Archiv für den Monat: Februar 2013

Pferdefleisch

Karikatur
Quelle: Facebookseite vom Süddeutsche Zeitung Magazin, Michael Dufek

Der aktuelle Pferdefleisch-Skandal sorgt zur Zeit in Deutschland für viele Diskussionen. Hier handelt es sich mehr um einen Fall von betrügerischer Verbrauchertäuschung als um die gesundheitliche Gefährdung der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher.

 

 

 

 

 

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Die Verbraucherorganisation foodwatch hat zu diesem Thema einen sehr guten Beitrag mit der Überschrift „Pferdefleisch-Skandal: Billig ist nicht das Problem!“ zur Debatte veröffentlicht. Einleitend heißt es dort:

Pferdefleisch wird als Rindfleisch deklariert – und die Schuld am Täuschungsskandal tragen die Verbraucher, weil die immer nur alles billig einkaufen wollen? Diese perfide Argumentation greift nach Meinung von foodwatch zu kurz. Lebensmittelbranche und Politik versuchen den Verbrauchern die Schuld in die Schuhe zu schieben, um von eigenen Versäumnissen abzulenken. Das wahre Problem liegt woanders.

Im weiteren Text werden folgende Thesen aufgestellt:

  • Täuschung ist keine Frage des Preises
  • Qualität ist nicht am Preis messbar
  • Qualität wird nicht transparent – billig kaufen ist oft vernünftig
  • Es herrscht ein Preis- und kein Qualitätswettbewerb
  • Täuschung und Qualität sind keine Frage der Herkunft
  • Die deutschen Verbraucher sind nicht geizig
  • Teuer – und trotzdem getäuscht
  • Die Verbraucher sind bereit, mehr Geld für Qualität auszugeben
  • Nur durch Information wird der Kunde König

(Detaillierter ist der Text hier zu lesen.)

Ich kann foodwatch im Großen und Ganzen zustimmen. In diesem Skandal wird deutlich, dass hier eine ganze Menge krimineller Energie im Spiel ist. Jetzt muss sich zeigen, in wie weit die aktuelle Rechtslage dazu geeignet ist, diese Kriminellen auch zur Verantwortung zu ziehen. Sollte das Gesetz dazu nicht ausreichen, muss die Politik für eine Verbesserung sorgen.

In wieweit die Kontrollen verbessert bzw. ausgeweitet werden müssen, kann ich nicht gut genug einschätzen. Generell halte ich ein ausgewogenes Maß an Kontrolle für nötig und auch gut, aber an dieser Stelle kann man sicher auch übertreiben und für unverhältnismäßig hohe Bürokratie und Kosten sorgen. Die Ehrlichen sind dann wieder die Dummen und die mit krimineller Energie scheren sich eh nicht um die Gesetze und Verordnungen.

Was lernen wir nun aus dem aktuellen Skandal?

  1. Die Strafen für kriminelles Handeln müssen auch eine abschreckende Wirkung haben!
  2. Der Verbraucher sollte seine Eßkultur (Fastfood, Convenience-Produkte oder selber kochen und Slowfood) überdenken und bewusster einkaufen. Dazu
  3. müssen die Lebensmittelprodukte und speziell die Fertigprodukte ausreichend gekennzeichnet werden.
  4. Der Pferdefleisch-Skandal wird sicher nicht der letzte Lebensmittelskandal sein.

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern einen guten Appetit!

Worst Case

Presse Foto von Christian MeyerDer grüne Politiker Christian Meyer wird Landwirtschaftsminister!
Nach der hauchdünnen Niederlage von CDU und FDP in Niedersachsen stehen die Weichen nun bekanntlich auf Rot-Grün. Diese Tatsache alleine sorgte nach der Wahl schon für Sorgenfalten bei vielen Landwirten und beim Großteil der ländlichen Bevölkerung.

Nun gibt es zumindest für die Landwirte in Niedersachsen noch größeren Anlass zur Sorge, denn am Ende der Koalitionsverhandlungen haben sich die künftigen Regierungsparteien  auf Christian Meyer als Landwirtschaftsminister geeinigt.
Diese Entscheidung kann man gewiss als Affront gegen die niedersächsische Landwirtschaft auffassen.

Nun also Christian Meyer, der von vielen Medien als „Bauernschreck“ tituliert wird. Nicht zu unrecht. So machte sich der aktuelle agarpolitische Sprecher der Grünen im niedersächsischem Landtag mit seiner polemischen und bauernfeindlichen Sprache während der letzten Legislaturperiode bei vielen politisch interessierten Landwirten einen  unrühmlichen Namen. Im Wahlkampf klopfte er z.B. folgende polemischen Sprüche, die jegliches Vertrauen bei den Bauern von Vorherein auslöscht:

Diese feindseligen und diffamierenden Wahlkampfsprüche kombiniert mit dem Sofort-Programm der niedersächsischen Grünen verunsichern tausende tierhaltender Bauern und deren Familie.

Die Frage wird nun sein, was realistischerweise von dem 10-Punkte-Sofort-Plan umgehend umgesetzt werden kann und was nicht. Ein vernünftiger, konstruktiver Dialog mit dem Berufsstand scheint für mich zunächst jedenfalls unrealistisch.

Meine Prognose sieht düster aus: Die Zahl der in der Landwirtschaft und im vor- und nachgelagertem Bereich beschäftigten Arbeitnehmer wird in den kommenden 5 Jahren deutlich sinken, weil die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft und der Ernährungsindustrie bei Umsetzung der grünen Vorstellungen leiden wird.

Dabei will Rot-Grün nach eigenen Aussagen eigentlich den ländlichen Raum stärken. Auf die Taten und deren Wirkung darf man gespannt sein. Viele Bauern und Bewohner des ländlichen Raumes glauben jedoch nicht so recht an eine Stärkung des ländlichen Raumes, wie die Wahlen gezeigt haben: Viele haben sogar der FDP ihre Stimme „verliehen“, um sicher zu gehen, dass die schwächelnde FDP die 5-Prozent-Hürde überwindet und die Koalition aus CDU und FDP weiter mit McAllister als beliebten Ministerpräsidenten in Niedersachsen an der Macht bleibt.
Die Wahl wurde aber knapp verloren und so bleibt den Landwirten die spannende  Frage, was nun auf sie zu kommt.

Christian Meyer möchte die Agrarindustrie und große Megaställe bekämpfen und die bäuerlichen Familienbetriebe fördern. Das hört sich für Außenstehende vielleicht zunächst gut an, aber leider sagt er nicht genau, wen er mit Industrie und wen er als bäuerlich bezeichnet. Er agiert mit Kampfbegriffen, die in breiten Teilen der Öffentlichkeit auf große Zustimmung stoßen, trifft dabei aber leider auch die kleineren und normalen Familienbetriebe und wird den Strukturwandel (sprich das Höfesterben) in der Landwirtschaft befeuern, weil gerade die kleinen Betriebe anstehende Investitionen für mehr Tierschutz oder mehr Umweltschutz nicht leisten können.

Dass die Landwirtschaft in Niedersachsen vor großen Herausforderungen steht ist wohl jedem klar. Der noch amtierende Landwirtschaftsminister Gert Lindemann hat z.B. für den Bereich Tierschutz einen umfangreichen Plan zur Verbesserung vorgestellt und mit der Umsetzung begonnen. Dieser wurde anfänglich von vielen Tierhaltern anfänglich sehr kritisch beäugt, aber dem Minister ist es gelungen, die Landwirte mitzunehmen. In Zwischenzeit sind viele Arbeitsgemeinschaften mit Landwirten und Politikern gegründet worden, die fachlich und wissenschaftlich fundiert nach Möglichkeiten zur Verbesserung der Haltungsbedingungen suchen. Dabei werden, wenn nötig, zeitliche Übergangsräume eingeräumt und vor allem wird nicht ideologisch motiviert gehandelt- kurz gesagt mit Augenmaß!

Aber was sagt denn der Koalitionspartner SPD? Zur Landwirtschaftspolitik leider sehr wenig. Ich befürchte, dass die Sozialdemokraten mal wieder das Themenfeld Umwelt/Landwirtschaft den Grünen widerspruchslos überlassen wie einst Gerhard Schröder in der Rot-Grünen Bundestagskoalition Renate Künast als Bundeslandwirtschaftsministerin gewähren ließ.

Wetter, Märkte und Politik– auf alles habe ich als Landwirt nur sehr geringen Einfluss. Jetzt heißt es für mich abwarten und – wenn auch mit Sorge – die kommenden Entwicklungen zu beobachten.