Bodenständiger Großbetrieb

Bodenständiger Großbetrieb

Dr. Kathrin Naumann im Interview bzw. Portrait

Ich habe Kathrin Naumann mehr oder weniger zufällig vor 5 oder 6 Jahren bei einem der ersten Zusammenkünften von den Leuten, die man irgendwann Agrarblogger genannt hat, kennen gelernt. Wir beide hatten uns bis dahin noch nicht über die Socialmedia-Kanäle vernetzt, aber wir sind abends an einem Tisch gelandet und haben uns so lange unterhalten.

Für mich war das ein sehr spannender Abend, denn Kathrins Lebensweg unterschied sich gewaltig von meinem Weg im Emsland- weit weg von politischen Umstürzen und Unruhen. Kathrin kommt gebürtig aus der Nähe von Rostock und hat die Entwicklung der LPG, die ihr Vater schon vor der Wende geleitet hat, hautnah mitbekommen. Natürlich ist der Mauerfall, die Wiedervereinigung ein riesiger Einschnitt im Leben der Familie und für Kathrin gewesen.

Dr. Kathrin Naumann im Gespräch mit Dietrich Holler, vox viridis

Nach der Wende entschied sie sich für ein Studium an der landwirtschaftlichen Fakultät in Kiel, promovierte und arbeitete zunächst in Süddeutschland bevor es sie wieder in die Heimat zog. Sie beerbte sozusagen ihren Vater und ist nun die Geschäftsführerin dieses großen Betriebes. Groß wohl vermutlich aus meiner westlichen Sicht. Es gibt sicherlich viele größere „Großbetriebe“, wie ich heute noch immer sage.

Im Nachhinein weiß ich gar nicht warum, aber ich habe bis dahin wirklich geglaubt, dass die LPG-Mitarbeiter und Geschäftsführer wenig bis gar nicht mit ihrer Heimat, mit ihren Betrieben, mit ihren Flächen und mit ihrem Boden verbunden sind.

Ich hatte Vorurteile

Und das hat mich die sehr angeregte Unterhaltung an diesem Abend gelehrt: Ich lag total falsch! Es ist heute noch so, dass auch die Arbeiter sich sehr mit „ihrem“ Betrieb identifizieren. Und die Geschäftsleitung eben auch. Auch wenn es nach dem zweiten Weltkrieg einen heftigen Bruch in der Landbewirtschaftung in der DDR gab, entwickelte sich nun auch eine Tradition. Auch im Osten gibt es Betriebe, die in Generationen denken.

Es gibt so viele Vorurteile, die aufgebrochen werden müssen. Wenn Du Leser nun zuerst das Video anschaust und später vielleicht das viel ausführlichere Audio als Podcast- was ich nur wärmstens empfehlen kann, dann wirst Du wahrscheinlich verstehen was ich meine (wenn Du Wessi bist) oder denken, dass endlich auch ein Wessi anfängt zu begreifen. Aber das möchte ich mir auch gar nicht anmaßen.

Die abendliche Unterhaltung mit Kathrin hat mir jedenfalls meinen Horizont erheblich erweitert und dafür bin ich ihr immer noch sehr dankbar!

Hier das ausführliche Interview:

Podcastseite vom Dienst "Deezer" mit der Folge mit Kathrin Naumann (Screenshot)
Klicken um zur Podcastfolge zu gelangen

Den Podcast „Frisch vom Land“ findest Du normalerweise auch in Deinem Podcatcher Deiner Wahl. Eventuell helfen die folgenden Links beim Finden:


Im Blog der Konrad-Adenauer-Stiftung befinden sich auch das Video und eine Audio-Einbettung mit einem Teaser-Text von Dietrich Holler, der auch das Interview durchgeführt hat.

Bernhard Barkmann

Landwirt und Blogger aus dem Emsland

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