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Diskussionsveranstaltung in Ostfriesland

Am morgigen Samstagabend findet in Westoverledingen eine Diskussionsveranstaltung zur Preiskrise in der Landwirtschaft statt. Zu Gast wird auch der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer sein. Hier die Einladung zu der Veranstaltung im Wortlaut:

Krise der Landwirtschaft – droht unserer Region ein Strukturbruch?

Die Agenda-21-Gruppe Umweltschutz und Landwirtschaft Westoverledingen, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL und der Milchviehhalterverband BDM laden zu einer Diskussionsveranstaltung ein. Anlass ist die existenzbedrohende Krise im Milch-, aber auch im Schweinebereich. Diese Einladung richtet sich nicht nur an alle um ihre Existenz kämpfenden Bäuerinnen und Bauern, sondern auch an den Landhandel, Tierärzte, Bankenvertreter, Berater, Verbandsvertreter und die regionalen Politiker. Auch Verbraucher und alle, die sich mit der Landwirtschaft verbunden fühlen, sind herzlich willkommen!

Sie alle und damit der ganze ländliche Raum sind von den Folgen dieser Krise ebenfalls deutlich betroffen. So kann und darf es nicht weitergehen! Gemeinsame Strategien zur Lösung der Krise sind nötig!

Die Veranstaltung findet statt am

Samstag dem 11. 06. 2016 um 20.00 Uhr

im Rathaussaal Ihrhove, Bahnhofstrasse 18, 26810 Westoverledingen.

Wir diskutieren mit dem niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer, mit Arnold Krämer, Leiter der Bezirksstelle Emsland der Landwirtschaftskammer und mit Ottmar Ilchmann, Milchbauer und Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Die Diskussionsrunde wird von Arno Ulrichs von der IHK Emden moderiert. Ein Grußwort spricht Eberhard Lüpkes, Bürgermeister von Westoverledingen.

Rückfragen bitte an:

  • Agenda 21-Gruppe Umweltschutz und Landwirtschaft Westoverledingen, Wolfram Höhn, 04961-941824

  • Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Ottmar Ilchmann, 04967-334

  • Bundesverband dt. Milchviehhalter (BDM), Andrea Sweers, 04954-9556127

LANDWIRTE ENTTÄUSCHT VON MISEREOR

Niederlangen (VEL). Bisher bildete die Katholische Kirche stets einen festen Anker für die Landwirtschaft. Jetzt besteht die Gefahr, dass beide zukünftig getrennte Wege gehen. Grund ist die Teilnahme von Misereor an einer Protestbewegung gegen die moderne Landwirtschaft anlässlich der Grünen Woche in Berlin. Einen Versuch, die Wogen zu glätten, unternahm daher die Landjugend Neulangen. Sie lud Vertreter aus Landwirtschaft und Kirche zu einem Dialog ein.

Der Saal in Niederlangen war voll besetzt mit Landwirten. Allen gemeinsam ist das Unverständnis über das Verhalten von Misereor (c) Knoll, VEL
Der Saal in Niederlangen war voll besetzt mit Landwirten. Allen gemeinsam ist das Unverständnis über das Verhalten von Misereor (c) Knoll, VEL

Die Fronten sind verhärtet. Bernhard Barkmann, Landwirt aus Messingen, ist von der Haltung Misereors gegenüber der modernen Landwirtschaft zutiefst enttäuscht. Landwirte würden heutzutage für alles Übel in der Welt verantwortlich gemacht. Einen Rückhalt in der Gesellschaft sieht er kaum noch. Dass sich nun auch eine kirchliche Organisation offensichtlich gegen die Landwirte stellt, verletzt ihn und seine Berufskollegen. Unter dem Motto „Wir haben es satt“ organisierten Umwelt-, Natur- und Tierschutzverbände eine groß angelegte Protestdemo in Berlin – aktiv beteiligt auch das katholische Hilfswerk Misereor. Tausende Menschen gingen im Januar auf die Straßen. Sie hielten Plakate mit scharfen Parolen in die Luft. „Was wollt Ihr Euren Kindern sagen“ oder „Tiermörder“, waren nur einige der Sprüche, die die Landwirte wie ein Dorn mitten ins Herz trafen.

Bernhard Barkmann (rechts) sprach den vielen anwesenden Landwirten bei dem Podiumsgespräch aus der Seele (c) Knoll, VEL
Bernhard Barkmann (rechts) sprach den vielen anwesenden Landwirten bei dem Podiumsgespräch aus der Seele (c) Knoll, VEL

Felix zu Löwenstein, Mitglied des Misereor-Beirates, sah die Demonstration hingegen nicht als Aktion gegen einzelne Landwirte. Er stellte vielmehr die Systemfrage: „Es geht nicht darum, ob Biobauern gut und konventionelle Landwirte böse sind. Wenn so viele Höfe sterben, frage ich, ob das System als ganzes so noch funktioniert“, so Löwenstein, der selber biologischer Landwirt ist. Aus dem Publikum meldete sich daraufhin Arnold Krämer, Leiter der Landwirtschaftskammer Bezirksstelle Emsland, zu Wort: „Wie soll die Systemalternative denn aussehen? Wäre es ethisch vertretbar, in unserer Gunstregion nur noch Ökolandbau zu betreiben, der ein Vielfaches an Fläche benötigt? Das wäre, als würden wir mit angezogener Handbremse wirtschaften.“

Auch viele Vorurteile gegen die moderne Landwirtschaft wurden an diesem Abend ausgeräumt. Dass Landwirte für den Hunger in der Welt verantwortlich seien, ist laut Landwirt Barkmann zu kurz gedacht. So stehe gerade das in der Schweinehaltung eingesetzte Sojafutter in der Kritik, Kleinbauern in Südamerika in die Armut zu drängen. „Sojabohnen werden wegen ihres Öles angebaut. Das Schrot ist nur ein Restprodukt. Die meisten Futtermittel wie Getreide für unsere Tiere bauen wir auf unseren heimischen Höfen an“, stellte der Schweinehalter klar.

„Ihr habt Euch die falschen Sündenböcke ausgesucht“, ärgerte sich ein Landwirt aus Osnabrück. Er rief die Misereor-Vertreter dazu auf, mutig zu sein und den Verbraucher in die Pflicht zu nehmen. Denn heutzutage würden so viele Lebensmittel wie nie zuvor achtlos auf dem Müll landen. Mit den ständigen Beschimpfungen der Landwirte würde genau das Falsche erreicht: Die Landwirte, die mit Herz und Leidenschaft arbeiten, hören auf. Denn welcher junge Landwirt wolle noch einen Hof übernehmen, wenn er nur beleidigt wird?