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Wir brauchen die Andienpflicht

Was ist los beim Bundeskartellamt?

Die UNESCO hat die „Idee und Praxis der Genossenschaft“ auf die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen, da droht diesem Geschäftsmodell ein “Unwetter“ in Form des Sachstandberichts zu genossenschaftlichen Milchlieferbedingungen durch das Bundeskartellamt.
Amos Venema, (c) Ceres Award

Dieses Amt hat offenbar die Bedeutung und den Inhalt einer Genossenschaft gar nicht verstanden. Durch seine Thesen zum Milchmarkt verunsichert das Kartellamt den Markt und schwächt die Position der Landwirte gegenüber dem Einzelhandel.

Die Stellungnahmen zum Milchmarkt und deren Genossenschaftsmolkereien stellen bewährte Grundprinzipien in Frage, die es in der Vergangenheit für viele, insbesondere kleine, landwirtschaftliche Betriebe erst möglich gemacht haben, am Markt teilzuhaben. Ihre Produkte gemeinsam in Genossenschaften zu vermarkten und so zu einem funktionierenden Wettbewerb beizutragen oder diesen erst möglich gemacht haben, waren und sind der Hauptantrieb der Landwirte für den Zusammenschluss in einer Genossenschaft. Gut 70 % der Milch in Deutschland wird deshalb auch von Genossenschaften erfasst und vermarktet.

Jedes Mitglied ist Milchlieferant und Unternehmer in seiner Genossenschaft. Andienpflicht und Abnahmeverpflichtung bei genossenschaftlichen Molkereien sind beide im Interesse der Eigentümer der Genossenschaft, nämlich den Landwirten.
Man stelle sich einmal vor: Weihnachten, Ostern, Neujahr ……. wird die Milch nicht abgeholt, weil in den Läden kein Absatz vorhanden ist. Im Frühjahr zur Weidezeit ist besonders viel Milch am Markt und die Molkerei holt nur die Hälfte ab, weil gerade keine genügenden Kontrakte für Käse und Joghurt vereinbart werden. Oder die Molkerei hat einen Werksausfall auf Grund von technischen Problemen und holt die Milch nicht ab.

Alle diese Szenarien sind einigen unserer Milchbauern nicht gänzlich unbekannt. Mitglieder der BDM Liefergemeinschaften waren vor ein paar Jahren sehr froh, wieder Mitglieder in einer Genossenschaft zu werden und von der Andienpflicht bzw. Abnahmepflicht zu profitieren.

Wenn die Grundprinzipien dieser genossenschaftlichen Kultur in Frage gestellt werden, müssen einige Fragen erlaubt sein:

  • Was ist mit all den Tankstellenpächtern, die von ihren Verpächtern genau vorgegeben bekommen von wem, wieviel und zu welchem Preis sie ihre Waren im Shop und an der Tankstelle verkaufen müssen?
  • Was ist mit all den Fastfood – Ketten, die sehr genaue und strikte Vorgaben machen?
  • Was ist mit den Wohnungsbaugesellschaften und ihren Vorgaben?
  • Was ist mit sämtlichen Einzelhandelsläden, die von ihren Lieferanten und Warengenossenschaften klare Vorgaben bis hin zur Plakatierung bekommen?
  • Was ist mit all den Autohäusern, die von ihren Marken klare Bestimmungen einhalten müssen bei der Vermarktung ihrer Autos?

Der Verdacht, dass es sich bei der Veröffentlichung des Sachstandberichtes zum Milchmarkt am Beispiel der DMK nur um eine politisch motivierte Meinungsbeeinflussung und nicht um eine sachliche Diskussion handelt, wird immer deutlicher und klarer. Es soll offenbar gezielt politischer Einfluss geltend gemacht werden. Ich hoffe sehr, dass die Politik sich ihrer Verantwortung bewusst ist und nicht die genossenschaftlichen Strukturen zerschlägt und genau damit die Existenzgrundlage der Milchbauern gefährdet!

Ich bin froh, dass wir Mitglied einer Molkereigenossenschaft sind und uns darauf verlassen können, dass unsere Milch immer abgeholt wird und wir dementsprechend unser Milchgeld bekommen. Für die Milchpreisfindung ist die Genossenschaft mit seinen gelebten Beziehungen zu seinen Mitgliedern ein Garant für ein ordentliches Milchgeld an die Bauern. Private Unternehmen mit zum Teil „losen“ Lieferbeziehungen zahlen im Gegensatz nur so viel, wie sie müssen, um keine Milch an die Genossenschaften zu verlieren. Sie wollen und sollen in erster Linie Gewinne für ihre Anteilseigner erzielen und nicht ein hohes Milchgeld für die Landwirte!

Bevor das Kartellamt in blinden Aktionismus verfällt, sollte dieser Gedanke erst zu Ende gedacht werden!

Ich bin ein „Genosse“ –
und das ist auch gut so!

Diskussionsveranstaltung in Ostfriesland

Am morgigen Samstagabend findet in Westoverledingen eine Diskussionsveranstaltung zur Preiskrise in der Landwirtschaft statt. Zu Gast wird auch der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer sein. Hier die Einladung zu der Veranstaltung im Wortlaut:

Krise der Landwirtschaft – droht unserer Region ein Strukturbruch?

Die Agenda-21-Gruppe Umweltschutz und Landwirtschaft Westoverledingen, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL und der Milchviehhalterverband BDM laden zu einer Diskussionsveranstaltung ein. Anlass ist die existenzbedrohende Krise im Milch-, aber auch im Schweinebereich. Diese Einladung richtet sich nicht nur an alle um ihre Existenz kämpfenden Bäuerinnen und Bauern, sondern auch an den Landhandel, Tierärzte, Bankenvertreter, Berater, Verbandsvertreter und die regionalen Politiker. Auch Verbraucher und alle, die sich mit der Landwirtschaft verbunden fühlen, sind herzlich willkommen!

Sie alle und damit der ganze ländliche Raum sind von den Folgen dieser Krise ebenfalls deutlich betroffen. So kann und darf es nicht weitergehen! Gemeinsame Strategien zur Lösung der Krise sind nötig!

Die Veranstaltung findet statt am

Samstag dem 11. 06. 2016 um 20.00 Uhr

im Rathaussaal Ihrhove, Bahnhofstrasse 18, 26810 Westoverledingen.

Wir diskutieren mit dem niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer, mit Arnold Krämer, Leiter der Bezirksstelle Emsland der Landwirtschaftskammer und mit Ottmar Ilchmann, Milchbauer und Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Die Diskussionsrunde wird von Arno Ulrichs von der IHK Emden moderiert. Ein Grußwort spricht Eberhard Lüpkes, Bürgermeister von Westoverledingen.

Rückfragen bitte an:

  • Agenda 21-Gruppe Umweltschutz und Landwirtschaft Westoverledingen, Wolfram Höhn, 04961-941824

  • Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Ottmar Ilchmann, 04967-334

  • Bundesverband dt. Milchviehhalter (BDM), Andrea Sweers, 04954-9556127

Krawall in Brüssel

Ich war am vergangenen Montag in Brüssel, um gemeinsam mit meinen europäischen Kollegen auf die miserable Situation auf den Märkten aufmerksam zu machen.

ich mit Heike Müller aus Mecklenburg-Vorpommern
ich mit Heike Müller aus Mecklenburg-Vorpommern

Erst als ich mittendrin in der Demo-Traube war, habe ich bemerkt (bzw. ich wurde aufgeklärt), dass eigentlich zwei Demonstrationen angemeldet wurden. COPA (der europäische Bauernverband) und EMB (EuropeanMilkBoard, dem auch der Bund Deutscher Milchviehhalter angehört) wollten demonstrieren. Ursprünglicher Plan war wohl, dass beides nebeneinander und räumlich getrennt ablaufen sollte.
Aber letztlich waren die Bauern des EMB und BDM wohl zahlreicher vertreten als vom Bauernverband (DBV) bzw. der COPA. Ganz sicher war diese Fraktion viel lauter und aggressiver.
Und diese weit verbreitete Aggressivität auch gegen Teilnehmer aus den Reihen des Bauernverbandes stimmt mich nachdenklich.
In den Nachrichten und den Printmedien wird Gott sei Dank noch recht wohlwollend von der Bauerndemo berichtet. Allerdings wurde seitens der Journalisten kaum bemerkt, dass da viele Verbände mit ganz unterschiedlichen Positionen unterwegs waren (Bericht der DW).

Quelle: http://brf.be/national/922917/ Vier Polizisten bei Bauerndemo verletzt
Quelle: http://brf.be/ Vier Polizisten bei Bauerndemo verletzt

Kontraproduktiv!

Wie wirken die Bilder der Gewalt gegen Polizisten auf die Bürger?
Wenn einem die Argumente ausgehen, dann greift man zur Gewalt und bekommt dann auch noch 500 Millionen als Belohnung?
Ich möchte, dass Landwirte in der Mitte der Gesellschaft bleiben! Wenn wir Gewalt akzeptieren, um unsere Ziele durchzusetzen, bewegen wir uns selber an den Rand der Gesellschaft.
Die Gewalt wird sich kontraproduktiv auswirken. Tierrechtler, die wir vom Berufsstand meiner Meinung nach völlig zu Recht als militant bezeichnen, schmieren den Gewaltexzess in Brüssel und wieder aufs Brot. Krawall in Brüssel weiterlesen

Milchquote läuft aus

Hendrik Lübben
Hendrik Lübben, Facebook-Foto

Aus aktuellem Anlass zum Ende der Milchquote hat Hendrik Lübben seinen Bericht über den Bauerntag 2007 in Bamberg aus seinem Archiv herausgesucht. Auf diesem Bauerntag hat sich der Deutsche Bauernverband, nach einer umfangreichen Diskussion bis hinunter auf die Kreislandvolkebene, mehrheitlich für die Forderung zum Auslaufen der Milchquote am 31.03.2015 entschlossen.

Bauerntag 2007

Bericht von Hendrik Lübben*

Auf Einladung vom Kreislandvolk Wesermarsch habe ich als Delegierter am Bauerntag teilgenommen.
Der Bauerntag begann am Mittwochabend mit einem ökumenischen Gottesdienst in dem Bamberger Dom. Anschließend wurden die Delegierten in kleinen Gruppen von Stadtführern auf eine kleine Tour durch das schöne, historische Bamberg geführt. Die Stadtführung endete für die Niedersachsen und den Brandenburger in der Gaststätte Greifenklau. Dort nahm der Abend im Biergarten bei einem herzhaften, bayrischen Abendessen und dem hauseigenen Bier ein gemütliches Ende.
Am nächsten Morgen fand der erste Teil der Hauptversammlung in der Konzerthalle von Bamberg statt. Der Bundespräsident Köhler zollte große Anerkennung für die Leistungen der deutschen Bauern und ihrer Familien. Ein besonderes Zitat des Bundespräsidenten: „Die Zuversicht der Landwirte, vor allem auch der jungen Landwirte, imponiert mir.Milchquote läuft aus weiterlesen