Archiv der Kategorie: Medienkritik

Propaganda und Zensur bei Quarks

Einseitiger Filmbeitrag des Wissenschafts-Magazins

auf Facebook sorgt für Ärger

Was ist passiert? Es geht um diesen kurzen Film, der bei Facebook von Quarks veröffentlicht wurde:

In diesem Video wird suggeriert, wie einfach es ist, seine Weidetiere vor Wolfsrissen zu schützen.  Ein 1,2m hoher Zaun (im Video sind Schafsnetze zu sehen) mit Elektrodraht, diesen eingraben und dazu ein Herdenschutzhund und fertig ist der effektive Schutz vor dem Raubtier. Wenn es nur so einfach wär…

Propaganda? Ich meine Ja!

Kein Wort über die Probleme, die die betroffenen Tierhalter wirklich haben, kein Wort von einer anderen Sichtweise, nichts! Hier wird in meinen Augen versucht, die öffentliche Meinung in eine bestimmt Richtung zu lenken. Und das ist für mich Propaganda! Wikipedia sagt dazu:

Propaganda (von lateinisch propagare ‚weiter ausbreiten, ausbreiten, verbreiten‘) bezeichnet in seiner modernen Bedeutung die zielgerichteten Versuche, politische Meinungen und öffentliche Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und das Verhalten in eine vom Propagandisten oder Herrscher erwünschte Richtung zu steuern. Dies steht im Gegensatz zu pluralistischen und kritischen Sichtweisen, welche durch unterschiedliche Erfahrungen, Beobachtungen und Bewertungen sowie einen rationalen Diskurs geformt werden.

Leider kein Einzelfall

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CO2-Reduktion? Mir doch egal! Sprach die Republik und fuhr ihr Klima an die Wand.

Wir haben Dürre. An der Dürre ist der Klimawandel Schuld. Am Klimawandel ist die konventionelle Landwirtschaft Schuld. Und jetzt lassen sich die Bauern ihr fahrlässiges Handeln auch noch bezahlen.

Wer regelmäßig und viel Zeitung liest, Fernsehen schaut, Meme betrachtet, Diskussionen in den Sozialen Medien verfolgt, kann sich des Verdachts nicht erwehren: Medien, Politik und Öffentlichkeit haben wieder mal ihren heißgeliebten Sündenbock am Wickel – die konventionelle Landwirtschaft. Und mit Dr. Felix von Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), zudem ein Landwirt und Kollege. In einem Interview des ZDF-Morgenmagazins forderte er am 1. August, die Vergabe von Nothilfen an ökologische Auflagen zu knüpfen.

Warum es so hoch hergeht, erschließt sich mir nicht in einer Angelegenheit, in der man höchstens von einer Kollektivschuld reden kann. Wir alle haben es vermasselt (vorausgesetzt, es kommt wirklich so schlimm wie prophezeit). CO2-Reduktion? Mir doch egal! Sprach die Republik und fuhr ihr Klima an die Wand. weiterlesen

Detlef Flintz antwortet auf offenen Brief

Die Antwort von Herrn Flintz

Sie zeigt, dass wir in einigen Dingen aneinander vorbeireden.
Sie zeigt, dass er sich als Erzieher begreift.
Sie zeigt die Arroganz gegenüber demokratisch gewählten landwirtschaftlichen Interessenvertretern.
Sie lässt mich ratlos zurück, auch wenn es erfreulich ist, dass er geantwortet hat.

Bild vom Brief, den Detlef Flintz an Heike Müller geschrieben hat

Sehr geehrter Frau Dr. Müller,

vielen Dank für Ihre kritische Auseinandersetzung mit meinem Kommentar in den ARD-Tagesthemen vom 26. Juli und insbesondere dafür, dass es Ihnen gelungen ist, jene sachlich zu halten.
Lassen Sie mich zunächst festhalten, dass das von mir angesprochene Mitleid und die Anerkennung einer Leistung sich nicht ausschließen. Insofern zolle ich den Landwirten, die sich in einer ausgesprochen schwierigen Situation befinden, auch meinen Respekt.
Dennoch muss die Frage nach der Verantwortung für Ernteausfälle von zuge-geben dramatischem Ausmaß erlaubt sein. Und da bestätigen Sie, sehr geehrte Frau Dr. Müller, leider mein Bild einer Interessenvertreterin, die das eingetretene Drama für nahezu unvermeidlich hält – und die Notwendigkeit eines einschneidenden Wandels nicht sieht: Wenn Sie auf den aus Ihrer Sicht mit sieben Prozent niedrigen Anteil der Treibhausgas-Emissionen verweisen, soll ich dann daraus schlussfolgern, dass nur die für die Rettung des Klimas verantwortlich sind, die mehr emittieren? Und soll ich Ihre Erwähnung der Quelle – Pressemeldung Umweltbundesamt – als eine Art „Freispruch“ werten? Letzteres tue ich natürlich nicht, denn schon in einem nur wenig ausführlicheren Text erläutert dieselbe Behörde: „Die Möglichkeiten zur Senkung der Emissionen sind vielfältig und werden in unterschiedlichen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion wirksam. Neben Maßnahmen der Stickstoffeffizienz (gleicher Ertrag mit weniger Einsatz…bieten sich erhebliche Potenziale im Düngemanagement und in der Pflanzen- und Tierproduktion.“ Sie sehen, Journalisten lesen nicht nur Pressemitteilungen…

Ich kann Ihnen versichern: In den zahlreichen kritischen Reaktionen auf meinen Kommentar habe ich den Hinweis auf die „nur sieben Prozent“ nicht nur einmal vernommen, und fast immer verbunden mit einer fehlenden Bereitschaft zur Veränderung. Darüber wiederum muss man sich nicht wundern, wenn auch die Bauernspitze die entsprechende Notwendigkeit nicht sieht und demzufolge auch nicht propagiert.
Einverstanden bin ich mit dem Slogan „Evolution statt Revolution“. Allerdings haben wir beide offenbar nicht dasselbe Verständnis vom Entwicklungstempo. Die von Ihnen angesprochene Düngeverordnung mag als gutes Beispiel gelten: Zunächst wurde die Absicht einer Novellierung von vielen Bauernvertretern skeptisch beäugt, nach deren Verabschiedung in 2017 kam dann die Kritik (und zwar nicht nur an dem angeblichen zusätzlichen Bürokratieaufwand, sondern auch an den Beschränkungen der Düngung, so etwa von Ihren thüringischen Kollegen) – und jetzt ist es ausgerechnet diese Düngeverordnung, die herhalten muss als Bollwerk gegen das jüngste EuGH-Urteil und damit verbundene Forderungen nach weiteren Maßnahmen zum Gewässerschutz. Man kann es auch so formulieren: soviel Evolution wie (aufgrund des gesellschaftlichen Drucks) gerade nötig und nicht soviel wie möglich.
Diese Haltung, das Mögliche möglich zu machen, benötigen wir aber meines Erachtens. Und dafür muss man die Landwirtschaft nicht auf den Kopf stellen –auch wenn Sie meinen Kommentar so ausgelegt wissen wollen: Nur Öko-Landwirtschaft? Habe ich nicht gefordert. Und sonst helfen nur noch Hofläden und Ferienwohnungen? Habe ich nicht behauptet. Ich habe sie nur als Beispiele genutzt für Diversifizierung – und für unternehmerische Phantasie. So wie sie beispielsweise auch ein Weseler Landwirt hat, über den ich zufällig am Wochenende las, dass er nunmehr Hausboote auf einem nahegelegenen See vermietet. Den Bauernhof behält er demnach trotzdem, nur von der Milchwirtschaft hat er sich getrennt.
Sie zeigen sich solcher Diversifizierung gegenüber skeptisch und schreiben von Spezialisierung als einem ökonomischen Gesetz. Abgesehen davon, dass ich kein Freund von solchen Allgemeinplätzen bin: In jedem Fall gehört zu den ökonomischen Gesetzen, dass Unternehmen vom Markt verschwinden, wenn die Spezialisierung nicht funktioniert hat. Sie aber predigen die Spezialisierung und wenn es dann mal nicht klappt, soll der Staat herhalten – wenn ich Sie richtig verstanden habe.
Um den Bogen zurück zur Düngeverordnung – und dem zugrundeliegenden Problem des Gülleüberschusses und damit verbundener unvertretbar hoher Nitratwerte im Grundwasser vieler Regionen – zu schlagen: Ein erster evolutio-närer Schritt wäre für mich die Erkenntnis, dass es volkswirtschaftlich und um-weltpolitisch keinen Sinn macht, in einem Bundesland wie NRW mit seiner hohen Bevölkerungsdichte Hochburgen der Viehzucht zu haben, wenn der Export von Gülle wer weiß wohin erfolgen muss – weil die heimischen Flächen schon überdüngt sind. Der zweite Schritt wäre für mich, sich nicht darauf auszuruhen, dass die Düngeverordnung erst in vielen Jahren Ergebnisse zeitigen kann – sondern zur Kenntnis zu nehmen, dass viele Experten der Düngeverordnung ein Scheitern voraussagen (und wir in vielen Jahren wieder bei Null anfangen). Evolution wäre also für mich, schon jetzt darauf hinzuarbeiten, weniger Fleisch mit höherer Qualität zu besseren Preisen zu produzieren – was nicht nur in Richtung einer umweltfreundlicheren Kreislaufwirtschaft ginge und die Nitratwerte gewiss senken würde, sondern auch positive Ernährungseffekte hätte.
Ich ahne es, Sie vermuten in mir wieder einen, der die Leute per Zwangswirt-schaft zum „Vegetarier-Glück“ zwingen will, während sie auf Selbstbe-stimmung der Menschen und Marktpreise setzen. Rein vorsorglich mein Widerspruch gegen dieses Bild: Wenn man auf einem Sektor ganz gewiss ohnehin nicht von Marktwirtschaft sprechen kann, dann ist es der hochsubventionierte Agrarmarkt. Und wenn Sie kritisieren, dass es für Bioprodukte eine höhere Flächenprämie gibt, dann antworte ich: Genau dies ist angemessen, weil diese Art des Wirtschaftens weniger Umweltschäden und mithin Kosten verursacht. Denn in einem Kilo Schweinesteaks für zum Bei-spiel 5,50 Euro sind die Umweltschäden nicht eingepreist.
Wir sollten also Versuche, das Preisniveau zu heben, nicht als Gängelung und/oder hoffnungslos diskreditieren, sondern als, wie andere Länder zeigen, realistische Option, Landwirtschaft und Umweltschutz zu betreiben. Das wird nicht einfach sein, ich weiß. Aber mit Funktionärinnen und Funktionären, die ihren Mitgliedern so wenig Notwendigkeit zur Veränderung signalisieren – und den Versuch, höhere Preise zu erzielen, nicht als evolutionär sondern als revolutionär ansehen – wird es noch schwerer. Unnötigerweise.
Ich würde mich freuen, würden Sie auch diese Zeilen in den Verteiler Ihres offenen Briefes geben. Für einen weiteren Austausch stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen

Detlef Flintz


Anmerkungen:

Detlef Flintz ist Leiter Programmgruppe Wirtschaft und Recht beim WDR (Link)

Die Antwort von Detlef Flintz bezieht sich auf dem offenen Brief, den Heike Müller am 28. Juli veröffentlicht hat und der hier zu lesen ist

„Biobauern schlagen sich besser bei Dürre“ – wirklich, Herr Flintz?

Offener Brief zum Kommentar von Detlef Flintz in den Tagesthemen vom 26.7.2018

von Dr. Heike Müller
(Landwirtin und Vizepräsidentin des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern)

Sehr geehrter Herr Flintz,

mit großem Interesse habe ich am 26. Juli Ihren Kommentar in den Tagesthemen verfolgt.
Ich gehöre sowohl zu den von Ihnen gescholtenen Funktionären des Bauernverbandes als auch zu den Bauern in ihrer Gesamtheit, die Ihnen Ihrem Kommentar zufolge leidtun.
Leute wie ich sind es also, die – demokratisch gewählt – uns Ihrer Meinung nach die jetzige Situation eingebrockt haben und die unseren Kollegen weismachen wollen, dass man in der Landwirtschaft so weiterwirtschaften kann wie bisher.

Ja, auch wir Landwirte tragen eine Mitschuld an den Treibhausgasemissionen, ca. 65 Millionen Tonnen der insgesamt in Deutschland ausgestoßenen 905 Millionen Tonnen anthropogener Treibhausgase stammen aus unserer Branche, das sind gigantische 7% (Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/…/klimabilanz-2017-emissione…). Niemand bestreitet dies. Die Erzeugung von Lebensmitteln ist immer auch mit Emissionen verbunden. „Biobauern schlagen sich besser bei Dürre“ – wirklich, Herr Flintz? weiterlesen

Der Überbringer der schlechten Nachricht…

… wurde fälschlicherweise schon im alten Griechenland bestraft. Die Frage, die sich stellt ist, wann lernen wir endlich dazu, lassen das und machen uns auf den Weg, um nach Lösungen zu suchen?

Tierschutzkontrollen in den Betrieben

Die Neue Osnabrücker Zeitung hat die Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Grünen hinsichtlich der Häufigkeit von Tierschutzkontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben in einem Artikel aufgegriffen. Demnach finden in Niedersachsen rechnerisch in einem Betrieb nur alle 20 Jahre Kontrollen bezüglich Tierschutzgesetz durch das zuständige Veterinäramt statt, auf Bundesebene alle 17 Jahre.

ein Jogger läuft auf einer breiten Bergstraße der Sonne entgegen
(c) Nadine Henke, canva

Die Landwirte sind empört

Das Landvolk hat Zweifel an den Zahlen der Komtrolldichte. Auch in den sozialen Medien empören sich Landwirte – vor allem wird der Autor des Artikels auf seine Facebook Seite zum Teil wirklich auf unverschämte Art und Weise angegriffen. Nur warum sind die Landwirte empört? Und wie kommt es nun zu diesen Zahlen?

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen

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Landwirt Langreiter beim Bayrischen Rundfunk

Gerhard Langreiter darf einen Tag lang mitmischen

Im Rahmen der Aktion #Mitmischen beim Bayerischen Rundfunk war Gerhard Langreiter, Landwirt und Ferkelerzeuger aus dem Landkreis Mühldorf am Inn, für einen Tag bei der Redaktion von Kontrovers, einem Poltikmagazin beim BR, mit dabei. Bei BlogAgrar berichtet er von seinen Eindrücken.
Gerhard Langreiter mischt mit

Landwirte und Journalisten kritisieren sich häufig gegenseitig. Viele Landwirte reagieren auf die Kritik seitens der Gesellschaft mit mehr Offenheit und Transparenz. Und auch bei den Medien gibt es diese Tendenz. Im Rahmen der Aktion #Mitmischen beim Bayerischen Rundfunk war Gerhard Langreiter, Landwirt und Ferkelerzeuger aus dem Landkreis Mühldorf am Inn, für einen Tag bei der Redaktion von Kontrovers, einem Poltikmagazin beim BR, mit dabei. Hier erzählt er von seinen Eindrücken:

Wie kam ich zu der Ehre?

Vor einiger Zeit ging eine Info runm, dass der Bayerische Rundfunk eine Mitmachaktion für sein Publikum macht und man sich dafür bewerben kann. Da hab ich natürlich gleich das Formular ausgefüllt und mich unter anderem für Kontrovers beworben. Ich war dann auch einer der Glücklichen, die ausgelost wurden und so durfte ich im Rahmen der Aktion #Mitmischen einen Tag die Redaktion von Kontrovers begleiten. An dem Tag hat die Redaktion volles Programm, da abends die Sendung ausgestrahlt wird. Erst sollten wir um 8.30 Uhr schon vor Ort sein, es hat sich dann aber doch noch auf 10 Uhr verschoben, wahrscheinlich, damit die Leute erst mal in Ruhe mit ihrer Arbeit beginnen konnten.

Los gings:

Als ich also beim BR in Freimann, München, eintraf und von einem Empfangskomitee registriert wurde und mit Giveaways und Butterbreze versorgt wurde, holte uns gleich einer der Mitarbeiter der Redaktion ab und es ging gleich ins Büro von Andreas Bachmann, dem Redaktionsleiter und (im zweiwöchigen Wechsel mit Ursula Heller) Moderator der Sendung.

Wir waren insgesamt zu viert, die diesen Tag dort verbringen durften und so haben wir uns alle erst einmal vorgestellt und Herr Bachmann hat dann auch gleich erzählt, was uns an diesem Tag erwarten würde. Außerdem durften wir Kritik zu den letzten Sendungen äußern und was wir uns für diesen Tag erwarten würden.

Ich hatte mir bis jetzt gar nicht so viele Gedanken darüber gemacht und hab mich einfach mal überraschen lassen. Da bei mir auf dem Hof schon das eine oder andere Mal ein Fernsehteam war, war dies alles jetzt auch nicht etwas so Besonderes.

Ab in den Schneideraum:

Ich durfte nun einen Autoren des Teams beim Schneiden eines Beitrags begleiten, der an diesem Tag abends gesendet werden sollte. Im Beitrag ging es darum, dass eigentlich nicht die Honigbiene gefährdet ist, sondern die Wildbiene. Diese Thema war natürlich für mich als Landwirt prädestiniert und die Redaktion fand es auch gleich ziemlich passend, dass ich mit dabei war.

So wurden wir in den Schneideraum geführt und da waren der Autor und der Cutter schon fleißig am werkeln und hatten schon die Hälfte des Films zurechtgezimmert. Bis dann aber alle Töne, Spezialeffekte, Diagramme, Texte usw. passten, dauert es noch bis 16 Uhr. Wenn man bedenkt, dass sie um 8 Uhr angefangen haben, war ich dann doch überrascht, dass man für einen Beitrag von 4 Minuten so viel Zeit benötigt. Zu meinen Eindrücken vom Schnitt dann später noch mehr!

Endspurt:

Nachdem dann der Text von der Redakteurin abgenommen wurde und dann von der Sprecherin eingesprochen, war der Beitrag fertig und nach einem weiteren Zusammentreffen mit Andreas Bachmann ging es dann nach dem Abendessen ins Studio, wo gerade aufgebaut wurde. Die Sendung wird live gesendet, wobei ja nur die kurzen Sequenzen zwischen den Beiträgen dann live vom Moderator gesprochen werden. Der Rest wird eingespielt. Auch das Interview wurde schon vorab aufgezeichnet, weil der Interviewpartner zur Sendezeit keine Zeit hatte.

Um es nicht endlos in die Länge zu ziehen – Auch das war noch mal alles sehr spannend, der Regieraum übervoll mit Technik und auch hier die Leute alle sehr symphatisch. Danach gab es nochmal eine Nachbesprechung mit der Redaktion, die sich an diesem Tag wirklich sehr viel Zeit für uns genommen haben und auch noch freundlich und nett blieben, wenn einer meiner „Mitmischer“ mir persönlich doch schon ziemlich auf die Nerven ging.

Nun zum Fazit:

Wie schon bei meinen anderweitigen Kontakten mit Journalisten war es auch hier so, dass es sich ausschließlich um sehr angenehme, informierte Menschen gehandelt hat, die mit viel Elan und Zeitaufwand zum Beispiel diese Sendung Kontrovers jede Woche auf die Beine stellen.

Jeder Autor hat zwar das Thema von der Redaktion vorgegeben, hat aber viele Freiheiten, wie er oder sie dann diesen Beitrag ausgestaltet.

Speziell bei den Bienenfilm sind mir folgende Aspekte besonders aufgefallen:
  • Vorab wurden mehrere Interviews geführt, mit einem Imker, einem ÖDPler und einem Zoologen. Beim Zoologen waren sie anscheinend ziemlich lange auf der Suche, einige haben aus Zeitgründen abgesagt oder waren fachlich nicht geeignet, so wurde ein englischstämmiger Professor aus Halle an der Saale interviewt (Robert Paxton), er sehr sympathisch rüberkam, wodurch der Mann von der ÖDP fast aus dem Film rausgefallen wäre, weil der Beitrag zu lang wurde.
  • Ich durfte auch „mittexten“ und konnte mehrmals Einwände einbringen, wenn etwas fachlich nicht richtig war oder falsches Bildmaterial verwendet wurde. Ich sag nur Glyphosat und Pflanzenschutz im Rapsfeld… Der Professor hatte viele gute Sätze gebracht, wo er verdeutlicht hat, dass er das alles nicht so dramatisch sieht. Doch nach dem Schnitt war am Schluss zum Beispiel ein Satz drin, dass Obst teurer werden wird, weil es nicht mehr so viele Wildbienen geben wird in Zukunft. Man hätte auch viele andere Sätze (die ich vorgeschlagen hätte) verwenden können, aber dann hätte ja das schon vorher fixe Fazit des Films nicht mehr gepasst, dass die Wildbiene vom Aussterben bedroht ist.
  • Auch die Bilder von den chinesischen Bestäubern waren mir ein Graus und ich hab gefragt, ob man das nicht streichen kann, da dies nur aus züchterischen Gründen gemacht wird, aber da konnte ich mich nicht durchsetzen. Spontan sind mir leider zu wenig Argumente eingefallen. Der Autor meinte dann, ein Kollege war dort schon vor Ort und in einer Region ist es wirklich so, dass es dort keine Bienen mehr gibt. Dass es in China so viel Honigbienen wie noch nie gibt und man ja einfach in eine solche Gegend Völker hinfahren könnte – diese Argumente kamen mir erst ein paar Tage später durch eine Diskussion mit Berufskollegen.
  • Auch war man der Meinung, dass alle Pflanzenschutzmittel gefährlich sind für Bienen. Ich hab dann den Zusatz bienengefährdend vorgeschlagen, es wurde dann draus – Pestizide, die für Bienen gefährlich sind… was ich im Nachhinein auch nicht für besonders glücklich empfand, weil die Sprecherin es meiner Meinung nach falsch betont hat, und Pflanzenschutzmittel sicherlich der geringste Grund für ein Wildbienensterben sind, aber man ist ja dann doch nur der Gast 😉
  • Es haben viele Leute bei diesem Beitrag mitgeredet: Zwei Autoren, der Cutter, die Redakteurin und der Redaktionsleiter, beim Einsprechen sogar der Techniker im Tonstudio. Niemand hätte hier böswillig forciert, dass es in diesem Beitrag gegen konventionelle Landwirtschaft geht, aber trotzdem ist schlichtweg zu wenig Fachwissen vorhanden. Und durch das ständige Wiederholen von Glyphosat, Insektensterben und Aussterben der Biene in China, hat mittlerweile jeder Journalist in Deutschland anscheinend eine Brille auf, die man so schnell nicht mehr weg bekommt und die dann dazu verleitet, mal schnell dieses Bild zu nehmen und mal schnell diesen Nebensatz reinzuschreiben und mal schnell das Interview an dieser einen Stelle zu schneiden.
  • Der Autor hat dann auch betont, dass es ganz gut war, dass ich mit dabei war, weil man so den einen oder anderen fachlichen Fehler nicht gemacht hat und ich hab für mich festgestellt, dass es im Bayerischen Rundfunk dringend zu jedem Thema eine(n) Fachfrau/mann bräuchte, der bei allem, was der BR versendet, egal ob Fernsehen, Radio oder Internet, nochmal drüberschaut. Alleine, was in den letzten Tagen bei BR24 schon wieder falsch dargestellt wurde – wenn das bei allen anderen Fachbereichen auch so massiv ist, wie bei der Landwirtschaft, dann besteht hier dringend Handlungsbedarf!

Es war für mich ein erkenntnisreicher Tag. Nochmal danke an Kontrovers für die herzliche Aufnahme und wenn mal wieder fachlicher Rat benötigt wird, ich stehe zur Verfügung!

Hier der Link zu dem Bienenbeitrag:
Snapshot von der Homepage des bayrischen Rundfunks zur Sendung
(c) BR, Kontrovers

Wir durften auch selber eine Anmoderation schreiben, die wir dann Andreas Bachmann vortragen durften:

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“

Ein Zitat, das fälschlicherweise Albert Einstein zugerechnet wird, aber ständig von Medien und Politik herangezogen wird. Ist bei dieser Aussage ein wahrer Kern vorhanden, oder ist es nur Panikmache?

Wir haben nachgefragt beim Imkern und Zoologen, was an dem Bienensterben dran ist.

Welche Anmoderation findet ihr besser? 😉

Viele Grüße, Gerhard


Weitere Informationen
zur Aktion #BRMitmischen 

Die ’50 Million Shades Of Grey‘ der Nutztierhaltung

Figur auf hohem Ausguck mit Fernglas
Der Alltag in der Nutztierhaltung besteht aus Unmengen Graustufen. Sie finden sie nicht? Bei Tageslicht auf dem Bauernhof die Augen öffnen hilft unbedingt!

Tierrechtler, die die Nutztierhaltung kompromisslos ablehnen, steigen nachts klammheimlich in Schweine- und Hühnerställe ein, drehen über Monate Filme von angeblichen Missständen. Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, aber auch Privatsender, strahlen die Berichte ungeprüft in schrill-skandalisierender Tonlage aus. Wieder einmal ein Tierquäler erwischt! Wieder einmal wird von einem Fall auf alle geschlossen! Die „erwischten“ Landwirte werden wie die sprichwörtliche Sau durch das massenmdiale Dorf gejagt. Ein ganzer Berufszweig gerät pauschal in Misskredit. Die ’50 Million Shades Of Grey‘ der Nutztierhaltung weiterlesen

Glyphosat im alkoholfreiem Bier

Urin, Bier, Muttermilch & alkoholfreies Bier

Wo haben wir nicht schon Spuren von Glyphosat gefunden? In Urin, Bier und vermeintlich auch in Muttermilch. Letztere Behauptung erwies sich als glatte Falschmeldung, weil die Messmethode nicht verifiziert war- aber Scheiß drauf- der angebliche Glyphosatfund in der Muttermilch setzte sich in den Köpfen der Verbraucher fest und sorgte für große Verunsicherung bei den stillenden Müttern.

ewiger Streit um die Gesundheitsgefahren

Ewig lange wurde diskutiert und argumentiert, ob das Totalherbizid schädliche Wirkungen auf den menschlichen Organismus hat. Letztlich haben sich eigentlich alle Fachbehörden weltweit für die Ungefährlichkeit des Glyphosats ausgesprochen. Doch dieses Urteil wird von vielen nicht akzeptiert.

aktueller „test“ nur wegen Glyphosatfunden in den Schlagzeilen?

Jetzt hat die eigentlich renommierte „Stiftung Warentest“ alkoholfreie Biere getestet und dabei auch auf Glyphosat untersucht und wenig überraschend auch gefunden.
Die Testergebnisse waren der dpa und vielen Medien eher unwichtig, aber der Fund von Spuren des Herbizids war ihnen dann doch eine Schlagzeile wert.

Die taz lernt es nie bzw. will es nicht lernen?

So auch die taz bzw. dessen Redakteur Jost Maurin. Er twitterte seinen Artikel:

„test“ findet krebsverdächtiges Pestizid Glyphosat in alkoholfreiem Bier Das umstrittene Ackergift wurde in „Flensburger Frei“ und „Holsten Alkoholfrei“ nachgewiesen. Krebsgefahr ist nicht ausgeschlossen.
Auch die neue Wortschöpfung „Ackergift“ darf bei der Schlagzeilengestaltung nicht fehlen

Daraufhin gaben Susanne Günther (Bloggerin bei schillipaeppa.net) und Hendrik Hanekamp (@flaemingslord) folgende Antworten ab:

Es lohnt sich, den gesamten Diskussionsstrang bei Twitter durchzulesen. Es ist in der tat ermüdend, wie das umfangreich untersuchte Glyphosat noch immer für ideologisch aufgeladene Debatten missbraucht wird.

Debatte auch bei bei Facebook

Parallel zur Debatte bei twitter wurde auch bei Facebook über diesen Artikel bzw. übers Glyphosat im Bier diskutiert (bitte auf das untere Bild klicken).
Dabei ärgerte ich mich vor allem über folgende Aussage von Joyce Moewius (Mitarbeiterin beim BÖLW). Ich vermute, dass ihre Aussage nicht ironisch gemeint war.

Joycee Moewius Im Bier! Ist doch krass. Und dass trotz erheblicher Aufbereitung des Wassers. Die übrigens nicht die Verursacher zahlen, sondern die wasserkunden. Find ich nicht ok. Und auch nicht, dass die Konzentration dieser Stoffe in der Umwelt weit höher sind. Und auch dort wiederum nicht die Verursacher zahlen und schaden verursacht wird, der auch mit Geld gar nicht repariert werden kann. Ich kann nicht erkennen, warum eine solche Ironie oder Gleichgültigkeit an den Tag gelegt wird. Noch weniger, da Landwirte es ja auch schaffen ohne Glyphosat zu wirtschaften.
Snapshot bei facebook

Und hier nochmal die wunderbare Grafik von Hendrik Hanekamp alias @flaemingslord:

In dieser Grafik sind die gemessenen Mengen an Glyphosat aus verschiedenen Untersuchungen ins Verhältnis mit den akzeptablen täglichen Aufnahmemengen (=ADI) gesetzt. Annahme zu den Bierzahlen: Tageskonsum beträgt eine Kiste Bier (8 Liter).
zur vergrößerten Ansicht bitte anklicken (c) @flaemingslord

 

PeTA feiert Rücktritt von Schulze Föcking

Täterin Nr. 1
Snapshot bei Facebook

Von Beginn ihrer Amtszeit als Ministerin haben diverse Tierrechtsgruppen Christina Schulze Föcking als Zielscheibe auserkoren. Nach ihrem Rücktritt postuliert die bekannte Tierrechtsorganisation PeTA:

„Täterin Nr.1: weg“

Darunter dieses Bild mit den Gesichtern von Schulze Föcking, der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast und der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner:

PeTA mit drastischer Aussage: "Tierqualprofiteure raus aus der Politik!". Dabei ein drei Fotos der Ministerinnen Schulze Föcking, Otte-Kinast & Klöckner. Schulze Föckings Foto wurde ausge"x"t

Meinung von Marcus Holtkötter

Dazu hat Marcus Holtkötter einen viel beachteten Facebook-Post geschrieben, den ich hier zitieren möchte:

Profilbild von Marcus Holtkötter alias BauerHolti
Snapshot bei Facebook

„Ich muss gestehen das ich sprachlos bin, der Umgang mit Christina Schulze Föcking ist an Niedertracht nicht zu überbieten. 
Das ganze ist eine Hetzkampagne die an dunkelste Zeiten der deutschen Geschichte erinnert.

Das ganze muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen:
Da brechen vermeintliche Tierschützer mehrmals in die Ställe der Familie Schulze Föcking ein, um einen vermeintlichen Skandal zu erzeugen. Stern TV ist denen dabei dann gerne behilflich. Im Nachgang stellt sich heraus es war alles OK, Veterinäramt wie Staatsanwaltschaft sehen keine Verfehlungen.
PeTA feiert Rücktritt von Schulze Föcking weiterlesen

Agrarkriminalität

ein neuer Kampfbegriff?

In der Berichterstattung rund um den Rücktritt von Christina Schulze Föcking als NRW-Umwelt-& Landwirtschaftsministerin schuf Jürgen Döschner vom WDR ein neues Wort: Agrarkriminalität
Ist damit ein neuer Kampfbegriff nach Massentierhaltung, Ackergift oder Merkelgift kreiert worden?

Affäre #SchulzeFöcking mit #Rücktritt längst nicht ausgestanden. Es geht darum, wie diese Regierung, wie unsere Gesellschaft mit den Problemen der Umwelt- und #Agrarkriminalität umgeht." (M)Ein Kommentar:
Jürgen Döschner auf Twitter

Kreuzug gegen konventionelle Landwirtschaft?

Agrarkriminalität weiterlesen