wurde über die Gewinnung des Hormons PMSG berichtet und dabei der Anschein erweckt, dieses Hormon würde in deutschen Sauenställen standardmäßig und flächendeckend eingesetzt.

Dieses trifft aber nicht zu! Darüber, wie groß die Rolle von PMSG in der aktuellen Praxis wirklich ist, hat der MDR bzw. Plusminus leider kein Wort verloren. In einer Schätzung von wir-sind-tierarzt.de waren es vor 5 Jahren ca. 33 Prozent.

Bedeutung von PMSG in der Sauenhaltung

Aber es wird noch unsauberer und ungeheuerlicher:
In einem emotionalen Facebook-Post hat Tierärztin und Sauenhalterin Nadine Henke sich deutlich von diesem Beitrag distanziert und beschwert. Hier ist der Wortlaut:

Liebes Team von PlusMinus,

wir müssen reden!

Gestern habt Ihr einen Beitrag über PMSG ausgestrahlt. PMSG, das ist „pregnant mare serum gonadotropin“, ein Hormon, was aus dem Blut tragender Stuten gewonnen wird.

Dieses Hormon kann dafür genutzt werden, die Brunst von Sauen zu synchronisieren. PMSG steht nicht erst seit gestern vollkommen zu Recht in der Kritik, denn die Gewinnung des Blutes erfolgt häufig genug unter wirklich widerlichen Umständen. Aber auch unter tierschutzkonformen Bedingungen finde ich es nicht richtig, tragenden Tieren diesen Stress anzutun. Ich würde nicht einmal einfache Blutproben bei unseren tragenden Sauen ziehen, wenn es nicht unbedingt notwendig wäre.

Wir haben uns auch schon in der Vergangenheit gegen den Einsatz dieses Hormon ausgesprochen, weil für uns der Tierschutzgedanke eine Herzensangelegenheit ist.

Umso erstaunter waren wir bei genauer Betrachtung des Berichtes. Nach dem Ansehen dieses Berichtes meint man ja, dass kein Ferkel geboren wird, ohne dass die Sau dieses Hormon verabreicht bekommen hat. Geschockt waren wir, als zur Untermauerung dieser Aussage, Bilder von Ferkeln gezeigt wurden, die uns doch sehr bekannt vorkamen. Denn diese stammen aus unserem Betrieb. Nur keines dieser gezeigten Ferkel ist durch die Gabe von PMSG entstanden, da wir kein PMSG einsetzen.

Ich stelle mir ja immer wieder die Frage, ob es bei Journalisten keinen Berufsethos gibt?! Ich finde es absolut erbärmlich, dass Bilder, die in unserem Betrieb gedreht wurden und mit einem Sperrvermerk versehen sind, einfach so (ohne jede Freigabe) für einen solch reißerischen Beitrag genommen werden.

Ich bin absolut enttäuscht darüber, dass in diesem Beitrag sogar Ohrmarken mit unserer Betriebsnummer zu erkennen sind – wie gesagt, die Tiere, die dort gezeigt werden, haben nun wirklich gar nichts mit PMSG zu tun, da wir das überhaupt nicht einsetzen. Deshalb können wir hier nur noch einmal betonen:

An den Ferkeln, die in dem Beitrag gezeigt werden, klebt sicher kein Blut tragender Stuten aus Island.

In der Schule würde man sagen – setzen, sechs. Vielen Dank für nichts!


Gequälte Stuten und das Hormon PMSG – Hintergründe zu Medienberichten (Wir-sind-Tierarzt, 2017)

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