Wir brauchen die Andienpflicht

Was ist los beim Bundeskartellamt?

Die UNESCO hat die „Idee und Praxis der Genossenschaft“ auf die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen, da droht diesem Geschäftsmodell ein “Unwetter“ in Form des Sachstandberichts zu genossenschaftlichen Milchlieferbedingungen durch das Bundeskartellamt.
Amos Venema, (c) Ceres Award

Dieses Amt hat offenbar die Bedeutung und den Inhalt einer Genossenschaft gar nicht verstanden. Durch seine Thesen zum Milchmarkt verunsichert das Kartellamt den Markt und schwächt die Position der Landwirte gegenüber dem Einzelhandel.

Die Stellungnahmen zum Milchmarkt und deren Genossenschaftsmolkereien stellen bewährte Grundprinzipien in Frage, die es in der Vergangenheit für viele, insbesondere kleine, landwirtschaftliche Betriebe erst möglich gemacht haben, am Markt teilzuhaben. Ihre Produkte gemeinsam in Genossenschaften zu vermarkten und so zu einem funktionierenden Wettbewerb beizutragen oder diesen erst möglich gemacht haben, waren und sind der Hauptantrieb der Landwirte für den Zusammenschluss in einer Genossenschaft. Gut 70 % der Milch in Deutschland wird deshalb auch von Genossenschaften erfasst und vermarktet.

Jedes Mitglied ist Milchlieferant und Unternehmer in seiner Genossenschaft. Andienpflicht und Abnahmeverpflichtung bei genossenschaftlichen Molkereien sind beide im Interesse der Eigentümer der Genossenschaft, nämlich den Landwirten.
Man stelle sich einmal vor: Weihnachten, Ostern, Neujahr ……. wird die Milch nicht abgeholt, weil in den Läden kein Absatz vorhanden ist. Im Frühjahr zur Weidezeit ist besonders viel Milch am Markt und die Molkerei holt nur die Hälfte ab, weil gerade keine genügenden Kontrakte für Käse und Joghurt vereinbart werden. Oder die Molkerei hat einen Werksausfall auf Grund von technischen Problemen und holt die Milch nicht ab.

Alle diese Szenarien sind einigen unserer Milchbauern nicht gänzlich unbekannt. Mitglieder der BDM Liefergemeinschaften waren vor ein paar Jahren sehr froh, wieder Mitglieder in einer Genossenschaft zu werden und von der Andienpflicht bzw. Abnahmepflicht zu profitieren.

Wenn die Grundprinzipien dieser genossenschaftlichen Kultur in Frage gestellt werden, müssen einige Fragen erlaubt sein:

  • Was ist mit all den Tankstellenpächtern, die von ihren Verpächtern genau vorgegeben bekommen von wem, wieviel und zu welchem Preis sie ihre Waren im Shop und an der Tankstelle verkaufen müssen?
  • Was ist mit all den Fastfood – Ketten, die sehr genaue und strikte Vorgaben machen?
  • Was ist mit den Wohnungsbaugesellschaften und ihren Vorgaben?
  • Was ist mit sämtlichen Einzelhandelsläden, die von ihren Lieferanten und Warengenossenschaften klare Vorgaben bis hin zur Plakatierung bekommen?
  • Was ist mit all den Autohäusern, die von ihren Marken klare Bestimmungen einhalten müssen bei der Vermarktung ihrer Autos?

Der Verdacht, dass es sich bei der Veröffentlichung des Sachstandberichtes zum Milchmarkt am Beispiel der DMK nur um eine politisch motivierte Meinungsbeeinflussung und nicht um eine sachliche Diskussion handelt, wird immer deutlicher und klarer. Es soll offenbar gezielt politischer Einfluss geltend gemacht werden. Ich hoffe sehr, dass die Politik sich ihrer Verantwortung bewusst ist und nicht die genossenschaftlichen Strukturen zerschlägt und genau damit die Existenzgrundlage der Milchbauern gefährdet!

Ich bin froh, dass wir Mitglied einer Molkereigenossenschaft sind und uns darauf verlassen können, dass unsere Milch immer abgeholt wird und wir dementsprechend unser Milchgeld bekommen. Für die Milchpreisfindung ist die Genossenschaft mit seinen gelebten Beziehungen zu seinen Mitgliedern ein Garant für ein ordentliches Milchgeld an die Bauern. Private Unternehmen mit zum Teil „losen“ Lieferbeziehungen zahlen im Gegensatz nur so viel, wie sie müssen, um keine Milch an die Genossenschaften zu verlieren. Sie wollen und sollen in erster Linie Gewinne für ihre Anteilseigner erzielen und nicht ein hohes Milchgeld für die Landwirte!

Bevor das Kartellamt in blinden Aktionismus verfällt, sollte dieser Gedanke erst zu Ende gedacht werden!

Ich bin ein „Genosse“ –
und das ist auch gut so!

Über Amos Venema

* Amos Venema aus dem ostfriesischem Jemgum ist Milchviehhalter und engagiert sich sehr in der Öffentlichkeit. Für die Viedeoplatform MyKuhTube hat er bereits viele Videos produziert.

32 Gedanken zu „Wir brauchen die Andienpflicht

  1. Entweder schreibt Milchbauer Amos Venema mit breiter Schulter völliger Ahnungslosigkeit, oder er schreibt bewußt für die abnehmende Lobby zu Lasten der Erzeuger. Für einen Vertreteranspruch der Bauern hat er sich hiermit disqualifiziert.

    1. Der Genossenschaftsgedanke wird nur nicht in Vollendung gelebt! Es ist richtig, dass es gerade die kleineren Betriebe schwer hätten sich ohne Genossenschaft zu halten! Beim LEH kann nicht der gerechte Milchpreis eingefordert werden, weil immer noch ein Tick zu viel Milch am Markt ist!!

      1. Das sehe ich auch so, nur: Mit einem DMK in den jetzigen Strukturen werden wir so eine Steuerung nicht hinbekommen! Die Genossenschaften müssen nicht zerschlagen werden, sondern so reformiert, dass sie wieder zum Wohl ihrer Lieferanten arbeiten. Das DMK zerstört sich im Übrigen gerade selbst; durch die erbarmungslose Tiefpreispolitik hat es die Bauern scharenweise zur Kündigung getrieben, denn das ist die einzige Möglichkeit, sich bei dieser Molkerei Gehör zu verschaffen, eben weil die Strukturen genau so gestaltet sind, dass die Mitglieder keine Einflussmöglichkeiten mehr haben.

  2. Amos Venema weiß anscheinend nicht, das beim DMK nur die Milcherfassung Genossenschaftlich ist.
    Er möchte mir doch Bitteschön mal erklären, welchen Einfluss Er auf die Vermarktung und somit der Preisgestaltung seiner abgelieferten Milch hat.
    Herr Venema ist in der Tat kein guter Unternehmer, wenn Er das nicht erkennt.

    1. Ich hätte soviel Blödsinn von einem der den dritten Platz bei der Goldenen Olga belegt hat nicht erwartet.
      Weißt du eigentlich was du da verzapfst
      Du hast dichl als Unternehmer völlig disqualifiziert.
      Als Unternehmer sollte man Gewinnorientiert sein. Es kommt nicht darauf an jeden Liter Milch abliefern zu dürfen,sondern mit dem Beruf Geld zu verdienen.
      Das du auch noch stolz darauf bist bei einer Genossenschaft Molkerei anzugehören die zu den schlechtesten Milchgeld auszahlen gehört ist schon mehr als peinlich.
      Deine Vergleiche in andren Branchen tun nichts zur Sache.
      Die goldene Olga hat keinen Wert mehr

      1. Lieber Hero,
        wenn Du so kommentierst, zeigst Du, wes Geistes Kind Du bist. Leider überblickst Du einige Zusammenhänge nicht. Disqualifiziere Dich bitte nicht noch mehr durch vollkommen unsachliche, persönliche Angriffe.

    2. Amos weiß vorauf es ankommt, nur DMK kann sich am Markt nicht behaupten, und das hat nicht mehr mit Größe zu tun. Die Menge müssen wir steuern, sonst geht alles den Bach runter, leiden werden wir alle, auch bei den vermeintlich guten Meiereien!

  3. In einem hat Amos Venema absolut Recht: Das Genossenschaftsmodell hat es IN DER VERGANGENHEIT für viele, insbesondere kleine, landwartischftliche Betriebe erst möglich gemacht, am Markt teilzuhaben. Diese Zeiten sind leider längst vorbei. Wenn man einige relativ unbedeutende Nischen-Genossenschaftsmolkereien mal außer acht lässt.
    Jedes Mitglied ist Milchlieferant in seiner Genossenschaft stimmt allerdings schon nicht mehr. Einfach mal bei der Genossenschaft nach der Mitgliederliste fragen und auf eine ehrliche Antwort hoffen. Da gibt es teils auch Mitglieder, die keine Milchlieferanten sind!
Und das jedes Mitglied auch Unternehmer in seiner Genossenschaft ist stimmt leider auch längst nicht mehr! Da ist das DMK nur ein Beispiel, welches aber glatt voran geht. Das DMK ist nämlich keine Genossenschaft! Das DMK ist eine GmbH! Eine GmbH, die von Liefergenossenschaften mit Rohmilch versorgt wird! Somit ist das Mitglied und Milchlieferant noch längst kein Unternehmer im DMK! Gleiches gilt inzwischen für so einige sich selbst fälschlicherweise noch immer als „Genossenschaft“ bezeichnende Molkerei, obwohl diese die unternehmerischen Entscheidungen der Molkerei längst in andere Gesellschaftsformen als der genossenschaftlichen übertragen haben. Dies freilich einst mit Zustimmung der Genossen, darf man von ausgehen, aber dennoch: Unternehmer der Molkerei ist man als Milchlieferant und Mitglied einer genossenschaftlichen Rohmilcherfassung noch lange nicht!
    Nun meint Amos Venema, es müssten einige Fragen erlaubt sein, wenn diese genossenschaftliche Kultur in Frage gestellt werden sollte. Ja, da habe ich auch einige Fragen an ihn: Welches seiner „Was ist mit all den…“-Beispielen hat zusammen eine Marktbeherrschung von 70% wie bei Milch UND ist in einzelnen großen Regionen marktbeherrschend, sprich: wo sich die gemeinten Genossenschaften ihr Geschäftsfeld untereinander regional aufteilen wie bei der Milch? Spätestens mit letztem Punkt zerplatzt die Fragestellung des Autors und belegt seinerseits nur eine politisch motivierte Meinungsbeeinflussung fernab jeder sachlichen Diskussion.
    Es ist auch längst nicht überall so, wie es der Autor schildert, dass für die Milchpreisfindung die gelebte Beziehung der Genossenschaft zu seinen Mitgliedern verantwortlich ist. Um dies bestätigt zu finden braucht man lediglich als Gast zu den Mitgliedsversammlungen der Genossenschaftsmolkereien gehen, um sich dort anzuhören, dass für den Preis „der Markt“ verantwortlich ist und die Genossenschaft den Mitgliedern keine höheren Preise als die am Markt erzielbaren auszahlen kann. Da haben die Mitglieder also kein einziges Wörtchen mitzureden!
    Mag durchaus sein, dass Amos Venema in seiner Genossenschaftsmolkerei glücklich ist. Andere Milcherzeuger sind es nicht. Und haben aufgrund der Marktaufteilung unterhalb der Genossenschaftsmolkereien kaum eine Chance für einen Wechsel zu einem anderen Abnehmer ihrer Produktion.
    Wenn Amos Venema eine solch kleine Nischen-Genossenschaft für sich gefunden hat, in der er mitreden und mitbestimmen kann, dann freut mich das! Als Mitglied größerer Genossenschaften, die ihr Geschäftsfeld in GmbHs und anderes ausgelagert haben ist man dagegen höchst selten noch Unternehmer, sondern viel eher nur einfacher Lieferant ohne aktives Mitspracherecht. Unternehmer ist man erst dann, wenn man seine Erzeugnisse meistbietend verkaufen kann. Man also auch einen Preis genannt bekommt, bevor man liefert. Und wenn man, wenn dieser Preis nicht mehr genehm ist, möglichst schnell zu einem besser zahlenden Abnehmer wechseln kann. Unternehmer ist man also erst dann, wenn man sich durch solche Dinge wie die Andienpflicht mit langen Vertragslaufzeiten nicht in seinem unternehmerischen Handeln knebeln lässt!

    1. Dietmar, wenn morgen Deine Meierei sagt, wir wollen nur noch 90 % des letzten Monats haben, machst Du dann mit, wenn Ihr den Preis halten könnt?

      1. Ja natürlich! Wenn ich unter Lockerung der Andienpflicht meine übrigbleibenden 10% Produktionsmenge dann anderweitig verkaufen darf. Weil ich anderswo bessere Preise erzielen kann hätte ich dann mehr verdient. Bei einem Molkereiwechsel könnte ich nicht mehr verdienen.
        Und wenn dem neuen, zweiten Abnehmer mein Produkt und die Art der Produktion gefällt kann ich ja auch mehr an den verkaufen als an meine Molkerei. Die bekäme dann vielleicht von mir aus nur noch 70% meiner Milch. Das ist schlichte Diversifizierung! Und diversifizieren sollen wir uns Bauern doch jetzt wieder! Das sagen Politik, Berater und der Bauernverband!
        Wenn die Molkerei nur noch 90% meiner Milch abnehmen möchte, dafür dann aber 3 Cent mehr bezahlen könnte, würde ich meine Milchproduktion sogar entsprechend runterfahren. Weil ich auch in diesem Fall durch Preisausgleich, Kosten- und Arbeitseinsparungen mindestens das selbe Einkommen wie vorher bei 100prozentiger Produktion und Andienpflicht einfahren könnte.
        Rechne mal nach. Weniger Arbeit und Aufwand, eventuell gar einen Angestellten weniger, das macht gleichermaßen entspannter und effektiver und bringt mehr als etwaige Synergieeffekte durch Produktionsausdehnung.

  4. Die Analyse des Kartellamts ist vollkommen korrekt. Wie sehr sie zutrifft, sieht man an reflexartigen Aufjaulen der kritisierten Genossenschaften, allen voran dem DMK. Umso trauriger, dass hier ein Milchbauer Strukturen verteidigt, die in der Milchkrise in den letzten zwei Jahren direkt zum Ruin hunderter von Betrieben geführt haben! Er leckt die Hand die ihn schlägt! Wenigstens wird sehr deutlich, auf welcher Seite er steht. Jedenfalls nicht solidarisch auf der der Milchbauern.

    1. Wo ist die Seite der Milchbauern? Ich habe viel Versammlungen besucht. Sobald es an das Eingemachte geht, denkt jeder nur an sich, verfolgt „seine eigene Ideologie“, und hofft, dass seine Thesen vom Rest der Welt gelebt wird! Die Zerschlagung der Genossenschaften, wird im Ergebnis viel mehr Opfer kosten! Wir brauchen eine Mengensteuerung, die auf den Markt reagiert, nur so werden wir die nächste Krise überstehen.

      1. Ruhig Blut! Es spricht ja niemand von der „Zerschlagung“ der Genossenschaften!
        Ansonsten stimme ich Dir aber zu. Die allermeisten scheinen nur noch sich selbst am nächsten zu sein. Auch die Beratung durch Kammer und Bauernverband zielt immer nur auf das einzelbetriebliche ab. Was aber einzelbetrieblich Sinn zu ergeben scheint kann für die gesamte Branche auch schädlich sein. Und schadet dann wieder jedem Einzelbetrieb.
        Wir und „die“ alle müssen lernen, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Wir und die müssen neben dem einzelbetriebliche auch die branchenweiten Auswirkungen unseres (deren) Handelns berücksichtigen.
        Ausschliesslich einzelbetrieblich beraten und umsetzen was der Branche insgesamt schadet und hernach die Politik anbetteln um Hilfskredite, Bürgschaften etc. macht uns als sogenannte „Unternehmer“ extrem unglaubwürdig und schadet unserem Image in der Öffentlichkeit horrend.

    1. Ja und? Was willst Du mit fast 10 Jahre alten Geschichten belegen? Besser man versucht es und scheitert als das man gar nichts versucht und in einem 150 Jahre alten System bleibt, dass sich längst selbst überlebt hat.
      Soll ich Dir eine Liste mit all den Molkereigenossenschaften aufmachen, die in der Zeit über den Jordan gegangen sind? Wo das Genossenschaftsprinzip eben nicht erfolgreich war!
      Ein Beispiel kann ich Dir da gleich geben: Der Vorgänger der Nordmilch, die später zum DMK wurde. Hat verdammt vielen Bauern verdammt viel Geld gekostet! Naja, so wie das DMK jetzt ja auch wieder.

  5. Olle Kamellen aus Papas Archiv!
    Die treuen DMK-Lieferanten haben über die Jahre durch den stetig miserablen Auszahlungspreis „ihrer“ Molkerei ein Vielfaches von dem verloren, was den Freie-Milch-Lieferanten damals verloren ging. Ich bedanke mich herzlich bei allen, die seinerzeit den Mut hatten und heute den Mut haben, beim DMK bzw. der damaligen Nordmilch zu kündigen und neue Wege der Milchvermarktung zu beschreiten. Nur so können verkrustete Strukturen aufgebrochen werden. Diejenigen, denen dieser Mut fehlt, sollten sich freuen, dass andere für sie den Kopf hinhalten. Das gilt übrigens auch für den Lieferstreik von 2008 und alle anderen Aktionen der BDM-Bäuerinnen und -bauern!

  6. Der überwiegende Teil der Milchbauern ist in Genossenschaftmolkereien,warum kann man den kein Mengenplan aufstellen,die Molkereien wissen wie viel Milch in etwa kommt ,kann damit planen und für seine Mitglieder einen Preis aushandeln mit dem sie leben können!
    Aber und gerade die dmk hat kein Interesse daran,alle Anlagen müssen ja anscheinend ausgelastet werden,der werden dann auch noch Milchmengen zu gekauft, Hauptsache man füllt die Regale koste es was es wolle….Und wo bleibt der Genosse?
    Nebenbei sehe ich es bei dmk sehr kritisch,da nicht jeder gleich behandelt wird, da gab es doch diese Wachstumprämie, unteranderem Stafelpreise bei der Anlieferung,also wird nicht jeder gleich behandelt!
    Dann werden Geschäftsbereiche in die AG gepackt wo jeder einwirken wie er will,mit Ausnahme der Genossen,dieser darf nur das Risiko tragen!
    Amos was ich dir hier mitgeben will,ist das wir uns auch als Unternehmer verkaufen müssen,dies ist uns leider komplett entzogen worden,durch den Einfluss des DBV,er ist es der uns Bauern an der Milchindustrie verraten und verkauft hat!
    Wenn wir nun nicht umsetzen was das Kartellamt fordert,braucht keiner mehr über den Handel zu schimpfen,die wissen wie der Markt läuft und nutzen unsere Untätigkeit aus!
    Ich hoffe das es nun ein Aufbruch in eine neue Zeit der Markt Gleichberechtigung gibt!

  7. Die Einschätzung von Amos Venema teile ich zu 100%. Es ist irreführend, wenn durch Herrn Kleensang der Eindruck vermittelt wird, DMK e.G. und GmbH stünden nicht im Eigentum der Mitglieder der Genossenschaft. Über die Koppelung von Mitgliedschaft und Lieferverpflichtung wird außerdem erreicht, dass die aktiven Lieferanten Eigentümer des Unternehmens sind.
    Zu Herrn Ilchmann möchte ich sagen, dass ich nichts davon halte, die Bauern so klein und ohnmächtig gegenüber den Molkereien darzustellen. Wir sind nicht klein und ohnmächtig, sondern üben über die gewählten Gremien die letztgültige Entscheidungsmacht aus.
    Auch die Entscheidungen zur strategischen Ausrichtung der DMK wurden den Gremien kommuniziert und mit getragen.
    Als Mitglied der Genossenschaft hoffe ich natürlich auch, dass wir damit Erfolg haben.
    Gewisse Kündigungsfristen braucht es im Übrigen auch. Es würde doch auch keiner auf die Idee kommen, eine landwirtschaftliche GbR mit monatlicher Kündigungsfrist zu gründen.

    1. Lieber Herr Heusmann,
      dass Sie sich in den Entscheidungsprozessen beim DMK gut vertreten fühlen, glaube ich Ihnen sofort! Dafür sorgt ja schon der ganz kurze Dienstweg zwischen Landvolk, Landesvereinigung und DMK. Viele andere Lieferanten haben aber wohl nicht das Gefühl, gut vertreten zu sein, wie sonst erklären Sie sich die unglaubliche Zahl von Kündigungen? Für mich ist das ein Beleg dafür, dass viele Genossen mit dem Kurs „ihrer“ Molkerei unzufrieden sind und keine Hoffnung haben, dass sich etwas bessert. Dazu gehört auch, dass kein Vertrauen in die Gremien des DMK besteht. Und ein letztes: Eine gute Molkerei mit einem konkurrenzfähigen Milchpreis braucht doch vor einer moderaten Verkürzung der Kündigungsfristen keine Angst zu haben (wer redet denn von einem Monat?)! Die heftige Gegenwehr der Verbände der Molkereiwirtschaft und insbesondere des DMK gegen die Analyse des Kartellamts ist für mich ein Beweis dafür, dass man dort die Hoffnung bereits aufgegeben hat, jemals mit Konkurrenzmolkereien auf Augenhöhe zu kommen. Da ist es doch viel bequemer, die verkrusteten Strukturen beizubehalten und die monopolartige Stellung in weiten Regionen Norddeutschlands zu nutzen, um so Molkereiwechsel zu verhindern. Auch DMK sollte sich endlich dem freien Markt (um Rohmilch) stellen, wir Milcherzeuger müssen es ja auch! Möge der Bessere bestehen!

  8. Das DMK ist durch Fusionen gewachsen und nicht durch Leistung. Das Festalten am freien Markt in Kombination mit unbegrenzter Milchabnahmegarantie für die Milchbauern führt in der Gesamtheit nicht zu kostendeckenden Milchpreisen für die Bauern, da der globale Markt das in der Regel nicht zulässt. Wer das bei seinen Entscheidungen nicht berücksichtigt, fährt einen ganzen Berufstand gegen die Wand und will eine Veränderung der bäuerlichen Kulturlandschaft.

  9. Herr Venema,
    Ihnen macht es sicher nichts aus,wie ein Tankstellenpächter Preisdiktate anzunehmen,wie ein Fast Food Frenchaisenehmer oder Kettenladen Vorgaben zu befolgen, auch als Besitzer eines Autohauses würden sie wahrscheinlich die Drangsalierung durch den Mutterkonzern stoisch ertragen,aber Gott sei Dank gibt es noch genügend Bauern die nicht mehr tatenlos zuschauen ,wie dem Genossenschaftgedanken der Garaus gemacht wird.
    Auch ist die Schadenfreude über die notgedrungene Rückkehr einiger BDM -Streiter in die DMK völlig fehl am Platze, ist das doch ein historisches Beispiel für mangelnde Solidarität und Hinterhältigkeit unter Bauern.
    Ich finde es ausgesprochen traurig ,daß im ländlichen Kulturraum Dorf wohl nur noch die angepassten Jasager übrig bleiben.

  10. Hier werden die Chancen schlechter gesehen als die Risiken. Es kann nicht sein, das die Milcherzeuger zu jedem beliebigen Preis liefern müssen und keinerlei Einfluss auf die Preisgestaltung haben. Dieses Modell mag in Verbindung mit zugeteilten Milchmengen Sinn machen, aber nicht auf dem freien Markt. Kündigungsfristen sollten auf 2 bis 3 Monate begrenzt sein. Deshalb braucht eine Genossenschaft nicht zerschlagen werden.
    Man kann auch sein Kraftfutter bei einem anderen Händler einkaufen, obwohl man Mitglied einer Warengenossenschaft ist. Gleiches gilt auch für eine evtl. Getreideanlieferung.

    1. Das mit dem nicht liefern, trotz Andienpflicht, ist im Obstbau gang und gebe. Bei der Milch ist das schon schwieriger zu machen, denn sie ist nicht lagerfähig und sie ist kein Stückgut.

  11. Es wird am bisher guten Genossenschaftsmodell herum gedoktert. Ich vermute mal, dass es bei der DMK, und wegen ihr geht hier, der „Fisch vom Kopf her stinkt“. Da kann das Genossenschaftsmodell nichts dafür.

  12. Also,zum einen ist Venema Genosse bei der DMK und behauptet im selben Text das nur Genossenschaftsmolkereien ordentlich auszahen. …..ohne Worte. ..
    Zum anderen behauptet Venema das die privaten Molkereien nur soviel auszahlen das die Bauern nicht zu Genossenschaftsmolkereien wechseln. ….
    Was soll diese Aussage bedeuten. ….Das private Molkereien mehr auszahlen könnten wie Genossenschaftsmolkereien?
    Unglaublich!

    1. Zitat Theo Müller von Müller-Milch: „Natürlich könnte ich meinen Bauern 10 Cent mehr auszahlen, aber warum sollte ich denn?“ Die guten Privatmolkereien orientieren sich bei ihrem Auszahlungspreis an den schlechten Milchpreisen der großen Genossenschaften. Es reicht ja, wenn sie einen Cent mehr zahlen. So zieht DMK seit vielen Jahren den Milchpreis für ganz Deutschland in den Keller!

  13. Wenn bei einer Genossenschaft was falsch läuft, ist das intern zu regeln. Dem Kartellamt – weil es gerade in den Kram passt – zuzustimmen, könnte sich als rechter Bumerang erweisen, der auch gesunde Genossenschaften schwächt.

    1. Die interne Regelung funktioniert bei manchen molochartigen Genossenschaftsmolkereien aber nicht mehr! Die Gremien vertreten nicht die Interessen der Lieferanten, sonst hätten z.B. beim DMK nicht so viele gekündigt, als letztes Mittel, weil man anders seine Interessen nicht einbringen kann. Deshalb müssen in diesen Fällen Strukturen reformiert werden. „Gesunde“ Genossenschaften haben in der Regel eine sehr gute Mitgliederbindung, und wenn die Genossen zufrieden sind und sich gut vertreten sehen, halten sie „ihrer“ Genossenschaft auch die Treue.

      1. Beim DMK fehlt es Einnahmenseitig. Was sie nicht einnehmen, können sie nicht auszahlen. Synergieeffekte durch konnten nicht genutzt werden, um Stückkosten erzeugerpreiswirksam zu senken, und trotz der Größe hat man es nicht geschafft, starke Marken zu etablieren.
        Eine Genossenschaft bietet Sicherheit und Abnahmegarantie, wie sie ihre ihre Eigentümer wünschen. Und wenn sich die Eigentümer einig sind, können sie sich auch gegenseitig eine Andienpflicht auferlegen, und wenn sie das jedem einzelnen überlassen wollen, auch nicht.
        Es steht aber auch jedem Mitglied frei, seine Milch selbst zu vermarkten, einer Privatmolkerei anzuschließen, oder eine Genossenschaft zu gründen. Beispiele gibt es da. Faire Milch, Sternenfair, Freie Milch AG, Bayerische Bauernmilch, etc. sind oder waren selbst am Markt. Wie weit, und in welche Richtung sie sich vom Markt abheben konnten, konnten sie aufgrund der geringen Mitgliederzahl meist unter Verschluss halten. Aber im Vergleich zu jahrzehntealten Genossenschaften sind sie ja noch jung, und werden sich bestimmt noch zu beweisen wissen.

        Manchmal werden ihnen auch Steine in den Weg gelegt, wie zB hier:

        http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=100439&bernr=01&seite=08

        Da wagt es doch gerade die Weltenretterszene, zu der sich die Faire Milch auch unbedingt selbst zählen möchte, die Marke Faire Milch als die Unfairste zu bezeichnen….gibts denn sowas?

  14. Die Diskussionen zu dem Text waren und sind sehr intensiv. Milch ist und bleibt ein sehr spannendes Thema unter uns Milchviehhalter. Die zum Teil sehr emotional geführte Diskussion macht einmal mehr deutlich, wie angespannt die Nerven bei einigen unserer Berufskollegen sind. Die fast unerträglichen Belastungen haben mehrere Ursachen: schlechte Milchpreise, die ein oder andere öffentliche Diffamierungskampagne und keine klare Gewissheit, wie es weiter geht!
    Trotz all dieser Sorgen und Nöte sollten wir respektvoll miteinander umgehen. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Verfahren für alle Milchviehhalter zu einem Problem werden kann und als dieses sollte der Text auch zu einer sachlichen Diskussion anregen. Es ist nicht nur die DMK, die die Konsequenzen eines Beschlusses des Kartellamtes umsetzen müsste.
    Jeder Milchviehhalter, der mit dem System der jetzigen Form der Genossenschaften nicht zu frieden ist, hat diverse Möglichkeiten (wir leben in einem freien Land):
    1. sich wählen lassen und die Geschicke der Genossenschaft aktiv mitgestalten,
    2. zu einer nicht – genossenschaftlichen Molkerei wechseln,
    3. freie Kontrakte mit Milchhändlern schließen,
    4. direkt und selber vermarkten
    Ich bedanke mich bei den sachlichen Teilnehmern dieser Diskussion und hoffe, dass wir mit viel Optimismus in die Zukunft blicken können!

    1. Die Lösungsvorschläge für Unzufriedene sind teilweise unrealistisch:
      1. Die Wahlen bei Regionalversammlungen sind oft eine Farce, vorher ausgekuckte Vertreter, die sich durch Jasagen und Abnicken qualifiziert haben, werden „gewählt“. Selbst wenn mal einer durchrutscht, der etwas eigenständiger denkt, hat er z.B. beim DMK in der Vertreterversammlung ja gar nichts zu entscheiden, die Unternehmenspolitik wird ja nicht in der eG gemacht, sondern in der GmbH.
      2. Wechseln ist wegen der langen Kündigungsfristen und der Quasi-Monopolstellung des DMK in manchen Gegenden nicht so einfach. Übrigens muss man nicht unbedingt zu einer Privatmolkerei wechseln, eine GUTE Genossenschaft tut´s ja auch 😉
      3. und 4. kann man machen, es fehlt noch
      5. Kündigen und sich mit vielen Kollegen in Erzeugergemeinschaften bzw. der MEG Milchboard zusammenschließen, um gemeinsam auf Augenhöhe mit Molkereien (kann auch das DMK sein) zu verhandeln und
      6. Sich einem Verband anschließen, der wirklich Milchbauerninteressen vertritt, wie dem BDM, und sich gemeinsam für bessere politische Rahmenbedingungen einsetzen.
      5. und 6. erfordern ein bisschen Mut, eigenständiges Denken und Solidarität, deshalb bist du wahrscheinlich nicht drauf gekommen, Amos!

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